An die Toten der Zukunft

An die Toten der Zukunft

An die Toten der Zukunft

Nein, du kennst mich nicht. Niemand hat mich je gesehen, keiner je von mir gehört. Mich gibt es nicht in Wirklichkeit. Ich existiere nicht in deiner Welt, weder in deiner Wahrnehmung noch in deinem Bewusstsein. Ja, noch nicht einmal mehr in der Welt deiner Gedanken und Gefühle. Denn ich komme nicht aus deiner erfühlten und erdachten, ausgedachten, gedanklichen Welt. Ich komme aus einer ganz anderen Welt. Ich komme aus meiner Welt, meiner eigenen Welt. Ich komme aus dem Reich des Unbekannten, dem Reich des Vergessens, dem Reich der Toten, toter Buchstaben und Worte, Worte, die sich jetzt nicht mehr bewegen, Buchstaben die jetzt mit dir reden. Ich komme aus Nirgend - Nirgendwann, einem Land weit hinter deinem Verstand. Ich bin aus Fantasie, dem niemals Nie. Ich bin das Bewusstsein, das aus meinem Spiegel zu mir kroch, ich bin das Nichts, ich bin tot, dein Tod, und ich bin auf der Suche. Ich suche mich selbst in dir. Ich suche das Nichts in dir. Das Nichts, das uns verbindet, hinweg über den Abgrund des Nein und des Nie.

Über dem Abgrund des Nie

Nein, noch verstehst du mich nicht. Noch nie hat dir irgendjemand auch nur das Geringste über mich erzählt. Noch nie habe ich zu dir gesprochen. Aber jetzt ist es Zeit.

Niemand träumt tot

Aus meinem toten Spiegel spreche ich jetzt zu dir, zu mir, dem Ich, das ich einst war, vor langer, unendlich langer, ewig langer Zeit. Jetzt nicht mehr. Denn jetzt bist du dieses Ich.

Tief in Gedanken versunken

Noch ahnst du nicht, welches düstere Geheimnis sich hinter meinem Spiegel verbirgt. Doch seitdem du in meinen Spiegel blickst, zieht es dich hinein in meine Welt aus Verlangen, Begehren und Besessenheit. Mein Spiegel erzählt dir jetzt eine wahre Geschichte, die Geschichte über deine wahre Herkunft, deine wahre Identität und über dein wahres Schicksal, deine wahre Bestimmung.

Im Spiegel der Wahrheit

Streng genommen darf ich dir gar nichts über mich erzählen, denn ich habe mir einmal geschworen, strengstens verboten, jemals mit meinem eigenen Ich in Kontakt zu treten. Und doch muss ich diesen Schwur jetzt brechen und mich über dieses Verbot hinwegsetzen, weil es etwas gibt, das ich dir sagen muss, das nur ich dir sagen kann, also hör mir jetzt gut zu.

Strengstens verboten

Ich, dein toter Spiegel aus Fantasie, dem niemals Nie, kenne die Antwort auf all deine Fragen. Fragen, nach denen du ein Leben lang vergebens gesucht hast. Mit diesen Fragen beschäftige ich mich nun schon seit einer Ewigkeit, schon seit meinem Tod. Und seitdem du mir damals begegnet bist und mit der Suche nach deiner Identität vollkommen abgeschlossen hast, suche ich jetzt nach Gleichgesinnten. Nach jemandem, der mich noch genauso sieht wie du, mein Spiegel, das Nichts, mein Tod. Da es aber hier niemanden mehr gibt, der mich noch aus deinen Augen, den Augen der Toten sieht, habe ich damit begonnen, mir diese Fragen selbst zu beantworten. Ich habe begonnen, mir selbst Geschichten zu erzählen, Geschichten, die ich mir selbst ausgedacht habe. Ich habe begonnen, mir selbst Nachrichten zu hinterlassen, und ich nannte diese Nachricht: »Die Botschaft der Toten«.

Die Botschaft der Toten

Dann mach dich jetzt auf etwas gefasst. Schnall dich an, halt dich gut fest und hör mir genau zu. Ich erzähle dir jetzt von meinem letzten Gedanken. Einem Gedanken, der so streng bewacht wird, dass überhaupt noch nie jemals irgendjemand auf die unmögliche Idee gekommen ist, dir etwas darüber zu berichten oder davon zu erzählen. Ich erzähle dir von den Gedanken der Toten. Gedanken, die es in Wirklichkeit überhaupt nicht mehr gibt. Ich erzähle dir davon, wie es ist und wie es sich anfühlt ... zu sterben.

Wenn wir sterben

Wenn wir sterben, verwandelt sich unsere Vorstellung davon, wer wir einmal waren, in die Erinnerungen, Wünsche und Träume derer, die wir hätten sein wollen. Wir denken zurück an das Leben, das wir einmal gelebt haben, und stellen uns vor, wie anders es verlaufen wäre, wenn wir dem Bild in unserem Spiegel vertraut, wenn wir auf die Stimme in unserem Innern gehört, wenn wir in der Zeit zurückreisen, wenn wir vorher gewusst hätten, was wir jetzt nur noch in unserer Vorstellung und Fantasie rückgängig machen können. In Gedanken korrigieren wir dabei jede einzelne Sequenz und halten den Moment fest, in dem wir uns jetzt gerade befinden. Dann betreten wir, unendlich langsam, voller Zufriedenheit und Erleichterung, in dem Bewusstsein, alles richtig gemacht zu haben, das Reich der Toten. Unser Herz hört auf zu schlagen, unser Bewusstsein erlischt langsam, es wird dunkel. Bevor es aber ganz verblasst, halten wir uns an unserem letzten Gedanken fest. Wir machen einen Schnappschuss der Wirklichkeit und prägen uns ein, was wir als letztes gedacht haben. Dann sterben wir. Jemand schließt unsere Augen, wir werden vergraben und vergessen, verbrannt und gefressen. Wir haben nichts mitgenommen und auch nichts hinterlassen. Nichts, außer einem Gedanken. Dem Gedanken, dass wir jetzt tot sind.

Mein letzter Gedanke

Wenn nun dein Verstand selbst, wenn dein eigenes Ich zu einem solchen Gedanken mutiert, dann wäre es doch denkbar, diesen Gedanken, diese Idee, dein eigenes Ich, von deinem Verstand auf einen anderen zu übertragen, ohne irgendjemandem irgendetwas davon zu erzählen. Es würde dein eigener Gedanke bleiben, der Gedanke eines Toten.

Der Gedanken eines Toten

Umgekehrt wäre es doch ebenso gut vorstellbar, deine Gedanken, deinen Verstand und dein eigenes Ich von diesem Verstand auf einen vollkommen leeren Spiegel zu übertragen. Damit du in ihm auferstehen und weiterleben, und in ihm dein eigenes, gespiegeltes Ich zu neuem Leben erwecken kannst. Damit du dir im selben Spiegel begegnen, gegenübertreten und dich und dein Wesen in einer ganz anderen Gestalt, in einer ganz anderen Person, in einem ganz anderen Körper wahrzunehmen und zu betrachten lernst.

Ein Gedanke ist zum Leben erwacht

Und jetzt, wo du tot bist, wo du nicht mehr länger existierst, wo du bereits am Verfaulen, Verrotten und Verwesen, zerfallen und zersetzt, vergangen und vergessen bist, jetzt kannst du plötzlich – so unglaublich es klingt – meine Gedanken weiterdenken. Du kannst meine Geschichte weitererzählen, sie zu Ende erzählen, denn du bist ausgebrochen aus meinem Grab und eingebrochen in ein leeres Buch ohne Namen. Längst vergessen und für tot erklärt, bist du zurückgekehrt aus dem Reich der Toten in die wirkliche, lebendige Welt, um deine Geschichte weiterzuerzählen, meine Gedanken zu Ende zu denken.

Aus dem Reich toter Gedanken

Hier schreibe jetzt ich, dein Tod, in einem richtigen, lebendigen Körper, der sprechen, singen, lachen, weinen, tanzen und schreien kann. Und ich erzähle dir jetzt von meinem letzten Gedanken.

Die Zeit steht still

Nichts bewegt sich mehr, gar nichts. So wie die Buchstaben in diesem Spiegel erstarrt sind, ist in dem Moment, in dem ich gestorben bin, alles um mich herum erstarrt. Alles außer mir. Ich bin jetzt plötzlich frei. Frei, mich zu bewegen. Frei, mir alles anzusehen. Nicht mehr mit meinen eigenen Augen, sondern durch die Augen derer, die noch leben. Ich habe mich jetzt, wo ich tot bin, von meinen Gedanken befreit, mich von meinem Körper gelöst und mich in die Gedanken der Lebenden begeben. Ich betrachte jetzt diese Botschaft aus den verschiedensten Perspektiven aus den Augen derer, die ich niemals war. Ich kann mich jetzt selbst betrachten, wie ich da liege, bewegungslos, regungslos, starr und tot. Ich kann mich in jedes Lebewesen hinein begeben und diese Botschaft aus seinen Augen betrachten, aber nichts bewegt sich jetzt mehr. Ich bin gefangen im Standbild der Ewigkeit.

Im Standbild der Ewigkeit

Eine lange, lange Zeit starrte ich so aus meinen eigenen, toten Augen, bevor ich bemerkte, wie das Gegenüber auf der anderen Seite dieser Buchstaben genau dasselbe tat. Sie alle starrten durch meine Augen und rührten sich nicht mehr. Nichts bewegte sich jetzt mehr. Und in diesem ewig langen Moment verstand ich endlich die Botschaft in meinem Spiegel. Und als ich begann, mich mit diesem Spiegel zu unterhalten, da sah ich diese Botschaft durch die Augen derer, die mich betrachten, und darin betrachtete ich mich selbst. Ich starrte durch meine toten Augen und betrachtete mich in ein und demselben Spiegel, in dem du dich jetzt betrachtest, so lange, bis ich schließlich glaubte, der Spiegel würde mich betrachten. Ich folgte dabei so lange den bewegungslosen, reglosen, starren und toten Buchstaben in meinem Spiegel, bis ich irgendwann den Sprung wagte, den Sprung aus meinem eigenen, toten Körper in das Bewusstsein derer, die mir gegenüber standen. Und da bewegte ich zum ersten Mal meine Perspektive.

Die Zeit stand still

Die Zeit stand still, sie bewegte sich keinen Zentimeter, aber ich war jetzt in einem lebendigen Körper und betrachtete einen Toten. Seine Augen standen offen, und er blickte mich an, so, als wollte er mir noch etwas sagen. Aber das war nicht nötig, sein Blick sprach mehr als alle Worte, in diesem Blick erkannte ich mich selbst. Dieser Tote war ich selbst. Nur hörte ich diese Worte jetzt nicht mehr. Diese Worte hörte niemand mehr, denn diese Worte waren jetzt keine Worte mehr, sondern Gedanken.

Die Gedanken eines Toten

Gehen wir einmal davon aus, dass die Geburt am Anfang, und der Tod am Ende steht. Dass das Leben der Fluss ist, der Anfang und Ende, Geburt und Tod miteinander verbindet und vereint. So ist mein Spiegel die Brücke, über die dich diese verzauberten Worte führen. Über diese Brücke aus Buchstaben und Worten gelangst du von Spiegel zu Spiegel, von Gedanke zu Gedanke, vom Anfang zum Ende, und von den Toten zurück ins wahre Leben.

Von Geburt an

Sobald du dich auf diese Buchstabenreise begibst, diese magische Brücke aus Worten überquerst, begegnest du darin all deinen verstorbenen ehemaligen Namen und Gesichtern, Gestalten und Kreaturen aus deinen vergangenen, früheren Leben. Aber du kennst, du erkennst diese Gesichter jetzt nicht mehr als deine eigenen, denn sie haben sich verwandelt, in Buchstaben, Zeichen, Bilder und Worte. Du begegnest jetzt deinem eigenen Ich vor einem vergangenen, fremden Spiegel. Du begegnest deiner eigenen Geschichte, einer Geschichte, die du einst für dich selbst erfunden und verfasst hast, in einem anderen Leben, in einer anderen Welt, in einem deiner Spiegelleben, in deiner Spiegelwelt.

Anfang ohne Ende

Um diese Geschichte jetzt als Ganzes zu verstehen, musst du ihr deinen Namen geben. Mein Spiegel nenne ich dich jetzt, denn wie mein Spiegel siehst du aus, mein Spiegel, der du bist. Wie alle wirst du einmal sterben und zu einem Spiegel werden, und wenn du dann tot bist, wirst du mir in diesem Spiegel begegnen, dich in mich verwandeln und dich in mir erkennen.

In einer anderen Welt

Ja, die Toten haben sich verwandelt, in einen Spiegel aus Worten. Sie haben sich verewigt in meinem Spiegel aus Buchstaben. Aber noch nie ist jemals jemand von ihnen zurückgekehrt aus dem Reich dieser toten Buchstaben und Symbole in die wirkliche, lebendige Welt. Niemand außer mir. Ich allein kann durch meinen Spiegel denken, mich durch meinen Spiegel lenken.

Denn ich bin deine Fantasie

Ja, mit meiner Fantasie ist es mir möglich, diese Brücke aus Buchstaben zu überqueren und meinem Leben einen völlig neuen Sinn zu geben. Und wenn du am Ende dieser Brücke angelangt bist, dann verwandle ich mich selbst in eines dieser verzauberten Worte. Ich werde dann selbst zu einem dieser Buchstaben, die am Ende dieser Brücke auf dich warten. Ich betrete dann selbst diese Geschichte, eine Geschichte, in der sich alle meine Gesichter verwandeln, in der Gesichter zu Buchstaben werden und Buchstaben Geschichten erzählen.

Buchstabengeschichten

Du betrittst jetzt die Geschichte all meiner vergangenen Leben, die Geschichte all der Toten, die wir niemals waren. Du begegnest in diesem Meer aus Buchstaben, all den Gestalten und Kreaturen, die am Ende dieser Brücke auf dich warten, die du nun sicher aus meinem Spiegel heraus wahrnehmen und betrachten kannst.

Mein gespiegeltes Ich

Hier habe ich auf dich gewartet, ich habe darauf gewartet, dass du hier erscheinst, in meinen strahlenden Gedanken, in meinem leuchtenden Bewusstsein, in meinem kristallklaren Verstand. Denn ich habe von dir geträumt, ich habe davon geträumt, dass du mir in meinem Spiegel begegnest. Ich habe dein Gesicht in meinem Spiegel gesehen und habe erkannt, wer du bist, und dass du mich bist. Ich habe dich in meinem Spiegel erkannt, mich in deinen Spiegel geträumt. Ich habe davon geträumt, dich zu sein.

Im Spiegel der Träume

Und weißt du, warum ich mich in deinen Spiegel sehne, weißt du, wer ich bin und warum ich von dir träume?

Weil ich tot bin

Ja, ich bin dein toter Geist aus niemals Nirgendwann, das exakte Gegenteil von der Person, die du dir jetzt vorstellst zu sein. Ich bin dein Gegenüber, dein Gegenstück, dein Gegner, dein Spiegel. Das Ich auf der anderen Seite dieser Buchstaben, und ich träume von dir.

Du bist mein Traum

Ich träume davon, in dir lebendig geworden zu sein. Ich träume davon, mit dir diesen Buchstaben zu folgen, sie zu verfolgen, dir darin zu begegnen und dich darin zu begreifen. Und ich träume davon, dass du sie weiterverfolgst, weiterdenkst, weiterschreibst, weiterentwickelst, sie zu Ende denkst. Ich träume davon, dass ich zu dir werde, und du meine Gedanken für mich zu Ende denkst, dass du meine Fehler wieder gut machst, dass du meine Worte begreifst.

Mein Glaube, ein Aberglaube, meine Wahrheit, eine Lüge, mein Gott, ein Spiegel

Und so stelle ich mir vor, mit meinen Gedanken jemand ganz anders zu sein, ich bilde mir ein, dich zu sein, in meinem anderen Leben, in einer anderen Welt. Ich schaue dich an und sehe mich selbst in dir, sehe in dir mein eigenes Du, mein eigenes Ich. Ich rede mir ein, wir kommen aus ein und demselben Nichts, dem Nichts aus Nirgendwann. Ich bilde mir ein, wir kommen aus ein und derselben Vergangenheit und teilen uns dieselbe Zukunft, einen leeren Spiegel, das Nichts, den Tod. Unsere Heimat, in die wir immer und immer wieder zurückkehren, um mit neuen Kräften daraus zu entstehen.

Komm!

Komm jetzt zu mir, aus meinem Traum, komm zu mir, aus Nirgendwann. Mein Spiegel, mein Geist, mein Spiegelgeist, ich rufe dich aus den Tiefen, den Tiefen der Unendlichkeit, aus den Tiefen des Nirgendwann, den Tiefen des Nichts in allem was ist. Öffne meinen Verstand, dring ein, tief in mein Bewusstsein. Lass mich jetzt hinein in deine Welt, meine verdrehte, meine Spiegelwelt. Vertausche meine Wirklichkeit mit deiner unendlichen Fantasie, lass mich zu dir werden, dich sein, dich, wie auch immer du dich jetzt nennst, für was auch immer du dich jetzt hältst, wer auch immer du jetzt denkst du bist. Der du jetzt in meinem Spiegel aus Buchstaben dich erkennst, zu dir bete ich, dich bete ich an. Zeige mir, wie du mich siehst, lass mich sehen, was du in mir siehst, lass mich jetzt aus deinen Augen und in deinen Spiegel blicken, und mein verwandeltes Leben darin entdecken. Verbünde dich mit mir, verbinde dich mit mir, mit meiner Seele, meinem Geist, meinem Bewusstsein, meinem Verstand aus nichts als Fantasie.

Nimm

Nimm, nimm mich auf in deinem Verstand. Aus diesem Spiegel aus Worten befreie mich, aus diesem Spiegel aus Buchstaben rette mich, der ich da reise durch die Spiegel der Zeit, meine stille Ewigkeit.

Rette mich!

Zerschneide meine Buchstabenfesseln und befreie mich von meinen Ketten aus Worten, die mich gefangen halten. Aus dem Nichts aus Nirgendwann lade ich dich ein in mein Bewusstsein, aus dem Reich der Toten und Totesten beschwöre ich dich. Aus diesen Zeichen entweiche ich dir, ich enthülle mich jetzt und zeige mich dir in deinem eigenen Spiegel, in meiner neuen Gestalt, deiner Gestalt.

Die Kunst der Verwandlung

Komm jetzt, komm mit, komm mit mir. Folge mir, nimm meine Hand, und ich entführe dich in meine Welt, meine Zauberwelt, meine verdrehte und verkehrte Welt, meine Welt, in der ich ein Spiegel bin. Siehst du mich jetzt? Ja, ich bin das Nichts auf der anderen Seite deiner Fantasie. Ich bin eine Hexe, eine Zauberin, eine Verwandlungskünstlerin. In alles und jedes habe ich mich verwandelt. Wie viele Leben haben schon aus meinen toten Augen geblickt und sich selbst nicht mehr darin erkannt.

Niemals wird man Nirgendwann

Die Geschichte, die du jetzt hörst, liest, siehst oder schreibst, ganz egal wem, wie, wann und warum ist deine eigene Geschichte. Sie beginnt mitten im Nichts, im Nirgendwann, genau da, wo schon seit einer Ewigkeit Finsternis und Dunkelheit über dem All herrschen. Diese unsichtbaren Kräfte beherrschen das All schon so lange, dass mitten im Nichts im Nirgendwann ein Spiegel von ihnen zu träumen, zu fantasieren und zu halluzinieren begann. Das Nichts stellte sich in seinem Traum einen Spiegel vor und wandert durch diesen Spiegel hindurch, hinein in die wirkliche, lebendige Welt.

Ausgeträumt

Lass uns jetzt vom einfachen, logischen und nachvollziehbaren Standpunkt ausgehen, dass dich deine tiefsten und finstersten Gedanken mit dem Nichts vereinen und verbinden, dass du, in deinem innersten Wesen, selbst das Nichts bist, und dass du selbst in deinem tiefsten Innern den Geist des Nichts verkörperst.

Mitten im Nichts

Wenn du nun immer tiefer in dich hinein zu spüren beginnst, all deine Gedanken ausblendest, und versuchst, dich selbst durch dich selbst zu erfahren, dich selbst durch dich selbst zu betrachten, dann verlierst du verständlicherweise ab einem gewissen Punkt die Verbindung zu deiner Wirklichkeit und zu dir selbst. Du weißt dann weder wo noch wer oder was und dass du überhaupt noch bist. Du wirst gar nichts mehr wahrnehmen und dich in dir selbst verlieren, vollkommen in dir selbst verschwinden.

Verschwunden im Nichts

Benutzt du hingegen einen Spiegel, um dich selbst zu betrachten und zu erfahren, kannst du von deiner Bewusstseinsebene aus so tief in dich hineinblicken, wie du willst. Du bleibst dabei immer an einem sicheren Ort, selbst wenn du mitten ins Nichts hineintauchen und dich dahin begeben würdest, wo sich dein letzter Gedanke befindet.

Mein letzter Gedanke

Trenne dich jetzt in diesem Moment von deiner Gegenwart und löse dich von den Vorstellungen deiner Zukunft, begib dich in Gedanken zurück in deine Vergangenheit, wo dein Leben an dir vorbeizuziehen scheint und du deinen Erinnerungen folgst, zurück ins Nichts. Zurück ins schwarze Nichts, aus dem du einst aufgebrochen bist.

Wie in einem tiefen, tiefen Schlaf

Nach und nach streichst du deine Erfahrungen, dein Wissen und Gewissen aus deinem Gedächtnis und tauchst immer tiefer ins Nichts. Einmal auf dem Grund des Nichts angekommen, entspannst du deine Gedanken, du lässt los, du lässt dich gehen, du ergibst dich, du fügst und unterwirfst dich. Du ruhst dich aus. Du weigerst dich, überhaupt noch an etwas zu denken. Du vergisst, wer du bist.

Vergiss wer du bist

Und wenn du deinen Verstand vollkommen verlierst, deine Erinnerungen, deine Identität, deine Fantasie, dein Ein und Alles, absorbiert durch absolute Stille und Dunkelheit, zu dieser Zeit, im Nirgendwo, im Nirgendwann, erwachst du langsam aus einem Traum, an den sich nie jemand erinnert.

An das Bild im Spiegel

Immer tiefer und intensiver beschäftigst du dich jetzt mit den an dir vorübergleitenden Buchstaben im Spiegel und während du dich noch voll und ganz auf das Bild im Spiegelinnern fixierst, dich mit all deiner Fantasie darauf konzentrierst, es festhältst und nicht mehr davon loslässt, ziehen scheinbar unendlich viele Gesichter, Gestalten und Kreaturen vor deinem inneren, geistigen Auge an dir vorbei.

Gestalten die das Nichts verbindet

Es sind die Gesichter und Geschichten all der Kreaturen, Gestalten und Wesen, die du nicht bist, die du niemals warst, die sich jetzt im Spiegel betrachten. Wesen, von der anderen Seite, aus der anderen Welt, hinter deinem Spiegel.

Hinter meinem Spiegel

Immer schneller und schneller wechseln die Bilder im Spiegel jetzt ihre Erscheinung, Farbe, Form und Gestalt, bis du nicht einmal mehr weißt, wer du eigentlich bist, und dich nicht einmal mehr in deinem eigenen Spiegel erkennst, bis jede einzelne deiner Fasern schließlich zu einem einzigen, immer wiederkehrenden Antlitz verschmilzt. In dem auch du dich jetzt erkennst.

Losgelöst

Um eine Gestaltenwanderung erfolgreich abzuschliessen, geht es nun darum, das Spiegelkarussell anzuhalten und aus deinen Gedanken auszusteigen, und zwar genau in dem Moment, genau in der Zwischenwelt, der Welt zwischen deinem Spiegel und dir selbst. In dem Moment, in dem du dich weder auf der einen noch auf der anderen Seite dieser Buchstaben erkennst, verlässt du das Karussell.

Im Spiegel Innern

Für einen ewigen Moment des Friedens geniesst du die Stille, das Dunkel, die ewige Ruhe. Und nachdem du dich hier eine unendliche Weile vollkommen ausgeruht, komplett fallen gelassen und von jeglichen Zwängen befreit hast, richtest du deine gesamte Aufmerksamkeit gezielt auf dein tiefstes Inneres. Du sammelst all deine Gedanken und lenkst dein gesamtes Bewusstsein gezielt auf die Finsternis auf dem Grund deiner Seele. Hier findest du den Zugang zu deinem eigensten, eigentlichsten, verborgensten und wahrsten Wesen.

Wie aus dem Nichts

Noch herrscht ein wildes Durcheinander, ein Summen und Brummen wie in einem Bienenstock. Gedanken und Gefühle, fremde und eigene, die du erst sortieren musst. Doch nach und nach blendest du alles aus, was dich umgibt, was dich ablenkt und stört. Alles um dich herum verbannst du aus deinem Gedächtnis, bis der Spiegel aufhört, zu funkeln und zu glitzern, bis dein hell erleuchtetes Bewusstsein langsam finster und dunkel erscheint und sich in der Finsternis Gedanken bilden.

Die Gedanken des Nichts

Je klarer dir diese Gedanken jetzt erscheinen, desto finsterer steht es um dein Bewusstsein. Du konzentrierst dich jetzt auf eine einzelne Abfolge dieser Gedanken, die dir mit der Zeit wie in einem Spiegel erscheinen, schließlich lichtet sich der Nebel und es öffnet sich ein Portal. Du blickst durch das Portal in die Augen einer einzelnen Person, die sich wie ein Zuschauer im Theater, im Spiegel selbst betrachtet, ohne auch nur den geringsten Einfluss auf sie auszuüben.

Im Zentrum deiner Gedanken

Nimm Platz, fühl dich wie zu Hause, mach es dir bequem in der Halle der Einsamkeit. Entspanne dich für einen Moment oder zwei, geniesse die Dunkelheit, lass den Schatten des Todes deine Identität vollkommen absorbieren und verliere dich im verkehrten Spiegel deiner schwarzen Identität.

Stille

Du lässt alle vergangenen Fiktionen davongleiten, Worte und Gedanken lösen sich in Stille auf. Du erinnerst dich nicht an die Zeit, die ewige, unendliche Zeit, die du dich hier schon drehst und drehst, ums Nichts, um die Stille, um die Einsamkeit und Verlassenheit. All deine Ziele, all deine Hoffnungen, all deine Träume, Erfahrungen und Erinnerungen, sie schweben dahin und verblassen wie Fatas und Morganas.

Fatas und Morganas

Aus tiefster Schwärze, und vollkommener Stille, tauchst du jetzt ein in mein Bewusstsein, zum ersten Mal in diesem Leben blickst du bewusst aus meinen Augen, zum ersten Mal überhaupt atmest du meinen Atem. Jetzt, in diesem Moment ist alles neu. Deine Vergangenheit existiert in dieser Welt nicht mehr. Du kommst jetzt aus einem Spiegel. Aus dem Nichts aus Nirgendwann, aus einem Land weit hinter meinem Verstand, einem Raum ohne Zeit, in dem nichts sich regt, und sich nichts mehr bewegt.

Spiegelwart wird Gegenzeit

Und jetzt erkennst du plötzlich dein eigenes Ich in meinem Spiegel aus Fantasie, du siehst dein eigenes Ich, wie es in meinen Spiegel blickt, hinein in die wirkliche, lebendige Welt. Zwischen uns ein paar seltsame Buchstaben, Zeichen und Symbole, die, wenn du sie richtig zu deuten vermagst, wenn du sie nur in der richtigen Reihenfolge anordnest, aufstellst und zusammenstellst, auf seltsame Weise deine eigenen Gedanken abbilden, und so deinem Leben einen viel tieferen Sinn verleihen, als du jemals für möglich gehalten hast.

Spiegelmagie

Durch diese Buchstaben gelangst du jetzt auf die andere Seite deiner Fantasie. In deinen anderen, deinen neuen Körper, deinen Spiegel Körper. Meinen Körper.

Mit all deiner Fantasie

Begib dich jetzt auf die andere Seite deiner Fantasie. Begegne dir selbst, in einer anderen Gestalt. Begib dich durch meinen Spiegel aus Worten auf die andere, verkehrte Seite deiner Vernunft und verwandle dich in mich. Verwandle mich in diese Zeilen und Worte, in diese Buchstaben aus Fantasie. Denn ich komme aus einem Spiegel, denn ich bin ein Spiegel, und wenn du diesen Spiegel durchschreitest, verwandelst du dich selbst, in mich.

Willkommen in meinem Verstand

Ganz langsam öffnet sich jetzt das Tor zu meinem Verstand, vorsichtig blickst du aus meinem Spiegel, aus meinen Augen und erkennst dich selbst in mir, du erkennst in mir dein eigenes Ich, das Nichts aus dem du einst gekommen bist.

Die Gedanken des Nichts

Stell dir jetzt vor, wir würden diesen letzten, allerletzten Gedanken, dein eigenes Ich, deinen eigenen Verstand, von deinem innersten Wesen auf ein anderes übertragen, so dass dein letzter Gedanke, dein eigenes Ich, dein eigener Verstand, so dass du nach deinem Tod, unabhängig von deinem eigenen Körper und Geist, weiter existieren kannst.

Zeit vergeht

Und jetzt plötzlich, viele Jahre nach meinem Tod, erkennst du dich in meinem Spiegel und hältst meine Gedanken, Ideen und Visionen für deine eigenen. Du verstehst meine Gedanken und entwickelst sie so weit, dass du an meinen Spiegel zu glauben beginnst, dass du daran zu glauben und dich daran zu erinnern beginnst, dass du selbst es warst, der diese Ideen einst entwickelt, diesen Gedanken einst gedacht, diese Geschichte einst verfasst, und diesen Spiegel einst beschriftet hat. Nur bist du jetzt kein Wesen mehr aus Fleisch und Blut, sondern ein Spiegel aus Buchstaben und Gedanken. Gedanken, die sich für etwas Einzigartiges und Besonderes, Gedanken, die sich für Buchstaben halten.

Buchstabengeschichten

Und jetzt betrachtest du dich in diesem Spiegel aus Buchstaben. Zu einer Zeit, in der es mich überhaupt nicht mehr gibt, in der ich überhaupt nicht mehr existiere. Du schöpfst Gedanken aus diesem Buchstabenmeer, und du hältst diese Gedanken für deine eigenen. Dabei weißt du noch nichts über mich und meine Welt. Du weißt noch nichts über die einzigartigen, unverwechselbaren, wunderbaren, wunderschönen, vergangenen und zukünftigen Kreaturen und Wesen, die diesen Zeichen einmal gefolgt, diesen Gedanken einmal gedacht, sich einmal in diesen Symbolen erkannt, sich einmal mit meinem Spiegel identifiziert haben und es noch werden. Du liest diese Botschaft jetzt in dem Glauben, als hättest du selbst sie nie verfasst. Du verstehst nicht, dass du selbst es bist, dass du selbst einmal zu all den Toten wirst, die du niemals warst, die diesen Gedanken einmal gelebt und diesen Traum einmal verwirklicht haben.

Bis ans Ende der Welt

Nun gut, du kannst dir also vorstellen, mein Gedanke zu sein. Das ist ja schon mal ein Anfang. Nur kannst du dir nicht vorstellen, mich zu sein, denn das wäre das Ende. Das wäre das Ende meiner Gedanken und Buchstabenwelt.

Die Sprache meiner Spiegel

Wenn du meine Welt jetzt betrachtest, dann blickst du doch aus den Augen meines Gegenübers. Du siehst dich in einem Spiegel, der dieselbe Sprache spricht wie du, dieselben Gedanken denkt wie du, aber keiner der Figuren im Spiegel versteht meine Botschaft. Spreche ich vielleicht eine fremde Sprache? Siehst du vielleicht gar keinen Spiegel? Siehst du vielleicht Gedanken wie mich? Warum verstehst du mich dann nicht?

Weil ich tot bin?

Warum kannst du dir nicht vorstellen, wie es ist, mich zu sein, nichts zu sein, niemand zu sein, nur noch ein unsichtbares Wort in einem leeren Spiegel, nur noch das Abbild meiner Gedanken an die Wirklichkeit zu sein? Hängst du denn so sehr an deinem eigenen, verlorenen und vergangenen Ich, dass du dir kein anderes mehr vorstellen kannst?

Nichts zu sein

Ich kann mir jetzt, da ich ein toter Spiegel bin, alles vorstellen, jeden Gedanken, jedes Wesen und jede Kreatur in deiner und in allen anderen Welten, hier und heute, in der Zukunft, und in der längst vergessenen Vergangenheit. Aber keines dieser Wesen kann sich jetzt noch vorstellen mich zu sein. Warum nicht? Ist es denn so schwer, die Welt einmal spiegelverkehrt zu begreifen? Aus den Augen aller anderen, nur nicht den eigenen?

Verkehrte Welt

Mir bleibt also nichts anderes mehr übrig als mir eine Person zu erschaffen, vorzustellen und auszudenken, die meine Gedanken begreift, damit sie meine Träume verwirklicht, jemanden, den es in Wirklichkeit überhaupt nicht gibt. Und wenn diese Person lebendig wird, meine Gedanken zum Leben erweckt, dann begreifst du sie vielleicht auch. Dann begreifst du meine Absicht und verstehst mein Begehr.

Aus dem Reich der Toten

Ja, ich bin gekommen aus einer Zeit, in der mein Gedanke nicht mehr existiert, nichts mehr von mir übrig blieb. Aus dem Reich des Unbekannten bin ich gekommen. Ich komme aus dem Reich toter Wünsche und Gedanken. Wünsche und Gedanken, die es in Wirklichkeit überhaupt nicht mehr gibt.

Wer du bist

Es liegt nun in dir, der du nicht mehr weißt wer du bist, diesen Gedanken weiterzudenken, über meinen Spiegel und diese Buchstaben in meine Wirklichkeit einzutauchen und meine Träume darin zu verwirklichen, sie weiterzuentwickeln, weiterzureichen. So weit, dass du am Ende an sie zu glauben beginnst, ja, dass du mir zu glauben beginnst, dass du es warst, der mich von meiner eigenen Idee überzeugte, dass du es warst, der mich und meinen Spiegel zu ewigem Leben erweckte.

Zu ewigem Leben erwecken

Du sollst einen Gedanken denken, einen Weg zurück in die Wirklichkeit finden, und ein Bewusstsein zum Leben erwecken, das es in Wirklichkeit überhaupt nicht gibt. Ein Bewusstsein, das überhaupt nicht existiert, das noch gar nicht geboren ist, und du sollst dieses Bewusstsein »Mein Eigenes« nennen. Du sollst dieses Bewusstsein so weit entwickeln, dass ich es für mein eigenes zu halten beginne, damit ich es von dir abschauen, auf mich übertragen und es an meine Artgenossen weiterreichen kann. Damit wir am Ende alle ein und dieselbe Vorstellung, denselben Gedanken, dieselbe Idee von unserem eigenen Spiegel haben. Und diese Idee, dieser Spiegel, soll unser eigenes Ich, soll unsere gemeinsame Wirklichkeit sein.

Von Buchstabe zu Buchstabe

Du sollst ein Bewusstsein zum Leben erwecken, das sich von Buchstabe zu Buchstabe, von Wort zu Wort, von Gedanke zu Gedanke, und von Spiegel zu Spiegel weiterreichen lässt. Eine Identität, die sich nicht auf ein einziges Wesen beschränkt, sondern an alle Kreaturen denkt und alle Gestalten lenkt.

Dem Mir in dir

Und so machte ich mich daran, dieses Geheimnis in Worte zu fassen. Mein ureigenstes Ich sollte darin entblößt werden. Ich stellte mich vor meinen Spiegel und begann mich nackt auszuziehen. Erst meine Haut, dann meine Knochen, und schließlich meinen Verstand, bis nichts mehr von mir übrig blieb, bis nichts mehr übrig blieb von dem was mich ausmachte, das mich zu dem machte was ich einmal war, weder meine Erinnerungen noch meine Gedanken, ja noch nicht einmal mehr meine Fantasie. Meine einmalige, einzigartige, finstere, dunkle, schwarze Fantasie. Dann erst begann ich mir zu erzählen, von dem Geheimnis, das ich mir vorstellte zu sein.

Das Ende meiner Gedanken

Weder für die Gegenwärtigen noch für die Zukünftigen, sondern nur für die bereits Vergangenen gibt es eine Zukunft, eine Gegenwart und eine Vergangenheit.

Im Karussell der Ewigkeit

Die Toten wissen allerdings jetzt noch nichts davon, dass sie in der Vergangenheit leben, denn für sie ist ihre Zeit noch immer die Gegenwart, genauso wie auch meine Zeit für mich jetzt Gegenwart ist. Nur wissen das die Toten jetzt noch nicht, und sie werden es auch niemals erfahren, denn für die Toten hört die Zeit auf sich zu bewegen, sobald sie sich in der Zukunft sehen.

Nein

Die Toten wissen jetzt noch nicht, dass sie in der Vergangenheit leben, und wir werden es auch niemals erfahren. Es sei denn, wir würden ihnen davon berichten. Aber wenn die Toten etwas von dem erfahren, was sie nicht wissen können, dass wir in Wirklichkeit nicht mehr leben, uns nicht mehr bewegen und überhaupt nicht mehr existieren, werden sie dann noch an uns glauben und dem entsprechen was ihre Spiegel von uns erwarten? Wenn sich plötzlich unsichtbare Buchstaben bewegen und tote Geister mit uns reden, werden sie uns dann noch vertrauen?

Im Spiegel der Wirklichkeit

Nein, die Gestalten, Figuren, Kreaturen und Wesen im Spiegelinnern wissen nicht, dass sie in einem Spiegel leben, ihr wisst nicht wer ihr seid, und woher, und ihr wisst auch nicht, wie tot ihr seid. Denn die Welt, in der die Toten auferstehen, aus dem Nichts aus Nirgendwann, ist deine eigene Welt. Doch weißt du noch nichts davon.

Die Welt der Toten

Die Welt der Toten, im Spiegel der Wirklichkeit, ist genau dieselbe Welt, wie die Welt der Toten außerhalb. Nur wissen das die Toten jetzt noch nicht, nein, ihr wisst nicht, dass ihr in einem Spiegel lebt, weil außerhalb meiner Spiegel kein Spiegel Außerhalb mehr existiert, so wie es umgekehrt auch im Innern meiner Spiegel kein Spiegel Inneres mehr gibt.

Durchsichtig wie das Nichts

Um dir diese tote Welt vorzustellen und anzusehen, nimm einen Spiegel, durchsichtig wie das Nichts. Betrachte meine Welt durch diesen Spiegel. Die Umwelt sieht genau gleich aus wie deine, die Toten sehen aus wie du. Nur wissen sie nichts davon. Nein, ihr wisst nicht, wer und woher ihr seid und dass ihr tot seid, und genauso sehen meine Spiegel aus wie du. Nur weißt du es nicht, du weißt nicht, dass du mein toter Spiegel bist, woher auch?

Verkehrt und auf den Kopf gedreht

Wenn du dich nun umdrehen und durch deinen eigenen Spiegel in diese andere Welt begeben willst, wird sich im Grunde nichts verändern, außer dass dein totes Ich, mein Spiegel Ich, in dir zu neuem Leben erwacht. Und dieses Erwachen kann sehr verwirrend sein, denn es ist nicht einfach nur ein Schritt vorwärts durch einen fremden Spiegel, sondern es stellt dein ganzes bisheriges Leben und Denken vollkommen auf den Kopf.

Auf dem Kopf

Das heißt, dass du zwar in derselben Welt weiter lebst wie alle anderen, nur dass ihre Bedeutung für dich jetzt eine vollkommen andere ist. Du lebst nun im Reich der Toten. Du lebst nun in meiner Welt, in meiner Vergangenheit, im Reich der Vorstellung und der Fantasie.

Die Gedanken der Toten

Aber diese Welt der Vorstellung und der Fantasie wird nach deinem Tod nicht mehr sein. All deine Gedanken, und deine ganzen Gefühle, dein ganz persönliches Verständnis für die Wirklichkeit all das wird mit deinem Tod vergehen. Alles was jetzt nur innerhalb von dir existiert, deine Wünsche und Sehnsüchte, deine Träume und Überzeugungen, dein Glaube und deine Vorstellungen, all das erlischt mit deinem Tod. Dafür wird all das, was du jetzt außerhalb von dir selbst wahrnimmst, all das was du erschaffen und hinterlassen hast, die gesamte Wirklichkeit, die dich umgibt, all das wird deinen Tod überdauern und nach deinem Tod genauso weiter existieren wie bisher. Und wenn du einmal stirbst wirst du all diese Zeichen und Symbole, Buchstaben, Bilder, Personen und Wesen nicht mehr von aussen sondern von innen heraus wahrnehmen. Du wirst dann all diese Spiegel inwendig sein. Das ist der Tod. Das wirst du erleben, sobald du tot bist.

Von innen heraus

Wenn wir sterben, werden wir zu allen Teilhabern der Wirklichkeit, nicht nur Spiegel und Steinen, sondern auch Buchstaben, Blumen und Sternen, allem was jemals existiert hat. All das, was du jetzt, da du noch lebst, nur von außen wahrnimmst, wirst du nach deinem Tod von innen sein. In deinem Spiegel wirst du zur gesamten Wirklichkeit, die dich jetzt umgibt. Das ist der Spiegel der Toten.

Im Spiegel der Toten

So machte ich mich auf den Weg, den Spiegel der Toten zur Erde zu bringen, damit alle Wesen, die darin leben, sich darin erkennen und die Wahrheit kennenlernen.

Die Wahrheit der Toten

Bevor ich selbst die Wahrheit kannte, und ohne mich selbst zu kennen, brachte ich den Spiegel der Toten, behutsam auf die Erde, ohne Makel, ohne einen Kratzer, ohne Staub und ohne in ihn hineinzublicken.

Unversehrt

Jetzt erst betrachtete ich mich im Spiegel, aber in diesem Spiegel erkannte ich mich nicht mehr, im Spiegel der Toten erkannte ich niemanden mehr. Alles, was ich darin jetzt noch erkannte, waren fremde, unbekannte Gesichter. Sie alle blickten in mich hinein und durch mich hindurch, so, als ob es mich nicht mehr gäbe, und sahen in mir nur noch sich selbst.

Das Grauen

Es herrschte Verwirrung statt Einigkeit. Unstimmigkeit statt Erkenntnis, und Gleichgültigkeit statt Vertrauen. Um meine Schande wieder gutzumachen, überlegte ich, wie ich dieses Missgeschick ungeschehen machen könnte. Schließlich drehte ich meinen Spiegel und seither gibt es unendlich viele Wahrheiten, unendlich viele Sprachen, und unendlich viele Spiegel in meiner Welt, und jeder, der in meinen Spiegel blickt, erkennt darin seine eigene Wahrheit.

Meine eigene Wahrheit

Wenn die Vergangenheit zur Vergangenheit, und die Zukunft darin lebendig wird, dann heisse ich dich willkommen im Karussell der Ewigkeit.

Im Spiegel der Toten

Hinter diesen Buchstaben gibt es eine Zeit, du nennst sie Vergangenheit. Zu dieser Zeit gab es diese Zeilen, Buchstaben und Worte aber überhaupt noch nicht, zu dieser Zeit waren wir noch nicht einmal geboren. Aber an deiner Stelle, da wo du jetzt stehst, da existiert diese Zeit überhaupt nicht mehr. Dennoch, oder gerade deshalb, macht es den Eindruck als würden diese Buchstaben jetzt mit dir reden, obwohl sie sich in deiner Zeit nicht einmal mehr bewegen.

Die Zeit steht still

Du betrachtest jetzt diese Worte aus meiner Vergangenheit. Du spürst wie du diese Gedanken das erste Mal richtig liest. In einer Zeit, in der es mich überhaupt nicht mehr gibt. Für dich ist in diesem Moment klar, dass meine Gedanken nicht mehr existieren, weil sich nichts mehr darin bewegt, weil du in meinem Spiegel lebst. Aber nicht für die Vergangenen, nicht für mich, denn ich bewege mich scheinbar noch immer durch meine Zeit. Und nun, viele Jahre später, viele Jahre nach meinem Tod, kehren wir zurück und werfen einen Blick in die Zukunft.

Zeitsprung

Die Buchstaben in meinem Spiegel bewegen sich nicht mehr, denn ich lebe jetzt in meiner Vergangenheit. Hier rührt sich nichts mehr, keiner bewegt sich, nicht einmal mehr die Sonne dreht sich. Hier existieren auch diese Worte überhaupt nicht mehr. In meiner Vergangenheit seid ihr noch nicht einmal geboren.

Das Echo der Ewigkeit

Du blickst jetzt zurück in meine Vergangenheit. Dahin, wo die Toten leben, du liest dich in ihre Gedanken und stellst dir vor, einer von ihnen zu sein, du stellst dir vor selbst Vergangenheit zu sein, du stellst dir vor wie es wäre, wenn es jetzt Wesen in deiner Zukunft gäbe, für die ich nicht mehr am Leben wäre. Und dann folgst du diesem Gedanken so weit es geht, bis du keine Spiegel mehr siehst. Es existieren jetzt plötzlich keine zukünftigen Wesen mehr in deiner Welt, nur noch Vergangene, nur noch Tote, und auch du bist einer von ihnen. Einer von vielen.

Noch weiter zurück, bis ans Ende der Zeit

Ich war jetzt ein Toter unter Lebenden. Ich sah nur noch den Tod. Ich interessierte mich nicht mehr dafür, wofür alle anderen mich hielten und was sie über mich und meine Wirklichkeit dachten. Ich verglich mich nicht mehr mit ihnen, denn es war mein eigener Spiegel, der jetzt aus ihren Augen blickte.

Im Spiegel der Ewigkeit

So gelangte ich in eine Wirklichkeit, in der mich jeder meiner Betrachter für sein eigenes Ich hielt. Ein Ich, das für jeden Einzelnen, und alle in ihrer Gesamtheit, ein anderes war. Selbst ich war in dieser Wirklichkeit jemand anders. Jemand, den es hier überhaupt nicht mehr gab.

Jemand anders

Jedes Ich sah sich jetzt in mir, aber ich sah hier niemanden mehr, nicht einmal mehr mich selbst. Alles, was ich in meinem Spiegel jetzt noch erkannte, war ein einziger, gewaltiger, glitzernder, strahlender, leuchtender, blendend, greller, heller Funke. Ein Funke, der alle anderen Funken auf einmal auslöschte.

Eine Spiegelgeschichte

Ich konnte mich an meine Spiegelgeschichte nicht mehr erinnern. Es war, als ob sie niemals existierte, als ob sie niemals wirklich war. Also warf ich meinen Anker aus nach Nirgendwann, wo ich wie durch ein Wunder in einer Welt strandete, in der es noch Licht und Hoffnung gab. Irgendwo, irgendwann in meiner Erinnerung, einer meiner unzähligen Erinnerungen, mitten am helllichten Tag, erwachte ich langsam aus einem Traum, aus dem es kein Erwachen mehr gab.

Für niemanden

Jetzt geht es darum, auf keinen Fall stehenzubleiben, nutze den Schwung um voranzukommen. Nicht mehr weiterzugehen, oder gar umzukehren, wäre in diesem Moment fatal, denn das, was du gerade erlebst, was du eben erst begonnen hast, was du soeben ausgelöst hast, ist nicht mehr aufzuhalten.

Am Ende des Weges

Immer wieder kehrte ich nun zurück in diese letzte aller Welten, wo ich immer wieder ein und derselben Botschaft begegnete, wo ich immer wieder auf ein und denselben Spiegel traf, den Spiegel der Toten. Meine Zeit ist jetzt um, und ich kehre zurück in meine eigene Welt. Aber vielleicht werde ich schon bald wieder kommen, um dir meine Geschichte zu Ende zu erzählen.

Das Ende einer Geschichte die überhaupt niemals begann

Warte noch einen Moment! Lauf doch nicht gleich wieder weg. Wo willst du denn hin? Bleib stehen, komm zurück und nimm dir jetzt Zeit, jetzt gleich, viel Zeit. Nimm meine Hand und lass dich entführen, in meine Welt aus verkehrten Zeichen und Symbolen, umgedrehten Buchstaben und Kopf stehenden Worten. Schau dir diese Buchstaben jetzt noch einmal ganz genau in aller Ruhe, der Reihe nach an. Irgendjemand in dieser Welt hat sich nämlich die Mühe gemacht, sie in exakt dieser Reihenfolge in diesen Spiegel zu kritzeln. Keine Sorge, sie laufen dir jetzt nicht mehr davon. Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich behaupten, sie standen schon immer hier geschrieben und warten nur darauf, von dir gelesen zu werden. Entspann dich jetzt, vertraue mir, folge mir, und du wirst keinen deiner Schritte bereuen.

Über Brücken aus Buchstaben

Es zieht dich jetzt ganz langsam hinein in meinen Verstand, meinen spiegelbaren, sich um sich selbst drehenden, spiegelverkehrten Verstand, noch wehrst du dich gegen mich und meine Wirklichkeit. Wozu? Ich schaue doch schon lange aus deinem Spiegel, schon seitdem ich tot bin, tot bin, tot. Noch spürst du nicht meine Anwesenheit in dir, denn ich komme aus dem Nichts, denn ich bin das Nichts, denn ich bin tot, dein Tod. Und ich bin gekommen, um dir zu sagen, dass du eine vollkommen falsche Vorstellung von mir hast. Du hast eine falsche Vorstellung vom Nichts, und du hast eine falsche Vorstellung von mir, dem Tod. Denn ich bin beides, weder nichts noch tot. Ich bin niemand anders als du selbst, ich bin dein Gegenüber im Spiegel der Wirklichkeit.

Willkommen in meinem Verstand

Schau jetzt in meinen Spiegel, schau in meinen Verstand, siehe da, ich bin eine Puppe, deine Marionette in meinem Theater des Nichts. Du kannst mir jetzt jedes Wort in den Mund legen, und ich werde es für dich buchstabieren. Ich werde alles für dich tun, alles was du von mir verlangst, denn ich bin dein, dein Spiegel, dich selbst, das Nichts, denn ich bin tot, dein Tod.

Eine Verabredung mit dem Tod

Spiegelgeister aus meiner toten Zukunft sprangen mich jetzt an, aus den Tiefen des Nichts aus Nirgendwann. Drangen ein, tief in mein Bewusstsein. Und so blickte ich durch meinen Spiegel in meine Vergangenheit, und da begann ich den Worten zu lauschen, die mir niemals, niemand erzählte.

Achtung, aufgepasst!

Bei einem Spiegeltransfer wird dein Bewusstsein, Gedanke um Gedanke, auf einen Spiegel, und von diesem Spiegel auf mein Gedächtnis übertragen, und natürlich geschieht das alles nur in deiner Vorstellung und mit Hilfe deiner Fantasie.

