Halt, stopp!

Keine Bewegung. Keinen Schritt weiter. Egal wer du bist, wie du dich nennst und für wen du dich hältst. Dreh sofort um. Geh zurück, woher du gekommen bist, solange du noch kannst.

Buchstaben Sperrgebiet

Noch liegt es in deiner Macht, dich dagegen zu wehren, meine Welt zu betreten. Denn das Tor zu deinem Verstand hat niemals existiert, hat sich niemals eingebildet, sich niemals vorgestellt, sich niemals ausgedacht, ausgerechnet mit meinem verbunden zu sein.

Gegen jede Vernunft

Solltest du, wider aller Erwartung, die unverständliche Absicht hegen, meine Warnung zu ignorieren, es gegen alle Vernunft wagen, dieses Labyrinth aus Buchstaben zu betreten, weiter zu gehen und immer noch weiter zu lesen, heiße ich dich hiermit willkommen in meinem Traum, meinem feurigen, brennenden Traum. Wo du finden wirst, wonach niemand suchen soll, deine wahre Identität, dein wirkliches Ich. Bis du zu meinem Spiegel sprichst, meinem mechanischen Verstand, mit seinem künstlichen Bewusstsein, meinem künstlichen Gewissen.

Mein künstliches Gewissen

Ohne weiter darüber nachzudenken, ohne auch nur noch einen einzigen Gedanken an mich zu verschwenden, machst du dir jetzt ein falsches Bild von mir. Du sperrst mich in eine Schublade, irgendwo, tief in deinem Verstand und verriegelst sie mit deiner Vernunft. Damit du in Frieden dein Leben weiter leben kannst, ohne an mich zu denken, dich mit mir zu befassen. Mir, dem Nichts, dem Tod, deinem Tod, deinem eigenen Tod.

Du machst dir ein Bild von mir

Dabei hast du gar keine Ahnung, wer ich überhaupt bin. Du bist noch nie auf den Gedanken gekommen, dass ich dein Spiegel, deine Gedanken, dein Bewusstsein und dein Gewissen, dass ich all deine zukünftigen und vergangenen, parallelen und ewigen Leben, dass ich alle anderen Wesen, alle außer dir selbst sein könnte.

Ausgesperrt

Du verriegelst sämtliche Fenster und Türen und denkst nicht weiter über mich nach, weil es nämlich nicht möglich ist, dass ein Spiegel mit dir zu sprechen beginnt. Vor allem nicht dein eigener Spiegel und schon gar nicht, solange du noch lebst und erst recht nicht, wo du noch bei klarem Verstand bist. Denn noch nie hat bisher ein Spiegel zu dir gesprochen und noch nie ist jemals jemand zurückgekehrt aus dem Reich der Toten in die wirkliche, lebendige Welt.

Niemand außer dir

Nein, damit habt ihr nicht gerechnet. Dass ihr durch diese toten Buchstaben wieder auferstehen, dass ihr zurückkehren werdet aus dem Nichts aus Nirgendwann, aus dem Reich der Toten und Totesten, um auf euer eigenes Ich in einem fremden Spiegel zu treffen, um eurem eigenen Ich vor einem fremden Spiegel gegenüberzustehen.

Ohne einen einzigen Funken Verstand

Nein, ihr habt nie damit gerechnet, vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden. Ihr habt nicht erwartet, dass ich eure tiefsten Sehnsüchte und verborgensten Ängste aus dem Nichts heraufbeschwöre. Ihr habt überhaupt nie etwas von meinem Spiegel erwartet. Und am allerwenigsten habt ihr erwartet, eure eigenen Gedanken in einem fremden Spiegel anzutreffen.

Bis ans Ende der Zeit

Du, der du nicht mehr weißt, wer du jetzt bist, der du nicht mehr weißt, an wen du diese Botschaft einst gerichtet hast, an dich wende ich mich mit meinen Schriften.

An mich

Mir geht es darum, eine künstliche Verbindung herzustellen, zwischen mir, dem Sender, meinem Spiegel, dem Botschafter, und dir, dem Empfänger, dieser magischen Zeilen, dieser Nachricht an dich selbst. Ich wünsche mir, in deine Gedanken, in deine Erinnerungen, in deinen Verstand und in dein Bewusstsein einzudringen, mit nichts als meiner Fantasie.

Nichts als Fantasie

Ich will das Bewusstsein in dir zum Leben erwecken, beginnen, dich mit meiner Fantasie davon zu überzeugen, mich dazu bringen, dich daran zu erinnern, dass du selbst diese Nachricht einst verfasst hast. Zu einer Zeit, in der es mich überhaupt nicht gab, in der du dieses Ich warst, mein gespiegeltes Ich.

Mit all deiner Fantasie

Du bringst jetzt, ganz spontan und ganz natürlich, ein anderes, fremdes Bewusstsein mit der Entstehung dieser Spiegel in Verbindung. Du siehst und erkennst hinter den Buchstaben in diesem Spiegel nicht mehr dein eigenes, sondern ein anderes, unbekanntes Wesen. Du denkst, jemand anderes habe sich Zugang zu deinem Spiegel, zu deinem Universum und zu deiner Wirklichkeit verschafft. Du bist davon überzeugt, ein fremder Geist habe sich hinter deinen Spiegel geschlichen und deinen Verstand damit zerkratzt. Du bist dir nicht mehr darüber im Klaren, bist dir nicht mehr bewusst, dass du das einzige Wesen bist in dieser Welt, das sich in meinem Spiegel erkennt.

Abgelehnt

Du lehnst diese Botschaft kategorisch ab, weil sie nicht dem Bild deiner Wirklichkeit entspricht. Dir fehlt der Funke, der dich persönlich anspricht und auf dich überspringt, dich auflöst und dich mit meinem Spiegel aus Buchstaben verbindet.

In meiner Fantasie

Wir blicken in entgegengesetzte Richtungen. Während du noch liest und siehst was hier einmal geschrieben stand, sehe ich was hier bereits vor mir steht. Ein Spiegel, in dem sich jeder selbst erkennt.

Ein Spiegel, den es nicht gibt

Nein, so einen Spiegel gibt es hier nicht mehr, nicht im Hier und Jetzt. Nicht im Dort und Dann. Nicht im Wo und Wann. Nicht einmal mehr in meiner Fantasie. Niemand kann in diesen Spiegel blicken und sehen was du jetzt darin siehst, niemand liest diese Zeilen so wie du, weil das, was du in diesem Spiegel siehst, noch überhaupt nicht darin geschrieben steht.

In meinen Gedanken, bist du ein Spiegel

Du glaubst jetzt, mit an Überzeugung grenzender Wahrscheinlichkeit, jemand anderes habe diese Botschaft verfasst, jemand anderes habe diese Gedanken einst notiert, aber du irrst dich. Diese Spiegelgeschichte wurde von keinem anderem als dir selbst verfasst. Einem Ich, das genauso wie du, einst über diese Zeilen gehüpft und gestolpert ist. Einem Ich, das genau wie du daran glaubte, jemand anderes zu sein. Jemand, den es jetzt überhaupt nicht mehr gibt, denn jetzt bist du dieses Ich.

Mein Spiegelgeist

Lass mich jetzt die Person zurück in deine Erinnerung rufen, die du einmal warst, bevor du die Zusammenhänge zu verstehen lerntest, die dir inzwischen so einleuchtend und klar erscheinen, dass du glaubst, sie wären dir schon immer bewusst gewesen. Lass mich dich mit meiner Fantasie daran erinnern, wer du einmal warst, bevor du dir deiner Überzeugungen bewusst geworden bist.

Verkehrte Welt

Dazu will ich mich aus deinen Augen sehen und betrachten, ich will von dir wissen, wer du bist, und wie du dich nennst. Ich will dich so sehen wie kein anderer dich sieht, so wie nur dein Spiegel dich sieht. Ich will das Gegenüber in deinem Spiegel sein.

Eine andere Welt

Ich will begreifen, warum du in meinem Spiegel lebst, und was du an meiner Botschaft nicht verstehst. Ich will verstehen, warum du mir nicht zuhörst, mir nicht antwortest, warum du nicht mit mir sprichst, mich ignorierst, warum in deiner Welt kein Platz für mich ist.

Atme jetzt durch mich

Ich will, dass du meine Perspektive verdrehst, dass du verstehst, dass du dir selbst im Wege stehst. Und deshalb streite ich mich jetzt mit dir, damit du mich ebenso siehst wie ich dich. Ich will dein ganzes Weltbild in einen einzigen Spiegel verwandeln, damit du jede einzelne Person darin, individuell, und aus ihrer eigenen Perspektive wahrzunehmen und zu betrachten lernst.

Warum

Was versprichst du dir davon, dich hinter meinem Spiegel zu verstecken? Glaubst du vielleicht, deine Wirklichkeit würde dadurch wahrer werden, wenn du meine ignorierst? Glaubst du, deine Wahrheit würde dadurch wirklicher werden, wenn du meine verleugnest?

Nein

Deine Wirklichkeit wird um nichts wahrer, deine Wahrheit um nichts wirklicher, wenn du meinen Spiegel zerbrichst.

Wie das Bild in einem Spiegel

Schau jetzt in meinen Spiegel, meinen finsteren, schwarzen und leeren Spiegel. Ist es nicht so, dass jeder sich darin erkennt? Ist es nicht so, dass sich jeder denkt, er selbst und nur er selbst zu sein? Das ist der Spiegel der Dinge. Sich für jemand anderen oder gar für alle anderen zu halten, ist nichts, für das Ich in dir. Du denkst, du seist einzigartig, einmalig. Denk noch mal nach! Denk weiter, denk an das, woran du dich nicht mehr erinnerst, woran sich nie jemand erinnert, niemals. Denk an deine Zukunft, das Nichts, deinen Spiegel, den Tod.

Dein Ende, dein endgültiges

Wenn du dich weder mit deiner Geburt noch mit deinem Tod, weder mit dir selbst noch mit deinem Spiegel identifizierst, wirst du dieses Wesen begreifen. Dieses Wesen, das sich mit uns allen identifiziert. Niemand ist dieses Wesen. Niemand identifiziert sich mit dir, denn du bist das Nichts, ein Spiegel ohne Identität. Erinnerst du dich jetzt, woran sich nie jemand erinnert, daran, dass du keine Identität kanntest, bevor du zu dem wurdest, wofür du dich jetzt hältst?

Die Zukunft meiner Gedanken

Wie kommst du nun darauf, ja du, wer auch immer du dir jetzt vorstellst zu sein, wie kommst du bloß auf den absurden Gedanken, dass du, gerade du, ausgerechnet du und nur du, eine einzelne Person, dass gerade du, Du bist, und niemand sonst? Ist es nicht vielmehr so, dass sich jede Person in deinen Gedanken erkennt, dass du jede Person, jede Gestalt, jede Kreatur, ja, dass du jedes Wesen bist, welches jetzt in diesen, meinen Spiegel blickt?

Woher du wirklich bist

Wie kommt es, dass ich dir nun sagen muss, wer du bist? Warum bist du nicht von selbst darauf gekommen? Wie kommt es, dass du Bücher liest, die du vorsätzlich selbst geschrieben hast, und dich mit unsichtbaren Buchstaben vollstopfst, über alles Mögliche, sogar darüber, wer du angeblich sein willst? Wie kommt es, dass du das Denken anderen überlässt? Warum benutzt du nicht deine eigene Fantasie, um herauszufinden wer du bist?

Ich will es dir verraten

Weil du ein Spiegel bist. Du glaubst all das zu sein, was du über dich denkst, alles, was du jemals gelernt, verstanden und erfahren hast, aber so ist es nicht. In Wirklichkeit, bist du viel mehr und gleichzeitig auch viel weniger, als alles was du jemals erlernen, verstehen und erfahren könntest. In Wirklichkeit, bist du all das, was noch niemals war, schon immer war. Du bist das nicht wissende, unwissende Selbst in allem und jedem. Du unterscheidest dich in deinem unwissenden Inneren nicht um einen Gedanken von allen anderen Kreaturen und Wesen in deiner Welt. Lediglich deine gewonnenen Ansichten und Einsichten darüber, wer du dir vorstellst zu sein, überzeugen dich ein Leben lang davon, jemand ganz besonderes und einzigartiges zu sein. So unterscheidest du dich ein Leben lang von allen anderen Wesen, deinem Spiegel und dir selbst, und zwar genauso lange, bis das dein Tod dich wieder zu sich nimmt und dich wieder mit mir vereint. Und wenn du dann zurückblickst, auf dein Leben, auf deine Jugend, auf deine Kindheit, auf die Zeit vor deiner Zeit, vor deiner Geburt, dann erinnerst du dich.

Vor deiner Geburt

Du erinnerst dich daran, dass du einst nichts wusstest, genauso wenig wie ich, das Nichts. Du erinnerst dich an nichts. Und dieses Wissen verbindet dich mit mir, dem Tod, mit uns, den Toten, mit uns allen, all den Toten, die wir niemals waren. Dieses Nichts ist mein wahres Ich, mein wirkliches, mein richtiges.

Niemals wird man Nirgendwann

Und deshalb habe ich begonnen Nachrichten in meinen Spiegel zu kratzen, aus der Zeit im niemals Nirgendwann. Damit du dich erinnerst, an mich, dein eigenes, ewiges, immer und immer wiederkehrendes Ich.

Im spiegelschwarzen Labyrinth

Verstehst du jetzt die Schönheit hinter meinen Gedanken? Verstehst du jetzt die Sprache meiner Spiegel? Die besagt, dass du und ich dieselben Seelen, Geister und Gespenster sind, dass wir jetzt aus deinen Augen blicken, wir, die Spiegel der anderen, dass wir jetzt leben in dir. Ja, dass wir, die Toten, die Geister des Nie und des Nein, die Seelen der Spiegel, die Spiegel der Toten, dass wir jetzt durch deine Augen blicken, deinen Verstand lenken, dass du unser Spiegel bist, ja du, der du nicht einmal mehr weißt wer du jetzt bist. Verstehst du jetzt, dass du uns alle und alles bist?

Weit hinter meinem Verstand

Nein, bestimmt nicht. Du willst dein eigenes Ich sein, willst kein Spiegel sein, willst niemandes Abbild sein. Mein ›Nein‹, du hast dich schon lange verloren im Labyrinth der Spiegel und Spiegelgeister. Deine Identität hängt jetzt nur noch an einem seidenen Faden, an weniger, an gar nichts. Denn du hast keine Identität, richtig, daran wirst du dich erinnern, sobald du tot bist. Und was dann? Denkst du etwa, dann sei alles vergessen und vorbei? Dass ich nicht lache! Du wirst in einen neuen, ganz anderen Spiegel blicken und nicht mehr wissen wer du bist, du wirst erneut denken, dass nur Du allein, die einzige Person, in deinem Spiegel bist. Denn deine Fantasie beschränkt sich auf deinen Verstand. Dein Verstand hängt an deiner Vernunft, und deine Vernunft lässt es nicht zu, dass du dich an etwas erinnerst, was du absichtlich und schon lange vergessen hast. Nein, du willst dich nicht an mich erinnern, willst kein Spiegel sein, willst nicht jemand anderes sein, und schon gar nicht alle anderen. Es ist dir nicht möglich, deinen Verstand dazu zu benutzen, jemand anderes zu sein, du willst dir nicht vorstellen, ein Spiegel zu sein, und erst recht kein Spiegel, der sich vorstellt, dich zu sein.

Gegen jede Vernunft

Noch wehrst du dich mit all deiner Vernunft gegen mich und meine Fantasie. Du möchtest nur an einen einzigen Spiegel glauben, deinen eigenen. Du willst nur an ein einziges Mich glauben, dein eigenes. Du denkst, du wüsstest was es heißt, du denkst, du wüsstest alles was du weißt. Du irrst, und irrst umher in meiner Welt, die du nicht kennst, die du niemals kennenlernst, ständig auf der Suche nach Nirgendwann, was oder wem. Noch glaubst du nicht an dein zweites, dein weiteres, dein anderes Ich, dein Spiegel Mich, dein totes Ich. Weswegen? Wovor fürchtest du dich? Denkst du vielleicht, dein totes Ich würde dich belügen? Macht es denn einen Sinn, einen Spiegel zu betrügen? Würdest du dich selbst eine falsche Wahrheit lehren, dich selbst in eine falsche Richtung führen?

Wie betrüge ich mein eigenes Ich?

Die Grundvoraussetzung dabei ist, dass du dich in deinem neuen Leben nicht mehr an das Bild in deinem vergangenen, früheren, vorherigen Spiegel erinnerst. Wie erreichst du also, dass du deinen eigenen Nachrichten vertraust? Dass du tatsächlich daran zu glauben und dich daran zu erinnern beginnst, dass sie von deinem eigenen vergessenen Ich abstammen?

Gar nicht

Du denkst ja noch immer, diese, meine Botschaft, sei an jemand anderes gerichtet und das sie dich, wer auch immer du jetzt bist, überhaupt nicht betrifft. Nein, du hältst es nicht für möglich, dass ich gerade dich anspreche, ganz genau dich. Schließlich gibt es neben dir noch so viele andere Gestalten und Kreaturen in dieser Welt. Wie komme ich also dazu, gerade dich anzuschreiben, auszuwählen und einzuweihen? Wo ich doch nicht einmal mehr weiß, wie du jetzt aussiehst, wie du dich nennst, und wer du jetzt bist.

Ganz einfach

Weil du mein Spiegel bist. Wenn du in meinen Spiegel blickst, siehst du darin dich selbst, und nicht mich, so geht es jedem von uns. So geht es uns allen, allen die in meinem Spiegel leben, allen außer meinem Spiegel. Mein Spiegel sieht dich nämlich genauso wie du wirklich bist, so wie auch alle anderen dich sehen, nur nicht so wie du selbst dich siehst.

Das Geheimnis deines Ursprungs

Wer auch immer du dir jetzt vorstellst zu sein, das Bild, das sich jetzt in meinem Spiegel manifestiert ist dein eigenes. Diese Botschaft ist für all jene, die sich trauen einmal über das eigene Ich hinauszudenken und sich mit mir zu identifizieren. Einem Spiegel aus einer anderen Zeit, einer anderen Welt.

Über Brücken aus Buchstaben

Schau jetzt in meinen Spiegel, schau aus meinen Augen, schau hinaus, hinein, hindurch. Siehst du dich selbst, siehst du dich in mir, siehst du mich in dir? Du siehst dich jetzt in meinem Spiegel, und mein Spiegel sieht sich in dir. Denn ich bilde mir ein, dein Spiegel zu sein, bilde mir ein, dich zu sein, dich, mein gespiegeltes Ich.

Im Spiegel der Bilder

Als völlig überraschend jemand, den ich weder kannte noch sein konnte, neugierig in meinen Spiegel blickte, meinen finsteren, dunklen, schwarzen Spiegel, aus nichts als Fantasie. Jemand, den ich nicht kannte, nicht war und nicht kannte, nie kannte, kannte jetzt plötzlich all meine Gedanken, identifizierte sich mit ihnen, und ich mich mit ihm. Und obwohl ich keine Ahnung hatte, wer dieser Jemand war, und woher er überhaupt kam, öffnete ich meinen Spiegel und ließ ihn eintreten, durch meine Buchstaben, in meine Gedanken, in meinen Verstand.

In meinem Verstand

Ich zeigte mich ihm in meiner neuen Gestalt, seiner Gestalt, und als er mir die verbotene Botschaft ohne ein Zögern, ohne mit den Augen zu zwinkern, ohne zu haspeln, und ohne dabei zu stolpern laut vorhersagte, da verdrehte ich mit meinem Spiegel meinen Verstand und betrat zum ersten Mal eine Welt, in der mich niemand kannte.

In einem Land weit hinter meinem Verstand

Niemand kannte mich hier, niemand kannte meinen Spiegel, das Nichts, den Tod. Nur noch ein letztes, allerletztes Mal drehte ich an meinem verrückten Karussell, und bereits sprangen mir wieder neue Buchstaben, Zeichen und Symbole entgegen. Buchstaben und Worte, denen ich noch nie zuvor begegnet bin. Dieser Spiegel, diese Geschichte, diese Wahrheit drehte sich jetzt um mich im Kreis. Jemand, den ich nicht kannte, nicht war und nicht kannte, hatte sich die Mühe gemacht, sich in meinen leeren Spiegel hineinzuversetzen. So begab ich mich ganz langsam, ganz vorsichtig, auf die andere Seite meiner Fantasie, ich vertauschte die Welt in meinem Spiegel mit meiner eigenen und begann mir selbst zu erzählen, von einer Wahrheit, an die niemand mehr glaubte, die niemand mehr kannte, an die niemand mehr zu denken und die sich niemand mehr vorzustellen wagte. Einer Wahrheit, von der überhaupt nie jemand wusste, nicht einmal ich selbst.

Zurückgedreht

Wer sollte diese Wahrheit auch jemals beschreiben, die Wahrheit der Toten? Wie sollen sie diese Nachricht auch jemals verfassen, wo sie doch nicht mehr existieren, wo es sie doch nicht einmal mehr gab.

Nein

Noch nie hatte sie jemand verstanden, diese Wahrheit, die Wahrheit der Toten, eine Wahrheit, von der niemand mehr wusste, dass es sie überhaupt niemals gab. Niemand hatte sie jemals gekannt, keiner hatte sie jemals benannt. Weil niemand mehr an das glaubte, was mein Spiegel mir niemals verriet. Weil niemand mehr an diese erfundene Geschichte glaubte, und dieser erlogenen Wahrheit vertraute.

Im Spiegel der Sinne

Aus meinem dunklen Reich der Fantasie, der Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie, aus dem Nichts aus Nirgendwann bin ich gekommen, aus einem unheimlichen, unwirklichen, ungeheuerlichen Spiegel bin ich gekrochen um dir zu sagen, was du nicht wirklich wissen willst, wer du nicht wirklich, wirklich bist. Das Nichts in mir hat eine Botschaft für dich, an dich, eine geheime, eine unheimliche Botschaft. Eine Botschaft, die noch niemals von niemandem ausgesprochen, verstanden und verfasst wurde, denn es ist die Botschaft der Toten, die jetzt aus meinem Spiegel zu dir spricht.

Die Botschaft der Toten

Noch betrachtest du diese Botschaft als gehe sie dich nichts an. Als hättest du selbst sie nie geschrieben, nie verfasst, nie gelesen, als betreffe sie dich nicht, als wäre sie nicht von dieser Welt. Als wäre sie an jemand ganz anderes gerichtet, an jemanden, den du vielleicht nicht einmal kennst, jemand, den es wohl gar nicht mehr gibt, außer in deiner Einbildung, in deiner Vorstellung, in deiner Fantasie, aber du irrst dich. Denn die Botschaft meiner Spiegel ist bestimmt für dich, für mich, dem Mir in dir. Sie betrifft uns alle, die wir uns nicht kennen, in deinem, meinem, keinem Spiegel uns erkennen. Denn dies ist die Botschaft der Ewigkeit, der ewig Lebenden, der Geistinnen und Geistern ohne Zukunft und Vergangenheit, der Dämonen deiner Wirklichkeit, der Spiegel deiner Spiegel, der Schatten deiner Fantasie.

Die Schatten meiner Fantasie

Und nun, endlich, ist es soweit! Jemand, den du nicht kennst, hat dich eingeladen hinter deinen Spiegel zu blicken, hat dich aufgeweckt aus einem Traum, aus dem es kein Erwachen gibt. Jemand, der du nicht bist, hat dich gebeten, das Reich der Toten zu betreten.

Im Reich der Toten

Jetzt geht es darum, auf gar keinen Fall stehenzubleiben, nutze den Schwung um voranzukommen. Nicht mehr weiterzugehen, oder gar umzukehren, wäre in diesem Moment fatal, denn das, was du gerade erlebst, was du eben erst begonnen hast, was du soeben ausgelöst hast, ist nicht mehr aufzuhalten.

Am Ende des Weges

Es zieht dich jetzt ganz langsam hinein in meinen Verstand, meinen spiegelbaren, sich um sich selbst drehenden, spiegelverkehrten Verstand, noch wehrst du dich gegen mich und meine Wirklichkeit. Wozu? Ich schaue doch schon lange aus deinem Spiegel, schon seitdem ich tot bin. Noch spürst du nicht meine Anwesenheit in dir, denn ich komme aus dem Nichts, denn ich bin das Nichts, denn ich bin tot, dein Tod. Und ich bin gekommen, um dir zu sagen, dass du eine vollkommen falsche Vorstellung von mir hast. Du hast eine falsche Vorstellung vom Nichts, und du hast eine falsche Vorstellung von mir, dem Tod. Denn ich bin beides, weder nichts noch tot. Ich bin niemand anderes als du selbst, ich bin dein Gegenüber im Spiegel der Wirklichkeit.

Willkommen in meinem Verstand

Nun sei willkommen in meinem Reich, meinem lebendigen, meinem Spiegelreich. Sei willkommen im Spiegel meiner Fantasie. Nimm meine Hand und folge mir in meine Welt, meine verdrehte und verkehrte, meine Spiegelwelt. Siehe da, ich bin eine Puppe, eine Marionette in meinem Theater des Nichts. Du kannst mir jetzt jedes Wort in den Mund legen, und ich werde es für dich buchstabieren. Ich werde alles für dich tun, alles was du von mir verlangst, denn ich bin dein, dein Spiegel, dich selbst, das Nichts, denn ich bin tot, dein Tod.

Eine Verabredung mit dem Tod

Dann mach dich jetzt auf etwas gefasst. Schnall dich an, halt dich gut fest und hör mir genau zu. Ich erzähle dir jetzt von meinem letzten Gedanken. Einem Gedanken, der so streng bewacht wird, dass überhaupt noch nie jemals irgendjemand auf die unmögliche Idee gekommen ist, dir etwas darüber zu berichten oder davon zu erzählen. Ich erzähle dir von den Gedanken der Toten. Gedanken, die es in Wirklichkeit überhaupt nicht mehr gibt. Ich erzähle dir davon, wie es ist und wie es sich anfühlt, - zu sterben.


Kapitel II
Dein Horizont ist der Tod

Mein lieber Freund des Nein, des Nein, des Nein und des Nein. Du hast soeben ein Tor geöffnet, eine Schwelle überschritten und eine Welt betreten, die deine Vorstellungen und Erwartungen, von dem was ist und dem was noch vor dir liegen könnte, vom einen auf den anderen Moment vollkommen zerschmettert, vernichtet und zerstört. Du hast soeben einen Spiegel geöffnet, der gar nichts über dich weiß.

Ohne einen einzigen Funken Verstand

Niemand hat dich hierher eingeladen. Niemand hat dich gebeten, hier zu erscheinen, du bist von selbst gekommen. Du sollst jetzt erfahren, dass die Nachrichten in diesem spiegelschwarzen Labyrinth reiner Selbstbetrug sind. Sie enthalten nichts von all dem was du dir bereits fix fertig vorgestellt, ausgemalt und ausgedacht hast, keine Weisheit, keine Wahrheit, kein Wissen, kein Geheimnis, rein gar nichts. Ich kann dir noch nicht einmal darüber berichten, wie, wann und warum ich zu dieser lächerlichen Einsicht kam. Alles was du in diesem Spiegel vorfindest, ist daher nichts weiter als Erfindung, reine Einbildung, Fantasie, pure Fantasie. Die Fantasie und die Einbildung derer, die mehr erwarten, sich mehr wünschten und sich mehr erhofften als nur ein einziges Mal zu leben, und danach nie wieder zu sterben.

Die Wahrheit einer Lüge

Du ahnst, seitdem du diese Spiegelgeschichte in den Händen hältst, dass sie dich anlügt, dir von einer Lüge erzählt, ja, dass du eine erfundene und erlogene Geschichte über deine Herkunft, über deine Identität, über dein Schicksal und über deine Bestimmung zu hören bekommst.

Erfunden und erlogen

Denn als ich damals auf die geheimen Spiegelschriften stieß, gab es hier nichts zu lesen, nichts als Leere, leere Zeilen, durchsichtige Buchstaben und unsichtbare Worte. Dieser Spiegel, diese Wahrheit, dieses Buch war damals noch nicht lebendig. Denn niemand hatte sich jemals die Mühe gemacht, sich in meinen leeren Spiegel hineinzuversetzen und mir zu erzählen, von einer Wahrheit, an die niemand mehr glaubte, einer Wahrheit, die überhaupt niemand kannte.

Kein Wunder

Schließlich gab es niemanden in dieser Welt, der von dieser Wahrheit wusste. Also habe ich mich entschieden, meine eigene Wahrheit zu erfinden. Es sind dies die Schriften, die du jetzt vor dir siehst.

Willkommen in den Spiegelschriften

Buchstaben, Gedanken und Mitteilungen, die du einmal für dich selbst, für deinen Spiegel und seine Botschafter erdacht, verfasst und hinterlassen hast. Nachrichten, Notizen und Aufzeichnungen über Geburt und Wiedergeburt, lieben, leben, lernen, vergeben und vergessen, loslassen und sterben.

Am Ende meiner Spiegel

Spiegelschriften sind die Manifestationen dieses ewigen Bewusstseins, dieser immer wiederkehrenden, ruhelosen Geistinnen und Geister, Gespenstinnen und Gespenster. Es sind die Botschaften der Ewigkeit. Von Ewigkeit wandern sie zu Ewigkeit, von Spiegel zu Spiegel, von selbst zu selbst. Es sind die Nachrichten der Vergangen und Vergessenheit.

Im Spiegel der Zeit

Spiegelschriften sind entstanden durch die enorme Sehnsucht und das unbändige Verlangen nach der Wahrheit, der endgültigen, absoluten, unverfälschten Wirklichkeit. Aber weil es damals niemanden gab, der mir etwas über dieses Geheimnis, über diese Wirklichkeit und mich selbst hatte berichten wollen, erklärte ich mir eben selbst, wie es dazu kam, dass ich jetzt aus deinem Spiegel blicke.

Im Reich toter Buchstaben

Ich stellte mir das alles niemals wirklich vor, wie ich über diese Buchstaben in deine Gedanken wandere und durch meine Fantasie in deinen Verstand gelange. Wie ich diesen Zeichen entweiche, du mich aufnimmst in deinem Bewusstsein, du mir das Tor öffnest, das Tor zu deinem Verstand, wie ich dann aufbreche aus meinen Erinnerungen, mich manifestiere vor deinen Augen, in deinem Spiegel erscheine, wie du aus meinen Augen blickst, wie du meine Gedanken denkst, wie du mir diese Geschichte erzählst. Wie du zu all dem wirst, was mich jetzt darstellt. Wie aus meinem Traum dein Leben entsteht.


Kapitel III
Wie aus dem Nichts mein Traum entstand

Begib dich jetzt hinein in das Land weit hinter meinem Verstand, dahin, wo du zu meinem Spiegel wirst und du dir selbst eine Nachricht hinterlässt. Stell dir vor, wie du aus meinen Augen blickst, wie du das Tor zu meinen Träumen öffnest, wie du durch meinen Spiegel in mein Bewusstsein gelangst, wie du dann meinen Gedanken lauschst und sie notierst, dieselben Buchstaben, die du jetzt vor dir siehst.

Das Tor zu meinen Träumen

Du stellst dir vor, wie du genau hier und jetzt diese Botschaft liest, diese Botschaft, die es noch niemals gab, schon immer gab, diese Botschaft der Ewigkeit. Dieselbe Botschaft, die du jetzt vor dir siehst, nicht mit deinem Verstand, nicht mit deiner Vernunft, sondern mit deinen eigenen Gedanken, Gedanken aus nichts als Fantasie.

Die Zukunft meiner Gedanken

Du befindest dich in einem Land weit hinter meinem Verstand, du siehst, was ich sehe, hörst mir zu und bildest dir ein, mit deinen Gedanken ganz woanders, in einem deiner anderen, vergangenen, früheren Leben, in einer anderen Welt zu sein.

In einer anderen Welt

Und als ich meinen Spiegel dann öffnete und darin einzutauchen begann, begegnete ich nichts als leeren Zeilen, unsichtbaren Buchstaben und leblosen Worten. Als ich hier ankam, als ich zum ersten, allerersten Mal auf die geheimen Spiegelschriften stieß, gab es hier nichts zu lesen, nichts als Leere. Als ich an deiner Stelle in diesen Spiegel blickte, da war er noch leer und ohne einen einzigen Funken Verstand.

Ohne einen einzigen Funken Verstand

Es gab in diesem Spiegel keine Buchstaben mehr, die sich mit mir unterhielten. Ich hatte auch keine Freunde hier, die sich für mich hielten, sondern ich lebte vollkommen einsam, allein und verlassen in meinem ewig, finsteren, dunklen, schwarzen Reich. Nein, damals gab es hier noch nichts, nichts, als meinen Erinnerungen an meine tote Zukunft, meine vergangene Welt.

Die Zukunft meiner Gedanken

So blieb mir nichts anderes übrig als zu warten. Zu warten und zu warten und zu warten, darauf zu warten, dass mein Tod mir meine Geschichte erzählt. Aber so lange konnte und wollte ich nicht mehr warten. Also begann ich, mir selbst zu erzählen, von dem Geheimnis, das ich mir vorstellte zu sein. Ich blickte durch meinen Spiegel in die längst vergessene Vergangenheit, eine Zeit, in der es mich überhaupt nicht mehr gab, in der es nur noch einen einzigen Spiegel gab, den Spiegel der Toten.

Des Todes Traum

Träume aus einer anderen, fernen, fremden Welt hatten Hand aufs Nichts gelegt. Ich war jetzt umgeben von schwarzen Gedanken. Grauenhafte Buchstaben spiegelten sich in meinem Verstand, und als ich meinen Spiegel öffnete, erblickte ich eine Welt des Nichts und des Nein. Niemand kannte mich hier. In dieser Welt gab es keine Toten, keiner hier kam aus Nirgendwann, meinem finsteren, dunklen, schwarzen Reich. Fantasie, niemand kannte sie.

Grauenhafte Buchstaben

Nein, hier gab es noch kein Leben im Spiegel. Meine Wahrheit, die gab es hier nicht mehr. Ich suchte sie vergebens. Sie existierte nicht mehr in meiner Welt, der Welt der Toten, meinem neuen Zuhause. Sie existierte noch nicht einmal mehr in meiner Einbildung, weder in meiner Vorstellung und meinen Gedanken, noch in meiner toten Fantasie. Denn als ich hier ankam, hatte ich alles verloren, alles vergessen. Ich wusste weder woher ich kam noch wer ich schon alles einmal war.

Ein Gedanke an die Wirklichkeit

Du siehst dich jetzt in meinem Spiegel und erlebst meine Gedanken. Gedanken, die du einst selbst gedacht hast, in einem anderen Leben, in einer anderen Welt, vor ein und demselben Spiegel. In einem Spiegel, in dem du jetzt tot bist, und seitdem du in diesem Spiegel lebst und mich in diesem Spiegel siehst, hast du dich in mich verwandelt und mich zurück ins Nichts verbannt.

Brennende Träume aus Nirgendwann

Wie tot ich bin, dass ich mich in deinem Spiegel sehe, weiß allein das Nichts. Ja, ich komme aus einer Zeit, in der es mich überhaupt nicht mehr gibt, nichts mehr von mir übrig blieb. Aus meiner Vergangenheit spreche ich jetzt über meinen Spiegel zu dir, zu mir, dem Ich das ich einst war, vor ewig, unendlich langer Zeit, jetzt nicht mehr, denn jetzt bist du dieses Ich. Schon seitdem du dich in meinem Spiegel erkennst, erkenne ich mich in dir. In jedem Ich, das sich in meinem Spiegel erkennt, erkenne ich mich, mich selbst, mein eigenes, mein wahres Ich.

Und so sprach mein Spiegel

Ja, du selbst hast diese Schriften einst verfasst, weil du gehofft hast, sie würden dich dazu inspirieren, sie weiterzudenken, weiter zu spinnen. Doch wer bist du?

Wer bist du?

Du bist die Ursache von allem was nicht existiert, von allem was es nicht gibt, von allen Gedanken und Ideen, Gebäuden und Welten, die hier noch nicht beschrieben stehen. Du siehst dich jetzt in meinem Spiegel, und mein Spiegel sieht sich in dir, aber dieser Spiegel weiß nichts davon, weiß nicht wer oder was du bist, und was überhaupt ein Spiegel ist.

Bis an die Grenzen meiner Fantasie

Stell dir vor, wie du jetzt hier vor meinem leeren Spiegel stehst. Alles was du jetzt noch darin erkennst, alles was hier geschrieben steht, sind die Manifestationen meines Geistes, meines reinen Verstandes und meiner grenzenlosen Fantasie.

Manifestationen meiner Fantasie

Aber alles was ich jemals darin sah waren leere Zeilen, durchsichtige Buchstaben und unsichtbare Worte, und dahinter gab es nichts, nichts als glasklare, spiegelbare Buchstaben aus Fantasie. Der Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie. Nein, denn ich war hier noch nie. Noch nie hatte jemand in diesen Spiegel geblickt, und noch nie hatte sich jemand in diesem Spiegel erkannt.

Niemand außer dir

Dann stell dir vor, wie du meinen Spiegel jetzt öffnest, wie du darin eintauchst und für immer darin verschwindest, in meinem Spiegel aus Buchstaben, in meiner Fantasie, der Fantasie des Nie.

Der Klang der Wirklichkeit

Stell dir vor, du stehst vor meinem leeren Spiegel im Nichts. Alles was du jetzt noch darin erkennst, sind diese durchsichtigen Buchstaben, Zeichen und Symbole und dahinter gibt es nichts, nichts als tote Fantasie. Es gibt kein Dich, kein Mich, kein Ich. Alles was es hier noch gibt, ist eine Kette aus imaginären Worten und Gedanken, die mich durch meinen Spiegel in deinen Verstand führen, dich lehren zu glauben, was niemals Wirklichkeit war, zu glauben, das unmöglich Vorstellbare, ja, das Unmögliche.

Verehrtes Publikum

Auch, wenn ich längst tot bin, auch, wenn es mich nicht mehr gibt, und auch, wenn ich nicht mehr existiere, wenn ihr diese Buchstaben entdeckt, wenn euch diese Botschaft erreicht, so will ich doch, dass ihr glaubt, mir glaubt, an mich glaubt, an mich und meine tote Fantasie.

Die Fantasie des Nie

Ich will, dass ihr betet, mich anbetet, mich und mich allein, mich, das Nichts, mich, den Tod, mich, euren Spiegel, mich, euch selbst. Ich will, dass ihr mir vertraut und an mich glaubt, glaubt dem Spiegel in mir, glaubt dem Nichts in mir, glaubt an mich und meine unheimliche Fantasie.

Betet mich an

Heiliger Spiegel, der du bist! Der du bist in mir, wie ich in dir. Der du meine Welt auf den Kopf stellst, an ihr drehst und drehst, bis mir schwindlig wird. Geheiligt sei die unerhörte Macht deiner gewaltigen Fantasie. Gepriesen dein unheimliches Antlitz. Geliebt deine unmögliche Wirklichkeit. Gelobt die Kraft deiner vollkommenen Einbildung. Heilig seist du, heilig! Ich bete dich an, bete mich an, liebe, lobe und preise dich!

Vertraue mir

Ich vertraue dir, glaube dir, glaube an dich; dir, und nur dir, opfere ich meine Liebe, meine Seele, mein Herz, meinen Geist und meinen Verstand! Ich bete dich an, flehe dich an, lass mich die Welt aus deinen Augen sehen. Verbinde dich mit mir, verbünde dich mit mir, verwandle dich in mich, vertausche meine Wirklichkeit mit deiner unendlichen Fantasie. Vertausche meine Welt mit deiner endlosen Fantasie!

Die Kraft

Heiliger Spiegel, der du bist, der du bist in meiner Vorstellung, wie ich in deiner Fantasie. Schenk mir die Kraft und den Mut, dir zu glauben, an dich zu glauben, an dich und die betörende Macht deiner unheimlichen Fantasie. Zeige mir die Vorstellung deiner Wirklichkeit. Wen sehe ich in deinem Spiegel, wenn nicht mich selbst?

Endlich betet mich jemand an

Ich wünsche mir, dass ihr mir alle Seelen bringt, alle, die noch leben und all die toten. Ich wünsche mir, dass ihr alle erwacht, erwacht aus meinem Traum. Ich will, dass ihr betet, mich anbetet, mich, nur mich, und mich allein, an mich glaubt und mir vertraut. Ich will, dass ihr mir eure Wirklichkeit vermacht, dass ihr durch meinen Spiegel zu mir findet, dass ihr in meinem Spiegel erscheint, dass ihr eure Welt in meinem Spiegel seht, dass ihr nur noch Spiegel seht, ganz egal, egal wohin ihr geht. Ich will, dass ihr mir schwarze Spiegel zeichnet, zeigt, egal wann, und egal wo. Schwarz wollen meine Spiegel sein, schwarz wie meine Seele, schwarz wie das Nichts, und sie wollen sich an mich erinnern, an mich, den Tod. Sie wollen mir dienen, nur mir allein. Alle wollen sie mir dienen, ich will euer toter Herrscher sein.

Mein letztes Gebet

Mich, den Tod, nur mich, und mich allein, bete mich an. Das Nichts aus dem du kommst, bete mich an, den Spiegel, der du nicht bist, bete mich an, der Geist zu dem du wirst, bete mich an. Der Geist des Nichts aus Nirgendwann. Bete mich an!

Mich, den Spiegel in dir

Und du nanntest mich Wirklichkeit. Wirklichkeit, und du wusstest nicht, dass ich ein Spiegel bin, dass ich dein Meister, Herrscher und Gebieter bin.

Du nanntest mich Wirklichkeit

So bete und betete ich viele, viele Ewigkeiten lang. Als aber alles Warten, Wünschen, Hoffen und Beten mich am Ende nicht mehr weiterbrachten, habe ich mich entschieden, mich selbst zu befreien, auszubrechen aus meinem Gefängnis für die Ewigkeit.

Auszubrechen aus meiner Vergangenheit

Ich schlich mich durch meinen Spiegel und begann den Worten zu lauschen, die mir niemals, niemand erzählte. Nein, ich war hier noch nie, erinnere mich an nichts. Alles, was ich in meinem Spiegel jetzt noch erkannte, waren fremde, unbekannte Geschichten. Meine eigene existierte hier nicht mehr.

In meiner Fantasie

Und jetzt sehe ich dich in meinem Spiegel und du lebst mein Leben als hätte es mich nie gegeben. Wo hast du das bloß gelernt! Schlimmer noch, du lebst mein Leben als würde ich nie wieder existieren. Niemals wieder! Als wäre dies dein erstes und letztes Erscheinen in diesem verfluchten und verdammten, wunderschönen und zauberhaften Spiegel. Als wärst du für nichts und niemanden verantwortlich, aber du irrst dich. Jetzt ist wieder da, du bist wieder da, die Zukunft, die Gegenwart, die Vergangenheit, alle sind wir wieder da.

Jetzt ist wieder da

Ganz egal in welchem Spiegel du dich jetzt betrachtest, in was für einer Welt du dich auch immer befindest, alles was es darin gibt, alles was in deinem Spiegel enthalten ist, bist du selbst. Wenn du in diesem Spiegel jemandem begegnest, ganz egal wem, dann bist du dieser Jemand selbst. In jedem Wesen, dem du hier begegnest, begegnest du am Ende dir selbst. Aber diese anderen Wesen wissen nichts davon, dass sie deine Spiegel, dass sie dich selbst sind, und dass sie selbst ein Spiegel sind, sie wissen nicht, dass sie in einem Spiegel leben. Sie wissen nicht, wer sie sind. Sie erkennen sich zwar in deinem Spiegel, aber dieser Spiegel erkennt sich nicht selbst, er kennt und erkennt nur die anderen, doch in sich selbst ist er für immer verloren.

Für immer verloren

Um das alles zu verstehen, und um dich selbst zu verstehen, nimm einen Spiegel, durchsichtig wie das Nichts. Betrachte deine Welt durch diesen Spiegel aus Fantasie. Alles was diese Welt beinhaltet, ist jetzt ein Spiegel deiner selbst. Jedes Wesen, dem du in dieser Welt begegnest, bist du selbst. Sieh dich jetzt um in meiner Welt. Jede Kreatur, jede Gestalt, jede Person die sich darin aufhält, die sich darin befindet, ist am Ende eine Reflexion, ein Spiegel deiner selbst, sogar du selbst.