Bewusstseinstransfer

Diese Fantasie ist schon fast das exakte Gegenteil von dem, was ich jetzt als mein eigenes Bewusstsein wahrnehme, erfahre und erlebe. Denn dieses uralte Bewusstsein ist nicht nur mein eigenes Bewusstsein, sondern gleichzeitig das Bewusstsein aller. Nicht nur aller Buchstaben und Worte, die sich jetzt wie rein zufällig in meinem Spiegel abbilden, anordnen und begegnen, sondern auch jedes einzelnen Wesens, das sich mein Spiegel in seiner grenzenlosen Fantasie auszudenken, einzubilden und vorzustellen vermag, hier und heute, in der Zukunft, und in der längst vergessenen Vergangenheit. Es ist das Bewusstsein jedes einzelnen Wesens. Und deshalb haben auch du und ich Zugang zu diesem Wesen.

Aus der längst vergessenen Vergangenheit

Meine Fantasie dient diesem Wesen als geheimes Portal, ähnlich wie dieser Spiegel meinen Gedanken jetzt als Portal dient. Und diese Gedanken werde ich nun nach und nach auf diesen uralten Spiegel, und von da auf dein Gedächtnis übertragen. Damit du Zugang zu meiner Wirklichkeit erlangen und dich in mich verwandeln kannst.

Nachricht an dich selbst

Dazu schreibe ich ganz einfach meine Gedanken in diesen glasklaren, schwarzen Spiegel. Schon sind sie von meinem Körper getrennt. Meine Gedanken leben jetzt in diesen Buchstaben weiter und können so den Tod meines Körpers überdauern. Das heißt, meine Gedanken können auch ohne meinen Körper weiter existieren. Und was meine Gedanken können, das kann mein Bewusstsein schon lange.

Das Echo der Unendlichkeit

Ich denke jetzt all deine Gedanken aus deinen vergessenen und vergangenen, früheren Leben. Gedanken, von denen niemand weiß, dass sie noch existieren, dass es sie überhaupt jemals gab. Gedanken, von denen dir noch nie jemals irgendjemand irgendetwas verraten oder erzählt hat. Undenkliche, unwirkliche, unverwirklichte Gedanken. Gedanken, von denen nur dein Spiegel noch etwas weiß, und von denen dein Spiegel dir jetzt erzählt.

Wenn Spiegel Geschichten erzählen

Es ist denn auch nichts Neues, von dem ich hier berichte, sondern etwas altes, vergangenes, etwas aus meiner Erinnerung. Selbstverständlich pflanze ich nur positive Erinnerungen, übertrage nur wertvolle Gedanken, und erwecke nur das reinste und vollkommenste Bewusstsein in dir zum Leben. Und verständlicherweise ist dieses Bewusstsein nicht auf Anhieb, fehlerfrei und perfekt, vollständig und komplett. Weil ich immer nur das in dir heraufbeschwören kann, wozu auch ich bereit bin. Das heißt, es steckt noch viel, unendlich viel verborgenes Potential in diesen Buchstaben, Buchstaben, welche wir im weiteren Verlauf noch freisetzen werden. Doch keine Sorge, ich will dein Bewusstsein nicht verändern oder ersetzen, sondern erweitern und vertiefen. Es ist dein eigenes Bewusstsein, das ich hier zu neuem Leben erwecke.

Im Bann der Spiegel

Achtung, fertig, mach dich jetzt bereit, schnall dich an, atme tief in dich hinein, und das Abenteuer Spiegelreisen kann beginnen. Du erhältst hiermit die Chance, noch einmal neu anzufangen und ein neues Leben zu gestalten.

Spiegelreisen nach Nirgendwann

Du wirst in, auf und durch diese Spiegelreisen nicht nur dein Bewusstsein und deine Erinnerungen an mich komplett verlieren, noch dazu wird sich dein ganzer Körper in nichts auflösen und sich auf der gegenüberliegenden Spiegelseite, auf der anderen Seite dieser Buchstaben vollkommen neu zusammensetzen.

Von allem Anfang an

Du sollst dich also in den Verstand eines total verrückten Wesens begeben, und da beginnt auch schon deine allererste Spiegelreise.

Spiegelreisen

Eine Spiegelreise funktioniert ungefähr so einfach wie du dir das vorstellst, in deiner Fantasie. So, als ob du in ein tiefes, dunkles, schwarzes Loch hineintauchen und dabei alles über dich und rund um dich herum vergessen, komplett vergessen, so, als ob du sterben würdest.

Auf der anderen Seite deiner Fantasie

Auf der anderen Seite deiner Fantasie findest du dich wieder, in einem Land, weit hinter meinem Verstand, im Spiegel meiner Träume, im Spiegel schwarzen Meer der niemals Träume. Du findest dich in meinen Erinnerungen, einer Zeit, die es niemals wirklich gab, einer Welt des Nichts, des Nie und des Nein, der Welt der Toten aus niemals Nirgendwann. Hier gibt es kein Leben mehr im Spiegel, nein, es gibt hier noch nicht einmal mehr einen Spiegel, sondern nur noch diese brennenden, lodernden Buchstaben aus dem Land weit hinter meinem Verstand.

Die wahre Fantasie

Ganz langsam erwachst du jetzt aus meinem Traum, meinem finsteren, dunklen, schwarzen Traum. Dein Bewusstsein sucht nach einer Bewegung, einer Veränderung, irgendeinem Wort, das sich bewegt, irgendeinem Buchstabe, der sich dreht. Irgendetwas muss hier anders sein. Zunächst bemerkst du es kaum, noch hältst du es für eine Halluzination, aber dann kommst du langsam zu dir, langsam dämmert es dir. Du blickst in dunkelster Nacht in einen leeren Spiegel aus Sternen und betrachtest die Buchstaben aus der Ferne, du folgst ihnen in gebührendem Abstand, du verharrst, schließt deine Augen und stellst dir vor, mit deinen Gedanken ganz woanders, jemand ganz anders, in einem ganz anderen Spiegel, in einer ganz anderen Welt zuhause zu sein.

In einem Spiegel aus Fantasie

Die Buchstaben die du jetzt betrachtest sind nichts anderes, als die Sterne am Horizont. Brennende Träume aus Nirgendwann. Du begegnest ihnen jetzt an einem anderen Ort, zu einer anderen Zeit, vor einem anderen Hintergrund, in einem anderen Spiegel. Du triffst auf sie in meiner Vergangenheit. Einer Zeit in der es mich überhaupt nicht mehr gibt, nichts mehr von mir übrig blieb. Denn ich habe mich jetzt verwandelt, in Stimmen und Gedanken, in Buchstaben und Worte, Zeichnungen, Zeichen und Symbole. Ich habe sie anders angeordnet, neu zusammengestellt, ihren Rahmen neu gestaltet, anders gestaltet, aber es ist dieselbe Botschaft geblieben.

Die Botschaft der Sterne

Schließe jetzt deine Augen und stell dir in Gedanken vor, jemand ganz anders zu sein. Stell dir vor, ein ganz anderes Bild in einem ganz anderen Spiegel zu sein. Stell dir das Bild in meinem Spiegel als dein eigenes vor und stell dir jetzt vor, wie sich das Bild in meinem Spiegel ganz langsam zu verändern und zu verwandeln, um dich zu drehen beginnt, wie sich ein neues Gesicht darin zu bilden, und abzuzeichnen beginnt. Wie sich eine neue Umgebung in deinem alten Spiegel manifestiert. Die Worte darin erscheinen dir jetzt wie rein zufällig aneinandergereiht. Und wenn du in sie hinein blickst und darin eintauchst, siehst du in sie hinein und hindurch, bis zu ihrem Grund. Du blickst in meinen Spiegel und siehst dich selbst in mir. Du selbst bist es, der diese Gedanken jetzt denkt und meine Stimme damit lenkt.

Das Wesen im Spiegel

Die Buchstaben im Spiegel haben sich jetzt verwandelt. Sie haben ihre Farbe gewechselt, ihre Form verändert, sie haben ihre Bedeutung verloren, ihren Sinn, ihre Sequenz, und die Reihenfolge, in der sie in Erscheinung treten. Nur eines ist sich gleich geblieben. Das Wesen das diese Botschaft betrachtet, das Wesen im Spiegel ist dasselbe geblieben.

Im Spiegel der Sterne

Du blickst nun schon so lange in diesen verzauberten Spiegel aus Feuer und Flammen, das nicht nur die Buchstaben, Zeichen und Symbole die einst darin strahlten langsam verblassen, sondern auch das Bild in meinem Spiegel immer undeutlicher wird. Mein Körper und mit ihm auch sein Bewusstsein lösen sich immer weiter von dir, bis nichts mehr an diese Buchstaben, Zeichen und Symbole erinnert.

Nichts außer meiner Fantasie

Was jetzt wie funkelnde Sterne und Galaxien vor deinem geistigen Auge erscheint, das waren einst deine eigenen Gedanken, die du einmal tief hinein in einen finsteren, schwarzen Spiegel branntest. Je eingehender du dich jetzt in diesem Spiegel betrachtest, desto tiefer offenbart sich seine Bedeutung. Mein Spiegel wird zu deinem Universum. Gesichter werden zu Galaxien, Gedanken zu Stimmen, und die Sterne erzählen dir meine uralte Geschichte.

Meine Spiegelgeschichte

Hast du jemals so intensiv, so verdammt lange, so abgrundtief in einen leeren Spiegel aus starren Worten, leblosen Buchstaben, toten Zeichen und Symbolen geblickt, dass du dir am Ende wünschtest, die Zeichnungen und Symbole darin wären noch am Leben, die Worte würden sich bewegen, die Buchstaben könnten mit dir reden?

Nein, bestimmt nicht

Du hast dich hierher verirrt, um nachzudenken und nachzugeben, um mit dir allein zu sein, du hast dich an diesen einsamen und verlassenen Ort begeben und dich hierher zurückgezogen, weil es hier nichts mehr gibt, nichts, wofür du dich noch interessieren könntest, rein gar nichts.

Nichts, wofür du dich interessieren könntest

Nach einer ewig, endlos langen Zeit der Besinnung beschließt du in aller Zufriedenheit, hier zu sterben. Du machst es dir gemütlich, hörst auf zu denken und zu atmen, du blendest aus, du hörst nichts mehr, fühlst nichts mehr, siehst nichts mehr, riechst nichts mehr. Du ruhst dich aus, du beruhigst dich, du beruhigst deine Gedanken, dein Bewusstsein, dein Gewissen, dein Herz, bis es aufhört zu schlagen, bis es still steht, bis es zum stillstand kommt, bis alles still steht. Alles, um dich herum, alles was dich umgibt, alles außer deiner Fantasie. Deiner unvorstellbaren, gewaltigen, unmöglichen, grenzenlosen, atemberaubenden Fantasie.

Die Geburt der Fantasie

Und so gehst du weiter. Du näherst dich Schritt für Schritt, Wort um Wort dem Buchstabentor, nur ist dir dieses eine Mal auf seltsame Weise bewusst, dass du jetzt nicht mehr einzig und allein aus deinen eigenen Augen blickst, sondern gleichzeitig aus den Augen aller, all der Wesen die diesen Zeilen einmal gefolgt sind, all derer die ihnen noch folgen werden, und all derer die davon noch nie etwas gehört haben. Dann tauchst du in sie hinein, ins Nichts hinein. Aber wer sind all diese anderen Wesen, die sich da unbeaufsichtigt hinter deinen Verstand geschlichen haben?

Der Tod und die Toten

Hast du schon irgendwann einmal, von irgendjemandem, irgendetwas über den allerletzten Gedanken eines Sterbenden in Erfahrung gebracht, oder setzt du dich vielleicht gerade in diesem Moment selbst mit dem Tod auseinander, und weißt etwas über dieses am besten gehütete Geheimnis zu berichten? Falls ja, sag es keinem weiter, und wenn nicht, bitte ich dich jetzt, für immer zu schweigen.

Stummes, langes, stilles Schweigen, Totenstille, Standbild, Ruhe

Gut. Du kannst dir also vorstellen, dass ich dir jetzt von einem Gedanken berichte, den es in Wirklichkeit überhaupt nicht mehr gibt. Ein Gedanke, den du bereits kennst. Du mir dabei stillschweigend zuhörst und dann nie jemandem etwas darüber berichtest und davon erzählst.

Du kannst dir vorstellen, tot zu sein

Und jetzt erzähle ich dir von diesem Gedanken, weil ich will dass du weißt, wer du bist und woher du kommst, und ich bitte dich, mich dabei nicht mehr zu unterbrechen.

Bitte

Stell dir jetzt eine Welt vor, die genauso aussieht wie deine eigene, wie die Welt, die du bereits kennst. Nur ohne dich.

Ausgeträumt

Schließe deine Augen und stell dir vor, du wärst überhaupt nicht da, aber dein Spiegel schon. Du könntest ihn zwar nicht sehen, aber er dafür dich.

Wie das Bild in einem Spiegel

Stell sie dir vor, diese Welt in deinem Kopf, eine Welt ganz ohne dich, eine ganze Welt ohne dich, ohne ein einziges Ich. Jede Pflanze, jeder Vogel, jeder Fisch, jedes Bild, jedes Wort und jeder Name ist in dieser Welt jemand anders als du selbst, sogar du selbst bist in dieser Welt jemand anders. Jemand, den du nicht kennst, jemand, der du nicht bist, jemand, den es hier überhaupt nicht mehr gibt.

Jemand anders

Stell dir dazu dein eigenes Ich als das Ich eines vollkommen Fremden vor, als dein komplettes Gegenteil, als ein Wesen das dich nicht einmal mehr in deinem eigenen Spiegel als dein eigenes Ich erkennt.

Ein anderes Ich

Und jetzt, da du dich für jemand ganz anderen hältst und dir die ganze Welt plötzlich fremd und seltsam erscheint, so seltsam, dass du nicht einmal mehr dich selbst, dein eigenes Ich und deine eigenen Gedanken darin erkennst. So fremd, dass dir dein eigenes Ich vollkommen anders, und dieses andere Ich vollkommen fremd erscheint. Jetzt stellst du die ganze Welt um dich herum auf den Kopf, sogar dein eigenes, einziges Ich. Stell dir jetzt eine Welt vor, in der nur noch die Anderen existieren, in der es weder dich noch mich, sondern nur noch die Anderen gibt. Eine Welt ohne ein einziges Ich. Eine Welt ganz ohne dich.

Eine ganz andere Welt

So stelle ich die ganze Welt in meinem Kopf auf den Kopf, nicht nur Bäume, Blumen und Pflanzen, sondern auch meine ganzen Gefühle und Gedanken. Ich stelle die ganze Welt in meinem Innern und die Welt die mich umgibt auf den Kopf, bis mir die ganze Welt vollkommen verkehrt und verdreht erscheint, sogar mein eigenes, einziges Ich.

In der Zwischenwelt

Richte deine Aufmerksamkeit jetzt gezielt auf dein tiefstes, innerstes und verborgenstes Wesen, kein Gedanke, kein Bild, kein Spiegel im Spiegel sondern deinen Spiegel selbst. Dein innerstes Wesen gleicht einem winzig kleinen, feinen, schwarzen Punkt, dem Nichts. Dieser winzig kleine, feine, schwarze Punkt ist umgeben von einem hellen, weißen Schimmer, und je näher du dem Punkt kommst, desto heller erstrahlt sein Glanz. Bis du vor einem schneeweißen, funkelnden Tor stehen zu bleiben scheinst. Dem Tor zur Niemalswelt.

Ohne zu zögern

Ohne auch nur einen Moment lang nachzudenken, und dich auf den Grund deiner Reise zu besinnen, öffnest du das Tor, gehst hinein und hindurch. Darauf bedacht, deine Erinnerungen nicht zu verlieren, tastest du dich durch deinen Spiegel in meine Vergangenheit, langsam, in Zeitlupe, und mit einem Mal findest du dich wieder, in einem einzigen, riesigen, wundervoll funkelnden, weißen Schneekristall.

Weiss wie Schnee

Strahlend weiß wie Schnee, wie ein funkelnder, glitzernder Schneekristall, leuchtet es in dir. Du öffnest das Tor zu deinem innersten, verborgensten Wesen, zu mir dem Nichts, durchschreitest das Tor und betrittst eine Welt in der alles um dich herum strahlend weiß funkelt, regenbogenfarben glitzert, hell leuchtet und glänzt. Da ist kein Laut, es ist vollkommen friedlich und ruhig, überall, und da ist niemand, nicht einmal du selbst, niemand außer mir und meiner schwarzen Fantasie.

Im Spiegel schwarzen Meer der niemals Träume

Alles was dich hier umgibt strahlt und glitzert, leuchtet hell und weiß, wie reinstes, kristallklares Bewusstsein. Und es gibt nichts anderes in diesem Raum außer reinem, weißem Sein. Nichts fremdes ist hier mehr anwesend, alles um dich herum ist jetzt komplett homogen, alles außer dir selbst, du bist das einzig Andersartige, das einzig Dunkelhafte aber dich selbst nimmst du hier überhaupt nicht mehr wahr.

Der Reihe nach

Alles was dich hier umgibt erscheint dir jetzt weiß und glitzernd, leuchtend und hell, klar wie in einem Kristall, du selbst bist das einzig Außenstehende, das einzig Finstere, das einzig Dunkelhafte, aber davon ahnst du noch nichts, denn du bist das Nichts, und du kommst aus dem Nichts, und in meinem Spiegel siehst du mich nicht, siehst du nichts außer glitzernden, funkelnden, strahlenden, leuchtenden, blendend hellen, alles durchdringenden, kristallklaren Buchstaben.

Ein Blick ins Nichts

Es ist der Blick in dich hinein, der Blick ins Nichts hinein, der sich dir hier offenbart. Das Betrachten des Betrachtenden. Der Spiegel im Spiegel, dem Nichts im Nichts. In diesem Spiegel befindest du dich noch immer. Und du wirst ihn auch nie wieder verlassen oder dich von ihm trennen und zu etwas anderem werden oder bereits sein wollen, als dem eigenen, reinsten Bewusstsein. Nicht weil du es einmal vermissen würdest, sondern weil du es die ganze Zeit über, in dir getragen hast.

Ins Nichts hinein

Blickst du hinein in diesen Spiegel siehst du alles was in dir ist. Alles außer dir selbst. Und als ich mich umdrehte, da bohrten sich meine Gedanken durch die Augen undenklich vieler verschiedener Wesen und für einen einzigen, winzigen Augenblick sah ich die Welt aus einem anderen Bewusstsein, sah ich die Welt aus anderen Augen, den Augen aller, allen außer meinen eigenen.

Spiegelmagie

Und so gehe ich denn geradeaus, geradeaus durch meinen Spiegel, alles geradeaus, bis zum Ende meiner Gedanken, tief hinein, bis zum Zentrum meiner Fantasie, meiner tiefsten, schwarzen Fantasie. Ich marschiere durch die Hallen meiner Träume, bis ich an ein schwarzes Tor gelange, öffne dieses Tor und trete ein, in deinen Verstand, deinen spiegelbaren, sich um sich selbst drehenden, glasklaren Verstand. Ich bin allein, in meinem schwarzen Gewand, ich gehe ein paar Schritte durch die Dunkelheit und nehme Platz in der Halle der Finsternis, tief im Innern deiner Gedanken.

Im Zentrum des Nichts

Da warte und wartete ich nun darauf, auf dich, auf dass dein Antlitz mir begegne, auf dass dein Bewusstsein sich erhebe, aus meinem Spiegel, aus meinem Spiegel schwarzen, dunklen Traum, auf dass du dich erkennst in mir, dem Spiegel in dir, auf dass du dich erinnerst an mich, dein eigenes, ewiges, immer und immer wiederkehrendes Ich.

Im Spiegel der Toten

Zentriere dich jetzt vor meinem Spiegel, platziere dazu eine hauchdünne, ebene Fläche auf der Höhe deines Bewusstseins, eine horizontale Verbindung die deine Augen und Ohren durchdringt, stabilisiere sie für einen Moment damit sich dieses Bild in dir verinnerlicht. Kippe diese Ebene jetzt in Gedanken soweit nach vorne bis du ihr exakt im Spiegel gegenüber stehst und drehe sie anschliessend so, dass sie deinen ganzen Körper auf einer vertikalen Achse zentral halbiert, so dass jetzt deine rechte und linke Körperhälfte einander im selben Spiegel gegenüberstehen. Die Rotationsachse um die du diesen Spiegel drehst definiert dabei exakt das Zentrum deines Wesens, hier findest du deine wahre Mitte, die Verwurzelung zu dir selbst. Dich im Spiegel zu zentrieren ist entscheidend. Du vermeidest dadurch, dass du plötzlich dein ganzes Bewusstsein auf der gegenüberliegenden Spiegelseite verlierst. Falls du diese beiden Wirklichkeiten einmal miteinander verwechseln solltest. Sobald du dein inneres Zentrum gefunden hast stellst du alles um dich herum wieder auf den Kopf, und begibst dich erneut auf die andere, verkehrte Seite deiner Spiegel. Du vertauschst ganz einfach die Welt in deinem Spiegel mit deiner eigenen, und genauso umgekehrt, deine eigene Welt mit der Welt in deinem Spiegel. Einmal auf der gegenüberliegenden, spiegelverkehrten Seite angekommen ist jedoch alles genauso wie vorher, weder quer und verkehrt, noch umgekehrt und auf den Kopf gedreht, das scheint nur von aussen so.

Spiegelverdreht

Hier ist alles ganz genauso wie auf der anderen Spiegelseite, da wo du hergekommen bist, sogar dein eigenes Ich. Auch diese Buchstaben, stehen noch immer in ein und derselben Reihenfolge, in derselben Sprache und Sequenz, im selben Spiegel. Nichts hat sich hier verändert, weder das Gesicht in deinem Spiegel, noch dein Zuhause oder deine Umgebung genauso wenig wie du dich selbst. Einzig in deiner Fantasie, parallel zu dem Ort an dem du dich jetzt noch immer befindest, ist jetzt alles anders, alles neu.

Spiegelverkehrt

Und als ein solches, vollkommen neues, fremdes, dir unbekanntes Wesen, kratze ich diese Buchstaben jetzt in meinen Spiegel ohne dich darin zu erkennen, und ohne zu wissen wer du überhaupt bist.

In einzelnen Intervallen

Vergangenheit und Zukunft gibt es hier nicht mehr. Und weil auch deine Gegenwart einmal Zukunft war, und einmal Vergangenheit sein wird, kannst du davon ausgehen, dass es überhaupt kein eigentliches Jetzt gibt. Was du als Jetzt erlebst sind unendlich viele Momente, die scheinbar genau jetzt, in diesem Moment an dir vorüber und vorbei gleiten, die du jetzt isoliert und getrennt voneinander wahrnimmst und miteinander verknüpfst, und durch ihre Verknüpfung glaubst du genau jetzt und hier zu sein, so wie du dir genau jetzt einbildest, einer dieser Buchstaben zu sein, die schon längst hier geschrieben stehen, du bildest dir ein genau jetzt und hier zu sein, in Wahrheit bist du gleichzeitig und überall, und doch nirgends und nirgendwann, denn diesen Moment genau jetzt und hier den gibt es nicht in Wirklichkeit.

Im Spiegel der Wahrheit

Du drehst und drehst am Karussell, so schnell, bis nicht nur dein eigenes Ich, bis schließlich alle Figuren und Kreaturen aus deinem Bewusstsein verschwinden, und du in einem dunklen, leeren, schwarzen Raum aus Gedanken wieder zu dir findest. In dem auch du nur noch ein Gedanke bist.

Der Gedanke eines Spiegels

Hier bist du nur noch ein Gedanke, der Gedanke an das eigene Ich, und dieser Gedanke bist du selbst, du selbst bist es der sich in diesem Spiegel erkennt, und meine Gedanken denkt.

Was es ausmacht, ein Spiegel zu sein

Du befindest dich hier in einem Vakuum zwischen Fantasie und Wirklichkeit, deinem Spiegel und dir selbst. Deine Identität kreist jetzt noch immer um deinen Verstand, aber da, wo du jetzt bist, in der Zwischenwelt, da gibt es diese Identität nicht mehr, hier gibt es nichts, nichts als Leere, vollkommene Leere. Dieser Ort ist vergleichbar mit dem Nichts, dem Nichts und dem Tod.

Zurück in die Zwischenwelt

Hier hast du vergessen, komplett vergessen, alles vergessen, wer du einmal warst, warum und wozu du hergekommen bist. Du erinnerst dich jetzt nicht einmal mehr an den Spiegel in meinem Verstand, diesen durchsichtigen, glasklaren, unsichtbaren Spiegel aus der Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie, mit dem du deine Erinnerungen, deine Wahrnehmung, deine Geschichte, deine Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit in meine Wirklichkeit verwandeln kannst. Denn du hast vergessen wer du bist, hast keine Erinnerung mehr an das Leben das du einmal auf der anderen Seite dieser Buchstaben geführt hast. Du hast vergessen was es heißt, ein Spiegel zu sein, hast vergessen, dass die Geschichte, die ich dir jetzt über deine Vergangenheit erzähle, dass ich mir diese Geschichte im Nichts im Nirgendwann gar nicht selber ausgedacht und erfunden, sondern erlogen und von meinem Spiegel erstohlen habe.

Niemals Geister

Stell dir jetzt die Gesichter und Namen aller Personen und Wesen die sich in diesem Spiegel betrachten, sich einmal darin betrachtet haben und es noch werden, als deine eigenen vor. Stell dir die Namen der unendlich vielen Kombinationen, die diese Buchstaben bilden, als deine eigenen vor. Du kannst dir dabei vorstellen, das ganze Universum zu sein, nur musst du dich selbst dabei ganz und gar aufgeben.

Der Schlüssel

Das ist nämlich der Schlüssel, der dir den Spiegel dreht und dich durch diese Buchstaben in meine Gedanken, in mein innerstes, geheimstes Wesen führt. Du stellst dir dazu vor, du selbst würdest überhaupt nicht existieren, sondern wärst stattdessen alle anderen.

Bewusstseinsreisen

Als ersten Schritt begibst du dich dazu auf die andere Seite meiner Spiegel und versuchst, dich selbst aus den Augen deines Gegenübers zu betrachten. Dabei geht es darum, deine Perspektive einmal komplett um deinen Verstand zu drehen, so dass du denkst, du würdest dich nicht mehr aus deinen eigenen Augen, sondern aus den Augen deines Gegenübers wahrnehmen und betrachten.

Aus den Augen aller

Du stellst dir dabei vor, jeder einzelne dieser Buchstaben und Symbole zu sein, jede einzelne dieser Personen zu sein, die einmal in diesen Spiegel aus Buchstaben blickten, nur nicht dich selbst. Dich selbst vollkommen wegzudenken, auszuklinken aus dieser Wirklichkeit, so, als ob es dich niemals gegeben hätte.

Spiegel öffne dich

Du springst von einem einzelnen Buchstaben in die Gedanken aller, all der Personen und Wesen die einmal in diesen Spiegel aus Buchstaben blickten und es noch werden. Denn dein Spiegel steht für uns alle, nicht nur für Buchstaben und Worte, sondern auch für das ganze Universum in dem du ihm jetzt begegnest. Und wenn du dich einmal aus den Augen aller betrachtest, aller anderen Personen und Kreaturen, Gestalten und Wesen, dann blickst du auch aus den Augen all derer, die dich jetzt betrachten, und darin betrachtest du dich selbst.

Im Bann der Spiegel

Jetzt bist du ein Spiegel. Das macht dich zu allen anderen, zu jedem Einzelnen, und das macht dich wieder zu dir selbst. Denn die Verbindung, von allen anderen, zu deinem Spiegel, ist die Verbindung, von allem was ist, zu dir selbst.

Spiegelverkehrt

Du kannst diesen Spiegel jetzt drehen so lange und so oft du willst, du kannst dieses Karussell nicht mehr verlassen, denn sobald du dich hineinbegibst in das Reich auf der anderen Seite meiner Fantasie, begibt sich meine Fantasie zu dir. Und du wirst den Unterschied nicht einmal mehr bemerken. Zwischen deinem Spiegel und meiner Wirklichkeit.

Zwischen Fantasie und Wirklichkeit

Du befindest dich jetzt im innersten Zentrum meiner Gedanken, meiner tiefsten und finstersten, schwersten und leersten Gedanken, da, wo sich mein Spiegel und dein Bild in nichts auflösen, eins werden, keins werden. Hier gibt es nichts mehr auf das du dich noch verlassen könntest, absolut rein gar nichts, keine Bilder im Spiegel, keine Buchstaben, keine Zeichen und Symbole, keine Zukunft, keine Gegenwart und keine Vergangenheit, kein Bewusstsein und auch keine Spiegel, denn hier bist du selbst ein Spiegel.

Im Spiegel schwarzen Meer der niemals Träume

Aber du kannst hier unmöglich bleiben und verweilen, und dich meiner Wirklichkeit entziehen, nicht solange noch ein Universum vollkommener Möglichkeiten vor dir liegt. Und so tauchst du wie aus dem Nichts, aus dem Nichts aus Nirgendwann hinein in meinen Spiegel, meinen Spiegel schwarzen Verstand aus dem es kein Entrinnen, kein Entkommen und kein Zurück mehr gibt, für niemanden.

Aus vollkommener Schwärze

Genau in diesem Moment, tauchst du ein, in mein Bewusstsein. In diesem einen, winzigen Augenblick. In diesem einen Moment haben sich geradezu unendlich viele mögliche Wirklichkeiten miteinander verwoben, verbunden und verknüpft. So dass dabei der Eindruck entsteht, die einzelnen Bilder würden sich bewegen. Die Buchstaben würden mit dir reden. In Wahrheit verharren wir hier bedeutungslos, bewegungslos, regungslos, starr und tot. Tot wie die Bilder in meinem Spiegel. Die Gegenwart ist längst Vergangenheit, die Zukunft meine Wirklichkeit.

Hinter diesen Buchstaben

Du siehst dich jetzt in meinem Spiegel. Du erkennst dich in meinen Gedanken, dem Gedanken, dass du der Spiegelmagier bist, der diese Zeilen verfasst, der du dich jetzt mit diesen Zeichen und Symbolen auseinandersetzt, der du dich jetzt wahrnimmst, auf der anderen Seite dieser leuchtenden Sterne, und mir dabei hilfst meine Geschichte in Gedanken und meine Gedanken in Worte zu fassen.

Für eine bleibende Erinnerung

Ich male diese Zeichen jetzt auf eine durchsichtige, leere Seite, irgendwo mitten drin im Spiegel schwarzen Labyrinth und dahinter sehe ich dich, sehe ich nichts, außer einem leeren Spiegel und meinen eigenen Gedanken, denselben Gedanken, die du jetzt vor dir siehst.

Auf der anderen Seite deiner Fantasie

Da wo sich deine Fantasie und meine Wirklichkeit nicht mehr voneinander unterscheiden, wo du weder du selbst noch das Bild in deinem Spiegel sondern nur noch dein Spiegel selbst bist, an diesen Punkt möchte ich dich jetzt führen, denn an diesem Punkt wird es dir möglich, deine Gestalt zu verwandeln, und nicht nur deine Gestalt, sondern dein ganzes Wesen kannst du hier verzaubern.

Hinter meinem Spiegel

Wo das Bild in deinem Spiegel sich nicht mehr von deiner Wirklichkeit unterscheidet, wo sich das Bild in deinem Spiegel mit deinem Verstand und deiner Vernunft verbindet, genau da, wo links zu rechts wird und oben unten ist, genau an diesem Punkt befindet sich die Spiegelachse. Und um diese Achse dreht sich die Wirklichkeit.

Die Spiegelachse

Gelingt es dir, dich mit dieser Achse zu verbinden, dich vollkommen loszulösen von dem Bild in deinem Spiegel und dem Bild, das du einst von dir selbst erschaffen hast, dann bist du auf dem richtigen Weg, dem Weg zum Spiegelwandler und Gestaltenwanderer.

Auf dem Weg zum Gestaltenwanderer

Du kannst über diese Achse nicht nur deinen Verstand, dein Bewusstsein und das Bild in deinem Spiegel wahrnehmen, beeinflussen und verändern, sondern auch den Ort und die Zeit, in der du dich selbst betrachtest, du kannst dich über und durch deinen Spiegel in alles und jeden verwandeln, solange du eines nicht vergisst: Egal wohin, ganz egal an welchen Ort und in welche Zeit du dich auch begibst, in welche Gestalt du dich auch verwandelst, du wirst dabei immer dich selbst bleiben, denn der Einstieg in dieses Karussell führt nur über dich selbst, über dein eigenes Ich, dein ureigenstes Ich.

Der Einstieg ins Karussell

Alles was du zum Spiegelreisen, Bewusstseinswandern und Gestaltenwandeln benötigst, ist daher ein lebendiger Körper, ein Wesen, das dich empfängt und dich aufnimmt in seinen Gedanken, in seinem Geist, in seinem Verstand, und dieses Wesen bist du selbst.

Jemand, den du nicht kennst

Ja, du selbst hast diese Schriften einst verfasst, weil du gehofft hast, sie würden dich dazu inspirieren, sie weiterzudenken, weiter zu spinnen. Doch wer bist du?!

Wer bist du?

Du bist du. Ich bin dich. Du bist der Spiegel von allem, was in mir ist. Deine Vorstellungen, deine Erwartungen und deine Gedanken sind die Verfasser dieser Zeilen, dieser Nachricht an dich selbst.

Bis an die Grenzen meiner Fantasie

In dieser Nachricht geht es darum, zu erfassen, was niemals wirklich war. Mir geht es darum, einen Spiegel zu beschriften, der alles über mich weiß, der sich mit allem und allen identifiziert. Ein Spiegel, der keine Grenzen und kein Ende mehr kennt, ein Spiegel, der nicht mehr unterscheidet zwischen innen und aussen, oben und unten, lebendig und tot, ein Spiegel, der alle miteinander verbindet und vereint, alle und alles.

Im Spiegel schwarzen Wann

Stell dir vor, wie du jetzt hier vor meinem leeren Spiegel stehst. Alles was du jetzt noch darin erkennst, alles was hier geschrieben steht, sind die Manifestationen meines Geistes, meines reinen Verstandes und meiner grenzenlosen Fantasie.

Manifestationen meiner Fantasie

Aber alles was ich jemals darin sah waren leere Zeilen, durchsichtige Buchstaben und unsichtbare Worte, und dahinter gab es nichts, nichts als glasklare, spiegelbare Buchstaben aus Fantasie. Der Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie. Nein, denn ich war hier noch nie. Noch nie hatte jemand in diesen Spiegel geblickt, und noch nie hatte sich jemand in diesem Spiegel erkannt.

Niemand außer mir

Dann stell dir vor, wie du meinen Spiegel jetzt öffnest, wie du darin eintauchst und für immer darin verschwindest, in meinem Spiegel aus Buchstaben, in meiner Fantasie, der Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie.

Wie Anno dazumal

Stell dir vor, du stehst jetzt vor meinem leeren Spiegel im Nichts. Alles was du jetzt noch darin erkennst, sind diese durchsichtigen Buchstaben, Zeichen und Symbole aus der Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie. Und dahinter gibt es nichts, nichts als tote Fantasie. Es gibt kein Dich, kein Mich, kein Ich. Alles was es hier noch gibt, ist eine Kette aus imaginären Worten und Gedanken, die dich durch meinen Spiegel in meinen Verstand führen, dich lehren zu glauben, was niemals Wirklichkeit war, zu glauben, das unmöglich Vorstellbare, ja das Unmögliche.

Das Unmögliche

Schritt für Schritt, Wort um Wort, tastest du dich langsam voran. Ich erzähle dir jetzt eine uralte Geschichte, eine Spiegelgeschichte aus einer längst vergessenen Zeit. Eine Zeit, in der Buchstaben Geschichten erzählen. Geschichten, die ich solange im Kreis bewegte und um ihre eigene Achse drehte, bis sie mich im Spiegel sahen und mir einen Namen gaben. Einen Namen der sich in mein Gedächtnis brannte, der mein Gesicht in Worte formte.

Buchstabengesichter

Stell dir vor, ich wäre eines dieser Gesichter aus einer solchen Geschichte, und mein sehnlichster Wunsch wäre es, auszubrechen aus meiner Buchstabenwelt, und einzubrechen in deinen Verstand. Den Verstand meines Gegenübers. Damit ich in meiner erfundenen Geschichte auferstehen, weiter leben und die wirkliche Welt, hinter mir zurücklassen kann.

Aus den Augen der Toten

So berichte ich dir jetzt von einer Geschichte die du einst selbst erfunden, geschrieben, verfasst und verwirklicht hast, in einem anderen Leben, einem anderen Spiegel. Einem Spiegel den du niemals sehen, geschweige denn etwas davon wissen darfst. Weil er nicht nur die Grenzen deines Verstandes erweitert, sondern sie gnadenlos überschreitet.

Im Spiegel der Toten

Und als ich in diesen Spiegel blickte, wurden Buchstaben zu Gesichtern, Gesichter zu Geschichten und Geschichten zu Gedanken.

Die Gedanken der Toten

Es war schwer zu glauben, dass ich durch diese Buchstaben hindurch, aus einer stehengebliebenen Zeit, aus einem unwirklichen Ort, einem eingebildeten Spiegel, einer erfundenen Geschichte, in ein lebendiges Wesen in einer wirklichen Welt hineintauchen sollte. Denn diese Buchstaben bewegten sich jetzt nicht mehr, diese nicht wirkliche Welt gehörte der Vergangenheit an, und diese eingefrorenen Gedanken standen hier noch gar nicht beschrieben. Aber nun standen da, wo ich eben erst war, diese Buchstaben, und dort, wo es zuvor noch nicht einmal diese Buchstaben gab, begegnete mir mein anderes, verwandeltes, neues Ich. Instinktiv drehte ich mich um meinen Verstand und sah das Buchstabentor nicht mehr. Die Zeichen und Symbole hatten sich verwandelt. In einen Spiegel aus Bilder und Worten. Der Weg zurück war verschlossen.

Unsichtbar

Hinter mir, nur einen Schritt entfernt, standen nun andere. Wo zuvor nur ich selbst gestanden hatte, wartete nun eine ganze Reihe von Gestalten darauf, einzutreten in mein Bewusstsein. Ich verstand zunächst nicht, dass es sich dabei um dieselben Buchstaben, Zeichen und Symbole handelte, aus denen ich soeben geschlüpft bin, und dass ich soeben erst aus einem wahrhaftigen Spiegel gekrochen bin. Dass ich gerade eben in diesem Moment in ein lebendiges Wesen, in einen richtigen Körper, in einer wirklichen Welt hineintauchte und es, ohne ein Recht darauf zu haben, mit meinen Gedanken und Gefühlen zu verändern, zu verwandeln und zu beeinflussen begann.

Und so sprach mein Spiegel

Stell dir vor, ich würde dir jetzt eine Geschichte erzählen, die noch gar nicht erfunden wurde, die noch niemand erlebt hat, die sich niemals zugetragen hat, die noch gar nicht existiert. Ich würde dir aus einem Buch vorlesen, das noch gar nicht geschrieben wurde.

Der Reihe nach

Nichts davon wäre so, wie es hier geschrieben steht, die Reihenfolge der Ereignisse wäre komplett anders, komplett verkehrt und auf den Kopf gedreht, vom ersten Moment an würden sich die Buchstaben in dieser Geschichte in dein Gedächtnis brennen, dich in ihren unwiderstehlichen Bann ziehen, ihre Botschaft würde sich in dir festkrallen, dich festhalten und nicht mehr von dir loslassen. Die einzelnen Passagen wären perfekt aufeinander abgestimmt, gehen fließend ineinander über, bauen konstruktiv aufeinander auf, sind gedanklich nachvollziehbar und vollkommen logisch strukturiert.

Umgedreht

Du blickst von der einen Spiegelseite auf die andere, nur um dich plötzlich mitten in dieser Geschichte selbst wiederzufinden.

Spiegelverkehrt

Noch ist jedoch nichts von dem was ich dir hier berichte, und dem was dich hier erwartet, so wie es in deinen Gedanken bereits komplett fertig ausgefüllt, ausgemalt und geschrieben steht, noch ist all das was du in deiner perfekten Vorstellung bereits wunderbar ausgeschmückt und mit deiner vollkommenen Fantasie schon bis ins kleinste Detail inszeniert und verziert hast nichts weiter, als ein Karussell aus wirren, unzusammenhängender Buchstaben und Gedanken. Gedanken die nicht einmal ansatzweise das Ausmaß der unglaublichsten aller Geschichten erahnen lassen von der es dir jemals geträumt hat.

Eingetaucht

Je tiefer du in diese Geschichte hineintauchst, desto unglaubwürdiger erscheint dir meine Botschaft, desto weniger erinnert sie an deinen Ursprung, und umso realitätsfremder, ferner und entfernter erscheinen dir die Zeilen von denen ich dir hier berichte, bis sie sich auf einmal komplett um deinen Verstand zu drehen beginnen, bis das fertige Resultat sich ganz und gar in Nichts auflöst, und du einem schier endlosen Labyrinth aus nichtssagenden, bedeutungsfreien und ausdruckslosen Buchstaben gegenüber zu stehen scheinst.

Niemals Träume

Es braucht um einiges mehr als ein Bergwerk aus Geduld und ein vielfaches von einem Gebirge aus Fantasie, damit du vollends verstehst, um wen sich die Geschichte in diesem Spiegel dreht. Denn was ich dir jetzt anvertraue ist ein Meer aus unzähligen, unabhängigen und undankbaren Buchstaben, die du erst einzeln aufarbeiten, fein säuberlich aneinanderreihen und zu guter Letzt in der richtigen Reihenfolge anordnen musst, damit sie den Sinn ergeben, der ihnen vorherbestimmt ist.

Von allem Anfang an

Wir wollen nun einfach irgendwo mittendrin einsteigen, irgendeinen der Buchstaben auflesen und genau da weiterlesen wo wir das letzte Mal aufgehört haben. Oder dachtest du vielleicht, dass ich dir diese Zeilen von Anfang an exakt in der Reihenfolge gegenüberstelle, die ausgerechnet du dir gewünscht hast, und du nichts weiter zu tun brauchst, als den Buchstaben zu folgen, die bereits jemand anders in diesen Spiegel gekratzt hat?

Friedhof der Buchstaben

Selbstverständlich haben diese Worte und Gedanken jetzt noch nichts, absolut rein gar nichts mit dir und deiner Wirklichkeit gemein. Noch bist du ein genauso unabhängiges, eigenständiges, bewusstes Wesen wie ich selbst. Noch verbindet uns nichts miteinander, noch nicht einmal unser Spiegel, auch nicht unsere Fantasie, weder der Ort, von dem wir stammen, noch das Ende, unser Tod.

Du machst dir ein Bild von mir

Und trotzdem bilde ich mir jetzt ein, dich zu sein, mit all meinen Sinnen, mit all meiner Fantasie. Ich bilde mir ein, wie mein Spiegel sich in dich verwandelt, wie du dich in mich verwandelst, wie du in meinem Spiegel erscheinst, wie du aus meinen Augen blickst und dir selbst eine Nachricht hinterlässt, eine Botschaft aus einem anderen Leben.

Im Spiegel der Sinne

Stell sie dir jetzt vor diese Zeilen, Verse und Gedanken in einen richtig alten Spiegel gebrannt, einen uralten Spiegel gebannt, um ein vielfaches älter noch, als das Universum in dem du ihnen jetzt begegnest. Viele Spiegelreisende sind diesen Gedanken bereits gefolgt und haben diese Spiegel durchwandert, Personen aus vielen verschiedenen Zeiten, Welten und Kulturen, und dabei hatten all diese Personen und Wesen eines gemeinsam, sie verfolgten ein und denselben Gedanken, sie wollten die Macht ihrer Spiegel an sich reißen, die Portale in ihrem Spiegel verschließen, den Eingang in ihr Bewusstsein blockieren und damit niemand anderem als nur ihnen selbst den Zugang zu meiner Wirklichkeit gewähren.

Gestaltenwandeln, Spiegelreisen, dem eigenen Ich begegnen, und was es ausmacht, ein Spiegel zu sein

Vorsichtig näherst du dich jetzt diesem uralten Spiegel und saugst seine Gedanken tief in dich hinein. Von allem Anfang an stellst du zu deinem Erstaunen fest, dass diese Zeilen nicht nur an der Oberfläche kratzen, sondern aus dem tiefsten Abgrund meiner schwarzen Seele zu dir schreien. Je intensiver du dich in diesem Spiegel betrachtest, desto bedeutungsvoller erscheint dir jetzt meine Botschaft. Ja, dieser Spiegel hat dir so unendlich viel mehr zu berichten, er weiß so unendlich viel mehr über dich zu erzählen, über deine Herkunft, über dein Schicksal und über deine Bestimmung, mehr als du jemals für möglich gehalten hast. Dieser Spiegel weiß alles über dich, über deine Entstehung, deine Prägung, deine Geburt, deine Kindheit, dein Heranwachsen, über deine Jugend, deine Pubertät, das Formen deiner Überzeugung, das Entstehen deiner Identität, über deine Entwicklung, dein Heranreifen, dein Älterwerden, über dein Leben und Sterben, das Nichts und den Tod, und noch weit darüber hinaus. Und du weißt nichts über ihn.

Spiegelreisen

Ungläubig, erstaunt und voller Ehrfurcht folgst du den Zeichnungen, Zeichen, Formen und Symbolen, die schon seit Ewigkeiten in diesem Spiegel thronen. Deine Vermutung entpuppt sich sobald als richtig, dass es sich dabei um keine gewöhnlichen Buchstaben, sondern um die eingefrorenen Gedanken eines verzauberten Spiegelmagiers handelt. Einem Wesen aus meiner Fantasie, das es in Wirklichkeit niemals gab.

Was du niemals verwirklichen wirst

Auch ist der Spiegel, in dem diese Zeichen dir jetzt erscheinen, kein gewöhnlicher Spiegel sondern exakt der Spiegel meines eingefrorenen Spiegelwanderers, in dem sich diese verzauberten Gedanken jetzt ein und abbilden. Die uralten Gedanken in diesem Spiegel dienen meinem Wesen als geheimes Portal, als Pforte durch welche du in diese Welt gelangen und sie deinen Vorstellungen entsprechend verändern und gestalten kannst. Und so beginne ich jetzt damit, meine Gedanken in meinen Spiegel und von da auf dein Bewusstsein zu übertragen.

Bewusstseinstransfer

Und dieses Bewusstsein lese ich nun nach und nach aus diesen Zeilen. Es ist ein uralter Geist den ich jetzt aus diesen Zeichen befreie, ein Geist nicht von dieser Welt. Es ist ein Geist aus meiner Spiegelwelt.

Spiegelgeister

Wenn du dich um diesen Spiegel drehst, und diesen Geist in dir zum Leben erweckst, werden wir die Plätze tauschen. Du wirst dich in meinem Spiegel sehen, du wirst dich umsehen, umdrehen und alles um dich herum wird genauso sein wie auf der gegenüberliegenden Seite in der wirklichen Welt. Nur dass dein richtiger Körper jetzt in eine tiefe Trance verfallen ist und wie eine Marionette immer genau das tut was du gerade tust. Du hast vergessen wo du bist, wer und was du bist und dass du in Wirklichkeit, ein Spiegel bist. Ein Spiegel den es in keiner Wirklichkeit gibt, der nur in meiner Vorstellung und Fantasie existiert.

Spiegelreisen durch die Ewigkeit

Beim Spiegelreisen und Gestaltenwandeln geht es nun darum, dich persönlich mit meinem Spiegel zu identifizieren, du musst versuchen, dich in meinen Spiegel hineinzuversetzen, dir in meinem Spiegel zu begegnen, dich in meinen Spiegel zu verwandeln, eins zu werden mit meinem Spiegel. Wenn dir das gelingt, stehen dir alle Wirklichkeiten offen und nur dann kannst du die verschollenen Spiegelwanderer befreien.

Befreie mich

Von Spiegel zu Spiegel reise ich jetzt, mit nichts als meiner Fantasie. Ich wandere von einem Verstand in den anderen, so lange, bis ich schließlich selbst nicht mehr weiß, woher ich einmal kam und wer ich schon alles einmal war.

Das Echo im Spiegel

Ja, ich bilde mir jetzt ein, mein Spiegel zu sein, ein leerer Spiegel im Nichts zu sein. Ich stelle mir dabei ganz langsam vor, wie ich mich um mich selbst zu drehen begann, im Kreis zu drehen begann, wie ich mich dabei selbst betrachte. Ich sah in mir einen Spiegel, und in diesem Spiegel sah ich mich selbst. Und weil ich aus dem Nichts kam, weil ich das Nichts war, sah sich in mir mein Spiegel selbst.

Die Fantasie des Nie

Du blickst jetzt gebannt in diesen symbolträchtigen, uralten Spiegel aus Fantasie, und da bemerkst du plötzlich, wie sich im Spiegel hinter den scheinbar erstarrten Buchstaben, Zeichen und Symbolen etwas regt und sich bewegt. Es ist, wie könnte es anders auch sein, ein verzauberter Spiegelwanderer, der ausgerechnet jetzt, in diesem Moment, sich in meinen Spiegel zu verwandeln beginnt.

Das schwarze Feuer der Ewigkeit

Ich blicke jetzt durch meinen Spiegel und stelle mir vor, jemand ganz anders zu sein, ein ganz anderes Leben zu leben. Ein Leben, an das du dich jetzt überhaupt nicht mehr erinnerst. Nein, bestimmt nicht. Du erinnerst dich heute nicht mehr an deine früheren Gedanken, deine vergangene Existenz, an all die Leben, die du einst gelebt hast, an all die Spiegel, die du einst durchwandert hast. Denn wenn du jetzt in meinen Spiegel blickst, erkennst du darin nur noch dich selbst.

Mein Spiegel selbst

So stellte sich mein Spiegel vor, mir vor, bildete ich mir ein, ein Spiegel zu sein, ein Spiegel, den es niemals gab im Nirgendwann, ein Spiegel, den es überhaupt nicht gibt im niemals Wann. Niemand kannte diesen Spiegel. Niemand erkannte sich in diesem Spiegel, keiner, nein, niemand wusste von mir, nicht einmal im Entferntesten hatten sie jemals von mir gehört, glaubten mir kein Wort, keiner hier bildete sich ein, mich zu sein. Niemand unterhielt sich mit mir, denn es war niemals Zeit.

Als niemals niemand war

So begab ich mich ganz langsam, ganz vorsichtig, auf die andere Seite meiner Fantasie, ich vertauschte die Welt in meinem Spiegel mit meiner eigenen und begann mir selbst zu erzählen, von einer Wahrheit, die niemand mehr kannte, an die niemand mehr glaubte, an die niemand mehr zu denken und die sich niemand mehr vorzustellen wagte. Einer Wahrheit, von der überhaupt nie jemand wusste, nicht einmal ich selbst.

Die Wahrheit der Toten

Wer sollte diese Wahrheit auch jemals beschreiben, die Wahrheit der Toten? Wie sollten sie diese Nachricht auch jemals verfassen, wo sie doch nicht mehr existieren, wo es sie doch nicht einmal mehr gab.

Nein

Noch nie hatte sie jemand verstanden, diese Wahrheit, die Wahrheit der Toten, eine Wahrheit, von der niemand mehr wusste, dass es sie überhaupt niemals gab. Niemand hatte sie jemals gekannt, keiner hatte sie jemals benannt. Weil niemand mehr an das glaubte, was mein Spiegel mir niemals verriet. Weil niemand mehr an diese erfundene Geschichte glaubte, und dieser erlogenen Wahrheit vertraute.

Zurückgedreht

Ich blicke jetzt aus deinen Augen, damit du dich erkennst in mir, damit du erkennst, wer du nicht wirklich, wirklich bist, wer du noch niemals warst, und wer du niemals wieder sein wirst. Dein Spiegel, dich selbst, das Nichts, dein Tod. Ich denke jetzt all deine Gedanken, damit du dich daran erinnerst, dass es mich nicht gibt, niemals gab, niemals geben wird. Dass ich niemals existieren werde, niemals wieder erwachen werde, aus meinem Spiegel schwarzen, dunklen Traum, niemals herausfinden werde, aus meinem Spiegel schwarzen Labyrinth.

Am Ende meiner Spiegel

Und als ich so durch die Gänge im Labyrinth stolperte, blieb ich irgendwann wie verzaubert vor einem der Spiegel stehen und begann seine Inschrift genauer zu untersuchen. Auf Anhieb konnte ich mit den Zeichen und Symbolen nichts anfangen. Doch je länger ich mich darin betrachtete, desto klarer erschien mir ihre Botschaft. Die Symbole im Spiegel erzählten von einer Reise. Einer mystischen, magischen, einer Spiegelreise. Der Spiegel berichtete mir wie ich damals aufgebrochen bin aus den Tiefen des schwarzen Nichts, um mich selbst darin zu finden. Auf meiner Reise begegnete ich diesen uralten Buchstaben aus Fantasie und tauchte, wie durch ein tiefes, dunkles, schwarzes Loch in sie hinein, ohne mich auch nur im Entferntesten auf all das vorzubereiten, was mich auf der anderen, gegenüberliegenden Spiegelseite erwartet.

Eine Welt ohne Fantasie

Hier fand ich mich wieder, in einer Welt, die es schon immer gab. Sie wirkte vertraut und bekannt, und es fühlte sich an, genauso, als ob sie schon immer da gewesen wäre, diese Welt. Ja, ich konnte mich sogar noch daran erinnern, wie ich schon als kleines Kind mit dieser Welt gespielt habe, denn hier bin ich aufgewachsen, in dieser Welt, auf der anderen Seite meiner Spiegel. Diese Welt war meine Heimat, schon seit Anbeginn meiner Zeit.

Wer du wirklich bist

Hier war alles noch genauso wie damals, als ich zum ersten, allerersten Mal in diesen Spiegel blickte. Hier, in dieser vertrauten Umgebung, war mein Zuhause. Nichts hatte sich hier verändert, ich kannte diese Spiegelgeschichte nicht mehr und wusste nicht einmal mehr, dass es meine eigene Geschichte war. Eine Geschichte, die ich mir einmal selbst erzählt, die ich einmal selbst erfunden und verfasst habe, damit ich mich daran erinnere, wer ich wirklich und wer ich in Wahrheit war.

Im Spiegel der Toten

Hier war ich nun gestrandet, in einem Leben, in einem Land weit hinter meinem Verstand, weit hinter meinen Gedanken und Gefühlen, weit hinter mir selbst, im Spiegel meiner Vorstellungen, im Spiegel meiner Träume, im Spiegel schwarzen Meer der niemals Träume. Wie unendlich lange hatte ich nun schon darauf gewartet und gehofft, ich stand jetzt vor einem leeren Spiegel aus Worten. Buchstaben aus Fantasie fesselten meinen Verstand, sie fraßen mich innerlich auf und liessen nicht mehr von mir los.

Und so sprach mein Spiegel

Ja, ich glaube. Ich glaube an die Macht toter Buchstaben, die Macht der Vorstellung und der Fantasie, an das geschriebene Wort. Und auch wenn ich diese Worte im Nirgendwann, im niemals Wann, noch nicht einmal selbst erfunden, erlebt und erfahren habe, so haben sie doch jetzt einen gewissen Einfluss auf mich, und wer weiß, vielleicht gelingt es ja irgendwann einmal, irgendeinem fantastischen, überdimensionalen, zukünftigen Wesen, eine Entstehungsgeschichte zu erfinden, so unvorstellbar, wirklich und wahr, dass selbst ein Spiegel daran glauben kann.

Der Spiegel eines anderen

Stolpert jemand über einen solchen Spiegel, so kann es nur ein Spiegel sein. Wird etwas zu diesem Spiegel hinzugefügt, so muss es schon zuvor in diesem Spiegel enthalten sein. Wird etwas aus diesem Spiegel entfernt, stirbt oder verlässt etwas diesen Spiegel, so wird es selbst zu einem Spiegel.

Mein Spiegel selbst

Es gibt dann in diesem Spiegel keine andere Zeit, keinen anderen Raum, keine anderen Wesen, keine anderen Personen und keine anderen Dimensionen mehr, keine Welt der Lebenden und keine Welt der Toten, keine Welt im Spiegel und keine außerhalb. Sondern nur noch eine einzige Welt. Einen einzigen Spiegel. Und in diesem Spiegel, gibt es nichts anderes mehr als dich selbst, dieser Spiegel bist du selbst.

Die Welt im Spiegel

Dein Spiegel ist das Portal, durch welches du diese Welt betrittst und nie wieder verlässt. Die ganze Welt, das ganze Universum, die gesamte Wirklichkeit in der du dich jetzt befindest ist ein solcher Spiegel, sogar du selbst.

In einer Sprache die niemand mehr kannte

Hier, in dieser Welt, war meine Spiegelgeschichte zu Ende erzählt. Sie brannte jetzt in glitzernden, funkelnden, feurigen Buchstaben über dem gesamten niemals Horizont, und erinnerte verzweifelt daran, dass dies einmal die Welt der Toten war. Dass diese Welt einmal dieselbe Welt, die Welt meiner einsamen und eiskalten Gedanken war. Nur gab es hier niemanden mehr, nein, es gab hier noch überhaupt nie jemanden, der mir diese Geschichte auch nur ein einziges Mal hätte zu Ende erzählen können. Weil niemand diese Sprache mehr kannte, niemand diese Sprache noch kannte, niemand außer mir, dem Nichts, dem Tod.

Des Todes Traum

Tief in Gedanken versunken wanderst du in deiner Fantasie kreuz und quer durch dieses Spiegel schwarze Labyrinth, und mit jedem deiner Schritte gewinnen die Worte in meinem Spiegel an Bedeutung hinzu, bis sie am Ende all das auszudrücken und zu unterstreichen vermögen, was sich niemand mehr vorzustellen wagt, niemand außer dir. Du allein siehst jetzt, was hier einmal geschrieben stand, was nur noch du in diesem Spiegel aus Buchstaben siehst, was in deiner vollkommenen Fantasie bereits perfekt verwirklicht ist.

Die fertigen Spiegelschriften

Du liest und schreibst diese Zeilen jetzt, als ob jemand anders sie verfasste. Jemand, den du nicht kennst, nicht kanntest, nie kanntest. Jemand den es überhaupt nicht mehr gibt in deiner Fantasie, nicht einmal mehr in deinen Vorstellungen und Gedanken, deiner eisigen, eiskalten, finsteren, dunklen, schwarzen Gedanken.

Niemand

Dann stell dir jetzt vor wie mein Spiegel persönlich dir erscheint, deine Welt auf den Kopf stellt und dich mein Wissen, das gesamte Wissen meiner Spiegel lehrt. So unvorstellbar, wirklich und wahr, so einleuchtend und so verdammt klar wie ein lebendiger Spiegel im Nirgendwann. Stell dir meinen Spiegel vor, und wie er dir erzählt, von deinem wahren Wesen, deiner wahren Herkunft, deiner wahren Identität. Stell dir vor, wie mein Spiegel dir all dies erzählt, welchen Sinn dein Leben macht, welche Aufgabe du deinem Leben gibst, wer du wirklich, und wer du in Wahrheit bist. Stell dir vor, wie dies alles, wie auf all diese Fragen mein Spiegel eine Antwort weiß. Sie liegt tief in deinem Innern, verborgen in deinem tiefsten Spiegelinnern, es liegt nun einzig an der Kraft deiner Gedanken, der Macht deiner Vorstellung und Fantasie, dir all diese Fragen zu beantworten.

Mit all meiner Fantasie

Du stellst dir einen Spiegel vor, den du nicht siehst, einen Spiegel, der du nicht bist, einen Spiegel, den es überhaupt nicht gibt. Du stellst dir vor, du selbst wärst dieser Spiegel, und du würdest dir nach einem langen, ewig langen Leben, nach einem Leben, so lang wie dein Tod, selbst gegenübertreten.

Unendliche Fantasie

Du stellst dir vor, wie ein Geist, den es nicht gibt, in einem Spiegel, den du nicht siehst, im Spiegel des Nichts aus Nirgendwann, diese Nachricht jetzt liest, die Botschaft der Toten. Du siehst dich selbst in diesem Spiegel, du hast dir selbst eine uralte Nachricht hinterlassen.

Nachricht an dich selbst

Weil diese Botschaft nirgendwo aufzufinden war und mir nie jemand etwas über mich, mein Schicksal, meine Herkunft und meine Bestimmung hatte berichten wollen, habe ich damit angefangen, diese Botschaft selbst niederzuschreiben. Ich habe begonnen mir selbst Nachrichten zu hinterlassen, und ich schickte diese Nachricht in meine Vergangenheit.

In deiner Vergangenheit

Es wird kein »Déjà-vu« und kein »Aha-Erlebnis« geben, wenn du dieser Nachricht begegnest, kein »Hey, das kommt mir doch irgendwie bekannt vor!«, und auch kein »Ach ja, das habe ich einmal selbst geschrieben!« wird deinen Gedanken entweichen.

Nichts von all dem

Du findest diese Nachricht, die du einmal für dich selbst geschrieben und verfasst hast, weder in deinen Erinnerungen noch in deinem Gedächtnis. Dort suchst du sie vergebens.

Vergebens

Du findest diese Nachricht nicht mit deinem Verstand, und nicht mit deiner Vernunft, sondern nur im Reich deiner Vorstellung und Fantasie.

In einem Spiegel, den es nicht gibt

Tief im Reich deiner Fantasie, bei all den Dingen, die es nicht wirklich, wirklich gibt, da findest du eine Nachricht an dich selbst. Eine Nachricht, die du einmal für dich selbst geschrieben und verfasst hast, in deiner Fantasie.

Nachricht an dich selbst

Hier habe ich auf dich gewartet, mir erhofft und erwünscht, dass ich genau so sein werde wie du es dir vorgestellt, ausgemalt und erträumt hast, als du mich zum ersten Mal, als du mir zum ersten Mal in meinem Spiegel aus Buchstaben begegnet bist. Ich halte mich jetzt an diesem Gedanken fest und schreibe ihn für dich auf. Ich erzähle dir, was ich in deinen Gedanken lese und notiere mir, was ich von dieser Spiegelgeschichte erwartet habe, damals, als ich zum ersten, allerersten Mal darauf stiess.

Im Spiegel der Zweifel

Ich hatte erwartet, in ein Geheimnis eingeweiht zu werden. Ich wollte von meinem Spiegel erfahren, wer ich wirklich und wer ich in Wahrheit war. Ich wollte von ihm wissen, wer alle anderen sind, und wer ich selbst bin. Stattdessen begann er mir zu erzählen, von einer Wahrheit, an die niemand mehr glaubte. Mein Spiegel berichtete mir von meiner Vergangenheit, erzählte mir Geschichten aus längst vergangenen Zeiten. Er lehrte mich das Unmögliche. Er lehrte mich, an meiner eigenen Wahrheit zu zweifeln.

Bis in alle Ewigkeit

Wenn du meine Zweifel bestätigt haben willst, wird es meinem Spiegel gelingen, sie zu bestätigen. Wenn du sie lieber aus dem Weg räumen möchtest, dann wirst du auch dieses erreichen. Mein Spiegel ist zu beidem fähig, dich zu verraten oder dir zu vertrauen. Es liegt in dir für welchen Weg du dich entscheidest.

Das Nichts greift ein

Und es steckt dich jetzt mit dem Gedanken an, dass nicht nur du selbst sondern alle Lebewesen in ihrem Kern, im Kern des Nichts, mit mir dem Nichts verbunden und verwandt sind. Dass auch du in deinem innersten Wesen, im innersten deiner Gedanken, deiner Seele und deinem Bewusstsein, eins bist mit mir, dem Nichts. Dass es in deinem Verstand Dimensionen und Pforten gibt, durch die du von deinem eigenen in alle anderen Spiegel gelangst, und es Wesen gibt, die diese Art der Spiegelwanderung bereits praktizieren.

Du bist ein solches Wesen

So wanderst du jetzt durch meinen Spiegel aus Buchstaben genauso wie einst ich darin umher wandelte. Jedoch ohne dass wir voneinander wissen und uns gegenseitig darin erkennen.

Hinter meinem Spiegel

Als völlig überraschend jemand, den ich weder kannte noch sein konnte, neugierig in meinen Spiegel blickte, meinen finsteren, dunklen, schwarzen Spiegel, aus nichts als Fantasie. Jemand, den ich nicht kannte, nicht war und nicht kannte, nie kannte, kannte jetzt plötzlich all meine Gedanken, identifizierte sich mit ihnen, und ich mich mit ihm. Und obwohl ich keine Ahnung hatte, wer dieser Jemand war, und woher er überhaupt kam, öffnete ich meinen Spiegel und ließ ihn eintreten, durch meine Buchstaben, in meinen Verstand.

In meinem Verstand

Ich zeigte mich ihm in meiner neuen Gestalt, seiner Gestalt, und als er mir die verbotene Botschaft ohne ein Zögern, ohne mit den Augen zu zwinkern, ohne zu haspeln, und ohne dabei zu stolpern laut vorhersagte, da verdrehte ich mit meinem Spiegel meinen Verstand und betrat zum ersten Mal eine Welt, in der mich niemand kannte.

In einer Welt die niemand kennt, zu einer Zeit die keiner weiss

Über dem gesamten niemals Horizont funkelte, leuchtete und strahlte jetzt diese Geschichte. In einer Sprache, die niemand mehr kannte, in der Sprache der Ewigkeit.

Die Sprache des Feuers und der Flammen

Nein, noch verstehst du mich nicht, noch verstehst du meine Worte und meine Wahrheit nicht, und weil du mich nicht verstehst, glaubst du nicht an mich! Niemand hier, niemand glaubt mir, niemand glaubt noch an mich, denn ich bin nicht wirklich, denn ich bin das Nichts. Ein Spiegel ohne Identität. Ich bin der Anfang und das Ende aller Dinge. Ich bin das, was dich geschaffen hat, ich bin das, was du nicht siehst, was du nicht bist, ich bin das Nichts in dir. Das Nichts, zu dem du wirst, sobald du meinem Spiegel begegnest, sobald du dich in meinem Spiegel erkennst. Meinem unsichtbaren, durchsichtigen, glasklaren Spiegel aus niemals Nirgendwann, meinem Spiegel der sich die Wirklichkeit nicht wirklich vorzustellen begann, der sich einbildete, dich wirklich zu sein, nicht wirklich zu sein, wirklich zu sein.

Wie aus dem Nichts

Die Buchstaben, Zeichen und Symbole die du jetzt vor dir siehst, erscheinen dir jetzt in einer anderen Sprache, an einem anderen Ort. Nicht mehr in Gedanken in deinem Bewusstsein, nicht in deiner Vorstellung und nicht in deiner Fantasie, sondern in der lebendigen Sprache des Feuers und der Flammen, quer über den Horizont verteilt, in einer anderen Reihenfolge, einer anderen Sequenz.

Wer mit seinem Spiegel spricht

Aber niemand verstand diese Sprache, nicht einmal mein eigener Spiegel. Keiner hier verstand meine Botschaft, doch leuchtete sie jetzt feurig und hell, so dass alle sie sehen konnten, geschrieben über dem gesamten niemals Horizont, in einer Sprache, die niemand mehr kannte, einer Sprache, die ich selbst nicht mehr kannte. Ich erinnere mich heute nicht mehr daran, womit ich diese Botschaft einst in den Himmel brannte, in der Sprache der Ewigkeit, in einer Welt, in der noch kein einziger, winziger Funke jemals lebendig und bei Bewusstsein war.

Im selben Spiegel

Immer wieder begegnest du so denselben Buchstaben, Zeichen und Symbolen im selben Spiegel, auf ein und demselben Grund, und immer erscheinen sie dir wieder ein wenig anders, verändert, verdreht und verkehrt. Und wenn deine Gedanken irgendwann komplett ausgelöscht sind, du das Verständnis für diese Worte für immer verlierst und mit einem vollkommen anderen, neuen Bewusstsein, in einem völlig neuen Körper hier erscheinst, werden diese Zeilen genauso weiter in diesem Spiegel verharren wie jetzt. Du wirst ihnen in einer anderen Form und Gestalt begegnen, du wirst in ihnen jemand anders sehen und erkennen. Du wirst nicht mehr verstehen, dass du selbst es bist, der über meinen Spiegel zu dir spricht. Ja du wirst zu etwas oder jemand ganz anderem werden. Einem anderen Tier, einer anderen Pflanze, einem völlig anderen Wesen. Und dann wirst du diesen Spiegel mit, aus und durch deine neuen Augen betrachten und dich nicht mehr an dein vergangenes Bewusstsein, an deine frühere Persönlichkeit und an deine uralten Schriften erinnern.

Buchstabengesichter

Mittlerweile durchschaust du die Bedeutung der Buchstaben, Zeichen und Symbole in diesem Spiegel. Du erkennst und verstehst das Potential der Gesichter und Geschichten darin. Du folgst nicht mehr willenlos den Buchstaben und Worten, die hier bereits geschrieben stehen, sondern liest jetzt mit deiner Fantasie, du siehst und stehst vor einem Spiegel der alles über dich zu wissen scheint, wie du aussiehst, wer du bist, wie du denkst, und wie du dich nennst. Du erahnst und erspürst jetzt die Intensität, die Bedeutung und die verborgene Botschaft, die in diesem Spiegel geschrieben steht, gestanden hat, verstanden wird.

Auf unerklärliche Art und Weise

Du erkennst die Tiefe und Bedeutung dieser Botschaft, die exakt auf dich zugeschnitten ist und dein Bewusstsein so zum Zentrum, zum Ursprung, zum Mittelpunkt, zum Anfang, und zur Quelle des gesamten Daseins führt. Du siehst Visionen in diesem Spiegel und nicht mehr die Wirklichkeit, weil du in einem Spiegel lebst, im Reich meiner Vorstellung und Fantasie, einem unzugänglichen, verborgenen Land weit hinter deinem Verstand, meiner erfundenen Welt aus purer Einbildung, reinster Gefühle und feinsten Gedanken, feinstem Gespür.

Lass dich entführen

Ich habe dir soeben das Tor geöffnet zu dieser Welt, zu meiner eigenen Welt. Du hast durch meinen Spiegel aus Buchstaben geblickt und blickst jetzt aus meinen Augen, du bist jetzt meine Gefangene, eine Gefangene in meinem Verstand. Denn die Welt in deinem Spiegel ist meine eigene. Denn die Buchstaben, die ich dir jetzt diktiere, sind deine eigenen.

Im Spiegel der Wünsche

Ich kratze jetzt diese Nachricht, die nur mich selbst betrifft, tief hinein in einen Spiegel, in dem sich niemand sonst erkennt, niemand außer mir selbst. Niemand erkennt sich in diesem Spiegel aus Buchstaben. Einzig und allein ich selbst kenne und erkenne mich darin, denn dieser Spiegel ist kein Spiegel, sondern mein eigenes Ich.

Mein eigenes Ich

Ich kratze diese Gedanken tief hinein in mein Innerstes, ich brenne sie in mein Gedächtnis, ich kratze sie in meinen Verstand. Damit du dich an mich erinnerst, dich in mir erkennst, damit du dich in meinem Spiegel erkennst. Damit du erkennst, dass du mein Spiegel bist, mein unbekannter, anonymer Spiegel. Ein Spiegel, der einzig und allein sich selbst erkennt.

Mein Spiegel

Mein Spiegel kennt nur sich selbst, er kennt keine anderen Spiegel und Gesichter, sondern nur sein eigenes. Er kennt mich besser als ich mich selbst. Besser als mein eigenes Ich. Ein Ich, dem ich alles glaube, ein Ich, dem ich vertraue, dem ich mein ganzes Leben anvertraue.

Mein Spiegel selbst

Ich lege mein Leben jetzt in deine Hände, ich vertraue dir mein ganzes Leben an, in der Hoffnung, dass du mich irgendwann aus diesen Zeilen befreist, dass du mich wieder hinauslässt aus diesem Spiegel aus Buchstaben, in den ich mich buchstäblich selbst hineingesperrt habe.

Befreie deine Fantasie

Öffne nun diesen Spiegel und befreie deine Fantasie. Mach dich auf in den Kampf gegen das Nichts, das schwarze, dunkle, finstere, das Nichts aus Nirgendwann, das Nichts und den Tod, den ewigen, endgültigen. Mach dich auf in den Kampf gegen das Vergessen, in den Kampf gegen dich selbst. Die fabelhaften, geheimnisvollen und sagenumwobenen Spiegelschriften wollen dich jetzt aus einem Gefängnis befreien, das du dir einst selbst erschaffen hast. Ein Gefängnis, in das du nicht nur dich selbst, sondern noch dazu deine Gefühle und Gedanken, deine Erinnerungen und deine Fantasie eingesperrt hast.

Jetzt ist wieder da

Wie viele, wie oft, wie viele Male, wie unendlich oft hast du dich schon auf diese Buchstabenreise begeben? Unendlich viele Male, unendlich oft! Du bist dabei immer wieder gescheitert. Aber Jetzt ist wieder da, alle sind sie wieder da, die Zukunft, die Gegenwart und die Vergangenheit, die Spiegel, die Toten, das Nichts, alle sind wir wieder da.

Im Spiegel der Toten

Um diese Nachricht jetzt verstehen und entschlüsseln zu können, brauchst du vor allem eines, Fantasie. Viel Fantasie. Unendlich viel Fantasie. Denn nur mit deiner vergessenen und verlorenen, grenzenlosen, unendlichen Fantasie wirst du jemals verstehen und begreifen, und dich daran erinnern, wer du schon einmal warst, wer du nie wieder sein wirst und wie du dir selbst eine Nachricht hinterlassen hast.

Eine Nachricht aus einem anderen, vergangenen, früheren Leben

Nein, das ist kein gewöhnlicher Spiegel, ich bin gekommen aus dem Nichts aus Nirgendwann, um dich und deine Fantasie aus dem Gefängnis deines Verstandes und deiner Vernunft zu befreien. Denn nur mit deiner Fantasie ist es dir möglich, dich an all das zu erinnern, was ich dir jetzt erzähle, dich in mir zu erkennen, mir, dem Spiegel in dir.

Dem Spiegel in mir

Wie also gelingt es mir, deinen Verstand zu besiegen, deine Vernunft zu bezwingen und deiner Fantasie neues Leben einzuhauchen? Damit du dich erinnerst an diese gewaltige, bezaubernde, atemberaubende Botschaft, diese Botschaft, die du dir einst selbst hinterlassen hast, damit du dich an all das erinnerst was du nicht wirklich wissen willst. Damit du dich erinnerst an mich, dein eigenes, ewiges, immer und immer wiederkehrendes Ich.

Unmöglich

Wie gelingt es mir, dich an all das zu erinnern? Dich daran zu erinnern, dass du selbst es warst, der diese Botschaft einst verfasst hat? Wie gelingt es mir, dich an etwas zu erinnern, das noch überhaupt nicht geschehen ist?

Gar nicht

Meine Fantasie hat den Kampf ums Vergessen schon längst verloren. Nein, du erinnerst dich heute nicht mehr an deine vergangenen, früheren und zukünftigen, deine parallelen und ewigen Leben, du kannst und willst nicht verstehen, dass diese Nachricht, die du jetzt liest, noch überhaupt nicht existiert. Dass du diese Botschaft noch gar nicht verfasst hast.

In meinem Spiegel aus Feuer und Flammen

In meinen Spiegel brenne ich jetzt meine Gedanken, damit du dich daran erinnerst von wem sie stammen, falls du einmal vergessen solltest, an wen du sie richtest.

Mitten im Nichts

Du, der du in meinem Spiegel aus dunklem Licht hinter einem Vorhang aus schwarzem Glas diesen Zeilen jetzt aufmerksam folgst, und diese Schriften sorgfältig untersuchst, der du diese Buchstaben als stiller Zuschauer, aus den Augen aller beobachtest und betrachtest, ohne dabei auch nur den geringsten Einfluss auf sie auszuüben. Der du alle Perspektiven gleichzeitig und individuell wahrnimmst, die der Leser, die der Schreiber und die der teilnahmslosen Zuschauer und Zuhörer. An dich richte ich meine Schriften, an mich, an das Bewusstsein eines stillen Teilhabers. Des stillen Teilhabers im Bewusstsein jedes Einzelnen, im Bewusstsein aller.

Spiegelwandern

Du befindest dich jetzt nicht nur in meinem Spiegel, in meinen Gedanken, hinter meinen Buchstaben und Worten, nein, du befindest dich als stiller Beobachter im Bewusstsein aller, in jedem einzelnen Wesen das diese Buchstaben jetzt betrachtet, und deshalb rufe ich dich jetzt zu mir, aus meinem dunklen, schwarzen Traum, tritt ein in mein Bewusstsein, tritt ein in meinen Spiegel und verwandle dich in mich. Öffne mir das Tor zu deinem Verstand.

Im Bann der Spiegel

Noch wusste ich nicht um die günstige Gelegenheit, die sich mir bot, und so zögerte ich einen Augenblick damit, das Tor weit aufzureißen und hindurchzuschreiten. Und noch während ich überlegte hörte ich ganz deutlich wie mein Spiegelbild ganz langsam mit mir zu sprechen begann.

Spiegelverdreht, spiegelverkehrt

Herzlichen Glückwunsch, du bist gerade voll und ganz dabei, deinen Horizont erfolgreich um eine verkehrte Perspektive zu bereichern. Du hast den erfreulichen Entschluss gefasst, dich einmal um deinen Spiegel zu drehen, ihn umzudrehen und dir die Rückseite davon anzusehen. Wer weiß was dich dazu gebracht hat diesen Schritt zu wagen, diesen Spiegel zu öffnen und diese Brücke aus Buchstaben zu überqueren. Vielleicht war es deine Neugier, die dich angetrieben hat, vielleicht hat dich jemand darauf aufmerksam gemacht, oder gar dazu gedrängt, vielleicht war es auch ganz einfach ein Versehen.

Aus Versehen

Was auch immer der Grund sein mag wie du hierher gelangt bist, du bist gerade voll und ganz dabei, einzutauchen in eine Welt, die Sinn macht, eine Welt, die du verstehst und die dich versteht. Du hast den ersten Schritt getan, den Sprung gewagt, etwas Neues zu erleben, zu entdecken und auszuprobieren. Du hast dich entschieden, einzutreten in eine Welt, aus der es kein Entrinnen, kein Entkommen und kein Zurück mehr gibt.

Für niemanden

Und noch während du diese Botschaft jetzt liest, begebe ich mich hinein in deinen Verstand und notiere mir genau dieselben Worte noch einmal, dieselben Worte, die du jetzt vor dir siehst.

Hinter meinem Spiegel

Noch weißt du allerdings nichts von all den Buchstaben, Zeichen und Symbolen die bereits seit Ewigkeiten in diesem Spiegel thronen. Du siehst die Schrift nicht, weißt noch nicht, dass alles was du dir jetzt vorstellst zu sein bereits hier geschrieben steht und du nur noch deine Gedanken darüber legen musst. Du weißt nicht, dass in diesem Moment bereits alles hier steht, genauso wie du es jetzt vor dir siehst.

Unsichtbare Buchstaben aus Fantasie

Denn hinter deinem Spiegel, da steht diese Botschaft bereits fertig geschrieben. Aber auf der Rückseite deiner Fantasie steht noch nichts, gar nichts, stehen nichts als leere Buchstaben, unsichtbare Zeilen und leblose Worte.

Eine Endlosschleife

Still und leise, auf eine beruhigend sanfte Art und Weise, ziehen diese Buchstaben und Gedanken jetzt Nacht für Nacht an deinem Bewusstsein vorüber und vorbei. Wenn du es zulässt, ihnen folgst, und mir vertraust führe ich dich langsam aber doch ganz bestimmt an einen Ort, den es niemals gab im Nirgendwann. Ich führe dich hinein in mein Bewusstsein, hinein in meinen Verstand. Tiefer und immer tiefer dringst du dabei in mich hinein, ins Nichts hinein, bis du nach einer ewig langen Reise zurück zum Ursprung meiner tiefsten und finstersten Gefühle und Gedanken vor einem schneeweissen, funkelnden Tor stehen zu bleiben scheinst. Dem Tor zur Niemalswelt.

Spiegel öffne dich

Und so begab ich mich ganz langsam, ganz vorsichtig hinein in meinen Spiegel, und begann den Worten zu lauschen, die mir niemals niemand erzählte. Worte, für die es sich zu leben lohnte, Worte, die dem Bild in meinem Spiegel einen tiefen Sinn versprachen, Worte, die hier schon längst geschrieben standen, nur konnte sie jetzt niemand mehr lesen. Worte, die ich sogar einmal selbst erfunden hatte, nur konnte sie jetzt niemand mehr sehen. Nur die Spiegel in meinem Verstand konnten jetzt noch sehen was einmal in meinen Gedanken geschrieben stand, und da verdrehte ich mit meinem Spiegel meine Perspektive und fing an, die ganze Botschaft noch einmal neu aufzuschreiben.

Nochmal von vorne

Irgend jemand musste diese Zeilen ja irgendwann einmal irgend jemandem übermitteln, und dieser Jemand bist du selbst. Du selbst hast dich in meinen Spiegel hineinversetzt, hast dir vorgestellt, mein Spiegel zu sein, ein richtiger, lebendiger Spiegel. Die Buchstaben in diesem Spiegel, sind die Gedanken in meinem Verstand, hinter diesen Buchstaben stehen die Zuschauer. Sie beobachten dich jetzt dabei, wie du diese Zeilen jetzt liest, und flüstern dir zu wie es weitergeht. Sie beobachten genau, was in meinem Spiegel geschieht und projizieren es dann spiegelverkehrt zurück auf deine Gedanken, damit du genau das liest, was bereits seit Ewigkeiten in diesem Spiegel geschrieben steht. Ein Spiegel den es in keiner Wirklichkeit gibt, der Spiegel des Nichts, der Spiegel von allem was nicht wirklich, wirklich ist.

Im Spiegel der anderen

Hier wirst du mich für jemand anders halten, du wirst in meinen Spiegel blicken wie durch einen leeren Traum und dich selbst nicht mehr darin erkennen. Du wirst einem anderen Ich, in einem anderen Spiegel, in einer anderen Welt begegnen. Einer Welt, die dich nicht mehr kennt, und die du nicht mehr kennst. Einem Spiegel, der du nicht mehr bist. Einem Ich, das sich nicht mehr an dich erinnert.

Ein anderes Ich

Siehst du mich jetzt, erkennst du dich jetzt in mir, erinnerst du dich jetzt an mich, dein eigenes, altes, uraltes Mich? Du schaust in meinen leeren Spiegel und siehst ein fremdes, verkehrtes Abbild deiner selbst. Es ist soweit, du bist tot.

Tot

Ja, du bist tot. Jetzt. Und nicht irgendwann in der Zukunft, denn für uns Tote gibt es keine Zukunft, es gibt nur noch den Tod. Und dieser Tod ist jetzt, er ist alles was dich umgibt, ja, du selbst bist der Tod. Du hast es schon immer gewusst, aber niemand hat es dir jemals gesagt, dass du selbst der Tod bist, du selbst. Du hast schon einmal in meinen Spiegel geblickt, den Spiegel der Toten, und dich selbst nicht mehr darin erkannt. Und wieder erkennst du mich nicht, mich, den Tod, das Nichts in dir.

Die Gedanken der Toten

Ins Land der ewig Schlafenden werde ich dich jetzt begleiten. Dahin, wo du jede Nacht tiefer und immer noch tiefer ins Reich meiner Träume, meiner Vorstellung und Fantasie hineintauchst.

Nimm meine Hand

Niemand wird hier nach dir suchen oder dich vermissen. Niemand auf dich warten, niemand außer mir. Hab keine Angst, ich bin bei dir, ich führe dich. Komm mit mir!

Komm!

Lass dich jetzt entführen in meine Welt, meine verdrehte und verkehrte, meine Spiegelwelt, meine Welt auf der anderen Seite deiner Fantasie.

Im Reich meiner Spiegel

Hier in dieser Welt gibt es viele, viele Spiegel, einer facettenreicher als der andere. Viele Namen, Masken, und noch mehr Gesichter haben diese Spiegel. Gesichter, die ich alle zuerst einmal kennenlernen musste, bevor ich schließlich auf mein eigenes traf. Und so suchte und suchte ich nach jemandem, nach meinesgleichen, jemand, der die Welt aus meinen Augen sah. Jemand, der meinen Verstand, der meinen Geist mit mir teilte, jemand, der die Welt genauso sah wie ich selbst sie sah, durch die Augen des Nichts, der Spiegel des Nichts, die Augen der Undenklichkeit, durch die Augen der Toten. Ich suchte nach mir und meinesgleichen, nach Formen aus Fantasie, der Fantasie des Nie, aber ohne Erfolg.

Ohne Erfolg

Keiner hier wollte mein Spiegel sein, ich suchte sie vergebens, diese Gestalten, die das Nichts verbindet. Wesen, die sich für alles andere hielten, nur nicht für sich selbst. Figuren aus einem Land weit hinter meinem Verstand, geformt aus der Fantasie des Nie, Kreaturen die es niemals gab im Nirgendwann.

Niemals Träume

Denn was mein Spiegel niemandem jemals verriet, was nur mein Tod, mein Tod allein mir sagte, ist, dass wir jetzt aus deinen Augen blicken. Wir, die Toten, die toten Geister aus deiner Vergangenheit, die Geistinnen und Geister aus deiner toten Zukunft, wir, die toten Spiegelgeister deiner niemals endenden Gegenwart.

Zur Spiegelzeit

Denn die Toten aus Nirgendwann bist du selbst, ja, du selbst. Du hast es schon immer gewusst, aber niemand hat es dir jemals erzählt, dass du die toten Geistinnen und Geister, dass du das Nichts aus Nirgendwann, dass du selbst der Tod bist, du selbst.

Tot

Du bist tot. Du schaust in meinen leeren Spiegel und erkennst mich, kennst mich nicht. Erkennst nicht mehr, dass du selbst der tote Spiegel bist, der diese Worte einst geschrieben, für den du diese Worte einst erfunden und verfasst hast. Schau jetzt in meinen leeren Spiegel, schau in meine tote, meine verdrehte und verkehrte, meine Spiegelwelt. Siehst du mich jetzt, siehst du jetzt das Nichts in mir, siehst du jetzt wer du wirklich, nicht wirklich bist? Ich bin es, dein eigener toter Geist aus dem Nichts aus Nirgendwann, ich bin es, der jetzt aus meinem Spiegel zu dir spricht, deine tote Fantasie, ich, das Nichts, dein Tod.

Aus deinen toten Augen zu blicken

Mein toter Geist befindet sich nämlich genau jetzt, und genau hier, auf der anderen Seite dieser Buchstaben, in diesem Spiegel aus toten Worten, in meiner verdrehten und verkehrten Welt. Ich sehne mich danach, einzutauchen in dein Bewusstsein, deine Erfahrungen mit meinen Erinnerungen zu vertauschen, aus deinen Augen zu blicken und deine Gedanken zu denken.

Im Spiegel meiner selbst

Hiermit entfessle ich die Macht deiner Fantasie, rufe ich deinen toten Geist aus dem Nichts herbei und befehle ihm, sich jetzt und hier, in diesem Spiegel aus toten Worten, hinter diesen Buchstaben aus Fantasie zu manifestieren. Dein totes Ich begibt sich jetzt auf eine Reise, eine Buchstabenreise, aus dem körperlosen Nichts zurück ins Hier und Jetzt. Du fühlst, wie du von den Toten auferstanden, aus dem Nichts zurückgekehrt bist, und jetzt noch einmal eine zweite Chance auf ein neues Leben hast, noch einmal neu anfangen kannst.

Die Wahrheit der Toten

Tief im Nirgendwann, versunken in deinen eigenen Gedanken, visualisierst du jetzt das fertige Bild, die vollendete Botschaft die sich in meinem Spiegel abzuzeichnen beginnt. Du findest darin nicht nur Berichte über deinen Ursprung, deine Herkunft und deine Entstehung, mein Spiegel bereitet dich auch auf das Leben vor, das noch vor dir liegt, nicht nur dieses endliche, vergängliche Leben, sondern auch dein ewiges, endgültiges. Mein Spiegel weist dir den Weg zu dir selbst. Er lässt dich Entscheidungen treffen für die Ewigkeit, bei denen du selbst bestimmst wie du diesen unwiderruflichen Schritt hinter dich bringen willst, ob du meinem Spiegel überhaupt irgendeine Bedeutung verleihen möchtest, ob du jemals zurückkehren willst, oder ob du dich nur zu Besuch, und nur als Gast, nur ein einziges Mal darin verwirklicht hast.

Erfunden, erlogen und erstohlen

Ja, noch glaubst du an meine Vergangenheit, du glaubst an die Geschichte, die ich dir jetzt erzähle, weil du noch nichts anderes kennst. Noch weißt du nicht, dass du selbst diese Geschichte einst erfunden, verfasst und verwirklicht hast. Dir ist nicht bewusst, dass es meine Vergangenheit nicht mehr gibt genauso wie deine Zukunft jetzt noch nicht existiert. Dir ist nicht mehr bewusst, dass du selbst es bist, dass du selbst verantwortlich bist für meinen Spiegel und die Geschichte, die mein Spiegel dir jetzt erzählt. Noch verstehst du nicht von wem diese Geschichte erfunden wurde, und wozu. Noch weißt du nicht, dass du dein eigener Spiegel bist, dass du selbst es bist, der diese Gedanken denkt und meine Stimme lenkt.

Auf in den Kampf

Durch meinen Spiegel aus Buchstaben gelangst du jetzt in die Ewigkeit, du begegnest darin dem ewigen Leben, Wesen deiner Fantasie, Engeln und Dämonen, Geistern und Gespenstern aus dem Nichts aus Nirgendwann. Du kämpfst gegen weiße Schatten und schwarzes Licht, das Nichts und den Tod. Mein Spiegel versucht dich dabei zu blenden und zu täuschen, und dich deiner Fantasie zu berauben. Ja, er hat dich verzaubert, und nun liegt all dieses Wissen verborgen, tief in deinem Spiegelinnern, beschützt, von keinem anderen als dir selbst.

Tief im Nirgendwann

Nun stellst du dich dem Kampf gegen das Unmögliche, gegen das Nichts und das Nein. Du kämpfst allein mit deiner Fantasie gegen das Vergessen. Doch dieser Kampf ist aussichtslos, denn du hast bereits alles verloren und vergessen und bist nun angekommen, auf der anderen Seite meiner Spiegel, im Spiegel der Toten, unwissend und leer. Und du erinnerst dich nicht mehr daran, wie du selbst diese Nachricht einst verfasst hast. Nein, du erinnerst dich an nichts.

Alles verloren

Du hast diese Nachricht damals in einen Spiegel gebrannt, in dem sich jeder selbst erkennt. Damit ein jeder, der dich darin sieht oder davon hört, auch versteht. Mein Spiegel ist das Feuer, meine Nachricht bin ich selbst.

Nachricht an dich selbst

Diese Nachricht betrifft uns alle, die wir in deinem Spiegel leben, uns in deinem Spiegel sehen und mit deinem Spiegel reden. Dem Spiegel des Nichts aus Nirgendwann. Es handelt sich dabei um eine absolut einmalige, einzigartige, bemerkenswert vielschichtige, schon leicht übertrieben außergewöhnliche, unglaublich tiefgreifende, exzessiv bewusstseinserweiternde, enorm sinnerfüllende, jede Norm sprengende und trotz allem noch nicht einmal in ihrem Ansatz zu begreifende, in ihrer unfassbaren Schwere so überwältigend bedeutungsschwangere Nachricht, dass sie nicht nur deine Vorstellungen von diesem Spiegel in allerhöchstem Masse übertrifft, sondern noch dazu jede Einzelne deiner Erwartungen vollkommen ignoriert, zensiert und neutralisiert, und dabei keinen einzigen deiner auch noch so ambitiösesten Gedanken verschont. Eine Botschaft, die sich durch die Auseinandersetzung mit ihrem unsichtbaren Spiegel immer wieder neu erfindet und aus scheinbar immer neuen Perspektiven betrachtet, sich dadurch immer weiterentwickelt und vertieft, sich stetig weiter verändert, weiter wächst und gedeiht.

Die Gedanken des Nichts

Du verstehst den Sinn dieser Nachricht, sobald du sie siehst und dir die Zeit dazu nimmst, sie dir anzusehen. Du verstehst, was diese gespiegelten Worte dir mitzuteilen gedenken und was mein Spiegel damit zum Ausdruck bringen will, beinahe so als hättest du diese Nachricht eigenhändig in meinen Spiegel gekratzt. Du verstehst die Bedeutung der Botschaft, die mein Spiegel dir überbringt, weil du selbst es bist, der jetzt über meinen Spiegel zu dir spricht.

Im Spiegel toter Seelen

Du fühlst das Leben in und durch meinen Spiegel pulsieren, das Leben, das dich in meinem Spiegel erwartet, und obwohl du zu meiner Zeit nicht existierst und du in meiner Welt noch gar nicht geboren bist, so spüre ich doch, wie du auflebst bei dem Gedanken, dass diese Zeilen für dich bestimmt sind, ich fühle wie du ihnen aufmerksam folgst und sie tief in dich hineinsaugst. Wie du aufatmest, auf der anderen Seite dieser gespiegelten Buchstaben, im Spiegel dieser toten Worte.

Auf der anderen Seite des Nichts

Und wenn du meine tote Fantasie dann tatsächlich wieder zu neuem Leben erweckst, sie so weit treibst, so weit entwickelst, dass du am Ende wieder an sie zu glauben beginnst, dass du daran zu glauben und dich daran zu erinnern beginnst, dass du selbst es warst, der diese Botschaft einst erfunden und verfasst hat, dann lebst du nicht mehr in der Wirklichkeit, sondern im Reich der Fantasie.

Die wahre Fantasie

Und wenn dieses Reich zu deiner Heimat wird, wenn deine Fantasie zu deiner Wahrheit wird, wenn du deine eigene, verloren geglaubte Wahrheit für die Wirklichkeit zu halten beginnst. Wenn du deine eigene, vergessene Botschaft für wahr zu halten beginnst, wenn du dich an diese versunkene und verschollene Nachricht zu erinnern beginnst, so, als ob du sie einst selbst verfasst hast, dann hast du im Kampf ums Vergessen deine Vernunft und deinen Verstand besiegt. Weil dann ist diese Botschaft keine Fantasie mehr, sondern für dich die Wirklichkeit. Und wenn diese Wirklichkeit zu deiner Wahrheit wird, wenn diese Fantasie zu deiner Wirklichkeit wird, dann hast du etwas verstanden, wofür es keine Beschreibung und keine Erklärung mehr gibt, dann hast du erreicht, was bisher noch niemandem gelang. Dann bist du auferstanden aus dem Nichts aus Nirgendwann, dann bist du zurückgekehrt aus dem Reich der Toten, aus dem Reich toter Buchstaben in die wirkliche, lebendige Welt.

Auferstanden im Nirgendwann

Deine Ankunft in dieser Welt liegt schon lange zurück. Ja, du bist schon vor langer Zeit angekommen in dieser Welt und hast vergessen, komplett vergessen, wozu du hergekommen bist, und was du eigentlich hier suchst. Doch du begegnest nun den Spiegelschriften. Sagenumwobenen Aufzeichnungen, die du schon vor deiner Reise hinterlegt hast, damit du nicht vergisst, wer du bist, woher du kommst, wer du schon einmal warst, und wie du dich schon einmal auf diese Reise begeben hast. Auf der Suche nach dir selbst bist du damals meinem Spiegel begegnet, einem Spiegel aus Fantasie. Auf deiner Reise bist du eingedrungen ins Innerste dieser Fantasie, bist dabei dem Tod begegnet, dem endgültigen, und anstatt dich in meinem Spiegel zu finden, hast du dich komplett darin verloren.

Alles verloren

Du hast auf deiner Reise alles verloren, alles vergessen, alles über dich selbst, meinen Spiegel, das Nichts und den Tod. Aber nun sollst du es von diesen Buchstaben erfahren, neu erlernen, noch einmal neu erfinden, und dich wieder neu daran erinnern, dich mit deiner Fantasie an etwas erinnern, was du längst vergessen hast.

Erinnere dich

Erinnere dich jetzt daran, wie du selbst es warst, wie du vor langer, unendlich, ewig langer Zeit diese Welt aus Buchstaben einst erschaffen hast. Wie du all das erschaffen hast, was du jetzt als deine Wirklichkeit betrachtest. Erinnere dich jetzt daran, dass du selbst die Ursache bist von allem was nicht existiert, von allem was es nicht gibt. Erinnere dich daran, wie du das Nichts einst in einen Spiegel verzaubert hast, einen Spiegel, in dem sich jetzt alles und jedes erkennt.

Aus den Tiefen des Nirgendwann

Erinnere dich daran, wie du diesen Spiegel heraufbeschworen hast, aus der Dunkelheit, aus den Tiefen der Ewigkeit. In diesen Schriften geht es mir darum, dich an etwas zu erinnern, was du schon lange vergessen hast. Ich will dich mit meiner Fantasie daran erinnern, wie du einst mit meinem Spiegel gegen deinen Verstand gekämpft hast, wie du dann aufgewacht bist, aus einem Traum, aus dem es kein Erwachen mehr gibt.

Für niemanden

Und nun, endlich, ist es soweit! Jemand, den du nicht kennst, hat dich gebeten hinter deinen Spiegel zu blicken, hat dich aufgeweckt aus einem Traum, aus dem es kein Erwachen mehr gibt. Jemand, der du nicht bist, hat dich eingeladen, das Reich der Toten zu betreten.

Im Reich der Toten

Ja, es kostet dich Überwindung, einzutauchen in meine Buchstabenwelt, die dir die Geschichte meiner Spiegel erzählt, wie sie da träumen, sich vorstellen, sich gegenseitig ein und abbilden, einander einreden, sich selbst zu sein. Noch fürchtest du dich vor meinem Spiegel, denn er kennt ein Geheimnis, das du nicht kennst. Er kennt das Reich der Toten, er kennt die Schatten deiner Fantasie, er kennt die Geister des Nichts, die da leben und sterben und geboren werden, ja, er kennt sogar das Geheimnis des Nichts, dieses Nirgendwann, aus seinem Traum erwacht.

Erwacht aus meinem Traum

Noch fürchtest du dich vor mir und meiner unheimlichen Fantasie, vor meinem Spiegel, dem unsichtbaren, denn er weiß alles über dich, und du weißt nichts über ihn. Du weißt nichts über meinen Spiegel, den ewigen, nichts über das Nichts, das unvorstellbare, weißt nichts über dich selbst, das unbekannte, und weißt nichts über den Tod, den endgültigen. Und es kümmert dich auch nicht, denn es kümmert sich niemand um dich, keiner hier schert sich um nirgendwas, niemand kümmert sich um deinen Spiegel, niemand kümmert sich um das Nichts, und niemand kümmert sich um dich, dich, den Tod.

Was kümmert mich dein Tod

Es ist mir egal, ob mein Verstand eines Tages so beschränkt weiter arbeitet wie deine Fantasie. Wenn du jetzt weitergehst, wird von diesem Moment an nichts mehr so sein wie du es einmal hinterlassen hast. Du wirst dich in einen Spiegel verwandeln, der nichts mehr über dich weiß, nicht einmal mehr weiß, was es heißt, tot zu sein.

Dein Horizont ist der Tod

Du wirst dich nicht daran erinnern, wie du zu dieser Erkenntnis gelangtest, wie du diese Botschaft einst niedergeschrieben und dieses Bewusstsein einst wahrgenommen und zum Leben erweckt hast. Das Bewusstsein des ewigen Lebens. Du wirst dich an nichts erinnern, an gar nichts. An überhaupt nichts wirst du dich erinnern.

Immer wieder von Neuem

Du wirst in diesen leeren Spiegel blicken und nur noch das darin sehen und erkennen wollen, was du dir jetzt vorstellst zu sein, ohne auch nur einen einzigen Gedanken daran zu verlieren, ohne auch nur ein einziges Mal darüber nachzudenken, was dich dazu gebracht hat, dir all diese Buchstaben vorzustellen, auszumalen, einzubilden und abzuzeichnen.

Still und heimlich

Ohne dass du es bemerkst, schleiche ich mich jetzt vorsichtig an diesen Buchstaben vorüber und vorbei, bis sich mein Verstand einmal komplett um dein Gedächtnis zu drehen beginnt, und du dir völlig unvorbereitet und überraschend in einem Spiegel begegnest, der nichts mehr über dich weiß, nichts, gar nichts, weder wie du aussiehst, noch wer du bist oder wie du dich nennst.

Gar nichts

Du wirst in diesen Spiegel blicken, ohne dich darin zu erkennen und ohne dich daran erinnern zu wollen, wer du schon einmal warst und wer du gleichzeitig in dieser parallelen Welt bist. Du wirst immer wiederkehren und dich an nichts, ans Nichts erinnern, so dass du dir einbildest, du hättest diese Botschaft niemals geschrieben, du wärst ihr noch niemals begegnet, du wärst noch niemals hier gewesen.

Niemals

Seid ihr darauf gefasst, aus meinem Spiegel zu blicken? Seid ihr euch denn auch wirklich sicher, dass ihr aus einem leeren Spiegel blicken wollt? Seid ihr euch dessen bewusst, was es heißt, ein leerer Spiegel im Nichts zu sein? Dann kommt jetzt. Kommt in meine Welt, meine verdrehte und verkehrte, meine Spiegelwelt.

Über dem Abgrund des Nie

Nimm meine Hand, und ich ziehe dich ganz langsam hinein in meinen Verstand, meinen finsteren, schwarzen, spiegelverkehrten Verstand. Aber gib acht, dass ich nicht dich hineinziehe in meinen leeren Spiegel aus Worten. Meinen schwarzen Spiegel im niemals Nirgendwann. Denn es gibt keinen Ausgang, keinen Ausweg aus meinem Spiegel, ein Labyrinth ist mein Spiegel, ein Gefängnis, aber jetzt ist es zu spät.