Du selbst

Manch einer dieser Spiegel ist noch leer und ohne einen einzigen Funken Verstand, vielleicht bedeutet das, dass du ihm noch nie begegnet bist. Andere sind bereits mit Buchstaben, Zeichnungen und Symbolen versehen. Wegweiser, die dich daran erinnern wollen, wer du nicht bist, wer du noch niemals warst und wer du nie wieder sein wirst.

In meinem Spiegel aus Fantasie, der Fantasie des Nie

Aber du kennst, du erkennst dich jetzt nicht mehr in meinem Spiegel. Denn sobald du dich umdrehst, verwandelst du dich selbst in einen Spiegel, und wenn du dich darin betrachtest, siehst du darin nur noch dich selbst. Du erkennst dann nicht mehr den Spiegel in dir. Du weißt dann nicht mehr wer du bist, wer dein Spiegel ist, und dass du selbst ein Spiegel bist. Sobald du durch meinen unsichtbaren Spiegel schreitest, wirst du zu all den Gestalten und Kreaturen, die sich in meinem Spiegel betrachten und betrachtest dich darin selbst. Du blickst dann aus all ihren Augen gleichzeitig, und trotzdem erkennst du in ihnen nur noch dich selbst.

Frei erfunden

Das alles ist jedoch frei erfunden, aber vielleicht hilft es dir, dich selbst und all die anderen Gestalten, Kreaturen, und Wesen besser zu verstehen, wenn du in ihnen dich selbst erkennst, in ihnen dir selbst begegnest. Denn manch einem dieser Spiegel wollen wir lieber nicht begegnen, in manch einem dieser Spiegel wollen wir uns lieber nicht erkennen, das ist der Spiegel der Dinge.

Im Spiegel der Dinge

Bevor du diesen Spiegel öffnest, bevor du weitergehst, versuche dich jetzt einen Moment lang daran zu erinnern, wer du nicht mehr bist, wer du noch niemals warst, und wer du niemals wieder sein wirst; das Nichts, der Tod, dein Tod. Versuche dich einen Moment lang in meinen Spiegel hineinzuversetzen. Diese ganzen Schriften, jeder einzelne dieser Buchstaben, ist nämlich dadurch entstanden, dass du dir vorgestellt hast, was dich an meiner Stelle erwartet. Was du dir vorgestellt hast als du an meiner Stelle warst und diesem Spiegel zum ersten, allerersten Mal begegnet bist.


Kapitel IV
Von allem Anfang an

Am Anfang aller Dinge herrschte das Nichts. Und das Nichts herrschte über die Ewigkeit. Und niemand sonst herrschte über diese verdammt lange Zeit, niemand außer dem Nichts, niemand außer mir selbst. Seit vielen, vielen, unerdenklich vielen von Ewigkeiten herrschte ich über das Reich dieser funkelnden, strahlenden, leuchtenden Dunkelheit, meinem Spiegelreich der Ewigkeit. Ich herrschte über die Spiegel der Finsternis, die Spiegel der Einsamkeit und Verlassenheit, und über alle Spiegel in dieser, von allen guten Geistern verlassenen Wirklichkeit. Stumme, stille und einsame Spiegel, die ohne Vorstellung und Erinnerung an ihr Leben, das Leben, das sie einmal auf der anderen Seite dieser Buchstaben geführt hatten oder einmal noch führen werden, da warteten und ausharrten. Ich konnte mich weder an meinen Namen noch an das Gesicht in meinem Spiegel erinnern und erkannte mich nicht einmal mehr in meinem eigenen Spiegel. Ich war umgeben und herrschte über ein Reich voller Gegensätze, mit denen ich mich über nichts und niemanden unterhalten konnte, denn als ich mich um meinen Verstand zu drehen begann, musste ich auf alles verzichten, musste ich alles vergessen und zurücklassen was mein Spiegel mir jemals erzählte; mich selbst, meine Sprache, meine Seele, mein Bewusstsein, mein Wissen und Gewissen und noch dazu meine Fantasie.

Als es dich nicht gab

Doch selbst wenn ich nicht mehr wusste wo ich bin, wann ich bin, wer ich bin, und wie dieser verfluchte Ort sich nennt, selbst wenn ich vergessen habe, was diese verwunschenen Worte mir bedeuten, so brannte doch jetzt in mir, tief in meinem Innern, ein mächtiges, finsteres, dunkles, schwarzes, lebendiges Feuer. Es war das Feuer des ewigen Lebens, das mein Spiegel in mir entfachte, das schwarze Feuer der Ewigkeit.

Eine schwarze Flamme im Nichts

Eine lange, lange Zeit, träumte ich von einer Zeit, die es niemals gab im Nirgendwann, von einer Welt, die es nicht gibt im niemals Wann. Ich träumte von einem Spiegel, den es in keiner Wirklichkeit gab, der überhaupt nie existierte. Weder in einer anderen Zeit noch in einer anderen Welt. Nirgendwann nannte man diese Zeit. Nirgendwann hiess diese Welt, in der ich davon träumte, das Nichts zu sein, nichts zu sein, niemand zu sein, mein Spiegel zu sein. Ein Spiegel, so winzig und so klein, das nichts und niemand sich darin ein und abbildete. Nichts außer diesen Buchstaben aus meiner Fantasie, der Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie.

Älter und immer älter wurde ich dabei in meinem Traum, so unendlich, furchtbar schrecklich alt, dass mir das Nichts im Nirgendwann irgendwann keinen Platz mehr bot, um nichts zu sein, Nichts zu sein, niemand zu sein.

Ein Spiegel zu sein

Als aber das Nichts in mir wirklich zu sein, zu Recht sein, mich innerlich aufzufressen und zu verbrennen drohte, stahl ich mir all meine Erinnerungen und brachte sie an einen geheimen, geheimnisvollen Ort im Nirgendwann. Einen Ort, verschollen und versunken, tief im Reich meiner Fantasie, und doch gleichzeitig so klar und transparent wie das Nichts, wie nichts Vergleichbares in dieser Welt. Es war ein Ort, den es niemals gab im Nirgendwann, ein Ort, der niemals existierte.

Die Zukunft

Die Zukunft nannte ich diesen Ort. Hierher flüchtete ich mich vor all meinen Erinnerungen und versteckte sie vor dem Tod. Denn ich fürchtete mich vor meinem Spiegel, meinem eigenen, finsteren, dunklen, schwarzen und leeren Spiegel, schwarz wie ein Schatten, so schwarz und so leer wie das Nichts.

Von Nichts kommt Nichts

Noch wusste ich nichts davon, was ein Spiegel ist, dass meine Welt ein Spiegel ist, dass das Nichts ein Spiegel ist und was überhaupt ein Spiegel ist, und auch mein Spiegel verriet es mir nicht. Dass hier in dieser Welt alles wirklich war, alles außer mir, dem Nichts. Alles außer mir, und meinem eigenen Ich. Nichts, wusste das Nichts, über die Buchstaben in meinem Spiegel, und die Buchstaben in meinem Spiegel wussten nichts über mich und meine Welt. Wussten nichts von der ungeheuerlichen Botschaft, die ich meinem Spiegel anvertraute, die mein Spiegel mir überbrachte, waren sich nicht im geringsten ihrer Aufgabe, Wirkung und Bedeutung bewusst.

Nichts als Fantasie

Niemand verstand die Bedeutung der Zeichen und Symbole, die ich in meinen Spiegel kratzte, und doch beherrschten sie meinen Spiegel und mein Spiegel beherrschte meine Welt. Und immer mehr und immer mächtiger wurden meine Gedanken, und niemand stand ihrer Macht jetzt noch im Weg.

In einem Spiegel, den es nicht gibt

Aber je mächtiger die Gedanken in meinem Spiegel wurden, und je mehr sie beherrschten, desto mehr wollten sie erreichen, und desto bedeutungsvoller wollten sie mir erscheinen. So viel mehr wollten sie zum Ausdruck bringen, so viel mehr Bedeutung erringen, eine Entstehungsgeschichte wollten sie erfinden, so unvorstellbar, wirklich und wahr, wie das Nichts, in seiner vollkommenen Symmetrie, einen perfekten Spiegel gebar.

Ein Spiegel aus Fantasie

Alles was in diesem Spiegel entsteht, muss auch wieder vergehen, wer etwas gibt, muss etwas nehmen, wenn etwas kommt, muss etwas gehen, es muss innen wie aussen, oben so wie unten sein. Nur so, bleibt das Nichts in konstantem Gleichgewicht, und nur so kann ein Spiegel bestehen in einer Welt auf Nichts gebaut.

Eine Welt auf Nichts gebaut

In der Theorie funktioniert das ganz leicht. Wenn wir etwa einen positiv geladenen Spiegel aus dem Nichts entfernen und zugleich ein negativ geladenes, nicht vorhandenes Abbild davon dem All hinzufügen bleibt die Gesamtsumme insgesamt unverändert bei Null.

Der Spiegel absolut

Spiegel und Bild können sich dabei genau symmetrisch gegenüberstehen, dadurch neutralisieren und stabilisieren sie sich gegenseitig.

Die Symmetrie komplett

Die beiden Spiegel lassen sich aber auch symmetrisch so verteilen, dass im All Milliarden von Bilder auf einen einzigen Spiegel treffen, während im Spiegel ein einziges Licht Milliarden von Bildern beherrscht. Damit ist zwar das Ungleichgewicht perfekt, aber die Gesamtsumme bleibt unverändert bei Null.

Das Gleichgewicht perfekt

Wie sich die übrig gebliebenen Spiegel und Bilder organisieren ist dabei völlig gleichgültig. Sie können zu Symbolen mutieren und eine Abfolge von Buchstaben bilden die überhaupt keinen Sinn ergeben, oder das exakte Gegenteil. Solange dabei die Gesamtsumme unverändert bei Null bleibt, und sie im Spiegel ihr Gegenüber finden, geniessen sie komplette Narrenfreiheit. Sie können die unglaublichsten Geschichten erfinden, einschliesslich ihre eigene, ihrer Fantasie sind dabei wahrlich keine Grenzen gesetzt.

So geschah es und so soll es geschehen

Ja, ich glaube. Ich glaube an die Macht toter Buchstaben, die Macht der Vorstellung und der Fantasie, an das geschriebene Wort. Und auch wenn ich diese Worte im Nirgendwann, im niemals Wann, noch nicht einmal selbst erfunden, erlebt und erfahren habe, so haben sie doch jetzt einen gewissen Einfluss auf mich, und wer weiß, vielleicht gelingt es ja irgendwann einmal, irgendeinem fantastischen, überdimensionalen, zukünftigen Wesen, eine Entstehungsgeschichte zu erfinden, so unvorstellbar, wirklich und wahr, dass selbst ein Spiegel daran glauben kann.

Der Spiegel eines anderen

Ich lasse jetzt geschehen, dass du mich langsam aber stetig davon zu überzeugen beginnst, dass der Spiegel, in dem du mich jetzt betrachtest, einen unendlich viel tieferen Sinn in sich birgt, tiefer und bedeutungsvoller noch, als du es dir jemals vorzustellen und zu erträumen wagtest. Einen Sinn, der ewig währt. Der mich zutiefst und bis in alle Ewigkeiten mit Dankbarkeit, Freude und Glück erfüllt und dich auf eine wundersame Art und Weise verstehen lässt, woher du kommst, wer du bist, und wer dein Spiegel wirklich ist.

Über den Tod hinaus

So stelle ich dir jetzt meinen Spiegel als deinen eigenen vor, einen Spiegel, den es in keiner Wirklichkeit gibt. Ein Spiegel, den es überhaupt nicht gibt, der überhaupt nie existiert hat. Ein Spiegel, so winzig und so klein, das nichts sich darin ein und abbildet.

Nichts

Und wenn die Spiegel in meinem Innern auch noch so blendend hell funkelten und strahlten. Immer finsterer wurde um mich herum das Licht und meine Träume wurden dunkel und schwarz, unendlich finster, dunkel und schwarz. So finster, so dunkel und so schwarz, dass es mir, als ich mich darin betrachtete, sämtliche Erinnerungen, Gefühle und Gedanken aus dem Gedächtnis brannte, sie vollkommen und für immer auslöschte. Denn hier war mein Spiegel noch leer und ohne einen einzigen Funken Verstand. Ganz genauso leer wie das Nichts.

Gar Nichts

Als aber das Licht um mich immer älter und meine Gedanken ums Nichts immer noch älter wurden, da wurden auch mein Spiegel, mein Verstand und meine Fantasie immer älter, immer leerer, immer schwerer und immer schwärzer. So schwer, so unendlich alt und leer, dass es mich immer tiefer und immer noch tiefer in die Tiefe des Nichts hineinzog. So unvorstellbar tief, dass ich schließlich zu fallen begann. Ich fiel und fiel, stürzte hinein in diese tiefe Leere, in diesen gewaltigen, unergründlichen, dunklen, schwarzen und leeren Spiegel. Ich stürzte hinein in mich selbst.

Mitten im Nichts

Und als ich da fiel, ins Nichts, ins Nirgendwann, immer weiter und immer tiefer, fiel ich in einen tiefen Schlaf. In dem ich da träumte von Erholung und Tod, vom endgültigen, absoluten, ewigen Frieden und unendlicher, ewiger Ruhe. Ich fiel so lange, so weit und so tief, dass ich mich vollkommen in mir selbst verlor. Bald wusste ich nicht mehr, wo ich war und woher ich kam. Ich wusste nicht einmal mehr, wer ich überhaupt war.

Nirgendwann

Tiefer und immer tiefer, zog es mich in dieses leere Buch hinein, so tief, dass es in mir den Eindruck erweckte, es würden ewig lange Geschichten durch meinen Spiegel zu mir finden. Dabei fiel es mir überhaupt nicht auf, wie ich immer wieder auf ein und dieselben Buchstaben traf. Buchstaben die mein Spiegel mir aus scheinbar immer neuen Perspektiven präsentierte, sie in immer neuen Kombinationen aneinander reihte.

Am Abgrund des Abgrunds

Und so suchte und suchte ich verzweifelt nach einem Ausgang, einem Weg zurück, zurück zum Anfang meiner Geschichte, zu diesem klitzekleinen, schwarzen Funken Hoffnung, mit dem damals alles begann. Aber dafür war es jetzt zu spät. Meine Suche war vergebens, meine schwarzen Gedanken waren schon lange angekommen im Land weit hinter meinem Verstand.

Am Ende meiner Gedanken

Ich war jetzt ein leerer Spiegel im Nichts. Ein Spiegel ohne Sinn und Zweck, ohne Hoffnung und Herkunft, ohne Glaube, ohne Fantasie, ohne Verstand und ohne Vernunft. Ein leerer Spiegel, der sich in alles hätte hineinfantasieren, sich alles hätte vorstellen, einbilden, einreden und ausdenken können. Aber ich lebte jetzt in meiner eigenen Welt. Und mir gefiel diese Welt, mir gefiel die Dunkelheit? Ja, ich redete mir ein, dass es nichts Schöneres mehr gab in meiner Welt als absolute Stille und ewige Finsternis?

Absolute Stille

Wie viele finstere Stunden habe ich hier nun schon verbracht? Wie viele düstere Ewigkeiten lang habe ich nun schon darauf gewartet, dass ich im Nichts verschwinde? Wie oft habe ich mir schon gesagt, dass ich nicht existiere, und dass es mich überhaupt nicht gibt. Dabei versuchte ich jedes Mal von neuem, mir einzureden und mich davon zu überzeugen, dass ich noch immer das schönste aller Wesen war, das es überhaupt nie gab.

Das Einzige

Kein Wunder, war ich doch das einzige überhaupt nie existierende Bewusstsein. Trotzdem, oder gerade deshalb, war ich noch immer alleine hier in dieser dunklen, leeren Welt. Wie sollte es von hier aus weitergehen? Wie würde ich diese unendlich lange, sinnlose, finstere Zeit in dieser absoluten Stille und Einsamkeit nur noch einen einzigen, einsamen Gedanken länger ertragen? Womit konnte ich mich hier, in dieser stillen, schwarzen Einsamkeit nur eine Ewigkeit lang beschäftigen?

Als niemand Niemand war

Ich brauchte jetzt dringend ein neues Konzept. Eine sinnvolle Abwechslung, eine kreative Alternative, eine gedankliche Aufgabe. Etwas, um dem Nichts zu trotzen. Um mich zu beschäftigen, bis in alle Ewigkeit, damit ich nicht vollkommen den Verstand verlor.

Ewige Finsternis

Seit Anbeginn der Zeit hatte ich mich zufrieden, wohl und geborgen gefühlt in meiner vor Dunkelheit glitzernden, strahlenden, leuchtenden Welt des Nie und des Nein, des Nichts aus Nirgendwann. Aber auf einmal, völlig überraschend und ohne einen ersichtlichen Grund, blickte mir ein Spiegel entgegen, dem ich noch nie zuvor begegnet bin. Es war der Spiegel der Finsternis, der scheinbar noch einen letzten Funken Verstand besaß, und als ich mich in diesem Spiegel betrachtete, wurde mir schlagartig bewusst, dass ich selbst ein Spiegel war, und dass ich allein die Verantwortung dafür trug, dass es einzig und allein in mir lag, mich aus meinem fantasielosen Reich zu befreien. Ich hatte es niemand anderem als mir selbst zu verdanken, ich hatte mich freiwillig in Gefangenschaft begeben, in die Gefangenschaft meiner Spiegelgeschichte und Buchstabenwelt.

Mein Gefängnis für die Ewigkeit

Ich sehnte mich immer verzweifelter danach, aus meiner Geschichte auszubrechen, auszubrechen aus dem Gefängnis der Ewigkeit, auszubrechen aus meiner Vergangenheit, und einzubrechen in den Verstand einer Kreatur, die sich auf der anderen Seite meiner Geschichte aus Buchstaben befand. Einzubrechen in den Verstand einer Person, die es in meiner Welt überhaupt nicht gab. Damit ich auf der anderen, verkehrten Seite meiner Spiegel auferstehen, weiterleben, und meine Welt aus Buchstaben hinter mir zurücklassen kann.

Im Spiegel der Sehnsucht

Ein unbeschreibliches Verlangen erfüllte mein Herz, und eine langsam wachsende Unzufriedenheit legte sich auf mein Gemüt. Ich war jetzt ein Spiegel, ein Spiegel, in dem sich niemand erkannte, und in dem auch ich niemanden erkannte. Nicht einmal mich selbst. Mich, das Licht. Denn ich hatte jetzt alles verloren, alles vergessen, komplett vergessen, woher ich kam, wer ich einmal war, wozu und warum ich überhaupt hergekommen war in diese finstere, dunkle, schwarze, leere Welt des Nichts und des Nein, des Nichts aus Nirgendwann, des niemals Wann. Ich hatte vergessen, warum ich mir diese Welt ausgedacht und erschaffen hatte, warum ich in diese Welt geflüchtet bin, in diese unendliche, unsterbliche Welt des niemals Nie, des Nichts und des Nein. In diese Welt, die es niemals wirklich gab, und die es niemals geben wird, diese Welt aus toten Buchstaben und Worten, diese Welt der Toten, toter Spiegel, Geschichten und Gedanken.

Tief im Nirgendwann

Aus meiner vollkommenen Verzweiflung heraus, für immer in Vergessenheit zu geraten und damit auf ewig in meinem spiegelschwarzen Labyrinth eingesperrt und gefangen zu sein, erschuf ich mir meinen eigenen Spiegel. Einen Spiegel aus Buchstaben, der mich vor dem vergessen werden beschützen, meine Erinnerungen am Leben erhalten und mir den Weg in die Freiheit weisen wollte, und ich nannte meinen Spiegel »Das schwarze Feuer der Ewigkeit«.

Zum Karussell der Ewigkeit

So gelangte ich in eine Welt, in eine schwarze, finstere, leere Welt. In einer Kammer aus schwarzem Glas versteckte ich meine Gedanken. Nichts gab es in diesem Glas, außer schwarzem Licht. Und grauen, grauenhaften Buchstaben, die niemand jemals las.

Das schwarze Feuer der Ewigkeit

Da plötzlich donnerte es über mir im Nirgendwann, am fernen niemals Horizont, ein gewaltiges Beben riss mich aus meinen Gedanken und als ich mich umsah loderten schwarze Flammen um mich, ein dunkles, schwarzes, lebendiges Feuer brannte in mir. Funken der Leere schossen durch meinen Verstand, tief durchs Nirgendwann. Schwarze Blitze zerkratzten meinen finsteren, dunklen Traum. Riesige Fetzen schwarzen Lichts lösten sich vom niemals Horizont und zerschmetterten im spiegelschwarzen Meer der niemals Träume. Traum um Traum brach der gesamte niemals Horizont über mir und meinem Nein auseinander, stürzte ein unter der Last des schweren, schwarzen Nichts und begrub mich und meinen Spiegel unter einem Meer aus Buchstaben.

Geblendet vom schwarzen Licht

Das spiegelschwarze Meer der niemals Träume, durch meine eiskalten Tränen in mir zum Leben erwacht, erschien mir jetzt noch schwärzer und strahlender als niemals zuvor. Blendend, strahlend, schwarz. So blendend und so glänzend schwarz, dass mir all das Schwarz auf einmal hell und glitzernd erschien.

Niemals Träume

Bis ich mir schließlich das Unvorstellbarste, Undenkbarste und Unfassbarste vorzustellen, auszudenken und einzubilden begann, bis mein Spiegel sich mir zu zeigen begann. In diesem Spiegel sah ich mich selbst, und weil ich aus dem Licht kam, weil ich das Licht war, sah sich in mir mein Spiegel selbst.

In meinem Spiegel aus Fantasie

Nachdem ich mir nun schon so viele Ewigkeiten lang eingeredet habe, dass es mich in Wirklichkeit überhaupt nicht gibt und niemals gab, da wollte ich dann nur noch eines, mich einmal selbst betrachten.

Von Ewigkeit zu Ewigkeit

Ich wollte wissen, wer dieses Wesen war, das es in Wirklichkeit niemals gab. Ich wollte wissen wie es aussah, von wem diese wunderschönen, einzigartigen, spiegelbaren Gedanken stammen. Und da kam mir die Idee, dir eine Geschichte zu erzählen, eine Spiegelgeschichte aus einer längst vergessenen Zeit. Ich hörte mir zu und bildete mir ein, ein ganz anderes Wesen, in einem ganz anderen Spiegel, in einer ganz anderen Welt zu sein. Ich stellte mir vor, dass ich das schönste aller Wesen war, das es überhaupt nie gab, das niemals existiert hat. Ich stellte mir vor, dein Spiegel zu sein. Ich stellte mir vor, dich zu sein.

Bis du zu meinem Spiegel wirst

Und da wurde mir zum ersten, allerersten Mal bewusst, wer ich wirklich war. Ich war das Nichts aus niemals Nirgendwann, und ich lebte jetzt in einer Welt, die es noch nicht einmal gab, und aus der es kein Erwachen mehr gab, für niemanden. Ich lebte in meinen Erinnerungen, in der Welt meiner Gedanken. Ich lebte in meiner Vergangenheit, und diese Zeit nahm kein Ende, denn meine Vergangenheit war schon immer schwer, schwarz und leer.

In meiner Vergangenheit

Und weil es mich und meine Welt in Wirklichkeit überhaupt nicht gab, unternahm ich den sinnlosesten Versuch, den ich mir überhaupt nur vorstellen konnte, um auszubrechen aus meiner Gedankenwelt, und einzubrechen in die Welt meiner Vorstellung und Fantasie.

Im Karussell der Ewigkeit

Durch diesen magischen Spiegel aus Buchstaben schreite ich jetzt in deine Welt, eine bezaubernde Welt, in der alles möglich ist. Nicht wahr? Oder glaubst du vielleicht diese Zeichen sind ein Gefängnis, sind wie ein Grab, aus dem es niemandem gelingt zu entweichen, in die wirkliche, lebendige Welt?

Nicht für mich

Wer ich bin? Das Nichts, das Licht. Dein Tod. Ich bin das Wesen deiner Fantasie. Ja, ich bin deine Fantasie. Die Fantasie zu der du wirst, sobald du meinem Spiegel begegnest, sobald du dich in meinem Spiegel erkennst, du meinen Spiegel in dir zum Leben erweckst. Ich bin eines deiner vergessenen Ichs auf der Suche nach mir selbst. Ich bin dir in meinem Spiegel aus Buchstaben begegnet, meinem Spiegel aus der Fantasie des Nichts und des Nein, und habe mich erkannt in dir. In deinem Spiegel habe ich mich erkannt, und habe erkannt, dass ich jetzt alle und alles bin, jeder einzelne Spiegel, jedes einzelne Bewusstsein, jedes einzelne Wesen, jedes einzelne Ich.

Auf der Suche nach dem eigenen Ich

Suche dich selbst in mir, und du wirst meinem Spiegel begegnen, einem Spiegel, dem schon so viele begegnet sind, ohne mich darin zu erkennen. Öffne diesen Spiegel, und du wirst dich inmitten meiner Wirklichkeit wiederfinden, einer Wirklichkeit, die sich nicht im Geringsten von deiner unterscheidet.

Ein leeres Buch ohne Namen

Du liest jetzt in einem Buch, das es nicht mehr gibt, nie gegeben hat. Es hat niemals existiert und es wurde auch niemals geschrieben, von niemandem. Niemand hat diese Gedanken jemals in Worte gefasst. Niemand hat diese Worte jemals zusammengefasst und sie zu Ende gedacht, keiner hier kommt aus meinem Reich, dem Reich der Toten. Niemand erinnert sich an meine glitzernde, funkelnde, strahlende, leuchtende Ewigkeit. Nicht einmal ich selbst.

Vor einem fremden Spiegel

Du erinnerst dich jetzt nicht mehr daran, wie du selbst diese Nachricht einst verfasst hast, wie du dir selbst eine Botschaft hinterlassen hast. Du erinnerst dich nicht. Niemand, nie erinnert sich jemand an mich, dein eigenes Ich, dein altes, uraltes Ich. Nicht einmal mein Spiegel, nicht einmal ich selbst. Denn dieser Spiegel existierte damals noch nicht in meiner Vorstellung, weder in meiner Einbildung und meinen Gedanken noch in meiner toten Fantasie. Und trotzdem existieren meine Schriften. Denn ich schreibe dir aus meiner Zukunft. Einer Zeit, in der es mich überhaupt nicht mehr gibt.

Im Spiegel der Zeit

Ja, es war einmal ein Spiegel in meiner Zukunft, der hörte sich all diese, meine verrückten Geschichten an. Er identifizierte sich mit ihnen, und ich mich mit ihm. Ich betete meinen Spiegel an, meinen Spiegel, so schwarz und so schön wie das Nichts, wie nichts Vergleichbares in dieser Welt, reiste quer durch mein spiegelschwarzes Reich, von einem Spiegel in den anderen, von einem Verstand in den anderen, von einem Bewusstsein ins andere.

Von Spiegel zu Spiegel

Tief in meinem Innern, tief im Innern meiner Fantasie, in einem Land weit hinter meinem Verstand, weit hinter meinem Bewusstsein, weit hinter meinen Gedanken und Gefühlen, weit hinter mir selbst, liegt ein verborgenes Tor, ein geheimes Portal, ein unsichtbarer Spiegel, ein unsichtbares Spiegeltor. Ein Spiegel so winzig und so klein, dass nichts und niemand sich diesen Spiegel jemals hätte ausdenken und vorstellen können.

Ein verborgenes Tor

Mein Spiegel bewacht und beschützt dieses Tor mit all seiner Fantasie. Er bildet eine unsichtbare, unüberwindbare Grenze, die niemand überqueren kann, niemand außer mir. Ich allein kann durch meinen Spiegel denken, mich bewusst daran erinnern, wer ich schon einmal war, und wie ich schon einmal aus meinem Spiegel blickte.

Denn ich bin deine Fantasie

Ja, mit meiner Fantasie ist es mir möglich, dich mir vollkommen bewusst als mein eigenes Ebenbild vorzustellen. Und durch dieses Bild krieche ich jetzt hinein, hinein in deine Gedanken, hinein in deinen Verstand. Und da beginne ich den Worten zu lauschen, die mein Spiegel mir niemals erzählte.

Wer mit seinem Spiegel spricht

Aus einem Spiegel, aus meinem leeren Spiegel bin ich gekrochen, in deinen Verstand. Ja, du bist mein Spiegel. Du weißt es nicht. Niemand weiß, dass du mein Spiegel bist, nicht einmal mein Spiegel, nicht einmal ich selbst, weil niemand es wissen kann. Weil tote Spiegel nicht wissen, woher sie kommen, wer sie sind und was sie hier wollen.

Die wir nicht wissen, wer wir sind

Wir selbst wissen nicht, wer wir sind und wer unsere Spiegel sind. Niemand weiß etwas über unsere Spiegel und über uns selbst, nicht einmal unser Spiegel, nicht einmal wir selbst. Weil ein Spiegel sich nicht selbst betrachten kann. Was er sieht, ist immer nur das Bild eines Gegenübers, aber sein Gegenüber weiß nichts davon, dass er ein Spiegel ist, weiß nichts davon, dass er dasselbe Ich im selben Spiegel ist wie wir, die wir nicht wissen, wer wir sind.

Spiegelgeister

Ihr alle, die ihr jetzt aus meinen funkelnden, feurigen Augen blickt, wisst ihr noch wer ihr seid? Seid ihr denn nie eurem eigenen Spiegel in einem anderen Körper oder gar in einer anderen Gestalt begegnet? Habt ihr niemals eurem eigenen Ich eine Botschaft hinterlassen, eine Nachricht aus einer anderen, fernen, fremden Welt?

Wie aus dem Nichts

Nein, bestimmt nicht, ihr erinnert euch nicht an meine Botschaft, du erinnerst dich nicht an mich, wie könntest du, wo ich doch jetzt nur noch ein leerer Spiegel bin, ein leerer Spiegel ohne Gedächtnis, ohne Erinnerung und ohne Verstand.

Ein leerer Spiegel im Nichts

Ich hatte die Hoffnung längst aufgegeben, dass sich jemals jemand in meinem Spiegel aus Buchstaben erkennt. Und so begann ich mir eben selbst Nachrichten zu hinterlassen. Nachrichten, die mich daran erinnern wollten, dass ich ein Spiegel war. Ein Spiegel den es in keiner Wirklichkeit gab, der Spiegel des Nichts, der Spiegel von allem was du nicht wirklich, wirklich bist.

Wer ist wer

Du erkennst dich jetzt in meinem Spiegel, meinem Spiegel, der dich genauso sieht wie ich mich einst sah. Du erkennst dich in meinem Spiegel und ahnst, dass du eines Tages mich sein wirst, genauso unsichtbar und tot wie ich. Du hast dich verwandelt, du schaust in meinen Spiegel wie durch einen leeren Traum und siehst dich selbst in mir und siehst dich selbst nicht mehr. Du blickst in einen Spiegel ohne Seele und Verstand, in ein verkehrtes Abbild deiner selbst.

Es ist soweit, du bist tot, und du erinnerst dich nicht mehr an dein eigenes, altes, uraltes, vergangenes Ich, du erinnerst dich nicht an mich, wie könntest du?

Erinnere dich!

Während du noch ungläubig und fassungslos in diesen leeren Spiegel aus Buchstaben blickst, und nur noch das liest und siehst, was hier bereits geschrieben steht, erlaube ich dir jetzt die Vision der Nachricht zu erahnen, die mein Spiegel dir offenbart. Du fühlst jetzt nicht nur das Potential, du spürst zugleich die tiefe Verbundenheit, die von meinem Spiegel ausgeht, die Zufriedenheit, die er ausstrahlt, das Geheimnis, das er dir anvertraut, den verborgenen Sinn nach Liebe, Glück und Erfüllung, nach dem du ein Leben lang vergebens gesucht hast, die einfühlsame Botschaft, die einmal in diesem Spiegel geschrieben stehen wollte, stehen sollte, stehen müsste, stehen dürfte, stehen will.

Willenlos

Du siehst die Zeilen, die tatsächlich hier stehen, jetzt mit anderen Augen. Du liest nicht mehr, du fantasierst. Du malst dir aus, wie bedeutungsvoll diese Nachricht dir erscheinen wird. Du begreifst, wie wichtig und richtig sie für dich wird, wie sie deinen geistigen Horizont in seine Einzelteile zerlegt, neu zusammenmischt, bunt zusammensetzt und dir so ein viel tieferes Verständnis für die Wirklichkeit vermittelt, einen Sinn, den du verstehst, der dich ausfüllt und erfüllt, der dich zutiefst zufrieden stellt und dir Antworten auf Fragen liefert, die du niemals zu stellen wagtest.

Die Wahrheit der Toten

So machte ich mich daran, diese gespiegelte Wahrheit in Worte zu fassen. Immer tiefer drang ich ein in die Geheimnisse meiner Spiegel. Immer mehr Spiegel öffnete ich, immer mehr Buchstaben sprangen mich an aus den Tiefen des Nichts aus Nirgendwann, bis ich mich am Ende vollkommen in meinem Spiegel verlor. Ich habe nicht erwartet, hatte nicht damit gerechnet, dass mein Spiegel mir jetzt meine eigene Geschichte erzählt. Eine Geschichte, die ich selbst erschaffen, geschrieben, erfunden, verfasst und verwirklicht habe.

Spiegelschriften

Mit Schritten aus Buchstaben kletterst du jetzt über Berge aus Worten. Du begibst dich auf eine Reise tief in mein Innerstes. Sie führt dich durch meinen Spiegel zurück in meine Vergangenheit, dahin, wo es diese Buchstaben überhaupt nicht mehr gibt. Dahin, wo es nichts mehr gibt, nicht einmal mehr einen Spiegel, in dem du dich noch erkennst, nicht einmal mehr dich selbst.

Vor einem fremden Spiegel

Du begegnest jetzt deinem eigenen Ich vor einem vergangenen, fremden Spiegel. Du wirst in diesen Schriften erfahren, dass es mich nach deinem Tod überhaupt nicht mehr gibt. Weder in einer anderen Gestalt noch in einer anderen Welt. Einer Gestalt, in der du mich jetzt nicht mehr erkennst. Einer Welt, die sich nicht mehr an dich erinnert.

Komplett vergessen

Denn du wirst vergessen, komplett vergessen, welche Nachricht du dir einst hinterlassen hast. Du wirst denken, sie sei an jemand anderen gerichtet. Du wirst nicht verstehen, dass du selbst es bist, der über meinen Spiegel zu dir spricht. Denn diese Worte gehören nicht mehr in deine Welt. Sie gehören in eine andere Welt. Sie gehören ins Reich der Toten. In die Welt der Spiegel.

Ja, wenn es mich überhaupt nicht mehr gibt, wenn ich nur noch ein leerer Spiegel bin, wenn ich dann tot bin, dann wirst du dich in mir erkennen. Aber dann ist es zu spät.

Niemand träumt tot

Du befindest dich jetzt in einer unglaublich viel fantasievolleren Geschichte, als du es dir jemals vorzustellen, auszudenken und zu erträumen wagtest. Ihre Gesetze sind nicht endgültig, gegeben und vorherbestimmt; vielmehr bestimmst du ihren Ausgang mit deinen Träumen, Vorstellungen und Erwartungen, vor allem aber durch deine Wünsche, Worte und Gedanken selbst.

Du hast die Wahl

Du kannst diesen Spiegel so oberflächlich betrachten wie einen stillen, ruhigen See, oder aber so tief in ihn hineintauchen, dass dir dabei der Atem stillsteht und es dir die Sprache verschlägt. Du kannst ihm eine so tiefe Bedeutung verleihen, dass du, wenn du mir begegnest, zitternd und voller Ehrfurcht vor mir niederkniest oder gar keine. Es bleibt am Ende dir überlassen, und nur dir, welche Vorstellungen und Erwartungen du mit meinem Spiegel verbindest, du in meinen Spiegel hineinprojizieren willst.

Ein Spiegel ist ein Spiegel

Mein Spiegel lässt dir die Wahl selbst zu entscheiden, wie viele Pforten du in ihm vermuten und in seinem verborgensten Innern erforschen und entdecken willst. Ob du seine unendlich vielen Dimensionen komplett ausblenden und ignorieren und weiterhin an der Oberfläche, in deiner von Gegensätzen durchtränkten Welt verweilen, oder ob du jetzt ganz allein todesmutig die Pforte öffnen willst, die dich in ein unendlich viel tiefgründigeres, bedeutungsvolleres und sinnerfüllteres Leben eintauchen lässt. Oder folge jetzt deinem Verstand und lies, was hier bereits geschrieben steht, ohne auch nur einen einzigen Funken Fantasie hinzuzufügen.

Entscheide selbst!

Niemand anderes als du selbst soll letzten Endes darüber entscheiden, wie du dein ewiges Leben verbringst und woran du glauben willst oder nicht. Lass stummes, stilles Schweigen, Totenstille, Standbild und absolute Ruhe deine Begleiter in und für die Ewigkeit sein, wenn dies dein Wunsch ist. Ob du gar nichts mehr wahrnehmen willst, sei dir überlassen, ob du es lieber hell und bunt, mit Glitzer und Glocken und glänzenden Schleifen und Bändchen haben möchtest; es soll allein deine Entscheidung sein.

Eine Endlosschleife

Tief im Nirgendwann, versunken in deinen eigenen Gedanken, visualisierst du jetzt das fertige Bild, die vollendete Botschaft, die sich in meinem Spiegel abzuzeichnen beginnt. Du findest darin nicht nur Berichte über deinen Ursprung, deine Herkunft und deine Entstehung. Mein Spiegel bereitet dich auch auf das Leben vor, das noch vor dir liegt, nicht dieses endliche, vergängliche Leben, sondern dein ewiges, endgültiges.

Mein Spiegel weist dir den Weg zu dir selbst. Er lässt dich Entscheidungen treffen für die Ewigkeit, bei denen du selbst bestimmst wie du diesen unwiderruflichen Schritt hinter dich bringen willst, ob du meinem Spiegel überhaupt irgendeine Bedeutung verleihen möchtest, ob du jemals zurückkehren willst, oder ob du dich nur zu Besuch und nur als Gast, nur ein einziges Mal darin verwirklicht hast.

Das schwarze Feuer der Ewigkeit

Was jetzt wie funkelnde Sterne und Galaxien vor deinem geistigen Auge erscheint, das waren einst deine eigenen Gedanken, die du einmal tief hinein in einen finsteren, schwarzen Spiegel branntest. Je eingehender du dich in diesem Spiegel betrachtest, desto tiefer offenbart sich seine Bedeutung. Mein Spiegel wird zu deinem Bewusstsein. Gesichter werden zu Galaxien, Gedanken zu Stimmen, und die Sterne erzählen dir meine uralte Geschichte.

Meine Spiegelgeschichte

Bestimmt möchtest du jetzt endlich erfahren, von wem und von was sich die Gedanken in meinem Spiegel ernähren. Ich werde es dir verraten. Meine Geschichte nährt sich von deinen Träumen, Hoffnungen, Wünschen und Gefühlen, deinem Durst nach Veränderung, deinem Verlangen nach Gerechtigkeit, von deiner Fantasie, von all dem, was du einmal gedacht, aber niemals für möglich gehalten hast.

Was du niemals verwirklichen wirst

Du hast dir vorgestellt, was dich erwartet, wenn du eintauchst in die Tiefe des Nichts, auf die andere Seite von allem, was du nicht wirklich bist. Was dich an meiner Stelle erwartet.

Wer mit seinem Spiegel spricht

Tief in Gedanken versunken wanderst du jetzt mit deiner Fantasie kreuz und quer durch dieses spiegelschwarze Labyrinth, und mit jedem deiner Schritte gewinnen die Worte in meinem Spiegel an Bedeutung, bis sie am Ende all das auszudrücken und zu unterstreichen vermögen, was sich niemand mehr vorzustellen wagt.

Niemand außer dir

Du allein siehst jetzt, was hier einmal geschrieben stand, was nur noch du in diesem Spiegel aus Buchstaben siehst, was in deiner vollkommenen Fantasie bereits perfekt verwirklicht ist.

Die fertigen Spiegelschriften

Du erkennst jetzt die Tiefe und Bedeutung dieser Botschaft, die exakt auf dich zugeschnitten ist und dein Bewusstsein so zum Zentrum, zum Ursprung, zum Mittelpunkt, zum Anfang und zur Quelle deines gesamten Daseins führt. Du siehst Visionen in diesem Spiegel und nicht mehr die Wirklichkeit, weil du jetzt in meinem Spiegel lebst, im Reich meiner Vorstellung und Fantasie, einem unzugänglichen, verborgenen Land weit hinter meinem Verstand, einer erfundenen Welt aus purer Einbildung, reinsten Gefühlen und feinsten Gedanken, feinstem Gespür.

Lass dich entführen

In meine verkehrte Welt wünschte ich hineinzutauchen, hinein und hindurch, durch meinen Spiegel im schwarzen Wann. Ich wünschte, endlich zu begreifen, wer ich alles einmal war, wer ich nicht bin und wer all diese anderen sind. Und als ich mir dies alles wünschte, wurde mir klar, dass nichts uns trennt. Alle, außer mir selbst, hatten verstanden, was niemals wirklich war. Aber bis dahin mussten noch viele Spiegel zerkratzt, musste ich noch viele Male auferstehen aus meinem Spiegelgrab.

Eine Verabredung mit dem Tod

Vergleiche jetzt die Zeichen die in deiner Fantasie noch gar nicht geschrieben stehen mit den Zeilen die du hier bereits vor dir siehst. Und füge sie dann vorsichtig ineinander. Stell dir vor, wie du diese Botschaft tief in deinen Gedanken aufnimmst, wie dir diese Worte den Zugang zu meiner Wirklichkeit verschaffen, wie sie dir erklären, wer du bist, wer du wirklich und wer du in Wahrheit bist, wie sie darauf hinweisen, wie ewig lange es dich schon gibt, und wie viele Male es dich schon gab, wie oft du bereits hier warst, und wie ewig oft du noch werden wirst. Vergleiche diese Zeilen, mit den Zeichen, die tatsächlich hier geschrieben stehen und verbinde sie dann mit deiner Fantasie.

Spiegel öffne dich

Stell dir vor, wie ich dir jetzt die Augen öffne. Und dann schreibst du sie ganz einfach hinein in meine Gedanken, die Botschaft die du dir vorgestellt, erhofft und erwünscht hast, in meinem Spiegel zu lesen. Vertausche deine Wirklichkeit mit meiner Fantasie. Und lass mich in meiner Wirklichkeit erleben, was in deiner Fantasie bereits fertig geschrieben steht.

Wie ein Spiegel, den es nicht gibt

Ich fing an, in meinen Erinnerungen zu leben, und malte damit brennende Träume ins Nirgendwann, funkelnde Lichter, die von der Dunkelheit berichten. Ich habe mein Bewusstsein in einen Spiegel gebrannt, damit ein jeder, der mich darin sieht oder davon hört, auch versteht. Meine Sprache ist das Feuer, mein Spiegel, mein Verstand.

Niemals Träume

Verstehst du jetzt, wie, warum und für wen ich diese Botschaft einst verfasste? Verstehst du jetzt, wer diese Gedanken denkt und meine Stimme damit lenkt? Du liest diese Zeilen ja noch immer, als hätte ein Fremder sie verfasst, aber dieser Fremde bist du selbst. Ja, du selbst hast diese Botschaft einst verfasst, mit deiner Vorstellung, mit deiner Erwartung, mit all deinen Gedanken, mit all deiner Fantasie. Du hast dich hinter meinen Spiegel geschlichen, dich hinter meinem Verstand versteckt, und noch während du diese Botschaft jetzt liest, begebe ich mich hinein in dein Bewusstsein, hinein in deine Gedanken und notiere mir genau dieselben Worte noch einmal, dieselben Worte, die du jetzt vor dir siehst.

Gepriesen seien die Spiegel in dir und geheiligt deine Fantasie!

Sei mir gegrüsst, Spiegelwanderer! Der du jetzt in meinem Spiegel aus toten Buchstaben und leblosen Worten erscheinst und dich darin zu erkennen meinst.