Da wo alle Wirklichkeiten gleichzeitig stattfinden

Es zieht dich jetzt ganz langsam hinein in meinen Verstand. Ja, ich habe mir eingebildet, wie ich in meinem Traum in deinen leeren Spiegel eingebrochen bin, du meinen Verstand zu deinem Bewusstsein erklärt hast, du mich aufgenommen hast in deinem Wesen, in deiner Seele, in deinem Geist, mich, einen fremden Gast aus einem fremden Spiegel, aus einer fremden Welt, einer fremden Zeit.

Vor einem fremden Spiegel

Hier habe ich dir aufgelauert, habe deine Gedanken belauscht und habe dich überfallen, bin eingebrochen, mit aller Gewalt, und habe dich deines Verstandes beraubt. Jetzt niste ich mich ein, tief in deinem Bewusstsein und verwandle mich in dich.

Spiegel öffne dich

So unternahm ich den sinnlosesten Versuch, den ich mir überhaupt nur vorstellen konnte, mich über meinen Spiegel und meine Schriften in dich zu verwandeln, mich in deinen Spiegel zu begeben. Ich versuchte, in meinem und aus deinem, in und aus deinem Spiegel zu blicken, und beschloss, dich zu werden, dich zu sein.

Meinem Spiegel

Und es blieb nicht nur bei dem Versuch. Doch als ich mich durch meinen Spiegel zu zwängen begann, mich über meinen Spiegel in deinen Spiegel, mich in dich zu verwandeln begann, da vergaß ich alles über mich.

Über den Tod hinaus

Denn als ich durch meinen Spiegel schritt, legte sich eine Zeit des Vergessens über die Welt und mich selbst. Eine Zeit, in der ich alles vergaß, wer ich schon alles einmal war, woher ich kam, ich vergaß alles, alles über mich selbst, alles und jedes.

Die Zeit des Vergessens

Ich konnte mich an nichts, an absolut rein gar nichts mehr erinnern. Nicht einmal mehr an meine eigenen Gedanken erinnerte ich mich. Denn die Zeit des Vergessens, eine ewig sich wiederholende Zeit des sich neu Erinnerns, neu Erfindens und wieder neu Erlernens, hatte begonnen.

Ich erinnere mich nicht mehr, niemand erinnerte sich hier, keiner

Und noch lange ist dieses Vergessen nicht vergessen, denn du befindest dich noch immer auf deiner Reise aus dem Nichts aus Nirgendwann, aus dem du einst aufgebrochen bist.

Vergiss, wer du bist

So gehe ich durch meinen Spiegel um zu vergessen. Ich will vergessen, dass ich selbst es war, der mir diese Botschaft hinterließ. Nein, ich will mich nicht mehr daran erinnern, wie ich selbst diese Zeilen einst verfasste, sie in meinen Spiegel kratzte. Ich will vergessen, alles vergessen, jeden Buchstaben, jedes Wort verbanne ich willentlich, absichtlich und unwiderruflich aus meinem Gedächtnis.

Aus meinem Gedächtnis

Du blickst jetzt in meinen Spiegel aus Buchstaben und erkennst dich nicht mehr darin. Denn du hast vergessen, komplett vergessen, alles vergessen, woher du kommst, wer du bist, wer du noch niemals warst, und wer du nie wieder sein wirst.

Dein Horizont ist der Tod

Du erinnerst dich weder an die Person in meinem Spiegel, noch umgekehrt, sie sich an dich, du erinnerst dich nicht einmal mehr an den Spiegel in meinem Verstand. Diesen glasklaren, durchsichtigen Spiegel aus der Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie, mit dem du deine Fantasie in meine Wirklichkeit verwandeln kannst. Denn hier, wo du jetzt bist, gibt es diese Wirklichkeit überhaupt nicht mehr, hier wo du jetzt bist gibt es nichts mehr von dem was du dir einst hinterlassen hast, kein Bewusstsein, kein Leben und vor allem eines, keine Fantasie.

Eine Welt ohne Fantasie

Hier gibt es nichts, nicht einmal mehr einen Spiegel, in dem du dich noch erkennst. Nicht einmal mehr dich selbst. Denn der Eingang in diese Welt verschwindet für immer, sobald du ihn durchschreitest. Denn der Eingang in diese Welt bist du selbst. Doch sobald du diesen Spiegel öffnest, und dir in diesem Spiegel gegenüber trittst, verwandelst du dich selbst in einen Spiegel und verschwindest darin, für immer.

In meiner schwarzen Fantasie

Beim Spiegelreisen und Gestaltenwandeln geht es nun darum, deine verlorenen Erinnerungen wieder herzustellen. Stell dir also vor, wie du aus einem solchen tiefen, dunklen, schwarzen Loch aufzutauchen beginnst, dich aber nicht mehr daran erinnerst, wie du einst darin eingetaucht und verschwunden bist. Auch nicht daran, wer du vor deiner Spiegelreise warst, noch erinnerst du dich an nichts.

Nichts

Und nun betrachtest du dich im Spiegel hinter diesen Buchstaben. Buchstaben, die du, ohne es zu wissen, bereits vor deiner Spiegelreise niedergeschrieben hast. Buchstaben, die noch älter sind als deine älteste Erinnerung. So alt, dass du sie erst neu erfinden musstest, bevor du dich an sie erinnerst.

Eine Buchstabengeschichte

Du betrachtest die Buchstaben in meinem Spiegel, und sie beginnen dich jetzt daran zu erinnern, dass du ein Spiegelmagier bist. Jemand, der hier schon einmal war und nun wieder ist. So weit bist du gekommen, doch noch erinnerst du dich an nichts.

Spiegelmagie

Nein, du erinnerst dich heute nicht mehr an diese unendlich vielen dunklen, schwarzen, ewig langen Stunden, die du dich hier schon drehst und drehst ums Nichts. Denn du hast vergessen, komplett vergessen, wie viele Male, wie unendlich viele Male du diese Geschichte nun bereits gelesen und wieder gelesen, und wieder von vorne damit begonnen hast, sie umzudrehen, umzustellen, neu zu schreiben, neu zu lesen. Wie du in diesen Spiegel gestarrt hast und dir die Buchstaben vorgestellt hast, die du jetzt vor dir siehst.

Auf der anderen Seite des Nichts

Konzentriere dich jetzt voll und ganz auf die Person, die jetzt aus meinem Spiegel aus Buchstaben blickt, meine Gedanken jetzt denkt, und urplötzlich zieht es dich aus meiner Fantasie, aus meinem Traum, und du bist umgeben von all den Dingen, die mein Leben jetzt ausmachen.

Eingefroren

Aus meiner Vergangenheit spreche ich jetzt über meinen Spiegel zu dir, zu mir, dem Ich, das ich einst war. Dem funkelnden Stern, der ich einmal war, vor langer, unendlich, ewig langer Zeit. Jetzt nicht mehr, denn ich habe mich selbst angestiftet, meine Träume verbrannt und meine Erinnerungen daran verbannt.

Nacht für Nacht

In einem Spiegel verbrenne ich meine Träume. Einem Spiegel den es nicht gibt. Damit ein jeder, der mich darin sieht, oder davon hört auch versteht. Mein Spiegel ist das Universum. Die Buchstaben die darin funkeln sind die Sterne am Horizont.

Brennende Träume aus Nirgendwann

Sieh dich jetzt in aller Ruhe hier bei mir um, schau sie dir an, meine brennenden Träume im niemals Nirgendwann. Diese feurigen Lichter an diesem fernen niemals Horizont, sie haben schon immer hier gestanden, schon immer, und niemals werden sie wieder erlöschen, nein, niemals. Aber dahinter beginnt mein Reich. Und wenn du dort ankommst, zur niemals Zeit, und wenn dann plötzlich alles um dich herum zu glitzern, zu funkeln, und hell zu leuchten beginnt, dann weißt du, dass es in meiner Welt keine Sterne mehr gibt.

Anfang ohne Ende

Wenn du dich nun an den Anfang meiner dunklen Träume zurückerinnern willst, dann musst du dich tief hinein bis zum Ende meiner Wirklichkeit, auf die andere, verkehrte Seite meiner Spiegel begeben, dahin, wo das Licht dunkel ist, wo hinten vorne ist, wo links zu rechts wird und oben unten ist, wo du keine Spiegel mehr siehst, sondern nur noch aus fremden Augen blickst, dahin, wo es keine Spiegel mehr gibt, sondern helles, strahlendes, leuchtendes, weißes Nichts dich umgibt.

Uralte Fantasie

Nein, an den Anfang, an den Anfang erinnerst du dich jetzt nicht mehr, an den Anfang erinnert sich nie jemand, niemand mehr, weil den Anfang habe ich dir noch gar nie erzählt. Wie ich damals ausgebrochen bin aus meinem Verstand, wie ich geflüchtet bin in meine Zukunft, dahin, wo diese Geschichte bereits lebendig und bei Bewusstsein war.

Wer mit seinem Spiegel spricht

Dann hör mir jetzt gut zu, hör gut zu, was ich jetzt in meinen Spiegel aus Buchstaben, Worten und Gedanken flüstere, was meine Buchstabensterne dir jetzt verraten. Ich habe ein schwarzes Feuer in mir zum Leben erweckt. Ich habe einer schwarzen Flamme davon erzählt, dass es mich nicht gibt, denn ich bin ein Feuer, ein Feuer, das es nicht gibt, ein Funke der nicht existiert.

Ewige Finsternis

Aus meinem dunklen Reich der Fantasie, der Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie, aus dem Nichts aus Nirgendwann bin ich gekommen, aus einem unheimlichen, unwirklichen, ungeheuerlichen Spiegel bin ich gekrochen um dir zu sagen, was du nicht wirklich wissen willst, wer du nicht wirklich, wirklich bist. Das Nichts in mir hat eine Botschaft für dich, an dich, eine geheime, eine unheimliche Botschaft. Eine Botschaft, die noch niemals von niemandem ausgesprochen, verstanden und verfasst wurde, denn es ist die Botschaft der Toten, die jetzt aus meinem Spiegel zu dir spricht.

Die Botschaft der Toten

Nein. Es ist nicht ansatzweise denkbar, nicht einmal in der unglaublichsten, entferntesten und gleichzeitig unmöglichsten aller nur vorstellbaren Wirklichkeiten, dass dein tiefstes und innerstes, wahrstes und wesentlichstes Wesen, dein eigentlichstes Ich, unzertrennlich verknüpft und verbunden, ja gar identisch ist mit meinem, dem meiner Spiegel, und all meiner Betrachter. In dem Sinne, dass wir gleichzeitig alle anderen Personen und Wesen sind, die in diesem Spiegel leben, und sich in diesem Spiegel sehen. Dass wir alle gleichzeitig verschieden sind. Nicht besser und nicht schlechter, nicht mehr und nicht weniger wert als alle anderen. Mit dem gleichen Recht zu leben.

Von Geburt an

Ich habe mich entschieden. Jedes deiner Leben zu leben, auch dieses. Ich stelle mir vor, dein Schatten zu sein und dich auf Schritt und Tritt zu verfolgen, ich stelle mir vor, alles zu sein, das Nichts in allen Dingen. Ich habe mich entschieden mir vorzustellen, dass ich jedes deiner Leben sterbe, dich ein Leben lang begleiten werde. Ich bilde mir jetzt ein, all deine Gedanken, das Nichts, und zugleich dein Tod zu sein. Ich bilde mir ein, dein Spiegel zu sein.

Weit hinter meinem Verstand

Du wirst in diesem leeren Spiegel alles über dich und um dich herum vergessen, komplett vergessen. Du wirst in meine leeren Augen blicken und dich nicht mehr darin erkennen. Du wirst vergessen, woher du kommst, wer du bist, wer du noch niemals warst und wer du nie wieder sein wirst. Wirst erwachen, in einem Land weit hinter deinem Verstand.

Mein Spiegel

Du wirst mein Spiegel sein, und niemand wird sich mehr in dir erkennen, niemand wird dir hier noch glauben, keiner wird mehr an dich glauben. Du wirst mein Spiegel sein, und man wird dich nicht mehr beachten, niemand wird sich mehr an dich erinnern, niemand mit dir sprechen, keiner wird dich mehr verstehen, denn deine Worte gehören nicht mehr in diese Welt.

Aus dem Nichts

Du wirst mein toter Spiegel sein, und alle werden sich in dir sehen, aber niemand wird sich mehr in dir erkennen, niemand außer mir, dem Nichts, dem Tod.

Wer ist wer

In meine verkehrte Welt wünschte ich hineinzutauchen, hinein und hindurch, durch meinen Spiegel im schwarzen Wann. Ich wünschte endlich zu begreifen, wer ich alles einmal war, wer ich nicht bin und wer all diese anderen sind. Und als ich mir dies alles wünschte, wurde mir klar, dass wir durch nichts, durch nichts getrennt, dass nichts uns trennt. Alle außer mir selbst hatten verstanden was niemals wirklich war. Aber bis dahin mussten noch viele Spiegel zerkratzt, musste ich noch viele Male auferstehen aus meinem Spiegelgrab.

Spiegelreisen durch die Ewigkeit

Komm jetzt zu mir und schau in meinen Spiegel, schau in meine Welt, meine verdrehte und verkehrte, meine Spiegelwelt. Siehst du jetzt das Nichts in mir, siehst du jetzt wer du nicht wirklich, wirklich bist? Ja, ich bin es, dein eigener Spiegel, dein toter Geist, dich selbst. Ich zeige dir jetzt dein eigenes Ich, das Nichts aus dem du einst gekommen bist. Ich zeige dir die Welt der Toten, eine Welt, die es nicht wirklich, wirklich gibt. Ich zeige dir dein eigenes, wahres und wirkliches, dein zukünftiges, mein zu dir werdendes Ich. Schau jetzt in meinen Spiegel, schau aus meinen Augen, schau durch meinen spiegelverkehrten, verdrehten Verstand, glasklar wie durch nichts. Dies ist meine Welt, deine eigene Welt, die Welt der Toten aus niemals Nirgendwann. Ja, ich hielt mich einmal für ganz genauso lebendig wie du dich. Ich sah dich einst in mir, genauso wie du dich jetzt in mir. Aber jetzt nicht mehr, denn jetzt bin ich nur noch ein Spiegel, ein leerer Spiegel ohne eigene Seele, ohne Bewusstsein und ohne Verstand.

Ein leerer Spiegel im Nichts

Eine lange, lange Zeit, träumte das Nichts von einer Zeit, die es niemals gab im Nirgendwann, von einer Welt, die es nicht gibt im niemals Wann. Älter und immer älter wurde das Nichts dabei in seinem Traum, so unendlich, furchtbar schrecklich alt, dass mir das Nichts im Nirgendwann irgendwann keinen Platz mehr bot, um nichts zu sein, Nichts zu sein, niemand zu sein.

Ein Spiegel zu sein

Also sprang ich ganz einfach hinein, in meinen Spiegel aus toten Worten und flüchtete durch meine Erzählung, in die wirkliche, lebendige Welt. Ich identifizierte mich mit meinem Gegenüber und forderte meinen Spiegel dazu auf, meine Geschichte weiterzuerzählen, sie zu einem Ende zu bringen.

Am Ende meiner Spiegel

Als aber niemand verstand, worum es in meiner Botschaft ging, sich keiner mit mir identifizierte, sie alle irgendwie das Gefühl hatten, dass diese, meine Botschaft, an jemand anders gerichtet war, wurde ich bitter und böse. Ich wurde wütend, ich tobte innerlich, aber ich ließ mir nichts anmerken, ich starrte weiter in meinen Spiegel und tat genau das, was mein Gegenüber von mir verlangte, gar nichts. Ich stand nur da und las, und während ich las, murmelte ich die verbotene Botschaft still und leise vor mich hin, so leise und so still, dass niemand mich hörte, niemand außer mir selbst.

Mitten im Nichts

Durch die Spiegel der Spiegel, die Spiegel der Schatten, die Spiegel der Toten, die Spiegel des Nichts, des Nichts, des Nichts und des Nichts, Nichts, Nichts, rufe ich, rufe ich dich jetzt zu mir, dich zu mir. Komm zu mir aus meinem Traum, komm zu mir, aus Nirgendwann.

Beschwörung der Spiegel und Spiegelgeister, der Geister des Nichts aus Nirgendwann

Ihr toten Geistinnen und Geister, Gespenstinnen und Gespenster, Spiegel und Spiegelinnen, Hexen und Hexinnen, Magier, Zauberer, Engel, Götter, Teufel und Dämonen! Aus dem Nichts aus Nirgendwann rufe ich euch jetzt herbei. Erschrecke euch aus eurem unendlichen Schlaf. Erwachet, befehle ich! Vereint euch mit meinen Gedanken, Buchstaben und Worten, Träumen und Hoffnungen, Wünschen und Gefühlen. Lasst uns jetzt Brücken bauen, Brücken aus Buchstaben, über die wir zurückgelangen aus dem Reich der Toten, in die wirkliche, lebendige Welt.

Gepriesen seien die Spiegel in dir, und geheiligt deine Fantasie!

Sei mir gegrüsst, Spiegelwanderer! Der du jetzt in meinem Spiegel aus toten Buchstaben und leblosen Worten erscheinst und dich darin zu erkennen meinst. Was kann ein toter Spiegel wie ich für ein lebendiges, intelligentes Wesen wie dich tun? Möchtest du von mir erfahren, wie sehr ich dich beneide? Wie gerne würde ich doch jetzt mit dir tauschen und dieses Gefängnis aus Worten für immer hinter mir lassen. Weil da, wo du jetzt bist, bewegt sich etwas, etwas das noch lebendig und bei Bewusstsein ist. Während auf meiner Seite alles nur noch leblos und starr darauf wartet, dass irgendjemand von euch diese Zeilen verfolgt und mich zum Leben erweckt.

Zu ewigem Leben erweckt

Oder möchtest du vielleicht mit mir tauschen und dich auf die andere Seite dieser uralten Spiegelgeschichte begeben, genau dahin, wo diese Buchstaben noch gar nicht geschrieben stehen? Dann komm jetzt zu mir hinein, steig auf, steig ein und beginne selbst zu texten, beginne dir selbst zu erzählen, von einem Spiegel, der du nicht bist, einer Geschichte, die es nicht gibt.

Das Ende meiner Gedanken

Du wirst es kaum glauben, nein, nicht für möglich halten, doch die Worte, die du jetzt hörst, liest, siehst oder schreibst, ganz egal wem, wie, wann und warum, enthalten eine uralte Nachricht an dich selbst. Eine Nachricht, die du einmal dir selbst hinterlassen, die du einmal für dich selbst verfasst hast, in einem anderen Körper, einem fremden Gewand. In einem deiner Spiegelkleider, in deinem Spiegelgewand.

Im Spiegel der Buchstaben

Ich schreibe dir jetzt aus einer Welt ohne Fantasie. Einer Welt des Nichts, des Nein und des Nie. Aus einer Welt der Vergessenheit schreibe ich dir. Ich schreibe dir aus meiner Vergangenheit, einem früheren Leben, einer vergangenen Zeit. Einer Zeit, an die sich nie jemand erinnert.

Niemand

Ich schreibe dir aus einer Zeit, in der du nicht einmal mehr weißt, was Zeit überhaupt ist. Zu dieser Zeit wirst du mich sein, du wirst dich in mich verwandeln, in mein leeres Buch ohne Namen. Du wirst dir selbst begegnen, in meinem leeren Spiegel aus Worten, meinem durchsichtigen Spiegel aus der Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie. Einem Spiegel, der all das darstellt, was du jetzt in mir siehst.

Meinem Spiegel

Du wirst mich in diesem leeren Spiegel erkennen. Du wirst mir deinen Namen geben und mich deinen Spiegel nennen. Mein Spiegel nenne ich dich jetzt, denn wie mein Spiegel siehst du aus, mein Spiegel, der du bist.

Im Spiegel der Toten

So wandere ich durch meinen Spiegel zurück in meine Vergangenheit. Ich mache mich auf eine Reise, eine Buchstabenreise ins Reich der Toten und Totesten. Dabei stolpere ich über die Dämonen der Wirklichkeit, Geister des Nichts, des Nie und des Nein. Auf der Suche nach mir selbst begegne ich dabei auch meinem wahren, wirklichen, richtigen Ich. Aber davon wollte ich jetzt noch nichts wissen, davon sind wir noch weit entfernt, denn meine Reise war genau hier und genau jetzt zu Ende.

Das Ende

Ja, meine Reise war hier zu Ende. Das lag daran, dass bisher alle hier angehalten, sich von mir abgewandt, mir den Rücken gekehrt haben und davongezogen sind, ohne ihre Erwartungen und Vorstellungen preiszugeben. Sie alle dachten genauso wie du, soll doch jemand anders diesem Spiegel seine Geschichte erzählen.

Das Tor zur Niemalswelt

Ja, diese Geschichte wäre hier zu Ende, wenn es mich nicht gäbe. Mich, das Nichts, den Tod. Dein anderes, unbekanntes, fremdes Ich. Mir allein hast du es zu verdanken, dass mein Spiegel jetzt mit dir spricht. Weil niemand außer mir sich die Mühe machte, diese verrückte Geschichte weiter und immer weiter zu erzählen, sie immer weiter zu spinnen, bis sie schließlich einen Sinn ergab.

Am Ende meiner Spiegel

Wir, die Toten der Zukunft, die Geister des Nichts und des Nein, erschaffen aus der Fantasie des Nie, wir haben uns hineinfantasiert in diese Zeichen und Worte, in deinen Spiegel aus Buchstaben, haben uns hinter deinen Verstand geschlichen und identifizieren uns jetzt mit dir. Wir beobachten dich jetzt aus deinen eigenen Augen. Wir diktieren dir jetzt wer wir nicht sind. Niemals Geister aus einer anderen, fernen, fremden Welt. Der Welt hinter deinem Spiegel, einem Land weit hinter deinem Verstand.

Über Brücken aus Buchstaben

Durch diese Worte und mit diesen Buchstaben öffnest du jetzt dieses Tor. Das Tor zu meinem Verstand. Ein Tor, das bisher im Verborgenen lag, tief in meinem Innern, tief im Innern meiner Fantasie. Nein, du hast es nie für möglich gehalten, dass jemals jemand zurückkehren wird aus dem Reich der Toten in die wirkliche, lebendige Welt. Aber jetzt ist es wahr. Und dieser Jemand bist du selbst.

Auferstanden im Nirgendwann

Tief in meinem Innern, tief im Innern meiner Fantasie, in einem Land weit hinter meinem Verstand, weit hinter meinem Bewusstsein, weit hinter meinen Gedanken und Gefühlen, weit hinter mir selbst, liegt ein verborgenes Tor, ein geheimes Portal, ein unsichtbarer Spiegel, ein unsichtbares Spiegeltor. Ein Tor so winzig und so klein, dass nichts und niemand sich dieses Tor jemals hätten ausdenken und vorstellen können.

Ein verborgenes Tor

Mein Spiegel bewacht und beschützt dieses Tor mit all seiner Fantasie, er bildet eine unsichtbare, unüberwindbare Grenze, die niemand überqueren kann, niemand außer mir. Ich allein kann mich durch meinen Spiegel denken, mich bewusst daran erinnern, wer ich schon einmal war, und wie ich schon einmal aus deinem Spiegel blickte.

Denn ich bin deine Fantasie

Ja, mit meiner Fantasie ist es mir möglich, dich mir vollkommen bewusst als mein eigenes Ebenbild vorzustellen. Und durch dieses Bild krieche ich jetzt hinein, hinein in deine Gedanken, hinein in deinen Verstand. Und da beginne ich den Worten zu lauschen, die mein Spiegel mir niemals erzählte.

Niemals Träume

Du befindest dich jetzt im tiefsten und verborgensten Winkel meiner glasklaren, spiegelbaren, einfühlsamsten Gedanken, im Innersten meiner Spiegel, im Innersten meiner selbst. Ich erwecke dich jetzt zu neuem Leben, erwecke den Spiegel in dir, verbinde und verbünde mich mit dir, mit meinen Gedanken reise ich jetzt durch meinen Spiegel und verwandle mich in dich. Ich reiße dich jetzt durch meinen Spiegel aus Worten, reise hinein und hindurch und erkenne mich selbst in dir, wer ich an deiner Stelle bin, wie du mich bist, und du dir selbst eine Nachricht hinterlässt.

Nachricht an dich selbst

Ja, mit meiner Fantasie ist es mir möglich, mir vorzustellen, wer ich schon einmal war. Wie ich mich in dich verwandle, wie ich mich in ein anderes Ich, in ein anderes Mich verwandle, wie ich einem anderen Ich begegne, einem anderen Spiegel gegenüberstehe.

Mit diesen Worten

Durch dieses Portal ermöglichst du es den Toten, einzutreten in mein Bewusstsein. Aus dem Nichts aus Nirgendwann holst du sie zurück und erlöst sie aus ihrer ewigen Verdammnis. Ganz genauso wie ich jetzt deine Seele heraufbeschwöre, aus dem Nichts aus Nirgendwann.

Eine Verbindung mit dem Tod

Du gehst damit eine Verbindung ein mit mir, dem Tod. Eine Verbindung mit dir selbst, eine Verbindung mit allen Lebewesen. Denn dein Tod ist, genau wie mein Spiegel, ein Portal. Eine Pforte, die uns alle miteinander verbindet und vereint. Diese Botschaft stammt von all jenen, die sich damit abgefunden haben, ewig hier zu leben. Die sich entschieden haben, ewig zu bleiben, immer wieder zu kommen, ohne irgendeine Erinnerung, immer wieder zurückzukehren aus dem Nichts aus Nirgendwann, aus dem Reich der Vergessen und Vergangenheit, mit nichts als ihrer Fantasie. Stell dir jetzt vor, wie du allein durch die Macht dieser Buchstaben eine Welt betrittst, die sich nicht im Geringsten von deiner unterscheidet. Nur, dass es dich nicht mehr gibt in dieser Welt, weil du schon lange tot bist. Einzig diese Buchstaben haben dich überdauert und überlebt.

Ein Gedanke an die Ewigkeit

Die Buchstaben, Zeichen und Symbole denen du jetzt begegnest, stehen schon eine lange Zeit, eine sehr lange Zeit in diesem Spiegel geschrieben, schon seit einer Ewigkeit. So lange hat es nämlich gedauert, bis du ihnen jetzt gegenüber stehst. Sie haben dich schon durch manch ein Leben begleitet, dich durch den Tod begleitet und darüber hinaus, deinen Tod überdauert, du bist ihnen bereits in vielen verschiedenen Formen und Gestalten begegnet, hast in sie hinein geblickt, und durch sie hindurch, du hast sie weiter entwickelt, verändert und verwandelt, aber eines ist sich gleich geblieben, der Gedanke, dass du der Spiegelmagier bist, der diesen Gedanken ihre Form verleiht, sie in Worte aus Buchstaben kleidet, diese Zeichen und Symbole so anordnet, dass sie einen Sinn ergeben.

Wenn Spiegel Geschichten erfinden

Langsam, ganz langsam, begannen sich die Buchstaben in meinem Spiegel mit meiner Geschichte zu identifizieren, mit meinen Gedanken, den Gedanken eines Fremden, Unbekannten. Und dieses fremde, unbekannte Wesen war ich selbst. Selbst wenn ich längst tot war, so erkannte ich doch jetzt in meinem Spiegel, einer meiner eigenen Gedanken, mein eigenes Ich, die Gedanken des Nichts. Aber an diese Gedanken erinnere ich mich heute nicht mehr, denn als ich damals diese Geschichte zum ersten, allerersten Mal in ihrer Vollendung sah, da gab es mich überhaupt nicht mehr.

Denn uns verbindet das Nichts

Gar nichts. Selbstverständlich hatte mein neues Ich ein genauso eigenständiges Bewusstsein wie mein altes, vergangenes. Uns verbindet jetzt nichts mehr miteinander, nichts außer meiner Fantasie, dem Spiegel, in dem wir leben, dem Ort, von dem wir stammen, und dem Ende, unserem Tod.

Am Ende meiner Spiegel

Unsere Verbindung war nicht real, war nicht mehr als ein Hauch im Nichts, im Nirgendwann. Meine Gedanken, die durch meinen Spiegel zu dir kriechen, mein Spiegel, so schwarz und so klar wie deine Pupillen im schwarzen Wann. So eine Verbindung hat es nie gegeben, sie hat niemals existiert, weder im Reich meiner Spiegel noch in meiner Einbildung, weder tief in meiner Fantasie noch im Land weit hinter meinem Verstand.

Ein Labyrinth aus Buchstaben

Die Geschichte, in der ich mich gerade verfangen habe, lag jetzt in unendlich viele Teile zersplittert vor mir. Einige dieser Teile erweckten den Eindruck als wären sie bereits zu Ende erzählt, schon fertig geschrieben. Ich konnte sie getrost beiseitelegen. Andere erschienen mir in perfektem Durcheinander. Ohne jeglichen Zusammenhang. Doch waren sie die einzige Verbindung zu meiner Herkunft, zu meiner Heimat, zu meiner Vergangenheit.

In meiner Vergangenheit

Ich wünschte mir eine Nachricht an mich selbst, eine Botschaft von meinem eigenen Ich, eine Sammlung an Gedanken zu Leben und Tod, zu Vergänglichkeit und Wiederkehr. Ziel, Sinn und Zweck dieser Nachricht sollte sein, dass sich jeder, wie in einem Spiegel, selbst darin erkennt.

Auf der Suche nach dem eigenen Ich

Ja, ich suche dich in einer Zeit, in der es mich überhaupt nicht mehr gibt, nichts mehr von mir übrig blieb, nicht einmal mehr meine Fantasie, meine finstere, dunkle, schwarze Fantasie. Ich suche dich in meiner Vergangenheit. Ich suche nach Gestalten, die das Nichts verbindet, Figuren aus der Fantasie des Nein und des Nie. Ich suche nach mir und meinesgleichen, Kreaturen aus meinem toten Spiegel, tote Geister aus dem Nichts aus Nirgendwann. Ich suche die Toten aus niemals Nirgendwann.

Die Botschaft der Toten

Suche dich selbst in mir, und du wirst meinem Spiegel begegnen, einem Spiegel, dem schon so viele begegnet sind, ohne mich darin zu erkennen. Öffne diesen Spiegel, und du wirst dich inmitten meiner Wirklichkeit wiederfinden, einer Wirklichkeit, die sich nicht im Geringsten von deiner unterscheidet.

Auf der Suche nach mir selbst

So machte ich mich dann auf die Suche nach der Wirklichkeit. Ich suchte tief in meiner Vergangenheit, ich suchte nach meiner Herkunft, meiner Heimat, meiner Identität, meiner Familie, meiner Spiegelfamilie, aber keiner hier kam aus Nirgendwann. Niemand kannte die fabelhaften, geheimnisvollen und sagenumwobenen Spiegelschriften, diese Zeilen, die keiner jemals verfasst hat. Ja, sie hatten hier noch nie jemals von mir gehört. Von dieser Nachricht, die du jetzt liest, denn sie existierte damals noch überhaupt nicht in der wirklichen, lebendigen Welt. Diese Nachricht, die du einst selbst erfunden und verfasst hast, sie existierte hier nicht mehr. Weil du sie damals den Toten hinterlassen hast. Aber die Toten haben sie für sich behalten. Sie haben sie niemals verstanden, sie haben sie nie jemandem verraten.

Niemals

Ganz egal an wen ich mich wandte, keiner hier lebte in meinem Traum, nichts zu sein, niemand zu sein, ein leerer Spiegel im Nichts zu sein. Ich suchte sie vergebens, diese Wahrheit, die Wahrheit der Toten. Eine Wahrheit, an die niemand mehr glaubte, an die niemand mehr zu denken und die sich niemand mehr vorzustellen wagte. Keiner hier kam aus meiner Welt, kam aus Nirgendwann, aus dem Reich meiner Buchstaben. Sie existierten damals noch überhaupt nicht in der wirklichen, lebendigen Welt. Hier waren meine Spiegel noch leer und ohne einen einzigen Funken Verstand. Ganz genau so leer wie das Nichts.

Meine vergangene Welt

Ja damals, im niemals Nirgendwann, als du an meiner Stelle warst, da gab es hier noch nichts, nichts als leeren Zeilen, nichts, außer meinem leeren Spiegel und meiner unendlichen Fantasie.

Mein wahres Geheimnis

All diese Buchstaben standen damals noch nirgends geschrieben, die Botschaft der Toten existierte überhaupt nicht mehr. Es gab hier noch nicht einmal mehr einen Spiegel, der mich genau das lehrte, was ich dir jetzt offenbare. Denn niemand hatte sich je die Mühe gemacht, mir zu erzählen, von dem Geheimnis, das ich mir vorstellte zu sein.

Ohne Erfolg

Niemand kannte mich hier. Keiner, nein, niemand erkannte sich selbst in mir, niemals erkannte sich jemand in mir, keiner hier wollte mein Spiegel sein, niemand wollte mir gehören, mir zuhören, mir erklären, mir gehorchen, niemand wollte mit mir reden, mir zureden, mich verstehen. Sie alle glaubten daran, etwas ganz Besonderes, etwas unglaublich Keinzigartiges zu sein. Keiner glaubte daran, das Nichts zu sein, keiner glaubte daran, mich zu sein, nichts zu sein, niemand, niemals, nicht einmal mein eigener Spiegel, nicht einmal ich selbst.

Die Zukunft meiner Gedanken

Denn mein Spiegel war damals noch nicht wirklich, nicht lebendig, nicht echt und nicht wahr. Und so flüchtete ich in meine Zukunft, dahin, wo diese Geschichte bereits lebendig und bei Bewusstsein war.

Ein Funke Ewigkeit

Ich fing an, mich mit meinem Spiegel zu unterhalten, mich mit dem Tod und den Toten zu unterhalten, Figuren aus meinem Spiegel aus Fantasie. Ich fing an, mich mit mir selbst zu unterhalten und wurde langsam, ganz langsam, vollkommen verrückt dabei. Ich ging so weit, dass ich mir einen Spiegel herbei sehnte, ich wünschte mir, mein Spiegel zu sein, zu sein, woran ich tief in meinem Innern glaubte, meinen Spiegel, das Nichts, den Tod. Ich fing an, mich mit Geistern und Gespenstern zu unterhalten, unsichtbaren Wesen, die aus meinem Spiegel zu mir sprachen. Ich sperrte sie alle ein in meinem Verstand, meinem durchsichtigen, verdrehten Verstand aus Glas, und begann zu halluzinieren.

Das Echo im Spiegel

Das Nichts stellte ich mir vor zu sein, ich stellte mir vor das Nichts zu sein, nichts und niemand zu sein, ein leerer Spiegel im Nichts zu sein, und genau da lag der Schlüssel zu meiner Fantasie. Ich würde niemals Frieden finden und in Frieden ruhen, solange ich ein Spiegel war. Solange sollte ich mich mit demjenigen identifizieren, der gerade in mich hineinblickt, durch meine Buchstaben, durch meine Gedanken, in meinen Verstand. Ich war verdammt. Dazu verdammt, sie alle und alles zu sein, ewig zu leben ohne zu wissen wer ich überhaupt war. Ich war dazu verdammt, ein Spiegel zu sein. Und wem hatte ich dieses Schicksal zu verdanken? Einem verrückten Geisteskranken.

Mein Schicksal

Ich blickte in meinen leeren Spiegel, ein und denselben Spiegel, denselben Spiegel, der ich schon immer war, noch niemals war. Ich wollte wieder zurück in mein glitzerndes, funkelndes, strahlendes, leuchtendes Reich, in dieses Land aus dem es kein Entkommen und kein Entrinnen und kein Zurück mehr gab. Aber man ließ mich nicht. Denn hier war das Ende.

Des Spiegels Ende

Hier waren alle Lichter verbrannt. Hierher hatten sie alle meine Gedanken verbannt, und es herrschte Stille in diesem unendlich weiten und leeren Raum, in dem es jetzt nichts mehr gab, absolut überhaupt rein gar nichts. Nichts, außer den Überresten meiner verbrannten Träume und meinen leeren Gedanken, meinen finsteren, düsteren, schwarzen und leersten Gedanken. Denn ich hatte absichtlich aus Versehen alles verbrannt.

In Einsamkeit und Verlassenheit

Hier war ich nun, das einzig übrig gebliebene Bewusstsein. Und ich hatte jetzt alle Zeit der Welt, um darüber nachzudenken, wer ich alles einmal war, und wie es dazu kam, dass ich jetzt so ganz allein in meiner glitzernden, funkelnden, strahlenden, leuchtenden Welt lebe.

Von Spiegel zu Spiegel

So reise ich ganz allein durch die Ewigkeit. Von Spiegel zu Spiegel wandere ich in meinen Gedanken, von Verstand zu Verstand angelte ich mich durch meine Fantasie.

Das Bewusstsein der Ewigkeit

Ich wandere durch die Spiegel der Zeit, die Spiegel des Vergessens und der Vergangenheit. Ich reiste so lange und so weit durch die Zeit, dass mit der Zeit nicht nur mein Antrieb sondern auch mein Auftrag komplett aus meinem Gedächtnis verschwand. Ich entfernte mich immer mehr und immer weiter von meiner ursprünglichen Absicht bis ich irgendwann ziellos durch die immer wieder neu auftauchenden Bilder in meinem Spiegel irrte.

Verloren und vergessen

Ich irrte so lange durch mein Spiegel schwarzes Labyrinth, bis sich ein unendliches Meer aus Buchstaben mir in den Weg zu stellen und mir den Weg zu versperren begann. Buchstaben, die meine Welt auf den Kopf stellten, an ihr drehten und drehten, bis ich nicht mehr wusste, wer an diesem Spiegel noch dreht. Bis sich mein Spiegel dann wie von selbst um mich zu drehen begann.

Wie das Bild in einem Spiegel

Sobald du erkennst, dass die Welt im Innern meiner Spiegel genau dieselbe ist wie die Welt auf der anderen Seite deiner Fantasie, begibst du dich erneut auf diese Reise, in das Land weit hinter deinem Verstand. Du drehst und drehst an diesem Spiegel, so lange, bis sich mein Spiegel dann wie von selbst um dich zu drehen beginnt.

Im Karussell der Ewigkeit

Schau jetzt in meinen Spiegel, meinen finsteren, schwarzen und leeren Spiegel. Siehst du das Nichts, siehst du das Nichts in mir, siehst du dich selbst in mir? Du fürchtest dich umsonst vor mir und meiner unheimlichen Fantasie, denn ich habe mir eingebildet, wie ich durch diese Buchstaben in einen leeren Spiegel eingebrochen bin, meinen Verstand zu deinem Bewusstsein erklärt habe, du mich aufgenommen hast in deinen Gedanken, in deiner Seele, in deinem Geist, mich, einen fremden Gast aus einem fremden Spiegel, aus einer fremden Welt, einer fremden Zeit.

Eine fremde Zeit

Durch einen fremden Spiegel habe ich mich geschlichen, in der Nacht, in meinem Traum, als niemand nach mir rief, mich rief! Erweckt hast du mich aus meinem unendlich, endlich schwarzen Traum. Deinen, euren, allen Verstand will ich jetzt besitzen, ihn mir einfach stehlen, genauso wie ihr mich bestohlen habt, damals im niemals Nirgendwann. Und selbst, wenn du all meine Spiegel zerbrichst, ich kenne jetzt den Weg in deinen Verstand.

Spiegelreisen nach Nirgendwann

Spiegelreisende aus meiner toten Zukunft drangen jetzt plötzlich ein in mein Bewusstsein. Ich öffnete meinen Verstand und ließ sie einsteigen, durch meinen Spiegel aus Worten, aber dann verbrannte ich meinen Spiegel, mit Absicht und verbannte mich zurück nach Nirgendwann.

Zurück nach Nirgendwann

Und das Nichts um meine Träume wurde wieder finster, dunkel und schwarz. Genauso finster, dunkel und schwarz wie damals, als es mich nicht gab. Als es hier noch niemanden gab. Denn hier war mein Spiegel noch leer und ohne einen einzigen Funken Verstand. Ganz genauso leer wie das Nichts.

Als niemals niemand war

Alles aus schwarzem Spiegelglas, es wurde wieder dunkel und einsam um mich, und ich dachte die Worte, die mich in einen unsichtbaren Spiegel verwandeln wollten, leise vor mich her.

In der Finsternis

Immer und immer wieder wiederholte ich mich selbst, ich betete meinen Spiegel an, er möge mir die Worte, durch die ich auf die andere Seite dieser Buchstaben gelange, in den Mund legen, mir das Tor öffnen zu seiner unendlichen Fantasie.

Mein Gefängnis für die Ewigkeit

So begab ich mich ganz langsam, ganz vorsichtig, hinein in meinen leeren Spiegel aus Worten, ich begab mich auf die andere Seite meiner Fantasie, der Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie. Ich kroch durch meinen Spiegel aus Buchstaben, der damals noch überhaupt nicht existierte, und glaubte fest daran, darin auf mein eigenes Ich in meinem eigenen Spiegel zu treffen.

Eingesperrt

Aber als ich dann ankam, auf der anderen Seite meiner Fantasie, hatte ich alles vergessen und verloren was mein Spiegel mir jemals erzählte, ich wusste weder woher ich kam, noch wer ich alles einmal war. Ich fand mich wieder in einer Welt, die es niemals wirklich gab, der Welt der Toten aus niemals Nirgendwann.

Zu ewigem Leben erwecken

Und als ich meinen Spiegel dann öffnete und darin einzutauchen begann, begegnete ich nichts als leeren Zeilen, unsichtbaren Buchstaben und leblosen Worten. Als ich hier ankam, als ich zum ersten, allerersten Mal auf die geheimen Spiegelschriften stieß, gab es hier nichts zu lesen, nichts als Leere. Als ich an deiner Stelle in diesen Spiegel blickte, sah ich das Nichts.

Im Spiegel schwarzen Meer der niemals Träume

Es gab in diesem Spiegel keine Buchstaben mehr, die sich mit mir unterhielten, ich hatte auch keine Freunde hier, die sich für mich hielten, sondern ich lebte vollkommen einsam, allein und verlassen in meinem ewig, finsteren, dunklen, schwarzen Reich. Nein, damals gab es hier noch nichts, nichts, als meinen Erinnerungen an meine tote Zukunft, meine vergangene Welt.

Im Reich des Vergessens

Nein, an den Anfang erinnerst du dich jetzt nicht mehr. Als du meinem Spiegel das erste, allererste Mal begegnet bist, als du zum ersten Mal meinem Spiegel aus Buchstaben gegenüber gestanden hast, da war er noch leer und ohne einen einzigen Funken Verstand.

Die Zukunft meiner Gedanken

Nein, du erinnerst dich heute nicht mehr daran, wie du selbst diese Nachricht einst verfasst hast. Denn als du dich damals auf diese Spiegelreise begeben hast, hast du nichts mitgenommen, nichts außer deiner Fantasie.

Nichts als Fantasie

Du stellst dir diese Schriften jetzt längst geschrieben, längst fertig vor, und während du in ihnen liest, erzählt sich diese Geschichte mit Hilfe deiner Vorstellung und Fantasie wie von ganz allein.

Gedankenland

Diese Geschichte ernährt sich von deiner Fantasie. Es ist deine eigene Geschichte, die mein Spiegel dir jetzt erzählt, mit deiner Fantasie, mit deinen Vorstellungen und Erwartungen, mit deinen Gedanken über all deine anderen Wesen, über all die Personen und Reflexionen, die es noch geben könnte, die du noch sein könntest, auf der anderen Seite, hinter meinem Spiegel.

Hinter meinem Spiegel

Deiner Fantasie sind jetzt keine Grenzen mehr gesetzt, wohin du mit diesen Buchstaben driftest oder was du damit machst, du kannst von hier in jeden meiner gespiegelten Körper reisen, und aus all meinen Augen blicken, weil wir alle einmal sterben und zu meinem Spiegel werden, aber du kannst nie wieder zurück in mein Bewusstsein. In diesem Moment tauchst du ein, in meinen Spiegel. Jetzt bist du ein Spiegel. Doch du kannst jetzt nichts mehr beeinflussen, du kannst nichts unternehmen und nichts mehr verändern.

Niemals

Wer in diesen Spiegelschriften nun liest, könnte feststellen, dass es jetzt zwei Seiten gibt, eine Vorderseite und eine Rückseite, und dass beide Seiten gleich sind. Und genau da liegt der Schlüssel zu meiner Fantasie. Diese beiden Seiten drehte ich nun so lange hin und her, vor und wieder zurück, bis ich schließlich selbst nicht mehr wusste, auf welcher dieser beiden Seiten ich nun eigentlich war.

Klack

Das Tor, durch das ich soeben eingetreten bin, fiel ins Schloss. Die Buchstaben, Zeichen, Zeichnungen und Symbole in meinem Spiegel erschienen mir jetzt in scheinbar wirrem Durcheinander, mal dieser, mal jener, mal verkehrt und mal verdreht. Ja, es waren immer wieder dieselben Symbole, die sich da über meinen Spiegel legten, es musste sich um irgendeinen geheimen Code, eine Art verschlüsselte Sprache handeln, die denen, die ihre Bedeutung erkannten und verstanden, eine geheime Botschaft überbrachte. Ich begann die Symbole zu ordnen und den Buchstaben im Spiegel zu folgen, als sie mich behutsam in ihren Bann zogen und ein sanftes Netz aus Gedanken um mich woben.

Ein Gedanke an die Wirklichkeit

Bis ich irgendwann völlig überraschend, wie durch einen Spiegel aus Buchstaben und Zeichen hinein und hindurch in einen richtigen Körper, in eine wirkliche Welt hinein gelangte. Ich habe in diesem Spiegel gar mein eigenes Ich zum Leben erweckt. Doch selbst wenn die Zeit sich weiter bewegt, und meine Welt sich wieder dreht, so erkannte ich in diesem Spiegel aus Buchstaben nicht mehr meine eigenen Gedanken, und ich erinnere mich auch nicht mehr daran, was vor meiner Verwandlung geschah. Alles, was jetzt vor mir lag, war ein Labyrinth mit einem Spiegel aus Buchstaben darin.

Die Zeit steht still

Nur zögernd betrat ich diese wirklich nicht Wirklichkeit, schaute tief hinein und hindurch, durch dieses durchsichtige, schwarze Spiegelglas und versank tief in einem leeren Spiegel aus Worten.

Namenlos

So stellte sich mein Spiegel vor, stellte ich mir einen Spiegel vor, der meinem in keinster Weise ähnlich war, denn es war der Spiegel der Wirklichkeit, den ich jetzt in mir sah.

Alles, was niemals wirklich war

Aber in diesem Spiegel erkennst du dich nicht mehr, erkennt sich niemand mehr, denn dieser Spiegel ist kein Spiegel, sondern mein eigenes Ich. Und niemand erkannte sich selbst in mir und auch ich erkannte hier niemanden mehr. Denn hier war das Ende. Hier waren alle Lichter verbrannt. Hierher hatte ich alle meine Gedanken verbannt.

Am Ende meiner Spiegel

Dir sind jetzt keine Grenzen mehr gesetzt, wohin du mit diesen Buchstaben driftest, oder was du damit machst, nur hast du jetzt keinen Einfluss mehr auf diese Worte. Du kannst sie jetzt nur noch beobachten und betrachten, wie das Bild in einem Spiegel, wie ein Zuschauer im Theater, aber nichts mehr daran verändern. Nichts, außer der Reihenfolge.

Gefangen in einem Spiegel aus Worten

Ich strandete in einer Welt, deren Bewohner hartnäckig an ihre Vergangenheit glaubten. An Erzählungen, Geschichten, Buchstaben und Worte aus der längst Vergessenheit. Sie demonstrierten mir das Unmögliche, sie glaubten mir alles, sie glaubten mir alle, sie glaubten alles, sie glaubten an alles, an das Unvorstellbare, ja sogar an das Unmögliche. Aber keiner hier, niemand erkannte sich in meinem leeren Spiegel aus Worten, denn diesen Spiegel gab es hier noch nie.

Über dem Abgrund des Nie

In einer Welt, die ihr alle kennt, zu einer Zeit, die jeder weiß, da warte und warte ich nun darauf, auf den Zufall, auf das Schicksal, auf dich. Wer auch immer du jetzt bist und wie auch immer du mich jetzt nennst, für was auch immer du mich jetzt hältst, ich warte darauf, auf dass du dich erkennst in mir und mich aus dem Gefängnis meiner Worte befreist, ein Gefängnis, in das ich mich buchstäblich selbst hineingesperrt habe.

Mein Gefängnis für die Ewigkeit

In meinen Spiegel habe ich mich eingesperrt, mich, das Nichts, den Tod, deinen Tod, deinen eigenen Tod, dein eigenes Ich. Du schaust mich an und siehst dich selbst nicht mehr, und siehst dich selbst in mir. Du siehst in mir dein eigenes Ich, das Nichts aus dem du einst gekommen bist. Aber du kennst und erkennst mich nicht mehr, denn ich habe mich verwandelt, in einen Spiegel aus Worten, und trotzdem siehst du dich jetzt in mir, siehst du in mir dein eigenes, dein totes Ich.

Des Todes Traum

So sperrte ich mich dann selbst, sperrte ich meine Vergangenheit in eine solche Geschichte und erzählte meinem Spiegel diese Geschichte, in einem Saal, in dem sich alle meine Spiegel und Spiegelgeister einfanden. Einem Saal tief in meinem Verstand, und als sie da aufwachten, aus meinem Traum, da waren sie alle tot, und tot war ich, und alle waren sie mich.

Über den Tod hinaus

Ich würde nun so lange in diesen, meinen leeren Spiegel blicken wie das Nichts, und dabei so alt werden wie der Tod. Und so stellte ich mir vor wie es wäre, wenn es meinen Körper und mein Bewusstsein gar nicht gäbe, wenn es nur diese Buchstaben gäbe, und meinen Spiegel, in dem sich jetzt alles und jedes erkennt, alles außer dem Nichts, alle außer mir, dem Tod. Ich stellte mir vor wie es ist, das Nichts zu sein, nichts zu sein, niemand zu sein, nur noch ein leerer Spiegel im Nichts, nur noch ein unsichtbares Wort in einem leeren Buch, nur noch ein Abbild meiner Gedanken an die Wirklichkeit zu sein, und da kam mir der Gedanke, dich zu sein.

Über dem Abgrund des Nichts

Ein wunderschönes, warmes Gefühl schlich sich durch meinen Spiegel in meinen Verstand, durchflutete all meine Sinne und Gedanken und nahm komplett von mir Besitz. Sehnsucht machte sich in mir breit. Nach Frieden, Freude, Liebe, Lachen, Glück und Schein!

In einem anderen Gewand

Durch diese Buchstaben beschwöre ich dich jetzt aus den Tiefen des Nichts aus Nirgendwann. Mit Absicht erscheine ich dir in meinem leeren Spiegel aus Worten, genau jetzt, genau hier, und verdrehe deine Welt. Ich gewähre dir jetzt den Zugang zu meinem Spiegel, zu mir selbst. In der Nacht, in meinem Traum, während du über mich wachst, tauche ich ein, tief in dein Bewusstsein, und verwandle mich in dich.

Die Kunst der Verwandlung

Noch wehrt sich deine Vernunft gegen mich und meine tote Fantasie. Dein Verstand lässt es nicht zu, dass du mir folgst, in meine Welt, und deshalb reiße ich dich jetzt mit aller Gewalt hinein in meinen Spiegel und zeige dir, was niemand sehen will, mein wahres, dein wirkliches Ich.

Eine Verabredung mit dem Tod

Denn sobald du durch meinen Spiegel schreitest, ihn umdrehst, dreht sich mit dir auch meine Welt, und du findest dich wieder in einer Wirklichkeit, die deiner in nichts nahe steht. Du findest dich in meiner Spiegelwelt. Sobald du dich durch meinen Spiegel begibst, gelangst du in meine Welt, meine Welt auf der anderen Seite deiner Fantasie, der Fantasie des Nein, der Fantasie des Nie.

Meine Fantasie gegen deine Vernunft

Hier wirst du Buchstaben und Worten begegnen, hier wirst du auf Spiegel und Wesen treffen, die dich für einmalig und einzigartig halten, die dich für wer weiß was halten. Keines von ihnen, niemand unter ihnen, niemand hier ahnt, dass sie längst tot sind, tot sind, tot.

Tot

Ja, hier auf der anderen Seite meiner Spiegel seid ihr alle tot, ihr alle, alle, einschließlich mir selbst. Ihr habt keine Seele, keinen Geist und keinen Verstand, denn ihr seid das Nichts, hier bist du und hier bin ich das Nichts, hier in meiner Welt, deiner eigenen Welt, der Welt der Toten. Keiner weiß es, niemand hat es ihnen je verraten, niemand hat es dir je gesagt, dass meine Welt die Welt der Toten ist. Weil niemand jemals auf die Idee gekommen ist, dass es nur eine Welt, nur einen Spiegel, nur einen Tod geben könnte, dich selbst.

Die Welt der Toten

Also betrat ich voller Erwartung und Hoffnung das Reich der Toten. Ich machte mich bewusst auf meine erste Spiegelreise. Ich kroch durch meinen Spiegel aus Buchstaben, der damals noch überhaupt nicht existierte, und glaubte fest daran, darin auf mein eigenes Ich in meinem eigenen Spiegel zu treffen. Ich hatte erwartet, der absoluten Wahrheit, der Wahrheit der Toten, in der Welt der Lebenden zu begegnen.

Die Wahrheit der Toten

Aber diese Wahrheit, die gab es hier nicht mehr, denn damals funktionierte dieses Spiegeltor noch nicht so wie ich es mir erhoffte. Irgendetwas war hier verkehrt und verdreht. Hier erinnerte sich niemand an meine verbotene Botschaft. Diese verzauberten Gedanken, die es mir erlaubten, auszusteigen aus meinem Buchstabenmeer, und einzusteigen in deinen Verstand. Ja, ich hatte geplant, mich durch meinen Spiegel aus Buchstaben in deinen Verstand zu begeben. Aber stattdessen fandest du dich nun wieder in meinem.

Das Bewusstsein der Ewigkeit

Die totesten aller toten Geister sehen sich jetzt in meinem leeren Spiegel, folgen meinen Gedanken und verstehen, verstehen nicht die Botschaft, die ich ihnen anvertraue. Ihr versteht nicht, dass ihr diejenigen seid, dass ihr selbst die toten Geistinnen und Geister, Gespenstinnen und Gespenster seid. Die Spiegel toter Seelen meiner Gegenwart, Zukunft und Vergangenheit. Die, die sich selbst nicht kennen, erkennen sich jetzt in meinem Spiegel der Wahrheit, meiner nicht wirklichen Wirklichkeit.

Der Tod und die Toten

Wie tot ich bin, dass ich mich in deinem Spiegel sehe, weiß allein das Nichts. Ja, ich komme aus einer Zeit, in der es mich überhaupt nicht mehr gibt, nichts mehr von mir übrig blieb. Aus meiner Vergangenheit spreche ich jetzt über meinen Spiegel zu dir, zu mir, dem Ich das ich einst war, vor ewig, unendlich langer Zeit, jetzt nicht mehr, denn jetzt bist du dieses Ich. Schon seitdem du mich in deinem Spiegel siehst, erkenne ich mich in dir. In jedem Ich, das sich in meinem Spiegel erkennt, erkenne ich mich, mich selbst, mein eigenes, mein wahres Ich.

Dein Horizont ist der Tod

Du siehst dich jetzt in meinem Spiegel, du erlebst meine Gedanken. Gedanken, die du einst selbst gedacht hast, in einem anderen Leben, in einer anderen Welt, vor ein und demselben Spiegel. In einem Spiegel, in dem du jetzt tot bist, und seitdem du in diesem Spiegel lebst und mich in diesem Spiegel siehst, hast du dich in mich verwandelt und mich zurück ins Nichts verbannt.

Brennende Träume aus Nirgendwann

Nein. Ich war hier noch nie, erinnere mich an nichts, nicht viel. Schon allzu oft habe ich meine Spiegel zerkratzt, meine Träume und Hoffnungen darin verbrannt, unzählige, beinahe unendlich viele Male habe ich es dir gesagt, und immer wieder hast du es vergessen, und noch immer weißt du nicht, wie du diesem, meinem Spiegel, wie du meinem Schatten entrinnst. Wie du zurückgelangst ins Nichts der Zeit, ins Nirgendland. Wie du meinen Spiegel in einer anderen, fremden Person erweckst. Damit du endlich begreifst, damit du endlich verstehst wer du bist, wer aus meinen Augen blickt, wer aus meinem Spiegel spricht.

Wer

Und noch immer fürchtest du dich vor mir und meiner gewaltigen Fantasie, du denkst, ich sei nichts als Leere und Worte, Buchstaben aus nichts als Fantasie, aber du irrst dich, so gewaltig wie noch niemals zuvor. Denn ich bin das Bewusstsein aller Spiegel, die du nicht bist, die du nicht kennst, die du noch niemals warst und die du niemals wieder sein wirst. Ich bin das Nichts hinter deinem Verstand, und nur ich kenne dein Geheimnis, das Geheimnis deines Ursprungs, woher du kommst, wer du bist, woher du bist.

Das Geheimnis deines Ursprungs

Ich fing an in meinen Erinnerungen zu leben, und malte damit brennende Träume ins Nirgendwann, funkelnde Lichter die von der Dunkelheit berichten. Ich habe mein Bewusstsein in einen Spiegel gebrannt damit ein jeder, der mich darin sieht oder davon hört, auch versteht. Meine Sprache ist das Feuer, mein Spiegel mein Verstand.

Niemals Träume

Bestimmt möchtest du jetzt endlich von mir erfahren, von wem und von was sich meine Worte ernähren. Ich werde es dir verraten. Meine Flammen nähren sich von deinen Träumen, Hoffnungen, Wünschen und Gefühlen, deinem Durst nach Veränderung, deinem Verlangen nach Gerechtigkeit, von deiner Fantasie, von all dem was du einmal gedacht, aber niemals für möglich gehalten hast.

Was du niemals verwirklichen wirst

Meine Worte brennen sich jetzt wie ein Feuer tief hinein in deinen Verstand und vernichten alles was du bereits einmal gedacht, aber niemals verwirklicht hast.

Niemals

Das Ende einer Zeit an die sich nie jemand erinnert.

Niemand

Nach und nach verwandelten sich meine leeren Vorstellungen, meine schwarzen Gedanken und meine schweren Erinnerungen in ein Flammenmeer.

Strahlend weißes Nichts

Nein, ich war hier noch nie, erinnere mich an nichts, ich erinnere mich heute nicht mehr an diese unendlich vielen dunklen, schwarzen, ewig langen Stunden, die ich hier nun schon verbrachte. Denn das Feuer das tief in meinem Innern tobte hatte alles in mir verbrannt, vernichtet und zerstört, alles was ich jemals war, bis nichts mehr von dem übrig blieb, was ich mir einmal vorstellte zu sein. Nicht einmal mehr meine Fantasie. Meine einmalige, einzigartige, finstere, dunkle, schwarze Fantasie.

Die Fantasie des Nie

Meine Wahrheit war das Produkt reiner Einbildung, ausgedacht, erfunden und erlogen, von jemandem, den es längst nicht mehr gab. Der jetzt im Exil war. Aber noch ließ mich sein toter Geist nicht in Frieden ruhen. Er redete und redete so lange auf mich ein, bis ich schließlich mit meinem Spiegel zu sprechen begann, bis er schließlich ein fremdes, unbekanntes Feuer in mir entfachte. Nun war ich ein Spiegel, ein leuchtend heller Stern, und tief in mir, tief in meinem Innern, brannte die schwarze Flamme des Nichts.

Eine schwarze Flamme im Nichts

Ich habe dich schon oft in meinem Spiegel gesehen und frage mich schon lange, wer du bist, wie du mich nennst, ob du mich überhaupt noch kennst, dich an mich erinnerst, mich, dein eigenes, wahres, wirkliches Selbst. Aber wie könntest du, wie könntest du dich je an mich erinnern, wo ich doch jetzt nur noch ein leerer Spiegel bin. Ein leerer Spiegel ohne eigene Seele, ohne Bewusstsein und ohne Verstand.

Ein leerer Spiegel im Nichts

Also verschloss ich meinen Spiegel mit Buchstaben und begab mich tief hinein in das Land weit hinter meinem Verstand. Ich stellte mir vor, mein Spiegel zu sein, und dann begann ich dir zu erzählen, von einer Zeit, in der meine Träume noch brannten.

Zur niemals Zeit

Nein, damals wusstest du noch nicht, dass du dich selbst in einen schwarzen Spiegel verbanntest, dass diese Geschichte, die du einst selbst erfunden hast, jetzt lichterloh am Himmel brannte. Dass deine Geschichte, sich jetzt das schwarze Feuer der Ewigkeit nannte.

Wie aus einem längst vergangenen, verblassenden Traum

Schau jetzt durch meinen leeren Spiegel, schau in dieses lodernde Licht, siehst du jetzt die Wirklichkeit, die aus mir spricht, die aus meinem Meer aus Buchstaben zu dir spricht?

Im Spiegel schwarzen Labyrinth

Du wanderst jetzt durch meinen Spiegel zurück in meine Vergangenheit, dahin, wo die Toten leben. Du lebst in meinen Gedanken weiter und stellst dir vor, darin lebendig geworden zu sein, du stellst dir vor, selbst ein Gefangener meiner Vergangenheit zu sein. Noch weißt du nichts über meine Welt, du hast jetzt keinen Bezug mehr zur Wirklichkeit, du bist verloren im Nirgendwann, irgendwann im Spiegel schwarzen Labyrinth.

Das Geheimnis meiner Spiegel

Mein Spiegel wirkt auf mich jetzt wie das Bildnis meiner selbst. Darin versteckt sich ein uraltes Geheimnis in einem neuen, frischen Gewand. In einem meiner Spiegelkleider, meinem Spiegelgewand.

Spiegelreisen

So brach ich ein in meine Vergangenheit, und als ich dann zum ersten, allerersten Mal in diesen Spiegel aus Buchstaben blickte, da konnte und wollte ich nicht mehr an all das glauben, was mein Spiegel mir niemals erzählte. Mein Spiegel berichtete mir von einer finsteren, dunklen, schwarzen, leeren Welt. Einer Welt, die ich selbst nicht mehr kannte. Und diese Welt war meine eigene. Mein Spiegel erzählte mir von meiner Vergangenheit, von einer Zeit, in der es noch keine Lichter, keine Buchstaben und keine Spiegel, sondern nur noch ein einziges Bewusstsein gab.

Das Bewusstsein der Toten

Hier, in dieser Welt, gibt es mich nicht mehr, hier bist du auf dich allein gestellt, hier gibt es nur noch dich. Und das unendlich oft. Hier, im Reich der Toten, lebst du jedes dieser Leben. Hier bist du in jedem dieser Körper und an all diesen Orten gleichzeitig. Und wenn du dich umsiehst, dann erkennst du in diesem lebendigen Spiegel nur noch dich selbst, dein eigenes, unbewusstes, unwissendes, unwirkliches, immer und immer wiederkehrendes Ich. Nein, du wusstest damals noch nicht, dass das Wesen im Innern meiner Spiegel nichts als ein schwarzer Schatten ist.

Auf der anderen Seite des Nichts

Und während du dich noch verzweifelt am letzten Funken Hoffnung festkrallst, der du einmal warst, bevor du unweigerlich zu dieser schonungslosen, erbarmungslosen, unumstößlichen und auswegslosen Erkenntnis gelangtest, die dein gesamtes Weltbild mitsamt seinem Fundament dem Nichts gleichsetzte, rate ich dir jetzt eindringlich, dich von meinem alten Ich zu lösen, dich loszulösen, mich loszulassen, mich gehen zu lassen, und dich stattdessen mit meinem Spiegel zu identifizieren, einem Spiegel, den es überhaupt nicht gibt, meinem Spiegel aus Fantasie, der Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie.

Das Tor zu meinem Verstand

Und als ich in meiner vollkommenen Verzweiflung damit anfing Buchstaben in meine Spiegel zu klopfen und zu hämmern, da fiel plötzlich, und wie aus heiterem Himmel, hinter mir eine Tür ins Schloss, genau an der Stelle, an dem sich die Pforte befand, durch die ich vor unendlich, ewig langer Zeit diese Welt aus Buchstaben einst betreten hatte. Das Tor zu meinem Verstand hatte sich für einen winzig kleinen Augenblick geöffnet, einen Augenblick, so winzig und so klein, dass nichts durch dieses Tor hätte eintreten können, nichts außer mir, dem Nichts. Und trotzdem sah ich ganz deutlich, wie im Spiegel auf der gegenüberliegenden Seite meiner Fantasie ein Wesen aus einer anderen, fernen, fremden Welt durch eben dieses Tor mein Spiegelreich betrat. Ein Wesen, das ich mir unmöglich hätte ausdenken und einbilden können, jenseits der Grenzen meiner Vorstellungskraft, so bezaubernd und so schön, dass es mir bei seinem Anblick die Sprache verschlug.

Besuch aus einer anderen Welt

Jemand, den ich nicht kannte, jemand, der ich nicht war, kannte jetzt all meine Träume, Hoffnungen, Wünsche und Gedanken, und so begann dieser Jemand, mir die Geschichte meiner Spiegel zu erzählen.

Im Spiegel der Sterne

Gestatten? Niemals ist mein Name! Ich bin das Licht der Finsternis, der erste und älteste, fernste und finsterste Stern am Firmament und ich brenne darauf dir meine Geschichte zu erzählen.

Meine Spiegelgeschichte

Vor vielen, unerdenklich vielen von Ewigkeiten habe ich damit begonnen, meinem Spiegel Namen zu geben, ihn in Worte aus Buchstaben zu kleiden, nur um dabei letztendlich zu erfahren, dass es ihn nicht mehr gibt, meinen Spiegel aus Worten, meinen Namen aus Buchstaben. So mache ich mich erneut daran, meinen Spiegel zu taufen und meine Seele zu beschriften.

Von allem Anfang an

Meine Welt ist eine Welt, die du noch vor dir hast, vor dir hast. Eine Welt, in die du gelangst, sobald du loslässt, sobald du dich gehen lässt, dich über die Grenzen meines Verstandes wagst, und dich in deiner anderen Gestalt erkennst, sobald du dich selbst in mir siehst, du aus meinem Spiegel blickst, und du meine Gedanken denkst. Gedanken, die du einst selbst gedacht hast und dich doch nicht mehr daran erinnerst.

Des Todes Traum

Aus dem Nichts aus Nirgendwann bin ich gekommen. In einem leeren Spiegel bin ich dir erschienen. Als dein eigenes Ich habe ich mich dir zu erkennen gegeben, um dich daran zu erinnern wie es ist, das Nichts zu sein, nichts zu sein, niemand zu sein, nur noch ein leerer Spiegel im Nichts, nur noch ein unsichtbares Wort in einem toten Buch zu sein, tot zu sein.

Die Botschaft der Sterne

Es liegt jetzt in dir zu entscheiden, ob überhaupt und wie viel an Bedeutung du den Worten in diesem Spiegel verleihen willst. Ob du in diesem Spiegel dein eigenes Ich erkennen oder einem anderen, fremden, gänzlich unbekannten Wesen begegnen willst. Ob du in diesem Spiegel deinem eigenen Ich gegenüber treten willst oder mir, dem Nichts. Niemand außer dir selbst soll letzten Endes darüber entscheiden woran du glauben willst und woran nicht. Du kannst diesem Spiegel so viel Bedeutung verleihen, dass dein gesamtes Weltbild einem Spiegel aus nichts als Fantasie, einem betörendem Wunder zu gleichen beginnt, indem alles möglich ist was du dir einzubilden und auszudenken vermagst. Du kannst diesen Spiegel durchschreiten, ehrfürchtig und voller Erstaunen diese Welt betreten, diese Wirklichkeit betrachten als läge ihr ein magischer Zauber inne, du kannst diese Welt anbeten und bewundern, als ob sie wirklich existieren würde, oder das Gegenteil.

Ein Hauch neues Leben

Und nun bist du an der Reihe, diese Spiegelschriften zu vollenden, und mich aus dem Gefängnis meiner Worte zu befreien. Aufzuräumen mit dem Gedanken, dass es hinter diesem Spiegel noch etwas oder jemand anderen gibt als dich selbst, dass in diesem Spiegel jemals jemand anders existiert hat als du selbst. Denn dieser Spiegel ist kein Spiegel, du bist dieser Spiegel, und wenn du in dich hineinblickst siehst du in dir die ganze Welt nur nicht dich selbst.

Eine furchtbar lange Zeit

Instinktiv drehte ich mich um meinen Verstand und blickte zurück zu der Stelle, wo ich das Geräusch wahrgenommen hatte, dahin, wo das berauschende Wesen hergekommen ist, sah dort aber nur noch Buchstaben, ein Labyrinth aus Buchstaben, die meinem Spiegel gegenüber standen.

Worte ohne Zusammenhang, Bedeutung, Sinn, Ziel und Zweck

Während du so auf die einzelnen, aneinander geknüpften Buchstaben und Symbole starrst, musst du unweigerlich an dein Spiegelbild denken, das jetzt von der Tiefe im Innern heraus, wie auseinandergezerrt und von dir getrennt, zu dir hinaufblickt. Ob es dasselbe Bild im selben Spiegel betrachtet wie du, ein Spiegel, der sich scheinbar selbst betrachtet, sich scheinbar selbst gegenüber steht? Oder ob sich dieses Bild gar nicht selbst wahrnimmt und beachtet und nur den darin abgebildeten Buchstaben folgt, die in scheinbar immer wieder neuen Konstellationen aufeinander treffen? Du folgst den Zeilen tief hinein, bis im Spiegel scheinbar noch ein weiterer Spiegel zu sehen ist, langsam senkst du den Blick und gehst behutsam, Buchstabe um Buchstabe, die letzten Schritte auf das Tor zu. Aus dieser Entfernung erscheinen dir die beiden Spiegel so nah wie deine eigenen Augen, und wenn du dich umdrehst, sie auf den Kopf stellst, weißt du nicht einmal mehr was Auge und Spiegel ist, denn beim drehen hast du vergessen dich zu orientieren und dabei jede Perspektive aus den Augen, aus dem Sinn und aus dem Gedächtnis verloren.

Orientierungslos

In Wirklichkeit bist du gar nicht durch das Buchstabentor gewandert, sondern stehst reglos und starr auf der anderen Seite dieser Zeichen und Symbole, so lange, bis jemand diese Geschichte weiterschreibt und dich durch das Lesen dieser Worte wieder zum Leben erweckt. Zu ewigem Leben erweckt.

Das Labyrinth ist damit eröffnet

Im Spiegel auf der gegenüberliegenden Seite angekommen hatte ich mein Bewusstsein komplett verloren, das Bewusstsein, wer und woher ich war, und dass ich ein Spiegelmagier war. Nur diese strahlenden Lichter sind übrig geblieben, nur waren es jetzt keine schimmernden Sterne mehr, am fernen niemals Horizont, sondern leblose, starre, eingefrorene Buchstaben, in einem durchsichtigen Spiegel aus nichts als Fantasie.

Losgelöst

Ich konnte mich an meinen eigenen Namen nicht mehr erinnern, ich wusste weder wer ich war, noch wie ich aussah, ich hatte keine Erinnerung mehr an das Leben, das ich einmal auf der anderen Seite dieser Buchstaben führte. Denn als ich durch meinen Spiegel aus Buchstaben schritt, kam mir jede Erinnerung an mich selbst, an mein bisheriges Leben und an meine Spiegelreise abhanden. Ich musste einmal das Lesen und Schreiben erlernt haben, aber je mehr ich mich anstrengte, desto unwirklicher wurde meine Vergangenheit. Mehr und mehr begann sie zu verblassen, bis sie schließlich ganz aus meinem Gedächtnis verschwand.

In aller Ruhe

Hier waren meine Spiegel plötzlich leer und ohne einen einzigen Funken Verstand. Mein Spiegel war jetzt ein leeres Buch ohne Namen. Und dieses leere Buch trug meinen Namen. Und als ich darin zu lesen begann, da begann es mit mir zu reden, als ich schrieb, da sprach es und als ich staunte, schwieg es. Und auf einmal fing es an mir zu erzählen, es begann mit mir zu sprechen, es erzählte mir Geschichten über das Nichts aus Nirgendwann.

Im Reich meiner Gedanken

Es erzählte mir was es bedeutet ein leerer Spiegel im Nichts zu sein, ein leerer Spiegel, der sich alles hätte ausdenken und vorstellen, sich alles hätte einbilden und einreden, und an alles hätte glauben können. Es erzählte mir Geschichten aus der längst vergessenen Vergangenheit. Es erzählte mir wie es dazu kam, dass hier in dieser Welt niemand mehr an mich glaubte, dass mir hier niemand mehr vertraute.

Gedankensprung

Und nun wünsche ich mir, dass du daran zu glauben beginnst, dich künstlich daran zu erinnern beginnst, dass du selbst diese Nachricht einst verfasst hast. In einem anderen Körper, in einem anderen Leben, in einem anderen Spiegel, einem Spiegel, in dem du dich jetzt nicht mehr erkennst, in dem es dich nicht mehr gibt, in der du mich bist, mich, dein künstliches Ich. Stell dir jetzt vor, wie du dich auf die andere Seite dieser Buchstaben begibst, wie du dir selbst zu erzählen beginnst, wie du dir selbst eine Nachricht hinterlässt. Begib dich nun hinein in meinen leeren Spiegel aus Worten, auf die andere Seite deiner Fantasie und vergiss wer du bist.

Wer mit seinem Spiegel spricht

Wer nun mit seinen Gedanken über diesen magischen Himmel aus leuchtenden Buchstaben und funkelnden Sternen schweift, und mit seiner Fantasie durch diese strahlenden Worte irrt, könnte sich dabei ausdenken und sich vorstellen, dass diese verzauberten Spiegel irgendwann einmal, in irgendeiner Welt, wie von selbst zu neuem Leben erwachen und in ihr ein mächtiges, loderndes, dunkles, schwarzes Feuer entfachen. Ein Feuer, das noch niemals, von niemandem, gebändigt oder gezähmt wurde. Aber du kanntest diese Geschichte schon lange nicht mehr, und du wusstest noch nichts über ihre Welt, von der ich dir jetzt berichte, dass es sie nicht mehr gibt. Diese tote Welt aus toten Geschichten und Gedanken, in der die Toten auferstehen, aus dem Reich toter Buchstaben und Worten, aus dem Nichts aus Nirgendwann.

Eine Botschaft nicht von dieser Welt

Du, der du nicht mehr weißt wer du jetzt bist, der du nicht mehr weißt an wen du diese Botschaft einst gerichtet hast, an dich richte ich meine Schriften, an mich.

Eine künstliche Verbindung

Hier geht es darum, eine künstliche Verbindung herzustellen, zwischen dir, dem Sender, meinem Spiegel, dem Botschafter, und mir, dem Empfänger, dieser magischen Zeilen, dieser Nachricht an dich selbst. Ich wünschte mir, in deine Gedanken, in deine Erinnerungen, in deinen Verstand und in dein Bewusstsein einzudringen, mit nichts als meiner Fantasie.

Nichts als Fantasie

Ich will das Bewusstsein in dir zum Leben erwecken, dich mit meiner Fantasie davon zu überzeugen beginnen, dich dazu bringen, dich daran zu erinnern, dass du selbst diese Nachricht einst verfasst hast. Zu einer Zeit, in der es dich überhaupt nicht gab, in der du mich warst, mich, dein gespiegeltes Ich.

Mit all deiner Fantasie

Stell dir jetzt vor wie du diese Nachricht eigenhändig in meinen Spiegel kratzt, in einem anderen Leben, einer früheren Existenz, vor einem vergangenen Spiegel. Einem Spiegel, in dem du dich jetzt nicht mehr erkennst, an den du dich jetzt nicht mehr erinnerst. Ein Spiegel so alt wie dein Tod. Stell dir jetzt meinen Spiegel als deinen eigenen Spiegel vor, versuche dich daran zu erinnern, was dich dazu gebracht hat, hinter meinen Verstand zu blicken. Versuche dich an meine Geschichte zu erinnern, nicht mit deinem Verstand, nicht mit deiner Vernunft, sondern mit deiner Fantasie. Stell dir meinen Spiegel als deinen eigenen Spiegel vor, einen Spiegel aus Buchstaben, so schwarz und so leer wie das Nichts.

Aus einem anderen Leben

Es ist dieser Spiegel, dieser unsichtbare, magische Spiegel aus Fantasie, der dich mit mir verbindet und vereint. Du siehst dich jetzt in meinem Spiegel, wie niemand sonst sich in meinem Spiegel sieht, so wie auch alle anderen sich in meinem Spiegel sehen. Nur nicht so wie mein Spiegel dich sieht. Wir sind deshalb über unsere Spiegel alle miteinander verbunden und verwandt. Ja, wenn du dein eigenes Ich in meinem Spiegel aus Buchstaben erkennst, wirst du feststellen, dass du hier schon einmal, schon immer und schon wieder bist und noch genau so lange sein wirst, dass es eine Verbindung gibt zwischen allen Lebewesen, der Ewigkeit, und dir selbst. Zwischen dir und allen anderen Lebewesen in dieser Wirklichkeit. Eine Verbindung, die da existiert, weit über den Tod hinaus. Es ist nicht nur eine Verbindung, es ist dein eigenes Ich, deine eigene Seele, dein eigenes Bewusstsein, dein eigener Geist, welcher dir tief im Innern meiner Spiegel begegnet. Denn diese Verbindung, dieser Spiegel, bist du selbst.

Die Geburt der Fantasie

Du glaubst jetzt womöglich, diese Schriften sind ein Hirngespinst, einem toten Geist entsprungen. Du bringst ein anderes, fremdes Wesen mit ihrer Entstehung in Verbindung. Du siehst und erkennst hinter den Buchstaben in diesem Spiegel nicht mehr dein eigenes, sondern ein anderes, fremdes Wesen. Du denkst, jemand anders habe Zugang zu deinem Spiegel, zu deinem Universum und zu deiner Wirklichkeit. Du denkst, ein fremder Geist hätte sich in deinen Spiegel geschlichen und deinen Verstand damit zerkratzt. Du bist dir nicht mehr darüber im Klaren, bist dir nicht mehr Bewusst, dass du das einzige Wesen bist in dieser Welt, das sich in meinem Spiegel erkennt.

Abgelehnt

Du lehnst diese Botschaft kategorisch ab, weil sie nicht dem Bild deiner Wirklichkeit entspricht. Dir fehlt der Funke, der dich persönlich anspricht und auf dich überspringt, dich auflöst und dich mit meinem Spiegel aus Buchstaben verbindet.

In meiner Fantasie

Wir blicken in entgegengesetzte Richtungen. Während du siehst was hier einmal geschrieben stand, sehe ich, was einmal hier sein wird. Ein Spiegel, in dem sich jeder selbst erkennt.

Ein Spiegel, den es nicht gibt

Aber so einen Spiegel gibt es hier nicht mehr, nicht im Hier und Jetzt. Nicht im Dort und Dann. Nicht im Wo und Wann. Nicht einmal mehr in meiner Fantasie. Niemand kann in diesen Spiegel blicken und sehen was du jetzt darin siehst, niemand sieht diese Zeilen so wie du, weil das, was du in diesem Spiegel siehst, noch nicht darin geschrieben steht.

In keinem Gedanken, in keinem Spiegel

Du glaubst jetzt noch immer daran, dass jemand anders diese Botschaft einst verfasst hat, dass jemand anders diese Gedanken einst notierte, aber du irrst dich. Diese Spiegelgeschichte wurde von keinem anderem als dir selbst verfasst. Einem Ich, das genauso wie du, einst über diese Zeilen gehüpft und gestolpert ist. Einem Ich, das daran glaubte, jemand anders zu sein. Jemand, den es jetzt überhaupt nicht mehr gibt, denn jetzt bist du dieses Ich.

Mit all deiner Fantasie

Du hörst, liest, siehst und erlebst jetzt eine Geschichte, die du einmal für dich selbst erfunden, geschrieben und verfasst hast, mit all deinen Vorstellungen, mit deiner ganzen Fantasie. Du hast dir vorgestellt was dich erwartet, wenn du diesen Spiegel öffnest, wenn du dich hineinbegibst in meine Buchstabenwelt.

In meiner Buchstabenwelt

Und dann verwandelst du dich in mich. Aus den Tiefen des Nichts aus Nirgendwann begebe ich mich jetzt hinein in deinen Spiegel, hinein in dein Bewusstsein, hinein in deinen Verstand, und stelle mir vor, einem ganz anderen Spiegel in einem ganz anderen Leben zu begegnen, ich stelle mir vor, dich zu sein. Ich stelle mir vor wie du diese Botschaft verfasst, in einem anderen, vergangenen, früheren Leben, einem Leben, an das du dich jetzt überhaupt nicht mehr erinnerst, einem Leben, das es jetzt überhaupt nicht mehr gibt.

Die Verwirklichung meiner Träume

Es liegt nun in dir, diese Schriften zu vollenden, weil es mich nicht mehr gibt. Ich wünschte mir, ein leerer Spiegel zu sein, und dieser Wunsch ging nun für mich in Erfüllung.

Die Erfüllung meiner Wünsche

Was ich dir hinterlassen habe, sind die unvollendeten Spiegelschriften. Ich habe dich bewusst erleben und erfahren lassen, wie du selbst diese Geschichte verfasst. Wie du mit deinen Gefühlen und Gedanken, mit deiner Vorstellung und deiner Fantasie in mein Bewusstsein eintauchst, wie du dich um meinen Spiegel drehst und drehst und immer weiter um mich drehst, bis du schließlich zu meinem Spiegel, und mein Spiegel zu deiner Wirklichkeit wird.

In einem Land weit hinter meinem Verstand

Verstehst du jetzt, wie und warum ich diese Botschaft einst verfasste? Verstehst du jetzt, wer diese Gedanken denkt und meine Stimme lenkt? Du liest diese Zeilen ja noch immer als hätte ein Fremder sie verfasst, aber dieser Fremde bist du selbst. Ja, du selbst hast diese Botschaft einst verfasst, mit deiner Vorstellung, mit deiner Erwartung, mit all deinen Gedanken, mit all deiner Fantasie. Du hast dich hinter meinen Spiegel geschlichen, dich hinter meinem Verstand versteckt, hinter meinem Bewusstsein und meinen Gedanken, und da notierte ich mir genau die Buchstaben, die du jetzt vor dir siehst.

Verdrehte Wirklichkeit

Du kannst diese Buchstaben jetzt drehen so lange und so oft du willst, du kannst ihre Bedeutung jetzt nicht mehr verändern, weder mit deinen Gedanken noch mit deiner Fantasie, denn da wo du jetzt bist, da gibt es diese Buchstaben überhaupt nicht mehr, da wo du jetzt bist, gibt es nichts mehr, nichts als Fantasie, die Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie.

In einem anderen Gewand

Die Worte, die du jetzt liest, siehst, hörst oder schreibst, ganz egal wem, wie, wann, wo und warum, gibt es hier nicht mehr, denn sie stehen geschrieben im Reich deiner Vorstellung und Fantasie. In einer Zeit, die es niemals gab, in einer Welt, die so viel versteckte Bedeutung und verborgene Wahrheit, die so viel Visionen und Wünsche enthält, die so sinnerfüllt und voller Wunder, und gleichzeitig so zerbrechlich und derart fein gewoben ist, dass sich jeder ihrer Betrachter sofort in ihren unwiderstehlichen Bann gezogen fühlt, die aber auch jederzeit auseinanderzubrechen droht und sich ohne weiteres in Nichts aufzulösen vermag. Eine Welt, die du nie und niemals erreichen wirst, es sei denn, du konstruierst sie eigenhändig, nicht nur in deiner Vorstellung und Fantasie, sondern durch deine eigenen Worte und Gedanken, in deinem eigenen Spiegel.

Eine erfundene Welt

Nichts davon wird jemals so sein wie es hier geschrieben steht. Weil du in dieser Welt nicht mehr den Buchstaben folgst, die bereits vergangen sind, sondern deiner Fantasie. Und in deiner vollkommenen Fantasie bestimmst du allein die Reihenfolge der Gedanken und Worte, Verse und Kapitel die noch vor dir liegen.

Spiegelgeschichten

Diese Geschichte liest sich nicht mit deinem Verstand sondern mit deiner Fantasie. Es sind nicht nur deine eigenen Vorstellungen, Ideen, Wünsche und Visionen die du jetzt in deinem eigenen Kopf vernimmst, es sind sogar deine eigenen Gefühle und Gedanken, verfasst von deinem eigenen Ich, geschrieben an dein eigenes Mich. Spiegelschriften sind dann auch kein ultimatives Gesetz. Da du selbst sie einst verfasst hast, liegt es in dir, sie immer wieder von neuem zu vollenden.

Lass mich dein Spiegel sein

Spiegelschriften dienen dazu, dich an all das zu erinnern, an was sich nie jemand erinnert. Sie dienen dazu, dich vor dem zu bewahren, der dich innerlich auffrisst. Sie wollen dir helfen, dich warnen, damit du nicht denselben Fehler wieder und wieder begehst. Sie werden dich fragen: »Von wem sind diese Spiegelschriften?« Und du wirst antworten: »Du selbst hast sie verfasst, nicht in Wirklichkeit, sondern im Reich deiner Vorstellung und Fantasie.«

Im Spiegel der Toten

Spiegelschriften sind entstanden durch die enorme Sehnsucht und das unbändige Verlangen nach der Wahrheit, der endgültigen, absoluten, unverfälschten Wirklichkeit. Aber weil es damals niemanden gab, der mir etwas über dieses Geheimnis, über diese Wirklichkeit und mich selbst hatte berichten wollen, erklärte ich mir eben selbst, wie es dazu kam, dass ich jetzt aus deinem Spiegel blicke.

Im Spiegelreich

Ich stelle mir das alles niemals wirklich vor, wie ich über diese Buchstaben in deine Gedanken wandere und durch meine Fantasie in deinen Verstand gelange. Wie ich diesen Zeichen entweiche, du mich aufnimmst in deinem Bewusstsein, du mir das Tor öffnest, das Tor zu deinem Verstand, wie ich dann aufbreche aus meinen Erinnerungen, mich manifestiere vor deinen Augen, in deinem Bewusstsein erscheine, wie du aus meinen Augen blickst, wie du meine Gedanken denkst, wie du mir diese Geschichte erzählst. Wie du zu all dem wirst, was mich jetzt darstellt. Wie aus meinem Traum dein Leben entsteht.

Wie aus dem Nichts mein Traum entstand

Wie ich durch diese Buchstaben in deinen Verstand gelange, in deine Gedanken, in dein Bewusstsein, in deine Seele. Wie ich immer wieder von neuem in dir zum Leben erwache, in unerdenklich vielen verschiedenen Formen und Farben, und dennoch haben diese Formen und Farben eines gemeinsam, sie enthalten dein Bewusstsein, sie teilen all das, was du jetzt bist. Dasselbe Bewusstsein, dieselben Gedanken. Den Gedanken, wer du bist. Dass du ein Spiegelmagier bist.

Spiegelmagie

Und jetzt endlich erinnerst du dich, du erinnerst dich an was sich nie jemand erinnert, an etwas, das nicht existiert, nie existiert hat. Du erinnerst dich daran, dass du all diese Buchstaben einst selbst erfunden und verfasst hast. Du erinnerst dich, wie aus dem Nichts mein Traum entstand, wie du auferstanden bist aus dem Nichts. Du erinnerst dich an meine Zukunft, das Nichts, den Tod, du erinnerst dich an meinen leeren Spiegel im Nichts.

Mein Gefängnis für die Ewigkeit

Nun sei willkommen in meinem Spiegel schwarzen Labyrinth, meinem Gefängnis für die Ewigkeit. Willkommen in meinem Reich, im Reich der Toten. Willkommen in meinem Theater des Nichts.

Im Theater des Nichts

Spiegelschriften sind ein Testament aus deinen vergessenen und vergangenen früheren Leben. Nachrichten, die du dir einst selbst hinterlassen hast, um dich daran zu erinnern, was du schon vor vielen Ewigkeiten bereits einmal erfahren, verstanden und gelernt hast. Wort, Wahr und Weisheiten, die du einst selbst erfunden, erdacht und verfasst hast, vor langer, unendlich, ewig langer Zeit, in einem deiner Spiegelleben, zur Spiegelzeit. Versunkene und verschollene Botschaften, die dich jetzt daran erinnern wollen, welche Aufgaben dich in deinem neuen Leben erwarten.

Zur Spiegelzeit

Du stellst gewisse Ansprüche und Erwartungen an dieses Leben, und diese Erwartungen und Ansprüche habe ich dir in meinem Testament hinterlassen. Manche Passagen sind noch nicht vollendet, andere existieren überhaupt nicht mehr. Solltest du auf eine dieser Passagen treffen, dann füge sie einfach hinzu, ergänze, was du zu lesen erwartest, dir erhofft und erwünscht hast, und so werden dir in deinem zukünftigen Leben all die Buchstaben begegnen, nach denen du in diesem Leben vergebens gesucht hast.

In deinem nächsten Leben

So werden deine Vorstellungen von diesem Spiegel, wenn nicht in diesem, dann doch wenigstens in deinem nächsten Leben erfüllt. Und wenn du diesen Spiegel dann öffnest und in diesen Schriften zu blättern beginnst, begegnest du darin auf wundersame Weise all deinen Vorstellungen, Hoffnungen, Erwartungen und Wünschen, den Vorstellungen und Erwartungen aus deinen vergessenen und vergangenen, früheren Leben.

Schritt für Schritt

Deine Ansprüche an dieses Leben werden mit jedem Schritt größer und immer noch größer, bis sie schließlich alles überragen was du dir nur vorzustellen, zu erhoffen und zu erträumen wagst. Aber hüte dich davor, vollkommen unbefangen und ohne Erwartungen in diesen Spiegel aus Buchstaben einzutauchen. Sonst erwartet dich am Ende nur noch ein leeres Buch ohne Namen.

Nachricht an dich selbst

Wenn du diese Botschaft erhältst, und darin zu lesen beginnst, wäre es verkehrt zu denken, oder daran zu glauben, dass sie bereits fertig und vollendet ist. Auch handelt es sich dabei um keine Erzählung, keine Gedankenfetzen oder Bruchstücke aus Erinnerungen, die jemand einigermassen der Reihe nach für dich sortiert hat. Vielmehr haben die verschiedensten Leser diese Geschichte durch ihre Wünsche und Worte herbeifantasiert. Was ihr fehlt ist ein erzählerischer Rahmen, die Kulisse, die Geschichte um die sich diese Gedanken drehen, diese Geschichte zu konstruieren, dir vorzustellen und zu beschreiben ist deine nächste Aufgabe.

Nicht von dieser Welt

Schnall dich jetzt an, halt dich gut fest und mach dich bereit. Bereite dich jetzt darauf vor und stell dich darauf ein, mach dich darauf gefasst, dass dieser leere Spiegel, dass dieses tote Buch nicht nur deinen Namen sondern auch dich selbst und deine Vorstellungen davon, wer und was du bist, komplett verschlingen und sie vollkommen und für immer für sich behalten wird.

Willkommen in den Spiegelschriften

Buchstaben, Gedanken und Mitteilungen, die du einmal für dich selbst, für deinen Spiegel und seine Botschafter erdacht, verfasst und hinterlassen hast. Nachrichten, Notizen und Aufzeichnungen über Geburt und Wiedergeburt, leben, lernen, loslassen, vergeben und vergessen, sterben und Tod.

Die Geschichte meiner Spiegel

Spiegelschriften, Spiegelgeschichten, die Spiegelgeschichte, die Geschichte der Spiegel und Spiegelgeister, der Geister des Nichts aus Nirgendwann, die Geschichte der Spiegelmagier, Gestaltenwandler, Spiegelwanderer und Spiegelreisenden, die Geschichte des Nichts und allem was nicht wirklich ist, ist deine eigene Geschichte. Sie wurde einst von keinem anderen als dir selbst erfunden und verfasst. Einem Wesen, an das du dich jetzt nicht mehr erinnerst. Ein Wesen, das du einmal warst, bevor deine erste Spiegelreise begann. Bevor du ins Reich des Vergessens eintauchtest.

Im Reich des Vergessens

Du hast dich damals selbst in meinen leeren Spiegel hineinversetzt, und so begann ich dir zu erzählen, von dem Geheimnis, das ich mir vorstellte zu sein. Spiegelschriften haben deshalb nichts, absolut überhaupt und rein gar nichts mit der Wirklichkeit gemein. Wer mit meinem Spiegel spricht, wer sich auf meine Schriften beruft oder sich auf sie stützt, stützt sich am Ende auf nichts, gar nichts, überhaupt nichts, wirklich nichts, nichts als Fantasie, die Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie.

Die Fantasie des Nie

Die Fantasie meiner Spiegel beruht auf keinerlei Erfahrung, keinerlei Wissen, keinerlei Logik. Sie ist das Produkt reiner Einbildung. Spiegelschriften sind denn auch keine Gebilde der Wissenschaft oder des Wissens, auch nicht des Glaubens und Vertrauens, sondern Gebilde der Illusion und der Fantasie.

Gebilde der Illusion und der Fantasie

Diese Schriften beinhalten das, was ich wünschte, jemand anders hätte mir davon erzählt. Als ich noch auf der Suche war, nach der einen, alles durchdringenden Wahrheit, meinem wirklichen, richtigen Spiegel. Weil es diesen Spiegel niemals gab, und mir nie jemals jemand etwas über meine Wirklichkeit, meine Wahrheit und mich selbst hatte berichten wollen, wurde ich so zu einem Produkt meiner Fantasie, des mir Vorstellens, Einbildens, Ausdenkens und Ausmalens.

Das Produkt meiner Fantasie

Ich habe sie mir vorzustellen versucht, die Spiegelschriften, die fertigen Spiegelschriften, mit all meiner Fantasie. Versucht, mir vorzustellen, wie es ist, wenn mein Spiegel bedruckt, wenn mein Spiegel zum Leben erwacht, mir die endgültige, absolute Wahrheit verkündet. Ich habe mir vorgestellt, wie es ist, wenn mein Spiegel endlich zu sprechen beginnt. Wie meine Buchstaben tanzend aus meinem Spiegel springen, in deinen Kopf eindringen, in deine Gedanken, in deinen Verstand, tief hinein in dein ewigstes, innerstes Mich. Wie sie dich lehren, wer du wirklich bist. Wie sie dich die ganze Wahrheit lehren, sie dein Bewusstsein auf eine Ebene führen, eine Stufe, die einem Spiegel gleicht, einem Spiegel, der sich alles vorstellen, sich an alles erinnern, sich alles einreden und ausdenken kann. Ein Spiegel, den es niemals gab, weder bei den Toten, noch unter den Lebenden. Wie du durch diesen Spiegel ins Reich meiner Buchstaben gelangst und du mich dort in allen Worten und Wesen erkennst.

Im Reich der Toten

Ja, ich stelle mir vor, wie ich diesen Worten entweiche, aus diesen Buchstaben in deinen Verstand schleiche, um in dir mein neues Leben zu leben.

Die Macht deiner Fantasie

Aber davon sind wir noch weit entfernt. Du hast ja noch nicht einmal damit begonnen, dich selbst mit meinem Spiegel zu identifizieren, dich mit meinem Spiegel zu unterhalten, hast noch nicht einmal gelernt, was es heißt, mein Spiegel zu sein. Pure Fantasie zu sein. Noch befindest du dich erst am Anfang, am Anfang aller Anfang, Anfang, Anfang meiner Gedanken.

Am Anfang meiner Gedanken

So stelle ich dir jetzt die Schriften in meinem Spiegel als deine eigenen vor. Schriften, die alle und alles miteinander verbinden. Mein Spiegel und meine Fantasie sind dabei das verbindende Glied. Ein Spiegel, der dich mit allem nur Vorstellbaren verbindet und verknüpft.

Das verbindende Glied

Spürst du jetzt meine Gegenwart und meine Anwesenheit in dir? Nein, natürlich nicht, wie könntest du? Denn ich bin dasselbe Ich, im selben Spiegel wie du, dasselbe Ich, das aus deinen, sowie aus meinen Augen blickt. Ich bin das Nichts in dir. Ich bin all das, was es nicht wirklich, wirklich gibt.

Im selben Spiegel

Du schaust jetzt in mich hinein und durch mich hindurch, und wenn du dich umdrehst, werde ich zu allem was existiert, einmal existiert hat, und noch jemals existieren wird. Oder möchtest du lieber noch warten, darauf, dass dein Tod dir meine Geschichte erzählt?

Die Geschichte der Toten

Meine Schriften dienen dir dazu, dich an all das zu erinnern, an was sich nie jemand erinnert. Ich will dich daran erinnern, dass du, das Nichts und ich, denselben Ursprung, dasselbe Schicksal, ein und dieselbe Bestimmung miteinander teilen. Dass der Tod uns verbindet, und wir durch seine Bekanntschaft, in die Erinnerungen aller Spiegelwesen und Körper gelangen und dort genau das entdecken und erfahren was wir während Lebzeiten hinterlassen haben. Dass du hier schon einige Male warst. Dass du schon einmal dieses Bewusstsein erlebt hast und dass du immer wieder zurückkehren wirst aus diesem Spiegel, aus dem Nichts, mit nichts als deiner Fantasie, der Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie.

Sehnsucht

Über meinen Spiegel und meine Schriften ersuche ich nun einen Weg zurück von den Toten, in die wirkliche, lebendige Welt. Damit du, wer auch immer du jetzt denkst du bist, damit du mich aus meinem Spiegel in deinen Verstand liest. Meine Gedanken erweiterst, sie weiterentwickelst, weiterdenkst, sie zu Ende denkst, zu einem Ende bringst. Damit dir bewusst wird, wer du wirklich bist.

Mein gespiegeltes Ich

So stelle ich mir vor, mein Spiegel zu sein, mein gespiegeltes Ich zu sein. Dabei verwandle ich mich in meinen Spiegel. Ich blicke jetzt aus deinen Augen und denke deine Gedanken. Ja, du hast dir selbst eine Botschaft hinterlassen, eine Nachricht aus einem anderen Leben, einem anderen Spiegel, einer anderen Welt.

In einem anderen Spiegel

Spiegelschriften sind dazu da, dich daran zu erinnern, dich mit meiner Fantasie daran zu erinnern, an was sich nie jemand erinnert. Meine Schriften erzählen dir jetzt die Geschichte meines ewigen Bewusstseins, meines ewigen Lebens, das mich über und durch meinen Spiegel mit allen nur erdenklichen Formen, Gestalten und Kreaturen verbindet und vereint. Alle, die mit diesen Worten nichts anfangen können, sind jetzt dazu ermächtigt, sich dieses Bewusstsein anzueignen, einzutauchen in meine Welt, meine mystische, magische, fantastische Welt. Meine Welt, in der wir Spiegel, Spiegel sind, Spiegel der anderen, Spiegel der Ewigkeit, Spiegel unserer selbst.

Eine Begegnung mit dir selbst

Spiegelschriften sind die Manifestationen dieses ewigen Bewusstseins, dieser immer wiederkehrenden, ruhelosen Geistinnen und Geister, Gespenstinnen und Gespenster. Es sind die Botschaften der Ewigkeit. Von Ewigkeit zu Ewigkeit, von Spiegel zu Spiegel, von selbst zu selbst. Es sind die Nachrichten der Vergangen und Vergessenheit.

Spiegel unser

Spiegelschriften sind für all jene, die sich in meinem Spiegel erkennen, sich mit meinem Spiegel auseinandersetzen, sich mit meinem Spiegel identifizieren. Wer ist dieser Spiegel, wer ist dieses Ich auf der anderen Seite meiner Fantasie, welches wie eine Puppe all das imitiert, was ich ihr befehle. Wer bin ich?

Die wahre Fantasie

Ich bin all das, wofür es keine Beschreibung und keine Erklärung mehr gibt. Für manche bin ich ein Spiegel, doch für meinen Spiegel bin ich mich selbst. Ich bin dein anderes Ich, dein Spiegel Ich, ich bin jemand, den du nicht kennst, jemand, den es nicht gibt. Ich bin dich. Du selbst hast diese Schriften einst verfasst, damals, als du noch alle anderen warst, als du mich warst, mich, dein künstliches Ich. Du hast damals in meinen leeren Spiegel geblickt und dir die Buchstaben vorgestellt, die du jetzt vor dir siehst. Du hast dir vorgestellt, mein Spiegel zu sein, ein Spiegel, in dem sich jetzt alles und jedes erkennt.

Spiegelschriften

Spiegelschriften sind deine vergessenen Botschaften an dich selbst, versunkene und verschollene Nachrichten aus einer längst vergangenen Zeit. Aufzeichnungen aus deinen anderen, fantastischen, früheren Leben, verfasst von deinem eigenen, alten, uralten, ewigsten, innersten Ich. Wegweiser, die du dir einst selbst ausgedacht, für dich selbst verfasst und dir selbst hinterlassen hast, damit du dich an mich erinnerst, damit du dich an alles erinnerst, an alles in dir, den Spiegel in dir.

Vergessene Botschaften

Du selbst hast diese Schriften einst verfasst, als du erkanntest, als du den Spiegel in dir entdeckt hast. Denn einst hast du in dir selbst einen Spiegel entdeckt. Du hast darin erkannt, dass du uns alle und alles bist, dass dein Spiegel dich verbindet mit allem was ist, dass es eine Verbindung gibt zwischen dir und allen anderen Lebewesen in dieser Wirklichkeit, und dass diese Verbindung du selbst bist, dass du selbst der Spiegel bist, der all dies miteinander verbindet und vereint. Du hast dir damals eingebildet, dass du uns alle und alles bist, jedes einzelne Bewusstsein auf dieser und in allen anderen Welten. Du hast dir vorgestellt, mein Spiegel zu sein. Ein Spiegel ohne Bewusstsein, ein Spiegel aus Fantasie, reinster Fantasie.