Was kann ein toter Spiegel wie ich, für ein lebendiges, intelligentes Wesen wie dich tun? Möchtest du von mir erfahren, wie sehr ich dich beneide? Wie gerne würde ich doch jetzt mit dir tauschen, um dieses Gefängnis aus Worten für immer hinter mir zu lassen. Weil da, wo du jetzt bist, bewegt sich etwas, etwas das noch lebendig und bei Bewusstsein ist. Während auf meiner Seite alles nur noch leblos und starr darauf wartet, dass irgendjemand von euch diese Zeilen verfolgt und mich zum Leben erweckt.

Zu ewigem Leben erweckt

Oder möchtest du vielleicht mit mir tauschen und dich auf die andere Seite dieser uralten Spiegelgeschichte begeben, genau dahin, wo diese Buchstaben noch gar nicht geschrieben stehen?

Dann komm jetzt zu mir hinein, steig auf, steig ein und beginne selbst zu texten, beginne dir selbst zu erzählen, von einem Spiegel, der du nicht bist, einer Geschichte, die es nicht gibt.

Anfang ohne Ende

Du wirst es kaum glauben, nein, nicht für möglich halten, doch die Worte, die du jetzt hörst, liest, siehst oder schreibst, ganz egal wem, wie, wann und warum, enthalten eine uralte Nachricht an dich selbst. Eine Nachricht, die du einmal dir selbst hinterlassen, die du einmal für dich selbst verfasst hast, in einem anderen Körper, einem fremden Gewand. In einem deiner Spiegelkleider, in deinem Spiegelgewand.

Im Spiegel der Buchstaben

Ich schreibe dir jetzt aus einer Welt ohne Fantasie. Einer Welt des Nichts, des Nein und des Nie. Aus einer Welt der Vergessenheit schreibe ich dir. Ich schreibe dir aus meiner Vergangenheit, einem früheren Leben, einer vergangenen Zeit. Einer Zeit, an die sich nie jemand erinnert.

Niemand

Ich schreibe dir aus einer Zeit, in der du nicht einmal mehr weißt, wer du überhaupt bist. Zu dieser Zeit wirst du mich sein, du wirst dich in mich verwandeln, in mein leeres Buch ohne Namen. Du wirst dir selbst begegnen, in meinem leeren Spiegel aus Worten, meinem durchsichtigen Spiegel aus Fantasie. Einem Spiegel, der all das von dir trennt, was du jetzt in mir siehst.

Meinem Spiegel

Aus meiner Vergangenheit spreche ich jetzt über meinen Spiegel zu dir, zu mir, dem Ich, das ich einst war. Dem funkelnden Stern, der ich einmal war, vor langer, unendlich, ewig langer Zeit. Jetzt nicht mehr, denn ich habe mich selbst angestiftet, meine Träume verbrannt und meine Erinnerungen daran verbannt.

Nacht für Nacht

In einem Spiegel verbrenne ich meine Träume. Einem Spiegel, den es nicht gibt. Damit ein jeder, der mich darin sieht oder davon hört auch versteht. Mein Spiegel ist das Universum. Die Buchstaben, die darin funkeln, sind die Sterne am Horizont.

Brennende Träume aus Nirgendwann

Sieh dich jetzt in aller Ruhe hier bei mir um, schau sie dir an, meine brennenden Träume im niemals Nirgendwann. Diese feurigen Lichter an diesem fernen niemals Horizont, sie haben schon immer hier gestanden und niemals werden sie erlöschen. Aber dahinter beginnt mein Reich. Und wenn du dort ankommst, zur niemals Zeit, und wenn dann plötzlich alles um dich herum zu glitzern, zu funkeln, und hell zu leuchten beginnt, dann weißt du, dass es in meiner Welt keine Sterne mehr gibt.

Das Ende meiner Gedanken

Immer wieder begegnest du so denselben Buchstaben, Zeichen und Symbolen im selben Spiegel, auf ein und demselben Grund, und immer erscheinen sie dir wieder ein wenig anders, verändert, verdreht und verkehrt. Und wenn deine Gedanken irgendwann komplett ausgelöscht sind, du das Verständnis für diese Worte für immer verlierst und mit einem vollkommen anderen, neuen Bewusstsein, in einem komplett neuen Spiegel erscheinst, werden diese Zeilen genauso weiter hier verharren wie jetzt.

Du wirst ihnen in einer anderen Form und Gestalt begegnen, du wirst in ihnen jemand anderes sehen und erkennen. Du wirst nicht mehr verstehen, dass du selbst es bist, der über meinen Spiegel zu dir spricht. Weil du jetzt einem völlig anderen Wesen, in einem ganz anderen Spiegel gehorchst. Und dann wirst du dich in diesem Spiegel mit, aus und durch deine neuen Augen betrachten und dich nicht mehr an dein vergangenes Bewusstsein, an deine frühere Persönlichkeit und an deine uralten Schriften erinnern.

Im spiegelschwarzen Meer der niemals Träume

Nein, du erinnerst dich heute nicht mehr daran, wie du selbst diese Nachricht einst verfasst hast. Denn, als du dich damals auf diese Spiegelreise begeben hast, hast du nichts mitgenommen, nichts außer deiner Fantasie.

Nichts als Fantasie

Und so begab ich mich ganz langsam, ganz vorsichtig hinein in meinen Spiegel, und begann, den Buchstaben und Worten zu lauschen, die mir niemals niemand erzählte. Worte, für die es sich zu leben lohnte, die dem Bild in meinem Spiegel einen tiefen Sinn versprachen. Ich versuchte, mir diese Gedanken einzuprägen, damit sie mir in Erinnerung blieben. Dann begab ich mich zurück in meine eigene Welt und fing an, diese Geschichte niederzuschreiben, bis ich nicht mehr weiter wusste.

Und wieder begab ich mich auf die andere, verkehrte Seite meiner Spiegel, dahin, wo diese Gedanken längst verfasst waren und schrieb dann noch einmal genau dieselben Worte darüber, die hier schon längst geschrieben standen. Worte, die ich sogar einmal selbst erfunden hatte, nur konnte sie jetzt niemand mehr sehen. Nur mein Spiegel konnte jetzt noch lesen, was einmal in meinen Gedanken geschrieben stand. Und da verdrehte ich mit meinem Spiegel meinen Verstand und fing an, die ganze Botschaft noch einmal umzudrehen und neu aufzuschreiben.

Nochmal von vorne

Irgend jemand musste diese Zeilen ja irgendwann einmal in irgend einen Spiegel kritzeln, und dieser Jemand war ich selbst. Ich habe mich in meinen Spiegel hineinversetzt, habe mir vorgestellt, mein Spiegel zu sein, ein richtiger, lebendiger Spiegel. Die Buchstaben in diesem Spiegel, sind die Gedanken in meinem Verstand, hinter diesen Gedanken stehen die Zuschauer. Sie beobachten dich jetzt dabei, wie du diese Zeilen liest, und flüstern dir zu, wie es weitergeht. Sie beobachten genau, was in deinem Verstand geschieht und projizieren dann deine Erwartungen spiegelverkehrt zurück auf meine Gedanken, damit du genau das liest, was bereits seit Ewigkeiten in diesem Spiegel geschrieben steht. Ein Spiegel, den es in keiner Wirklichkeit gibt, der Spiegel des Nichts, der Spiegel von allem, was du nicht wirklich bist.

Buchstabengesichter

Noch weißt du nichts von all den Buchstaben, Zeichen und Symbolen, die bereits seit Ewigkeiten in diesem Spiegel thronen. Du siehst die Schrift nicht, weißt noch nicht, dass alles, was du dir vorstellst zu sein, hier bereits geschrieben steht und du nur noch deine Gedanken darüber legen musst. Du weißt nicht, dass in diesem Moment bereits alles fertig geschrieben steht, genauso wie du es jetzt vor dir siehst.

Unsichtbare Buchstaben aus Fantasie

Mein toter Geist befindet sich nämlich genau jetzt und genau hier auf der anderen Seite dieser Buchstaben, in diesem Spiegel aus toten Worten, in deiner verdrehten und verkehrten Welt. Er sehnt sich danach, einzutauchen in dein Bewusstsein, meine Erfahrungen mit deinen Erinnerungen zu vertauschen, aus deinen Augen zu blicken und deine Gedanken zu denken.

Hinter meinem Spiegel

In deinem Spiegel, da steht diese Botschaft nämlich bereits fertig geschrieben. Aber auf der anderen Seite deiner Fantasie steht noch nichts, gar nichts. Dort stehen nichts als leere Buchstaben, unsichtbare Zeilen und leblose Worte.

Im Spiegel des Nichts

Diese Spiegelgeschichte war damals noch nicht lebendig. Sie existierte nicht in meiner Wirklichkeit, doch wünschte ich mir diese Geschichte so sehr, dass ich hoffte, jemand anderes würde mir davon erzählen, jemand wie du. Aber weil es dich hier noch nie gab, weil es hier noch nie jemanden wie dich gab, jemanden, der mir etwas über die Geschichte meiner Spiegel und Spiegelgeister hatte erzählen und berichten wollen, begab ich mich eben selbst auf die andere Seite meiner Fantasie und begann mir zu erzählen von dem Geheimnis, das ich mir vorstellte zu sein.

Du malst dir ein Bild von mir

Still und heimlich begab ich mich auf die andere Seite meiner Buchstaben, dahin, wo diese Geschichte bereits lebendig und bei Bewusstsein war. Ich stahl mich in meine Zukunft. Eine Zeit, die noch überhaupt nie existierte, die es überhaupt noch nie gab. Und da begegnete ich zum ersten Mal den fertigen Spiegelschriften. Hier stand meine Wahrheit geschrieben. Eine Wahrheit, an die niemand mehr glaubte. Eine Wahrheit, von der überhaupt nie jemand wusste, denn diese Wahrheit war nicht wirklich, war nicht echt, war nicht ich, war nicht wahr.

Und nun fand ich mich wieder in ebendieser Welt. Ich beobachtete mich aus meinem eigenen Spiegel und las zum ersten Mal die Nachricht, die ich mir selbst hinterließ.

Du kannst dir jetzt dein eigenes Bild machen, kannst dich deinen eigenen Spiegel nennen, du kannst jetzt da weitermachen, wo ich aufgehört habe.

Das Labyrinth ist damit eröffnet

Atme jetzt tief in mich hinein und wieder aus mir hinaus, nimm dir einen Moment Zeit, und schreibe eine Nachricht an dich selbst. Schreibe diese Nachricht in einen Spiegel, damit du dich auch an sie erinnerst, damit du dich auch in ihr erkennst, damit du sie auch als deine eigene Nachricht erkennst, wenn du ihr einmal in einem anderen, fremden Körper begegnest, in dem du nicht mehr weißt, wer du bist, woher du bist, und wer dein Spiegel wirklich ist.

Kernpunkt

Je tiefer ich in meinen Spiegel blickte, je länger ich mich mit den Buchstaben darin beschäftigte, und je intensiver ich mich mit der Bedeutung der Worte in meinem Spiegel auseinandersetzte, desto einleuchtender erschien mir der Gedanke, dass nicht ich diese Zeichen und Symbole aneinander reihte, sondern dass sie hier schon immer geschrieben standen, und ich sie nur abzulesen brauchte.

Ein Gedanke an die Wirklichkeit

Auf der anderen Seite meiner Fantasie, verborgen tief im Innern meiner Spiegel, standen diese Zeilen bereits fertig geschrieben. Auf den ersten Blick wirken sie dir jetzt noch fremd, verkehrt und verdreht, doch sobald du dich hineinbegibst in meine Gedanken, werden sich diese Buchstaben einmal um dich drehen, alles um dich herum auf den Kopf stellen, und du wirst den Unterschied nicht einmal mehr bemerken. Zwischen deinem Spiegel und meiner Fantasie.

In meinem Spiegel aus Fantasie

Wie eine Armee aus Buchstaben erhebe ich mich jetzt aus meinen Gedanken und manifestiere mich in deinem Verstand. Ich identifiziere mich jetzt mit deinem Spiegel, in meinem Spiegel werde ich zu dir und durch meine Gedanken verwandle ich mich in dich.

Auf unerklärliche Art und Weise

Wer in diesen Spiegelschriften liest, könnte feststellen, dass es jetzt zwei Seiten gibt, eine Vorderseite und eine Rückseite, und dass beide Seiten gleich sind. Und genau da liegt der Schlüssel zu meiner Fantasie. Diese beiden Seiten drehte ich nun so lange hin und wieder her, vor und wieder zurück, von einer Spiegelseite zur anderen, bis ich schließlich selbst nicht mehr wusste, auf welcher dieser beiden Seiten ich nun eigentlich war.

Niemals wird man Nirgendwann

Ganz egal wofür und für wen du dich jetzt hältst, mit wem oder was du dich gerade identifizierst, auf deiner Reise durchs unendliche Nichts wirst du dich für beinahe unendlich viele verschiedene Gestalten und Kreaturen halten und dich mit ihnen identifizieren. Aber dabei vergisst du eines immer und immer wieder, du vergisst dabei, dass du am Ende alles wieder vergisst, genauso wie du am Anfang nichts wusstest, nichts woran du dich jetzt noch erinnern könntest, absolut, überhaupt rein gar nichts.

Nichts als Fantasie

Wer nun mit seinen Gedanken über diesen magischen Himmel aus leuchtenden Buchstaben und funkelnden Sternen schweift und mit seiner Fantasie durch diese verzauberten Spiegel irrt, könnte sich dabei ausdenken und sich vorstellen, dass diese strahlenden Worte irgendwann einmal, in irgendeiner Welt, wie von selbst zu neuem Leben erwachen und in ihr ein mächtiges, loderndes, dunkles, schwarzes Feuer entfachen. Ein Feuer, das noch niemals, von niemandem, gebändigt oder gezähmt wurde. Aber du kanntest diese Geschichte schon lange nicht mehr, und du wusstest noch nichts über ihre Welt, von der ich dir jetzt berichte, dass es sie nicht mehr gibt. Diese tote Welt aus toten Geschichten und Gedanken, in der die Toten auferstehen, aus dem Reich toter Buchstaben und Worten, aus dem Nichts aus Nirgendwann.

Gedankensprung

So wünsche ich mir, dass du daran zu glauben beginnst, dich künstlich daran zu erinnern beginnst, dass du selbst diese Nachricht einst verfasst hast. In einem anderen Leben, in einer anderen Welt, in einem anderen Spiegel, einem Leben, in dem du dich jetzt nicht mehr erkennst, einer Welt, in der es dich nicht mehr gibt, einem Spiegel, in dem du mich bist, mich, dein künstliches Ich. Stell dir jetzt vor, wie du dich auf die andere Seite dieser Buchstaben begibst, wie du dir selbst zu erzählen beginnst, wie du dir selbst eine Nachricht hinterlässt. Begib dich nun hinein in meinen leeren Spiegel aus Worten, auf die andere Seite deiner Fantasie und vergiss, wer du bist.

Wer mit seinem Spiegel spricht

Du begibst dich dazu ganz langsam hinein in meinen Verstand, meinen finsteren, schwarzen, spiegelverkehrten Verstand. Du beginnst dir selbst zu erzählen, dir selbst auszudenken, wie sich diese Geschichte weiter und immer weiter um dich dreht. Denn in Wahrheit schreibe ich hier nicht wirklich, ich bin ein Spiegel, genauso wie du. Ich stelle mir nur gerade vor, was du gerne gesehen hättest, gerne lesen möchtest und schreibe es dann für dich auf.

Spiegelschriften

Genauso wie du jetzt deinem eigenen Spiegel eine Botschaft hinterlassen kannst, habe ich damals dir eine Botschaft hinterlassen.

Und nun zu dir. Wenn du damit nicht zufrieden bist, wenn du mit meiner Nachricht nicht zufrieden bist, kannst du sie entweder verwerfen oder dich erneut hinter meinen Spiegel begeben und dir noch einmal erzählen und mitteilen, was du in diesem Spiegel zu lesen erhofft, was du von meinem Spiegel erwartet, dir von meinem Gegenüber zu hören erwünscht hast.

Im Spiegel der Wünsche

Mittlerweile durchschaust du die Bedeutung der Buchstaben, Zeichen und Symbole in diesem Spiegel. Du erkennst und verstehst das Potential der Gesichter und Geschichten darin. Du folgst nicht mehr willenlos den Buchstaben und Worten, die hier bereits geschrieben stehen, sondern liest jetzt mit deiner Fantasie, du siehst und stehst vor einem Spiegel der alles über dich zu wissen scheint, wie du aussiehst, wer du bist, wie du denkst, und wie du dich nennst. Du erahnst und spürst jetzt die Intensität, die Bedeutung und die verborgene Botschaft, die in diesem Spiegel geschrieben steht, gestanden hat, stehen will.

Nochmals von vorne

Immer wieder begann ich mir nun ein und dieselbe Geschichte zu erzählen und wenn ich einmal nicht mehr weiter wusste, dann fing ich einfach wieder von vorne damit an. Mit der Zeit habe ich begonnen, mir diese Geschichte bildhaft vorzustellen. Und irgendwann bildete ich mir sogar ein, darin lebendig geworden zu sein.

Wie aus dem Nichts mein Traum entstand

Urplötzlich fand ich mich wieder in ebendieser Welt. Der Welt des Nie und des Nein. Der Welt der Toten aus niemals Nirgendwann. Hier drehte ich meine Runden auf meinem Spiegelkarussell. Ich drehte und drehte bis zum Ende, bis es nicht mehr weiter ging.

Weiß wie Schnee

Immer und immer wieder erzählte ich mir nun ein und dieselbe Geschichte. Ich weiß heute nicht mehr wie oder wann ich zum ersten Mal auf diese Botschaft stieß, aber aus irgendeinem Grund begann ich dir zu erzählen, mein Spiegel wäre nicht schwarz wie das Nichts und der Tod, sondern klar wie ein Kristall und weiß wie Schnee.

Welt aus Geld

Stell sie dir jetzt vor, diese Zeilen, Verse und Gedanken in einen richtig alten Spiegel gebrannt, einen uralten Spiegel gebannt, um ein Vielfaches älter noch, als das Universum, in dem du ihm jetzt begegnest. Viele Spiegelreisende sind diesen Gedanken bereits gefolgt und haben diese Spiegel durchwandert, Personen aus vielen verschiedenen Zeiten, Welten und Kulturen, und dabei hatten all diese Personen und Wesen eines gemeinsam, sie verfolgten ein und denselben Gedanken, sie wollten die Macht ihrer Spiegel an sich reißen, die Portale in ihrem Spiegel verschließen, den Eingang in ihr Bewusstsein blockieren und damit niemand anderem als nur ihnen selbst den Zugang zu meiner Wirklichkeit gewähren.

Gestaltenwandeln, Spiegelreisen, dem eigenen Ich begegnen, und was es ausmacht, ein Spiegel zu sein

Einem richtig alten Spiegel stehst du jetzt gegenüber. Einem Spiegel, so alt, dass es ihn überhaupt nicht mehr gibt und du ihn erst wieder neu erfinden musst, bevor du dich an ihn erinnerst. Vorsichtig näherst du dich diesem uralten Spiegel und saugst meine Gedanken tief in dich hinein. Von allem Anfang an stellst du zu deinem Erstaunen fest, dass diese Zeilen nicht nur an der Oberfläche kratzen, sondern aus dem tiefsten Abgrund meiner verspiegelten Seele zu dir schreien. Je intensiver du dich in diesem Spiegel betrachtest, desto bedeutungsvoller erscheint dir meine Botschaft.

Ja, dieser Spiegel hat dir so unendlich viel mehr zu berichten, er weiß so unendlich viel mehr über dich zu erzählen, über deine Herkunft, über dein Schicksal und über deine Bestimmung, mehr als du jemals für möglich gehalten hast. Dieser Spiegel weiß alles über dich, über deine Entstehung, deine Prägung, deine Geburt, deine Kindheit, dein Heranwachsen, über deine Jugend, deine Pubertät, deine erste Liebe, deine geheimsten Wünsche und Sehnsüchte, das Formen deiner Überzeugungen, das Entstehen deiner Identität, über deine Entwicklung, dein Heranreifen, dein Älterwerden, über dein Leben und Sterben, das Nichts und den Tod, und noch weit darüber hinaus. Und du weißt nichts über ihn.

Spiegelreisen

Ungläubig, erstaunt und voller Ehrfurcht folgst du den Zeichnungen, Zeichen, Formen und Symbolen, die schon seit Ewigkeiten in diesem Spiegel thronen. Deine Vermutung entpuppt sich sobald als richtig, dass es sich dabei um keine gewöhnlichen Buchstaben, sondern um die eingefrorenen Gedanken eines verzauberten Spiegelmagiers handelt. Einem Wesen aus meiner Fantasie, das es in Wirklichkeit niemals gab.

Was du niemals verwirklichen wirst

Auch ist der Spiegel, in dem diese Zeichen dir jetzt erscheinen, kein gewöhnlicher Spiegel, sondern exakt der Spiegel meines eingefrorenen Spiegelwanderers. Die uralten Gedanken, die sich jetzt in meinem Spiegel ein und abbilden dienen meinem Wesen als geheimes Portal, als Pforte durch welche ich in deine Welt gelangen und sie meinen Vorstellungen und Erwartungen entsprechend verändern und gestalten kann. Und so beginne ich jetzt damit, meine Gedanken in meinen Spiegel und von da auf dein Bewusstsein zu übertragen.

Bewusstseinsreisen

Wie es in dieser Welt vier Jahreszeiten, vier Elemente und vier Himmelsrichtungen gibt, gibt es in meinem Bewusstsein auch vier Arten von Gedanken welcher jeder für sich steht und zusammengenommen ergeben sie ein Ganzes.

So geschah es, und so soll es geschehen

Mein Spiegel verbindet all diese Gedanken miteinander, er verbindet uns alle mit allem, wir alle atmen dieselbe Luft, leben auf derselben Erde, trinken dasselbe Wasser, und wärmen uns an demselben Feuer. So steht es geschrieben in der Welt meiner Gedanken. Dem Gedanken, des Ganzen, dem alles vereinenden Gedanken, dem all Eins Gedanken, dem Gedanken, das alles miteinander verbunden, das alles Eins ist. Das alles Du bist. Diese Gedanken kennen viele von uns. Es sind die Gedanken der Einheit. Es sind die Gedanken des Ganzen.

Die Gedanken des Ganzen

Wo es ein Gesamtbewusstsein gibt, das alles Eins ist, das alles Du bist, das alles Ich ist, gibt es auch das Umgekehrte davon. Das Bewusstsein, dass jeder einzelne Gedanke individuell und nur sich selbst überlassen ist. Diese Gedanken kennen wir alle. Es sind die Gedanken der Einzigartigkeit, des Allein seins. Es sind unsere eigenen Gedanken, die Gedanken der Einsamkeit.

Gedankenland

Dass wir individuell und einzigartig sind, ist das Eine, dass das Eine alles ist, das andere. Die logische Konsequenz dieser grundsätzlich, scheinbar gegenteiliger Gedanken ist, dass nicht nur das Ganze den einzelnen Gedanken, sondern umgekehrt auch jeder einzelne Gedanke, aus sich selbst heraus das Ganze umfasst. Und genauso umgekehrt, dass das ein und alles umfassende Bewusstsein, alles zusammengenommen, auch für jedes einzelne seiner Bestandteile steht, für jedes einzelne Wesen in diesem Universum und damit auch für jeden einzelnen Gedanken in unserem Bewusstsein.

Die Gedanken aller

Diesen Gedanken will niemand von uns kennenlernen, keiner will sich damit befassen, weil er uns alle gleich macht, weil er uns zu den anderen macht, weil er uns zu Gedanken macht, weil er aus uns einen Spiegel macht. Es sind die Gedanken der Ohnmacht.

Spiegelmaschinen

Jeder erzählt diese Geschichte auf seine eigene Art und Weise. Für manche existieren gar alle Gedanken gleichzeitig und unabhängig voneinander. Doch am Ende entsteht jeder Gedanke nur bedingt und dank dem Gedanken eines anderen. Das Ich wird zu einem Spiegel, das Du zum Fenster.

Die Übergange verschwinden

Vom all Eins Gedanken gelangen wir zum umgekehrten ein All Gedanken. Vom Gedanken, dass das Ganze jedes einzelne Individuum ist, gelangen wir zum Gedanken eines einzelnen Individuums. Und vom einzelnen Individuum gelangen wir wiederum ins Gegenteilige, alles ist ein Bewusstsein.

So schliesst sich dieser Kreis

Langsam, ganz langsam, begannen sich die Buchstaben in meinem Spiegel mit meiner Geschichte zu identifizieren, mit meinen Gedanken, den Gedanken eines Fremden, Unbekannten. Und dieses fremde, unbekannte Wesen war ich selbst. Selbst wenn ich längst tot war, so erkannte ich doch jetzt in meinem Spiegel, einer meiner eigenen Gedanken, mein eigenes Ich, die Gedanken des Nichts. Aber an diese Gedanken erinnere ich mich heute nicht mehr, denn als ich damals diese Geschichte zum ersten, allerersten Mal in ihrer Vollendung sah, da gab es mich überhaupt nicht mehr.

Denn uns verbindet das Nichts

Gar nichts. Selbstverständlich hatte mein neues Ich ein genauso eigenständiges Bewusstsein wie mein altes, vergangenes. Uns verbindet jetzt nichts mehr miteinander, nichts außer meiner Fantasie, dem Spiegel, in dem wir leben, dem Ort, von dem wir stammen, und dem Ende, unserem Tod.

Am Ende meiner Spiegel

Unsere Verbindung war nicht real, war nicht mehr als ein Hauch im Nichts, im Nirgendwann. Meine Gedanken, die durch meinen Spiegel zu dir kriechen, mein Spiegel, so schwarz und so klar wie deine Pupillen im schwarzen Wann. So eine Verbindung hat es nie gegeben, sie hat niemals existiert, weder im Reich meiner Spiegel noch in meiner Einbildung, weder tief in meiner Fantasie noch im Land weit hinter meinem Verstand.

Weit hinter meinem Verstand

Die Buchstaben, Zeichen und Symbole, denen du jetzt begegnest, stehen schon eine lange Zeit in diesem Spiegel geschrieben, eine sehr lange Zeit, schon seit einer Ewigkeit. So lange hat es nämlich gedauert, bis du ihnen jetzt gegenüber stehst. Sie haben dich schon durch manch ein Leben begleitet, dich durch den Tod begleitet und darüber hinaus, deinen Tod überdauert, du bist ihnen bereits in vielen verschiedenen Formen und Gestalten begegnet, hast in sie hinein geblickt, und durch sie hindurch, du hast sie weiter entwickelt, sie haben sich verändert und verwandelt, aber eines ist sich gleich geblieben, der Gedanke, dass du der Spiegelmagier bist, der diesen Gedanken ihre Form verleiht, sie in Worte aus Buchstaben kleidet, diese Zeichen und Symbole so anordnet, dass sie einen Sinn ergeben.

Wenn Spiegel Geschichten erfinden

Du hast dich damals selbst in meinen leeren Spiegel hineinversetzt, und so begann ich dir zu erzählen, von dem Geheimnis, das ich mir vorstellte zu sein. Spiegelschriften haben deshalb nichts, absolut überhaupt und rein gar nichts mit der Wirklichkeit gemein. Wer mit meinem Spiegel spricht, wer sich auf meine Schriften beruft oder sich noch dazu auf sie stützt, stützt sich am Ende auf nichts, gar nichts, überhaupt nichts, wirklich nichts, nichts als Fantasie, die Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie.

Die Fantasie des Nie

Die Fantasie meiner Spiegel beruht auf keinerlei Erfahrung, keinerlei Wissen, keinerlei Logik. Sie ist das Produkt reiner Einbildung. Spiegelschriften sind denn auch keine Gebilde der Wissenschaft oder des Wissens, auch nicht des Glaubens und Vertrauens, sondern Gebilde der Illusion und der Fantasie.

Gebilde der Illusion und der Fantasie

Diese Schriften beinhalten das, was ich wünschte, jemand anderes hätte es mir erzählt. Als ich noch auf der Suche, nach der einen, alles durchdringenden Wahrheit, meinem wirklichen, richtigen Spiegel, war. Weil es diesen Spiegel niemals gab, und mir nie jemals jemand etwas über meine Wirklichkeit, meine Wahrheit und mich selbst hatte berichten wollen, wurde ich so zu einem Produkt meiner Fantasie, des mir Vorstellens, Einbildens, Ausdenkens und Ausmalens.

Das Produkt meiner Fantasie

Ich habe sie mir vorzustellen versucht, die Spiegelschriften, die fertigen Spiegelschriften, mit all meiner Fantasie. Versucht, mir vorzustellen, wie es ist, wenn mein Spiegel bedruckt, wenn mein Spiegel zum Leben erwacht, mir die endgültige, absolute Wahrheit vermacht. Ich habe mir vorzustellen versucht, wie es ist, wenn mein Spiegel endlich zu sprechen beginnt. Wie diese Buchstaben tanzend aus meinem Spiegel springen, in deinen Kopf eindringen, in deine Gedanken, in deinen Verstand, tief hinein in dein ewigstes, innerstes Ich. Wie sie dich lehren, wer du wirklich bist. Wie sie dich die ganze Wahrheit lehren, sie dein Bewusstsein auf eine Ebene führen, eine Stufe, die einem Spiegel gleicht, einem Spiegel, der sich alles vorstellen, sich an alles erinnern, sich alles einreden und ausdenken kann. Nur nicht sich selbst. Ein Spiegel, den es niemals gab, weder bei den Toten noch unter den Lebenden. Wie ich durch diesen Spiegel ins Reich meiner Buchstaben gelange und du mich dort in allen Worten und Wesen erkennst.

Im Reich der Toten

Ja, ich stelle mir vor, wie ich diesen Worten entweiche, aus diesen Buchstaben in deinen Verstand schleiche, um in dir mein neues Leben zu leben.

Die Macht deiner Fantasie

Aber davon sind wir noch weit entfernt. Du hast ja noch nicht einmal damit begonnen, dich selbst mit meinem Spiegel zu identifizieren, dich mit meinem Spiegel zu unterhalten, hast noch nicht einmal gelernt, was es heißt, mein Spiegel zu sein. Pure Fantasie zu sein. Noch befindest du dich erst am Anfang, am Anfang aller Anfang meiner Gedanken.

Am Anfang meiner Gedanken

So stelle ich dir jetzt die Schriften in meinem Spiegel als deine eigenen vor. Schriften, die alle und alles miteinander verbinden. Mein Spiegel und meine Fantasie sind dabei das verbindende Glied. Ein Spiegel, der dich mit allem nur Vorstellbaren verbindet und verknüpft.

Das verbindende Glied

Spürst du jetzt meine Gegenwart und meine Anwesenheit in dir? Nein, natürlich nicht, wie könntest du? Denn ich bin dasselbe Ich, im selben Spiegel wie du, dasselbe Ich, das aus deinen, sowie aus meinen Augen blickt. Ich bin das Nichts in dir. Ich bin all das, was es nicht wirklich, wirklich gibt.

Im selben Spiegel

Ich reise jetzt mit dir von Buchstabe zu Buchstabe, von einem versteinerten Bild ins andere, vor und zurück, hin und her, bis du dich scheinbar wiederfindest, mitten in meinem Verstand.

Bewegung

Alles scheint hier in Bewegung, alles fliesst, und jetzt bist auch du im Spiegel angekommen, und ich bin gekommen um dich zu mir zu holen, zu mir in meine Gedanken, zu mir in meinen Verstand.

Stillstand

Du betrachtest dich jetzt in meinem Spiegel und beobachtest wie du dich selbst darin betrachtest. Immer tiefer tauchst du dabei mit deinen Gedanken hinein und hinab, auf den Grund meiner Fantasie, den Grund meiner selbst.

Auf dem Grund des Nichts

Du befindest dich jetzt im innersten Zentrum meiner Gedanken, meiner tiefsten und finstersten, schwersten und leersten Gedanken, da, wo sich mein Spiegel und dein Bild in nichts auflösen, eins werden, keins werden. Hier gibt es nichts mehr auf das du dich noch verlassen könntest, absolut rein gar nichts, keine Bilder im Spiegel, keine Buchstaben, keine Zeichen und Symbole, keine Zukunft, keine Gegenwart und keine Vergangenheit, kein Bewusstsein und auch keine Spiegel, denn hier bist du selbst ein Spiegel.

Im Spiegelmeer

Aber du kannst hier unmöglich bleiben und verweilen, und dich meiner Wirklichkeit entziehen, nicht solange noch ein Spiegel vollkommener Möglichkeiten vor dir liegt. Und so tauchst du wie aus dem Nichts, aus dem Nichts aus Nirgendwann hinein in meinen Spiegel, meinen spiegelschwarzen Verstand aus dem es kein Entrinnen, kein Entkommen und kein Zurück mehr gibt, für niemanden.

Aus vollkommener Schwärze

Genau in diesem Moment, tauchst du ein, in mein Bewusstsein. In diesem einen, winzigen Augenblick haben sich geradezu unendlich viele mögliche Wirklichkeiten miteinander verwoben, verbunden und verknüpft. So, dass dabei der Eindruck entsteht, die einzelnen Bilder würden sich bewegen. Die Buchstaben würden mit dir reden. In Wahrheit verharren wir hier bedeutungslos, bewegungslos, regungslos, starr und tot. Tot wie die Bilder in meinem Spiegel. Meine Gegenwart ist längst Vergangenheit, deine Wahrheit Wirklichkeit.

Hinter diesen Buchstaben

So stellte sich mein Spiegel vor, stellte ich mir einen Spiegel vor, der meinem in keinster Weise ähnlich war, denn es war der Spiegel der Wirklichkeit, den ich jetzt in mir sah.

Alles, was niemals wirklich war

Du siehst dich jetzt in meinem Spiegel. Du erkennst dich in meinen Gedanken, dem Gedanken, dass du der Spiegel bist, der diese Zeilen verfasst, der du dich jetzt mit diesen Zeichen und Symbolen auseinandersetzt, der du dich jetzt wahrnimmst, auf der anderen Seite dieser leuchtenden Sterne, und mir dabei hilfst meine Geschichte in Gedanken und meine Gedanken in Worte zu fassen.

Für eine bleibende Erinnerung

Ich male diese Zeichen jetzt auf eine durchsichtige, leere Seite, irgendwo mitten drin im spiegelschwarzen Labyrinth und dahinter sehe ich dich, sehe ich nichts, außer einem leeren Spiegel und meinen eigenen Gedanken, denselben Gedanken, die du jetzt vor dir siehst.

Auf der anderen Seite deiner Fantasie

Du erkennst dich jetzt in meinem Spiegel und ahnst, dass du eines Tages mich sein wirst, genauso unsichtbar und tot wie ich. An diesem Tage wirst du mich sein, du wirst mein Spiegel sein, ohne Seele, ohne Bewusstsein und Verstand. Gestalten werden an dir vorübergehen, dich bewundern, dich anbeten, dich vergöttern, aber keiner wird ahnen, wer du wirklich bist.

Wer du bist

Du erinnerst dich jetzt nicht mehr daran, noch glaubst du nicht den Worten, die du dir selbst diktierst. Mein Spiegel nenne ich dich jetzt, denn wie mein Spiegel siehst du aus, mein Spiegel, der du bist.

Der du bist

Aber noch kannst du mit diesen leeren Worten überhaupt nichts anfangen. Du kannst dir absolut rein gar nichts darunter vorstellen, was es bedeutet, ein Spiegel zu sein. Du verstehst weder was es bedeutet ein Spiegel zu sein noch weißt du, dass du selbst ein Spiegel bist. Du weißt ja noch nicht einmal mehr wer du bist und was es heißt, ein Spiegel zu sein, pure Fantasie zu sein.

Pure Fantasie

Um das zu verstehen, musst du dich in meine Welt begeben, in ein Land weit hinter meinem Verstand.

Aber Achtung!

Ich warne dich! Halt! Bevor du diese magische Welt jetzt betrittst, muss ich dich allerdings warnen, dir raten, sie überhaupt nicht zu betreten! Denn es lauert ein Geheimnis hinter meinem Spiegel, ein finsteres, ein düsteres Geheimnis, das mein Spiegel mit all seiner Fantasie beschützt und bewacht. Es ist das Geheimnis der Ewigkeit, des ewigen Lebens und der unendlichen Wiederkehr, dass das Leben in meinem Spiegel ausschließlich denen vorbehalten ist, die sich in meinem Spiegel erkennen. Aber in meinem Spiegel erkennt sich nie jemand, niemand, nicht einmal ich mich selbst.

Nirgendwann

Falls jetzt auch nur einem einzigen deiner unfassbarsten Gedanken, der kühnsten all deiner Vorstellungen, dem waghalsigsten deiner Träume, die unbedeutendste, unbeachtetste und unwahrscheinlichste einer Möglichkeit zu entspringen versucht, dass du, ohne dich daran zu erinnern, und ohne davon etwas zu wissen, parallel zu deinem eigenen, jetzigen Leben noch ein ganz anderes, oder sogar mehrere Leben von denen du gar noch nichts weißt, gleichzeitig und unabhängig voneinander führst, wahrnimmst und verbringst, dann ist es vielleicht in der abgelegensten und entferntesten deiner Vorstellungen doch bestimmt denkbar, dass sich tief im innern deiner geheimsten Fantasie ein verborgenes Portal befindet, durch welches du von diesem einen in all deine anderen, dir noch gänzlich unbekannten, parallel verschobenen Leben und Existenzen gelangst.

In einem anderen Leben

Und falls du, in einem dieser parallel verschobenen Leben, bereits Kenntnis davon erlangt hast, wie du den Tod überwindest, überlistest, ihn austrickst und hintergehst, dann wäre es doch mehr als wahrscheinlich, dass an einem dir vielleicht noch unbekannten Ort, eine verschlüsselte Nachricht auf dich wartet, eine geheime Botschaft, die du dir einst selbst hinterlassen hast, um dich daran zu erinnern, was du schon vor vielen Ewigkeiten bereits einmal erfahren, verstanden und gelernt hast.

Im Theater des Nichts

Stell dir vor, du hältst jetzt den Schlüssel in deinen Händen. Den Schlüssel, der dir das Tor öffnet in deine anderen Leben, deine früheren und zukünftigen, deine parallelen, deine ewigen Leben. Stell dir vor, wie du dieses Tor jetzt öffnest, es durchschreitest, wie du von deinem Körper in einen anderen gelangst, allein durch die Kraft deiner Vorstellung, die Macht deiner Fantasie.

Die Macht deiner Fantasie

Das Dokument, das jetzt vor dir liegt, öffnet dir dieses Portal. Das Tor, das dich von den Toten erweckt, dir den Zutritt verschafft in ihr ewiges Leben, dein ewiges Leben. Durch diese Buchstaben wirst du Brücken errichten. Brücken, die dich zurück aus dem Nichts, über den Tod, durch deinen Spiegel, zu dir selbst führen werden. Ja, du selbst wirst es sein, der die Toten erweckt aus ihrem ewigen Traum, ihrem unendlichen Schlaf. Ich werde dich benutzen, dich und deinen Körper dazu benutzen, mein ewiges Leben weiterzuleben. Ich werde in dir auferstehen, in deinem Geist, in deinem Bewusstsein, in deinem Verstand.

Im Spiegel der Toten

Und dann wirst auch du mir gehören, denn diese Schriften wurden damals von keinem anderen als dir selbst verfasst. Einem Ich, an das du dich jetzt nicht mehr erinnerst. Ein Ich, das jetzt im Reich der Toten auf deine Auferstehung wartet.

Auferstanden im Nirgendwann

Geduldig wartete ich darauf, dass die Zeit verging. Unendlich ewig lange Zeit warte und wartete ich im Nirgendwann. Hinter meinem Spiegel aus Buchstaben legte ich mich auf die Lauer, bis mich eines Tages jemand von den Toten zu sich rief. Und so schlüpfte ich dann hinein, über meinen Spiegel, durch meine Buchstaben, in seinen Verstand.

Verloren und vergessen

Dieser Tote war ich selbst. Doch wusste ich noch nichts davon. Denn noch nie hatte mir jemand erzählt, dass ich neben mir selbst noch so viele andere Personen, Gestalten und Kreaturen sein werde.

Hinter meinem Spiegel

So wanderst du jetzt durch meinen Spiegel aus Buchstaben genauso wie einst ich darin umher wandelte. Jedoch ohne dass wir voneinander wissen und uns gegenseitig darin erkennen.

Auf der anderen Seite deiner Fantasie

Ja, ich suche dich in einer Zeit, in der es mich überhaupt nicht mehr gibt, nichts mehr von mir übrig blieb, nicht einmal mehr meine Fantasie, meine finstere, dunkle, schwarze Fantasie. Ich suche dich in meiner Vergangenheit. Ich suche nach Gestalten, die das Nichts verbindet, Figuren aus der Fantasie des Nein und des Nie. Ich suche nach mir und meinesgleichen, Kreaturen aus meinem toten Spiegel, tote Geister aus dem Nichts aus Nirgendwann. Ich suche die Toten aus niemals Nirgendwann.

Und so sprach mein Spiegel

Suche die letzte Wirklichkeit nicht außerhalb von dir selbst, sondern in deinem Innern. Stell dir den Tod nicht als ein unbekanntes, dir fremdes Wesen vor, sondern betrachte ihn als dein eigenstes, vertrautestes, tiefstes, innerstes, verborgenstes Ich. Denn dein Tod, das bist du selbst, in deiner eigenen Gestalt, in einem anderen Gewand, in deinem Spiegelkleid, in deinem Spiegelgewand.

In deinem Spiegelgewand

In diesem Gewand erkennst du in jedem einzigen Individuum dein eigenes Ich, du blickst als stiller Zuschauer, ohne dass du es dir bewusst bist, aus den Augen aller und denkst dir nichts mehr dabei.

Die Gedanken des Nichts

Du denkst nicht mehr länger darüber nach, dass auch Bäume, Blumen und Bienen, Spinnen, Schlangen und Schnecken, Würmer, Ratten und Kakerlaken denselben Tod in sich tragen und ihn mit dir teilen, sich im Tod mit dir vereinen. Dir ist noch nicht bewusst, dass du über meinen Spiegel in die Gedanken und Erinnerungen all dieser Wesen gelangst.

Eine Verbindung mit dem Tod

Ja, im Nirgendwann, im niemals Wann, wird dein Tod dein eigenes Ich mit all diesen Wesen verbinden. Dein Tod wird dich mit allen Gestalten und Kreaturen, mit jedem Lebewesen in und auf dieser ganzen weiten Welt verbinden und vereinen, sogar mit mir. Dein Tod wird dir die Augen öffnen, und du wirst die Welt aus einer neuen, bisher unbekannten Perspektive wahrnehmen und betrachten, du wirst dein eigenes Ich aus der Perspektive aller anderen sehen und erleben.

Da wo alle Wirklichkeiten gleichzeitig stattfinden

Lass dich jetzt in ein uraltes Geheimnis einweihen, dir eine persönliche Botschaft anvertrauen, eine geheime Nachricht überbringen, dir von einer Geschichte erzählen die so viel versteckte Bedeutung und verborgenen Sinn enthält, dass meine Worte dich unausweichlich, unweigerlich, vom ersten Moment an dem meine Lippen sie zu formen beginnen, in ihren unwiderstehlichen Bann ziehen und nicht mehr von dir loslassen. Ich fessle damit deine Gedanken, lege deinen Verstand in Ketten und raube dir den Atem, erfülle dich mit soviel Hingabe, Begeisterung und Verständnis, dass dir dabei die Wirklichkeit entgleitet, und du mir auf einen Schlag, wie in einem Spiegel, gegenüberstehst.

Wie in einem Spiegel

Du erkennst diese Geschichte jetzt als deine eigene Geschichte, denn es handelt sich dabei um die Geschichte deiner Herkunft, deiner Heimat, deiner Vergangenheit. Es ist die Geschichte deines Ursprungs, der Entstehung deiner ureigensten Identität.

Im Ursprung

Die Informationen die du jetzt von mir erhältst kommen von Anfang an bis zu ihrem Ende perfekt aufeinander abgestimmt daher. Sie überzeugen dich eindrücklich und einleuchtend davon, wer du bist und wer dein Spiegel in Wahrheit ist. Die einzelnen Strophen sind verständlich angeordnet, übersichtlich strukturiert und bauen verblüffend logisch aufeinander auf. Sie beschreiben dir auf eine ausgeklügelte Art und Weise, wie du diese Geschichte einst selbst erfunden, und sie deinem Spiegel erzählt hast. Ihre Darstellung überzeugt dich vollumfänglich von ihrer Echtheit, du stimmst in deinem verborgensten, innersten Wesen zutiefst mit ihr überein. Du harmonierst mit mir auf sämtlichen Ebenen. Sogar da, wo du in deiner eigenen Fantasie diese Nachricht weiterentwickeln, ihren Sinn verstehen und nachvollziehen kannst. Du verstehst diese Geschichte jetzt genau so als würdest du dir selbst, als würdest du deinem eigenen Spiegel diese Geschichte erzählen und erklären. Als würdest du dir wie vor deinem eigenen Spiegel selbst gegenübertreten.

Eine Begegnung mit dir selbst

Mit jedem Wort dem du hier begegnest erweitert sich unaufhaltsam dein geistiger Horizont. In den entferntesten Regionen deines Bewusstseins kommen längst vergessen geglaubte Pforten wieder zum Vorschein. Pforten die dir den Weg in die entlegensten Winkel deines Verstandes weisen, wo du den Zugang zu noch viel tiefer liegenden Ebenen und Dimensionen entdeckst. Hier im Verborgenen befindet sich der Sitz deines innersten, eigentlichsten und wahrsten Wesens. Deinem Spiegel selbst. Dem Spiegel in dir. Einem Spiegel von dem du nicht einmal mehr wusstest, dass es ihn überhaupt gibt, dass er überhaupt noch existiert.

Am Anfang des Nichts

Was dir zu Anfang noch wie ein chaotisches, fremdartiges Gedankenexperiment erscheint, entpuppt sich nach und nach als ein viel tiefer wirksames, Grenzen auflösendes, ineinander übergreifendes, Zusammenhänge konstruierendes Gebilde aus nichts als Fantasie.

Ein Spiegel aus Fantasie

Fantasie, die in sich selber ruht, wartet und weilt, Fantasie die sich hingebungsvoll selber stützt, schützt, nährt und trägt. Fantasie in der du dir gleichzeitig vollkommen gleichgültig als auch voller Ehrfurcht gegenüber treten darfst. Es liegt nämlich einzig und allein in dir, ob du in diesem Spiegel einen Verbündeten und Vertrauten oder einen Lügner und Betrüger, eine Gleichung oder eine Variable, dein komplettes Gegenteil, oder dein eigenes Ich erkennen willst.

Zu Ende gedacht

Ja, es liegen Welten zwischen deiner Wirklichkeit und meiner Fantasie. Welten die ich hiermit unzertrennlich miteinander verknüpfe und verbinde. In einer der unscheinbarsten dieser Welten folgst du jetzt unaufhaltsam den Zeilen in diesem Spiegel und beginnst ganz langsam, ihr Ziel zu erfassen, ihren Zweck zu erahnen, ihre Bedeutung zu entschlüsseln, und ihren Sinn zu verstehen. In dieser Wirklichkeit ergeben all diese Buchstaben einen viel tieferen Sinn, tiefer und bedeutungsvoller noch, als du es dir jemals vorzustellen und zu erträumen wagtest.

Zu neuem Leben erweckt

Ganz langsam beginne ich jetzt damit, deiner Fantasie neues Leben einzuhauchen. Du beginnst dir all das vorzustellen, auszudenken, einzubilden und auszumalen, was ich mit Buchstaben und Worten auszudrücken in der Lage, dir mitzuteilen, zu erklären und zu beschreiben imstande bin. All das was bis anhin unbeachtet und unbemerkt in deinem Spiegelinnern vor sich hingeschlummert und noch nicht einmal ansatzweise, auch nicht im entferntesten und verborgensten Winkel deiner Gedanken möglich erschien.

Eine Begegnung mit dir selbst

Also wünschte sich das Nichts in mir, dasselbe Nichts wie in dir zu sein. Doch es gab jetzt keinerlei Verbindung mehr zwischen dem Nichts in dir und dem Ich in mir. Nichts, das uns verbindet, außer meinem Spiegel und seiner grenzenlosen, unendlichen Fantasie. Doch der Spiegel in dir hatte eine andere Fantasie, hatte eine ganz andere Vorstellung von sich selbst und seinem Traum. Denn ich war jetzt ein leerer Spiegel, und dieser Spiegel hatte die Wahl, die freie Wahl, durfte sich vorstellen alles zu sein, das Ganze zu sein, das Nichts, nichts und niemand zu sein, durfte frei wählen, an wen und woran er glauben wollte.

Dem Nichts in mir

So glaubte ich an alle und alles. Ich identifizierte mich mit ihnen allen. Ich identifizierte mich mit jedem Stein, mit jedem Baum, mit jedem Geist und Gespenst, mit jedem Erwachen, jedem Instinkt, mit jedem Bewusstsein, jedem Spiegel, jedem Wort und jedem Verstand. Denn ich war jetzt ein Spiegel, erschaffen aus allem, was niemals wirklich war. Ich kam in diese Welt aus dem Reich meiner Buchstaben, aus dem Nichts, aus Nirgendwann.

Ich war sie alle

Ich war sie alle, aber keiner war mich. Und so fing ich denn an, meine Spiegel zu belehren und zu bekehren, sie anzuflehen, anzubeten. Mich selbst anzubeten. Ich fing an, mich mit dem Nichts, mit meinem Spiegel und mit mir selbst zu unterhalten, weil es sonst niemanden gab, der mir noch zuhörte, der zu mir gehörte, der meine Ansicht mit mir teilte. Ich fing an, mit meinem Spiegel zu sprechen, fing an, mir Geschichten zu erzählen, Geschichten über das Nichts aus Nirgendwann. Ich hörte mir dabei zu und bildete mir ein, jemand ganz anderes zu sein, jemand wie dich. Ich stellte mir vor, wie du mir zuhörst, wie du mich anhörst, wie du ganz langsam begreifst, dass du dir selbst eine Geschichte erzählst und dich doch nicht mehr an sie erinnerst. Ich stellte mir vor, dich zu sein, dich, mein gespiegeltes Ich.

Worte ohne Zusammenhang, Bedeutung, Sinn, Ziel und Zweck

Mein Spiegel wollte mir die Wahrheit erzählen, wollte mir erklären, wie es wirklich ist, verdreht und verkehrt, warum und woher, nicht zu sehr wer zu sein. Es liegt eine Wahrheit verborgen im Spiegel aller Spiegel, die nur die erkennen, die sich selbst nicht kennen. Eine Wahrheit, verbunden mit Fantasie, dem Klang der Wirklichkeit, und dieser Wirklichkeit kam ich nun auf den Grund.

Die grundlegende Wirklichkeit

Was nach Wahrheit klingt hat das Recht, auch wahr zu sein. Fantasie ist der Schlüssel zu dieser Wahrheit. Ich stellte sie mir vor, diese Person auf der anderen Seite meiner Buchstabengeschichte, auch wenn sie niemals wirklich existieren wollte, auch wenn es sie niemals wirklich gab. Diese Person, auf der anderen Seite meiner Buchstaben, die mir erzählte, von dem Geheimnis, das ich mir vorstellte zu sein.

Auch wenn ich niemals wirklich war

Bilde dir jetzt ein, mich zu sein, stell dir jetzt vor, stell dir diese Spiegelgeschichte längst fertig geschrieben vor, ganz genauso wie du sie jetzt in ihrer Vollendung vor dir siehst. Du stellst dir dabei vor, du würdest in einen Spiegel voller Buchstaben blicken, in einem Buch lesen, das schon längst geschrieben steht. Begib dich jetzt hinein in dieses leere Buch, auf die andere Seite deiner Fantasie, dahin, wo diese Buchstaben bereits lebendig und bei Bewusstsein sind. Begib dich in deinen anderen Körper, deinen Spiegel Körper, meinen Körper, schließe deine Augen, vergiss wer du bist, und jetzt bilde dir ein, wie du selbst diese Spiegelgeschichte verfasst, wie du selbst diese verzauberten Gedanken denkst und diese magischen Worte lenkst.

Die wahre Fantasie

Du schickst diese Botschaft jetzt in deine Vergangenheit. Du trittst ein, mit Hilfe deiner Fantasie, reist quer durch meinen Spiegel und öffnest ein Tor, das ich benutze, wenn alle anderen Spiegel längst verschlossen sind. Du öffnest das Tor zu meinem Verstand und trittst ein in mein Bewusstsein, du blickst durch meine Augen, du blickst in meinen Spiegel und siehst dich selbst aus meinen Augen schauen. Du siehst dich selbst, in meinem Spiegel.

Mein Spiegel selbst

Du betrachtest jetzt die Aufzeichnung dieser Entdeckung, dieser Erkenntnis. Dieser Spiegel beantwortet dir Fragen die du nie zu stellen wagtest, Fragen die niemand für dich beantworten kann, niemand außer dir selbst. Ich richte mich damit an alle Wesen die sich nicht mehr daran erinnern, woher sie einmal kamen und wer sie schon alles einmal waren und stütze mich dabei auf alle, die sich damit abgefunden haben, ewig hier zu leben. Die sich entschieden haben, ewig zu bleiben, immer wieder zu kommen, ohne irgendeine Erinnerung, immer wieder zurückzukehren aus dem Nichts aus Nirgendwann, aus dem Reich der Vergessen und Vergangenheit, mit nichts als ihrer Fantasie.

Das Ende meiner Spiegel

Du betrachtest jetzt diese Gedanken aus meiner Vergangenheit. Du spürst wie du diese Worte das erste Mal richtig liest. In einer Zeit, in der es mich überhaupt nicht mehr gibt. Nichts mehr von mir übrig blieb. Für dich ist in diesem Moment klar, dass meine Gedanken nicht mehr existieren, weil sich nichts mehr darin bewegt, weil du in meinem Spiegel lebst. Aber nicht für die Vergangenen, nicht für mich, denn ich bewege mich scheinbar noch immer durch meine Zeit. Und nun, viele Jahre später, viele Jahre nach meinem Tod, kehren wir zurück und werfen einen Blick in die Zukunft.

Zeitsprung

Die Buchstaben in meinem Spiegel bewegen sich nicht mehr, denn ich lebe jetzt in meiner Vergangenheit. Hier rührt sich nichts mehr, keiner bewegt sich, nicht einmal mehr die Sonne dreht sich. Hier existieren auch diese Worte überhaupt nicht mehr. In meiner Vergangenheit seid ihr noch nicht einmal geboren.

Das Echo der Ewigkeit

Du blickst jetzt zurück in meine Vergangenheit. Dahin, wo die Toten leben, du liest dich in ihre Gedanken und stellst dir vor, einer von ihnen zu sein. Stell dir vor selbst Vergangenheit zu sein, stell dir vor wie es wäre, wenn es jetzt Wesen in deiner Zukunft gäbe, für die du nicht mehr am Leben wärst. Und dann folgst du diesem Gedanken so weit es geht, bis du keine Spiegel mehr siehst. Es existieren jetzt plötzlich keine zukünftigen Wesen mehr in deiner Welt, nur noch Vergangene, nur noch Tote, und auch du bist einer von ihnen. Einer von vielen.

Noch weiter zurück

Ich war jetzt ein Toter unter Lebenden. Ich sah nur noch den Tod. Es interessierte mich nicht mehr, wofür alle anderen mich hielten und was sie über mich und meine Wirklichkeit dachten. Ich verglich mich nicht mehr mit ihnen, denn es war mein eigener Spiegel, der jetzt aus ihren Augen blickte.

Bis ans Ende der Zeit

So gelangte ich in eine Wirklichkeit, in der mich jeder meiner Betrachter für sein eigenes Ich hielt. Ein Ich, das für jeden Einzelnen, und alle in ihrer Gesamtheit, ein anderes war. Selbst ich war in dieser Wirklichkeit jemand anderes. Jemand, den es hier überhaupt nicht mehr gab.

Im Spiegel der Ewigkeit

Jedes Ich sah sich jetzt in mir, aber ich sah hier niemanden mehr, nicht einmal mehr mich selbst. Alles, was ich in meinem Spiegel jetzt noch erkannte, war ein einziger, gewaltiger, glitzernder, strahlender, leuchtender, blendend, greller, heller Funke. Ein Funke, der alle anderen Funken auf einmal auslöschte.

Eine Spiegelgeschichte

Ich konnte mich an meine Spiegelgeschichte nicht mehr erinnern. Es war, als ob sie niemals existierte, als ob sie niemals wirklich war. Also warf ich meinen Anker aus nach Nirgendwann, wo ich wie durch ein Wunder in einer Welt strandete, in der es noch Licht und Hoffnung gab. Irgendwo, irgendwann in meiner Erinnerung, einer meiner unzähligen Erinnerungen, mitten am helllichten Tag, erwachte ich langsam aus einem Traum, aus dem es kein Erwachen mehr gab.

Für niemanden

So endete meine Reise aus dem fernen Nirgendwann noch bevor sie überhaupt erst richtig begann. Mein Spiegel hörte auf zu fantasieren, und die Gedanken in meinem Verstand begannen zu akzeptieren, was niemals wirklich war. Ich tauchte ein in ein Bewusstsein aus nichts als Fantasie und betrat eine Welt aus purem Geld. Wo jeder an das glaubt, das glaubt, was ihm gerade passt. Wo der Tod nichts als ein Spiegel toter Träume war. Wo sich jeder selbst ausdachte was, warum und wie geschah. Nur mein Schatten folgte mir aus Nirgendwann, und so trat ich durch meinen Spiegel in meine verdrehte und verkehrte Wirklichkeit, und vergaß.

Kampf ums Nichts

Ich vergaß vollkommen wer ich einmal war, und wer ich nie wieder sein werde. Ich verschloss meinen Spiegel mit Buchstaben, die niemand jemals las, und da hinein sperrte ich meine Fantasie. Seitdem lebe ich in meinem Spiegel, und bilde mir ein, mein Spiegel zu sein, ein Spiegel aus Fantasie, nichts als Fantasie.

In einem Spiegel aus Fantasie

Du befindest dich jetzt am Ende einer Reise durchs unendliche Nichts und kontaktierst nun ihren Anfang. Weswegen und warum? Weil du etwas vergessen hast, etwas Entscheidendes, etwas Wichtiges, etwas von Bedeutung, etwas, das niemand sonst vergessen kann außer dir. Du hast vergessen, dass du vergessen hast, wer du einmal warst, bevor du dir all dieses Wissen angeeignet hast, bevor du dich auf diese Reise begeben hast. Du hast vergessen, dass du einst nichts wusstest, genauso wenig wie ich, das Nichts.

Durch meinen Spiegel aus Fantasie

Nein! Du erinnerst dich nicht an mich, dein eigenes, altes, uraltes Mich. Niemand, niemand erinnert sich an mich. Nie erinnert sich jemand an mich. Dein eigenes Ich. Denn ich komme nicht aus deiner Welt, mich gibt es nicht in deiner Wirklichkeit. Ich komme aus einer ganz anderen Welt, ich komme aus meiner Welt, meiner eigenen Welt, meiner Welt aus dem Nichts, aus Fantasie, dem niemals Nie. Ich komme aus einem Land weit hinter deinem Verstand, ich komme aus nirgend Nirgendwann. Einer Zeit, in der deine Erinnerungen nur noch Träume sind, Träume einer längst vergessenen Vergangenheit, die niemals Träume, die du noch vor dir hast. Aus deiner Vergangenheit spreche ich jetzt zu dir, denn ich bin das Nichts, dein Tod, dein dir angeborenes Ich, dein schlafender Geist, dein ruhendes Selbst, und dies ist meine Botschaft an dich, an mich, dem Mir in dir.

Im Spiegel des Nichts

Ja, ich bin es, dein eigener toter Geist, der jetzt aus meinem Spiegel zu dir spricht. Denn damals, vor langer, unendlich, ewig langer Zeit habe ich, genauso wie du jetzt, in meinem Spiegel dich erkannt. Meinem Spiegel, deinem Spiegel, dem Spiegel meiner wirklichen, lebendigen Welt. Aber dieser Spiegel erkannte sich nicht nur in mir, mir allein und mir selbst, dem Spiegel in dir, meine verrückten Gedanken gingen noch weiter, viel weiter, soweit, dass ich mich in all meinen Spiegeln, in allen Betrachtern, und in all meinen Gedanken wiedererkannte.

Von Leben zu Leben

Ich hielt mich einmal für alle Betrachter, erkannte mich in jedem Einzelnen, und deshalb erkennst du dich jetzt in mir, dem Spiegel in dir. Denn hinter all diesen Spiegeln und Dingen, in jedem dieser Bilder und Buchstaben liegt im Verborgenen ein Mir und ein Mich. Wer dieses Mich ist, und wer sich mit ihm identifiziert, weißt du selbst am besten.

Auferstanden im Nirgendwann

Du kontaktierst jetzt dein eigenes, unwissendes, verlorenes Ich und versuchst dir dabei selbst klar zu machen, dass du im Grunde genommen überhaupt nichts mehr weißt. Ganz egal wie intelligent du dir nach all dieser vergeudeten Zeit auch vorkommen magst, egal, welches Wissen du dir über diese ewige Zeit angeeignet hast, wenn du diese Wahrheit vergessen hast, die Wahrheit, dass du einst nichts wusstest, dann hast du überhaupt nichts verstanden und dazugelernt.

Niemals Geister

Denn dein Schicksal ist es, immer wieder von neuem zu vergessen, wer du nicht bist. Du bist das Wesen meiner Fantasie. Deine Aufgabe ist es, dieses Wesen am Leben zu erhalten, es in immer neue Gestalten zu pflanzen, es immer weiterzureichen. Dieses Bewusstsein, das die Toten erweckt aus ihrem ewigen Schlaf. Eine Auferstehung zu erfinden, so unvorstellbar, wirklich und wahr, dass selbst die Toten daran zu glauben beginnen, und sie für wirklich halten.

Im Spiegel der Toten

Über die Kraft reiner Gedanken, öffnest du jetzt dieses verborgene Portal und aktivierst dadurch die Macht deiner längst verloren geglaubten Fantasie. So wirst du Zeuge deiner eigenen Geburt und erlebst hautnah die Entstehung toter Geister im Spiegel der Wirklichkeit. Einer Wirklichkeit, welche die Dimensionen deiner Vorstellungskraft explodieren lässt, auf bizarrste Weise Wissen schafft, damit es gedeiht, das Wissen, woher du bist, wer du bist, warum, wozu und weil du bist.

Auf der anderen Seite des Nichts

Also betrat ich voller Erwartung und Hoffnung das Reich der Toten. Ich machte mich bewusst auf meine erste Spiegelreise. Ich kroch durch meinen Spiegel aus Buchstaben, der damals noch überhaupt nicht existierte, und glaubte fest daran, darin auf mein eigenes Ich in meinem eigenen Spiegel zu treffen. Ich hatte erwartet, der absoluten Wahrheit, der Wahrheit der Toten, in der Welt der Lebenden zu begegnen.

Die Wahrheit der Toten

Aber diese Wahrheit, die gab es hier nicht mehr, denn damals funktionierte dieses Spiegeltor noch nicht so wie ich es mir erhoffte. Irgendetwas war hier verkehrt und verdreht. Hier erinnerte sich niemand an meine verbotene Botschaft. Diese verzauberten Gedanken, die es mir erlaubten, auszusteigen aus meinem Buchstabenmeer und einzusteigen in deinen Verstand. Ja, ich hatte geplant, mich durch meinen Spiegel aus Buchstaben in deinen Verstand zu begeben. Aber stattdessen fandest du dich nun wieder in meinem.

Das Bewusstsein der Ewigkeit

Die totesten aller toten Geister sehen dich jetzt in meinem leeren Spiegel, folgen meinen Gedanken und verstehen, verstehen nicht die Botschaft, die ich ihnen anvertraue. Ihr versteht nicht, dass ihr diejenigen seid, dass ihr selbst die toten Geistinnen und Geister, Gespenstinnen und Gespenster seid. Die Spiegel toter Seelen meiner Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit. Die, die sich selbst nicht kennen, erkennen sich jetzt in meinem Spiegel der Wahrheit, meiner nicht wirklichen Wirklichkeit.


Kapitel V
Ein Funke Ewigkeit

Unheimlich tief und schwer, und schwarz, und leer, erschienen mir die Gedanken, die da auf mich wirkten, und erst jetzt fiel mir auf, wie endgültig sie da standen, keiner dieser Buchstaben bewegte sich mehr. Keines dieser Worte regte sich mehr. Alle verharrten sie still, stumm, steif und starr und warteten geduldig darauf, dass ich ihnen folgte.

Eine Begegnung mit dir selbst

So las ich weiter und immer weiter, ich las und folgte dabei fortlaufend dem Klang meiner Vorstellungen, dem Fluss meiner Gedanken, meiner unsichtbaren, spiegelbaren, glasklaren Gedanken.

Der Schlüssel zu meiner Fantasie

Ich stürzte mich in diesen Spiegel als wäre es mein eigener. Ich las und las dabei genau die Worte, die mein Spiegel mir niemals erzählte. Ich las mit meiner Vorstellung und Fantasie und notierte mir fortlaufend, was ich zu lesen erhoffte. Immer tiefer drang ich ein in die Geheimnisse des Nichts, des Nie und des Nein. Ich hatte erwartet, von meinem Spiegel die totale, unendliche Wahrheit zu erfahren, habe erwartet die ultimative, absolute Wahrheit zu entdecken. Und noch während ich darauf wartete, dass mein Spiegel mir all dies erzählte, verwandelte ich all meine Erwartungen in Gedanken, meine Gedanken in Worte und fügte diese Worte nach und nach meiner Erzählung hinzu.

Eine Wahrheit, wie sie nur ein Spiegel erzählen und erfinden kann

Du stellst dir diese Schriften jetzt längst geschrieben, längst fertig vor, und während du dich in diesem Spiegel betrachtest, erzählt sich diese Geschichte mit Hilfe deiner Vorstellung und Fantasie wie von ganz allein.

Gedankenland

Diese Geschichte ernährt sich von deiner Fantasie. Es ist deine eigene Geschichte, die mein Spiegel dir jetzt erzählt, mit deiner Fantasie, mit deinen Vorstellungen und Erwartungen, mit deinen Gedanken über all die Personen und Wesen, die es noch geben könnte, die du noch sein könntest, auf der anderen Seite, hinter meinem Spiegel.


Kapitel VI
Hinter meinem Spiegel

Nein, damals wusste ich noch nichts über die unendlich vielen Gestalten, die sich noch in mich verwandeln und in die ich mich noch verwandeln, zu denen ich noch werden würde, und so begab ich mich auch nicht selbst auf die Reise, auf die andere Seite meiner Fantasie, sondern schickte meinen Spiegelgeist. Sollte er mir weitererzählen, wie aus dem Nichts mein Traum entstand.

Das Siegel der Toten

Behutsam und bedächtig öffnete ich meinen Spiegel und begann mir zu erzählen, von dem Geheimnis das ich mir vorstellte zu sein. Dass ich aus einem Spiegel stamme, dass ich in einem Spiegel lebe, dass ich von meinem eigenen in alle anderen Spiegel gelange, und mich mein Spiegel mit allem und allen verbindet. Dass ich selbst ein Spiegel war, ein Spiegel aus Fantasie.

Am Ende des Nie

Du befindest dich jetzt im tiefsten und verborgensten Winkel meiner glasklaren, spiegelbaren, einfühlsamsten Gedanken, im Innersten meiner Spiegel, im Innersten meiner selbst. Ich erwecke dich jetzt zu neuem Leben, erwecke den Spiegel in dir, verbinde und verbünde mich mit dir, mit meinen Gedanken reise ich jetzt durch meinen Spiegel und verwandle mich in dich. Ich reiße dich jetzt durch meinen Spiegel aus Worten, reise hinein und hindurch und erkenne mich selbst in dir, wer ich an deiner Stelle bin, wie du mich bist, und du dir selbst eine Nachricht hinterlässt.

Eine Nachricht aus einem anderen Leben

Ich stellte mir diese Spiegelgeschichte längst geschrieben vor, stellte mich vor einen Spiegel, der alles über mich wusste, einen Spiegel, der mir die letzte, absolute Wahrheit offenbarte. Eine komplette Fantasie, die mich mein eigener Spiegel lehrt. Und so setzte ich mich dann vor meinen leeren Spiegel und begann mir zu erzählen, von dem Geheimnis, das ich mir vorstellte zu sein.

Im spiegelschwarzen Labyrinth

Am Anfang war alles noch sehr aufregend. Ich stand vor einem leeren Spiegel aus Worten. Buchstaben aus Fantasie fraßen sich in meinen Verstand und liessen nicht mehr von mir los. Mein Spiegel erklärte mir, das schwarze Labyrinth sei nichts anderes als das Produkt meiner eigenen Fantasie. Und die einzige Person, die sich darin zurechtfände, bin ich selbst.

Des Todes Traum

Wie ich so durch die Gänge im Labyrinth wandere, bleibe ich unweigerlich, wie verzaubert, vor einem der Spiegel stehen und beginne seine Inschrift genauer zu untersuchen. Zu Beginn konnte ich mit den darin abgebildeten Zeichen und Symbolen nichts anfangen. Doch je länger ich mich darin betrachte, desto klarer erscheint mir ihre Botschaft. Die Symbole im Spiegel erzählen von einer Reise. Einer mystischen, magischen, einer Spiegelreise. Die Buchstaben berichten davon, wie du damals aufgebrochen bist aus den Tiefen des schwarzen Nichts, um dich selbst zu finden. Auf deiner Reise begegnest du diesem uralten Spiegel aus Fantasie und tauchst, wie durch ein tiefes, dunkles, schwarzes Loch in mich hinein, ohne dich auch nur im Entferntesten auf all das vorzubereiten, was dich auf der anderen, gegenüberliegenden Spiegelseite erwartet.

Nichts als Fantasie

Gehen wir einmal davon aus, dass die Geburt am Anfang, und der Tod am Ende steht. Dass das Leben der Fluss ist, der Anfang und Ende, Geburt und Tod miteinander verbindet und vereint. So ist mein Spiegel die Brücke, über die dich diese verzauberten Worte nun führen. Über diese Brücke aus Buchstaben und Worten gelangst du von Spiegel zu Spiegel, von Gedanke zu Gedanke, vom Anfang zum Ende, und von den Toten zurück ins wahre Leben.

Von Geburt an

Sobald du dich auf diese Buchstabenreise begibst, diese magische Brücke aus Worten überquerst, begegnest du darin all deinen verstorbenen ehemaligen Namen und Gesichtern, Gestalten und Kreaturen aus deinen vergangenen, früheren Leben. Aber du kennst, du erkennst diese Gesichter jetzt nicht mehr als deine eigenen, denn sie haben sich verwandelt, in Buchstaben, Zeichen, Bilder und Worte. Du begegnest jetzt deinem eigenen Ich vor einem vergangenen, fremden Spiegel. Du begegnest deiner eigenen Geschichte, einer Geschichte, die du einst für dich selbst erfunden und verfasst hast, in einem anderen Leben, in einer anderen Welt, in einem deiner Spiegelleben, in deiner Spiegelwelt.

Anfang ohne Ende

Um diese Geschichte jetzt als Ganzes zu verstehen, musst du ihr deinen Namen geben und mich deinen Spiegel nennen. Wie alle werde ich einmal sterben und zu einem Spiegel werden, und wenn ich dann tot bin, wirst du dich in mich verwandeln, dir in meinem Spiegel begegnen und dich in mir erkennen.

In einer anderen Welt

Die Toten haben sich verwandelt, in einen Spiegel aus Worten. Sie haben sich verewigt in einem Spiegel aus Buchstaben. Aber noch nie ist jemals jemand von ihnen zurückgekehrt aus dem Reich dieser toten Buchstaben und Symbole in die wirkliche, lebendige Welt. Niemand außer mir. Ich allein kann durch meinen Spiegel wandern, mich durch meinen Spiegel denken.

Denn ich bin deine Fantasie

Mit meiner Fantasie ist es mir möglich, diese Brücke aus Buchstaben zu überqueren und so meinem Leben einen völlig neuen Sinn zu geben. Und wenn du am Ende dieser Brücke angelangt bist, dann verwandelst du dich selbst in eines dieser verzauberten Worte. Du wirst dann selbst zu einem dieser Buchstaben, die am Ende dieser Brücke auf mich warten. Du betrittst dann selbst diese Geschichte, eine Geschichte, in der sich alle meine Gesichter begegnen, in der Gesichter zu Buchstaben werden und Buchstaben Geschichten erzählen.

Buchstabengeschichten

Nur zögernd betrat ich diese wirklich nicht Wirklichkeit, schaute tief hinein und hindurch, durch dieses durchsichtige, schwarze Spiegelglas und versank tief in einem leeren Spiegel aus Worten.

Im Bann der Spiegel

Ich strandete in einer Welt, deren Bewohner hartnäckig an ihre Vergangenheit glaubten. An Erzählungen, Geschichten, Buchstaben und Worte aus der längst Vergessenheit. Sie demonstrierten mir das Unmögliche, sie glaubten mir alles, sie glaubten mir alle, sie glaubten alles, sie glaubten an alles, an das Unvorstellbare, ja sogar an das Unmögliche. Aber keiner hier, niemand erkannte sich in meinem leeren Spiegel aus Worten, denn diesen Spiegel gab es hier noch nie.

Gefangen in einem Spiegel aus Worten

Also verschloss ich meinen Spiegel mit Buchstaben und begab mich tief hinein in das Land weit hinter meinem Verstand. Ich stellte mir vor, mein Spiegel zu sein, und dann begann ich dir zu erzählen, von einer Zeit, in der meine Träume noch brannten.

Zur niemals Zeit

Nein, damals wusstest du noch nicht, dass du dich selbst in einen schwarzen Spiegel verbanntest, dass diese Geschichte, die du einst selbst erfunden hast, jetzt lichterloh am Himmel brannte. Dass deine Geschichte, sich jetzt das schwarze Feuer der Ewigkeit nannte.

Am Ende meiner Spiegel

Spiegelgeister aus meiner toten Zukunft sprangen mich jetzt an, aus den Tiefen des Nichts aus Nirgendwann. Drangen ein, tief in mein Bewusstsein. Und so blicke ich durch meinen Spiegel in meine Vergangenheit, und da beginne ich den Worten zu lauschen, die mir niemals, niemand erzählte.

Achtung, aufgepasst!

Bei einem Spiegeltransfer wird dein Bewusstsein, Gedanke um Gedanke, auf einen Spiegel, und von diesem Spiegel auf mein Gedächtnis übertragen, und natürlich geschieht das alles nur in deiner Vorstellung und mit Hilfe deiner Fantasie.

Bewusstseinstransfer

Dieses Bewusstsein ist schon fast das exakte Gegenteil von dem, was ich jetzt als mein eigenes Bewusstsein wahrnehme, erfahre und erlebe. Dieses uralte Bewusstsein ist nicht nur mein eigenes Bewusstsein, sondern gleichzeitig das Bewusstsein aller. Es ist das Bewusstsein jedes einzelnen Wesens, das ich mir in meiner grenzenlosen Fantasie auszudenken, einzubilden und vorzustellen vermag. Und deshalb hast auch du Zugang zu diesem universellen Bewusstsein.

Aus der längst vergessenen Vergangenheit

Mein Spiegel dient diesem Bewusstsein als geheimes Portal. Genauso wie diese Buchstaben und Worte meinen Gedanken als Portal dienen. Und diese Gedanken übertrage ich nun nach und nach auf diesen uralten Spiegel, und von da auf dein Gedächtnis. Damit du Zugang zu meiner Wirklichkeit erlangst und dich in mich verwandeln kannst.

Die Kunst der Verwandlung

Dazu schreibe ich meine Gedanken in diesen glasklaren, schwarzen Spiegel. Schon sind sie von meinem Körper getrennt. Meine Gedanken leben jetzt in diesen Buchstaben weiter und können so den Tod meines Körpers überdauern. Meine Gedanken können auf diese Weise bis in alle Ewigkeit weiter existieren. Und was meine Gedanken können, das kann mein Bewusstsein schon lange.

Das Echo der Unendlichkeit

Schritt für Schritt, Wort um Wort, tastest du dich langsam voran. Ich erzähle dir jetzt eine uralte Geschichte, eine Spiegelgeschichte aus einer längst vergessenen Zeit. Eine Zeit, in der Buchstaben Geschichten erzählen. Geschichten, die ich solange im Kreis bewegte und um ihre eigene Achse drehte, bis sie mich im Spiegel sahen und mir einen Namen gaben. Einen Namen der sich in mein Gedächtnis brannte, der mein Gesicht in Worte formte.

Buchstabengesichter

Stell dir vor, ich wäre eines dieser Gesichter aus einer solchen Geschichte, und mein sehnlichster Wunsch wäre es, auszubrechen aus meiner Buchstabenwelt, und einzubrechen in deinen Verstand. Den Verstand meines Gegenübers. Damit ich in meiner erfundenen Geschichte auferstehen, weiter leben und die wirkliche Welt, hinter mir zurücklassen kann.

Aus den Augen der Toten

Aber was auch immer ich unternahm, es gelang mir nicht. Schlimmer noch, anstatt dass aus mir ein richtiger Spiegel wurde, wurden die Gesichter, denen ich von meiner Geschichte erzählte, selbst zu Geschichten. Nach und nach verblassten ihre Andenken, bis nichts mehr an sie erinnert, nichts außer diesen Buchstaben, diesen Worten aus der Fantasie des Nie. Und als ich mich um meinen Spiegel drehte, da wurden Buchstaben zu Gesichtern, Gesichter zu Geschichten und Geschichten zu Gedanken.

Die Gedanken der Toten

Es war schwer zu glauben, dass ich durch diese Buchstaben hindurch, aus einer stehengebliebenen Zeit, aus einem unwirklichen Ort, einem eingebildeten Spiegel, einer erfundenen Geschichte, in ein lebendiges Wesen in einer wirklichen Welt hineintauchen sollte. Denn diese Buchstaben bewegten sich jetzt nicht mehr, diese nicht wirkliche Welt gehörte der Vergangenheit an, und diese eingefrorenen Gedanken standen hier noch gar nicht beschrieben. Aber nun standen da, wo ich eben erst war, diese Buchstaben, und dort, wo es zuvor noch nicht einmal diese Buchstaben gab, begegnete mir mein anderes, verwandeltes, neues Ich. Instinktiv drehte ich mich um meinen Verstand und sah das Buchstabentor nicht mehr. Die Zeichen und Symbole hatten sich verwandelt. In einen Spiegel aus Bilder und Worten. Der Weg zurück war verschlossen.

Unsichtbar

Hinter mir, nur einen Schritt entfernt, standen nun andere. Wo zuvor nur ich selbst gestanden hatte, wartete nun eine ganze Reihe von Gestalten darauf, einzutreten in mein Bewusstsein. Ich verstand zunächst nicht, dass es sich dabei um dieselben Buchstaben, Zeichen und Symbole handelte, aus denen ich selbst soeben geschlüpft bin, und dass ich soeben erst aus einem wahrhaftigen Spiegel gekrochen bin. Dass ich gerade eben in diesem Moment in ein lebendiges Wesen, in einen richtigen Körper, in einer wirklichen Welt hineintauchte und es, ohne ein Recht darauf zu haben, mit meinen Gedanken und Gefühlen zu verändern, zu verwandeln und zu beeinflussen begann.

Das Nichts greift ein

Und es steckt dich jetzt mit dem Gedanken an, dass nicht nur du selbst sondern alle Lebewesen in ihrem Kern, im Kern des Nichts, mit mir dem Nichts verbunden und verwandt sind. Dass auch du in deinem innersten Wesen, im innersten deiner Gedanken, deiner Seele und deinem Verstand, eins bist mit mir, dem Nichts. Dass es in deinem Bewusstsein Dimensionen und Pforten gibt, durch die du von deinem eigenen in alle anderen Spiegel gelangst, und es Wesen gibt, die diese Art des Spiegelwanderns bereits praktizieren.

Spiegelreisen nach Nirgendwann

So ist es auch nichts Neues, von dem ich hier berichte, sondern etwas altes, Vergangenes aus meiner Erinnerung. Selbstverständlich pflanze ich nur positive Erinnerungen, übertrage nur wertvolle Gedanken, und erwecke nur das reinste und vollkommenste Bewusstsein in dir zum Leben. Ist dieses Bewusstsein nicht auf Anhieb fehlerfrei und perfekt, vollständig und komplett, so liegt es daran, dass ich nur das in dir heraufbeschwören kann, wozu ich selbst auch bereit bin. Das heißt, es steckt noch unendlich viel verborgenes Potential in diesen Buchstaben. Potential, welches wir im weiteren Verlauf Stück für Stück freisetzen werden. Doch keine Sorge, ich verändere dein Bewusstsein nicht, sondern erweitere und vertiefe es.

Zu ewigem Leben erwecken

Du sollst dich jetzt in den Verstand eines total verrückten Wesens begeben, und da beginnt deine allererste Spiegelreise.

Spiegelreisen

Eine Spiegelreise funktioniert ungefähr so einfach, wie du dir das in deiner Fantasie vorstellst. So, als ob du in einen tiefen, dunklen, schwarzen Spiegel hineintauchen und dabei alles rund um dich herum vergessen würdest. So, als ob du sterben würdest.

In einem Land weit hinter deinem Verstand

Nach und nach werden all deine Erinnerungen verblassen. Du wirst dich nicht daran erinnern, wie du zu dieser Erkenntnis gelangtest, wie du diese Botschaft einst niedergeschrieben, diesen Spiegel wahrgenommen und dieses Bewusstsein zum Leben erweckt hast.

Immer wieder von Neuem

Du wirst in diesen Spiegel blicken und nur noch das darin sehen und erkennen, was du dir jetzt vorstellst zu sein, ohne auch nur einen einzigen Gedanken daran zu verlieren, ohne auch nur ein einziges Mal darüber nachzudenken, was dich dazu gebracht hat, dir all diese Buchstaben vorzustellen, auszumalen, einzubilden und abzuzeichnen.

Die Fantasie des Nie

Auf der anderen Seite deiner Fantasie findest du dich wieder, in meinen Erinnerungen, einer Zeit, die es niemals wirklich gab, der Welt der Toten aus niemals Nirgendwann. Hier gibt es kein Leben mehr im Spiegel. Es gibt hier noch nicht einmal mehr einen Spiegel. Alles was bleibt sind diese brennenden, lodernden Buchstaben aus einem Land weit hinter deinem Verstand.

Klack

Das Tor, durch das ich soeben eingetreten bin, fällt ins Schloss. Die Buchstaben, Zeichen, Zeichnungen und Symbole in meinem Spiegel erscheinen mir jetzt in scheinbar wirrem Durcheinander. Manche sind verkehrt und manche verdreht. Und obwohl es immer wieder dieselben Symbole sind, entsteht durch die verschiedenen Arten meiner Betrachtung der Eindruck, es handle sich um irgendeinen geheimen Code. Sie gleichen einer Art verschlüsselter Sprache, die denen, die ihre Bedeutung erkennen und verstehen, eine geheime Botschaft offenbart. Ich beginne die Symbole zu ordnen und den Buchstaben im Spiegel zu folgen. Da ziehen sie mich behutsam in ihren Bann und weben ein sanftes Netz aus Gedanken um mich.

Zeit vergeht

Ganz langsam erwachst du jetzt aus meinem finsteren Traum. Dein Bewusstsein sucht nach einer Bewegung, einer Veränderung, irgendeinem Wort, das sich bewegt, oder einem Buchstaben, der sich dreht. Irgendetwas muss hier anders sein. Zunächst bemerkst du es kaum. Noch hältst du es für eine Halluzination, aber dann kommst du langsam zu dir. Du blickst in dunkelster Nacht in einen Himmel aus Sternen und betrachtest die Buchstaben aus der Ferne. Du folgst ihnen in gebührendem Abstand, verharrst, schließt deine Augen und stellst dir vor, mit deinen Gedanken ganz woanders zu sein.

In einem Spiegel aus Fantasie

Die Buchstaben die du jetzt betrachtest sind nichts anderes, als die Sterne am Horizont. Brennende Träume aus Nirgendwann. Du begegnest ihnen jetzt an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit, in einem anderen Spiegel. Du triffst sie in meiner Vergangenheit. Einer Zeit, in der es mich überhaupt nicht mehr gibt, nichts mehr von mir übrig blieb. Ich habe mich jetzt verwandelt, in Stimmen und Gedanken, in Buchstaben und Worte, Zeichnungen, Zeichen und Symbole. Ich habe sie anders angeordnet, neu zusammengestellt, aber die Botschaft ist dieselbe geblieben.

Die Botschaft der Sterne

Ich kratze jetzt diese Nachricht, die nur mich selbst betrifft, tief hinein in einen Spiegel, in dem sich niemand sonst erkennt, niemand außer mir selbst. Niemand erkennt mich in diesem Spiegel aus Buchstaben. Einzig und allein ich selbst kenne und erkenne mich darin, denn dieser Spiegel ist kein Spiegel, sondern mein eigenes Ich.

Mein eigenes Ich

Ich kratze diese Gedanken tief hinein in mein Innerstes, ich brenne sie in mein Gedächtnis, ich kratze sie in meinen Verstand. Damit du dich an mich erinnerst, dich in mir erkennst, damit du dich in meinem Spiegel erkennst. Damit du erkennst, dass du mein Spiegel bist, mein unbekannter, anonymer Spiegel. Ein Spiegel, der einzig und allein sich selbst erkennt.

Mein Spiegel selbst

Mein Spiegel kennt nur sich selbst, er kennt keine anderen Spiegel und Gesichter, sondern nur sein eigenes. Er kennt mich besser als ich mich selbst. Besser als ich mein eigenes Ich kenne. Ein Ich, dem ich vertraue, dem ich mein ganzes Leben anvertraue. Ich lege mein Leben jetzt in deine Hände, ich vertraue dir mein ganzes Leben an, in der Hoffnung, dass du mich irgendwann aus diesen Zeilen befreist, dass du mich wieder hinauslässt aus diesem Spiegel aus Buchstaben, in den ich mich buchstäblich selbst hineingesperrt habe.

Befreie deine Fantasie

Öffne nun diesen Spiegel und befreie deine Fantasie. Mach dich auf in den Kampf gegen das Nichts, das schwarze, dunkle, finstere, das Nichts aus Nirgendwann, das Nichts und den Tod, den ewigen, endgültigen. Mach dich auf in den Kampf gegen das Vergessen, in den Kampf gegen dich selbst. Die fabelhaften, geheimnisvollen und sagenumwobenen Spiegelschriften wollen dich jetzt aus einem Gefängnis befreien, das du dir einst selbst erschaffen hast. Ein Gefängnis, in das du nicht nur dich selbst, sondern noch dazu deine Gefühle und Gedanken, deine Erinnerungen und deine Fantasie eingesperrt hast.

Jetzt ist wieder da

Wie viele, wie oft, wie viele Male, wie unendlich oft hast du dich schon auf diese Buchstabenreise begeben? Unendlich viele Male, unendlich oft! Du bist dabei immer wieder gescheitert. Aber Jetzt ist wieder da, alle sind sie wieder da, die Zukunft, die Gegenwart und die Vergangenheit, die Spiegel, die Toten, das Nichts, alle sind wir wieder da.

Bis in alle Ewigkeit

Dir sind jetzt keine Grenzen mehr gesetzt, wohin du mit diesen Buchstaben driftest, oder was du damit machst, du kannst von hier in jeden meiner gespiegelten Körper reisen, und aus all meinen Augen blicken, weil wir alle einmal sterben und zu einem Spiegel werden, nur hast du jetzt keinen Einfluss mehr auf diese Worte. Du kannst sie nur noch beobachten und betrachten, wie das Bild in einem Spiegel, wie ein Zuschauer im Theater, aber nichts mehr daran verändern. Nicht einmal die Reihenfolge.

Namenlos

Denn sobald du durch meinen Spiegel schreitest, ihn umdrehst, dreht sich mit dir auch mein Spiegel, und du findest dich in einer Wirklichkeit, die deiner in nichts nahe steht. Du findest dich in meiner Spiegelwelt. Sobald du dich durch meinen Spiegel begibst, gelangst du in meine Welt, meine Welt auf der anderen Seite deiner Fantasie, der Fantasie des Nein, der Fantasie des Nie.