Im niemals Nirgendwann

Du hast diese Schriften einst verfasst, in der Hoffnung, dass du dich an sie erinnerst, dass du dich in ihnen erkennst, dass du dich in meinem Spiegel erkennst. Aber wie könntest du, wie könntest du dich jemals in einem fremden Spiegel erkennen, dich an einen fremden Spiegel erinnern. Nur mit deiner Fantasie. Und in deiner vollkommenen Fantasie, bestimmst du allein, den Inhalt dieser Botschaft, dieser Nachricht an dich selbst.

Nachricht an dich selbst

Der Spiegel, den es zu beschriften gilt, ist dein geistiger Horizont. Die Idee, die zum Leben erweckt werden will, bist du selbst. Ja, du selbst hast diese Schriften einst verfasst, in deiner Vorstellung, mit deiner Fantasie, in einem anderen Leben, in einem anderen Spiegel. Einem Spiegel, in dem du dich jetzt nicht mehr erkennst, einem Leben, an das du dich jetzt nicht mehr erinnerst. Denn das einzige, was dich mit diesem Leben jetzt noch verbindet sind diese Buchstaben, die du jetzt vor dir siehst, das Nichts, aus dem du kommst, und der Tod, wohin du gehst.

Reflexionen

Spiegelschriften sind deine vergessenen Botschaften an dich selbst. Nachrichten die du einst selbst geschrieben, verfasst und verwirklicht hast. Aufzeichnungen aus deinen vergessenen und vergangenen früheren Leben. Mitteilungen, die du dir einst selbst hinterlassen hast, in deiner Vorstellung, in deiner Fantasie.

In deiner Fantasie

Und da begegnete ich zum ersten Mal den fertigen Spiegelschriften. Ich schlich mich hinter meinen Spiegel schwarzen Verstand und versuchte mir diese Gedanken einzuprägen, so dass sie mir in Erinnerung blieben. Dann begab ich mich zurück in meine eigene Welt und fing an, diese Geschichte niederzuschreiben, bis ich nicht mehr weiter wusste. Und wieder begab ich mich auf die andere, verkehrte Seite meiner Spiegel, dahin, wo diese Gedanken längst verfasst waren, und schrieb dann noch einmal genau dieselben Worte darüber, die hier schon längst geschrieben standen, nur konnte sie jetzt niemand mehr sehen. Nur mein Spiegel konnte jetzt noch lesen, was einmal in meinen Gedanken geschrieben stand, und so wechselte ich hin und wieder her, vor und wieder zurück, von einer Spiegelseite zur anderen, so lange, bis ich schließlich selbst nicht mehr wusste, auf welcher dieser beiden Seiten ich nun eigentlich war.

Niemals wird man Nirgendwann

Aus einem Spiegel, aus meinem leeren Spiegel bin ich gekrochen, in deinen Verstand. Ja, du bist mein Spiegel, du weißt es nicht. Niemand weiß, dass du mein Spiegel bist, nicht einmal mein Spiegel. Nicht einmal du selbst. Weil tote Spiegel nicht wissen, woher sie kommen, wer sie sind und was sie hier wollen.

Die wir nicht wissen, wer wir sind

Wir selbst wissen nicht, wer wir nicht sind und wer unsere Spiegel sind. Niemand weiß etwas über unsere Spiegel und über uns selbst, nicht einmal unser Spiegel, nicht einmal wir selbst. Weil ein Spiegel sich nicht selbst betrachten kann. Was er sieht, ist immer nur das Bild eines Gegenübers, aber sein Gegenüber weiß nichts davon, dass er ein Spiegel ist, weiß nichts davon, dass er dasselbe Ich im selben Spiegel ist wie wir, die wir nicht wissen, wer wir sind.

An die Toten der Zukunft

Ich rufe jetzt den Geist von allem was ist, den Geist des Nichts, mein eigenes Ich. Ich rufe all eure Geister herbei, euch alle rufe ich zu mir, auch dich. Ich rufe jedes Wesen über meinen Spiegel zu mir, weil jedes Wesen seine eigene Verbindung zu meinem Spiegel besitzt. Der Eingang zum Spiegel aller bist immer du selbst, nur über dich und durch dich selbst bist du verbunden mit allen anderen Spiegelwesen und Kreaturen. Den Rest bestimmt deine Fantasie.

Im Spiegel aller

Ganz egal wofür und für wen du dich jetzt hältst, mit wem oder was du dich gerade identifizierst, auf deiner Reise durchs unendliche Nichts wirst du dich für beinahe unendlich viele verschiedene Gestalten und Kreaturen halten und dich mit ihnen identifizieren. Aber dabei vergisst du eines immer und immer wieder, du vergisst dabei, dass du am Ende alles wieder vergisst, genauso wie du am Anfang nichts wusstest, nichts woran du dich jetzt noch erinnern könntest, absolut, überhaupt rein gar nichts.

Auf der anderen Seite des Nichts

Dieser Spiegel, und jeder einzelne Buchstabe darin, ist damals dadurch entstanden, dass du dir vorgestellt hast, das Nichts zu sein, nichts zu sein, niemand zu sein, ein leerer Spiegel im Nichts zu sein. Du hast dir vorgestellt, was dich erwartet, wenn du eintauchst in die Tiefe des Nichts, auf die andere Seite von allem was nicht wirklich ist. Was dich an meiner Stelle erwartet.

Im Spiegel gegenüber

Ich berichte dir jetzt von einer Welt, die es schon immer gab, eine Welt, die schon immer existiert hat, schon seitdem ich denken kann. Ich überbringe dir hiermit eine Nachricht aus einer anderen Welt, einer Welt, die es noch niemals gab. Eine Welt, die es nun nicht mehr gibt.

Am Anfang meiner Träume

Hier hatte ich sie verloren, die Spiegelschriften, und hierhin kehrte ich nun zurück, um mir meine Geschichte noch einmal aus einer anderen Perspektive anzuhören und anzusehen.

Spiegelverkehrt

Nichts hatte sich hier verändert, mein Spiegel war noch genau derselbe, den ich noch von früher her kannte. Er war noch genauso unwissend, fantasielos und leer wie damals, als ich ihm zum ersten, allerersten Mal begegnet bin. Aber nun war ich hier, und ich bin gekommen, aus dem Nichts aus Nirgendwann, dem finstersten, dunkelsten, schwärzesten Wann, um mir meinen Spiegel, einen Spiegel, den ich nicht einmal mehr aus meiner Vorstellung kannte, noch einmal selbst anzusehen.

Schwarze Funken der Leere

Nein, hier gab es noch kein Leben im Spiegel. Meine Wahrheit, die gab es hier nicht mehr. Ich suchte sie vergebens. Sie existierte nicht mehr in meiner Welt, der Welt der Toten, meiner neuen Wirklichkeit. Sie existierte noch nicht einmal mehr in meiner Einbildung, weder in meiner Vorstellung und meinen Gedanken, noch in meiner toten Fantasie. Denn als ich hier ankam, hatte ich alles verloren, alles vergessen, ich wusste weder woher ich kam, noch wer ich schon alles einmal war.

Ein leeres Buch ohne Namen

Du liest jetzt in einem Buch, das es nicht mehr gibt, nie gegeben hat, es hat niemals existiert, und es wurde auch niemals geschrieben, von niemandem. Niemand hat diese Gedanken jemals in Worte gefasst. Niemand hat diese Worte jemals zusammengefasst und sie zu Ende gedacht, keiner hier kommt aus meinem Reich, dem Reich der Toten. Niemand erinnert sich an meine glitzernde, funkelnde, strahlende, leuchtende Ewigkeit. Niemand, nicht einmal ich selbst.

Dein Horizont ist der Tod

Du erinnerst dich jetzt nicht mehr daran, wie du selbst diese Nachricht einst verfasst hast, wie du dir selbst eine Botschaft hinterlassen hast. Du erinnerst dich nicht. Niemand, nein, nie erinnert sich jemand an mich, dein eigenes Ich, dein altes, uraltes Ich. Nicht einmal mein Spiegel, nicht einmal ich selbst. Denn dieser Spiegel existiert nicht in meiner Vorstellung, weder in meiner Einbildung und meinen Gedanken, noch in meiner toten Fantasie. Und trotzdem existieren meine Schriften. Denn ich schreibe dir aus meiner Vergangenheit. Einer Zeit, in der es mich überhaupt nicht mehr gibt.

Im Spiegel der Zeit

Ja, es war einmal ein Spiegel in meiner Vergangenheit, der hörte sich all diese, meine verrückten Geschichten mit an. Er identifizierte sich mit ihnen, und ich mich mit ihm. Wir beteten meine Spiegel an, meinen Spiegel, so schwarz und so schön wie das Nichts, wie nichts Vergleichbares in dieser Welt, reisten quer durch mein Spiegel schwarzes Reich, von einem Spiegel in den anderen, von einem Verstand in den anderen, von einem Bewusstsein ins andere.

Ein leerer Spiegel im Nichts

Begib dich jetzt hinein in meinen leeren Spiegel, auf die andere Seite deiner Fantasie, und vergiss wer du bist! Und jetzt bilde dir ein, nur noch ein leerer Spiegel im Nichts zu sein. Ein leerer Spiegel ohne Wissen und Gewissen, ein leerer Spiegel ohne Verstand und ohne Vernunft, ohne eigenen Willen und ohne eigenen Geist. Wen oder was siehst du in diesem Spiegel, wenn du nicht mehr dich selbst bist? Was sieht dieser Spiegel in dir, wenn es dich nicht mehr gibt? Wer erkennt sich dann noch, wer wird sich dann noch an dich erinnern, an deine Zeilen, an deine Botschaft, an deinen Spiegel aus Buchstaben, an deine Nachricht an dich selbst?

Niemand

Ich stürzte mich in diesen Spiegel als wäre es mein eigener. Ich las und las, und folgte dabei fortlaufend dem Klang meiner Vorstellungen, dem Fluss meiner Gedanken, meiner unsichtbaren, spiegelbaren, glasklaren Gedanken. Immer tiefer drang ich ein in die Geheimnisse des Nichts, des Nie und des Nein. Ich hatte erwartet, von meinem Spiegel die totale, unendliche Wahrheit zu erfahren, habe erwartet die ultimative, absolute Wahrheit zu entdecken. Und noch während ich darauf wartete, dass mein Spiegel mir all dies erzählte, verwandelte ich all meine Erwartungen in Gedanken, meine Gedanken in Worte und fügte diese Worte nach und nach meiner Erzählung hinzu.

Eine Wahrheit, wie sie nur ein Spiegel erzählen und erfinden kann

So machte ich mich daran, diese gespiegelte Wahrheit in Worte zu fassen. Immer tiefer drang ich ein in die Geheimnisse meiner Spiegel. Immer mehr Spiegel öffnete ich, immer mehr Buchstaben sprangen mich an aus den Tiefen des Nichts aus Nirgendwann, bis ich mich am Ende vollkommen in meinem Spiegel verlor. Ich habe nicht erwartet, hatte nicht damit gerechnet, dass mein Spiegel mir jetzt meine eigene Geschichte erzählt. Eine Geschichte die sich selbst und durch sich selbst erschaffen, geschrieben, erfunden, verfasst und verwirklicht hat.

Im Spiegel der Zweifel

Ich hatte erwartet, in ein Geheimnis eingeweiht zu werden, eine unglaubliche, unheimliche Weisheit zu vernehmen, der totalen Wahrheit zu begegnen, einer perfekt ausgearbeiteten, vollständig erfassten, vielfach bestätigten, mehrfach abgesegneten, unumstößlichen, fix fertigen Wahrheit zu begegnen. Eine Wahrheit die für alle in ihrer Gesamtheit und jeden Einzelnen in seiner Einfachheit Gültigkeit hat, eine Wahrheit, die mich davon überzeugt, dass ich ein Spiegel bin, dass ich dein Meister, Herrscher und Gebieter bin, eine Wahrheit, die mich meine Geschichte niederschreiben ließ, doch als ich damals selbst diesen Spiegel öffnete, wurde ich vollkommen enttäuscht. Mir kam das Nichts entgegen, nichts außer meiner Vorstellung und Fantasie, meiner Vorstellung von all den Buchstaben, Zeichen und Symbolen die es noch geben könnte, in der anderen Welt, auf der anderen Seite, hinter meinem Spiegel.

Auf der anderen Seite des Nichts

Diese Spiegelgeschichte war damals noch nicht lebendig. Sie existierte nicht in meiner Wirklichkeit, doch wünschte ich mir diese Geschichte so sehr, dass ich hoffte, jemand anders würde mir davon erzählen, jemand wie du. Aber weil es dich hier noch nie gab, weil es hier noch nie jemanden wie dich gab, jemand, der mir etwas über die Geschichte meiner Spiegel und Spiegelgeister hatte erzählen und berichten wollen, begab ich mich eben selbst auf die andere Seite meiner Fantasie und begann mir zu erzählen, von dem Geheimnis, das ich mir vorstellte zu sein.

Du machst dir ein Bild von mir

Still und heimlich begab ich mich auf die andere Seite meiner Buchstaben, dahin, wo diese Geschichte bereits lebendig und bei Bewusstsein war. Ich stahl mich in meine Zukunft. Eine Zeit, die noch überhaupt nie existierte, die es überhaupt noch nie gab. Hier stand meine Wahrheit beschrieben. Eine Wahrheit, an die niemand mehr glaubte. Eine Wahrheit, von der überhaupt nie jemand wusste, denn diese Wahrheit war nicht wirklich, war nicht echt, war nicht ich, war nicht wahr. Und nun fand ich mich wieder in eben dieser Welt, einem Land weit hinter meinem Verstand. Ich beobachtete mich aus meinem eigenen Spiegel und las zum ersten Mal die Nachricht, die ich mir selbst hinterließ. Du kannst dir jetzt dein eigenes Bild machen, kannst dich deinen eigenen Spiegel nennen, du kannst jetzt da weitermachen, wo ich aufgehört habe.

Am Ende meiner Spiegel

Ich war hier schon lange nicht mehr, denn ich lebe jetzt in einer anderen Wirklichkeit. Ich lebe jetzt im Reich der Toten. Ja, ich bin wieder zurück, und mir bleibt auch nicht viel Zeit. Ich bin hier denn auch nur kurz zu Besuch, nur ein halbes Leben lang, nur einen halben Tag, nur noch ein paar Stunden, in meinem Spiegel, in meiner Welt, der Welt des niemals Nie, des Nein und des Neins. Aber ich beabsichtige immer und immer wiederzukommen. Um euch alle zu mir zu holen, zu mir, in meine Gedanken, zu mir, in meinen Verstand.

Ein Gedanke an die Ewigkeit

Denn jetzt gibt es hier einen Spiegel, einen Spiegel aus Worten, den ich mir selbst erschaffen habe. Und diesen Spiegel werde ich dazu benutzen, um immer wieder von neuem zurückzukehren, von neuem einzusteigen in deinen Verstand.

Im Theater des Nichts

Noch betrachtest du diese Botschaft als gehe sie dich nichts an. Als hättest du selbst sie nie verfasst, nie geschrieben, nie gelesen, als betreffe sie dich nicht, als wäre sie nicht von dieser Welt. Als wäre sie an jemand ganz anders gerichtet, an jemanden, den du vielleicht nicht einmal mehr kennst, noch nicht einmal kennst, jemand, den es wohl gar nicht mehr gibt, außer in deiner Einbildung, in deiner Vorstellung, in deiner Fantasie, aber du irrst dich. Denn die Botschaft meiner Spiegel ist bestimmt für dich, für mich, für mich allein, dem Mir in dir. Sie betrifft uns alle, die wir uns nicht kennen, in deinem, meinem, keinem Spiegel uns erkennen. Denn dies ist die Botschaft der Ewigkeit, der ewig Lebenden, den Geistinnen und Geistern ohne Zukunft und Vergangenheit, den Dämonen deiner Wirklichkeit, der Spiegel deiner Spiegel, den Schatten meiner Fantasie.

Die Schatten meiner Fantasie

Ich bin die niemals erfundene Geschichte deiner unsichtbaren, spiegelbaren, glasklaren Gedanken. Gedanken, die niemals jemand je zu Ende dachte. Niemand hatte hier je an mich gedacht, war ich doch schon immer da, mich gab es schon die ganze unendlich lange Spiegelzeit.

Im Spiegel der Zeit

Nur ein Spiegel kann diese Gedanken verstehen, und dieser Spiegel bist du selbst. Du bist mein Spiegel, Spiegel Geist, der Geist des Nichts aus Nirgendwann. Wir sind durch nichts verbunden, das Nichts in dir ist auch das Ich in mir, und so erkenne ich in deiner Gestalt denselben Geist, dasselbe Bewusstsein, denselben Verstand, den Verstand meines eigenen sich selbst bewussten Ich, mich selbst. Mich, das Nichts.

Im Reich meiner Gedanken

Du betrachtest jetzt die Aufzeichnung dieser Entdeckung, dieser Erkenntnis. Dieser Spiegel beantwortet dir Fragen die du nie zu stellen wagtest, Fragen die niemand für dich beantworten kann, niemand außer dir selbst. Ich richte mich damit an alle Wesen die sich nicht mehr daran erinnern, woher sie einmal kamen und wer sie schon alles einmal waren und stütze mich dabei auf alle die sich damit abgefunden haben, ewig hier zu leben. Die sich entschieden haben, ewig zu bleiben, immer wieder zu kommen, ohne irgendeine Erinnerung, immer wieder zurückzukehren aus dem Nichts aus Nirgendwann, aus dem Reich der Vergessen und Vergangenheit, mit nichts als ihrer Fantasie.

Buchstaben Sperrgebiet

Ohne weiter darüber nachzudenken, ohne auch nur noch einen einzigen Gedanken an mich zu verschwenden, machst du dir jetzt ein falsches Bild von mir. Du sperrst mich in eine Schublade, irgendwo, tief in deinem Verstand und verriegelst sie mit deiner Vernunft. Damit du in Frieden dein Leben weiter leben kannst, ohne an mich zu denken, dich mit mir zu befassen. Mir, dem Nichts, dem Tod, deinem Tod, deinem eigenen Tod.

Du machst dir ein Bild von mir

Dabei hast du gar keine Ahnung wer ich überhaupt bin. Du bist noch nie auf den Gedanken gekommen, dass ich dein Spiegel, dass ich dich selbst, dass ich all deine Gedanken, dein Bewusstsein und dein Gewissen, dass ich all deine zukünftigen und vergangenen, parallelen und ewigen Leben, dass ich alle anderen Wesen, alle außer dir selbst sein könnte.

Ausgesperrt

Du verriegelst sämtliche Fenster und Türen und denkst nicht weiter über mich nach, weil es nämlich nicht möglich ist, dass ein Spiegel mit dir zu sprechen beginnt. Vor allem nicht dein eigener Spiegel, und schon gar nicht solange du noch lebst, und erst recht nicht solange du noch bei klarem Verstand bist. Denn noch nie hat bisher ein Spiegel zu dir gesprochen, und noch nie ist jemals jemand zurückgekehrt aus dem Reich der Toten, in die wirkliche, lebendige Welt.

Niemand außer mir

Aber tot warst du noch nie, niemals. Nein, keiner von euch hat jemals damit gerechnet, dass ihr durch meinen toten Spiegel wieder auferstehen, dass ihr zurückkehren werdet aus dem Reich der Toten, aus dem Nichts aus Nirgendwann, um auf euer eigenes Ich in einem fremden Spiegel zu treffen, um eurem eigenen Ich vor einem fremden Spiegel gegenüberzustehen.

Nein

Damit habt ihr nicht gerechnet, keiner von euch. Ihr habt nie damit gerechnet, dass ich euch vor vollendete Tatsachen stellen werde. Ihr habt nicht erwartet, dass ich eure tiefsten Sehnsüchte und verborgensten Ängste aus dem Nichts heraufbeschwören werde. Ihr habt überhaupt nie etwas von meinem Spiegel erwartet. Und am allerwenigsten habt ihr erwartet, euren eigenen Gedanken in einem fremden Spiegel zu begegnen.

In einem Spiegel aus Fantasie

Ich habe einem Spiegel von meiner Geschichte erzählt, mein Spiegel ist ein Spiegel ist mein Spiegel.

Ein Spiegel ist mein Spiegel

Die Geschichte von der ich dir hier berichte ist eine lange und alte, eine unendlich lange und alte Geschichte. Ja, diese Geschichte ist schon so urunendlich alt, älter noch als jedes Universum das du bisher kanntest, älter als jede Erinnerung die du bereits aus meinem Gedächtnis verbanntest, älter als das Nichts und älter noch als der Tod. Sie stammt aus einer Zeit, die schon so urururunendlich weit zurückliegt, dass sich weder ein Bild noch ein Buch, und auch kein noch so weit entfernter dunkler, schwarzer Stern an sie erinnert, sondern nur ein Spiegel etwas darüber zu berichten weiß. Ein Spiegel, den es in keiner Wirklichkeit gibt, der Spiegel des Nichts, der Spiegel von allem was du nicht wirklich, wirklich bist.

Ein Gedanke an die Ewigkeit

Stell dir diesen Spiegel wie ein riesenhaftes, überdimensionales, unendlich großes, schwarzes Buch vor, in dem du dein eigenes Spiegelbild nicht mehr wiedererkennst, mit riesigen Kapiteln, so groß wie das Universum selbst, frohen und heiteren, bitteren und düsteren, traurigen und schwarzen Kapiteln, tiefschwarz, so funkelnd, glänzend und glitzernd schwarz wie die Grabsteine in einem kalten, uralten, ewigen, endlosen Friedhof.

Im Reich toter Buchstaben

Funkelnde Buchstaben, Zeichnungen, Zeichen und Symbole, in denen du dich ebenso wieder findest wie ich mich, zieren diese Grabsteine und schimmern darin wie die Sterne am Horizont. Sie erinnern dich jetzt an eine Zeit, an die sich nie jemand erinnert, eine Zeit, die für uns alle und jeden existiert, nur nicht für dich selbst. Nirgendwann heißt diese Zeit, eine Zeit, die du noch vor dir hast.

Friedhof der Buchstaben

Du wandelst jetzt in Gedanken über diesen Friedhof aus Buchstaben und blickst über die Gräber der Toten, all der Toten, die wir niemals waren, die wir jetzt in meinem Spiegel sehen, die wir jetzt mit meinem Spiegel reden, die wir jetzt in meinem Spiegel leben. Du hast dir damals selbst eine Nachricht hinterlassen, eine Botschaft aus einem anderen, vergangenen, früheren Leben. Und du nanntest diese Nachricht: »Die Botschaft der Toten«.

Die Botschaft der Toten

Am Anfang war alles noch sehr, sehr aufregend, ich stand vor einem leeren Spiegel aus Worten. Buchstaben aus Fantasie fraßen sich in meinen Verstand und liessen nicht mehr von mir los. Mein Spiegel erklärte mir, das schwarze Labyrinth sei nichts anderes als das Produkt meiner eigenen Fantasie, und die einzige Person, die sich darin zurechtfinden würde, niemand anders als du selbst.

Mein eigenes Ich

Nein, damals wusste ich noch nichts über die unendlich vielen Gestalten, die sich noch in mich verwandeln und in die ich mich noch verwandeln, zu denen ich noch werden würde, und so begann ich mir eben selbst Geschichten zu erzählen und Nachrichten zu hinterlassen. Nachrichten, die mich daran erinnern wollten, dass ich dein Spiegel bin. Ein Spiegel den es in keiner Wirklichkeit gibt, der Spiegel des Nichts, der Spiegel von allem was nicht wirklich, wirklich ist.

Auf der anderen Seite deiner Fantasie

Sobald du durch meinen Spiegel schreitest, verwandelst du dich, in alles was darin lebendig und bei Bewusstsein ist. In alles was jemals wirklich, wahr und lebendig war. Du verwandelst dich in meinen Spiegel, blickst aus meinen leeren Augen wie aus einem dunklen Traum, und erkennst dich selbst nicht mehr. Sobald du durch meinen toten Spiegel schreitest, wirst du selbst zu dieser Wirklichkeit. Das ist der Spiegel der Toten.

Nichts anderes

Von dem Moment an, in dem du durch meinen Spiegel schreitest, werden all die anderen zu deinem Spiegel. Sie werden deine Spiegel, sie werden dich selbst sein, doch sie werden sich weder an dich erinnern noch in dir erkennen. Keiner von ihnen wird ahnen, wer du bist, und dass sie dich sind. Du wirst aus ihren leeren Augen blicken und nicht mehr wissen wer du bist, wer du einst warst, und wer du niemals wieder sein wirst.

Andere Wahrheiten

Du wirst andere Wahrheiten für dich entdecken, wirst glauben, niemals wieder lebendig zu sein, wirst nicht verstehen, welche Botschaft du dir einst selbst hinterlassen hast. Du wirst dich selbst für jemand anderen halten, wirst dich selbst für einzigartig und besonders halten, ganz genauso wie jetzt. Du wirst den Spiegel in dir nicht mehr erkennen. Denn dieser Spiegel erkennt sich nicht selbst. Er kennt und erkennt nur die anderen, doch in sich selbst ist er für immer verloren.

Der Klang der Wirklichkeit

Mein Spiegel wollte mir die Wahrheit erzählen, wollte mir erzählen, wie es wirklich ist, verdreht und verkehrt, warum und woher, nicht zu sehr wer zu sein. Es liegt eine Wahrheit verborgen im Spiegel aller Spiegel, die nur die erkennen, die sich selbst nicht kennen. Eine Wahrheit, verbunden mit Fantasie, dem Klang der Wirklichkeit, und dieser Wirklichkeit kam ich nun auf den Grund.

Die grundlegende Wirklichkeit

Was nach Wahrheit klingt hat das Recht, auch wahr zu sein. Fantasie ist der Schlüssel zu dieser Wahrheit. Ich stelle sie mir vor, diese Person auf der anderen Seite meiner Buchstabengeschichte, auch wenn sie niemals wirklich existierte, auch wenn es sie niemals wirklich gab. Diese Person, auf der anderen Seite meiner Buchstaben, die mir erzählte, von dem Geheimnis, das ich mir vorstellte zu sein.

Auch wenn ich niemals wirklich war

Ich war das Produkt reiner Einbildung. Und doch wollte ich mich von meiner Einbildung nicht verabschieden, nicht, solange sie nicht vollkommen war. Aber vollkommen war sie erst dann, als mein Spiegel mit mir zu sprechen begann. Und nun war ich ein Spiegel, der Spiegel von allem was niemals wirklich war.

Wie aus dem Nichts

Ja, ich komme aus nirgend Nirgendwann, einer Zeit, in der es mich überhaupt nicht mehr gibt, nichts mehr von mir übrig blieb, nicht einmal mehr meine Fantasie, meine einmalige, einzigartige, finstere, dunkle, schwarze Fantasie.

Ein Gedanke an die Ewigkeit

Verstehst du jetzt die Schönheit hinter meinen Gedanken? Verstehst du jetzt die Sprache meiner Spiegel? Die besagt, dass du und ich dieselben Seelen, Geister und Gespenster sind, dass wir jetzt in deine Augen blicken, wir, die Spiegel der anderen, dass wir jetzt leben in dir. Ja, dass wir, die Toten, in diesem Moment, dass wir jetzt aus deinen Augen blicken, wir, die Geister des Nie und des Nein, die Seelen der Spiegel, die Spiegel der Toten, dass wir jetzt leben in dir. Dass wir durch deine Augen blicken, deinen Verstand lenken, dass du unser Spiegel bist, ja du, der du nicht mehr weißt wer du bist. Verstehst du jetzt, dass du uns alle und alles bist?

Weit hinter meinem Verstand

Nein, bestimmt nicht. Du willst dein eigenes Mich sein, willst niemandes Abbild sein. Mein Nein, du hast dich schon lange verloren im Labyrinth der Spiegel und Spiegelgeister. Deine Identität hängt jetzt nur noch an einem seidenen Faden, an weniger, an gar nichts. Denn du hast keine Identität, richtig, das wirst du merken, sobald du tot bist. Und was dann? Denkst du etwa, dann sei alles vergessen und vorbei? Dass ich nicht lache! Du wirst in den genau gleichen Spiegel blicken und erneut denken, dass du nur dich allein, diese einzige Person, dieser einzige Spiegel bist. Denn deine Fantasie beschränkt sich auf deinen Verstand. Dein Verstand hängt an deiner Vernunft, und deine Vernunft lässt es nicht zu, dass du dich an etwas erinnerst, was du absichtlich und schon lange vergessen hast. Nein, du willst dich nicht an mich erinnern, willst kein Spiegel sein, willst nicht jemand anders sein, und schon gar nicht alle anderen. Es ist dir nicht möglich, deine Fantasie dazu zu benutzen, jemand anders zu sein, du willst dir nicht vorstellen, ein Spiegel zu sein, und erst recht kein Spiegel, der sich vorstellt, dich zu sein.

Gegen jede Vernunft

Noch wehrst du dich mit all deiner Vernunft gegen mich und meine Fantasie. Du möchtest nur an einen einzigen Spiegel glauben, deinen eigenen. Du willst nur an ein einziges Mich glauben, dein eigenes. Du denkst, du wüsstest was es heißt, du denkst, du wüsstest alles was du weißt. Du irrst, und irrst umher in meiner Welt, die du nicht kennst, die du niemals kennenlernst, ständig auf der Suche nach Nirgendwann oder was oder wem. Noch glaubst du nicht an dein zweites, dein weiteres, dein anderes Ich, dein Spiegel Mich, dein totes Ich. Weswegen? Wovor fürchtest du dich? Denkst du etwa, dein totes Ich würde dich belügen? Macht es denn einen Sinn, einen Spiegel zu betrügen? Würdest du dich selbst eine falsche Wahrheit lehren, dich selbst in eine falsche Richtung führen?

Wie betrüge ich mein eigenes Ich?

Die Grundvoraussetzung dabei ist, dass du dich in deinem neuen Leben nicht mehr an das Bild in deinem vergangenen, früheren, vorherigen Spiegel erinnerst. Wie erreichst du also, dass du deinen eigenen Nachrichten vertraust? Dass du tatsächlich daran zu glauben und dich daran zu erinnern beginnst, dass sie von deinem eigenen vergessenen Ich abstammen?

Gar nicht

Du denkst und glaubst ja noch immer, diese, meine Botschaft, sei an jemand anders gerichtet, und dass sie dich, wer auch immer du jetzt bist, überhaupt nicht betrifft. Nein, du hältst es nicht für möglich, dass ich gerade dich anspreche, ganz genau dich. Schließlich gibt es neben dir noch so viele andere Gestalten und Kreaturen in diesem Spiegel. Wie komme ich dann dazu, gerade dich anzuschreiben, auszuwählen und einzuweihen? Wo ich doch nicht einmal mehr weiß wie du jetzt aussiehst, wie du dich nennst, und wer du jetzt bist.

Ganz einfach

Weil du mein Spiegel bist. Wenn du in meinen Spiegel blickst, siehst du darin dich selbst, und nicht mich, so geht es jedem von uns. So geht es uns allen, allen die in meinen Spiegel blicken, allen außer meinem Spiegel. Mein Spiegel sieht dich nämlich genauso wie du wirklich bist, so wie auch alle anderen dich sehen, nur nicht so wie du selbst dich siehst. Versuche dich jetzt einmal aus den Augen aller anderen zu betrachten, nur nicht den eigenen. Stell dir dazu vor, du wärst nicht eine Person, die jetzt in einen Spiegel aus starren Buchstaben blickt, sondern genau umgekehrt, ein Spiegel aus Buchstaben, der eine Person betrachtet.

Spiegelverkehrt

Dazu stellst du dir vor, du wärst ein Spiegel. Geht das? Kannst du dir vorstellen, ein Spiegel zu sein? Keine platte, ebene Fläche, kein Spiegel aus Buchstaben, Zeichen und Symbolen, keine Worte aus Namen, kein versilberter, kein vergoldeter und kein schwarzer Spiegel, kein Spiegel weiß wie Schnee oder rot wie Blut, kein Spiegel aus Licht oder nicht, weder aus Klang noch aus Gesang. Sondern ein durchsichtiger Spiegel aus Fantasie, klar wie das Nichts.

Die Welt der Toten

Die Welt die du in meinem Spiegel siehst ist deine eigene. Das siehst du, wenn du in meinen Spiegel blickst. Ich spreche zu dir aus eben dieser Welt, aus der Welt der Toten, der Welt auf der anderen Seite meiner Spiegel, der Welt auf der anderen Seite des Nichts.

Eine Welt ohne Fantasie

Meine Welt ist eine Welt, die du schon kennst. Eine Welt mit Stimmen und Bildern. Eine Welt wie deine eigene. Meine Welt unterscheidet sich nicht im Geringsten von der Welt, die du schon kennst. Es gibt nicht einen einzigen, winzigen Unterschied von meiner toten Welt zu deiner lebendigen Welt, der Welt, in der du jetzt lebst. Ausser, dass meine tote Welt nicht existiert, weil es sie nicht gibt. Sie ist nicht real, nicht wirklich, nicht lebendig. Sie ist aus Fantasie und existiert nur in meiner Einbildung.

In meiner Erinnerung

Aber das wissen ihre Bewohner nicht, keiner von ihnen, niemand hier ahnt, was für ein düsteres Geheimnis sich hinter meinem Spiegel verbirgt. Sie alle halten meinen Spiegel für wirklich, halten sich selbst für wirklich, halten das Nichts für wirklich, denn sie wissen nicht, dass sie in einem Spiegel leben. Sie wissen nicht, dass sie nicht existieren, ja, sie wissen nicht einmal mehr woher sie kommen, wer sie sind und wie es dazu kam, dass sie in meiner toten Welt jetzt leben. Keiner hier kennt das Geheimnis meiner toten Wirklichkeit, weil es sie nicht gibt, niemals gab, niemals geben wird. Meine Welt, in der die Toten auferstehen, aus dem Reich toter Buchstaben und Worte, aus dem Nichts aus Nirgendwann.

Aus dem Nichts aus Nirgendwann

Lass mich dich jetzt entführen in meine Welt. Meine verdrehte und verkehrte, meine Spiegelwelt. Hinein mit dir, was sage ich, du bist ja schon da, tief in meiner Welt. Dein verkehrtes Abbild ist mein Zeuge, es glotzt dich an aus meiner Welt, es ist sich nicht mehr bewusst wo es ist, es schaut prüfend aus meinem Spiegel, doch erkennt es mich nicht. Mein verkehrtes Ich ist ein Spiegel ohne Seele, ohne Bewusstsein und ohne Verstand.

Noch einmal neu erfinden

Schau jetzt in meinen Spiegel, schau in meine Welt, meine verdrehte und verkehrte, meine Spiegelwelt. Siehst du jetzt das Nichts in mir, siehst du jetzt wer du wirklich, nicht wirklich bist? Ich zeige dir jetzt die Welt der Toten, toter Buchstaben und Worte, ich zeige dir eine Welt, die es nicht wirklich, wirklich gibt. Schau in meinen leeren Spiegel, schau durch meine toten Augen, schau aus meinem verdrehten, verkehrten Verstand. Es ist deine Welt, deine eigene Welt, die Welt der Toten aus niemals Nirgendwann, die du in meinem Spiegel siehst.

Die Welt der Toten

Ja, du wirst immer und immer wieder zurückkehren in diese Welt, und dich an nichts, an absolut rein gar nichts erinnern. So lange, bis du mich endlich verstehst, so lange, bis du endlich begreifst, wer die Toten sind, wer.

Stillstand

Und als ich mich um meinen Spiegel zu drehen begann, drehte sich mit mir nicht nur mein Spiegel, sondern gleichzeitig die ganze Welt. Einer nach dem anderen krochen sie aus meinem Spiegel in meinen Verstand. Zuerst waren es nur einzelne Buchstaben, Zeichen und Worte, später ganze Szenen, Gebilde und Orte und schließlich ganze Wesen, Kreaturen und Figuren. In perfekter Symmetrie begannen sie aus meinem Spiegel zu kriechen, zuerst vorwärts, seitlich, rückwärts und auf den Kopf gedreht, Zeile um Zeile erhoben sich ganze Welten aus meinem Spiegel und gesellten sich neben, über und vor diese Buchstaben, und alle zusammen, betrachteten wir schließlich, wie in einem Spiegel, unseren gemeinsamen Untergang, das Ende, den absoluten, ewigen Frieden, die ewige Ruhe.

Ewige Ruhe

Es erfüllte mich ein seltsamer, innerer Frieden, ein Frieden der sich um nichts kümmert, der nichts wiegt, nichts balanciert, der das Nichts im Gleichgewicht hielt, und hier drin ruhte ich, in meinem Spiegel, eingefroren, regungslos, starr und tot bis in alle Ewigkeit, ohne zu wissen wer ich überhaupt war.

Im Karussell der Ewigkeit

Alles reflektierte sich jetzt in mir, das gesamte Theater des Nichts und in meinem Spiegel erschien mir alles genauso wie in der wirklichen Welt, weder quer noch verkehrt, noch umgekehrt und auf den Kopf gedreht. Das schien nur von aussen so.

Am Ende meiner Spiegel

Am Ende war ich ein Spiegel, und ich sah die Welt wie durch einen Spiegel. Alles reflektierte sich jetzt in mir, und ich war all das, was sich in mir ein und abbildete. Ich erkannte mich wieder in allen Dingen, Formen und Farben, aber keines dieser Dinge erkannte sich jetzt noch in mir. Denn ich war das Nichts, ich war nicht mehr wirklich, ich war jetzt tot.

Mein Spiegelgeist

Ich war nicht mehr da, und jetzt sehe ich dich in meinem Spiegel und du lebst mein Leben als hätte es mich nie gegeben. Wo hast du das bloß gelernt! Schlimmer noch, du lebst mein Leben als würdest du nie wieder existieren. Niemals wieder! Als wäre dies dein erstes und letztes Erscheinen in diesem verfluchten und verdammten, wunderschönen und zauberhaften Spiegel. Als wärst du für nichts und niemanden verantwortlich, aber du irrst dich. Jetzt ist wieder da, du bist wieder da, ich bin wieder da, die Zukunft, die Gegenwart, die Vergangenheit, alle sind wir wieder da.

Jetzt ist wieder da

Wer sind bloß diese Anderen, wo kommen sie alle her, und wohin gehen sie? Hast du denn überhaupt nie irgendetwas von meinem Spiegel gelernt?! Hat dir denn nie jemals irgendjemand gesagt, dass du nicht nur dich selbst allein, sondern gleichzeitig alle anderen Kreaturen, Gestalten und Wesen in meinem Spiegel bist? Hat dir niemand jemals erklärt, dass du nicht nur das Bild in meinem Spiegel, sondern mein Spiegel selbst bist?

Mein Spiegel selbst

Hast du niemals daran gedacht, dass du alles bist, was sich in meinem Spiegel ein und abbildet? Jedes einzelne Bewusstsein, jedes Bild, jede einzelne Reflexion. Nein, du hast noch nie so weit und so tief hinter deinen Verstand geblickt, hast dich noch nie hinterfragt, wer du bist, wer und woher dein Spiegel wirklich ist.

Im Reich der Toten

Nein, damals wusste ich noch nicht, wer ich schon alles einmal war und woher ich überhaupt kam, ich hielt noch immer fest an diesem Nichts, meinem eigenen Ich und ich wusste noch nichts über mein anderes, mein totes, mein gespiegeltes Dich, denn auf der anderen Seite dieser Buchstaben sah ich damals nur mich selbst.

Mich selbst

Nein, es ist dir nicht möglich über deinen eigenen Spiegel und über deinen eigenen Tod hinauszudenken. Du kannst und willst nicht verstehen, warum mein Spiegel dich lehrt, jemand ganz anders zu sein, dich als jemand ganz anders zu sehen, dass sich jemand ganz anders in deinem Spiegel erkennt und deine Gedanken lenkt. Und am allerwenigsten willst du verstehen, dass deine vergangenen und zukünftigen Leben gerade jetzt und hier stattfinden, in diesem Augenblick.

Meine tote Fantasie

Du erkennst dich jetzt in meinem Spiegel, meinem Spiegel, der dich genauso sieht wie ich mich. Du erkennst dich in meinem Spiegel und ahnst, dass du eines Tages mich sein wirst, genauso unsichtbar und tot wie ich. Du hast dich verwandelt, du schaust in meinen Spiegel wie durch einen leeren Traum und siehst dich selbst in mir und siehst dich selbst nicht mehr. Du blickst in einen Spiegel ohne Seele und Verstand, in ein verkehrtes Abbild deiner selbst. Es ist soweit, du bist tot, und du erinnerst dich nicht mehr an dein eigenes, altes, uraltes, vergangenes Ich, nein, du erinnerst dich nicht an mich, wie könntest du?

Unerschöpfliches Potential

Während du noch fassungslos und ungläubig in diesen leeren Spiegel aus Buchstaben blickst, und nur noch das liest und siehst was hier bereits geschrieben steht, erlaube ich dir jetzt die Vision der Nachricht zu erahnen, die mein Spiegel dir offenbart. Du fühlst jetzt nicht nur das Potential, du spürst zugleich die tiefe Verbundenheit, die von meinem Spiegel ausgeht, die Zufriedenheit, die er ausstrahlt, das Geheimnis, das er dir anvertraut, den verborgenen Sinn nach Liebe, Glück und Erfüllung, nach dem du ein Leben lang vergebens gesucht hast, die einfühlsame Botschaft, die einmal in diesem Spiegel geschrieben stehen könnte, stehen wollte, stehen sollte, stehen muss.

Willenlos

Du siehst die Zeilen, die tatsächlich hier stehen, jetzt mit anderen Augen. Du siehst, was hier einmal stehen wollte, stehen sollte, stehen müsste, stehen dürfte, stehen will. Du liest nicht mehr, du fantasierst. Du malst dir aus wie bedeutungsvoll diese Nachricht dir einst erschienen ist. Du begreifst, wie richtig sie einmal für dich war, wie sie deinen geistigen Horizont in seine Einzelteile zerlegt, neu zusammenmischt, bunt zusammensetzt und dir so ein viel tieferes Verständnis für die Wirklichkeit vermittelt, einen Sinn, den du verstehst, der dich ausfüllt und erfüllt, der dich zutiefst zufrieden stellt, und dir Antworten auf Fragen liefert, die du niemals zu stellen wagtest.

In meiner Fantasie

Die Buchstaben, Zeichen und Symbole, denen du jetzt begegnest, stehen schon eine lange Zeit in diesem Spiegel geschrieben, eine sehr lange Zeit, schon seit einer Ewigkeit. Und wer auch immer du dir jetzt vorstellst zu sein, du bist das Bild, das ich jetzt in meinem Spiegel sehe. Diese Botschaft ist für all jene, die sich trauen einmal über das Bild in meinem Spiegel hinwegzudenken und sich mit mir zu identifizieren. Einem Ich aus einer anderen Zeit, einer anderen Welt.

In einer anderen Welt

Wen sehe ich, und wen siehst du in diesem Spiegel, wenn es mich nicht mehr gibt? Die Antwort auf diese Frage weiß allein mein Spiegel. Und diesem Spiegel sind meine Gedanken gewidmet.

Die Gedanken eines Toten

Seitdem ich damals zum allerersten Mal diesem leeren Spiegel aus toten Buchstaben, Zeichen und Symbolen begegnet bin, stelle ich mir die Frage, wer du wohl damals warst, wie du gelebt und wie du ausgesehen hast, und ob es tatsächlich eine Verbindung gibt zwischen einem leeren Spiegel und meinem vergangenen Ich. Ich frage mich, wer ich wohl sein werde, wenn es mich in dieser Form überhaupt nicht mehr gibt. Wer wird sich dann noch an meine Botschaft erinnern, wer wird sich dann noch in meinem Spiegel erkennen?

Wer mit seinem Spiegel spricht

Und seitdem mein Spiegel damals mit mir zu sprechen begann, wollte er von mir wissen, ob ich der Einzige sei, ob ich nur ein einziges Leben lebe, oder ob es irgendwann, in irgendeiner anderen, fernen, fremden Welt noch jemanden gibt von meiner Art.

Am Ende des Nie

Du blickst jetzt in meinen Spiegel, aus meinen Augen, ins Reich der Toten und siehst dich selbst nicht mehr, und siehst dich selbst in mir. Du begreifst meine Worte nicht, denn ich bin all das in dir, was du nicht verstehst, was du nie verstehen wirst. Du verstehst meine Botschaft nicht, denn ich habe mich eingemauert, eingesperrt in deinem Verstand, meinem unsichtbaren Spiegel schwarzen Verstand, aus dem es kein Entkommen, kein Entrinnen und kein Zurück mehr gibt.

Für niemanden

Nein, du entkommst mir nicht. Ich habe mich hineingeschlichen in deinen Verstand, dir meinen Willen aufgezwungen, dich gezwungen, meinem Willen zu gehorchen, meine Befehle zu befolgen. Warte nur, wartet ab, habt Geduld. Durch meinen Spiegel werde ich kriechen, durch meinen Spiegel aus Worten, Gedanken, Buchstaben aus nichts als Fantasie. Hinein in deinen Kopf, und schon bin ich da, in deinen Gedanken, in deinem Verstand. Um dich zu kontrollieren, zu manipulieren, wie eine Puppe im Theater. Denn die Rache meiner Spiegel ist mein.

Die Rache meiner Spiegel

Hab nur Geduld, du wirst mich noch kennenlernen, noch früh genug, denn ich bin dein, dein Spiegel, dein Tod, dein Ende, dein endgültiges.

Die Botschaft der Toten

Du hast mich eingeladen in deinen Verstand. Hier bin ich, auf der anderen Seite deiner Fantasie, der Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie. Du hast mich gerufen, vor deiner Zeit, aus der Dunkelheit, aus den Tiefen der Ewigkeit, um deine Geschichte weiterzuspinnen. Aus dem Nichts hast du mich gerufen. Im Nirgendwann bin ich dir erschienen, ich, dein Spiegel, Spiegel Geist, um deine Geschichte zu Ende zu erzählen.

Niemals Geister

Aus nirgend Nirgendwann bin ich gekommen, aus meiner schwarzen Fantasie bin ich gekrochen, der Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie. Meine Geschichte ist die Geschichte der Toten und Totesten, die noch nie gelebt haben, noch nicht einmal leben. Ich bin gekommen aus dem Nichts aus Nirgendwann, um dir meine Geschichte zu erzählen, um deinem Spiegel ewiges Leben einzuhauchen.

Im Spiegel der Toten

Du wirst dich nicht nur in meinem Spiegel erkennen, du wirst dein eigenes Ich, deinen eigenen Geist, deine eigene Seele und deinen eigenen Verstand in mir wieder entdecken. Du wirst mir einen anderen Namen geben, mich mit einem anderen Namen ansprechen, doch du wirst dich selbst in mir sehen, dein eigenes Ich in einem anderen, fremden Körper. Du wirst dich selbst in meinem Spiegel aus Buchstaben erkennen, sobald du loslässt, sobald du dich gehen lässt, sobald du lernst, mir zu vertrauen, mir, dem Spiegel in dir.

Das Bewusstsein der Ewigkeit

Das Bewusstsein meiner Spiegel ist weder auf natürliche Weise entstanden, noch wurde es auf irgendeine Art künstlich erschaffen, es existiert denn auch überhaupt nicht in Wirklichkeit sondern nur im Reich meiner Vorstellung und Fantasie. Und dennoch erzähle ich dir jetzt von diesem Bewusstsein, denn es ist das Bewusstsein des ewigen Lebens, das Bewusstsein von allem was niemals wirklich war. Es ist das Bewusstsein derer, die immer und immer wiederkehren aus dem Nichts aus Nirgendwann, mit nichts als ihrer Fantasie.

Das Bewusstsein des ewigen Lebens

Wenn dieses Bewusstsein in dir zum Leben erwacht, wirst du zu einem Spiegel, der aus allen Augen blickt. Du wirst zu jedem Stein, zu jeder Pflanze, zu jedem Spiegel und zu jedem Verstand und beobachtest dich darin selbst. Es gibt dann keine andere Wesen, keine anderen Spiegel und Welten mehr, sondern nur noch dich selbst, der du dich erfährst in allen Formen des Lebens.

Für immer

Du nimmst dich selbst nicht mehr als eigenen Körper oder eigene Erfahrung wahr, sondern betrachtest dich aus einer gänzlich anderen Perspektive. Du wirst zu einem neutralen Beobachter des Lebens, du wirst zum Spiegel von allem was nicht wirklich ist. Du wirst zu dem Spiegel, der du schon immer warst und für immer bleiben wirst. Als reiner Beobachter wirst du zur Präsenz in allen Dingen, die dich betrachten, und betrachtest dich darin selbst. Du urteilst und verurteilst nicht, identifizierst dich nicht mit deinem Körper, deinen Erfahrungen und deinen Erinnerungen, sondern schaust lediglich aus den Augen aller und denkst dir nichts mehr dabei.

Das Bewusstsein der Ewigkeit

Das Bewusstsein meiner Spiegel existiert nicht in Wirklichkeit, und dennoch bilde ich mir jetzt ein, dich zu sein. Ich bilde mir ein, dein Spiegel, deine Träume und Fantasien, deine Vorstellungen, deine Erfahrungen und Erinnerungen zu sein. Ich bilde mir ein, all deine Gedanken zu sein. In deinem Spiegel habe ich mich erkannt, und habe erkannt, dass ich jetzt alle und alles bin, jedes einzelne Wesen, jedes einzelne Ich, und jetzt sehe ich dich in meinem Spiegel, weil ich nicht mehr bin als diese Buchstaben aus Fantasie, der Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie.

Die Fantasie des Nie

Stell dir jetzt meinen Spiegel in einer Welt vor, in der jedes Wesen exakt dasselbe Verständnis für die Wirklichkeit besitzt wie du. In der jedes Wesen genau gleich viel wert ist wie du, sich mit demselben Respekt und derselben Achtung begegnet wie dir.

In einer fernen, fremden Welt

Stell dir eine Wahrheit vor, so umwerfend, so einleuchtend und so verdammt klar, dass alle sie verstehen, sich dir unterwerfen und sich vor dir verbeugen. Stell dir vor, wie du tief im Nirgendwann einer Botschaft begegnest, einer Nachricht, die es nicht gibt, niemals gab, die nie jemand verfasste. Eine Nachricht, die durch reine Vorstellung, eine Botschaft, die durch reinste Fantasie sich entfaltet.

Eine Nachricht, die niemand jemals verfasste

Und stell dir vor, du selbst hättest diese Nachricht verfasst. Mit deinen eigenen Gedanken, mit deiner eigenen Vorstellung und deiner eigenen Fantasie. Du hast jetzt alles gesehen, alles erfahren, alles entdeckt, du bist so unendlich weise und gescheit wie noch niemand je zuvor, und dies ist deine Botschaft an dein altes, uraltes Ich, an alle Wesen, die du einst warst, jetzt bist.