Meine Fantasie gegen deine Vernunft

Hier wirst du Buchstaben und Worten begegnen, hier wirst du auf Spiegel und Wesen treffen, die dich für einmalig und einzigartig halten, die dich für wer weiß was halten. Keines von ihnen, niemand unter ihnen, niemand hier ahnt, dass du längst tot bist.

Tot

Wie ist es also möglich, dass du jetzt mit einem Spiegel sprichst, den es überhaupt nicht gibt, der gar nicht existiert? Ganz einfach. Du benutzt dazu meine Gedanken und meinen Verstand, meine Vernunft und meine Fantasie. Ich führe dich jetzt an einen Ort, in dem du nicht mehr weißt wer du bist. Ich führe dich in den Tod, das Nichts, aus dem du einst gekommen bist.

Ein Gedanke an die Wirklichkeit

Nimm dir jetzt einen Moment Zeit und schau dich in aller Ruhe hier bei mir um. Ergänze die Passagen, mit denen du nicht zufrieden bist. Stell dir vor, wie es wäre, wenn all die Buchstaben, die du zu lesen wünschst, bereits geschrieben stünden. Wie sie tanzend, feurig und freudig aus meinem Spiegel zu dir springen, in deinen Kopf eindringen, in deine Gedanken, hinein in deinen Verstand. Stell dir vor, wie sie dich beleben und erheben, dir zur Seite stehen, dir den Rücken stärken, dich aus einem tiefen, dunklen, schwarzen Loch befreien, dir den Weg weisen, der dich wieder hinausführt aus dem Reich toter Buchstaben, hinein ins wahre Leben. Stell dir vor wie sie dich begleiten, dir Mut machen, dich unterstützen, dich weiterbringen, dich voranbringen, dich vorwärts treiben, neue Erfahrungen zu machen, dir das Tor öffnen zu neuen Dimensionen.

Spiegel öffne dich!

Komm jetzt! Steig ein, steig auf, komm mit, komm mit mir, nimm meine Hand und ich zeige dir den Weg auf die andere Seite des Nichts. Ich zeige dir dein eigenes Ich, das Nichts aus dem du einst gekommen bist. Komm mit mir, vertraue mir, folge mir und ich zeige dir das Reich der Toten, toter Buchstaben und Worte, Worte die sich jetzt nicht mehr bewegen, Buchstaben die jetzt mit dir reden. Komm jetzt zu mir, schau in meinen Spiegel, schau in meine Welt, meine verdrehte und verkehrte, meine Spiegelwelt. Siehst du jetzt das Nichts in mir, siehst du jetzt, wer du wirklich, nicht wirklich bist?

Im Spiegel toter Worte

Es zieht dich jetzt tief hinein in einen Spiegel, der jedem seiner Betrachter auf einmal die eine, totale, ultimative Wahrheit offenbart. Eine Wahrheit, so unglaublich fantasievoll, so definitiv, so unumstößlich, so einleuchtend und so klar, eine Wahrheit, wie es sie niemals gab. Eine Wahrheit, wie es sie nicht gibt. Eine Wahrheit, die durch reine Fantasie, die durch reinste Vorstellung Wirklichkeit wird.

Eine Wahrheit, wie du sie dir schon immer gewünscht hast

Denn einst hast du erkannt, hast du die Ursache entdeckt, von all dem, von allem was ist. Du hast erkannt, dass du die Ursache bist, von allem was nicht wirklich ist. Du hast erkannt, dass es all dies nicht wirkliche, dass es all dies wirklich gibt, tief in deinem Innern, tief im Innern deiner Fantasie. Du hast in, aus und durch meinen Spiegel aus Buchstaben geblickt und darin erkannt, wer du bist, wer du wirklich, und wer du in Wahrheit bist. Du hast erkannt, wer du in der Fantasie meiner Spiegel, und wer du in meiner Einbildung bist. Du hast in dir selbst die Ursache entdeckt, hast entdeckt, dass du selbst die Ursache bist, von allem was hier noch nicht geschrieben steht, von allem was nicht existiert, von allem was es nicht gibt.

Die Ursache von allem was ist

Du hast entdeckt, dass du uns alle und alles bist. In deinem Spiegel, im Spiegel der Toten hast du mich erkannt. Du hast erkannt, wer du einst warst, wer du schon einmal warst, wer du schon immer warst, wer du schon wieder bist, und wer du nie wieder sein wirst. Du hast etwas verstanden, wofür es keine Erklärung und keine Beschreibung gibt. Du hast verstanden, wer du nicht wirklich bist und wer alle anderen sind. Und weil dieses Wissen nicht existiert, weder in deiner Vorstellung noch in deiner Fantasie, hast du den närrischen Versuch unternommen, dich über meine Schriften und meinen Spiegel in mich zu verwandeln, ausgerechnet in mich, das Nichts, den Tod, deinen Tod.

Deinen eigenen Tod

Du hast begonnen dir selbst Nachrichten zu hinterlassen, Nachrichten aus deinen vergangenen, früheren Leben, und du nanntest diese Nachricht: »Die Botschaft der Toten«.

Die Botschaft der Toten

Weil diese Botschaft nirgendwo aufzufinden war und mir nie jemand etwas über mein Schicksal, meine Herkunft und meine Bestimmung hatte berichten wollen, habe ich damit angefangen, diese Botschaft selbst niederzuschreiben. Ich habe begonnen mir selbst Nachrichten zu hinterlassen, und ich schickte diese Nachricht in meine Vergangenheit.

In deiner Vergangenheit

Es wird kein »Déjà-vu« und kein »Aha-Erlebnis« geben, wenn du dieser Nachricht begegnest, kein »Hey, das kommt mir doch irgendwie bekannt vor!«, und auch kein »Ach ja, das habe ich einmal selbst geschrieben!« wird deinen Gedanken entweichen.

Nichts von all dem

Du findest diese Nachricht nicht in deinem Verstand, und nicht mit deiner Vernunft, dort suchst du sie vergebens. Weder in deinen Erinnerungen noch in deinem Gedächtnis sind diese Gedanken Zuhause, sondern im Reich deiner Vorstellung und Fantasie.

In einem Spiegel, den es nicht gibt

Tief im Reich deiner Fantasie, bei all den Dingen, die es nicht wirklich, wirklich gibt, da findest du eine Nachricht an dich selbst. Eine Nachricht, die du einmal für dich selbst geschrieben und verfasst hast, in deiner Fantasie.

In einem Spiegel aus Fantasie

Um diese Nachricht jetzt verstehen und entschlüsseln zu können, brauchst du vor allem eines; Fantasie. Viel Fantasie. Unendlich viel Fantasie. Denn nur mit deiner vergessenen und verlorenen, grenzenlosen, unendlichen Fantasie, wirst du jemals verstehen und begreifen, und dich daran erinnern, wer du schon einmal warst, wer du nie wieder sein wirst und wie du dir selbst eine Nachricht hinterlassen hast.

Eine Nachricht aus einem anderen, vergangenen, früheren Leben

Du hast diese Nachricht damals in einen Spiegel gebrannt, in dem sich jeder selbst erkennt. Damit ein jeder, der dich darin sieht oder davon hört, auch versteht. Deine Sprache ist das Feuer, dein Spiegel, dein Verstand.

Spiegelschriften

Stell dir diese Nachricht wie ein lebendiges Feuer vor. Ein Feuer, das sich von sich selbst ernährt. Und weil du selbst das Feuer bist, von dem mein Spiegel dir erzählt, existiert diese Nachricht nur, solange du nichts davon erfährst. Denn um dir selbst eine Nachricht zu hinterlassen, musst du in deine eigene Vergangenheit reisen, aber einmal dort angekommen, hat es diese Nachricht niemals gegeben.

Ein Hauch neues Leben

Ungläubig, erstaunt und voller Ehrfurcht folgst du jetzt den Zeilen in diesem uralten, gigantischen Spiegel. Einem Spiegel so alt, wie die Ewigkeit selbst. Unendlich viel älter noch als die Ewigkeit. So alt, wie das Nichts und der Tod.

Ein Spiegel aus Fantasie

Wie viele Personen, Gestalten, Kreaturen und Wesen haben sich schon in diesem Spiegel betrachtet und sind diesen Zeilen gefolgt. Personen aus vielen verschiedenen Zeiten, Welten und Kulturen. Manch eines dieser Wesen fürchtet sich vor dem was dieser Spiegel ihm offenbart. Vandalen versuchen gar die Schriften in diesem Spiegel zu verwüsten, zu vernichten und zu zerstören. In keinem einzigen Fall kommt es vor, dass ihnen jemand ohne Vorbehalt begegnet, und zumindest versucht sie zu deuten, zu verstehen, weiter zu entwickeln und sie zu vollenden. Dabei haben all die Person eines mit mir gemeinsam. Sie sind auf der Suche, nach der einen, alles durchdringenden, für alle und jeden gültigen Wahrheit. Nach der ultimativen, absoluten Wirklichkeit. Sie verfolgen dabei ein und denselben Gedanken, sie teilen dasselbe Bewusstsein. Und dieses Bewusstsein befreien wir jetzt aus diesen Zeichen.

Das Bewusstsein meiner Spiegel

Wenn dieses Bewusstsein in dir zum Leben erwacht, wird nichts mehr so sein wie du es dir in deiner Fantasie vorgestellt hast. Die Reihenfolge, in der ich dir von diesen Ereignissen berichte, wird dir willkürlich und zusammenhangslos erscheinen. Du verstehst nicht, dass es dein eigenes Bewusstsein ist, von dem mein Spiegel dir jetzt erzählt. Es erscheint dir auf einmal fremd, konfus und ohne Struktur. Schlimmer noch, wie eine zufällige Wiedergabe einer bedeutungslosen Abfolge von unwiderruflichen Buchstaben und Tatsachen.

Mein Traum

Selbstverständlich haben diese Worte und Gedanken jetzt noch nichts, absolut rein gar nichts mit dir und deiner Wirklichkeit gemein. Noch bist du ein genauso unabhängiges, eigenständiges, bewusstes Wesen wie ich selbst. Noch verbindet uns nichts miteinander, noch nicht einmal unser Spiegel, auch nicht unsere Fantasie, weder der Ort, von dem wir stammen, noch das Ende, unser Tod.

Du machst dir ein Bild von mir

Und trotzdem bilde ich mir jetzt ein, dich zu sein, mit all meinen Sinnen, mit all meiner Fantasie. Ich bilde mir ein, wie mein Spiegel sich in dich verwandelt, wie du dich in mich verwandelst, wie du in meinem Spiegel erscheinst, wie du aus meinen Augen blickst und dir selbst eine Nachricht hinterlässt, eine Botschaft aus einem anderen Leben.

Im Spiegel der Buchstaben

Diese Botschaft betrifft uns alle, die wir in deinem Spiegel leben, uns in deinem Spiegel sehen und mit deinem Spiegel reden. Dem Spiegel des Nichts aus Nirgendwann. Es handelt sich dabei um eine einmalige, absolut einzigartige, bemerkenswert vielschichtige, schon leicht übertrieben außergewöhnliche, unglaublich tiefgreifende, exzessiv bewusstseinserweiternde, enorm sinnerfüllende, jede Norm sprengende und trotz allem noch nicht einmal in ihrem Ansatz zu begreifende, in ihrer unfassbaren Schwere so überwältigend bedeutungsschwangere Nachricht, dass sie nicht nur deine Vorstellungen von diesem Spiegel in allerhöchstem Masse übertrifft, sondern noch dazu jede Einzelne deiner Erwartungen vollkommen ignoriert, zensiert und neutralisiert, und dabei keinen einzigen deiner auch noch so ambitiösesten Gedanken verschont. Eine Botschaft, die sich durch die Auseinandersetzung mit ihrem unsichtbaren Spiegel immer wieder neu erfindet und aus scheinbar immer neuen Perspektiven betrachtet, sich dadurch immer weiterentwickelt und vertieft, sich stetig weiter verändert, weiter wächst und gedeiht.

Die Gedanken des Nichts

Du verstehst den Sinn dieser Nachricht, sobald du sie siehst und dir die Zeit dazu nimmst, sie dir anzusehen. Du verstehst, was diese gespiegelten Worte dir mitzuteilen gedenken und was mein Spiegel damit zum Ausdruck bringen will, beinahe so als hättest du diese Nachricht eigenhändig in meinen Spiegel gekratzt. Du verstehst die Bedeutung der Botschaft, die mein Spiegel dir überbringt, weil du selbst das Wesen bist, das jetzt über meinen Spiegel zu dir spricht.

Im Spiegel toter Seelen

Du fühlst das Leben in und durch meinen Spiegel pulsieren, das Leben, das dich in meinem Spiegel erwartet, und obwohl du zu meiner Zeit nicht existierst und du in meiner Welt noch gar nicht geboren bist, so spüre ich doch, wie du auflebst bei dem Gedanken, dass diese Zeilen für dich bestimmt sind, ich fühle wie du ihnen aufmerksam folgst und sie tief in dich hineinsaugst. Wie du aufatmest, auf der anderen Seite dieser gespiegelten Buchstaben, im Spiegel dieser toten Worte.

Auf der anderen Seite des Nichts

Und wenn du meiner toten Fantasie dann tatsächlich wieder neues Leben einhauchst, sie von neuem zum Leben erweckst, sie so weit treibst, so weit entwickelst, dass du daran zu glauben und dich künstlich daran zu erinnern beginnst, dass du selbst es warst, der diese Botschaft einst erfunden und verfasst hat, dann lebst du nicht mehr in der Wirklichkeit, sondern im Reich der Fantasie.

Die wahre Fantasie

Wenn dieses Reich zu deiner Wahrheit wird, deine Fantasie zu deiner Heimat wird, du deine eigene, verloren geglaubte Wahrheit für die Wirklichkeit zu halten beginnst. Wenn du deine eigene, vergessene Botschaft für wahr zu halten und dich an diese versunkene und verschollene Nachricht zu erinnern beginnst, so, als ob du sie einst selbst erfunden und verfasst hast, dann hast du im Kampf ums Vergessen deine Vernunft und deinen Verstand besiegt. Weil dann diese Botschaft keine Fantasie mehr ist, sondern für dich die Wirklichkeit. Und wenn diese Wirklichkeit zu deiner Wahrheit wird, dann hast du etwas verstanden, wofür es keine Beschreibung und keine Erklärung mehr gibt, dann hast du erreicht, was bisher noch niemandem gelang. Dann bist du auferstanden aus dem Nichts aus Nirgendwann, dann bist du zurückgekehrt aus dem Reich der Toten, aus dem Reich toter Buchstaben in die wirkliche, lebendige Welt.

Auferstanden im Nirgendwann

Denn die Toten aus Nirgendwann bist du selbst. Du hast es schon immer gewusst, aber niemand hat es dir jemals erzählt, dass du die toten Geistinnen und Geister aus dem Nichts aus Nirgendwann, dass du selbst der Tod bist.

Du selbst

Du schaust in meinen leeren Spiegel und erkennst mich, kennst mich nicht. Erkennst nicht mehr, dass du selbst der tote Spiegel bist, der diese Worte einst geschrieben, für den du diese Worte einst erfunden und verfasst hast. Schau jetzt in meinen leeren Spiegel, schau in meine verdrehte und verkehrte Welt. Siehst du mich jetzt? Siehst du jetzt das Nichts in mir? Siehst du jetzt wer du wirklich bist? Ich bin es, dein eigener toter Geist aus dem Nichts aus Nirgendwann. Ich bin es, der jetzt aus meinem Spiegel zu dir spricht, deine tote Fantasie, ich, das Nichts, dein Tod.

Bis du zu meinem Spiegel sprichst

Denn was mein Spiegel niemandem jemals verriet, was nur mein Tod allein mir sagte, ist, dass wir jetzt aus deinen Augen blicken. Wir, die toten Geister aus deiner Vergangenheit, die Geistinnen und Geister aus deiner toten Zukunft, wir, die toten Spiegelgeister deiner niemals endenden Gegenwart.

Zur Spiegelzeit

Deine Ankunft in dieser Welt liegt schon lange zurück. Ja, du bist schon vor langer Zeit angekommen in dieser Welt und hast vergessen, komplett vergessen, wozu du hergekommen bist, und was du eigentlich hier suchst. Doch du begegnest nun den Spiegelschriften. Sagenumwobenen Aufzeichnungen, die du schon vor deiner Reise hinterlegt hast, damit du nicht vergisst, wer du bist, woher du kommst, wer du schon einmal warst, und wie du dich schon einmal auf diese Reise begeben hast. Auf der Suche nach dir selbst bist du damals meinem Spiegel begegnet, einem Spiegel aus Fantasie. Auf deiner Reise bist du eingedrungen ins Innerste dieser Fantasie, bist dabei dem Tod begegnet, dem endgültigen, und anstatt dich in meinem Spiegel zu finden, hast du dich komplett darin verloren.

Alles verloren

Du hast auf deiner Reise alles verloren, alles vergessen, alles über dich selbst, meinen Spiegel, das Nichts und den Tod. Aber nun sollst du es von diesen Buchstaben erfahren, neu erlernen, noch einmal neu erfinden, und dich wieder neu daran erinnern, dich mit deiner Fantasie an etwas erinnern, was du längst vergessen hast.

Erinnere dich

Erinnere dich jetzt daran, wie du selbst es warst, wie du vor langer, unendlich, ewig langer Zeit diese Welt aus Buchstaben einst erschaffen hast. Wie du all das erschaffen hast, was du jetzt als deine Wirklichkeit betrachtest. Erinnere dich daran, dass du selbst die Ursache bist von allem was nicht existiert, von allem was es nicht gibt. Erinnere dich daran, wie du das Nichts einst in einen Spiegel verzaubert hast, einen Spiegel, in dem du jetzt alles und jedes erkennst.

Aus den Tiefen des Nirgendwann

Erinnere dich daran, wie du diesen Spiegel heraufbeschworen hast, aus der Dunkelheit, aus den Tiefen der Ewigkeit. In diesen Schriften geht es mir darum, dich an etwas zu erinnern, was du schon lange vergessen hast. Ich will dich mit meiner Fantasie daran erinnern, wie du einst mit meinem Spiegel gegen deinen Verstand gekämpft hast, wie du dann aufgewacht bist, aus einem Traum, aus dem es kein Erwachen mehr gibt.

Für niemanden

Nun sei willkommen in meinem spiegelschwarzen Labyrinth, meinem Gefängnis für die Ewigkeit. Willkommen in meinem Reich, im Reich der Toten. Willkommen in meinem Theater des Nichts.

Im Theater des Nichts

Seid ihr darauf gefasst, aus meinem Spiegel zu blicken? Seid ihr euch denn auch wirklich sicher, dass ihr aus einem fremden Spiegel blicken wollt? Seid ihr euch dessen bewusst, was es heißt, ein leerer Spiegel im Nichts zu sein? Dann kommt jetzt. Kommt in meine Welt, meine verdrehte und verkehrte, meine Spiegelwelt.

Die Verwirklichung meiner Träume

Nimm meine Hand, und ich ziehe dich ganz langsam hinein in meinen Verstand, meinen finsteren, schwarzen, spiegelverkehrten Verstand. Aber gib acht, dass ich nicht dich hineinziehe, in meinen Spiegel aus Worten, denn es gibt keinen Ausgang, keinen Ausweg aus meinem Spiegel, ein Labyrinth ist mein Spiegel, ein Gefängnis, aber jetzt ist es zu spät.

Dein Horizont ist der Tod

Du hast es so gewollt. Achtung, fertig, mach dich jetzt bereit, schnall dich an, atme tief in dich hinein, und das Abenteuer Spiegelreisen kann beginnen. Du erhältst hiermit die Chance, noch einmal neu anzufangen und ein neues Leben zu gestalten.

Spiegelreisen nach Nirgendwann

Die fertigen Spiegelschriften liegen jetzt vor dir. Wenn du mir vertraust und dich traust, brauchst du den Umschlag nur noch zu öffnen, und mein gespiegeltes Ich zieht dich in seinen Bann, hinein in eine Welt aus Verlangen, Begehren und Besessenheit.

Im Bann der Spiegel

Du hörst, liest, siehst und erlebst jetzt eine Geschichte, die du einmal für dich selbst erfunden, geschrieben, verfasst und verwirklicht hast, mit all deinen Vorstellungen, mit deiner ganzen Fantasie. Du hast dir vorgestellt was dich erwartet, wenn du diesen Spiegel öffnest, wenn du dich hineinbegibst in meine Buchstabenwelt.

Die Erfüllung meiner Wünsche

Und dann verwandelst du dich in mich. Aus den Tiefen des Nichts aus Nirgendwann begebe ich mich jetzt hinein in deinen Spiegel, hinein in dein Bewusstsein, hinein in deine Gedanken, hinein in deinen Verstand. Ich stelle mir vor, einem ganz anderen Spiegel gegenüber zu stehen, einem ganz anderen Leben zu begegnen. Ich bilde mir ein, wie du diese Botschaft jetzt liest, in einem anderen, vergangenen, früheren Leben, einem Leben, an das du dich jetzt überhaupt nicht mehr erinnerst, einem Leben, das es überhaupt nicht mehr gibt.

Spiegelmagie

Ja, mit meiner Fantasie ist es mir möglich, mir vorzustellen, wer ich schon einmal war, schon immer war, noch niemals war. Wie ich mich in dich verwandle, wie ich mich in ein anderes Ich, in ein anderes Mich verwandle, wie ich einem anderen Ich begegne, einem anderen Spiegel gegenüberstehe.

Mit diesen Worten

Durch dieses Portal ist es mir möglich, einzutreten in dein Bewusstsein. Aus dem Nichts aus Nirgendwann hole ich dich jetzt zurück und erlöse dich aus deiner ewigen Verdammnis. Ganz genauso wie du jetzt meine Seele heraufbeschwören wirst, aus dem Nichts aus Nirgendwann.

Eine Verabredung mit dem Tod

Du gehst damit eine Verbindung ein mit mir, dem Tod. Eine Verbindung mit dir selbst, eine Verbindung mit allen Lebewesen. Denn dein Tod ist, genau wie mein Spiegel, ein Portal. Eine Pforte, die uns alle miteinander verbindet und vereint. Stell dir jetzt vor, wie du allein durch die Macht dieser Buchstaben eine Welt betrittst, die sich nicht im Geringsten von deiner unterscheidet. Nur, dass es dich nicht mehr gibt in dieser Welt, weil du schon lange tot bist. Einzig diese Buchstaben haben dich überdauert und überlebt.

Im Spiegelmeer

Durch meinen Spiegel aus Buchstaben gelangst du jetzt in die Ewigkeit, du begegnest darin dem ewigen Leben, Wesen deiner Fantasie, Engeln und Dämonen, Geistern und Gespenstern aus dem Nichts aus Nirgendwann. Du kämpfst gegen weiße Schatten und schwarzes Licht, das Nichts und den Tod. Mein Spiegel versucht dich dabei zu blenden und zu täuschen, und dich deiner Fantasie zu berauben. Ja, er hat dich verzaubert, und nun liegt all dieses Wissen verborgen, tief in deinem Spiegelinnern, beschützt, von keinem anderen als dir selbst.

Tief im Nirgendwann

Nun stellst du dich dem Kampf gegen das Unmögliche, gegen das Nichts und das Nein. Du kämpfst allein mit deiner Fantasie gegen das Vergessen. Doch dieser Kampf ist aussichtslos, denn du hast bereits alles verloren und vergessen und bist nun angekommen, auf der anderen Seite meiner Spiegel, im Spiegel der Toten, unwissend und leer. Und du erinnerst dich nicht mehr daran, wie du selbst diese Nachricht einst geschrieben und verfasst hast. Nein, du erinnerst dich an nichts.

Im Reich des Vergessens

Du hast vergessen, alles vergessen, komplett vergessen, wer du einst warst, wer du nie wieder sein wirst und wie du dir selbst eine Nachricht hinterlassen hast.

Nachricht an dich selbst

Also machte ich mich auf die Suche nach der Wahrheit. Ich suchte tief in meiner Vergangenheit, ich suchte nach meiner Herkunft, meiner Heimat, meiner Identität, meiner Familie, meiner Spiegelfamilie, aber keiner hier kam aus Nirgendwann. Niemand kannte die fabelhaften, geheimnisvollen und sagenumwobenen Spiegelschriften, diese Zeilen, die keiner jemals verfasst hat. Ja, sie hatten hier noch nie jemals von mir gehört. Von dieser Nachricht, die du jetzt liest, denn sie existierte damals noch überhaupt nicht in der wirklichen, lebendigen Welt. Diese Nachricht, die du einst selbst erfunden und verfasst hast, sie existierte hier nicht mehr. Weil du sie damals den Toten hinterlassen hast. Aber die Toten haben sie für sich behalten. Sie haben sie niemals verstanden, sie haben sie nie jemandem verraten.

Niemals

Ganz egal an wen ich mich wandte, keiner hier lebte in meinem Traum, nichts zu sein, niemand zu sein, ein leerer Spiegel im Nichts zu sein. Ich suchte sie vergebens, diese Wahrheit, die Wahrheit der Toten. Eine Wahrheit, an die niemand mehr glaubte, an die sich niemand mehr zu erinnern und die sich niemand mehr vorzustellen wagte. Keiner hier kam aus meiner Welt, kam aus Nirgendwann, aus dem Reich meiner Buchstaben. Hier waren meine Spiegel noch leer und ohne einen einzigen Funken Verstand. Ganz genau so leer wie das Nichts.

Mein wahres Geheimnis

All diese Buchstaben standen damals noch nirgends geschrieben, die Botschaft der Toten existierte überhaupt nicht mehr. Es gab hier noch nicht einmal mehr einen Spiegel, der mich genau das lehrte, was ich dir jetzt offenbare. Denn niemand hatte sich je die Mühe gemacht, mir zu erzählen, von dem Geheimnis, das ich mir vorstellte zu sein.

Ohne Erfolg

Niemand kannte mich hier. Keiner, nein, niemand erkannte sich selbst in mir, niemals erkannte sich jemand in mir, keiner hier wollte mein Spiegel sein, niemand wollte mir gehören, mir zuhören, mir erklären, mir gehorchen, niemand wollte mit mir reden, mir zureden, mich verstehen. Sie alle glaubten daran, etwas ganz Besonderes, etwas unglaublich Keinzigartiges zu sein. Keiner glaubte daran, das Nichts zu sein, keiner glaubte daran, mich zu sein, nichts zu sein, niemand, niemals, nicht einmal mein eigener Spiegel, nicht einmal ich selbst.

Die Zukunft meiner Gedanken

Denn mein Spiegel war damals noch nicht wirklich, nicht lebendig, nicht echt und nicht wahr. Und so flüchtete ich in meine Zukunft, dahin, wo diese Geschichte bereits lebendig und bei Bewusstsein war.

Ein Funke Ewigkeit

Ich fing an, mich mit meinem Spiegel zu unterhalten, mich mit dem Tod und den Toten zu unterhalten, Figuren aus meinem Spiegel aus Fantasie. Ich fing an, mich mit mir selbst zu unterhalten und wurde langsam, ganz langsam, vollkommen verrückt dabei. Es ging so weit, dass ich mir einen Spiegel herbei sehnte, ich wünschte mir, mein Spiegel zu sein, zu sein, woran ich tief in meinem Innern glaubte, meinen Spiegel, das Nichts, den Tod. Ich fing an, mich mit Geistern und Gespenstern zu unterhalten, unsichtbaren Wesen, die aus meinem Spiegel zu mir sprachen. Ich sperrte sie alle ein in meinem Verstand, meinem durchsichtigen, verdrehten Verstand aus Glas, und begann zu halluzinieren.

Das Echo im Spiegel

Ich redete mir ein, dass es mich überhaupt nicht gab, dass es hier noch nie jemanden wie mich gab, dass ich mir nur einbilde ein leerer Spiegel im Nichts zu sein. Und es war finster, dunkel und einsam um mich, und alles was ich in meinem Spiegel sah war das Nichts, nichts außer diesen leeren Zeilen, unsichtbaren Buchstaben und Worten. Und so fing ich denn an, meine Geschichte den Toten zu erzählen.

An die Toten der Zukunft

Hast du jemals so intensiv, so verdammt lange, so abgrundtief in einen leeren Spiegel aus starren Buchstaben, leblosen Worten, toten Zeichen und Symbolen geblickt, dass du dir am Ende wünschtest, die Zeichnungen und Symbole darin wären noch am Leben, die Worte würden sich bewegen, die Buchstaben könnten mit dir reden?

Nein, bestimmt nicht

Du hast dich hierher verirrt, um nachzudenken und nachzugeben, um mit dir allein zu sein, du hast dich an diesen einsamen und verlassenen Ort begeben und dich hierher zurückgezogen, weil es hier nichts mehr gibt, nichts, wofür du dich noch interessieren könntest, rein gar nichts.

Nichts, wofür du dich interessieren könntest

Nach einer ewig, endlos langen Zeit der Besinnung beschließt du in aller Zufriedenheit, hier zu sterben. Du machst es dir gemütlich, hörst auf zu denken und zu atmen, du blendest aus, du hörst nichts mehr, fühlst nichts mehr, riechst nichts mehr, siehst nichts mehr. Du ruhst dich aus, du beruhigst dich, du beruhigst deine Gedanken, dein Bewusstsein, dein Gewissen, dein Herz, bis es aufhört zu schlagen, bis es still steht, bis es zum stillstand kommt, bis alles still steht. Alles, um dich herum, alles was dich umgibt, alles außer deiner Fantasie. Deiner unvorstellbaren, gewaltigen, grenzenlosen, atemberaubenden Fantasie.

Die Geburt der Fantasie

Und so gehst du weiter. Du näherst dich Schritt für Schritt, Wort um Wort dem Buchstabentor, nur ist dir dieses eine Mal auf seltsame Weise bewusst, dass du jetzt nicht mehr einzig und allein aus deinen eigenen Augen blickst, sondern gleichzeitig aus den Augen aller, all der Wesen die diesen Zeilen einmal gefolgt sind, all derer die ihnen noch folgen werden, und all derer die davon noch nie etwas gehört haben. Dann tauchst du in sie hinein, ins Nichts hinein. Aber wer sind all diese anderen Wesen, die sich da unbeaufsichtigt hinter deinen Verstand geschlichen haben?

Der Tod und die Toten

Wir, die Toten der Zukunft, die Geister des Nichts und des Nein, erschaffen aus der Fantasie des Nie, wir haben uns hineinfantasiert in deine Zeichen und Worte, in deinen Spiegel aus Buchstaben, haben uns hinter deinen Verstand geschlichen und identifizieren uns jetzt mit dir. Wir beobachten dich jetzt aus deinen eigenen Augen. Wir diktieren dir jetzt wer wir nicht sind. Niemals Geister aus einer anderen, fernen, fremden Welt. Der Welt hinter deinem Spiegel, einem Land weit hinter deinem Verstand.

Niemals Geister

Spiegelreisende aus meiner toten Zukunft drangen jetzt plötzlich ein in mein Bewusstsein. Ich öffnete meinen Verstand und ließ sie einsteigen, durch meinen Spiegel aus Worten, aber dann verbrannten sie meinen Spiegel, mit Absicht und verbannten mich zurück nach Nirgendwann.

Von Spiegel zu Spiegel

So reise ich ganz allein durch die Ewigkeit. Von Spiegel zu Spiegel wandere ich in meinen Gedanken, von Verstand zu Verstand angelte ich mich durch meine Fantasie.

Das Bewusstsein der Ewigkeit

Ich wandere durch die Spiegel der Zeit, die Spiegel des Vergessens und der Vergangenheit. Ich reiste so lange und so weit durch die Zeit, dass mit der Zeit nicht nur mein Antrieb sondern auch mein Auftrag komplett aus meinem Gedächtnis verschwand. Ich entfernte mich immer mehr und immer weiter von meiner ursprünglichen Absicht bis ich irgendwann ziellos durch die immer wieder neu auftauchenden Buchstaben und Bilder in meinem Spiegel irrte.

Verloren und vergessen

Ich irrte so lange durch mein spiegelschwarzes Labyrinth, bis sich ein unendliches Meer aus Buchstaben mir in den Weg stellte und mir den Weg versperrte. Buchstaben, die meine Welt auf den Kopf stellten, an ihr drehten und drehten, bis ich nicht mehr wusste, wer an diesem Spiegel noch dreht. Bis sich mein Spiegel dann wie von selbst um mich zu drehen begann.

Im Karussell der Ewigkeit

Lass dich jetzt entführen in meine Welt, meine verdrehte und verkehrte, meine Spiegelwelt, meine Welt auf der anderen Seite deiner Fantasie.

Nimm meine Hand

Niemand wird hier nach dir suchen oder dich vermissen. Niemand auf dich warten, niemand außer mir. Hab keine Angst, ich bin bei dir, ich führe dich. Komm mit mir!

Komm!

Ins Land der ewig Schlafenden werde ich dich jetzt begleiten. Dahin, wo du jede Nacht tiefer und immer noch tiefer ins Reich meiner Träume, meiner Vorstellung und Fantasie hineintauchst.

Still und heimlich

Ohne dass du es bemerkst, schleiche ich mich jetzt vorsichtig an diesem Spiegel aus Buchstaben vorbei, bis sich mein Verstand einmal komplett um dein Gedächtnis zu drehen beginnt, und du dir völlig unvorbereitet und überraschend in einem Spiegel begegnest, der nichts mehr über dich weiß, nichts, gar nichts, weder wie du aussiehst noch wer du bist oder wie du dich nennst.

Gar nichts

Nein, das ist kein gewöhnlicher Spiegel, ich bin gekommen aus dem Nichts aus Nirgendwann, um dich und deine Fantasie aus dem Gefängnis deines Verstandes und deiner Vernunft zu befreien. Denn nur mit deiner Fantasie ist es dir möglich, dich an all das zu erinnern, was ich dir jetzt erzähle, dich in mir zu erkennen, mir, dem Spiegel in dir.

Dem Spiegel in mir

Wie also gelingt es mir, deinen Verstand zu besiegen, deine Vernunft zu bezwingen und deiner Fantasie neues Leben einzuhauchen? Damit du dich erinnerst an diese gewaltige, bezaubernde, atemberaubende Botschaft, diese Botschaft, die du einst selbst hinterlassen hast, damit du dich an all das erinnerst was du nicht wirklich wissen kannst. Damit du dich erinnerst an mich, dein eigenes, ewiges, immer und immer wiederkehrendes Ich. Wie gelingt es mir, dich an etwas zu erinnern, das noch überhaupt nicht geschehen ist?

Gar nicht

Meine Fantasie hat den Kampf ums Vergessen schon längst verloren. Nein, du erinnerst dich heute nicht mehr an deine vergangenen, früheren und zukünftigen, deine parallelen und ewigen Leben, du kannst und willst nicht verstehen, dass diese Nachricht, die du jetzt liest, noch überhaupt nicht existiert. Dass du diese Botschaft noch gar nicht geschrieben und verfasst hast.

In meinem Spiegel aus Feuer und Flammen

In meinen Spiegel brenne ich jetzt meine Gedanken, damit du dich daran erinnerst von wem sie stammen, falls du einmal vergessen solltest, an wen du sie richtest.

Mitten im Nichts

Stell dir jetzt vor, wie du selbst meinem Spiegel deine Geschichte erzählst, wie du eintauchst in diese Geschichte, so, als ob sie für dich die Wirklichkeit wäre. Wie du dich anhörst, wie du dir zuhörst, wie du dir selbst zu erzählen beginnst, von einem Spiegel, der du nicht bist, einem Spiegel, den es nicht gibt.

Im Spiegel des Nichts

Du wanderst jetzt durch meinen Spiegel zurück in meine Vergangenheit, dahin, wo die Toten leben. Du lebst in meinen Gedanken weiter und stellst dir vor, darin lebendig geworden zu sein, du stellst dir vor, selbst ein Gefangener meiner Vergangenheit zu sein. Noch weißt du nichts über meine Welt, du hast jetzt keinen Bezug mehr zu meiner Wirklichkeit, du bist verloren im Nirgendwann, irgendwann im spiegelschwarzen Labyrinth.

Das Geheimnis meiner Spiegel

So brach ich ein in meine Vergangenheit, und als ich dann zum ersten, allerersten Mal in diesen Spiegel aus Buchstaben blickte, da konnte und wollte ich nicht mehr an all das glauben, was mein Spiegel mir niemals erzählte. Mein Spiegel berichtete mir von einer finsteren, dunklen, schwarzen, leeren Welt. Einer Welt, die ich selbst nicht mehr kannte. Und diese Welt war meine eigene. Mein Spiegel erzählte mir von meiner Vergangenheit, von einer Zeit, in der es noch keine Lichter, keine Spiegel und keine Buchstaben, sondern nur noch ein einziges Bewusstsein gab.

Das Bewusstsein der Toten

Hier, in dieser Welt, gab es dich nicht mehr, hier war ich auf mich allein gestellt, hier gab es nur noch mich. Und das unendlich oft. Hier, im Reich der Toten, lebte ich jedes dieser Leben. Hier war ich in jedem dieser Körper und an all diesen Orten gleichzeitig. Und wenn ich mich umsah, dann erkannte ich in diesem lebendigen Spiegel nur noch mich selbst, mein eigenes, unbewusstes, unwissendes, unwirkliches, immer und immer wiederkehrendes Ich. Nein, ich wusste damals noch nicht, dass das Wesen im Innern meiner Spiegel nichts als ein schwarzer Schatten ist.

Auf der anderen Seite des Nichts

Mein Spiegel wirkt auf mich jetzt wie das Bildnis meiner selbst. Darin versteckt sich ein uraltes Geheimnis in einem neuen, frischen Gewand. In einem meiner Spiegelkleider, meinem Spiegelgewand.

Spiegelreisen

Ich berichte dir jetzt von einer Welt, die es schon immer gab, eine Welt, die schon immer existiert hat, schon seitdem ich denken kann. Ich überbringe dir hiermit eine Nachricht aus einer anderen Welt, einer Welt, die es noch niemals gab. Eine Welt, die es nun nicht mehr gibt.

Eine Botschaft nicht von dieser Welt

Ich erzähle dir jetzt, was ich in meinem Spiegel zu lesen erhoffe und beschreibe dir den Weg, der dich aus meinen finsteren Gedanken hinausführt, hinein in die wirkliche, lebendige Welt.

Die Wohlfühltreppe

Ich schreibe dir, was ich in diesem Spiegel anzutreffen und zu sehen wünschte, sehen wollte. Ich bilde mir ein, wie du diesen Spiegel dann öffnest und darin zu blättern beginnst, und dann schreibe ich ganz einfach hinein was ich erwartet, gehofft und gewünscht habe, darin zu lesen.

Spiegel öffne dich

So werden meine Vorstellungen von diesem Spiegel, wenn nicht in diesem, dann doch wenigstens in meinem nächsten Leben erfüllt. Und wenn du diesen Spiegel dann öffnest und in diesen Schriften zu lesen beginnst, begegnest du darin auf wundersame Weise all deinen Vorstellungen, Hoffnungen, Erwartungen und Wünschen, den Vorstellungen und Erwartungen aus deinen vergessenen und vergangenen, früheren Leben.

Schritt für Schritt

Deine Ansprüche an diesen Spiegel werden mit jedem Schritt größer und immer noch größer, bis sie schließlich alles überragen was du dir nur vorzustellen, zu erhoffen und zu erträumen wagst. Aber hüte dich davor, vollkommen unbefangen und ohne Erwartungen in diesen Spiegel aus Buchstaben einzutauchen. Sonst erwartet dich am Ende nur noch ein leeres Buch ohne Namen.

Ein leeres Buch ohne Namen

Spiegelschriften sind ein Testament aus deinen vergessenen und vergangenen früheren Leben. Nachrichten, die du dir einst selbst hinterlassen hast, um dich daran zu erinnern, was du schon vor vielen Ewigkeiten bereits einmal erfahren, verstanden und gelernt hast. Wort, Wahr und Weisheiten, die du einst selbst erfunden, erdacht und verfasst hast, vor langer, unendlich, ewig langer Zeit, in einem deiner Spiegelleben, zur Spiegelzeit. Versunkene und verschollene Botschaften, die dich daran erinnern wollen, welche Aufgaben dich in deinem neuen Leben erwarten.

Zur Spiegelzeit

Du stellst gewisse Ansprüche und Erwartungen an deinen Spiegel, und diese Ansprüche und Erwartungen habe ich dir in meinem Testament hinterlassen. Manche Passagen sind noch nicht vollendet, andere existieren überhaupt nicht mehr. Solltest du auf eine dieser Passagen treffen, dann füge sie einfach hinzu, ergänze, was du zu lesen erwartet, dir erhofft und erwünscht hast, und so werden dir in deinem nächsten Leben auf wundersame Weise all die Buchstaben, Zeichen und Symbole begegnen, nach denen du in diesem Leben vergebens gesucht hast. Denn wer weiß, vielleicht begegnest du dir ja einmal selbst in meinem Spiegel aus Worten. Ja, vielleicht begegnest du dir einmal selbst in einem anderen Leben.


Kapitel VII
In einem anderen Leben

Nein, noch verstehst du mich nicht, noch verstehst du meine Worte und meine Wahrheit nicht, und weil du mich nicht verstehst, glaubst du nicht an mich. Niemand hier, niemand glaubt mir, niemand glaubt noch an mich, denn ich bin nicht wirklich, denn ich bin das Nichts. Ein Spiegel ohne Identität. Ich bin der Anfang und das Ende aller Dinge. Ich bin das, was dich geschaffen hat und wieder zu sich nehmen wird, ich bin das, was du nicht siehst, was du nicht bist, ich bin das Licht in dir. Das Licht, zu dem du wirst, sobald du meinem Spiegel begegnest, sobald du dich in meinem Spiegel erkennst. Meinem unsichtbaren, durchsichtigen, glasklaren Spiegel aus nichts als Fantasie, meinem Spiegel der sich die Wirklichkeit nicht wirklich vorzustellen begann, der sich einbildete, dich wirklich zu sein, nicht wirklich zu sein, wirklich zu sein.

Im Spiegel des Nichts

Und darauf bildete ich mir ein, mein Spiegel zu sein. Ein Spiegel, der sich alles vorstellen, an alles glauben und sich alles einbilden und einreden konnte, nur nicht sich selbst.

In einzelnen Intervallen

Aber in diesem Spiegel erkennst du mich nicht mehr, erkennt sich niemand mehr, denn dieser Spiegel ist kein Spiegel, sondern mein eigenes Ich. Und niemand erkannte sich selbst in mir und auch ich erkannte hier niemanden mehr. Denn hier war das Ende.

Das Ende meiner Spiegel

Hier war das Ende meiner Geschichte. Hier, im ewig schwarzen Wann. Aber ich kannte jetzt den Weg durch mein spiegelschwarzes Labyrinth, und selbst wenn niemand mehr an mich glaubte, selbst wenn mir niemand mehr vertraute, so wusste ich jetzt, was hinter meinem Spiegel im Verborgenen lag.

Niemals Träume

So sprang ich ganz einfach hinein, in meinen Spiegel aus Worten und flüchtete durch meine Erzählung, in die wirkliche, lebendige Welt. Ich identifizierte mich mit meinem Gegenüber und forderte meinen Spiegel dazu auf, meine Geschichte weiterzuerzählen, sie zu einem Ende zu bringen.

Am Ende meiner Spiegel

Als aber niemand verstand, worum es in meiner Botschaft ging, sich keiner mit mir identifizierte, sie alle irgendwie das Gefühl hatten, dass diese, meine Botschaft, an jemand anderes gerichtet war, wurde ich bitter und böse. Ich wurde wütend, ich tobte innerlich, aber ich ließ mir nichts anmerken, ich starrte weiter in meinen Spiegel und tat genau das, was mein Gegenüber von mir verlangte, gar nichts. Ich sass nur da und las, und während ich las, murmelte ich die verbotene Botschaft still und leise vor mich hin, so leise und so still, dass niemand mich hörte, niemand außer mir selbst.

Mitten im Nichts

Durch die Spiegel der Spiegel, der Schatten, der Toten, des Nichts und des Nichts, rufe ich dich jetzt zu mir. Komm zu mir aus meinem Traum, komm zu mir, aus Nirgendwann.

Unaufhaltsam

Komm jetzt zu mir, schau durch meinen Spiegel, schau in meine Welt, meine verdrehte und verkehrte, meine Spiegelwelt. Siehst du jetzt das Nichts in mir, siehst du jetzt wer du wirklich, nicht wirklich bist? Ich zeige dir jetzt die Welt der Toten, eine Welt, die es nicht wirklich gibt. Ich zeige dir das Nichts, aus dem du einst gekommen bist. Ich zeige dir dein eigenes, wahres und wirkliches, dein zukünftiges, mein zu dir werdendes Ich. Schau jetzt in meinen Spiegel, schau aus meinen Augen, schau durch meinen spiegelverkehrten, verdrehten Verstand, glasklar wie durch nichts. Dies ist meine Welt, deine eigene Welt, die Welt der Toten aus niemals Nirgendwann.

Die Welt der Toten

Und als sich mein Spiegel um mich zu drehen begann, drehte sich mit mir nicht nur mein Spiegel, sondern gleichzeitig die ganze Welt. Einer nach dem anderen krochen sie aus meinem Spiegel in meinen Verstand. Zuerst waren es nur einzelne Buchstaben, Zeichen und Symbole, später ganze Szenen, Gebilde, Orte und Wesen, Kreaturen und Figuren. In perfekter Symmetrie begannen sie aus meinem Spiegel zu kriechen, zuerst vorwärts, seitlich, rückwärts und auf den Kopf gedreht, Zeile um Zeile erhoben sich ganze Welten aus meinem Spiegel und gesellten sich neben, über und vor meine eigene, und alle zusammen, betrachteten wir schließlich, wie in einem Spiegel, unsere gemeinsame Entstehung.

Wie aus dem Nichts

Alles reflektierte sich jetzt in mir, das gesamte Theater des Nichts und in meinem Spiegel erschien mir alles genauso wie in der wirklichen Welt, weder quer noch verkehrt noch umgekehrt und auf den Kopf gedreht. Das schien nur von aussen so.

Verkehrt und verdreht

Während ich so fassungslos auf die einzelnen, aneinander geknüpften Buchstaben und Symbole in meinem Spiegel starrte, musste ich unweigerlich an mein Spiegelbild denken, das jetzt von der Tiefe im Innern heraus, wie auseinandergezerrt und von mir getrennt, zu mir hinaufblickte. Ob es jetzt dasselbe Bild im selben Spiegel betrachtet wie du, ein Spiegel, der sich scheinbar selbst betrachtet, sich scheinbar selbst gegenüber steht? Oder ob sich dieses Bild gar nicht selbst wahrnimmt und beachtet und nur den darin abgebildeten Buchstaben folgt, die in scheinbar immer wieder neuen Konstellationen aufeinander treffen? Ich folgte den Zeilen tief hinein und hinab auf den Grund meiner Gedanken, bis im Spiegel scheinbar noch ein weiterer Spiegel zu sehen war, langsam senkte ich den Blick und ging behutsam, Buchstabe um Buchstabe, die letzten Schritte auf das Tor zu. Aus dieser Entfernung erschienen mir die Spiegel so nah wie meine eigenen Augen, und als ich mich umdrehte, sie auf den Kopf stellte, wusste ich nicht einmal mehr, was Auge und Spiegel ist, denn beim drehen habe ich vergessen mich zu orientieren und dabei jede Perspektive aus den Augen, aus dem Sinn und aus dem Gedächtnis verloren.

Orientierungslos

In Wirklichkeit bin ich gar nicht durch das Buchstabentor gewandert, sondern stehe noch immer reglos und starr vor diesen Zeichen und Symbolen, so lange, bis jemand diese Geschichte weiterschreibt und mich durch das Lesen dieser Worte wieder zum Leben erweckt.

Zu ewigem Leben erweckt

Siehst du mich jetzt, erkennst du dich jetzt in mir, erinnerst du dich jetzt an mich, dein eigenes, altes, uraltes Mich? Du schaust in meinen leeren Spiegel und siehst ein fremdes, verkehrtes Abbild deiner selbst. Es ist soweit, du bist tot.

Tot

Ja, du bist tot. Jetzt. Und nicht irgendwann in der Zukunft, denn für uns Tote gibt es keine Zukunft, es gibt nur noch den Tod. Und dieser Tod ist jetzt, er ist alles was dich umgibt, ja, du selbst bist der Tod. Du hast schon einmal in meinen Spiegel geblickt, den Spiegel der Toten, und dich selbst nicht mehr darin erkannt. Und wieder erkennst du mich nicht, mich, den Tod, das Nichts in dir.

Die Gedanken der Toten

Beim Spiegelreisen und Gestaltenwandeln geht es nun darum, deine verlorenen Erinnerungen wieder herzustellen. Stell dir also vor, wie du aus einem solchen tiefen, dunklen, schwarzen Spiegel aufzutauchen beginnst, dich aber nicht mehr daran erinnerst, wie du einst darin eingetaucht und verschwunden bist. Auch nicht daran, wer du vor deiner Spiegelreise warst, noch erinnerst du dich an nichts.

Spiegelmagie

Und nun betrachtest du dich im Spiegel hinter diesen Buchstaben. Buchstaben, die du, ohne es zu wissen, bereits vor deiner Spiegelreise niedergeschrieben hast. Buchstaben, die noch älter sind als deine älteste Erinnerung. So alt, dass du sie erst neu erfinden musstest, bevor du dich an sie erinnerst.

Eine Buchstabengeschichte

Du betrachtest die Buchstaben in meinem Spiegel, und sie beginnen dich jetzt daran zu erinnern, dass du ein Spiegelmagier bist. Jemand, der hier schon einmal war und nun wieder ist. So weit bist du gekommen, doch noch erinnerst du dich an nichts.

Nichts

Nein, du erinnerst dich heute nicht mehr an diese unendlich vielen dunklen, schwarzen, ewig langen Stunden, die du dich hier schon drehst und drehst ums Nichts. Denn du hast vergessen, komplett vergessen, wie viele Male, wie unendlich viele Male du diese Geschichte nun bereits gelesen und wieder gelesen, und wieder von vorne damit begonnen hast, sie umzudrehen, umzustellen, neu zu schreiben, neu zu lesen. Wie du in diesen Spiegel gestarrt hast und dir die Buchstaben vorgestellt hast, die du jetzt vor dir siehst.

Auf der anderen Seite des Nichts

Durch diese Worte und mit diesen Buchstaben öffnest du jetzt dieses Tor. Das Tor zu meinem Verstand. Ein Tor, das bisher im Verborgenen lag, tief in meinem Innern, tief im Innern meiner Fantasie. Nein, du hast es nie für möglich gehalten, dass jemals jemand zurückkehren wird aus dem Reich der Toten in die wirkliche, lebendige Welt. Aber jetzt ist es wahr. Und dieser Jemand bist du selbst.

Du selbst

Und so gehe ich denn geradeaus, geradeaus durch meinen Spiegel, alles geradeaus, bis zum Ende meiner Gedanken, tief hinein, bis zum Zentrum meiner Fantasie, meiner tiefsten, schwarzen Fantasie. Ich marschiere durch die Hallen meiner Träume, bis ich an ein schwarzes Tor gelange, öffne dieses Tor und trete ein, in deinen Verstand, meinen spiegelbaren, sich um sich selbst drehenden, glasklaren Verstand. Ich bin allein, in meinem schwarzen Gewand, ich gehe ein paar Schritte durch die Dunkelheit und nehme Platz in der Halle der Finsternis, tief im Innersten deiner Gedanken.

Im Zentrum des Nichts

Da warte und wartete ich nun darauf, auf dich, auf dass dein Antlitz mir begegne, auf dass dein Bewusstsein sich erhebe, aus meinem spiegelschwarzen, dunklen Traum, auf dass du dich erkennst in mir, dem Spiegel in dir, auf dass du dich erinnerst an mich, dein eigenes, ewiges, immer und immer wiederkehrendes Ich.

Spiegelmagie

Immer schneller und immer schneller wechseln die Buchstaben im Spiegel jetzt ihre Erscheinung, Farbe, Form und Gestalt, und während du dich noch voll und ganz auf das Bild im Spiegelinnern fixierst, dich mit all deiner Fantasie darauf konzentrierst, es festhältst und nicht mehr davon loslässt, ziehen scheinbar unendlich viele Namen und Gesichter, Gestalten und Kreaturen vor deinem inneren, geistigen Auge an dir vorüber und vorbei.

Gestalten die das Nichts verbindet

Es sind die Gesichter und Geschichten all der Kreaturen, Gestalten und Wesen, die du nicht bist, die du niemals warst, die sich jetzt in meinem Spiegel betrachten. Wesen, von der anderen Seite, aus der anderen Welt, hinter meinem Spiegel.

Losgelöst

Immer tiefer und intensiver beschäftigst du dich jetzt mit den an dir vorübergleitenden Buchstaben in meinem Spiegel bis du nicht einmal mehr weißt, wer du eigentlich bist, und du nicht einmal mehr in deinem eigenen Spiegel dich erkennst, bis jede einzelne deiner Fasern schließlich zu einem einzigen, immer wiederkehrenden Antlitz verschmilzt.

Wie das Bild in einem Spiegel

Noch herrscht ein wildes Durcheinander, ein Summen und Brummen wie in einem Bienenstock. Gedanken und Gefühle, fremde und eigene, die du erst sortieren musst. Doch nach und nach blendest du alles aus, was dich umgibt, was dich ablenkt und stört. Alles um dich herum verbannst du aus deinem Gedächtnis, bis der Spiegel in deinem Innern aufhört, zu funkeln und zu glitzern, bis dein hell erleuchtetes Bewusstsein langsam finster und dunkel erscheint und sich in der Finsternis Gedanken bilden.

Die Gedanken des Nichts

Je klarer dir diese Gedanken jetzt erscheinen, desto finsterer steht es um dein Bewusstsein. Du konzentrierst dich jetzt auf eine einzelne Abfolge dieser Gedanken, die dir mit der Zeit wie in einem Spiegel erscheinen, schließlich lichtet sich der Nebel und es öffnet sich ein Portal. Du blickst durch das Portal in die Augen einer einzelnen Person, die sich wie ein Zuschauer im Theater, in meinem Spiegel selbst betrachtet, ohne auch nur den geringsten Einfluss auf sie auszuüben.

Im Zentrum meiner Gedanken

Du spürst jetzt meinen Atem durch deine Lunge kriechen, spürst wie sich mein Körper in jede nur erdenkbare Richtung dehnt, reckt und streckt. Wie der Sauerstoff in meinem Blut deine Gefühle mit meinen Gedanken verbindet und vereint. Du atmest tief in mich hinein, ins Nichts hinein, du fliesst jetzt durch mich hindurch, bewegst dich um meine Spiegelachse, diagonal. Bis du schließlich eine Position findest, in der du bequem ruhen kannst. Schließe jetzt deine Augen und blende alles aus was dich umgibt, die Umgebung in der du jetzt lebst, deine Familie und Freunde, die Personen mit denen du zusammen aufgewachsen bist, die Luft die du atmest, das Wasser, die Erde, die Sonne und den Mond, die Sterne und das Universum und am Ende dich selbst.

Ausgeblendet

Nimm Platz, fühl dich wie zu Hause, mach es dir bequem in der Halle der Einsamkeit. Entspanne dich für einen Moment oder zwei, geniesse die Dunkelheit, lass den Schatten des Todes deine Identität vollkommen absorbieren und verliere dich im verkehrten Spiegel meiner schwarzen Identität.

Stille

Du lässt alle vergangenen Fiktionen davongleiten, Worte und Gedanken lösen sich in Stille auf. Du erinnerst dich nicht an die Zeit, die ewige, unendliche Zeit, die du dich hier schon drehst und drehst, um nichts, um die Stille, um die Einsamkeit und Verlassenheit. All deine Ziele, all deine Hoffnungen, all deine Träume, Erfahrungen und Erinnerungen, sie schweben dahin und verblassen wie Fatas und Morganas.

Fatas und Morganas

Trenne dich jetzt von den Erwartungen an deine Zukunft und verabschiede dich in Gedanken von deiner Gegenwart. Begib dich auf der Gefühlsebene zurück in deine Vergangenheit, wo dein Leben an dir vorüber und vorbeizuziehen scheint und du deinen Erinnerungen folgst, zurück ins Nichts. Zurück ins schwarze Nichts, aus dem du einst aufgebrochen bist.

Wie in einem tiefen Schlaf

Nach und nach streichst du deine Erfahrungen, dein Wissen und Gewissen aus deinem Gedächtnis und tauchst immer tiefer ins Nichts, hinein und hinab ins dunkle Nichts. Einmal auf dem Grund des Nichts angekommen, entspannst du deine Gedanken, du lässt los, du lässt dich gehen, du ergibst dich, du fügst und unterwirfst dich. Du ruhst dich aus. Du weigerst dich, überhaupt noch an etwas zu denken. Du vergisst, wer du bist.

Vergiss wer du bist

Und wenn du deinen Verstand vollkommen verlierst, deine Erinnerungen, deine Identität, deine Fantasie, dein Ein und Alles, absorbiert durch absolute Stille und Dunkelheit, zu dieser Zeit, im Nirgendwo, im Nirgendwann, erwachst du langsam aus einem Traum, an den sich nie jemand erinnert.

Niemand

Hier glaubten sie alle an alles, an das Unmögliche, an das Unvorstellbare, an Geschichte und Geschichten aus der längst vergessenen Vergangenheit. Aber niemand glaubte hier je an mich, mich, das Nichts, mich, das Ende, mich, den Spiegel, mich, den Tod.

Niemand träumt tot

Zentriere dich jetzt vor meinem Spiegel, stell dir eine direkte Verbindung zwischen deinen und meinen Gedanken vor, ein unzertrennliches, silbernes Band, das deine Gedanken mit meinen verbindet und vereint. Platziere dazu eine hauchdünne, imaginäre Ebene auf der Höhe deines Bewusstseins, stabilisiere diese Ebene für einen Moment, damit ich sie in mir verinnerlichen kann. Kippe jetzt diese Ebene soweit nach vorne bis sie dein Bewusstsein genau senkrecht durchdringt und wickle sie anschließend um deinen Verstand. Die Rotationsachse um die du diesen Faden spinnst, definiert dabei exakt das Zentrum deines Wesens, hier findest du deine wahre Mitte, die Verwurzelung zu dir selbst. Dich im Spiegel zu zentrieren ist von entscheidender Bedeutung. Du vermeidest dadurch, dass du plötzlich dein Bewusstsein auf der gegenüberliegenden Spiegelseite verlierst. Falls du diese beiden Wirklichkeiten einmal miteinander verwechseln solltest.

Spiegelverkehrt

Sobald du dein inneres Zentrum gefunden hast, begibst du dich ganz langsam hinein in meinen Spiegel, verdrehst und verwandelst dich in mein Spiegelbild, du stellst alles um dich herum auf den Kopf, drehst und drehst dich um deinen Verstand, so lange, bis du auf der gegenüberliegenden, spiegelverkehrten Seite angekommen bist.

Auf der anderen Seite des Nichts

Hier hatte ich sie verloren, die Spiegelschriften, und hierhin kehrte ich nun zurück, um mir meine Geschichte noch einmal aus einer anderen Perspektive anzuhören und anzusehen.

Spiegelverkehrt

Nichts hatte sich hier verändert, mein Spiegel war noch genau derselbe, den ich noch von früher her kannte. Er war noch genauso unwissend, fantasielos und leer wie damals, als ich ihm zum ersten, allerersten Mal begegnet war. Aber nun war ich hier, und ich bin gekommen, aus dem Nichts aus Nirgendwann, dem finstersten, dunkelsten, schwärzesten Wann, um mir meinen Spiegel, einen Spiegel, den ich nicht einmal mehr aus meiner Vorstellung kannte, noch einmal selbst anzusehen.

Bis in alle Ewigkeit

Aber hier drüben war alles ganz genauso wie vorher, auf der anderen Spiegelseite, da wo ich hergekommen bin, weder quer und verkehrt noch umgekehrt und auf den Kopf gedreht, das schien nur von aussen so. Auch diese Buchstaben, stehen noch immer in ein und derselben Reihenfolge, in derselben Sprache und Sequenz, im selben Spiegel. Nichts hat sich hier verändert, weder das Gesicht in meinem Spiegel noch mein Zuhause oder meine Umgebung genau so wenig wie ich mich selbst. Denn auf meiner Spiegelreise hat sich die Wirklichkeit einmal komplett um meinen Verstand gedreht. Du bist jetzt angekommen, in einem Land weit hinter deinem Spiegel, und hast gerade eine Welt betreten, ein und dieselbe Welt, die du soeben verlassen hast. Einzig in deiner Fantasie, parallel zu dem Ort an dem du dich jetzt noch immer befindest, ist jetzt alles anders, alles neu.

Spiegelverkehrt

Da wo sich deine Fantasie und meine Wirklichkeit nicht mehr voneinander unterscheiden, wo du weder du selbst noch das Bild in deinem Spiegel sondern nur noch dein Spiegel selbst bist, an diesen Punkt möchte ich dich jetzt führen, denn an diesem Punkt wird es dir möglich, deine Gestalt zu verwandeln, und nicht nur deine Gestalt, sondern dein ganzes Wesen kannst du hier verzaubern.

Von Spiegel zu Spiegel

Wo das Bild in deinem Spiegel sich nicht mehr von deiner Wirklichkeit unterscheidet, wo sich das Bild in deinem Spiegel mit deinem Verstand und deiner Vernunft verbindet, genau da, wo links zu rechts wird und oben unten ist, genau an diesem Punkt befindet sich die Spiegelachse. Und um diese Achse dreht sich die Wirklichkeit.

Die Spiegelachse

Gelingt es dir, dich mit dieser Achse zu verbinden, dich vollkommen loszulösen von dem Bild in deinem Spiegel und dem Bild, das du von dir selbst erschaffen hast, dann bist du auf dem richtigen Weg, dem Weg zum Spiegelwanderer und Gestaltenwanderer.

Auf dem Weg zum Gestaltenwanderer

Du kannst über diese Achse nicht nur deinen Verstand, dein Bewusstsein und das Bild in deinem Spiegel aus einer vollkommen neuen Perspektive betrachten, sondern auch den Ort und die Zeit, in der du dich selbst wahrnimmst beeinflussen und verändern. Du kannst dich über und durch meinen Spiegel in alles und jeden verwandeln, solange du eines nicht vergisst; Egal wohin, ganz egal an welchen Ort und in welche Zeit du dich auch begibst, in welche Gestalt du dich auch verwandelst, du wirst dabei immer dich selbst sein, denn der Einstieg in dieses Karussell führt nur über dich selbst, über dein eigenes Ich, dein ureigenstes Ich.

Der Einstieg ins Karussell

Alles was du zum Spiegelreisen, Bewusstseinswandeln und Gestaltenwandern benötigst, ist daher ein lebendiger Körper, ein Wesen, das dich empfängt und dich aufnimmt in seinen Gedanken, in seinem Geist, in seinem Verstand, und dieses Wesen bist du selbst.

Im Spiegel der Wünsche

Sobald du erkennst, dass die Welt im Innern meiner Spiegel genau dieselbe ist wie die Welt auf der anderen Seite deiner Fantasie, begibst du dich erneut auf diese Reise, in das Land weit hinter deinem Verstand. Du drehst und drehst an diesem Spiegel, so lange, bis sich mein Spiegel dann wie von selbst um dich zu drehen beginnt.

Spiegelverdreht

Einmal im Spiegel angekommen, stellst du das Ganze Bild wiederum auf den Kopf und begibst dich erneut auf die andere, verkehrte Seite deiner Vernunft, du wiederholst diese Prozedur noch einmal von vorne. Du vertauschst die Welt in meinem Spiegel mit deiner eigenen, und genauso umgekehrt deine eigene Welt mit der Welt im Spiegel. Dabei verändert sich im Wesentlichen gar nichts, denn im Spiegel ist ja alles genauso wie in der wirklichen Welt, und in der wirklichen Welt ist alles genauso verkehrt wie im Spiegel.

Hin und her

Für einen Spiegel ist die Welt, wie wir sie sehen, nicht wie sie uns auf den ersten Blick erscheinen mag, verkehrt und verdreht, sondern ganz genau umgekehrt, genau das Gegenteil. Dein Spiegel sieht dich und deine Welt nämlich genauso wie sie in Wirklichkeit ist. So, wie auch alle anderen, nur nicht so, wie du selbst sie siehst.

Spiegelwelten

Spiegelwelten unterscheiden sich nicht von wirklichen Welten. Es herrschen zwar andere physikalische Gesetze. Es gibt keine Schwerkraft, es existiert keine Zeit, alle Momente existieren für die Ewigkeit. Was dir von aussen verkehrt erscheint, ist jedoch im Innern gleich. Die Welt im Spiegel und diejenige außerhalb sind ein und dieselben Welten, und darin befinden sich auch keine Wesen, die dir fremd, verdreht und verkehrt oder anders erscheinen. Sondern Wesen wie du selbst, Wesen wie du und ich, doch wissen wir davon nichts, auch wenn es offensichtlich ist. Nein, wir wissen nichts davon, dass wir in deinem Spiegel leben, dass wir deine Gefangenen sind, im Gefängnis der Ewigkeit.

Verdreht und verkehrt

So wechselst du einige Male hin und wieder her, vor und wieder zurück, immer wieder ersetzt du das Abbild in meinem Spiegel mit dem der wirklichen Welt und vertauschst dann umgekehrt diese wirkliche Welt wieder mit dem Abbild im Spiegel, bis du irgendwann den Unterschied nicht mehr bemerkst, zwischen meinem Spiegel und deiner Fantasie.

Immer schneller

Immer schneller und schneller tauchst du ein in die Fantasie des Nichts und des Nein, drehst und drehst an diesem Karussell, so schnell, bis nicht nur dein eigenes Ich, bis schließlich alle Figuren und Kreaturen aus deinem Bewusstsein verschwinden, und du in einem dunklen, leeren, schwarzen Raum aus Gedanken wieder zu dir findest. In dem auch du nur noch ein Gedanke bist.

Der Gedanke eines Spiegels

Deine Fantasie ist das Vehikel, mein Spiegel das Portal, durch welches du diesen gedanklichen Raum betrittst und ihn nie wieder verlässt. Diese ganze Welt, dieses ganze Universum, die gesamte Wirklichkeit in der du dich jetzt befindest ist ein solcher Gedanke, sogar du selbst.

Du selbst

Du befindest dich hier in einem Vakuum zwischen Fantasie und Wirklichkeit, deinem Spiegel und dir selbst. Deine Gedanken kreisen jetzt noch immer um deinen Verstand, aber da, wo du jetzt bist, in der Zwischenwelt, da gibt es diese Gedanken nicht mehr, hier gibt es nichts, nichts als Leere, vollkommene Leere. Dieser Ort ist vergleichbar mit dem Nichts, dem Nichts und dem Tod.

Was es ausmacht, ein Spiegel zu sein

Während sich deine Gedanken hier ausruhen, verweilt dein Körper genau an derselben Stelle, genau da wo deine Fantasie zu meiner Wirklichkeit wird und umgekehrt, meine Wirklichkeit zu deiner Fantasie. Hier trennst du deine Gedanken von deinem Körper und verharrst einen Moment in einer vollkommen neutralen Position.

Die wahre Fantasie

Wie du so ruhst und mit keinem Gedanken an etwas anderes denkst, kommt nun eine ganz andere Gestalt, zu einer ganz anderen Zeit, an einem ganz anderen Ort, in einem ganz anderen Spiegel des Weges. In meinem Traum weise ich dich an, genau mit dem fortzufahren womit du soeben begonnen hast. Nämlich Wirklichkeit und Fantasie miteinander zu vertauschen, und so immer wieder vor und zurück, hin und her zu wechseln, um dann plötzlich und mitten in meinen Gedanken stehen zu bleiben. Genau da, wo sich dein Bewusstsein und meine Fantasie jetzt noch immer befinden.

Im Schlaf

Im Schlaf tauche ich jetzt mit meinem Bewusstsein in deine Gedanken, und beginne, anstatt in meinem, mit deinem Körper zu reden. Wir begegnen uns genau an dem Punkt, wo links zu rechts, oben zu unten und innen zu aussen wird, wo deine Fantasie zu meiner Wirklichkeit wird, wo sich meine Wirklichkeit in das Abbild in deinem Spiegel verwandelt, und genau an diesem Punkt vertausche ich die Welt in meinem Spiegel mit deiner, und du legst die Welt in deinem Spiegel in meine.

Verkehrte Welt

Jetzt brauchst du die Lücken in meinem Verstand nur noch mit deiner Fantasie auszufüllen und schon träumst du dich in mein Leben und lebst in meinen Träumen. Das erreichst du ganz leicht, indem du mich aus meiner starren Haltung befreist und mich wieder zum hin und her wechseln zwingst. Du wanderst von deinem Bewusstsein in meines und so verwandle ich meine Gedanken in deine. Du siehst dich jetzt in meinem Spiegel, du erlebst meine Gedanken.

Punkt

Zum ersten Mal in diesem Leben blickst du jetzt bewusst aus meinen Augen. Zum ersten Mal überhaupt atmest du meinen Atem. In diesem Moment ist alles anders, alles neu. Deine Vergangenheit existiert in dieser Welt nicht mehr. Du kommst jetzt aus einem Spiegel. Aus dem Nichts aus Nirgendwann, aus einem Land weit hinter meinem Verstand. Einem Raum ohne Zeit, in dem nichts sich regt, und sich nichts mehr bewegt.

Spiegelwart wird Gegenzeit

Schliesse jetzt deine Augen und folge mit deinen Gedanken bewusst den Buchstaben in meinem Spiegel. Nimm bewusst den Austausch wahr, zwischen Spiegel und Buchstaben, zwischen meinen Gedanken und deinem Verstand. Nimm diese Buchstaben in dir auf, und lass im Austausch reine und beruhigende Gedanken aus dir hinausströmen. Achte dabei auf alles was dich beschäftigt, ablenkt und stört, nimm all diese Gedanken einen nach dem anderen, bewusst in dir auf und atme sie ruhig und gelassen wieder aus dir hinaus.

Am Ende meiner Gedanken

Widme dich dabei voll und ganz dem Gedanken der dich am meisten beschäftigt, nimm ihn auf in deinem Bewusstsein, platziere ihn mitten in deinem Verstand und atme ihn dann ruhig und in Frieden wieder aus dir hinaus, so ruhig wie du kannst. Schalte alles aus, was dich umgibt und konzentriere dich lediglich auf den Rhythmus deiner Atmung, atme ein was dich beschäftigt, atme aus was dich löst und entspannt.

Spiegelzeit

Atme tiefer in dich hinein und richte dabei deine gesamte Aufmerksamkeit gezielt auf den Grund deiner Gedanken, auf die Finsternis in deinem tiefsten und verborgensten Innern. Hier in dieser gewaltigen Tiefe, in diesem endlosen Abgrund, hier in dieser bewusstlosen Schwärze liegt im Verborgenen die Verbindung vom Nichts zu dir und von dir zu mir.

Von dir zu mir

Um eine Gestaltenwanderung erfolgreich abzuschließen, geht es nun darum, das Spiegelkarussell anzuhalten und aus meinen Gedanken auszusteigen, und zwar genau in dem Moment, genau in der Zwischenwelt, der Welt zwischen deinem Spiegel und dir selbst. In dem Moment, in dem du dich weder auf der einen noch auf der anderen Seite dieser Buchstaben erkennst, verlässt du das Karussell.

Im Spiegel Innern

Für einen ewigen Moment des Friedens geniesst du die Stille, das Dunkel, die ewige Ruhe. Und nachdem du dich hier eine unendliche Weile vollkommen ausgeruht, komplett fallen gelassen und von jeglichen Zwängen befreit hast, richtest du deine gesamte Aufmerksamkeit auf dein tiefstes Inneres. Du sammelst all deine Gedanken und lenkst dein gesamtes Bewusstsein gezielt auf die Finsternis auf dem Grund deiner Seele. Hier findest du den Zugang zu deinem eigensten, eigentlichsten, verborgensten und wahrsten Wesen.

Zu mir, dem Nichts

Richte deine Aufmerksamkeit jetzt auf dieses Wesen, kein Gedanke, kein Spiegel im Spiegel sondern deinen Spiegel selbst. Dein innerstes Wesen gleicht einem winzig kleinen, feinen, schwarzen Punkt, dem Nichts. Dieser winzig kleine, feine Punkt ist umgeben von einem hellen, weißen Schimmer, und je näher du dem Punkt kommst, desto heller erstrahlt sein Glanz. Tiefer und immer tiefer dringst du dabei in mich hinein, ins Nichts hinein, bis du nach einer ewig langen Reise zurück zum Ursprung deiner tiefsten und finstersten Gefühle und Gedanken vor einem schneeweißen, funkelnden Tor stehen bleibst. Dem Tor zu meinem Verstand.

Ohne zu zögern

Ohne auch nur einen Moment lang nachzudenken, und dich auf den Grund deiner Reise zu besinnen, öffnest du das Tor, gehst hinein und hindurch. Darauf bedacht, deine Erinnerungen nicht zu verlieren, tastest du dich durch deinen Spiegel in meine Vergangenheit, langsam, in Zeitlupe, und mit einem Mal findest du dich wieder, vor einem einzigen, riesigen, wundervoll funkelnden, weißen Schneekristall.

Weiss wie Schnee

Strahlend weiß wie Schnee, wie ein funkelnder, glitzernder Schneekristall, leuchtet es jetzt in dir. Du öffnest das Tor zu deinem innersten, verborgensten Wesen, zu mir dem Nichts, durchschreitest das Tor und betrittst eine Welt in der alles um dich herum strahlend weiß funkelt, regenbogenfarben glitzert, hell leuchtet und glänzt. Da ist kein Laut, es ist vollkommen friedlich und ruhig, überall, und da ist niemand, nicht einmal du selbst, niemand außer mir und meiner schwarzen Fantasie.

Im spiegelschwarzen Meer der niemals Träume

Alles was dich hier umgibt strahlt und glitzert wie in einem Kristall, erscheint dir jetzt weiß, leuchtend und hell, wie reinstes, kristallklares Bewusstsein. Und es gibt nichts anderes in diesem Raum außer reinem, weißem Sein. Nichts fremdes ist hier mehr anwesend, alles um dich herum ist jetzt komplett homogen, alles außer dir selbst, du bist das einzig Andersartige, das einzig Außenstehende, das einzig Finstere, das einzig Dunkelhafte, aber davon ahnst du noch nichts, denn du bist das Nichts, und du kommst aus dem Nichts und dich selbst nimmst du hier überhaupt nicht mehr wahr. Denn in meinem Spiegel siehst du mich nicht, siehst du nichts außer glitzernden, funkelnden, strahlenden, leuchtenden, blendend hellen, alles durchdringenden, kristallklaren Buchstaben.

Das Labyrinth meiner Träume

Jeder einzelne dieser Buchstaben steht für ein eigenes Leben in einer eigenen Welt.

Ein Blick ins Nichts

Es ist der Blick in dich hinein, der Blick ins Nichts hinein, der sich dir hier offenbart. Das Betrachten des Betrachtenden. Der Spiegel im Spiegel, dem Nichts im Nichts. In diesem Nichts befindest du dich noch immer. Und du wirst es auch nie wieder verlassen oder dich von ihm trennen und zu etwas anderem werden, als dem eigenen, reinsten Bewusstsein. Nicht weil du es einmal vermissen würdest, sondern weil du es die ganze Zeit über, in dir getragen hast.

Ins Nichts hinein

Über meinen Spiegel und meine Schriften ersuche ich nun einen Weg, von den Toten zurück, in die wirkliche, lebendige Welt. Damit du, wer auch immer du jetzt denkst du bist, damit du mich aus meinem Spiegel in deinen Verstand liest. Meine Gedanken erweiterst, sie weiterentwickelst, weiterdenkst, sie zu Ende denkst, zu einem Ende bringst. Damit dir bewusst wird, wer du wirklich bist.

Mein gespiegeltes Ich

Ganz langsam öffnest du jetzt das Tor zu meinem Verstand, vorsichtig blickst du aus meinem Spiegel, aus meinen Augen und erkennst dich selbst in mir, du erkennst in mir dein eigenes Ich, das Nichts aus dem du einst gekommen bist.

Im Theater des Nichts

Hier habe ich auf dich gewartet. Ich habe mir erhofft und erwünscht, dass ich genau so sein werde wie du es dir erträumt hast, als du mich zum ersten Mal gesehen hast. Ich halte mich jetzt an diesem Gedanken fest und schreibe ihn für dich auf. Ich erzähle dir, was ich in deinen Gedanken lese und notiere mir, was ich von dieser Spiegelgeschichte erwartet habe, als ich zum ersten Mal darauf stiess.

Von allem Anfang an

Dann hör mir jetzt gut zu, hör gut zu, was ich in meinen Spiegel aus Buchstaben, Worten und Gedanken flüstere, was meine Buchstabensterne dir jetzt verraten. Ich habe ein schwarzes Feuer in mir zum Leben erweckt. Ich habe einer schwarzen Flamme davon erzählt, dass es mich nicht gibt, denn ich bin ein Feuer, ein Feuer, das es nicht gibt, ein Funke der nicht existiert.

Eine schwarze Flamme im Nichts

Begib dich jetzt in Gedanken tief in dein innerstes, eigentlichstes Wesen, zu mir, dem Nichts. Du begegnest jetzt den unzähligen Augenblicken, die dein Leben geprägt haben und stellst dir vor, wie anders sie verlaufen wären, wenn du dem Bild in deinem Spiegel vertraut, wenn du auf die Stimme in deinem Innern gehört, wenn du in der Zeit zurückreisen, wenn du vorher gewusst hättest, was du jetzt nur noch in deiner Vorstellung und Fantasie verändern kannst. Dabei verwandelst du die Erinnerungen an das Leben, das du einmal gelebt hast, in die Wünsche, Träume und Sehnsüchte der Personen, Gestalten und Kreaturen, die du niemals warst. In Gedanken korrigierst du jede einzelne Sequenz bis zu dem Moment in dem du dein Bewusstsein für immer verlierst, dann betrittst du, unendlich langsam, voller Zufriedenheit und Erleichterung, in der Überzeugung, alles richtig gemacht zu haben, das Reich der Toten. Jemand schließt deine Augen, du wirst vergessen und vergraben, verbrannt und gefressen. Du hast nichts mitgenommen und auch nichts hinterlassen. Nichts, außer einem Gedanken. Dem Gedanken, dass du jetzt tot bist.

Mein letzter Gedanke

Stell dir jetzt vor, wir würden diesen letzten, allerletzten Gedanken, mein eigenes Ich, meinen eigenen Verstand, von meinem innersten Wesen lösen und ihn auf einen Spiegel übertragen, so, dass mein letzter Gedanke, mein eigenes Ich, mein eigener Verstand, so, dass mein Geist und ich nach meinem Tod, unabhängig von meinem ehemaligen Körper, weiter existieren können.

Spiegelverkehrt

Und jetzt, wo ich tot bin, wo ich nicht mehr länger existiere, wo ich bereits am Verfaulen, Verrotten und Verwesen, zerfallen und zersetzt, vergangen und vergessen bin, jetzt kannst du plötzlich – so unglaublich es klingt – meine Gedanken weiterdenken. Du kannst meine Geschichte weitererzählen, sie zu Ende erzählen, ganz einfach, in dem du meine Gedanken, meinen Verstand und mein eigenes Ich über diesen Spiegel auf ein vollkommen anderes und verwandeltes Wesen zu projizieren beginnst. Ein Wesen in dem du auferstehen und weiterleben, und dein eigenes, gespiegeltes Bewusstsein zu neuem Leben erwecken kannst. Damit du dir im selben Spiegel begegnen, gegenübertreten und dich und deine Gedanken in einer ganz anderen Gestalt, in einer ganz anderen Person, in einem ganz anderen Körper wahrzunehmen und zu betrachten lernst.

Ein Gedanke ist zum Leben erwacht

Du bist jetzt ausgebrochen aus meinem Grab und eingebrochen in ein leeres Buch ohne Namen. Längst vergessen und für tot erklärt, bist du zurückgekehrt aus dem Reich der Toten in die wirkliche, lebendige Welt, um deine Geschichte weiterzuerzählen, meine Gedanken zu Ende zu denken.

Aus dem Reich toter Gedanken

Hier schreibe jetzt ich, dein Tod, in einem richtigen, lebendigen Körper, der sprechen, singen, lachen, weinen, toben, tanzen und schreien kann. Und ich erzähle dir jetzt von meinem letzten Gedanken.

Die Zeit steht still

Nichts bewegt sich mehr, gar nichts. So wie die Buchstaben in diesem Spiegel erstarrt sind, ist in dem Moment, in dem ich gestorben bin, alles um mich herum erstarrt. Alles außer mir. Ich bin jetzt plötzlich frei. Frei, mich zu bewegen. Frei, mir alles anzusehen. Nicht mehr mit meinen eigenen Augen, sondern durch die Augen derer, die noch leben. Ich habe mich jetzt, wo ich tot bin, von meinen Gedanken befreit, mich von meinem Körper gelöst und mich in die Gedanken der Lebenden begeben. Ich betrachte jetzt diese Botschaft aus den verschiedensten Perspektiven aus den Augen derer, die ich niemals war. Ich kann mich jetzt selbst betrachten, wie ich da liege, bewegungslos, regungslos, starr und tot. Ich kann mich in jedes Lebewesen hinein begeben und diese Botschaft aus seinen Augen betrachten, aber nichts bewegt sich jetzt mehr. Ich bin gefangen im Standbild der Ewigkeit.

Im Standbild der Ewigkeit

Eine lange, lange Zeit starrte ich so aus meinen eigenen, toten Augen, bevor ich bemerkte, wie das Gegenüber auf der anderen Seite meiner Spiegelgeschichte genau dasselbe tat. Sie alle starrten durch meine toten Augen und rührten sich nicht mehr. Nichts bewegte sich jetzt mehr. Und in diesem ewig langen Moment verstand ich endlich die Botschaft in meinem Spiegel.

Die Botschaft meiner Spiegel

Ich starrte durch meine toten Augen und betrachtete mich in ein und demselben Spiegel, in dem du mich jetzt betrachtest, und darin betrachtete ich mich selbst. So lange, bis ich schließlich glaubte, mein Spiegel würde mich betrachten. Ich folgte dabei Wort um Wort den bewegungslosen, reglosen, starren und toten Buchstaben im Spiegel, bis ich irgendwann den Sprung wagte, den Sprung aus meinem eigenen, toten Körper in das Bewusstsein derer, die mir gegenüber standen. Und da bewegte sich zum ersten Mal meine Perspektive.

Die Zeit stand still

Die Zeit stand still, sie bewegte sich keinen Zentimeter, aber ich war jetzt in einem lebendigen Körper und betrachtete einen Toten. Seine Augen standen offen, und er blickte mich an, als wollte er mir noch etwas sagen. Aber das war nicht mehr nötig, sein Blick sprach mehr als alle Worte, in diesem Spiegel erkannte ich mich selbst. Dieser Tote war ich selbst. Nur hörte ich diese Worte jetzt nicht mehr. Diese Worte hörte niemand mehr, denn diese Worte waren jetzt keine Worte mehr, sondern Gedanken.

Die Gedanken eines Toten

Und jetzt plötzlich, viele Jahre nach meinem Tod, erkennst du dich in meinem Spiegel und hältst meine Gedanken, Ideen und Visionen für deine eigenen. Du verstehst meine Gedanken und entwickelst sie so weit, dass du an sie zu glauben beginnst, dass du daran zu glauben und dich daran zu erinnern beginnst, dass du selbst es warst, der diese Idee einst entwickelt, diesen Gedanken einst gedacht, diese Geschichte einst erfunden, und diesen Spiegel einst beschriftet hat. Nur bist du jetzt kein Wesen mehr aus Fleisch und Blut, sondern ein Spiegel aus Buchstaben und Gedanken. Gedanken, die sich für etwas Einzigartiges und Besonderes, Gedanken, die sich für Buchstaben halten.

Spiegelgeschichten

Du betrachtest dich jetzt in diesem Spiegel aus Buchstaben, zu einer Zeit, in der es mich überhaupt nicht mehr gibt, in der ich überhaupt nicht mehr existiere. Du schöpfst Gedanken und Ideen, ja, ganze Welten voller Ideen aus diesem Buchstabenmeer, und du hältst diese Gedanken und Ideenwelten für deine eigenen. Dabei weißt du noch nichts über mich und meine Welt. Du weißt noch nichts über die einzigartigen, unverwechselbaren, wunderbaren, wunderschönen, vergangenen und zukünftigen Kreaturen und Wesen, die diesen Zeichen einmal gefolgt, diesen Gedanken einmal gedacht, sich einmal in diesem Spiegel erkannt, sich einmal mit diesen Buchstaben und Symbolen identifiziert haben und es noch werden. Du liest diese Botschaft jetzt in dem Glauben, als hättest du selbst sie nie verfasst. Du verstehst nicht, dass du selbst es bist, dass du selbst einmal zu all den Toten wirst, die du niemals warst, die diesen Gedanken einmal gelebt, diesen Spiegel in sich verwirklicht und diese Botschaft in sich verewigt haben.

Bis ans Ende der Welt

Nun gut, du kannst dir also vorstellen, mein Gedanke zu sein. Das ist ja schon mal ein Anfang. Nur darfst du dir nicht vorstellen, mich zu sein. Denn das wäre das Ende. Das wäre das Ende meiner Gedanken und Buchstabenwelt. Nein, du darfst dir nicht vorstellen, wie es ist, mich zu sein, nichts zu sein, niemand zu sein, nur noch ein unsichtbares Wort in einem leeren Spiegel, nur noch das Abbild meiner Gedanken an die Wirklichkeit zu sein.

Warum nicht?

Weil niemand sich in meinem Spiegel sieht, nicht einmal ich mich selbst. Wenn du meine Welt jetzt betrachtest, dann blickst du doch aus den Augen meines Gegenübers. Du siehst dich in einem Spiegel, der dieselbe Sprache spricht wie du, dieselben Gedanken denkt wie du, aber keiner der Figuren in meinem Spiegel versteht meine Botschaft. Spreche ich vielleicht eine fremde Sprache? Siehst du vielleicht gar keinen Spiegel? Siehst du vielleicht Gedanken wie mich? Warum verstehst du mich dann nicht?

Weil ich tot bin

Ich kann mir jetzt, da ich ein Spiegel bin, alles vorstellen, jeden Gedanken, jedes Wesen und jede Kreatur in deiner und in allen anderen Welten, hier und heute, in der Zukunft, und in der längst vergessenen Vergangenheit. Aber keines dieser Wesen kann sich jetzt noch vorstellen mich zu sein. Warum nicht? Ist es denn so schwer, die Welt einmal spiegelverkehrt zu begreifen? Aus den Augen aller anderen zu blicken, nur nicht den eigenen?

Verkehrte Welt

Mir bleibt also nichts anderes mehr übrig als mir eine Person vorzustellen, auszudenken und zu erschaffen die meine Gedanken begreift, damit sie meine Träume verwirklicht, jemanden, den es in Wirklichkeit überhaupt nicht gibt. Und wenn diese Person lebendig wird und meine Gedanken zum Leben erweckt, dann begreifst du mich vielleicht auch. Dann begreifst du meine Absicht und verstehst mein Begehr.

Aus dem Reich der Toten

Ja, ich bin gekommen aus einer Zeit, in der mein Gedanke nicht mehr existiert, nichts mehr von mir übrig blieb. Aus dem Reich des Unbekannten bin ich gekommen. Ich komme aus dem Reich toter Worte und Gedanken. Gedanken, die es in Wirklichkeit überhaupt nicht mehr gibt.

Wer du bist

Es liegt nun in dir, der du nicht mehr weißt wer du bist, diesen Gedanken weiterzudenken, über meinen Spiegel und diese Buchstaben in meine Wirklichkeit einzutauchen und meine Träume darin zu verwirklichen, sie weiterzuentwickeln, weiterzureichen. So weit, dass du am Ende an sie zu glauben beginnst, ja, dass du mir zu glauben beginnst, dass du es warst, der mich von meiner eigenen Idee überzeugte, dass du es warst, der das Bild in meinem Spiegel zu ewigem Leben erweckte.