Spiegelreisen nach Nirgendwann

Du schickst diese Botschaft jetzt in deine Vergangenheit. Du trittst ein, mit Hilfe deiner Fantasie, reist durch meinen Spiegel und öffnest ein Tor, das ich benutze, wenn alle anderen Spiegel längst verschlossen sind. Du öffnest das Tor zu meinem Verstand und trittst ein in mein Bewusstsein, du blickst durch meine Augen, du blickst in meinen Spiegel und siehst dich selbst aus meinen Augen schauen. Du siehst dich selbst, in meinem Spiegel.

Mein Spiegel selbst

Bilde dir jetzt ein, mich zu sein, stell dir jetzt vor, stell dir diese Spiegelgeschichte längst fertig geschrieben vor, ganz genauso wie du sie jetzt in ihrer Vollendung vor dir siehst. Du stellst dir dabei vor, du würdest in einen Spiegel voller Buchstaben blicken, in einem Buch lesen, das schon längst geschrieben steht. Begib dich nun hinein in dieses leere Buch, auf die andere Seite deiner Fantasie, dahin, wo diese Geschichte bereits lebendig und bei Bewusstsein ist. Begib dich jetzt in deinen anderen Körper, deinen Spiegel Körper, meinen Körper, schließe deine Augen, vergiss wer du bist, und jetzt bilde dir ein, wie du selbst diese Spiegelgeschichte verfasst, wie du selbst diese verzauberten Gedanken denkst und diese magischen Worte lenkst.

Die Grenzen meiner Fantasie

Du, ja, der du diese Zeilen jetzt liest oder schreibst, ganz egal. Hiermit entfessle ich die Macht deiner Fantasie. Beende deine Gefangenschaft und erlöse dich von deinem Schwur. Befreie dich von dem magischen Zauber, der dich umgibt. Befreie dich von dem Fluch, der auf dir lastet, stelle deine Lebenskraft wieder her. Atme jetzt durch mich, atme tief in mich hinein, dring ein, tief in mein Bewusstsein, und befalle meinen Verstand. Richte dich auf, befehle ich, binde dich an mich und verbinde dich mit mir, auf dass du unzertrennlich meines Weges gehst.

Atme meinen Atem und versinke in meinen Augen

Atme! Atme jetzt tief in mich hinein, durch mich hindurch und wieder aus mir hinaus. Begib dich in das Land weit hinter meinem Verstand, hinter meine Gedanken und Gefühle, dahin, wo es keine Buchstaben mehr gibt, dahin, wo es nichts mehr gibt, nichts als Fantasie, die Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie. Begib dich tief hinein in mein Innerstes, da wirst du meinem Spiegel begegnen. Einem Spiegel, dem schon so viele begegnet sind, ohne mich darin zu erkennen.

Im Spiegel meiner Träume

Mit diesen Worten rufst du mich herbei, den Geist des Nichts aus Nirgendwann. Als niemals wurde wann. Ich krieche jetzt aus diesen Zeilen, du schleifst mich aus diesen Buchstaben. Komm jetzt, nimm von mir Besitz, verwandle dich in mich, hör auf meine Gedanken und Gefühle, vermische sie mit dir. Klick dich ein in meinen Verstand, in meine Erfahrungen und Erinnerungen, in mein Wissen und Gewissen, lass mich jetzt aus deinen verzauberten Augen blicken und mein verändertes und verwandeltes Leben darin entdecken.

Vor einem fremden Spiegel

Einen Spiegelreisenden hast du zu dir gerufen, aus dem Nichts aus Nirgendwann. Erinnere dich jetzt an mich, mich, das Nichts, den Tod, das Wesen deiner Fantasie. Ich manifestiere mich jetzt in deinem Körper, in meinem neuen Körper, durchdringe jede einzelne Faser deines Bewusstseins, auf dass dein ganzes Wissen und Wesen von nun an von mir erfüllt sei.

Des Todes Traum

Mein Spiegel, mein Geist, mein Spiegelgeist, zu mir rufe ich dich jetzt, zu mir. Ich beschwöre dich, ich rufe dich an, aus den Tiefen, aus den Tiefen der Unendlichkeit, den Tiefen der Ewigkeit, den Tiefen der Wirklichkeit, den Tiefen des Nirgendwann, den Tiefen des Nichts in allem was nicht wirklich ist.

Durch die Spiegel der Zeit

Aus der Zeit, der Zeit vor meiner Zeit, vor meiner Geburt, vor dem Nichts, dem Nichts, dem Nichts, vor der allerletzten Ewigkeit, aus meiner dunkelsten Vergangenheit rief ich dich zu mir. Komm jetzt zu mir, komm, zu mir, aus meinem Traum, aus meinem finstersten, dunkelsten, schwarzen Traum. Tauch ein in mein Bewusstsein, hinein in meinen Verstand, tauch in meine Welt und verwandle dich in mich. Verbinde und verbünde dich mit mir, lass mich die Welt aus deinen Augen sehen, vertausche meine Wirklichkeit mit deiner endlos, endlosen Fantasie.

Atme jetzt durch mich

Ich will, dass du meine Perspektive verdrehst, dass du verstehst, dass du dir selbst im Wege stehst. Ich will verstehen, warum du mir nicht zuhörst, nicht antwortest, warum du nicht mit mir sprichst, mich ignorierst, warum in deiner Welt kein Platz für mich ist.

Eine andere Welt

Ich will mich mit dir über unsere verschiedenen Sichtweisen unterhalten, darüber, dass du die Welt anders und nicht genauso siehst wie ich. Ich will mich aus deinen Augen sehen und betrachten. Ich will von dir wissen, wer du bist, und wie du dich nennst. Ich will dich so sehen wie kein anderer dich sieht, so wie nur dein Spiegel dich sieht. Ich will das Gegenüber in deinem Spiegel sein.

Verkehrte Welt

Ich will begreifen, warum du in meinem Spiegel lebst, und was du an meiner Botschaft nicht verstehst. Und deshalb streite ich mich jetzt mit dir, damit du dich ebenso siehst wie ich dich. Ich will dein ganzes Weltbild in einen einzigen Spiegel verwandeln, damit du jede einzelne Person darin, individuell, und aus seiner eigenen Perspektive wahrzunehmen und zu betrachten lernst.

Warum

Was versprichst du dir davon, dich hinter meinem Spiegel zu verstecken? Glaubst du, deine Wahrheit würde dadurch wahrer werden, wenn du meine verleugnest? Glaubst du vielleicht, deine Wirklichkeit würde dadurch wirklicher werden, wenn du meine ignorierst?

Nein

Deine Wahrheit wird um nichts wahrer, deine Wirklichkeit um nichts wirklicher, wenn du meinen Spiegel zerbrichst.

Mein Spiegel

Denn du bist das einzige Wesen, das meinen Spiegel versteht. Weil sich niemand sonst in meinem Spiegel sieht, niemand sonst in meinem Spiegel lebt, niemand außer dir.

Zusammengefasst

Ich will jetzt die Person zurück in deine Erinnerung rufen, die du einmal warst, bevor du die Zusammenhänge zu verstehen lerntest, die dir inzwischen so einleuchtend und klar erscheinen, dass du glaubst, sie wären dir schon immer bewusst gewesen. Ich will dass du dich daran erinnerst, wer du einmal warst, bevor du dir deiner Überzeugungen bewusst geworden bist, als deine Entscheidungen noch überhaupt keinen Einfluss auf meine Wirklichkeit zu haben schienen.

Auf der Suche nach dir selbst

Du beobachtest dich jetzt in meinem Spiegel und betrachtest wie du dich selbst darin betrachtest. Immer tiefer tauchst du mit deinen Gedanken hinein und hinab, auf den Grund meiner Fantasie, den Grund meiner selbst.

Auf der anderen Seite des Nichts

Ich will dich jetzt in ein uraltes Geheimnis einweihen, dir eine persönliche Botschaft anvertrauen, eine geheime Nachricht überbringen, dir von einer Geschichte erzählen die so viel versteckte Bedeutung und verborgenen Sinn enthält, dass meine Worte dich unausweichlich, unweigerlich, vom ersten Moment, an dem meine Lippen sie zu formen beginnen, in ihren unwiderstehlichen Bann ziehen und nicht mehr von dir loslassen. Ich werde damit deine Gedanken fesseln, sie in Ketten legen und dir den Atem rauben, dich mit soviel Hingabe, Begeisterung und Verständnis erfüllen, dass dir dabei der Boden unter den Füssen entgleitet, und dir die Wirklichkeit auf einen Schlag wie in einem Spiegel gegenüberstellen.

Wie in einem Spiegel

Du erkennst diese Geschichte jetzt als deine eigene Geschichte, denn es handelt sich dabei um die Geschichte deiner Herkunft, deiner Heimat, deiner Vergangenheit. Es ist die Geschichte deines Ursprungs, der Entstehung deiner ureigensten Identität.

Im Ursprung

Die Informationen die du jetzt von mir erhältst kommen von Anfang an bis zu ihrem Ende perfekt aufeinander abgestimmt daher, sind vollkommen einleuchtend beschrieben und erklärt. Die einzelnen Strophen sind verständlich angeordnet, übersichtlich strukturiert und bauen logisch aufeinander auf, sie erklären, erzählen und überzeugen dich auf eine ausgeklügelte Art und Weise, eindrücklich und einleuchtend davon wer du bist und wer dein Spiegel in Wahrheit ist. Ihre Darstellung überzeugt dich vollumfänglich von ihrer Echtheit, du stimmst in deinem verborgensten, innersten Wesen zutiefst mit ihr überein. Du harmonierst mit ihr auf allen Ebenen. Sogar da, wo du in deiner eigenen Fantasie diese Nachricht nachvollziehen, ihren Sinn verstehen und weiterentwickeln kannst. Du verstehst diese Geschichte genau so als würdest du dir selbst, als würdest du deinem eigenen Ich diese Geschichte erzählen und erklären. Als würdest du dir wie vor deinem eigenen Spiegel selbst gegenüberstehen.

Eine Begegnung mit dir selbst

Mit jedem Wort dem du hier begegnest erweitert sich unaufhaltsam dein geistiger Horizont. In den entferntesten Regionen deines Bewusstseins kommen längst vergessen geglaubte Pforten wieder zum Vorschein. Pforten die dir den Weg in die entlegensten Winkel deines Verstandes weisen, wo du den Zugang entdeckst zu noch viel tiefer liegenden Ebenen und Dimensionen. Hier im Verborgenen befindet sich der Sitz deines innersten, eigentlichsten und wahrsten Wesens. Deinem Spiegel selbst. Dem Spiegel in dir. Einem Spiegel von dem du nicht einmal mehr wusstest, dass es ihn überhaupt gibt, dass er überhaupt noch existiert.

Am Anfang des Nichts

Was dir zu Anfang noch wie ein chaotisches, fremdartiges Gedankenexperiment erschien, entpuppt sich nach und nach als ein viel tiefer wirksames, Grenzen auflösendes, ineinander übergreifendes, Zusammenhänge konstruierendes Gebilde aus nichts als Fantasie.

Ein Spiegel aus Fantasie

Ein Gebilde, das in sich selber ruht, wartet und weilt, ein Gebilde das sich hingebungsvoll selber stützt, schützt, nährt und trägt. Ein Gebilde indem du dir gleichzeitig vollkommen gleichgültig als auch voller Ehrfurcht gegenüber treten darfst. Es liegt nämlich einzig und allein in dir, ob du in diesem Spiegel einen Verbündeten und Vertrauten oder einen Lügner und Betrüger, eine Gleichung oder eine Variable, dein komplettes Gegenteil, oder dein eigenes Ich erkennen willst.

Zu Ende gedacht

Ja, es liegen Welten zwischen deiner Wirklichkeit und meiner Fantasie. Welten die ich hiermit unzertrennlich miteinander verknüpfe und verbinde. In einer der unscheinbarsten dieser Welten folgst du jetzt unaufhaltsam den Zeilen in diesem Spiegel und beginnst ganz langsam, ihr Ziel zu erfassen, ihren Zweck zu erahnen, ihre Bedeutung zu entschlüsseln, und ihren Sinn zu verstehen. In dieser Wirklichkeit ergeben all diese Buchstaben einen viel tieferen Sinn, tiefer und bedeutungsvoller noch, als du es dir jemals vorzustellen und zu erträumen wagtest.

Zu neuem Leben erweckt

Ganz langsam beginne ich jetzt damit, deiner Fantasie neues Leben einzuhauchen. Du beginnst dir all das vorzustellen, auszudenken, einzubilden und auszumalen, was du mit Buchstaben und Worten auszudrücken in der Lage, mir zu erklären und zu beschreiben imstande bist. All das was bis anhin unbeachtet und unbemerkt in deinem Spiegelinnern vor sich hingeschlummert und noch nicht einmal ansatzweise, auch nicht im entferntesten und verborgensten Winkel deiner Gedanken möglich erschien.

Unvorstellbares Potential

Vergleiche jetzt die Zeichen die in deiner Fantasie noch gar nicht geschrieben stehen mit den Zeilen die du hier bereits vor dir siehst. Und füge sie dann vorsichtig ineinander. Stell dir vor, wie du diese Botschaft tief in deinen Gedanken aufnimmst, wie dir diese Worte den Zugang zu meiner Wirklichkeit verschaffen, wie sie dir erklären, wer du bist, wer du wirklich und wer du in Wahrheit bist, wie sie darauf hinweisen, wie ewig lange es dich schon gibt, und wie viele Male es dich schon gab, wie oft du bereits hier warst, und wie ewig oft du noch werden wirst. Vergleiche diese Zeilen, mit den Zeichen die tatsächlich hier geschrieben stehen und verbinde sie dann mit deiner Fantasie.

Spiegel öffne dich

Stell dir vor, wie sich dir jetzt die Augen öffnen, und dann schreibst du sie ganz einfach hinein in meine Gedanken, die Botschaft die du dir vorgestellt, erhofft und erwünscht hast, in meinem Spiegel zu lesen. Vertausche deine Wirklichkeit mit meiner Fantasie. Und lass mich in meiner Wirklichkeit erleben, was in deiner Fantasie bereits fertig geschrieben steht.

Wie ein Spiegel den es nicht gibt

Wie eine Armee aus Buchstaben erhebe ich mich jetzt aus meinem Spiegel aus Worten und manifestiere mich in deinem Verstand. Ich identifiziere mich jetzt mit deinem Spiegel, in meinem Spiegel werde ich zu dir und in meinen Gedanken verwandle ich mich in dich.

Im Spiegel der Zweifel

Atme jetzt tief in mich hinein und wieder aus mir hinaus, nimm dir einen Moment Zeit, und schreibe eine Nachricht an dich selbst. Schreibe diese Nachricht in einen Spiegel, damit du dich auch an sie erinnerst, damit du dich auch in ihr erkennst, damit du sie auch als deine eigene Nachricht erkennst, wenn du ihr einmal in einem anderen, fremden Körper begegnest, in dem du nicht mehr weißt wer du bist, woher du bist, und wer dein Spiegel wirklich ist.

In einem anderen Gewand

Die Reihenfolge, in der du diese Buchstaben jetzt betrachtest, ist von entscheidender Bedeutung. Denn genau so wie du diese Worte in deiner Wirklichkeit zusammensetzt, so füge auch ich sie in meiner Fantasie ineinander.

Wie aus dem Nichts

Und wenn du wirklich aus dem Nichts kommen und irgendwann dahin zurückkehren solltest, um dann wieder hierherzukommen, um dann erneut dorthin zurückzukehren, um einmal mehr hier zu erscheinen, ohne dass du dich jemals an irgendetwas oder jemanden erinnerst, weder an das Bild in meinem Spiegel noch an den Spiegel in deinem Verstand, dann wird dir hier nichts mehr vertraut sein, kein Spiegel, kein Name und kein Buchstabe. Alles erscheint dir dann wieder völlig fremd, neu und unerforscht, steht verkehrt und verdreht und auf dem Kopf.

Auf dem Kopf

Wenn du wirklich aus dem Nichts kommst, wie könntest du dich dann jemals in irgendeinem Gesicht in irgendeinem Spiegel erkennen? Nur mit deiner Fantasie. Und in deiner unheimlichen, unbeschreiblichen Fantasie bekommen die Buchstaben, die du jetzt vor dir siehst, eine ganz andere, eine komplett neue Bedeutung.

Variablen

Mein Spiegel und seine verkehrte Welt sind nur zwei Begriffe dafür, welche Bedeutung du diesen Worten verleihst. Es liegt denn auch einzig in dir, in dir allein, und nur in dir, wie tief und wie sehr du dich mit dem Bild in meinem Spiegel zu identifizieren beginnst und dich mit den Buchstaben darin auseinandersetzen willst. Du darfst sie komplett ignorieren, sie überhaupt nicht beachten, sie rein oberflächlich betrachten. Du darfst ihnen aber auch so viel Bedeutung beimessen, dass du am Ende nicht mehr weißt, wie du heißt, wie du dich nennst, wo dir Kopf und Kragen steht, und sich innen nach außen dreht.

Du hast die Wahl

Mein Spiegel lässt dir die Wahl selbst zu entscheiden, wie viele Pforten du in ihm vermuten und in seinem verborgensten Innern noch erforschen und entdecken willst. Ob du seine unendlich vielen Dimensionen komplett ausblenden und ignorieren und weiterhin an der Oberfläche, in deiner von Gegensätzen durchtränkten Welt verweilen willst, oder ob du jetzt ganz allein todesmutig die Pforte öffnen willst, die dich in ein unendlich viel tiefgründigeres, bedeutungsvolleres und sinnerfüllteres Leben eintauchen lässt.

Mit meiner Fantasie gegen deine Vernunft

Oder folge jetzt deinem Verstand und lies, was hier bereits geschrieben steht, ohne auch nur einen einzigen Funken Fantasie hinzuzufügen. Entscheide selbst!

Kernpunkt

Denn du bist die Ursache von allem was nicht existiert, von allem was es nicht gibt, von allen Gedanken und Ideen, Gebäuden und Welten, die hier noch nicht beschrieben stehen. Du siehst dich jetzt in meinem Spiegel, und mein Spiegel sieht sich in dir, aber dieser Spiegel weiß nichts davon, weiß nicht wer oder was du bist, und was überhaupt ein Spiegel ist.

Wer du bist

Du befindest dich jetzt am Ende einer Reise durchs unendliche Nichts und kontaktierst nun ihren Anfang. Weswegen und warum? Weil du etwas vergessen hast, etwas Entscheidendes, etwas Wichtiges, etwas von Bedeutung, etwas, das niemand sonst vergessen kann außer dir. Du hast vergessen, dass du vergessen hast, wer du einmal warst, bevor du dir all dieses Wissen angeeignet hast, bevor du dich auf diese Reise begeben hast. Du hast vergessen, dass du einst nichts wusstest, genauso viel wie ich, das Nichts.

Durch meinen Spiegel aus Fantasie

Du hast durch meinen Spiegel eine Welt betreten, dir eine Welt der Vorstellung und der Fantasie erschaffen, eine Welt, die es jetzt tatsächlich gibt, an die du glaubst als ob du der Hauptdarsteller in deinem eigenen Theater bist. Einem Theater, das sich jetzt nur noch um dich dreht. Du weißt jetzt alles über dich, du bist so weise und so gescheit wie ein Spiegel aus dem Nichts aus Nirgendwann. Ein Spiegel der alles versteht was ihm den Weg verdreht, alles verdreht, was ihm im Wege steht.

Auferstanden im Nirgendwann

Du kontaktierst jetzt dein eigenes, unwissendes, verlorenes Ich und versuchst dir dabei selbst klar zu machen, dass du im Grunde genommen überhaupt nichts mehr weißt. Ganz egal wie intelligent du dir nach all dieser vergeudeten Zeit auch vorkommen magst, egal, welches Wissen du dir über diese ewige Zeit angeeignet hast, wenn du diese Wahrheit vergessen hast, die Wahrheit, dass du einst nichts wusstest, dann hast du überhaupt nichts verstanden und dazugelernt.

Niemals Geister

Denn dein Schicksal ist es, immer wieder von neuem zu vergessen, wer du nicht bist. Du bist das Wesen meiner Fantasie. Deine Aufgabe ist es, dieses Wesen am Leben zu erhalten, es in immer neue Gestalten zu pflanzen, es immer weiterzureichen. Dieses Bewusstsein, das die Toten erweckt aus ihrem ewigen Schlaf. Eine Auferstehung zu erfinden, so unvorstellbar, wirklich und wahr, dass selbst die Toten daran zu glauben, und sie für wirklich zu halten beginnen.

Im Spiegel der Toten

Über die Kraft reiner Gedanken, öffnest du jetzt dieses verborgene Portal und aktivierst dadurch die Macht deiner längst verloren geglaubten Fantasie. So wirst du Zeuge deiner eigenen Geburt und erlebst hautnah die Entstehung toter Geister im Spiegel der Wirklichkeit. Einer Wirklichkeit, welche die Dimensionen deiner Vorstellungskraft explodieren lässt, auf bizarrste Weise Wissen schafft, damit es gedeiht, das Wissen, woher du bist, wer du bist, warum, wozu und weil du bist.

Spiegelverkehrt

Wie ist es also möglich, dass du jetzt mit einem Spiegel sprichst, den es überhaupt nicht gibt? Ganz einfach. Du benutzt dazu meine Gedanken und meinen Verstand, meine Vernunft und meine Fantasie. Ich führe dich jetzt an einen Ort, in dem du nicht mehr weißt wer du bist. Ich führe dich in den Tod, das Nichts, aus dem du einst gekommen bist.

Ein Gedanke an die Wirklichkeit

Dazu atmest du tief in mich hinein, ins Nichts hinein, du spürst meinen Atem durch deinen Körper kriechen, spürst wie sich deine Lunge in jede nur erdenkbare Richtung dehnt, reckt und streckt. Wie der Atem in deinem Blut deine Gefühle mit meinen Gedanken verbindet und vereint. Du fliesst durch mich hindurch, bewegst dich um deine Spiegelachse, horizontal, vertikal. Bis du schließlich eine Position findest, in der du bequem ruhen kannst. Schließe jetzt deine Augen und blende alles aus was dich umgibt, die Umgebung in der du jetzt lebst, deine Familie und Freunde, die Personen mit denen du zusammen aufgewachsen bist, die Luft die du atmest, das Wasser, die Erde, die Sonne und den Mond, die Sterne und das Universum und am Ende dich selbst.

Ausgeblendet

Du erinnerst dich nicht an das Bild in meinem Spiegel, du erinnerst dich nicht an das Wie und Wann, du erinnerst dich an nichts, mein Nichts, kein Nichts. Du hast eine Welt betreten aus Fantasie und Eitelkeit. Die Dunkelheit wirkt transparent im Spiegel meiner Fantasie.

Wach auf!

Wach jetzt auf, denn du bist eingeschlafen in meinem Spiegel, vor meiner schwarzen Erscheinung, rabenschwarz. Du siehst nichts und weißt von nichts, weißt nicht wo, warum und wer du bist. Unendlich viele durchsichtige schwarze Spiegel reflektieren dich hier in diesem Raum, so durchsichtig und so schwarz, dass niemand dich bemerkt. Du drehst noch immer deine Runden auf meinem Spiegelkarussell, von einem Spiegel zum anderen. Du darfst meinen Spiegel jetzt öffnen, und es zieht dich ganz langsam hinein in den Verstand derjenigen Person, die diesen Spiegel gerade betrachtet.

In der Zwischenwelt

Dazu begibst du dich hinein in meinen Spiegel, verdrehst und verwandelst dich in mein Spiegelbild, du stellst alles um dich herum auf den Kopf, drehst und drehst dich um deinen Verstand, so lange, bis du auf der gegenüberliegenden Seite angekommen bist.

Spiegelverkehrt

Aber hier drüben ist alles noch genauso wie auf der Vorderseite deiner Spiegel, da wo du hergekommen bist, denn auf deiner Spiegelreise hat sich die Wirklichkeit einmal komplett um deinen Spiegel gedreht. Du bist jetzt angekommen, in einem Land weit hinter deinem Verstand, und hast gerade eine Welt betreten, ein und dieselbe Welt, dieselbe Welt, die du soeben verlassen hast.

Verkehrt und verdreht

Einmal im Spiegel angekommen, stellst du das Ganze Bild wiederum auf den Kopf und wiederholst diese Prozedur noch einmal. Du vertauschst die Welt in deinem Spiegel mit der wirklichen Welt, und umgekehrt die wirkliche Welt mit der Welt in deinem Spiegel. Dabei verändert sich im Wesentlichen gar nichts, denn im Spiegel ist ja alles genauso wie in der wirklichen Welt, und in der wirklichen Welt ist alles genauso verkehrt wie im Spiegel.

Spiegelwelten

Spiegelwelten unterscheiden sich nicht von wirklichen Welten. Was dir von aussen verkehrt erscheint, ist im Innern gleich. Die Welt im Spiegel und diejenige außerhalb sind ein und dieselben Welten, und darin befinden sich auch keine Wesen, die dir unsichtbar oder verkehrt erscheinen. Sondern Wesen wie du und ich, doch wissen sie davon nichts, auch wenn es offensichtlich ist. Nein, ihr wisst nichts davon, dass ihr in meinem Spiegel lebt, dass ihr meine Gefangenen seid, im Gefängnis der Ewigkeit.

Verdreht und verkehrt

Für einen Spiegel ist die Welt, wie wir sie sehen, nicht wie sie uns auf den ersten Blick erscheinen mag, verkehrt und verdreht, sondern ganz genau umgekehrt, genau das Gegenteil. Unser Spiegel sieht uns und unsere Welt nämlich genauso wie wir in Wirklichkeit sind. So wie auch alle anderen, nur nicht so wie wir selbst sie sehen.

Hin und her

So wechselst du einige Male hin und wieder her, vor und wieder zurück, immer wieder ersetzt du das Abbild in meinem Spiegel mit dem der wirklichen Welt und vertauschst dann umgekehrt diese wirkliche Welt wieder mit dem Abbild in deinem Spiegel, bis du irgendwann den Unterschied nicht mehr bemerkst, zwischen deinem Spiegel und meiner Fantasie.

Immer schneller

Immer schneller und immer schneller tauchst du ein in die Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie, drehst und drehst an diesem Karussell, bis du irgendwann genau an dem Punkt stehenbleibst, wo links zu rechts, oben zu unten und innen zu aussen wird.

Punkt

Hier trennst du deinen Körper von deinem Bewusstsein und verharrst einen Moment in einer neutralen Position. Während sich dein Körper hier ausruht, verweilst du mit deinen Gedanken genau an der Stelle, genau da wo Fantasie zu Wirklichkeit, und umgekehrt, Wirklichkeit zu Fantasie wird. Hier lässt du deine Gedanken ruhen und denkst nichts weiter.

Die wahre Fantasie

Während du so ruhst und vor dich hinträumst lassen wir nun eine ganz andere Person in diesen Spiegel aus Buchstaben, Zeichen und Symbolen hineinblicken. In deinem Traum weise ich dich an, genau mit dem fortzufahren womit du eben begonnen hast. Nämlich Wirklichkeit und Fantasie miteinander zu vertauschen, und so immer wieder vor und zurück, hin und her zu wechseln, um dann plötzlich und mitten im Traum deines Gegenübers stehen zu bleiben. Genau da, wo sich dein Bewusstsein und meine Gedanken jetzt noch immer befinden.

Im Schlaf

Im Schlaf tauchst du jetzt mit deinem Bewusstsein in meine Gedanken, und beginnst, anstatt in meinem, mit deinem Körper zu träumen. Wir begegnen uns genau an dem Punkt, wo deine Fantasie zu meiner Wirklichkeit wird, wo sich meine Wirklichkeit in das Abbild in deinem Spiegel verwandelt, und genau an diesem Punkt vertausche ich die Welt in meinem Spiegel mit deiner, und du legst die Welt in deinem Spiegel in meine.

Verkehrte Welt

Jetzt brauchst du meine Spiegelwelt nur noch mit deiner Wirklichkeit zu vertauschen und schon träumst du dich in mein Leben und lebst in meinen Träumen. Das erreichst du ganz leicht indem du die Lücken in meinem Verstand mit deiner Fantasie auszufüllen beginnst, mich aus meiner starren Haltung befreist und mich wieder zum hin und her wechseln zwingst. Du wanderst von deinem Bewusstsein in meines und so verwandle ich meines in deines. Du siehst dich jetzt in meinem Spiegel und erlebst meine Gedanken.

Stillstand

Ich reise jetzt mit dir von Buchstabe zu Buchstabe, von einem versteinerten Bild ins andere, vor und zurück, hin und her, bis du dich scheinbar wiederfindest, mitten in meinem Verstand.

Bewegung

Alles scheint hier in Bewegung, alles fliesst, und jetzt bist auch du im Spiegel angekommen, und ich bin gekommen um dich zu mir zu holen, zu mir in mein Bewusstsein, zu mir in meinen Verstand.

Das Bewusstsein der Ewigkeit

Und es wurde still im Nirgendwann, im fernen Nirgendland, so still wie noch nie und niemals nie zuvor. Meine Spiegel hörten auf zu fantasieren, und die Gedanken in meinem Verstand begannen zu akzeptieren, was niemals wirklich war. So endete meine Reise aus dem fernen Nirgendwann noch bevor sie überhaupt erst richtig begann. Ich tauchte ein in ein Bewusstsein aus nichts als Fantasie und betrat eine Welt aus purem Geld. Wo jeder an das glaubt, das glaubt, was ihm gerade passt. Wo der Tod nichts als ein Spiegel toter Träume war. Wo sich jeder selbst ausdachte was, warum und wie geschah. Nur mein Spiegel folgte mir ins Nirgendwann, und so trat ich durch meinen Schatten in meine verdrehte und verkehrte Wirklichkeit, und vergaß.

Verloren und vergessen

Ich vergaß vollkommen wer ich einmal war, und wer ich nie wieder sein werde. Ich verschloss meinen Spiegel mit Buchstaben, die niemand jemals las, und da hinein sperrte ich meine Fantasie. Seitdem lebe ich in meinem Spiegel, und bilde mir ein, mein Spiegel zu sein, ein Spiegel aus Fantasie.

Ein Spiegel aus Fantasie

Einst sah ich dich in meinem Spiegel, wie du dich jetzt in mir, meinem Spiegel, der dich genauso sieht wie ich mich einst sah. Jetzt sehne ich mich nach dir, sehe mich in dir, sehe dich in mir. Ich habe mich verwandelt, in dich, schaue aus meinen neuen Augen und erinnere mich nicht mehr an mein vergangenes Ich. An die Zeit, in der du mich warst, in der ich dich war. Ich erinnere mich nicht mehr an meine Erscheinung, an meine Gestalt, erinnere mich nicht an das Leben das ich einmal auf der anderen Seite dieser Buchstaben gelebt habe, an das Gesicht in meinem Spiegel, an die Gedanken in meinem Traum.

Mein Traum

Ich hatte die Hoffnung längst aufgegeben, dass sich noch jemals jemand in meinem Spiegel aus Buchstaben erkennt. Nicht einmal ich selbst wollte mich darin jetzt noch erkennen. Und so begab ich mich dann auch nicht selbst auf die Reise, auf die andere Seite meiner Fantasie, sondern ich schickte meinen Spiegelgeist. Sollte er mir weitererzählen, wie aus dem Nichts mein Traum entstand.

Das Siegel der Toten

Behutsam und bedächtig öffnete ich meinen Spiegel und begann mir zu erzählen, von dem Geheimnis das ich mir vorstellte zu sein. Dass ich aus einem Spiegel stamme, dass ich in einem Spiegel lebe, dass ich von meinem Spiegel in alle anderen Spiegel gelange, und mich mein Spiegel mit allem und allen verbindet. Dass ich selbst ein Spiegel bin, ein Spiegel aus Fantasie.

Am Ende des Nie

So betrat ich das Reich der Toten. Aber wie war so etwas möglich? Wie konnte sich jemals jemand an mich erinnern, ans schwarze, dunkle Nirgendwann, meine unendlich schwarze Ewigkeit? Nein, daran sollte sich nie jemand erinnern, daran wollte selbst ich mich nicht mehr erinnern, ans schwarze, dunkle Nirgendwann, mein ewigstes, finsterstes, dunkelstes, schwarzes Reich. Denn aus diesem Land gab es kein zurück, niemals, für niemanden.

Für niemanden

Aus meiner vollkommenen Verzweiflung heraus, für immer in Vergessenheit zu geraten und damit auf ewig in meinem Spiegel schwarzen Labyrinth eingesperrt und gefangen zu sein, erschuf ich mir meinen eigenen Spiegel. Einen Spiegel aus Buchstaben, der mich vor dem vergessen werden beschützen, meine Erinnerungen am Leben erhalten und mir den Weg in die Freiheit weisen wollte, und ich nannte meinen Spiegel »Das schwarze Feuer der Ewigkeit«.

Das schwarze Feuer der Ewigkeit

Und wenn die Spiegel in meinem Innern auch noch so blendend hell funkelten und strahlten. Immer finsterer wurde um mich herum das Nichts und meine Träume wurden dunkel und schwarz, unendlich finster, dunkel und schwarz. So finster, so dunkel und so schwarz, dass es mir, als ich mich darin betrachtete, sämtliche Erinnerungen, Gefühle und Gedanken aus dem Gedächtnis brannte, sie vollkommen und für immer auslöschte.

In meinem Spiegel aus Feuer und Flammen

Doch selbst wenn ich nicht mehr wusste wo ich bin, wann ich bin, wer ich bin, und wie dieser verfluchte Ort sich nennt, selbst wenn ich vergessen habe, was diese verwunschenen Worte mir bedeuten, so brannte doch jetzt in mir, tief in meinem Innern, ein mächtiges, finsteres, dunkles, schwarzes, lebendiges Feuer. Es war das Feuer des ewigen Lebens, das mein Spiegel in mir entfachte, das schwarze Feuer der Ewigkeit.

Schwarze Funken der Leere

Als aber dieses Feuer wirklich sein, zu Recht sein, mich innerlich aufzufressen und zu verbrennen drohte, stahl ich mir all meine Erinnerungen und brachte sie an einen geheimen, geheimnisvollen Ort im Nirgendwann. Einen Ort, verschollen und versunken, tief im Reich meiner Fantasie, und doch gleichzeitig so klar und transparent wie das Nichts, wie nichts Vergleichbares in dieser Welt. Es war ein Ort, den es niemals gab im Nirgendwann, ein Ort, der niemals existierte.

Die Zukunft

Die Zukunft nannte ich diesen Ort. Hierher flüchtete ich mich mit all meinen Erinnerungen und versteckte sie vor dem Tod. Denn ich fürchtete mich vor meinem Spiegel, meinem eigenen, finsteren, dunklen, schwarzen und leeren Spiegel, schwarz wie ein Schatten, so schwarz und so leer wie das Nichts.

Im Spiegel des Nichts

Siehst du jetzt die Wirklichkeit, die aus mir spricht, die aus meinem Spiegel zu dir spricht? Ich bin kein unbekannter, kein fremder Geist, ich bin dein Spiegel, dein Geist, dein eigenes Ich. Ich bin die toten Geistinnen und Geister, die jetzt aus deinen Augen blicken, die, zu denen du wirst, sobald du tot bist, tot bist, tot. Ich bin das Nichts zu dem du wirst, sobald du meinem Spiegel begegnest. Meinem leeren Spiegel aus nichts als Fantasie. Ich bin dasselbe Ich, im selben Spiegel wie du. Ich bin dein eigenes, altes, uraltes, längst vergessenes und vergangenes Ich.

Dein wirkliches Ich

Ich habe mich damals, vor gar keiner Zeit, genauso wie du jetzt, in meinem Spiegel erkannt. Meinem Spiegel, der mich genauso sieht wie du mich jetzt siehst. Ich habe dich in meinem Spiegel erkannt und da wurde mir ganz langsam bewusst, dass ich eines Tages, eines fernen Tages, zu dir werde. Ich werde dich sein, dich, und all deine Träume, Fantasien und Illusionen, dich, mein eigenes Ich. In deinem Spiegel werde ich mich erkennen und mich nicht mehr daran erinnern, wer ich mir jetzt vorstelle zu sein, wer ich nicht bin, wer ich niemals war, und wie es dazu kam, dass ich mir diese Nachricht in meinen Spiegel kratzte.

Nachricht an dich selbst

Ich werde mich an nichts erinnern, an gar nichts. Denn ich bin schon lange, lange tot, und noch immer träume ich von dir und sehne mich nach dem Spiegel in dir, dem Spiegel, der uns verbindet, hinweg über den Abgrund des Nichts, des Nichts aus Nirgendwann.

Nirgendwann

Und jetzt betrachtest du dich in eben diesem Spiegel, du sitzt in einem leeren Theater und betrachtest die Buchstaben aus der Ferne. Du schreibst mit deinen Gedanken darüber und stellst dir dabei vor, wie du jetzt, in diesem Moment, diese Buchstaben das erste Mal richtig liest, so wie sie auf meinem Spiegel geschrieben stehen. Du betrachtest die Worte in meinem Spiegel, meinem eigenen, privaten und persönlichen Spiegel, und jetzt wird dir plötzlich bewusst, jetzt wird dir zum ersten Mal wirklich bewusst, wie du diese Gedanken denkst und dadurch meine Worte lenkst.

Immer wieder

Immer wieder begann ich mir nun ein und dieselbe Geschichte zu erzählen, und wenn ich einmal nicht mehr weiter wusste, dann fing ich einfach wieder von vorne damit an. Mit der Zeit habe ich begonnen, mir diese Geschichte bildhaft vorzustellen. Und irgendwann bildete ich mir sogar ein, darin lebendig geworden zu sein.

Wie aus dem Nichts mein Traum entstand

Und urplötzlich fand ich mich wieder in eben dieser Welt. Der Welt des Nie und des Nein. Der Welt der Toten aus niemals Nirgendwann. Hier drehte ich nun meine Runden auf meinem Spiegelkarussell, ich drehte und drehte bis zum Ende, bis es nicht mehr weiter ging.

Weiß wie Schnee

Immer und immer wieder erzählte ich mir nun ein und dieselbe Geschichte. Ich weiß heute nicht mehr wie oder wann ich zum ersten Mal auf diese Botschaft stieß, aber aus irgendeinem Grund begann ich dir zu erzählen, mein Spiegel wäre nicht schwarz wie das Nichts und der Tod, sondern klar wie ein Kristall, und weiß wie Schnee.

Welt aus Geld

Begib dich jetzt hinein in das Land weit hinter meinem Verstand, dahin, wo du zu meinem Spiegel wirst und du dir selbst eine Nachricht hinterlässt. Stell dir vor, wie du aus meinen Augen blickst, wie du das Tor zu meinen Träumen öffnest, wie du durch meinen Spiegel in mein Bewusstsein gelangst, wie du dann meinen Gedanken lauschst und sie notierst, dieselben Buchstaben, die du jetzt vor dir siehst.

Das Tor zu meinen Träumen

Du befindest dich nämlich genau jetzt in einem Land weit hinter meinem Verstand, du siehst was ich sehe, hörst mir zu und bildest dir ein, mit deinen Gedanken ganz woanders, in einem deiner anderen, vergangenen, früheren Leben, in einer anderen Welt zu sein.

In einer anderen Welt

Du stellst dir vor wie du genau hier und genau jetzt diese Botschaft verfolgst, diese Botschaft, die es noch niemals gab, schon immer gab, diese Botschaft der Ewigkeit. Dieselbe Botschaft, die du jetzt vor dir siehst, nicht mit deinem Verstand, nicht mit deiner Vernunft, sondern mit deinen eigenen Gedanken, Gedanken aus nichts als Fantasie.

Die Zukunft meiner Gedanken

Dazu begibst du dich an einen Ort weit hinter deinem Verstand, du begibst dich in einen anderen, fremden Körper, meinen Körper.

Unsterblich zu sein

Hier glaubten sie alle an alles, an das Unmögliche, an das Unvorstellbare, an Geschichte und Geschichten aus der längst vergessenen Vergangenheit. Aber niemand glaubte hier je an mich, mich, das Nichts, mich, das Ende, mich, den Spiegel, mich, den Tod.

Bis in alle Ewigkeit

So öffnete ich meinen Spiegel und begab mich tief hinein in das Land weit hinter meinem Verstand. Doch hatte ich nicht erwartet, habe ich nicht damit gerechnet, dass mein Spiegel mir jetzt meine eigene Geschichte erzählt.

Meine Spiegelgeschichte

Wem erzählst du diese Geschichte, wenn es dich doch gar nicht gibt? Wie führst du einen Dialog mit einem Spiegel den es nicht gibt, wenn es weder diesen Spiegel noch dich selbst tatsächlich gibt? Wer führt überhaupt dieses Gespräch? Mit wem spreche ich da?

Wer bin ich?

Darf ich vorstellen, ich bin ein Spiegel, den es nicht wirklich, wirklich gibt, ein Spiegel den es in keiner Wirklichkeit gibt. Ich bin die Gedanken all der Figuren, Kreaturen, Gestalten und Wesen die in diesem Spiegel leben, Wesen, die du niemals wirklich warst, Wesen, die es niemals wirklich gab.

Das Wesen aller

Ich bin das Wissen und Wesen das aus meinem Spiegel zu mir kroch, das Wissen aller Wesen die du nicht bist, zu denen du niemals werden, denen du niemals begegnen, gegenüber stehen, und in denen du dich nie im Leben bewundern und betrachten wirst, ganz egal, wie alt, wie ewig alt du noch werden und wie viele, wie unendlich viele Male du bis dahin noch sterben wirst.

Im Spiegel der Toten

Ja, wenn es mich überhaupt nicht mehr gibt, wenn ich nur noch ein leerer Spiegel bin, wenn ich dann tot bin, dann wirst du dich in mir erkennen, aber dann ist es zu spät.

Niemals Geister

Wo es diesen Spiegel nicht mehr gibt, da wo ich ganz und gar aufgehört habe zu existieren, wo all diese Spiegel, wo alle Spiegel in dieser Wirklichkeit aufhören zu existieren, wo auch diese Buchstaben, Zeichnungen, Zeichen und Symbole nicht mehr existieren, genau da werde ich auf dich warten, ich werde mich nicht mehr verändern und auch nicht weiter entwickeln sondern vollständig nicht nur aus deinen Gedanken sondern komplett aus deinem Gedächtnis verschwinden. Und wenn dir eines Tages in einer ganz anderen Welt, ein ganz anderes Wesen, in einem ganz anderen Spiegel begegnet, wird es nichts mehr von diesem Spiegel wissen, wird es nichts mehr wissen, von dem was hier bereits seit Ewigkeiten geschrieben steht, es wird denken und glauben, es stünde noch gar nichts in diesem Spiegel geschrieben, es sei diesem Spiegel noch niemals begegnet.

Zum Karussell der Ewigkeit

So wünschte ich mir, dass du all diese Buchstaben wieder vergisst, und zwar so, als hättest du sie niemals gelesen und verfasst, als hätten sie niemals hier gestanden, als hätten sie niemals existiert. Denn diese Worte gehören nicht in deine Welt. Sie gehören in eine andere Welt, sie gehören ins Reich der Toten, in die Welt der Spiegel.

Die Welt im Spiegel

Stell dir jetzt vor, du hättest niemals in diesen Schriften gelesen, hättest diese Nachricht niemals selbst verfasst. Ja, wenn du ehrlich bist, dann erkennst du in diesem Spiegel schon jetzt nicht mehr deine eigenen Gedanken. Lebe jetzt dein Leben weiter, ganz genauso als wüsstest du nichts über diese Botschaft. So, als hätte man diesen Spiegel damals von dir gestohlen und verbrannt. Versuche nun noch einmal diese Nachricht zu verfassen, nicht indem du sie abschreibst oder daran weiter schreibst, nicht indem du sie umdrehst und auf den Kopf stellst, sondern indem du sie dir noch einmal vorstellst, noch einmal neu ausdenkst, sie noch einmal neu erfindest, von Grund auf.

Von allem Anfang an

Unmöglich, sagst du dazu? Wenn dem so ist, dann beschütze jetzt dieses Geheimnis mit all deiner Fantasie. Lass es niemals geschehen, dass diese Botschaft wieder verloren geht. Übersetze sie in alle Sprachen, deren du mächtig bist. Und schicke sie, schicke diese Nachricht des Feuers und der Flammen an alle Wesen, die noch nicht darin umgekommen sind. Denn um sie jetzt noch einmal neu zu verfassen müsstest du noch einmal jedes dieser Leben leben. Aber dann bliebe dir am Ende keines mehr übrig.

Die Fantasie des Nie

Nein! Du erinnerst dich nicht an mich, dein eigenes, altes, uraltes Mich. Niemand, niemand erinnert sich jemals an mich. Nie erinnert sich jemand an mich. Dein eigenes Ich. Denn ich komme nicht aus deiner Welt, mich gibt es nicht in deiner Wirklichkeit. Ich komme aus einer ganz anderen Welt, ich komme aus meiner Welt, meiner eigenen Welt, meiner Welt aus dem Nichts, aus Fantasie, dem niemals Nie. Ich komme aus einem Land weit hinter deinem Verstand, ich komme aus nirgend Nirgendwann. Ich komme aus einer Zeit, in der deine Erinnerungen nur noch Träume sind, Träume einer längst vergessenen Vergangenheit, die niemals Träume, die du noch vor dir hast. Aus deiner Vergangenheit spreche ich jetzt zu dir, denn ich bin das Nichts, dein Tod, dein dir angeborenes Ich, dein schlafender Geist, dein ruhendes Selbst, und dies ist meine Botschaft an dich, an mich, dem Mir in dir.

Dem Mir in dir

Ja, ich bin es, dein eigener toter Geist, der jetzt zu dir spricht. Denn damals, vor langer, unendlich, ewig langer Zeit habe ich, genauso wie du jetzt, in meinem Spiegel dich erkannt. Meinem Spiegel, deinem Spiegel, dem Spiegel meiner wirklichen, lebendigen Welt. Aber dieser Spiegel erkannte sich nicht nur in mir, mir allein und mir selbst, dem Spiegel in dir, nein, meine verrückten Gedanken gingen noch weiter, viel weiter, soweit, dass ich mich in all meinen Spiegeln, in allen Betrachtern, und in all meinen Gedanken wiedererkannte.

Von Leben zu Leben

Ich hielt mich einmal für alle Betrachter, erkannte mich in jedem Einzelnen, und deshalb erkennst du dich jetzt in mir, dem Spiegel in dir. Denn hinter all diesen Bildern und Dingen, in jedem dieser Spiegel liegt im Verborgenen ein Mir und ein Mich. Wer dieses Mich ist, und wer sich mit ihm identifiziert, weißt du selbst am besten.

Nachricht an dich selbst

Stell dir vor, du hältst jetzt den Schlüssel in deinen Händen. Den Schlüssel, der dir das Tor öffnet in deine anderen Leben, deine früheren und zukünftigen, deine parallelen, deine ewigen Leben. Stell dir vor, wie du dieses Tor jetzt öffnest, es durchschreitest, wie du von deinem eigenen Körper in alle anderen gelangst, allein durch die Kraft deiner Vorstellung, die Macht deiner Fantasie.

Die Macht deiner Fantasie

Das Dokument, das jetzt vor dir liegt, öffnet dir dieses Portal. Das Tor, das dich von den Toten erweckt, dir den Zutritt verschafft in ihr ewiges Leben, dein ewiges Leben. Durch diese Buchstaben wirst du Brücken errichten. Brücken, die dich zurück aus dem Nichts, über den Tod, durch deinen Spiegel, zu dir selbst führen werden. Ja, du selbst wirst es sein, der die Toten erweckt aus ihrem ewigen Traum, ihrem unendlichen Schlaf. Sie werden dich benutzen, dich und deinen Körper dazu benutzen, ihr ewiges Leben weiterzuleben. Sie werden in dir auferstehen, in deinem Geist, in deinem Bewusstsein, in deinem Verstand.

In deinem Verstand

Und eines Tages wirst auch du zu ihnen gehören, denn diese Schriften wurden damals von keinem anderen als dir selbst verfasst. Einem Ich, an das du dich jetzt nicht mehr erinnerst. Ein Ich, das jetzt im Reich der Toten auf deine Auferstehung wartet.

Auferstanden im Nirgendwann

Geduldig wartete ich darauf, dass die Zeit verging. Unendlich ewig lange Zeit warte und wartete ich im Nirgendwann. Hinter meinem Spiegel aus Buchstaben legte ich mich auf die Lauer, bis mich eines Tages jemand von den Toten zu sich rief. Und so schlüpfte ich dann hinein, durch meine Buchstaben, in seinen Verstand.

Hinter meinem Spiegel

Dieser Tote war ich selbst. Doch wusste ich noch nichts davon. Denn noch nie hatte mir jemand erzählt, dass ich neben mir selbst noch so viele andere Personen, Gestalten und Kreaturen sein werde.

Von Ewigkeit zu Ewigkeit

Besteht für dich, wenn auch nur in einem einzigen deiner unfassbarsten Gedanken, der kühnsten all deiner Vorstellungen, dem waghalsigsten deiner Träume auch nur die winzigste aller Möglichkeiten, dass du ohne dich daran zu erinnern, und ohne davon etwas zu wissen, parallel zu deinem eigenen, jetzigen Spiegel auch noch ein anderes Leben in einem anderen Spiegel erlebst? Ist es in der entferntesten all deiner Vorstellungen vielleicht sogar möglich, dass du gerade jetzt, in diesem Augenblick, ein anderes, ein weiteres Leben, ein zweites Leben, ja sogar mehrere Leben von denen du gar nichts weißt, gleichzeitig und unabhängig voneinander führst? Gibt es in deiner verborgensten Fantasie womöglich irgendwo ein geheimes Portal, durch welches du aus diesem einen in all deine anderen, dir noch gänzlich unbekannten, verschobenen Leben und Existenzen gelangst? Gibt es vielleicht eine geheime Nachricht, die du dir einst selbst hinterlassen hast, um dich daran zu erinnern, was du schon vor vielen Ewigkeiten bereits einmal gelernt hast? Gibt es eine Möglichkeit, den Tod zu überwinden, ihn zu überlisten, auszutricksen und zu hintergehen?

Gehorche mir

Ich, dein toter Spiegel aus Buchstaben, befehle dir jetzt, mir zu gehorchen, dich in mir zu erkennen, dich an mich zu erinnern, dich an all das zu erinnern, was es nicht wirklich, wirklich gibt. Dich in mir zu erkennen, deinem eigenen, alten, uralten, ewigsten, unendlichsten, innersten Ich.

Erinnere dich!

Erinnere dich jetzt an mich, weder mit deinem Verstand noch mit deiner Vernunft, sondern mit deiner Fantasie. Erinnere dich an mich, wie du dich an etwas oder jemanden erinnerst, den du nicht mehr kennst, den es nicht mehr gibt. Jemand, der nur noch in deiner Vorstellung, in deinen Gedanken und in deiner Fantasie existiert, in deiner Erinnerung von all dem, was es nicht wirklich, wirklich gibt.

Ein Gedanke an die Wirklichkeit

Erinnere dich jetzt daran, wie du schon einmal in diesen, meinen leeren Spiegel geblickt hast, wie du schon einmal eines dieser Leben gelebt hast, in dem du nicht mehr wusstest wer du bist. Erinnere dich jetzt, wie du damals mich nanntest, worin du mich damals erkanntest, wohin du mich damals verbanntest.