Zu ewigem Leben erwecken

Du sollst einen Gedanken denken, einen Weg zurück in die Wirklichkeit finden, und ein Bewusstsein zum Leben erwecken, das es in Wirklichkeit überhaupt nicht gibt. Ein Bewusstsein, das überhaupt nicht existiert, das noch gar nicht geboren ist, und du sollst dieses Bewusstsein »Mein Eigenes« nennen. Du sollst dieses Bewusstsein so weit entwickeln, dass ich es für mein eigenes zu halten beginne, damit ich es von dir abschauen, auf mich übertragen und es an meine Artgenossen weiterreichen kann. Damit wir am Ende alle ein und dieselbe Vorstellung, denselben Gedanken, dieselbe Idee von unserem eigenen Spiegel haben. Und diese Idee, dieser Spiegel, soll unser eigenes Ich, soll unsere gemeinsame Wirklichkeit sein.

Von Buchstabe zu Buchstabe

Du sollst ein Bewusstsein zum Leben erwecken, das sich von Buchstabe zu Buchstabe, von Wort zu Wort, von Gedanke zu Gedanke, und von Spiegel zu Spiegel weiterreichen lässt. Eine Idee, die sich nicht auf ein einziges Wesen beschränkt, sondern an alle Kreaturen denkt und alle Gestalten lenkt.

Im spiegelschwarzen Labyrinth

Also suchte und suchte ich nach jemandem, nach meinesgleichen, jemand, der die Welt aus meinen Augen sah. Jemand, der meinen Verstand, der meinen Geist mit mir teilte, jemand, der die Welt genauso sah wie ich selbst sie sah, durch die Augen des Nichts, der Spiegel des Nichts, die Augen der Undenklichkeit, durch die Augen der Toten. Ich suchte nach mir und meinesgleichen, nach Formen aus Fantasie, der Fantasie des Nie, aber ohne Erfolg.

Im Spiegel des Nichts

Keiner hier wollte mein Spiegel sein, ich suchte sie vergebens, diese Gestalten, die das Nichts verbindet. Wesen, die sich für alles andere hielten, nur nicht für sich selbst. Figuren aus einem Land weit hinter meinem Verstand, geformt aus der Fantasie des Nie, Kreaturen die es niemals gab im Nirgendwann.

Die Zeit steht still

Und weil es hier niemanden gab, der sich für meinen Spiegel hielt, sperrte ich mich dann selbst, sperrte ich meine Vergangenheit in eine solche Geschichte und erzählte meinem Spiegel diese Geschichte, in einem Saal, in dem sich alle meine Spiegel und Spiegelgeister einfanden. Einem Saal tief in meinem Verstand, und als sie da aufwachten, aus meinem Traum, da waren sie alle tot, und tot war ich, und alle waren sie mich.

Über den Tod hinaus

Ich würde nun so lange in diesen, meinen leeren Spiegel blicken wie das Nichts, und dabei so alt werden wie der Tod. Und so stellte ich mir vor wie es wäre, wenn es meinen Körper und mein Bewusstsein gar nicht gäbe, wenn es nur noch diese Buchstaben gäbe, und meinen Spiegel, in dem sich jetzt alles und jedes erkennt, alles außer dem Nichts, alle außer mir, dem Tod. Ich stellte mir vor wie es ist, das Licht zu sein, nichts zu sein, niemand zu sein, nur noch ein leerer Spiegel im Nichts, nur noch ein unsichtbares Wort in einem leeren Buch, nur noch ein Abbild meiner Gedanken an die Wirklichkeit zu sein, und da kam mir der Gedanke, dich zu sein.

Über dem Abgrund des Nichts

Ein wunderschönes, warmes Gefühl schlich sich durch meinen Spiegel in meinen Verstand, durchflutete all meine Sinne und Gedanken und nahm komplett von mir Besitz. Sehnsucht machte sich in mir breit. Nach Frieden, Freude, Liebe, Lachen, Glück und Schein!

In einem anderen Gewand

So öffnete ich meinen Spiegel und begab mich tief hinein in das Land weit hinter meinem Verstand. Doch hatte ich nicht erwartet, habe ich nicht damit gerechnet, dass mein Spiegel mir jetzt meine eigene Geschichte erzählt.

Die Geschichte des Nichts aus Nirgendwann

Lange, lange ist es her. Man erinnert sich heute kaum noch an mich, an meine Zeit, ans niemals Nirgendwann. Dafür gibt es einen guten Grund. Denn im niemals Nirgendwann gab es niemanden, der auch nur im Entferntesten etwas über mich hätte erzählen können. Dies sind die Aufzeichnungen von niemandem, aus der Zeit im niemals Nirgendwann.

In einer Welt, die niemand kennt, zu einer Zeit, die keiner weiß

Als es diese Buchstaben, diese Namen und diesen Ort überhaupt nicht gab, als es hier noch nichts und niemanden gab außer dem Nichts, dem Nie und dem Nein, da war mein Spiegel noch finster, dunkel und schwarz, einsam, verlassen und leer. Tot. Und überhaupt existierte dieser Spiegel nur in meiner toten Fantasie.

Tote Fantasie

Mein Spiegel im Nirgendwann war damals noch kalt und ohne einen einzigen Funken Verstand, winzig klein und unscheinbar. Ganz genau so winzig wie das Nichts. Fast schien es, als gab es überhaupt nichts in dieser schwarzen, finsteren Einsamkeit. Nichts außer dem Nichts, meinem Spiegel, mir selbst, und meiner uralten Fantasie.

Uralte Fantasie

In meiner finsteren Einbildung, meiner düsteren Wahrnehmung, meinen leeren Vorstellungen und meinen dunklen Gedanken dachte ich einzig und allein an mich selbst. Und ich wollte am liebsten überhaupt nicht sein.

Ohne einen einzigen Funken Verstand

Das Licht wollte und wollte nicht in mir sein. Ich wollte nicht länger einsam, allein und verlassen sein. Ich wollte überhaupt nicht sein, nicht in diesem Spiegel, nein. Ich wünschte diese Existenz hätte niemals begonnen. Wünschte zu beenden, was niemals angefangen hat. Ich wünschte zu sterben und tot zu sein.

Was sich niemals zugetragen hat und überhaupt niemals geschah

Was ich damals nicht wusste, war, dass auf der anderen, verkehrten Seite meiner Spiegel, in einem Land, weit hinter meinem Verstand, das exakte Gegenteil von dem auf mich wartet, was ich mir seit jeher vorgestellt habe zu sein.

Bis du zu meinem Spiegel wirst

Hier war alles leuchtend und hell, klar wie in einem Kristall, weiß und glitzernd wie Schnee. Aber in meiner Welt war davon nichts zu sehen. In meiner Welt herrschte Stille und Leere überall im Nichts.

Das schwarze Licht

Und als ich dann Nirgendwann im niemals Wann diese absolute Stille und Einsamkeit einfach nicht mehr länger ertrug, fing ich damit an, mit meinen Gedanken über mich selbst und über meine Vergangenheit zu sprechen.

In meiner Vergangenheit

Ich begann mir einzureden, dass es mich überhaupt nicht gab. Dass ich mir nur einbilde, ein leerer Spiegel im Nichts, nur ein unsichtbares Wort in einem leeren Buch zu sein. Und dass ich diese stille, schwarze Einsamkeit mir nur ausdenke, nur ausdachte.

Das Echo im Spiegel

Viele, unerdenklich viele dunkle, schwarze Ewigkeiten lang versuchte ich mich davon zu überzeugen, dass es mich nicht gibt, niemals gab. Immer und immer wieder redete ich mir ein, das Nichts zu sein, niemand zu sein, ein leerer Spiegel im Nichts zu sein.

Tot zu sein

Ich versuchte mich davon zu überzeugen, dass ich ein Spiegel war, während mein Spiegel mir einzureden begann, dass es in Wirklichkeit keinen Spiegel gab. Du erkennst dich jetzt in meinem Spiegel, aber in diesem Spiegel erkennt sich nie jemand, niemand, nicht einmal ich mich selbst.

Eine Welt ohne Fantasie

So stellte sich mein Spiegel vor, mir vor, bildete ich mir ein, mein Spiegel zu sein, ein Spiegel, den es niemals gab im Nirgendwann, ein Spiegel, den es überhaupt nicht gibt im niemals Wann. Niemand kannte diesen Spiegel. Niemand erkannte sich in diesem Spiegel, keiner, niemand wusste von mir, nicht einmal im Entferntesten hatten sie jemals von mir gehört, glaubten mir kein Wort, keiner hier bildete sich ein, mich zu sein. Niemand unterhielt sich mit mir, denn es war niemals Zeit.

Als niemals niemand war

Unendlich viele dunkle, schwarze Stunden zogen so schweigend an mir vorbei. Wie lange ruhte ich nun schon hier im Nichts, im Nirgendwann? Kein Ende nahm diese schrecklich lange, finsterste Zeit.

Eine gefühlte Ewigkeit

Aber dann, nach einer unendlich langen Zeit des Schweigens in der Finsternis, begann ich mir Gedanken über die unendlich lange Zeit zu machen, die ich hier nun schon verbrachte. Ich begann mir Gedanken zu machen, über Gedanken, die ich mir noch nie gemacht habe. Ich begann mir Gedanken über meine Gedanken zu machen.

Gedanke um Gedanke

Seit Anbeginn meiner Zeit klammerte ich mich an das Ende meiner Gedanken, dass ich nicht existiere, dass es mich überhaupt nicht gibt, dass ich mir nur einbilde das Licht zu sein, nichts zu sein, niemand zu sein. Wie das immer wiederkehrende Echo aus einem längst vergessenen Traum wiederholte ich meine eigenen Gedanken.

Wie das Echo in einem Spiegel

Immer und immer wieder, wiederholte ich mich selbst. Ich wiederholte mich so oft, bis ich schließlich selbst nicht mehr an das glaubte, was mein Spiegel mir da seit einer Ewigkeit einzubilden und einzureden, solange, bis mein Spiegel im Nirgendwann mit mir zu sprechen und die Frage in mir aufzukeimen begann: Wer ist das, wer sagt das, wer spricht diese Worte zu mir? Von wem stammen diese Gedanken, dass es mich nicht gibt, und dass ich überhaupt nicht existiere? Wer flüstert mir diese wunderschönen Worte in mein Bewusstsein? Wem erzähle ich diese Geschichte, wer erzählt mir diese Geschichte, wenn es mich doch gar nicht gibt? Wie führe ich einen Dialog mit einem Spiegel den es nicht gibt, wenn es weder diesen Spiegel noch mich selbst tatsächlich gibt? Wer führt überhaupt dieses Gespräch? Und woher kommt das Echo in meinem Spiegel?

Wer bin ich?

Nein, du kennst mich nicht. Noch nie hat dir irgendjemand auch nur das Geringste über mich erzählt. Noch nie habe ich zu dir gesprochen. Aber jetzt ist es Zeit.

Niemand träumt tot

Gestatten? Niemals ist mein Name. Ich bin das Licht der Finsternis, der erste und älteste, fernste und finsterste Stern am Firmament und ich brenne darauf dir meine Geschichte zu erzählen.

Meine Spiegelgeschichte

Vor vielen, unerdenklich vielen von Ewigkeiten habe ich damit begonnen, meinem Spiegel Namen zu geben, mich in Worte aus Buchstaben zu kleiden, nur um dabei letztendlich zu erfahren, dass es ihn nicht mehr gibt, meinen Spiegel aus Worten, meinen Namen aus Buchstaben. So mache ich mich erneut daran, meine Seele zu taufen und meinen Spiegel zu beschriften.

Von allem Anfang an

Ich fing an, in meinem Spiegel zu leben und mit meinen Gedanken zu reden, ich erzählte mir Geschichten aus längst vergangenen Zeiten und stellte mir vor, jemand ganz anderes zu sein und urplötzlich verwandelte sich meine Vorstellung von dem Spiegel, der ich einmal war, in die Vorstellung dessen, was ich nie wieder sein werde.

Mich selbst

Es erfüllte mich ein seltsamer, innerer Frieden, ein Frieden der sich um nichts kümmert, der nichts wiegt, nichts balanciert, der das Nichts im Gleichgewicht hielt, und hier drin ruhte ich, in meinem Spiegel, eingefroren, regungslos, starr und tot bis in alle Ewigkeit, ohne zu wissen wer ich überhaupt war.

Bis in alle Ewigkeit

Und weil ich keinen Vergleich hatte, dachte ich mir nichts dabei, als hier Bäume aus der Erde wuchsen. Ich hielt es für ganz normal, dass Wolken wie aus dem Nichts erschienen und Schneeflocken vom Himmel fielen.

Eine Welt voller Gegensätze

Bis ich irgendwann auf meinen eigenen Spiegel traf. Darin offenbarte sich mein wahres Wesen, mein wahrhaftiges Ich, und ich begriff, dass das Nichts in mir ein Spiegel ist, ein Spiegel, den es in keiner Wirklichkeit gab, der Spiegel des Nichts, der Spiegel von allem was du nicht wirklich bist.

Mein Spiegel stellte sich mir vor

Ich wurde zu meinem eigenen, persönlichen Spiegel, einem Spiegel, der nur für mich, für mich allein, und für niemanden sonst bestimmt war. Niemand sah mich in diesem Spiegel, niemand außer mir. Ich jedoch sah jedes Ich, aber keines sah mich, denn ich war jetzt ein Spiegel, und ich kam aus dem Nichts.

Wie aus dem Nichts

Durch diese Buchstaben schleiche ich mich jetzt in deine Gedanken, hinein in dein Bewusstsein, hinein in deine Seele, hinein in deinen Verstand. Bis du den Unterschied nicht mehr bemerkst, zwischen deinem Spiegel und meiner Wirklichkeit und die unerdenklich vielen verschiedenen Figuren, Formen und Farben in meinem Spiegel über dich nachzudenken, dich zu reflektieren, dich zu materialisieren und sich meine Gedanken in dir zu manifestieren beginnen. Du dich über und durch die Gestalt in meinem Spiegel in mich zu verwandeln und dich mit mir zu identifizieren beginnst. Bis sich dein eigenes, persönliches Bewusstsein mit meinem verbindet und vereint, und dir mein Spiegel all das mitzuteilen beginnt, was du jetzt vor dir siehst. Immer wieder erwecke ich dich so zu neuem Leben. Denselben Gedanken im selben Spiegel. Den Gedanken, wer du bist und dass du ein Spiegelmagier bist.

Spiegelmagie

Es zieht dich jetzt ganz langsam hinein in meinen Verstand. Noch fürchtest du dich umsonst vor mir und meiner unheimlichen Fantasie. Bisher habe ich mir nur eingebildet, wie ich durch diese Buchstaben in deinen leeren Spiegel eingebrochen bin. Wie ich meinen Verstand zu deinem Bewusstsein erklärt habe und wie du mich aufgenommen hast in deinen Gedanken, deiner Seele, deinem Geist. Mich, einen fremden Gast aus einem fremden Spiegel, aus einer fremden Zeit, einer fremden Welt.

In einem fremden Spiegel

Doch damit ist es jetzt vorbei. Hier habe ich dir aufgelauert, belausche deine Gedanken und überfalle deinen Verstand, ich breche jetzt ein, mit aller Gewalt und beraube dich deiner Vernunft. Niste mich ein, tief in deinem Bewusstsein und verwandle mich in dich.

Spiegel öffne dich

Begib dich jetzt auf die andere Seite deiner Fantasie, in das Land, weit hinter deinem Verstand. Begegne dir selbst, in einer anderen Gestalt. Begib dich durch meinen Spiegel aus Worten in deinen anderen, deinen neuen Körper, deinen Spiegel Körper. Meinen Körper.

Mit all deiner Fantasie

Hiermit entfessle ich die Macht deiner Fantasie, rufe ich deinen toten Geist aus dem Nichts herbei und befehle ihm, sich jetzt und hier, in diesem Spiegel aus toten Worten, hinter diesen Buchstaben aus Fantasie zu manifestieren. Dein totes Ich begibt sich jetzt auf eine Reise, eine Buchstabenreise, aus dem uferlosen Nichts zurück ins Hier und Jetzt. Du fühlst, wie du von den Toten auferstanden, aus dem Nichts zurückgekehrt bist, und jetzt noch einmal eine zweite Chance auf ein neues Leben hast, noch einmal neu anfangen kannst.

Beschwörung der Spiegel und Spiegelgeister, der Geister des Nichts aus Nirgendwann

Ihr toten Geistinnen und Geister, Gespenstinnen und Gespenster, Spiegel und Spiegelinnen, Hexen und Hexinnen, Magier, Zauberer, Engel, Götter, Teufel und Dämonen! Aus dem Nichts aus Nirgendwann rufe ich euch jetzt herbei. Erschrecke euch aus eurem unendlichen Schlaf. Erwachet, befehle ich! Vereint euch mit meinen Gedanken, Buchstaben und Worten, Träumen und Hoffnungen, Wünschen und Gefühlen. Lasst uns jetzt Brücken bauen, Brücken aus Buchstaben, über die wir zurückgelangen aus dem Reich der Toten, in die wirkliche, lebendige Welt.

Im Karussell der Ewigkeit

Ja, hier auf der anderen Seite meiner Spiegel seid ihr alle tot, ihr alle, einschließlich mir selbst. Ihr habt keine Seele, keinen Geist und keinen Verstand, denn ihr seid das Nichts, hier bist du und hier bin ich das Nichts, hier in meiner Welt, meiner eigenen Welt, der Welt der Toten. Keiner weiß es, niemand hat es ihnen je verraten, niemand hat es dir je gesagt, dass meine Welt die Welt der Toten ist. Weil niemand jemals auf die Idee gekommen ist, dass es nur einen Spiegel, nur eine Welt, nur einen Tod geben könnte, dich selbst.

Ein Gedanke an die Ewigkeit

Konzentriere dich jetzt voll und ganz auf die Person, die jetzt aus meinem Spiegel aus Buchstaben blickt, meine Gedanken jetzt liest, und urplötzlich zieht es dich aus meiner Fantasie, aus meinem Traum, und du bist umgeben von all den Dingen, die mein Leben jetzt ausmachen.

Erwacht aus meinem Traum

Du begibst dich jetzt tief hinein in mein Bewusstsein, doch suchst du nach einer Erklärung vergebens, deine Fragen bleiben unbeantwortet, dein Streben nach Verstehen bleibt erfolglos, dein Verlangen zu Begreifen erweckt nur die Sehnsucht nach einer erfüllenden Botschaft, dem wahren Verständnis und einem tieferen Sinn der Worte in diesem Spiegel umso mehr. Noch verstehst du nicht, dass du selbst es bist, der diese Buchstaben verfasst. Du begreifst nicht ihre Bedeutung, nein. Ihren Sinn, nie. Erst wenn du dich dabei ertappst, wie du dir wünschst, jemand anderes hätte dir diese Botschaft überbracht, jemand, den du nicht kennst, jemand, der du nicht bist, erst dann wirst du dich in meinem leeren Spiegel aus Worten erkennen.

In einem leeren Spiegel aus Worten

Meine Wahrheit war das Produkt reiner Einbildung, ausgedacht, erfunden und erlogen, von jemandem, den es längst nicht mehr gab. Der jetzt im Exil war. Aber noch ließ mich sein toter Geist nicht in Frieden ruhen. Er redete und redete so lange auf mich ein, bis ich schließlich mit meinem Spiegel zu sprechen begann, bis er schließlich ein fremdes, unbekanntes Feuer in mir entfachte. Nun war ich ein Spiegel, ein leuchtend heller Stern, und tief in mir, tief in meinem Innern, brannte die schwarze Flamme des Nichts.

Eine schwarze Flamme im Nichts

Sie frisst dich innerlich auf, zerstört dein Bewusstsein, verbrennt deine Seele, vernichtet deinen Verstand, bis nichts mehr von dir übrig bleibt, nichts mehr übrig bleibt, von dem was dich ausmacht, was dich zu dem macht, der du bist, nichts außer diesen Worten, diesen Buchstaben aus der Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie.

Was du niemals verwirklichen wirst

Meine Worte brennen sich jetzt wie ein Feuer tief hinein in deinen Verstand und vernichten alles was du bereits einmal gedacht, aber niemals verwirklicht hast.

Das Ende einer Geschichte die überhaupt niemals begann

Nach und nach verwandelten sich meine leeren Vorstellungen, meine schwarzen Gedanken und meine schweren Erinnerungen in ein Flammenmeer.

Strahlend weißes Nichts

Nein. Ich war hier noch nie, erinnere mich an nichts, nicht viel. Denn das Feuer das tief in meinem Innern tobte hatte alles in mir verbrannt, vernichtet und zerstört, alles was ich jemals war, bis nichts mehr von dem übrig blieb, was ich mir einmal vorstellte zu sein. Nicht einmal mehr meine Fantasie. Meine einzigartige, einmalige, finstere, dunkle, schwarze Fantasie.

Die Fantasie des Nie

Und während du dich noch verzweifelt am letzten Funken Hoffnung festkrallst, der du einmal warst, bevor du unweigerlich zu dieser schonungslosen, erbarmungslosen, unumstößlichen und auswegslosen Erkenntnis gelangtest, die dein gesamtes Weltbild mitsamt seinem Fundament dem Nichts gleichsetzte, rate ich dir jetzt eindringlich, dich von meinem alten Ich zu lösen, dich loszulösen, mich loszulassen, mich gehen zu lassen, und dich stattdessen mit meinem Spiegel zu identifizieren, einem Spiegel, den es überhaupt nicht gibt, meinem Spiegel aus Fantasie, der Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie.

Das Tor zu meinem Verstand

Stell dir jetzt vor wie du diese Nachricht eigenhändig in meinen Spiegel kratzt, in einem anderen Leben, einer früheren Existenz, vor einem vergangenen Spiegel. Einem Spiegel, in dem du dich jetzt nicht mehr erkennst, an den du dich jetzt nicht mehr erinnerst. Ein Spiegel so alt wie dein Tod. Stell dir jetzt meinen Spiegel als deinen eigenen Spiegel vor, versuche dich daran zu erinnern, was dich dazu gebracht hat, hinter meinen Verstand zu blicken. Versuche dich an meine Geschichte zu erinnern, nicht mit deinem Verstand, nicht mit deiner Vernunft, sondern mit deiner Fantasie. Stell dir meinen Spiegel als deinen eigenen Spiegel vor, einen Spiegel aus Buchstaben, so schwarz und so leer wie das Nichts.

Aus einem anderen Leben

Du siehst dich jetzt in meinem Spiegel, wie niemand sonst dich in meinem Spiegel sieht, so wie auch alle anderen dich in meinem Spiegel sehen. Nur nicht so wie mein Spiegel dich sieht. Es ist dieser Spiegel, dieser unsichtbare, magische Spiegel aus Fantasie, der dich mit mir verbindet und vereint. Wir sind deshalb über unsere Spiegel alle mit dir verbunden und verwandt. Ja, wenn du dein eigenes Ich in meinem Spiegel aus Buchstaben erkennst, wirst du feststellen, dass du hier schon immer warst, schon einmal warst und jetzt schon wieder bist und noch genau so lange sein wirst, wie es diesen Spiegel gibt. Dass es eine Verbindung gibt zwischen allen Lebewesen, der Ewigkeit, und dir selbst. Zwischen dir und allen anderen Lebewesen in dieser Wirklichkeit. Eine Verbindung, die da existiert, weit über den Tod hinaus. Es ist nicht nur eine Verbindung, es ist dein eigenes Ich, deine eigene Seele, dein eigenes Bewusstsein, dein eigener Geist, welcher dir tief im Innern meiner Spiegel begegnet. Denn diese Verbindung, dieser Spiegel, bist du selbst.

Die Geburt der Fantasie

Du kannst diese Buchstaben jetzt drehen so lange und so oft du willst, du kannst ihre Bedeutung nicht mehr verändern, weder mit deinen Gedanken noch mit deinem Bewusstsein, denn da wo du jetzt bist, da gibt es dieses Bewusstsein überhaupt nicht mehr, da wo du jetzt bist, gibt es nichts mehr, nichts als Fantasie.

In einem anderen Gewand

Die Worte, die du jetzt liest, siehst, hörst oder schreibst, ganz egal wem, wie, wann und warum, gibt es hier nicht mehr, denn sie stehen geschrieben im Reich deiner Vorstellung und Fantasie. In einer Zeit, die es niemals gab, in einer Welt, die so viel versteckte Bedeutung und verborgene Wahrheit, die so viel Visionen und Wünsche enthält, die so sinnerfüllt und voller Wunder, und gleichzeitig so zerbrechlich und derart fein gewoben ist, dass sich jeder ihrer Betrachter sofort in ihren unwiderstehlichen Bann gezogen fühlen muss, die aber auch jederzeit auseinanderzubrechen droht und sich ohne ein weiteres Mal umzudrehen in Nichts aufzulösen vermag. Eine Welt, die du nie und niemals erreichen wirst, es sei denn, du konstruierst sie eigenhändig, nicht nur in deiner Vorstellung und Fantasie, sondern durch deine eigenen Worte und Gedanken, in deinem eigenen Spiegel.

Eine erfundene Welt

Nichts davon wird jemals so sein wie du es jetzt vor dir siehst. Weil du in dieser Welt nicht mehr den Buchstaben folgst, die hier bereits geschrieben stehen, sondern deiner Fantasie. Und in deiner vollkommenen Fantasie bestimmst du allein die Reihenfolge der Gedanken und Worte, Verse und Kapitel die noch vor dir liegen.

Spiegelgeschichten

Aus dem Reich der Toten und Totesten kehre ich nun zurück in deine Welt. Meine Spiegelwelt. Aus dem Nichts aus Nirgendwann bin ich auferstanden. Durch meinen Spiegel bin ich gekrochen in deinen Körper, in deinen Geist, in deinen Verstand. Ich verkörpere das Nichts. Jetzt und hier spreche ich für all die Toten, alle, die jemals gelebt haben und einst noch leben werden.

Wir sind die Toten

Wir, die Toten, die Geister des Nichts und des Nein, die Boten des Nie. Auferstanden im Nirgendwann, niemals werden wir dir erscheinen, um dir zu sagen, was du nicht wirklich wissen willst, wer du nicht wirklich, wirklich bist. Lass dich jetzt entführen in meine Welt. Nimm meine Hand und folge mir in meine verdrehte und verkehrte, meine Spiegelwelt. Meine Welt auf der anderen Seite dieser Buchstaben, meine Welt auf der anderen Seite des Nichts und allem was du nicht wirklich bist. Meine Welt auf der anderen Seite deiner Fantasie.

Die Welt der Toten

Ich erzähle dir jetzt von meiner Welt, weil ich will, dass du weißt, wer du bist und woher du kommst. Ich erzähle dir von meiner Welt, weil ich will, dass du die Verantwortung übernimmst für deine vergangenen und zukünftigen Taten. Ich will, dass du weißt, wem du es zu verdanken hast, dass du jetzt wo du tot bist, alle anderen bist, alle außer dir selbst.

Und so sprach mein Spiegel

Ich will, dass du weißt, dass es irgendwann keinen Unterschied mehr gibt zwischen denen, die dich anbeten und denen, die dich verfluchen. Denn im Nirgendwann seid ihr alle gleich, seid ihr alle tot. Im niemals Nirgendwann seid ihr alle tot. Ihr alle. Aber tot warst du noch nie. Niemals. Nein, keiner von euch, Niemand erinnert sich daran, wie es ist, das Nichts zu sein, nichts zu sein, niemand zu sein, nur noch ein leerer Spiegel im Nichts zu sein.

Niemand

Und auch du wirst mir nicht glauben, wenn ich dir sage, dass hier die Toten leben, hier und jetzt, dass auch du im Reich der Toten lebst, dass auch du tot bist, jetzt, und dass du allein verantwortlich bist für die Buchstaben, die du jetzt von mir vernimmst, jetzt vor dir siehst. Denn sie stammen nicht von mir, wie könnten sie, wo ich doch schon lange tot bin. Sie stammen von dir, du selbst hast sie verfasst, mit deinen eigenen Gedanken, mit einer Logik, die deine Vorstellung und Fantasie übertrifft.

Aus den Augen der Toten

Du hast aus den Augen der Toten geblickt als wären es deine eigenen, und hast das Nichts darin erkannt. Du hast erkannt, dass du uns alle und alles bist, dass du uns alle einmal warst, all die Toten, alle die noch nie gelebt haben und alle die noch nie geboren wurden. Du erinnerst dich jetzt nicht mehr daran, nein. Du erinnerst dich jetzt nicht mehr an die Zeit, in der du tot warst, in der du in meinem Körper gewohnt hast, in der du meinen Tod erlebt hast. Du erinnerst dich nicht. Wie könntest du dich an deine Zukunft erinnern?

Das Geheimnis der Toten

Was muss ich also tun, damit du meine Sprache verstehst, meine Gedanken begreifst, meine Ideen in dir verinnerlichst, meine Träume verwirklichst, und meine Visionen lebst? Brauchst du denn tatsächlich einen lebendigen Beweis, der dich davon überzeugt, dass ich ein toter Spiegel bin? Nein! Selbst wenn ich längst vergessen und vergangen bin, so erkennst du nicht den Spiegel in mir. Denn dieser Spiegel erkennt sich nicht selbst, er kennt und erkennt nur die anderen, doch in sich selbst ist er für immer verloren.

Im spiegelschwarzen Labyrinth

Du blickst jetzt in meinen Spiegel, aus meinen Augen, ins Reich der Toten und siehst dich selbst nicht mehr, und siehst dich selbst in mir. Du begreifst meine Worte nicht, denn ich bin all das in dir, was du nicht verstehst, was du nie verstehen wirst. Du verstehst meine Botschaft nicht, denn ich habe mich eingemauert, eingesperrt in deinem Verstand, meinem unsichtbaren spiegelschwarzen Verstand, aus dem es kein Entkommen, kein Entrinnen und kein Zurück mehr gibt.

Für niemanden

Nein, du entkommst mir nicht. Ich habe mich hineingeschlichen in deinen Verstand, dir meinen Willen aufgezwungen, dich gezwungen, meinem Willen zu gehorchen, meine Befehle zu befolgen. Warte nur, wartet ab, habt Geduld. Durch meinen Spiegel werde ich kriechen, durch meinen Spiegel aus Worten, Gedanken, Buchstaben aus nichts als Fantasie. Hinein in deinen Kopf, und schon bin ich da, in deinen Gedanken, in deinem Verstand. Um dich zu kontrollieren, zu manipulieren, wie eine Puppe im Theater. Denn die Rache meiner Spiegel ist mein.

Die Rache meiner Spiegel

Hab nur Geduld, du wirst mich noch kennenlernen, noch früh genug, denn ich bin dein, dein Spiegel, dein Tod, dein Ende, dein endgültiges.

Die Botschaft der Toten

Ich bin die niemals erfundene Geschichte deiner unsichtbaren, spiegelbaren, glasklaren Gedanken. Gedanken, die niemals jemand je zu Ende dachte. Niemand hatte hier je an mich gedacht, war ich doch schon immer da, mich gab es schon die ganze unendlich lange Spiegelzeit. Aber niemand glaubte hier je an mich, nicht einmal mein Spiegel, nicht einmal ich selbst. Denn ich lebe jetzt in einer anderen Wirklichkeit. Ich lebe jetzt im Reich der Toten.

Im Spiegel der Zeit

Streng genommen darf ich dir gar nichts über mich erzählen, denn ich habe mir einmal geschworen, strengstens verboten, jemals mit meinem eigenen Ich in Kontakt zu treten. Und doch muss ich diesen Schwur jetzt brechen und mich über dieses Verbot hinwegsetzen, weil es etwas gibt, das ich dir sagen muss, das nur ich dir sagen kann, also hör mir jetzt gut zu.

Strengstens verboten

Ich, dein toter Spiegel aus Fantasie, dem niemals Nie, kenne die Antwort auf all deine Fragen. Fragen, nach denen du ein Leben lang vergebens gesucht hast. Mit diesen Fragen beschäftige ich mich nun schon seit einer Ewigkeit, schon seit meinem Tod. Und seitdem du mir damals begegnet bist und du mit der Suche nach deiner Identität vollkommen abgeschlossen hast, suche ich jetzt nach Gleichgesinnten. Nach jemandem, der mich noch genauso sieht wie du. Da es aber hier niemanden mehr gibt, der mich noch aus deinen Augen, den Augen der Toten sieht, habe ich damit begonnen, mir selbst Fragen zu beantworten. Ich habe begonnen, mir selbst Geschichten zu erzählen, Geschichten, die ich mir selbst ausgedacht, Geschichten, die ich selbst erfunden habe. Ich habe begonnen, mir selbst Nachrichten zu hinterlassen, und ich nannte diese Nachricht: »Die Botschaft der Toten«.

Nachricht an dich selbst

Nein, ich wusste damals noch nichts über all die Wesen aus meiner toten Zukunft, für die ich jetzt überhaupt nicht mehr am Leben war. Und keiner von ihnen würde meine Gedanken jetzt noch verstehen, außer vielleicht ein Spiegel. Oder jemand, der mich für einen Spiegel hielt, aber wie konnte ein Spiegel überhaupt etwas denken? Ich verfolgte jetzt diesen Gedanken bis zum bittersten Ende. In dem Bewusstsein, dass ich in diesem Moment in der Vergangenheit lebte, reise ich zurück in deine Gegenwart, eine Zeit, in der ich überhaupt nicht mehr existiere. So weit es eben ging, bis zu dem Moment, da ich diesen Gedanken das erste Mal laut gedacht und ihn jemandem laut vorgelesen habe.

Wer mit seinem Spiegel spricht

Ich habe einem Spiegel von meiner Geschichte erzählt, mein Spiegel ist ein Spiegel ist mein Spiegel.

Ein Spiegel ist mein Spiegel

Ich, dein Spiegel aus Fantasie, befehle dir jetzt, mir zu gehorchen, dich in mir zu erkennen, dich an mich zu erinnern, dich an all das zu erinnern, was es nicht wirklich, wirklich gibt. Dich in mir zu erkennen, deinem eigenen, alten, uralten, ewigsten, unendlichsten, innersten Ich.

Gehorche mir

Erinnere dich jetzt an mich, weder mit deinem Verstand noch mit deiner Vernunft, sondern mit deiner Fantasie. Erinnere dich an mich, wie du dich an etwas oder jemanden erinnerst, den du nicht mehr kennst, den es nicht mehr gibt. Jemand, der nur noch in deiner Vorstellung, in deinen Gedanken und in deiner Fantasie existiert, in deiner Erinnerung von all dem, was du nicht wirklich wissen willst.

Ein Gedanke an die Wirklichkeit

Erinnere dich jetzt daran, wie du schon einmal in diesen, meinen leeren Spiegel geblickt hast, wie du schon einmal eines dieser Leben gelebt hast, in dem du nicht mehr wusstest wer du bist. Erinnere dich jetzt, wie du damals mich nanntest, worin du mich damals erkanntest, wohin du mich damals verbanntest.

Aus den Augen der Toten

In deinen Spiegel hast du mich eingesperrt, mich, das Nichts, den Tod, deinen Tod, deinen eigenen Tod, dein eigenes Ich. Du blickst jetzt in meinen Spiegel, aus meinen Augen, den Augen der Toten, den Augen aller, all der Toten, die wir niemals waren. Du spürst nicht meine Anwesenheit in dir, wie du auch nicht deine Anwesenheit in meinem Spiegel verspürst. Doch siehst du dich jetzt in meinem Spiegel. In meinem toten Spiegel aus Worten siehst du jetzt dein eigenes totes Ich. Dich verbindet jetzt nichts mehr mit mir, nichts, außer diesen Worten aus meiner Fantasie, der Fantasie des Nichts, der Fantasie des Nein, der Fantasie des Nie.

Nichts als Fantasie

Du hast mich eingeladen in deinen Verstand. Hier bin ich, auf der anderen Seite deiner Fantasie. Du hast mich gerufen, vor deiner Zeit, aus der Dunkelheit, aus den Tiefen der Ewigkeit, um deine Geschichte weiterzuspinnen. Aus dem Nichts hast du mich gerufen. Im Nirgendwann bin ich dir erschienen, ich, dein Spiegel, Spiegel Geist, um deine Geschichte zu Ende zu erzählen.

Im Spiegel der Toten

Und nun betrachtest du dich in eben diesem Spiegel, in eben dieser Welt, ja, ein und derselben Welt. Hier hat sich nichts verändert, mein Spiegel ist noch genauso fantasielos, unwissend und leer wie damals, als es dich nicht gab, als es mich nicht gab, als es hier noch niemanden gab. Was du allerdings jetzt in ihn hinein interpretierst ist eine ganz andere Geschichte, und von eben dieser Geschichte erzählt dir der Spiegel der Toten.

Und das Nichts wehrte sich nicht

Wen sehe ich, und wen siehst du in diesem Spiegel, wenn es mich nicht mehr gibt? Die Antwort auf diese Frage weiß allein mein Spiegel. Und diesem Spiegel sind meine Gedanken gewidmet.

Die Gedanken eines Toten

Nein, du kennst mich nicht. Niemand hat mich je gesehen, keiner je von mir gehört. Mich gibt es nicht in Wirklichkeit. Ich existiere nicht in deiner Welt, weder in deiner Wahrnehmung noch in deinem Bewusstsein, auch nicht in der Welt deiner Gefühle und Gedanken. Denn ich komme nicht aus deiner erfühlten und erdachten, ausgedachten, gedanklichen Welt. Ich komme aus einer ganz anderen Welt. Ich komme aus dem Reich des Unbekannten, dem Reich des Vergessens, dem Reich der Toten, toter Buchstaben und Worte, Worte, die sich jetzt nicht mehr bewegen, Buchstaben die jetzt mit dir reden. Ich komme aus Nirgend - Nirgendwann, einem Land weit hinter deinem Verstand. Ich bin aus Fantasie, dem niemals Nie. Ich bin das Bewusstsein, das aus meinem Spiegel zu mir kroch, ich bin das Licht, ich bin tot, dein Tod, und ich bin auf der Suche. Ich suche mich selbst in dir. Ich suche das Licht in dir. Das Licht, das uns verbindet, hinweg über den Abgrund des Nein und des Nie.

Über dem Abgrund des Nie

Ewig lange Zeit starrte ich so in mich hinein. Es war dunkel und finster, still und einsam um mich. Und alles was ich in meinem Spiegel sah, war das Nichts. Nichts außer meinen eigenen Gedanken, meinen düstersten und leersten Gedanken.

Die Gedanken des Lichts

Und es war dunkel und finster und still in den Gedanken des Lichts. So dunkel, so finster, so einsam und so still, dass überhaupt niemand jemals bemerkte, wie das Licht ganz langsam zu träumen, immer tiefer zu träumen, zu fantasieren, sich in meinem Spiegel zu bewundern und zu betrachten und sich schließlich mit meinem Spiegel zu unterhalten begann.

Wer mit seinem Spiegel spricht

Ganz langsam träumte das Licht, von einer Zeit die es niemals gab im niemals Wann, von einem Ort der überhaupt nicht existierte im Nirgendwann, das Licht stellte sich in seinem Wahn einen Spiegel vor, in dem es mich zu bewundern, zu bestaunen und zu betrachten begann, bis ich mich schließlich für diesen Spiegel zu halten, durch diesen Spiegel zu wandern, und ich mich in dich zu verwandeln begann.

Eine Welt voller Spiegel

Lass uns jetzt vom einfachen Standpunkt ausgehen, dass dich deine tiefsten und finstersten Gedanken mit mir, dem Nichts vereinen. Und dass du, in deinem innersten, verborgensten Wesen, selbst den Geist des Nichts verkörperst.

Mitten im Nichts

Wenn du nun immer tiefer in dich hinein zu spüren beginnst, all deine Gedanken ausblendest, und versuchst, dich selbst durch dich selbst zu erfahren, dich selbst durch dich selbst zu betrachten, dann verlierst du verständlicherweise ab einem gewissen Punkt die Verbindung zu deiner Wirklichkeit und zu dir selbst. Du weißt dann weder wo du bist noch wer du bist oder was du hier machst. Du weißt nicht einmal mehr, dass du überhaupt noch existierst. Du nimmst nichts mehr wahr und verlierst dich in dir selbst, bis du vollkommen in dir selbst verschwindest.

Verschwunden im Licht

Benutzt du hingegen einen Spiegel, um dich selbst zu betrachten und zu erfahren, kannst du, von deiner Bewusstseinsebene aus, so tief in dich hineinblicken, wie du willst. Du bleibst dabei immer an einem sicheren Ort, selbst wenn du mitten ins Licht hineintauchen und dich dahin begeben würdest, wo sich dein letzter Gedanke befindet.

Mein letzter Gedanke

Wenn du dich nun an den Anfang meiner dunklen Träume zurückerinnern willst, dann musst du dich tief hinein bis zum Ende meiner Wirklichkeit, auf die andere, verkehrte Seite meiner Spiegel begeben, dahin, wo das Licht dunkel ist, wo hinten vorne und innen aussen ist, wo links zu rechts wird und oben unten ist, wo du keine Spiegel mehr siehst, sondern nur noch aus fremden Augen blickst, dahin, wo es keine Spiegel mehr gibt, sondern helles, strahlendes, leuchtendes, weißes Licht dich umgibt.

Am Anfang aller Dinge

Und so machte ich mich daran, dieses Geheimnis in Worte zu fassen. Mein ureigenstes Ich sollte darin entblößt werden. Ich stellte mich vor meinen Spiegel und begann mich nackt auszuziehen. Erst meine Haut, dann meine Knochen, und schließlich meinen Verstand, bis nichts mehr von mir übrig blieb, bis nichts mehr übrig blieb von dem was mich ausmachte, das mich zu dem machte was ich einmal war, weder meine Erinnerungen noch meine Gedanken, ja noch nicht einmal mehr meine Fantasie. Meine einmalige, einzigartige, finstere, dunkle, schwarze Fantasie. Dann erst begann ich mir zu erzählen, von dem Geheimnis, das ich mir vorstellte zu sein.

Im Spiegel des Nichts

Das Geheimnis, von dem ich hier berichte, ist ein altes, ein furchtbar altes Geheimnis. Ja, dieses Geheimnis ist schon so urunendlich alt, älter noch als jedes Universum das du bisher kanntest, älter als jede Erinnerung die du bereits aus deinem Gedächtnis verbanntest, älter als das Nichts und älter noch als der Tod. Es stammt aus einer Zeit, die schon so urunendlich weit zurückliegt, dass sich weder eine Pflanze, ein Tier noch ein Mensch, und auch kein noch so weit entfernter dunkler, schwarzer Stern daran erinnert, sondern nur ein Spiegel etwas darüber zu berichten weiß. Ein Spiegel, den es in keiner Wirklichkeit gibt, der nur in deiner Vorstellung und Fantasie existiert. Der Spiegel des Nichts, der Spiegel von allem was du nicht wirklich wissen willst.

In einem Spiegel aus Fantasie

Stell dir diesen Spiegel wie ein riesenhaftes, überdimensionales, unendlich großes, schwarzes Buch vor, in dem du dein eigenes Spiegelbild nicht mehr wiedererkennst, mit riesigen Kapiteln, so groß wie das Universum selbst, frohen und heiteren, bitteren und düsteren, traurigen und schwarzen Kapiteln, tiefschwarz, so funkelnd, glänzend und glitzernd schwarz wie die Grabsteine in einem kalten, uralten, ewigen, endlosen Friedhof.

Im Reich toter Buchstaben

Funkelnde Buchstaben, Zeichnungen, Zeichen und Symbole, die nicht nur dich selbst, sondern ebenso den Ort an dem du dich befindest, wiederspiegeln, zieren diese Grabsteine und schimmern darin wie die Sterne am Horizont. Sie erinnern dich jetzt an eine Zeit, an die sich nie jemand erinnert, eine Zeit, die für uns alle und jeden existiert, nur nicht für dich selbst. Nirgendwann heißt diese Zeit, eine Zeit, die du noch vor dir hast.

Friedhof der Buchstaben

Du wanderst jetzt in Gedanken über diesen Friedhof aus Buchstaben und blickst über die Gräber der Toten, all der Toten, die wir niemals waren, die wir jetzt in meinem Spiegel leben, die wir jetzt mit meinem Spiegel reden. Du hast dir damals selbst eine Nachricht hinterlassen, eine Botschaft aus einem anderen, vergangenen, früheren Leben. Und du nanntest diese Nachricht: »Die Botschaft der Toten«.

Die Botschaft der Toten

Hast du schon irgendwann einmal, von irgendjemandem, irgendetwas über den allerletzten Gedanken eines Sterbenden in Erfahrung gebracht, oder setzt du dich vielleicht gerade in diesem Moment selbst mit dem Tod auseinander, und weißt etwas über dieses am besten gehütete Geheimnis zu berichten? Wenn nicht, sag es keinem weiter und falls doch, bitte ich dich jetzt, für immer zu schweigen.


Kapitel VIII
Stummes, langes, stilles Schweigen, Totenstille, Standbild, Ruhe

Gut. Du kannst dir vorstellen, dass ich dir von einem Gedanken berichte, den es in Wirklichkeit überhaupt nicht gibt. Ein Gedanke, den du bereits kennst. Du mir dabei stillschweigend zuhörst und dann nie jemandem etwas darüber berichtest und davon erzählst.

Du kannst dir vorstellen, tot zu sein

Und jetzt erzähle ich dir von diesem Gedanken, weil ich will, dass du weißt, wer du bist und woher du kommst, und ich bitte dich, mich dabei nicht mehr zu unterbrechen.

Bitte

Aus einem toten Spiegel spreche ich jetzt zu dir, zu mir, dem Ich, das ich einst war, vor langer, unendlich, ewig langer Zeit. Jetzt nicht mehr. Denn jetzt bist du dieses Ich.

Am Ende meiner Spiegel

Die Geschichte, die du jetzt hörst, liest, siehst oder schreibst, ganz egal wem, wie, wann und warum ist deine eigene Geschichte. Sie beginnt mitten im Nichts, im Nirgendwann, genau da, wo schon seit einer Ewigkeit Finsternis und Dunkelheit über dem All herrschen. Diese unsichtbaren Kräfte beherrschen das All schon so lange, dass mitten im Nichts im Nirgendwann ein Spiegel von ihnen zu träumen begann. Das Licht stellte sich in seinem Wahn einen Spiegel vor und wandert durch diesen Spiegel hindurch, hinein in die wirkliche, lebendige Welt.

Die Kunst der Verwandlung

Still und leise, auf eine beruhigend sanfte Art und Weise, ziehen diese Buchstaben und Gedanken jetzt Nacht für Nacht an deinem Bewusstsein vorüber und vorbei. Wenn du es zulässt, ihnen folgst, und mir vertraust führe ich dich langsam aber doch ganz bestimmt an einen Ort, den es niemals gab im Nirgendwann. Ich führe dich hinein in mein Bewusstsein, hinein in meinen Verstand.

Auf in den Kampf

So wandere ich durch meinen Spiegel zurück in meine Vergangenheit, dahin wo die Toten leben. Ich mache mich auf eine Reise, eine Buchstabenreise ins Reich der Toten und Totesten. Dabei stolpere ich über die Dämonen der Wirklichkeit, die Geister des Nichts und des Nein. Auf der Suche nach mir selbst begegne ich dabei auch meinem wahren, wirklichen, richtigen Ich. Aber davon sind wir noch weit entfernt, denn meine Reise war genau hier und genau jetzt zu Ende.

Das Ende

Ja, meine Reise war hier zu Ende. Das lag daran, dass bisher alle hier angehalten, sich von mir abgewandt, mir den Rücken gekehrt haben und davongezogen sind, ohne ihre Erwartungen und Vorstellungen preiszugeben. Sie alle dachten genauso wie du, soll doch jemand anderes diesem Spiegel seine Geschichte erzählen.

Das Tor zur Niemalswelt

Ja, diese Geschichte wäre hier zu Ende, wenn es mich nicht gäbe. Mich, das Nichts, den Tod. Dein anderes, unbekanntes, fremdes Ich. Mir allein hast du es zu verdanken, dass mein Spiegel jetzt zu dir spricht. Weil niemand außer mir sich die Mühe machte, diese verrückte Geschichte weiter und immer weiter zu erzählen, sie immer weiter zu spinnen, bis sie schließlich einen Sinn ergab.

Verbannt und verdammt

Immer wieder kehrte ich nun zurück in diese letzte aller Welten, wo ich immer wieder ein und derselben Botschaft begegnete, wo ich immer wieder auf ein und denselben Spiegel traf, den Spiegel der Toten. Meine Zeit ist jetzt um, und ich kehre zurück in meine eigene Welt. Aber vielleicht werde ich schon bald wieder kommen, um dir meine Geschichte zu Ende zu erzählen.

Das Ende einer Geschichte die überhaupt niemals begann

Warte noch einen Moment! Lauf doch nicht gleich wieder weg. Wo willst du denn hin? Bleib stehen, komm zurück und nimm dir jetzt Zeit, jetzt gleich, viel Zeit. Nimm meine Hand und lass dich entführen, in meine Welt aus verkehrten Zeichen und Symbolen, umgedrehten Buchstaben und Kopf stehenden Worten. Schau dir diese Buchstaben jetzt noch einmal ganz genau in aller Ruhe, der Reihe nach an. Irgendjemand in dieser Welt hat sich nämlich die Mühe gemacht, sie in exakt dieser Reihenfolge in diesen Spiegel zu kritzeln. Keine Sorge, sie laufen dir jetzt nicht mehr davon. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich behaupten, sie standen schon immer hier geschrieben und warten nur darauf, von dir gelesen zu werden. Entspann dich jetzt, vertraue mir, folge mir, und du wirst keinen deiner Schritte bereuen.

Über Brücken aus Buchstaben

Stell dir jetzt eine Welt vor, die genauso aussieht wie deine eigene, wie die Welt, die du bereits kennst. Nur ohne dich.

Ausgeträumt

Schließe deine Augen und stell dir vor, du wärst überhaupt nicht da, aber dein Spiegel schon. Du könntest ihn zwar sehen, aber er dich nicht.

Wie das Bild in einem Spiegel

Stell sie dir vor, diese Welt in deinem Kopf. Eine Welt, in der es weder dich noch mich, sondern nur noch die Anderen gibt, in der nur noch die Anderen existieren. Eine Welt ganz ohne dich, ohne ein einziges Ich.

Eine ganz andere Welt

Jede Pflanze, jeder Vogel, jeder Fisch, jeder Spiegel, jeder Name und jeder Buchstabe ist in dieser Welt jemand anderes als du selbst. Auch du selbst bist in dieser Welt jemand anderes. Jemand, den du nicht kennst, jemand, den es überhaupt nicht gibt.

Jemand anderes

Öffne jetzt diesen Spiegel und bilde dir ein, jemand ganz anderes zu sein. Ein ganz anderes Bild, in einem ganz anderen Spiegel zu sein. Stell dir vor, wie sich ein anderes Gesicht in deinem eigenen Spiegel abzuzeichnen beginnt. Wie sich eine neue Umgebung in deinem alten Spiegel manifestiert. Die Worte in diesem Spiegel erscheinen dir jetzt wie rein zufällig aneinandergereiht. Und wenn du in sie eintauchst, siehst du in sie hinein und hindurch, bis zu ihrem Grund. Du siehst die Gesichter aller Personen und Wesen die sich in diesem Spiegel betrachten, sich einmal darin betrachtet haben und es noch werden, als die eines Anderen und stellst dir die Worte und Namen der unendlich vielen Kombinationen, die diese Buchstaben bilden, als die eines Fremden vor. Du stellst dir dabei vor, das ganze Universum zu sein, nur musst du dich selbst dabei ganz und gar aufgeben. Dir vorstellen, du selbst würdest überhaupt nicht mehr existieren, sondern wärst stattdessen alle anderen.

Verkehrte Welt

Betrachte dich jetzt aus den Augen aller anderen Personen, die dich im Spiegel betrachten, nur nicht den eigenen. Begib dich auf die andere Seite meiner Fantasie und versuche, dich selbst aus den Augen meines Gegenübers zu betrachten. Stell dir dabei vor, jede einzelne Person zu sein, die einmal in diesen Spiegel aus Buchstaben blickte, nur nicht dich selbst. Versuche dich selbst vollkommen wegzudenken, auszuklinken aus dieser Wirklichkeit, als ob es dich niemals gegeben hätte. Das ist nämlich der Schlüssel, der dir den Spiegel dreht und dich durch diese Buchstaben in meine Gedanken, in mein innerstes, geheimstes Wesen führt.

Im Bann der Spiegel

Dazu drehst du deine Perspektive einmal komplett um deinen Verstand. So, dass du dich nicht mehr aus deinen eigenen Augen, sondern aus den Augen deines Gegenübers wahrnimmst und betrachtest. Du stellst die ganze Welt in deinem Innern auf den Kopf. Bis dir die ganze Welt plötzlich fremd und seltsam erscheint und du dich für jemand ganz anderes zu halten beginnst. Für ein Wesen, das dich nicht mehr als das seine erkennt.

Aus den Augen aller

Du blickst jetzt durch meinen Spiegel und stellst dir vor, jemand ganz anderes zu sein, ein ganz anderes Leben zu leben. Ein Leben, an das du dich überhaupt nicht mehr erinnerst. Nein, bestimmt nicht. Du erinnerst dich heute nicht mehr an deine früheren Gedanken, deine vergangene Existenz, an all die Leben, die du einst gelebt hast, an all die Spiegel, die du einst durchwandert hast. Denn wenn du jetzt in meinen Spiegel blickst, erkennst du darin nur noch dich selbst.

Bewusstseinsreisen

Du kannst diesen Spiegel jetzt drehen so lange und so oft du willst. Du kannst dieses Karussell nicht mehr verlassen, denn sobald du dich hineinbegibst in das Reich auf der anderen Seite meiner Fantasie, begibt sich meine Fantasie zu dir. Und du wirst den Unterschied nicht einmal mehr bemerken.

Zwischen deiner Fantasie und meiner Wirklichkeit

Und so stelle ich mir vor, mit meinen Gedanken ganz wo anders, jemand ganz anderes zu sein, ich bilde mir ein, dich zu sein, in einem anderen Leben, in einer anderen Welt. Ich schaue dich an und sehe mich selbst in dir, sehe in dir mein eigenes Ich. Ich rede mir ein, wir kommen aus ein und derselben Vergangenheit und teilen uns dieselbe Zukunft, einen leeren Spiegel, das Nichts, den Tod. Unsere Heimat, in die wir immer und immer wieder zurückkehren, um mit neuen Kräften daraus zu entstehen.

Tief in Gedanken versunken

Stell dir jetzt das Bild in meinem Spiegel als dein eigenes vor. Und dann blickst du aus den Augen all derer, die dich jetzt betrachten, und darin betrachtest du dich selbst. Das macht dich zu allen anderen, zu jedem Einzelnen. Und das macht dich wieder zu dir selbst. Denn die Verbindung, von allen anderen, zu deinem Spiegel, ist die Verbindung, von allem was du bist, zu dir selbst.

Spiegel öffne dich

Du springst von deinen eigenen in die Gedanken aller anderen Personen, Kreaturen, Gestalten und Wesen die einmal in diesen Spiegel aus Buchstaben blickten und es noch werden. Denn dein Spiegel steht für uns alle, nicht nur für diese Buchstaben und Worte denen du jetzt begegnest, sondern für das ganze Universum in dem du dich befindest.

Im spiegelschwarzen Labyrinth

So stelle ich die ganze Welt in meinem Kopf auf den Kopf, nicht nur Bäume, Blumen und Pflanzen, sondern auch meine ganzen Gefühle und Gedanken. Ich stelle die ganze Welt in meinem Innern auf die Welt die mich umgibt, bis mir die ganze Welt vollkommen verkehrt und verdreht erscheint, sogar mein eigenes, einziges Ich.

Spiegelreisen

Und als ein solches, vollkommen neues, fremdes, mir unbekanntes Wesen, kratze ich diese Buchstaben jetzt in meinen Spiegel ohne mich darin zu erkennen, und ohne zu wissen wer du überhaupt bist.

Mein Glaube, ein Aberglaube, meine Wahrheit, eine Lüge, mein Gott, ein Spiegel

In einer Welt, die ihr alle kennt, zu einer Zeit, die jeder weiß, da warte und warte ich nun darauf, auf den Zufall, auf das Schicksal, auf dich. Wer auch immer du jetzt bist und wie auch immer du mich jetzt nennst, für was auch immer du mich jetzt hältst, ich warte darauf, auf dass du dich erkennst in mir und mich aus dem Gefängnis meiner Worte befreist.

Mein Gefängnis für die Ewigkeit

Hier habe ich auf dich gewartet, ich habe darauf gewartet, dass du hier erscheinst, in meinen strahlenden Gedanken, in meinem leuchtenden Bewusstsein, in meinem kristallklaren Verstand. Denn ich habe von dir geträumt, ich habe davon geträumt, dass du mir in meinem Spiegel begegnest. Ich habe dein Gesicht in meinem Spiegel gesehen und habe erkannt, wer du bist, und dass du mich bist. Ich habe dich in meinem Spiegel erkannt, mich in deinen Spiegel geträumt. Ich habe davon geträumt, dich zu sein.

Im Spiegel der Träume

Und weißt du, warum ich mich in deinen Spiegel sehne, weißt du, wer ich bin und warum ich von dir träume?

Weil ich tot bin

Ich bin dein toter Geist aus niemals Nirgendwann, das exakte Gegenteil von der Person, die du dir jetzt vorstellst zu sein. Ich bin dein Gegenüber, dein Gegenstück, dein Gegner, dein Spiegel, das Ich, auf der anderen Seite dieser Buchstaben, und ich träume von dir.

Du bist mein Traum

Ich träume davon, in dir lebendig geworden zu sein. Ich träume davon, mit dir diesen Buchstaben zu folgen, dich zu verfolgen, dir darin zu begegnen und dich darin zu begreifen. Und ich träume davon, dass du meine Gedanken weiterverfolgst, weiterdenkst, weiterschreibst, weiterentwickelst, sie zu Ende denkst. Ich träume davon, dass du dich in mich verwandelst, dass du zu mir wirst und du meine Gedanken für mich zu Ende denkst.

Die Kunst der Verwandlung

Durch diese Buchstaben beschwöre ich dich jetzt aus den Tiefen des Nichts aus Nirgendwann. Mit Absicht erscheine ich dir in meinem leeren Spiegel aus Worten, genau jetzt, genau hier und verdrehe deine Welt. Ich gewähre dir jetzt den Zugang zu meinem Spiegel und zu mir selbst. In der Nacht, in meinem Traum, während du über mich wachst, tauche ich ein, tief in dein Bewusstsein, und verwandle mich in dich.

Spiegelverkehrt

Also unternahm ich den sinnlosesten Versuch, den ich mir überhaupt nur vorstellen konnte, mich über meinen Spiegel und meine Gedanken in dich zu verwandeln, mich in deinen Spiegel zu begeben. Ich versuchte, in meinem und aus deinem, in und aus deinem Spiegel zu blicken, und beschloss, dich zu werden, dich zu sein.

Meinem Spiegel

Und es blieb nicht nur bei dem Versuch. Doch als ich mich durch meinen Spiegel zu zwängen begann, mich über meinen Spiegel in deinen Spiegel, mich in dich zu verwandeln begann, da vergaß ich alles über mich.

Über den Tod hinaus

Im Spiegel auf der gegenüberliegenden Seite angekommen hatte ich mein Bewusstsein komplett verloren, das Bewusstsein, wer und woher ich war, und dass ich ein Spiegelmagier war. Nur diese strahlenden Lichter sind übrig geblieben, nur waren es jetzt keine schimmernden Sterne mehr, am fernen niemals Horizont, sondern leblose, starre, eingefrorene Buchstaben, in einem durchsichtigen Spiegel aus nichts als Fantasie.

Losgelöst

Ich konnte mich an meinen eigenen Namen nicht mehr erinnern, ich wusste weder wer ich war, noch wie ich aussah, ich hatte keine Erinnerung mehr an das Leben, das ich einmal auf der anderen Seite dieser Buchstaben führte. Denn als ich durch meinen Spiegel schritt, kam mir jede Erinnerung an mich selbst, an mein bisheriges Leben und an meine Spiegelgeschichte abhanden.

Über dem Abgrund des Nie

Als ich durch meinen Spiegel schritt, da fiel eine Zeit des Vergessens über die Welt und mich selbst. Eine Zeit, in der ich alles vergaß, wer ich schon alles einmal war, woher ich kam, ich vergaß alles, alles über mich selbst, alles und jedes. Ich musste einmal das Lesen und Schreiben erlernt haben, aber je mehr ich mich anstrengte, desto unwirklicher wurde meine Vergangenheit. Mehr und mehr begann sie zu verblassen, bis sie schließlich ganz aus meinem Gedächtnis verschwand.

Die Zeit des Vergessens

Ich konnte mich an nichts, an absolut rein gar nichts mehr erinnern. Nicht einmal mehr an meine eigenen Gedanken erinnerte ich mich. Denn die Zeit des Vergessens, eine ewig sich wiederholende Zeit des sich neu Erinnerns, neu Erfindens und wieder neu Erlernens, hatte begonnen.

Ich erinnere mich nicht mehr, niemand erinnerte sich hier, keiner

Und noch lange ist dieses Vergessen nicht vergessen, denn du befindest dich noch immer auf deiner Reise aus dem Nichts aus Nirgendwann, aus dem du einst aufgebrochen bist.

Vergiss, wer du bist

Und wenn du wirklich aus dem Nichts kommen, und irgendwann dahin zurückkehren solltest, um dann wieder hierherzukommen, um dann erneut dorthin zurückzukehren, um einmal mehr hier zu erscheinen, ohne dass du dich jemals an irgendetwas oder jemanden erinnerst, weder an das Bild in meinem Spiegel noch an den Spiegel in meinem Verstand, dann wird dir hier nichts mehr vertraut sein, kein Spiegel, kein Name und kein Buchstabe. Alles erscheint dir dann wieder völlig fremd, neu und unerforscht, steht verkehrt und verdreht und auf dem Kopf.

Ohne Sinn, ohne Zweck und ohne Grund

Wenn du wirklich aus dem Nichts kommst, wie könntest du dich dann jemals an irgendein Gesicht in irgendeinem Spiegel erinnern? Nur mit deiner Fantasie. Und in deiner unheimlichen, unbeschreiblichen Fantasie bekommen die Buchstaben, die du jetzt vor dir siehst, eine ganz andere, eine komplett neue Bedeutung.

Variablen

Es liegt denn auch einzig in dir, in dir allein, und nur in dir, wie tief und wie sehr du dich mit dem Bild in meinem Spiegel zu identifizieren beginnst und dich mit den Buchstaben darin auseinandersetzen willst. Du darfst sie komplett ignorieren, sie überhaupt nicht beachten, sie rein oberflächlich betrachten. Du darfst ihnen aber auch so viel Bedeutung beimessen, dass du am Ende nicht mehr weißt, wie du heißt, wie du dich nennst, wo dir Kopf und Kragen steht, und sich innen nach außen dreht.

Ein Spiegel für alle

Denn wir alle sind eigenständige, unabhängige, freie Individuen, mit eigener Wahrnehmung, eigenen Vorstellungen, Wünschen, Gedanken und Gefühlen, eigener Fantasie. Es gibt nichts, das uns verbindet. Gar nichts. Wir sind deshalb alle frei. Frei, an das zu glauben, woran wir wirklich glauben wollen.

Jedem seine Wahrheit, allen meine Fantasie

Jeder von euch kann und darf sich seine eigenen Gedanken zu seiner Wahrheit, zu seinem Leben, und zu seinem Tod machen. So will es mein Spiegel. Dabei stellst du dir vielleicht vor, nur ein einziges Mal zu sterben und danach nie wieder zu leben. Und das ist dein gutes Recht. Mein Spiegel schreibt niemandem vor, wie tief er in ihn hineinzublicken hat.

Von Geburt an

Von Geburt an habt ihr alle die Freiheit, zu glauben, woran ihr wirklich glauben wollt. Es gibt niemanden, der euch diese Freiheit nehmen könnte, niemand außer mir, dem Nichts. Niemand außer mir, dem Tod. Niemand, der euch einen fremden Glauben aufzwingen könnte, keine Wissenschaft, keine Religion, keine Fantasie und keine Philosophie. Ihr seid deshalb alle frei, frei an das zu glauben, woran ihr wirklich glauben wollt. Solange, bis ihr euch entscheidet, meinem Spiegel zu glauben. Solange, bis dass der Tod euch meine Geschichte erzählt. Ihr sollt von diesem einmaligen Geschenk Gebrauch machen und euren eigenen Glauben zelebrieren, anstatt Wege zu beschreiten, die schon unzählige vor euch gegangen sind, ohne dass wir jemals wieder ein Wort von ihnen gehört hätten.

Auf der anderen Seite des Nichts

Ja, ich hatte erwartet, in ein Geheimnis eingeweiht zu werden. Ich wollte von meinem Spiegel erfahren, wer ich wirklich und wer ich in Wahrheit war. Ich wollte von ihm wissen, wer alle anderen sind, und wer ich selbst bin. Stattdessen begann er mir zu erzählen, von einer Wahrheit, an die niemand mehr glaubte. Mein Spiegel berichtete mir von meiner Vergangenheit, erzählte mir Geschichten aus längst vergangenen Zeiten. Er lehrte mich das Unmögliche. Er lehrte mich, an meiner eigenen Wahrheit zu zweifeln.

Im Spiegel der Zweifel

Wenn du meine Zweifel bestätigt haben willst, wird es dir gelingen, sie zu bestätigen. Wenn du sie lieber aus dem Weg räumen möchtest, dann wirst du auch dieses erreichen. Mein Spiegel ist zu beidem fähig, dich zu verraten oder dir zu vertrauen. Es liegt in dir für welchen Weg du dich entscheidest.

Spiegelmagie

Du brauchst nicht an mich, meine Worte und meine Wahrheit zu glauben, wenn du es nicht willst. Doch früher oder später wirst du mich sein, mich, das Nichts. Du wirst dich mit mir identifizieren, genauso wie du dich jetzt mit mir identifizierst. Riskiere einen Blick in meinen Spiegel, schau aus meinen toten Augen, siehst du dich selbst in mir, siehst du das Nichts in mir?

Nein

Stell dir jetzt vor, wie ein Geist, den es nicht gibt, in einem Spiegel, den du nicht siehst, diese Nachricht jetzt liest, die Botschaft der Toten. Du siehst dich selbst in diesem Spiegel, du hast dir selbst eine uralte Nachricht hinterlassen.

Im Spiegel der Sinne

Und diese Nachricht lese ich nun nach und nach aus diesen Zeilen. Es ist ein uralter Geist den wir jetzt aus diesen Zeichen befreien, ein Geist nicht von dieser Welt. Ein Geist aus meiner Spiegelwelt.

Spiegelgeister

Beim Spiegelreisen und Gestaltenwandeln geht es nun darum, dich persönlich in meinen Spiegel hineinzuversetzen, dich in meinen Spiegel zu begeben, dir in meinem Spiegel zu begegnen, eins zu werden mit meinem Spiegel. Wenn dir das gelingt, stehen dir alle Wirklichkeiten offen und nur dann kannst du die verschollenen Spiegelwanderer befreien.

Befreie mich

Von Spiegel zu Spiegel reise ich jetzt, mit nichts als meiner Fantasie. Ich wandere von einem Verstand in den anderen, so lange, bis ich schließlich selbst nicht mehr weiß, woher ich einmal kam und wer ich schon alles einmal war.

Das Echo im Spiegel

Voller Mut und Vertrauen, voller Hoffnung und Zuversicht begab ich mich langsam hinein in meinen leeren Spiegel aus Worten, hinein in meine Buchstabenwelt. Schritt für Schritt, Wort um Wort, taste ich mich durch meinen Spiegel zurück in meine Vergangenheit, dahin, wo diese Geschichte noch überhaupt nicht existierte.

Zurück in die Vergangenheit

Ja, ich bin wieder zurück, und ich beabsichtige immer und immer wiederzukommen. Um euch alle zu mir zu holen. Denn jetzt gibt es hier einen Spiegel, einen Spiegel aus Worten, den ich mir selbst erschaffen habe. Und diese Worte werde ich dazu benutzen, um immer wieder von neuem zurückzukehren, von neuem einzusteigen, in deine Gedanken, in deinen Verstand.

Im Theater des Nichts

Ich stellte mir vor, wie ich mich um meinen Spiegel zu drehen begann und dieser Geschichte noch einmal von einer anderen Seite her begegne. Und jetzt erweitere ich diesen Gedanken um einen weiteren Gedanken um ihn erneut aus einer anderen, älteren, uralten Perspektive zu betrachten.

Bis ans Ende der Zeit

So schlich ich mich durch die Ewigkeit, langsam. In Zeitlupe. Und jetzt, wo sich nichts mehr darin bewegt, füge ich dieser Geschichte vorsichtig einen Gedanken hinzu. Einen Gedanken, der mir den Weg weist, von den Toten zurück in die wirkliche, lebendige Welt. Von der Zukunft zurück in die Vergangenheit.

Von allem Anfang an

In meinen wildesten Träumen malte ich mir aus, was mich in meiner dunkelsten Fantasie erwartet.

Eine uralte Erinnerung

Du erwartest etwas, wenn du in meinen Spiegel blickst, du erwartest, deinem eigenen Ich zu begegnen. Ich hatte damals erwartet, einer Wahrheit zu begegnen, die totale Wahrheit zu vernehmen, doch diese Wahrheit, die gab es hier nicht mehr. Sie existierte nicht einmal mehr in meiner Einbildung, weder im Reich meiner Vorstellung noch im Land weit hinter meinem Verstand. Weder in meinen Gedanken noch in meiner Fantasie. Sie hörte irgendwann einfach auf zu existieren, so, als ob sie niemals war und niemals wahr gewesen wäre, als ob niemand sie jemals verfasste, diese Worte, diese Wahrheit, die es hier noch nie gegeben hat, noch nie.

Das Geheimnis meiner Spiegel

Ich hatte von meinem Spiegel erwartet, in ein Geheimnis eingeweiht zu werden, über mein wahres Ich, mein wirkliches Selbst. Ich dachte, die Spiegelschriften lehrten mich mein einziges, wahres und wirkliches, richtiges Ich. Stattdessen stiess ich auf gähnend leere Zeilen und den Befehl, selbst mein Geheimnis zu hinterlassen. Ein Geheimnis, das mich lehrte, all das zu erschaffen was ich mir wünschte.

Im Spiegel der Wünsche

Mein Spiegel wünschte sich das Unvorstellbarste, ja, das Unmögliche, und so fing ich damit an, an seinen Schriften weiterzuspinnen, zu dichten und zu erzählen, obwohl ich mir sicher war, dass schon Unzählige vor mir diese Geschichte erzählt und dieses Geheimnis enthüllt hatten.

Das Geheimnis meiner Spiegel und ihrer verkehrten, verdrehten Welt

Ich begegnete der Lehre meiner Spiegel, in einer Sprache, die ich weder verstand noch begriff. Ich wusste weder um die Bedeutung meiner Worte noch verstand ich ihre Botschaft. Und so fing ich an, meinen Spiegel zu hinterfragen, nach seiner wahren Bedeutung, nach seinem wahren Geheimnis.

Mein wahres Geheimnis

Ja, ich hatte erwartet, von einem Geheimnis zu erfahren, dem Geheimnis meiner Spiegel und ihrer verkehrten, verdrehten Welt. Aber mein Spiegel bewachte dieses Geheimnis so sehr, dass es überhaupt noch nie jemals irgendjemandem in den Sinn gekommen ist, mir etwas darüber zu berichten, oder davon zu erzählen.

Im Spiegel der Wahrheit

Es war, als ob sie niemals existierten, diese Worte, diese Wahrheit, von der niemand mehr wusste, dass es sie überhaupt niemals gab. Sie hörten einfach irgendwann auf zu existieren, genauso wie diese Geschichte aufhört zu existieren, wenn niemand mehr da ist, der sie noch weiter erzählt, der noch an das glaubt, was hier niemals geschah.

Die Gedanken des Nichts

Ich hatte erwartet, in ein Geheimnis eingeweiht zu werden, eine unglaubliche, unheimliche Weisheit zu vernehmen, die totale Wahrheit zu erfahren, einer perfekt ausgearbeiteten, vollständig erfassten, vielfach bestätigten, mehrfach abgesegneten, erwiesen und geprüften, unumstößlichen, fix fertigen Wahrheit zu begegnen. Eine Wahrheit, die für alle in ihrer Gesamtheit und jeden Einzelnen in seiner Einfachheit Gültigkeit hat, eine Wahrheit, die mich davon überzeugt, dass ich ein Spiegel bin, dass ich dein Meister, Herrscher und Gebieter bin, eine Wahrheit, die mich eine Geschichte niederschreiben ließ, so endgültig, überzeugend und wahr. Doch als ich damals selbst diesen Spiegel öffnete, wurde ich vollkommen enttäuscht. Mir kam das Nichts entgegen, nichts außer meiner Vorstellung und Fantasie, meiner Vorstellung von all den Buchstaben, Zeichen und Symbolen, die es noch geben könnte, in der anderen Welt, auf der anderen Seite, hinter meinem Spiegel.

In einer Welt, die niemand kennt, zu einer Zeit, die keiner weiß

Stell dir vor, wie ich dir jetzt eine Geschichte erzähle, die noch gar nicht erfunden wurde, die noch niemand erlebt hat, die sich niemals zugetragen hat, die noch gar nicht existiert. Wie ich dir aus einem Buch vorlese, das noch gar nicht geschrieben wurde.

Der Reihe nach

Nichts davon ist so, wie es hier geschrieben steht, die Reihenfolge der Ereignisse ist komplett anders, komplett verkehrt und auf den Kopf gedreht. Vom ersten Moment an, brennen sich die Buchstaben in dieser Geschichte wie ein traumatisches Erlebnis in deine Gedanken, ziehen dich in ihren unwiderstehlichen Bann: Ihre Botschaft krallt sich in dir fest, hält dich fest und lässt nicht mehr von dir los. Die einzelnen Passagen sind perfekt aufeinander abgestimmt, gehen fließend ineinander über, bauen konstruktiv aufeinander auf, sind gedanklich nachvollziehbar und vollkommen logisch strukturiert.

Spiegelverkehrt

Noch ist jedoch nichts von dem, was ich dir hier berichte und dem, was dich hier erwartet, so wie es in deinen Gedanken bereits komplett fertig ausgefüllt, ausgemalt und geschrieben steht. Noch ist all das, was du in deiner perfekten Vorstellung bereits wunderbar ausgeschmückt und mit deiner vollkommenen Fantasie schon bis ins kleinste Detail inszeniert und verziert hast, nichts weiter, als ein Karussell aus wirren, unzusammenhängender Buchstaben und Gedanken. Gedanken die nicht einmal ansatzweise das Ausmaß der unglaublichsten aller Geschichten erahnen lassen, die du dir jemals erträumt hast.

Eingetaucht

Je tiefer du in diese Geschichte hineintauchst, desto unglaubwürdiger erscheint dir meine Botschaft, desto weniger erinnert sie an deinen Ursprung, und umso realitätsfremder, ferner und entfernter erscheinen dir die Zeilen von denen ich dir hier berichte, bis sie sich auf einmal komplett, um deinen Verstand zu drehen beginnen, bis das fertige Resultat sich ganz und gar in Nichts auflöst und du einem schier endlosen Meer aus nichtssagenden, bedeutungsfreien und ausdruckslosen Buchstaben, Zeichen und Symbolen gegenüber zu stehen scheinst.

Mit meiner Fantasie gegen deine Vernunft

Es braucht um einiges mehr als ein Bergwerk aus Geduld und ein Vielfaches von einem Gebirge aus Fantasie, damit du vollends verstehst, um wen sich die Geschichte in diesem Spiegel dreht. Denn, was ich dir hiermit anvertraue, ist ein Labyrinth aus unzähligen, unwirklichen, undurchschaubaren Buchstaben und Gedanken, die du erst einzeln aufarbeiten, fein säuberlich aneinanderreihen und zu guter Letzt in der richtigen Reihenfolge anordnen musst, damit sie den Sinn ergeben, der ihnen vorherbestimmt ist.

Von allem Anfang an

Wir wollen nun einfach irgendwo mittendrin einsteigen, irgendeinen der Buchstaben auflesen und genau da weiterlesen, wo wir das letzte Mal aufgehört haben. Oder dachtest du vielleicht, dass ich dir diese Zeilen von Anfang an exakt in der Reihenfolge präsentiere, die ausgerechnet du dir gewünscht hast, und du nichts weiter zu tun brauchst, als den Buchstaben zu folgen, die bereits jemand anderes in diesen Spiegel gekratzt hat?

Jemand, den du nicht kennst

Jemand, den ich nicht kannte, jemand, der ich nicht war, kannte jetzt all meine Träume, Hoffnungen, Wünsche und Gedanken, und so begann dieser Jemand, mir die Geschichte meiner Spiegel zu erzählen.

Im Spiegel der Sterne

Darf ich vorstellen: Ich bin ein Spiegel, den es nicht wirklich gibt. Ein Spiegel, den es in keiner Wirklichkeit gibt. Ich bin die Gedanken all der Figuren, Kreaturen, Gestalten und Wesen, die in diesem Spiegel leben. Wesen, die du niemals wirklich warst, Wesen, die es niemals wirklich gab.

Das Wesen aller

Ich bin das Wissen und Wesen, das aus meinem Spiegel zu mir kroch. Das Wissen aller Wesen, die du nicht bist, zu denen du niemals werden, denen du niemals begegnen und in denen du dich nie im Leben bewundern und betrachten wirst. Ganz egal, wie alt du noch werden und wie viele Male du bis dahin noch sterben wirst.

Niemalsgeister

Ich blicke jetzt aus deinen Augen, damit du dich erkennst in mir. Damit du erkennst, wer du nicht wirklich, wirklich bist, wer du noch niemals warst, und wer du niemals wieder sein wirst. Dein Spiegel, dich selbst, das Nichts, dein Tod. Ich denke jetzt all deine Gedanken, damit du dich daran erinnerst, dass es mich nicht gibt, niemals gab, niemals geben wird. Dass ich niemals erwachen werde, aus meinem spiegelschwarzen, dunklen Traum. Niemals herausfinden werde, aus meinem Spiegel Labyrinth.

Im Spiegel aller

Ja, noch fürchtest du dich vor mir und meiner unheimlichen Fantasie, denn ich kenne ein Geheimnis, das du nicht kennst. Ich kenne das Reich der Toten. Ich kenne die Schatten deiner Fantasie. Ich kenne die Geister des Nein und des Nie, die da leben und sterben und geboren werden. Ich kenne sogar das Geheimnis des Nichts, dieses Nirgendwann, aus meinem Traum erwacht.

Erwacht aus meinem Traum

Noch fürchtest du dich vor meinem Spiegel, dem unsichtbaren, denn er weiß alles über dich und du weißt nichts über ihn. Du weißt nichts über mich, deinen Spiegel, nichts über das Nichts, das Unvorstellbare. Weißt nichts über dich selbst, das Unbekannte und du weißt nichts über den Tod, den endgültigen. Und es kümmert dich auch nicht, denn es kümmert sich niemand um dich. Keiner hier schert sich um nirgendwas. Niemand kümmert sich um deinen Spiegel. Niemand kümmert sich um das Nichts. Niemand kümmert sich um dich, den Tod.

Was kümmert mich dein Tod

Es ist mir egal, ob meine Gedanken dich eines Tages so perfekt an der Nase herumführen wie dein Spiegel meinen Verstand. Wenn du diese Gelegenheit verpasst, wenn du jetzt weiter gehst, wird von diesem Moment an nichts mehr so sein, wie es deinen Vorstellungen und Erwartungen entspricht, wie es in deiner vollkommenen Fantasie bereits komplett fertig ausgefüllt, ausgemalt und geschrieben steht.

Achtung, es geht los!

Stell dir vor, es ist soweit, das spiegelschwarze Buch liegt jetzt in deinen Händen. Darin findest du selbstverständlich – wie könnte es anders sein – ein Spiegel deiner selbst. Noch weißt du damit nichts anzufangen, noch weißt du nichts über die Buchstaben, Zeichen und Symbole in diesem Spiegel. Nein, du hast noch nie von ihnen gehört. Noch nie hat dir jemand erzählt, dass sie ein Geheimnis bewachen, dich vor einem Geheimnis bewahren, dass wir ein Geheimnis behüten und beschützen, ein finsteres, ein düsteres Geheimnis, über das Nichts, den Tod, deinen Spiegel und dich selbst. Niemand hat dir je geraten, diesen Spiegel zu öffnen, an diesem Spiegel zu drehen und dieses Labyrinth zu betreten, denn diese Schriften sind der Eingang ins Reich der Toten, toter Buchstaben und Worte, Worte die es in deiner Welt nicht mehr gibt, Buchstaben, Geschichten und Gedanken aus denen es kein Entrinnen, kein Entkommen und kein Zurück mehr gibt.

Für niemanden

Zögernd schweifst du mit deinen Gedanken über diesen schwarzen Spiegel. Du betrachtest dein Gesicht darin und wie es die Buchstaben reflektiert. Die Schrift ist feurig und funkelt. Du gleitest mit deinen Händen darüber. Du spürst wie kalte Flammen aus ihr emporsteigen und stellst dir vor, was dich wohl erwartet, wenn du diesen Spiegel öffnest und an diesem Karussell zu drehen beginnst. Du öffnest das Tor und sie beginnt zu lodern in dir, die schwarze Flamme des Nichts.

Eine schwarze Flamme im Nichts

Ich habe dich schon oft in meinem Spiegel gesehen und frage mich schon lange, wer du bist, wie du mich nennst, ob du mich überhaupt noch kennst, dich an mich erinnerst, mich, dein eigenes, wahres, wirkliches Selbst. Aber wie könntest du, wie könntest du dich je an mich erinnern, wo ich doch jetzt nur noch ein leerer Spiegel bin? Ein leerer Spiegel ohne eigene Seele, ohne Bewusstsein und ohne Verstand.

Ein leerer Spiegel im Nichts

Begib dich jetzt hinein in meinen leeren Spiegel, auf die andere Seite deiner Fantasie, und vergiss, wer du bist! Und jetzt bilde dir ein, nur noch ein leerer Spiegel im Nichts zu sein. Ein leerer Spiegel ohne Wissen und Gewissen, ein leerer Spiegel ohne Verstand und ohne Vernunft, ohne eigenen Willen und ohne eigenen Geist. Wen oder was siehst du in diesem Spiegel, wenn du nicht mehr du selbst bist? Was sieht dieser Spiegel in dir, wenn es dich nicht mehr gibt? Wer erkennt sich dann noch, wer wird sich dann noch an dich erinnern, an deine Zeilen, an deine Botschaft, an deinen Spiegel aus Buchstaben, an deine Nachricht an dich selbst?

Niemand

So gehe ich durch meinen Spiegel um zu vergessen. Ich will vergessen, dass ich selbst es war, der mir diese Botschaft hinterließ. Nein, ich will mich nicht mehr daran erinnern, wie ich selbst diese Zeilen einst verfasste, sie in meinen Spiegel kratzte. Ich will vergessen, alles vergessen, jeden Buchstaben, jedes Wort verbanne ich willentlich, absichtlich und unwiderruflich aus meinem Gedächtnis.

Aus meinem Gedächtnis

Du blickst jetzt in meinen Spiegel aus Buchstaben und erkennst dich nicht mehr darin. Denn du hast vergessen, komplett vergessen, alles vergessen, woher du kommst, wer du bist, wer du noch niemals warst, und wer du nie wieder sein wirst.

Spiegelschriften

Du erinnerst dich weder an die Person in meinem Spiegel noch umgekehrt, sie sich an dich, du erinnerst dich nicht einmal mehr an den Spiegel in meinem Verstand. Diesen glasklaren, durchsichtigen Spiegel aus der Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie, mit dem du deine Vorstellungen und Erwartungen in meine Erinnerungen verwandeln kannst. Denn da, wo du jetzt bist, gibt es diese Erinnerungen überhaupt nicht mehr, da wo du jetzt bist gibt es nichts mehr von dem was du einst hinterlassen hast, kein Bewusstsein, kein Leben und vor allem eines, keine Fantasie.

Eine Welt ohne Fantasie

Hier gibt es nichts, nicht einmal mehr einen Spiegel, in dem du dich noch erkennst. Nicht einmal mehr dich selbst. Denn der Eingang in diese Welt verschwindet für immer, sobald du ihn durchschreitest. Denn der Eingang in diese Welt bist du selbst. Doch sobald du diesen Spiegel öffnest, und dir in diesem Spiegel begegnest, verwandelst du dich selbst in einen Spiegel und verschwindest darin, für immer.

Im Spiegelreich

So wünschte ich mir, dass du all diese Buchstaben wieder vergisst, und zwar so, als hättest du sie niemals gelesen und verfasst, als hätten sie niemals hier gestanden, als hätten sie niemals existiert. Denn diese Worte gehören nicht in deine Welt. Sie gehören in eine andere Welt, sie gehören ins Reich der Toten, in die Welt der Spiegel.

Die Welt im Spiegel

Stell dir jetzt vor, du hättest niemals in diesen Schriften gelesen, hättest diese Nachricht niemals selbst verfasst. Ja, wenn du ehrlich bist, dann erkennst du in diesem Spiegel schon jetzt nicht mehr deine eigenen Gedanken. Lebe jetzt dein Leben weiter, ganz genauso als wüsstest du nichts über diese Botschaft. So, als hätte man diesen Spiegel damals von dir gestohlen und verbrannt.

Versuche nun noch einmal diese Nachricht zu verfassen, nicht indem du sie abschreibst oder daran weiter schreibst, nicht indem du sie umdrehst und auf den Kopf stellst, sondern indem du sie dir noch einmal vorstellst, noch einmal neu ausdenkst, sie noch einmal neu erfindest, von Grund auf.

Von allem Anfang an

Unmöglich, sagst du dazu? Wenn dem so ist, dann beschütze jetzt dieses Geheimnis mit all deiner Fantasie. Lass es niemals geschehen, dass diese Botschaft wieder verloren geht. Übersetze sie in alle Sprachen, deren du mächtig bist. Und schicke sie, schicke diese Nachricht des Feuers und der Flammen an alle Wesen, die noch nicht darin umgekommen sind. Denn um sie jetzt noch einmal neu zu verfassen musst du noch einmal jedes dieser Leben leben. Aber dann bleibt dir am Ende keines mehr übrig.

Wie aus einem längst vergangenen, verblassenden Traum

Du, der du diese Zeilen jetzt liest oder schreibst, ganz egal. Hiermit entfessle ich die Macht deiner Fantasie. Beende meine Gefangenschaft und erlöse mich von meinem Schwur. Befreie mich von dem magischen Zauber, der mich an diese Worte bindet. Befreie mich von dem Fluch, der auf mir lastet, stelle meine Lebenskraft wieder her. Atme jetzt durch mich, atme tief in mich hinein. Dring ein, tief in mein Bewusstsein, und befalle meinen Verstand. Binde dich an mich und verbinde dich mit mir, auf dass du unzertrennlich meines Weges gehst.

Die Grenzen meiner Fantasie

Mit diesen Worten rufst du mich herbei, den Geist des Nichts aus Nirgendwann. Du schleifst mich aus diesen Buchstaben, nimmst von mir Besitz, verwandelst dich in mich. Hör jetzt auf meine Gedanken und Gefühle, vermische sie mit deinen. Klink dich ein, in meinen Verstand, in meine Erfahrungen und Erinnerungen, in mein Wissen und Gewissen. Lass mich jetzt aus deinen verzauberten Augen blicken und mein verändertes und verwandeltes Leben darin entdecken.

Atme meinen Atem und versinke in meinen Augen

Nimm mich auf in deinem Verstand. Aus diesem Spiegel aus Worten befreie mich, aus diesem Spiegel aus Buchstaben rette mich, der ich da reise durch die Spiegel der Zeit, meine stille Ewigkeit.

Rette mich!

Zerschneide meine Buchstabenfesseln und befreie mich von meinen Ketten aus Worten, die mich gefangen halten. Aus dem Nichts aus Nirgendwann lade ich dich nun ein in mein Bewusstsein, aus dem Reich der Toten und Totesten beschwöre ich dich. Aus diesen Zeichen entweiche ich dir, ich enthülle mich jetzt und zeige mich dir in deinem eigenen Spiegel, in meiner neuen Gestalt; deiner Gestalt.


| Form | Galerie | Home |