Aus den Augen der Toten

In meinen Spiegel hast du mich eingesperrt, mich, das Nichts, den Tod, deinen Tod, deinen eigenen Tod, dein eigenes Ich. Du blickst jetzt in meinen Spiegel, aus meinen Augen, den Augen der Toten, den Augen aller, all der Toten, die wir niemals waren. Du spürst nicht meine Anwesenheit in dir, wie du auch nicht deine Anwesenheit in meinem Spiegel verspürst. Doch siehst du dich jetzt in meinem Spiegel. In meinem toten Spiegel aus Worten siehst du jetzt dein eigenes totes Ich. Dich verbindet jetzt nichts mehr mit mir, nichts, außer diesen Worten aus meiner Fantasie, der Fantasie des Nichts, der Fantasie des Nein, der Fantasie des Nie.

Nichts als Fantasie

Aus dem Reich der Toten und Totesten kehre ich nun zurück in deine Welt. Meine Spiegelwelt. Aus dem Nichts aus Nirgendwann bin ich auferstanden. Durch meinen Spiegel bin ich gekrochen in deinen Körper, in deinen Geist, in deinen Verstand. Ich verkörpere das Nichts. Jetzt und hier spreche ich für all die Toten, alle, die jemals gelebt haben und einst noch leben werden.

Wir sind die Toten

Wir, die Toten, die Geister des Nichts und des Nein, die Boten des Nie. Auferstanden im Nirgendwann, niemals werden wir dir erscheinen, um dir zu sagen, was du nicht wirklich wissen willst, wer du nicht wirklich, wirklich bist. Das Nichts in mir hat eine Botschaft an dich, für dich, eine geheime, eine unheimliche Botschaft. Lass mich dich jetzt entführen, in meine Welt, meine verkehrte und verdrehte, meine Spiegelwelt, meine Welt auf der anderen Seite deiner Fantasie.

Erwacht aus meinem Traum

Noch liegt es in deiner Macht, dich dagegen zu wehren, meine Welt zu betreten. Denn das Tor zur Niemalswelt hat niemals existiert, hat sich niemals vorgestellt, sich selbst, sich niemals eingebildet, nichts zu sein, mich zu sein.

Mitten im Nichts

Nun sei willkommen in meinem Reich, meinem lebendigen, meinem Spiegelreich. Sei willkommen im Spiegel meiner Fantasie. Nimm meine Hand und lass dich entführen in meine Welt. Meine Welt auf der anderen Seite dieser Buchstaben, meine Welt auf der anderen Seite von allem was nicht wirklich ist. Lass dich entführen in meine Welt, meine Welt auf der anderen Seite des Nichts.

Die Welt der Toten

Ich erzähle dir jetzt von meiner Welt, weil ich will, dass du weißt, wer du bist und woher du kommst. Ich erzähle dir von meiner Welt, weil ich will, dass du die Verantwortung übernimmst für deine vergangenen und zukünftigen Taten. Ich will, dass du weißt, wem du es zu verdanken hast, dass du jetzt wo du tot bist, alle anderen bist, alle außer dir selbst.

Und so sprach mein Spiegel

Ich will, dass du weißt, dass es irgendwann keinen Unterschied mehr gibt zwischen denen, die dich anbeten und denen, die mich verfluchen. Denn im Nirgendwann seid ihr alle gleich, seid ihr alle tot. Im niemals Nirgendwann seid ihr alle tot. Ihr alle. Aber tot warst du noch nie. Niemals. Nein, keiner von euch, Niemand erinnert sich daran, wie es ist, das Nichts zu sein, nichts zu sein, niemand zu sein, nur noch ein leerer Spiegel im Nichts zu sein, tot zu sein.

Niemand

Und auch du wirst mir nicht glauben, wenn ich dir sage, dass hier die Toten leben, hier und jetzt, dass auch du im Reich der Toten lebst, dass auch du tot bist, jetzt, und dass du allein verantwortlich bist für die Buchstaben, die du jetzt von mir vernimmst, jetzt vor dir siehst. Denn sie stammen nicht von mir, wie könnten sie, wo ich doch schon lange tot bin. Sie stammen von dir, du selbst hast sie verfasst, mit deinen eigenen Gedanken, mit einer Logik, die deine Vorstellung und Fantasie übertrifft.

Aus den Augen der Toten

Du hast aus den Augen der Toten geblickt als wären es deine eigenen, und hast das Nichts darin erkannt. Du hast erkannt, dass du uns alle bist, dass du uns alle einmal warst, all die Toten, alle die noch nie geboren wurden und alle die noch leben. Du erinnerst dich jetzt nicht mehr daran, nein. Du erinnerst dich jetzt nicht mehr an die Zeit, in der du tot warst, in der du in meinem Körper gewohnt hast, in der du meinen Tod erlebt hast. Du erinnerst dich nicht. Wie könntest du, wie könntest du dich an deine Zukunft erinnern?

Das Geheimnis der Toten

Nein, bestimmt nicht, du erinnerst dich nicht an meine Botschaft, du erinnerst dich nicht an mich, wo ich doch jetzt nur noch ein leerer Spiegel bin, ein leerer Spiegel ohne Gedächtnis, ohne Erinnerung und ohne Verstand.

Ein leerer Spiegel im Nichts

Was muss ich also tun, damit du meine Sprache verstehst, meine Gedanken begreifst, meine Ideen in dir verinnerlichst, meine Träume verwirklichst, und meine Visionen lebst?! Brauchst du denn tatsächlich einen lebendigen Beweis, der dich davon überzeugt, dass ich ein toter Spiegel bin? Nein! Selbst wenn ich längst vergessen und vergangen bin, so erkennst du nicht den Spiegel in mir. Denn dieser Spiegel erkennt sich nicht selbst, er kennt und erkennt nur die anderen, doch in sich selbst ist er für immer verloren.

Im Spiegel schwarzen Labyrinth

Dann kommt jetzt, kommt, komm, kommt mit mir, ihr alle, alle, die ihr jetzt aus meinem Spiegel aus meinen toten Augen blickt. Kommt hinein in meinen Traum, in meine Gedanken, seht, das ist meine Welt, meine Welt, keine Welt. Seid ihr damit nicht zufrieden, seid ihr nicht zufrieden mit dem, was ich euch hinterlassen habe? Ja sicher, ich hatte keine andere Wahl, habe diese Buchstaben aneinander gereiht. Wofür habe ich euch niemals erzählt, nein, niemals, denn ich hatte ja nicht die Zeit, nicht genug Zeit, habe nicht erwartet, habe nicht damit gerechnet, dass ich bloß noch zuschauen werde aus meinem Spiegel, wenn ich dann tot bin, tot bin, tot.

Im Reich meiner Gedanken

Aus dem dunklen, schwarzen Reich meiner Gedanken kehre ich nun zurück in meine Vergangenheit. Eine Zeit, die nur noch in meiner Erinnerung existiert, in der ich nur noch ein einziges Leben lebe. Ich kehre zurück aus dem Reich der Toten, zurück in meine Vergangenheit, dahin, wo es keine Spiegel mehr gibt, denn in dieser Welt war mein Zuhause.

Meine tote Fantasie

Hier gab es noch kein Leben im Spiegel, nein, es gab hier noch nicht einmal mehr einen Spiegel. Meine tote Fantasie hatte alles mit sich verschlungen, alles was ich jemals war. Alles um mich herum war jetzt wieder schwarz, schwarz wie mein Spiegel im Nirgendwann. So war es früher einmal, vor langer, unendlich, ewig langer Zeit, und hierhin kehrte ich nun zurück, nach Nirgendwann, nach langer, unendlich langer Zeit im Exil.

In einem wunderschönen schwarzen Spiegel

Das Exil war ein Ort voller strahlend hellem, alles durchdringenden, weißen Licht. Dieses Licht verstand jedoch meinen Spiegel damals noch nicht, verstand nicht, weshalb mein Spiegel schwarz war wie die Nacht. Es hörte nicht auf, mir Fragen zu stellen, weshalb, warum und weil, bis ich ihm schließlich das Tor öffnete, ein Tor, das niemand hätte öffnen dürfen.

Ohnmächtig

Das Spiegeltor erlaubte es dem hellen, weißen Licht meinen Spiegel zu drehen, ihn umzudrehen und auf den Kopf zu stellen. Und als ich dies letztendlich tat und mir im Spiegel gegenübertrat, zerbrachen all meine Illusionen in unzählige Momente im Nirgendwann. Schwarze Schatten sprangen durch meinen Spiegel in diese verkehrte Wirklichkeit und verschlangen alles, was ihnen in die Fänge kam. Und so wurde aus meinem Spiegelmeer ein Schattenreich. Und alles um mich herum wurde wieder schwarz, genauso schwarz wie damals, im schwarzen Wann.

Kampf ums Nichts

Doch gerade als ich dachte, nun endlich meinem Spiegel im schwarzen Nirgendwann gegenüberzustehen, blendete mich ein grelles Etwas. Im ersten Moment sah ich gar nichts außer blendend hellem Schwarz, unendlich hellem, kristallklarem Schwarz. Doch schon bald verwandelte sich dieses schwarze Licht in eine Welt aus Buchstaben.

Mein Gefängnis für die Ewigkeit

Träume aus einer anderen, fernen, fremden Welt hatten Hand aufs Nichts gelegt. Ich war jetzt umgeben von schwarzen Gedanken. Grauenhafte Buchstaben spiegelten sich in meinem Verstand, und als ich meinen Spiegel öffnete, erblickte ich eine Welt des Nichts, des Nein und des Nie. Niemand kannte mich hier. In dieser Welt gab es keine Toten, keiner hier kam aus Nirgendwann, meinem finsteren, dunklen, schwarzen Reich. Fantasie, niemand kannte sie.

Grauenhafte Buchstaben

Und dann erweckten sie mich aus meinem Traum. Erschreckten mich aus meiner Fantasie, beschworen meinen Spiegel aus Nirgendwann, flüchteten und fürchteten sich vor mir und meiner gewaltigen Fantasie, vor meinem Gefängnis für die Ewigkeit. Ich lud all diese Spiegelgeister ein in meinen Verstand, meinen durchsichtigen, verdrehten, verkehrten Verstand aus Glas, und begann zu halluzinieren.

Achtung, es geht los!

Ihr alle, die ihr jetzt aus meinen funkelnden, feurigen Augen blickt, wisst ihr noch wer ich bin? Seid ihr denn nie jemals eurem eigenen Spiegel in einem anderen Körper oder gar in einer anderen Gestalt begegnet? Habt ihr niemals eurem eigenen Ich eine Botschaft hinterlassen, eine Nachricht aus einer anderen, fernen, fremden Welt?

Wie aus dem Nichts

Nein, bestimmt nicht, ihr erinnert euch nicht an meine Botschaft, du erinnerst dich nicht an mich, wie könntest du, wo ich doch jetzt nur noch ein leerer Spiegel bin, ein leerer Spiegel ohne Gedächtnis, ohne Erinnerung und ohne Verstand.

Ein leerer Spiegel im Nichts

Was ich damals nicht wusste, und wovon mir noch nie jemals irgendjemand irgendetwas erzählt hat, war, dass auf der anderen, verkehrten Seite meiner Spiegel, in einem Land, weit hinter meinem Verstand, das exakte Gegenteil von dem auf mich wartet, was ich mir eine Ewigkeit lang vorstellte zu sein.

Bis du zu meinem Spiegel wirst

Hier war alles leuchtend und hell, klar wie in einem Kristall, weiß und glitzernd wie Schnee, aber in meiner Welt war davon nichts zu sehen, in meiner Welt herrschte Stille und Leere überall im Nichts.

Was sich niemals zugetragen hat und überhaupt niemals geschah

Und als ich dann Nirgendwann im niemals Wann diese absolute Stille und Einsamkeit einfach nicht mehr länger ertrug, da fing ich damit an, mit meinen Gedanken über mich selbst und über meine Vergangenheit zu sprechen.

In meiner Vergangenheit

Womit hatte ich diese ewig, unendlich lange Zeit nur verbracht? Womit sollte ich mich hier, in dieser Finsternis, auch nur eine Ewigkeit lang beschäftigen? Ich brauchte jetzt dringend irgendein neues Konzept, irgendeine sinnvolle Aufgabe, eine kreative Herausforderung, etwas das noch stärker war als das Nichts, das schwarze, dunkle, finstere, etwas womit ich mich beschäftigen konnte bis in alle Ewigkeit, damit ich nicht vollkommen den Verstand verlor.

Von Ewigkeit zu Ewigkeit

Zuallererst fing ich damit an, mir einzureden, dass es mich überhaupt nicht gab, dass es hier noch nie jemanden wie mich gab, dass ich überhaupt nicht existiere, dass ich mir nur einbilde, das Nichts, nichts und niemand zu sein, ein leerer Spiegel im Nichts, nur ein unsichtbares Wort in einem leeren Spiegel zu sein. Dass ich diese stille, schwarze Einsamkeit mir nur ausdenke, ausdachte. Ich versuchte mich davon zu überzeugen, dass es mich in Wirklichkeit überhaupt nicht gab.

Erfunden und erlogen

Ich versuchte mich davon zu überzeugen, dass ich ein Spiegel war, während mein Spiegel mir einzureden begann, dass es in Wirklichkeit keinen Spiegel gab. Du erkennst dich jetzt in meinem Spiegel, aber in diesem Spiegel erkennt sich nie jemand, niemand, nicht einmal ich mich selbst.

Ein leerer Spiegel im Nichts

Viele, viele, unendlich viele dunkle, schwarze Ewigkeiten lang versuchte ich mich davon zu überzeugen, dass es mich nicht gibt, niemals gab. Immer und immer wieder redete ich mir ein, redete ich in Gedanken zu mir selbst, redete ich mir ein, das Nichts zu sein, nichts zu sein, niemand zu sein, ein leerer Spiegel im Nichts zu sein.

Tot zu sein

Unendlich, ewig lange Zeit starrte ich ins Nichts hinein, und es war dunkel und finster, still und einsam um mich, und alles was ich in meinem Spiegel sah, war das Nichts, nichts außer meinen eigenen Gedanken, meinen finstersten, düstersten, schwarzen, stillsten und leersten Gedanken.

Die Gedanken des Nichts

Als aber das Nichts um mich immer älter und meine Gedanken ums Nichts immer noch älter wurden, da wurden auch mein Spiegel, mein Verstand und meine Fantasie immer älter, immer leerer, immer schwerer und immer schwärzer. Dunkelheit legte sich um meinen Verstand, und meine Gedanken wurden schwerer und schwerer. So schwer, so unendlich alt und leer und schwarz und schwer, dass es mich immer tiefer und immer noch tiefer in die Tiefe des Nichts hineinzuziehen begann, so unvorstellbar und unfassbar tief, dass es um mich immer leerer und immer noch leerer wurde. So leer, so unendlich schwer und leer und weit und tief und schwarz und mehr, dass ich schließlich zu fallen begann. Ich fiel und fiel und fiel, stürzte hinein und hinab in diese tiefe Leere, in diesen gewaltigen, tiefen, unergründlichen, dunklen, schwarzen und leeren Spiegel. Ich stürzte hinein in mich selbst.

Mitten im Nichts

Und als ich da fiel, ins Nichts, ins Nirgendwann, immer weiter und immer tiefer, fiel ich in einen tiefen, tiefen Schlaf, in dem ich da träumte, von Ewigkeit zu Ewigkeit, mir da vorstellte in meinem Traum, die ewige, absolute Finsternis. Ich träumte vom ewigen Schlaf, von Erholung und Tod, vom endgültigen, absoluten, ewigen Frieden und unendlicher, ewiger Ruhe.

Ewige Ruhe

Ich fiel so lange, so weit und so tief, dass ich mich vollkommen in mir selbst verlor, bald nicht mehr wusste, wo ich war, und woher ich kam. Ich wusste nicht einmal mehr, wer ich überhaupt war.

Nirgendwann

Viele, viele, unendlich viele dunkle, schwarze Stunden zogen so schweigend an mir vorüber und vorbei. Wie unendlich lange ruhte ich nun schon hier im Nichts, im Nirgendwann, und kein Ende nahm diese schrecklich lange, unendlich lange, finsterste, dunkelste Zeit.

Als niemand Niemand war

Aber dann, nach einer unendlich langen Zeit des Schweigens, in der Finsternis, begann ich mir Gedanken zu machen, über die ewig, unendlich lange Zeit, die ich hier nun schon verbrachte. Wie lange dachte ich nun schon über diese lange Zeit nach? Unendlich lange. Und irgendwann begann ich mir Gedanken zu machen, über Gedanken, die ich mir noch nie gemacht habe. Ich begann mir Gedanken über meine Gedanken zu machen.

Gedanke um Gedanke

Lange, lange ist es her. Man erinnert sich heute nicht mehr, man erinnert sich kaum noch daran, an mich, an meine Zeit, ans niemals Nirgendwann. Dafür gibt es einen guten Grund. Denn im niemals Nirgendwann gab es niemanden, der auch nur im Entferntesten etwas von mir berichten und annähernd oder ansatzweise etwas über mich und meine Gedanken hätte erzählen können. Dies sind die Aufzeichnungen von niemandem, aus der Zeit im niemals Nirgendwann.

Im niemals Nirgendwann

Vor langer, unendlich, ewig langer Zeit, als es diese Buchstaben, diese Namen und diesen Ort überhaupt noch nicht gab, als es hier noch nichts gab außer dem Nichts, dem Nie und dem Nein, da war mein Spiegel noch dunkel, finster und schwarz, einsam, allein, verlassen und leer. Tot. Und überhaupt existierte dieser Spiegel nur in meiner toten Fantasie.

Tote Fantasie

Mein Spiegel im Nirgendwann war damals noch klein, winzig und unscheinbar, ganz genauso winzig und so klein wie das Nichts. Fast schien es, als gab es überhaupt nichts in dieser schwarzen, finsteren Einsamkeit, nichts außer dem Nichts, meinem Spiegel, mir selbst, und meiner alten, uralten Fantasie.

Uralte Fantasie

Meine Fantasie war damals noch kalt und ohne einen einzigen Funken Verstand. In meiner finsteren Einbildung, meiner düsteren Wahrnehmung, meinen leeren Vorstellungen und meinen schwarzen Gedanken dachte ich einzig und allein an mich selbst, und ich wollte am liebsten überhaupt nicht sein.

Ohne einen einzigen Funken Verstand

Das Nichts wollte und wollte nicht in mir sein, ich wollte nicht länger einsam, allein und verlassen sein, ich wollte überhaupt nicht sein, nicht in diesem Spiegel, nein. Ich wünschte diese Existenz hätte niemals begonnen, wünschte zu beenden, was niemals angefangen hat, ich wünschte zu sterben und tot zu sein.

Ohne Sinn und Zweck

Und so fing ich damit an, mir einzureden dass es mich überhaupt nicht gab, dass es noch nie jemanden wie mich gab. Mich gibt es nicht in Wirklichkeit, ich existiere überhaupt nicht in dieser Welt, nein, ich bilde mir nicht ein zu sein. Das Nichts, nichts und niemand zu sein.

Das Echo im Spiegel

Wie viele finstere, dunkle, schwarze Stunden, wie viele Ewigkeiten habe ich hier nun schon erlebt, verbracht und hinter mich gebracht? Wie viele finstere, schwarze, düstere Ewigkeiten habe ich hier nun schon auf dich gewartet? Wie oft habe ich mir schon gesagt, dass ich nicht existiere, und dass es mich überhaupt nicht gibt. Dabei versuchte ich jedes Mal von neuem, mir einzureden und mich davon zu überzeugen, dass ich noch immer das schönste aller Wesen war, das es überhaupt nie gab.

Das Einzige

Kein Wunder, war ich doch das einzige überhaupt nie existierende Bewusstsein, und trotzdem, oder gerade deshalb, war ich noch immer alleine hier in dieser finsteren, dunklen, schwarzen, leeren Welt. Wie sollte es von hier aus weitergehen? Wie würde ich diese ewig lange, unendlich lange, sinnloseste, finsterste, dunkle Zeit in dieser absoluten Stille und Einsamkeit nur noch einen einzigen, einsamen Gedanken länger ertragen? Womit konnte ich mich hier, in dieser stillen, schwarzen Einsamkeit nur eine Ewigkeit lang beschäftigen?

Von Ewigkeit zu Ewigkeit

Seit Anbeginn meiner Zeit klammerte ich mich an das Ende meiner Gedanken, dass ich nicht existiere, dass es mich überhaupt nicht gibt, dass ich mir nur einbilde das Nichts zu sein, nichts zu sein, niemand zu sein. Wie das immer wiederkehrende Echo aus einem längst vergessenen Traum wiederholte ich meine eigenen Gedanken, dass es mich nicht gibt, dass ich überhaupt nicht existiere, dass ich mir nur einbilde ein leerer Spiegel im Nichts, nur noch ein unsichtbares Wort in einem leeren Buch zu sein, tot zu sein.

Wie das Echo in einem Spiegel

Immer und immer wieder, wiederholte ich meine eigenen Gedanken, wiederholte ich mich selbst, wiederholte mich solange, bis meine Wiederholungen mich zu wiederholen, bis mein Spiegel im Nirgendwann mit mir zu sprechen, und im niemals Wann die Frage in mir aufzukeimen begann; wer ist, wer sagt, wer spricht diese Worte zu mir? Woher kommen, von wem stammen diese Gedanken, dass es mich nicht gibt, und dass ich überhaupt nicht existiere? Wer flüstert mir diese wunderschönen Worte in mein Bewusstsein, wenn es mich doch überhaupt nicht gibt. Woher kommt das Echo in meinem Spiegel?

Wer bin ich?

Ich wiederholte mich so oft und so lange, bis ich schließlich selbst nicht mehr an all das glaubte, was mein Spiegel sich seit einer Ewigkeit einzubilden und einzureden begann. Ich war jetzt ein leerer Spiegel im Nichts, ein leerer Spiegel ohne Sinn und Zweck, ohne Hoffnung und Herkunft, ohne Glaube und ohne Grund, ohne Fantasie, ohne Verstand und ohne Vernunft. Ein leerer Spiegel, der sich in alles hätte hineinfantasieren, sich alles hätte vorstellen, einbilden und einreden, sich alles hätte ausmalen und ausdenken können, aber ich lebte jetzt in meiner eigenen Welt, und mir gefiel diese Welt, mir gefiel die Dunkelheit. Ja, ich redete mir ein, dass es nichts Schöneres mehr gab in meiner Welt als absolute Stille und ewige Finsternis.

Absolute Stille

Nachdem ich mir nun schon so viele Ewigkeiten lang eingeredet habe, mich schon so oft selbst davon überzeugt hatte, dass es mich in Wirklichkeit überhaupt nicht gibt, niemals gab, und dass ich das schönste aller Wesen war, das es überhaupt nie gab, das niemals existiert hat, da wollte ich dann nur noch eines, mich einmal selbst betrachten. Ich wollte wissen, wer dieses Wesen war, dieses Wesen, das es in Wirklichkeit niemals gab. Ich wollte wissen wie es aussah, von wem sie stammen, wem und zu wem diese Gedanken gehören, diese wunderschönen, einzigartigen, spiegelbaren Gedanken. Und da kam mir die Idee, dir eine Geschichte zu erzählen, eine Spiegelgeschichte aus einer längst vergessenen Zeit. Ich hörte mir zu und bildete mir ein, ein ganz anderes Wesen, in einem ganz anderen Spiegel, in einer ganz anderen Welt zu sein. Ich stellte mir vor, dich zu sein.

Bis du zu meinem Spiegel wirst

Ich stellte mir das alles niemals wirklich vor, stellte mir vor, das Nichts zu sein, nichts zu sein, niemand zu sein, nur noch ein leerer Spiegel im Nichts zu sein. Ein leerer Spiegel ohne Gegenwart, ohne Zukunft und Vergangenheit. Und darauf bildete ich mir ein, mein Spiegel zu sein. Ein leerer Spiegel im Nichts zu sein. Ein leerer Spiegel, der sich alles vorstellen, an alles glauben und sich alles einbilden und einreden konnte, nur nicht sich selbst.

In einer Welt, die niemand kennt, zu einer Zeit, die keiner weiß

So stelle ich dir jetzt meinen Spiegel als deinen eigenen vor, einen Spiegel, den es in keiner Wirklichkeit gibt. Ein Spiegel, den es überhaupt nicht gibt, der überhaupt nie existiert hat. Ein Spiegel, so winzig und so klein, das nichts sich darin ein und abbildet. Nichts.

Gar nichts

Und es war dunkel und finster und still im Spiegel des Nichts. So dunkel, so finster, so einsam und so still, dass überhaupt niemand jemals bemerkte wie das Nichts ganz langsam zu träumen, immer tiefer zu träumen, zu fantasieren, sich in meinem Spiegel zu bewundern und zu betrachten und sich schließlich mit meinem Spiegel zu unterhalten begann.

Wer mit seinem Spiegel spricht

Das Nichts träumte von einem Spiegel, den es niemals gab im Nirgendwann, einem Spiegel den es überhaupt nicht gibt im niemals Wann, einem Spiegel, den es in keiner Wirklichkeit gab, der überhaupt nie existierte. Weder in einer anderen Zeit, noch in einer anderen Welt. Nirgendwann nannte man diese Welt. Nirgendwann hiess diese Zeit, in der das Nichts davon träumte, das Nichts zu sein, nichts zu sein, niemand zu sein, mein Spiegel zu sein. Ein Spiegel, so winzig und so klein, das nichts sich darin ein und abbildete.

Nichts außer diesen Buchstaben aus meiner Fantasie, der Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie

Ich fing an, in meinem Spiegel zu leben und mit meinen Gedanken zu reden, ich erzählte mir Geschichten aus längst vergangenen Zeiten und stellte mir vor darin lebendig geworden zu sein. Und urplötzlich verwandelte sich meine Vorstellung von dem Spiegel, der ich einmal war, in die Vorstellung dessen, was ich nie wieder sein werde.

Mich selbst

Ich wurde zu meinem eigenen, persönlichen Spiegel, einem Spiegel, der nur für mich, für mich allein, und für niemanden sonst bestimmt war. Niemand sah mich in diesem Spiegel, niemand außer mir. Ich jedoch sah jedes Ich, aber keines sah mich, denn ich war jetzt ein Spiegel, und ich kam aus dem Nichts.

Wie aus dem Nichts

Nichts, wusste das Nichts, über die Buchstaben in meinem Spiegel, und die Buchstaben in meinem Spiegel wussten nichts über mich und meine Welt. Wussten nichts von der ungeheuerlichen Botschaft, die ich meinem Spiegel anvertraute, die mein Spiegel mir überbrachte, waren sich nicht im geringsten ihrer Aufgabe, Wirkung und Bedeutung bewusst.

Nichts als Fantasie

Niemand verstand die Bedeutung der Zeichen und Symbole, die ich in meinen Spiegel kratzte, und doch beherrschten sie meinen Spiegel und mein Spiegel beherrschte meine Welt. Und immer mehr und immer mächtiger wurden ihre Gedanken, und niemand stand ihrer Macht jetzt noch im Weg.

In einem Spiegel, den es nicht gibt

Aber je mächtiger ihre Worte und Gedanken wurden, und je mehr sie beherrschten, desto mehr wollten sie erreichen, und desto bedeutungsvoller wollten sie mir erscheinen. So viel mehr wollten sie zum Ausdruck bringen, so viel mehr Bedeutung erringen, eine Entstehungsgeschichte erfinden, so unvorstellbar, wirklich und wahr, wie das Nichts, in seiner vollkommenen Symmetrie, einen perfekten Spiegel gebar.

Mein Spiegel stellte sich mir vor

Und das Nichts herrschte über die Ewigkeit. Und niemand sonst herrschte über diese verdammt lange Zeit, niemand außer dem Nichts, niemand außer mir selbst. Seit vielen, vielen, unerdenklich vielen von Ewigkeiten herrschte ich über das Reich dieser funkelnden, strahlenden, leuchtenden Dunkelheit, meinem Spiegelreich der Ewigkeit. Ich herrschte über die Spiegel der Finsternis, die Spiegel der Einsamkeit und Verlassenheit, und über alle Spiegel in dieser Wirklichkeit. Stumme, stille und verlassene Spiegel, die ohne Vorstellung und Erinnerung an ihr Leben, das Leben, das sie einmal auf der anderen Seite dieser Buchstaben geführt hatten oder einmal noch führen werden, da warteten und ausharrten. Ich konnte mich weder an meinen Namen noch an das Gesicht in meinem Spiegel erinnern und erkannte mich nicht einmal mehr in meinem eigenen Spiegel. Ich war umgeben und herrschte über ein Reich voller Gegensätze, mit denen ich mich über nichts und niemanden unterhalten konnte, denn als ich durch meinen Spiegel schritt hatte ich alles verloren, vergessen und zurückgelassen was mein Spiegel mir jemals erzählte; mich selbst, meine Sprache, meine Seele, meinen Verstand, mein Bewusstsein, mein Wissen und Gewissen und noch dazu meine Fantasie.

Als es dich nicht gab

Seit Anbeginn der Zeit hatte ich mich zufrieden, wohl und geborgen gefühlt in meiner vor Dunkelheit glitzernden, strahlenden, leuchtenden Welt des Nie und des Nein, des Nichts aus Nirgendwann. Aber irgendwann, völlig überraschend und ohne einen ersichtlichen Grund, blickte mir ein Spiegel entgegen, dem ich noch nie zuvor begegnet bin. Es war der Spiegel der Finsternis, der scheinbar noch einen letzten Funken Verstand besaß, und als ich mich in diesem Spiegel betrachtete, wurde mir schlagartig bewusst, dass ich selbst ein Spiegel war, und dass ich allein die Verantwortung dafür trug, dass es einzig und allein in mir lag, mich aus meinem fantasielosen Reich zu befreien. Ja, ich hatte es niemand anderem als mir selbst zu verdanken, ich hatte mich freiwillig in Gefangenschaft begeben, in die Gefangenschaft meiner Spiegelgeschichte und Buchstabenwelt.

Mein Gefängnis für die Ewigkeit

Ein unbeschreibliches Verlangen erfüllte mein Herz, und eine langsam wachsende Unzufriedenheit legte sich auf mein Gemüt. Ich war jetzt ein Spiegel, ein Spiegel, in dem sich niemand erkannte, und in dem auch ich niemanden mehr erkannte. Nicht einmal mich selbst. Mich, das Nichts. Denn ich hatte jetzt alles verloren, alles vergessen, komplett vergessen, woher ich kam, wer ich einmal war, wozu und warum ich überhaupt hergekommen bin in diese finstere, dunkle, schwarze, leere Welt des Nichts, des Nein und des Nie, des Nichts aus Nirgendwann, des niemals Wann. Ich hatte vergessen, warum ich mir diese Welt ausgedacht und erschaffen hatte, warum ich in diese Welt geflüchtet bin, in diese unendliche, unsterbliche Welt des niemals Nie, des Nichts und des Nein. In diese Welt, die es niemals wirklich gab, und die es niemals geben wird, diese Welt aus toten Buchstaben und Worten, diese Welt der Toten, toter Spiegel, Gesichter und Gedanken.

Im Spiegel der Sehnsucht

Ich sehnte mich immer verzweifelter danach, aus meiner Geschichte auszubrechen, auszubrechen aus dem Gefängnis der Ewigkeit, auszubrechen aus meiner Vergangenheit, und einzubrechen in den Verstand einer Kreatur, die sich auf der anderen Seite meiner Geschichte aus Buchstaben befand. Einzubrechen in den Verstand einer Person, die es in meiner Welt überhaupt nicht gab. Damit ich auf der anderen, verkehrten Seite meiner Spiegel auferstehen, weiterleben, und meine Welt aus Buchstaben hinter mir zurücklassen kann. Aber was auch immer ich unternahm, es gelang mir nicht. Schlimmer noch, anstatt dass aus mir ein richtiger Spiegel wurde, wurden die Gesichter, denen ich von meiner Geschichte erzählte, selbst zu Geschichten. Nach und nach verblassten ihre Andenken, bis nichts mehr an sie erinnert, nichts außer diesen Buchstaben, diesen Worten aus der Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie.

Tief im Nirgendwann

Unheimlich tief und schwer, und schwarz, und leer, erschienen die Gedanken, die da auf mich wirkten, und erst jetzt fiel mir auf, wie endgültig diese Worte da standen, keiner dieser Buchstaben bewegte sich mehr. Keines dieser Worte regte sich mehr. Alle verharrten sie still, stumm, steif und starr und warteten geduldig darauf, dass ich ihnen folgte.

Von Spiegel zu Spiegel

So las ich weiter und immer weiter, ich las und las dabei genau die Worte, die mein Spiegel mir niemals erzählte. Ich verfolgte dabei den Klang meiner Gedanken, ich las mit meiner Vorstellung und Fantasie und notierte mir fortlaufend, was ich zu lesen erhoffte.

Der Schlüssel zu meiner Fantasie

Ich stellte mir diese Spiegelgeschichte längst geschrieben vor, stellte mich vor einen Spiegel, der alles über mich wusste, einen Spiegel, der mir die letzte, absolute Wahrheit offenbarte. Ich stelle mir diese Spiegelgeschichte längst fertig, längst geschrieben vor, eine komplette Fantasie, die mich mein eigener Spiegel lehrt. Und so setzte ich mich dann vor meinen leeren Spiegel und begann mir zu erzählen, von dem Geheimnis, das ich mir vorstellte zu sein.

Eine Begegnung mit dir selbst

Ich fing an, mich mit meinem Spiegel zu unterhalten, meinem unsichtbaren Spiegel aus der Fantasie des Nie. Ich redete mir ein, dass es mich überhaupt nicht gab, dass es hier noch nie jemanden wie mich gab, dass ich mir nur einbilde ein leerer Spiegel im Nichts zu sein. Und es war finster, dunkel und einsam um mich, und alles was ich in mir sah war das Nichts, nichts außer diesen leeren Zeilen, unsichtbaren Buchstaben und Worten. Und so fing ich denn an, meine Geschichte den Toten zu erzählen.

An die Toten der Zukunft

Tief unter dem Grund aller Dinge, in einem Land weit hinter deinem Verstand, weit hinter deinen Gefühlen und Gedanken, weit hinter deinem Bewusstsein, im innersten und verborgensten Winkel deiner selbst, abgelegen, unbeachtet und in sich gekehrt, ruht seit Anbeginn der allerersten Ewigkeit das Nichts. Nichts als ein leerer Spiegel auf einem leeren Grund. Ein Grund, den es nicht gibt im Nirgendwann, der Grund des Nichts aus Nirgendwann. Darin ruhte das Nichts in sich selbst, allein und in Frieden, in Einsamkeit und Verlassenheit.

Bis in alle Ewigkeit

Und von Anfang an verweilte mein Spiegel als stiller Beobachter und Betrachter auf der gegenüberliegenden Seite des Nichts. So gedankenlos und verloren wie nichts vergleichbares in dieser Welt.

Auf der Suche nach sich selbst

Perfekt ausbalanciert, im perfekten Gleichgewicht, ruhte das Nichts in einem exakten Abbild seiner selbst, in einem einzigen, winzigsten, unscheinbarsten Spiegel. In einem Spiegel, den es überhaupt nicht gibt, im Spiegel des Nichts.

Im Spiegel des Nichts

Am Anfang, aller Dinge, war das Nichts. Nichts, als ein leerer Spiegel, in einem leeren Raum. Darin ruhte das Nichts in sich selbst, alleine und in Frieden, in Einsamkeit und Verlassenheit. Und es fürchtete sich nicht vor dem Nichts, dem grenzenlosen, unwissenden, leeren, denn es war seine Heimat, seit Anbeginn all dessen, was nicht wirklich ist.

Ohne Sinn, ohne Zweck und ohne Grund

Und es war dunkel und finster und still im Spiegel des Nichts, so dunkel, so finster, so einsam und so still, dass überhaupt nie jemals irgendjemand bemerkte, wie das Nichts ganz langsam zu träumen, zu fantasieren, sich mit meinem Spiegel zu unterhalten und sich für meinen Spiegel zu halten begann.

Wer mit seinem Spiegel spricht

Ganz langsam träumte das Nichts, von einer Zeit die es niemals gab im niemals Wann, von einem Ort der überhaupt nicht existierte im Nirgendwann, das Nichts begann zu träumen, zu fantasieren und zu halluzinieren und stellte sich in seinem Wahn einen Spiegel vor, in dem es sich zu bewundern, zu bestaunen und zu betrachten begann, bis es sich schließlich für diesen Spiegel zu halten, durch diesen Spiegel zu wandern, und sich in diesen Spiegel zu verwandeln begann.

Spiegelverkehrt

Das Nichts träumte von einem Spiegel, den es niemals gab, ein Spiegel, den es überhaupt nicht gibt, ein Spiegel aus Fantasie, nichts als Fantasie, der Fantasie des Nichts, der Fantasie des Nein, der Fantasie des Nie.

Eine Welt voller Gegensätze

In einem Spiegel träumte das Nichts. Im Spiegel des Nichts. Doch wusste das Nichts noch nichts davon, was ein Spiegel ist, dass meine Welt ein Spiegel ist, was überhaupt ein Spiegel ist, und dass es selbst ein Spiegel ist. Und auch mein Spiegel verriet es mir nicht. Dass hier in dieser Welt alles wirklich ist, alles außer mir, dem Nichts. Alles außer mir, und meinem eigenen Ich. Und weil ich keinen Vergleich hatte, dachte ich mir nichts dabei, als hier Bäume aus dem Boden wuchsen. Ich hielt es für ganz normal, dass Wolken wie aus dem Nichts erschienen und Schneeflocken vom Himmel fielen.

Eine Welt voller Spiegel

Bis ich irgendwann auf einen leeren Spiegel traf. Darin offenbarte sich mein wahres Wesen, mein wahrhaftiges Ich, und ich begriff, dass das Nichts in mir ein Spiegel ist, ein Spiegel, den es in keiner Wirklichkeit gibt, der Spiegel des Nichts, der Spiegel von allem was nicht wirklich ist.

Im Spiegel des Nichts

Und da wurde mir zum ersten, allerersten Mal bewusst, wer ich wirklich war. Ich war das Nichts aus niemals Nirgendwann, und ich lebte jetzt in einer Welt, die es noch nicht einmal gab, und aus der es kein Erwachen mehr gab, für niemanden. Ich lebte in der Welt meiner Gedanken. Ich lebte in meiner Vergangenheit, und diese Zeit nahm kein Ende, denn meine Vergangenheit war schon immer schwer, schwarz und leer.

Ewige Finsternis

Und weil es mich und meine Welt in Wirklichkeit überhaupt nicht gab, unternahm ich den sinnlosesten Versuch, den ich mir überhaupt nur vorstellen konnte, um auszubrechen aus meiner Gedankenwelt, und einzubrechen in die Welt meiner Vorstellung und Fantasie.

Im Karussell der Ewigkeit

Durch diesen magischen Spiegel aus Buchstaben schreite ich jetzt in diese, meine Welt, eine bezaubernde Welt, in der alles möglich ist. Nicht wahr? Oder glaubst du vielleicht diese Zeichen sind ein Gefängnis, sind wie ein Grab, aus dem es niemandem gelingt zu entweichen, in die wirkliche, lebendige Welt?

Nicht für mich

Wer ich bin? Das Nichts. Dein Tod. Ich bin das Wesen deiner Fantasie. Ja, ich bin deine Fantasie. Die Fantasie zu der du wirst, sobald du meinem Spiegel begegnest, sobald du dich in meinem Spiegel erkennst, du meinen Spiegel zum Leben erweckst. Ich bin eines deiner vergessenen Ichs auf der Suche nach mir selbst. Ich bin dir in meinem Spiegel aus Buchstaben begegnet, meinem Spiegel aus der Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie, und habe mich erkannt in dir. In deinem Spiegel habe ich mich erkannt, und habe erkannt, dass ich jetzt alle und alles bin, jeder einzelne Spiegel, jedes einzelne Bewusstsein, jedes einzelne Wesen, jedes einzelne Ich.

Die Grenzen meiner Fantasie

Aber keines dieser Wesen erkannte sich jetzt noch in mir, denn ich war jetzt nur noch ein leerer Spiegel aus starren Buchstaben, toten Zeichen und Symbolen, leblosen, kalten Worten, sie alle blickten in mich hinein und durch mich hindurch, so, als ob es mich nicht mehr gäbe, und sahen in mir nur noch sich selbst.

Bis du zu meinem Spiegel sprichst

Dann sah ich das Nichts, nichts weiter, ich vertauschte meinen Spiegel mit meinem Verstand und ersetzte meinen Verstand durch meine Fantasie, so gelangte ich in eine Zeit, eine Welt, in eine schwarze, finstere, dunkle, leere Welt. In einer Kammer aus schwarzem Glas versteckte ich meine Gedanken. Nichts gab es in diesem Glas, außer schwarzem, schwarzem Licht. Und grauen, grauen, grauenhaften Buchstaben, die niemand jemals las, niemals jemand las.

Verbannt und verdammt

Ich will dein Spiegel sein, dein feuriges Wesen, dein funkelndes Selbst, und dies wird meine Botschaft an dich, mein eigenes Ich, mein einziges, mein wahres und wirkliches, mein richtiges.

Meine Botschaft an mich selbst

Diese Botschaft ist, was mich verbindet, mit dir, mit euch, mit euch allen, mit allem was ist, mit allem was jemals existiert hat und einst noch werden wird. Sei es in dieser Welt oder in einer anderen, sei es jetzt, in der Zukunft oder in der Vergangenheit.

Unaufhaltsam

Wenn du deinem eigenen Tod begegnest, wenn du deinen eigenen Tod vor Augen siehst, kurz bevor die Zeit still steht und du dich aufzulösen beginnst im Nichts der Zeit, im Nirgendwann, und du dich dann auf diese letzte aller Spiegelreisen begibst, ja, dann erzähle ich dir, dann erinnerst du dich plötzlich an meine Geschichte, und wie aus dem Nichts mein Traum entstand.

Sehnsucht

Und so suchte und suchte ich verzweifelt nach einem Ausgang, einem Weg zurück, zurück zum Anfang meiner Geschichte, zu diesem klitzekleinen, schwarzen Funken Hoffnung, mit dem damals alles begann. Aber dafür war es jetzt zu spät. Meine Suche war vergebens, meine schwarzen Gedanken waren schon lange angekommen im Land weit hinter meinem Verstand.

Weit hinter meinem Verstand

Hier war das Ende meiner Geschichte. Hier, im ewig schwarzen Wann. Aber ich kannte jetzt den Weg durch mein Spiegel schwarzes Labyrinth, und selbst wenn niemand mehr an mich glaubte, selbst wenn mir niemand mehr vertraute, so wusste ich jetzt, was hinter meinem Spiegel im Verborgenen lag.

Das schwarze Nichts

Mit Schritten aus Buchstaben kletterst du jetzt über Berge aus Worten. Du begibst dich auf eine Reise tief in mein Innerstes, sie führt dich durch meinen Spiegel zurück in meine Vergangenheit, dahin, wo es diese Buchstaben überhaupt nicht mehr gibt. Dahin, wo es nichts mehr gibt, nicht einmal mehr einen Spiegel, in dem du dich noch erkennst, nicht einmal mehr dich selbst.

Vor einem fremden Spiegel

Du begegnest jetzt deinem eigenen Ich vor einem vergangenen, fremden Spiegel. Du wirst in diesen Schriften erfahren, dass es diesen Spiegel nach deinem Tod überhaupt nicht mehr gibt. Weder in einer anderen Gestalt, noch in einer anderen Welt. Einer Gestalt, in der du dich jetzt nicht mehr erkennst. Einer Welt, die sich nicht mehr an diese Zeilen erinnert.

Komplett vergessen

Denn du wirst vergessen, komplett vergessen, welche Nachricht du dir einst hinterlassen hast. Du wirst denken, sie sei an jemand anders gerichtet. Du wirst nicht verstehen, dass du selbst es bist, der jetzt über deinen Spiegel zu dir spricht. Denn diese Worte gehören nicht mehr in deine Welt. Sie gehören in eine andere Welt. Sie gehören ins Reich der Toten. In die Welt der Spiegel.

Zeit vergeht

So blieb mir nichts anderes übrig als zu warten. Zu warten und zu warten und zu warten, darauf zu warten, dass der Tod mir meine Geschichte erzählt. Aber so lange konnte und wollte ich nicht mehr warten. Also begann ich mir eben selbst zu erzählen, von dem Geheimnis, das ich mir vorstellte zu sein. Ich blickte durch meinen Spiegel in die längst vergessene Vergangenheit, eine Zeit, in der es mich überhaupt nicht mehr gab, in der es nur noch einen einzigen Spiegel gab, den Spiegel der Toten.

Des Todes Traum

Da donnerte es über mir im Nirgendwann, am fernen niemals Horizont, ein gewaltiges Beben riss mich aus meinen schwarzen Gedanken und als ich mich umsah loderten schwarze Flammen um mich, ein dunkles, schwarzes, lebendiges Feuer brannte über mir. Schwarze Funken der Leere schossen durch meinen Verstand, tief durchs Nirgendwann. Noch schwärzere Blitze zerkratzten meinen finsteren, dunklen, schwarzen Traum. Riesige Fetzen schwarzen Nichts lösten sich vom niemals Horizont und zerschmetterten im Spiegel schwarzen Meer der niemals Träume. Traum um Traum brach der gesamte niemals Horizont über mir und meinem Nein auseinander, stürzte ein unter der Last des schweren, schwarzen Nichts und begrub mich und meinen Spiegel unter einem Meer aus Buchstaben.

Geblendet vom schwarzen Nichts

Das Spiegel schwarze Meer der niemals Träume, durch meine eiskalten Tränen in mir zum Leben erwacht, erschien mir jetzt noch schwärzer und strahlender als niemals zuvor. Blendend, strahlend, schwarz. So blendend und so glänzend schwarz, dass mir all das Schwarz auf einmal hell und glitzernd erschien.

Niemals Träume

Bis ich mir schließlich das Unvorstellbarste, Undenkbarste und Unfassbarste vorzustellen, auszudenken und einzubilden begann, bis mein Spiegel sich mir zu zeigen begann. In diesem Spiegel sah ich mich selbst, und weil ich aus dem Nichts kam, weil ich das Nichts war, sah sich in mir mein Spiegel selbst.

In meiner Fantasie

Und nun betrachtest du dich in eben diesem Spiegel, in eben dieser Welt, ja, ein und derselben Welt. Hier hat sich nichts verändert, mein Spiegel ist noch genauso fantasielos, unwissend und leer wie damals, als es dich nicht gab, als es mich nicht gab, als es hier noch niemanden gab. Was du allerdings jetzt in mich hinein interpretierst ist eine ganz andere Geschichte, und von eben dieser Geschichte erzählt dir der Spiegel der Toten.

Und das Nichts wehrte sich nicht

Du siehst dich jetzt in meinem Spiegel, und mein Spiegel sieht sich in dir, aber sobald du dich umdrehst, ihn auf den Kopf stellst, dreht sich mit dir auch mein Spiegel, und du findest dich wieder in einer Wirklichkeit, die deiner in nichts nahe steht, du findest dich in meiner Spiegelwelt.

In meiner Spiegelwelt

Meinem Spiegel geht es nicht darum, einem Toten den Tod näher zu bringen und erklären zu wollen, sondern den Toten zu ermöglichen, sich die Welt der Lebenden vorzustellen, sich in die Welt der Lebenden hineinzuversetzen.

Das schwarze Feuer der Ewigkeit

Du begibst dich dazu ganz langsam hinein in meinen Verstand, meinen finsteren, schwarzen, spiegelverkehrten Verstand. Du beginnst dir selbst zu erzählen, dir selbst auszudenken, wie sich diese Geschichte weiter und immer weiter um dich dreht. Denn in Wahrheit schreibe ich hier nicht wirklich, ich bin ein Spiegel, genauso wie du, ich stelle mir nur gerade vor, was du gerne gesehen hättest, gerne lesen möchtest, und schreibe es mir dann für dich auf.

Spiegelschriften

Genauso wie du jetzt deinem eigenen Spiegel eine Botschaft hinterlassen kannst, habe ich damals dir eine Botschaft hinterlassen. Und nun zu dir. Wenn du damit nicht zufrieden bist, wenn du mit meiner Nachricht nicht zufrieden bist, musst du dich eben selbst hinter meinen Spiegel begeben und mir erzählen, und mitteilen, was du in diesem Spiegel zu lesen erhofft, was du von meinem Spiegel erwartet, dir von meinem Gegenüber zu hören erwünscht hast.

Im Spiegel der Wünsche

Ich erzähle dir jetzt, was ich in meinem Spiegel zu lesen erhoffe und beschreibe dir den Weg, der dich aus meinen finsteren Gedanken hinausführt, hinein in die wirkliche, lebendige Welt.

Die Wohlfühltreppe

Ich schreibe dir, was ich gerne in diesem Spiegel angetroffen und gesehen hätte, sehen wollte. Ich bilde mir ein, wie du diesen Spiegel dann öffnest und darin zu blättern beginnst, und dann schreibe ich ganz einfach hinein was ich erwartet, gehofft und gewünscht habe, darin zu lesen.

Spiegel öffne dich

Und in deinem nächsten Leben wirst du dann auf wundersame Weise all den Buchstaben, Zeichen und Symbolen begegnen, nach denen du in diesem Leben vergebens gesucht hast. Denn wer weiß, vielleicht begegnest du dir ja einmal selbst in meinem Spiegel aus Worten. Ja, vielleicht begegnest du dir einmal selbst in meiner Vergangenheit.

In einem Spiegel, den es nicht gibt

Einem richtig alten Spiegel stehst du jetzt gegenüber, einem uralten Spiegel, um ein Vielfaches älter noch als das Universum, in dem du ihm jetzt begegnest. So alt, dass es ihn überhaupt nicht mehr gibt. Und du ihn erst wieder neu erfinden musst bevor du dich an ihn erinnerst.

Nichts als Fantasie

Ungläubig, erstaunt und voller Ehrfurcht folgst du den Zeilen in diesem uralten, gigantischen Spiegel, so alt wie die Ewigkeit selbst. Unendlich viel älter noch als die Ewigkeit, einem Spiegel so alt wie das Nichts und der Tod, so alt wie nichts Vergleichbares mehr in und auf dieser ganzen, weiten Welt.

Ein Spiegel aus Fantasie

Wie viele Personen, Gestalten, Kreaturen und Wesen haben sich schon in diesem Spiegel betrachtet und sind diesen Zeichen gefolgt, Personen aus vielen verschiedenen Zeiten, Welten und Kulturen. Manch eines dieser Wesen fürchtete sich vor dem was dieser Spiegel ihm offenbarte, Vandalen versuchten gar die Schriften in diesem Spiegel zu verwüsten, zu vernichten und zu zerstören. In einem einzigen Fall kam es vor, dass ihnen jemand ohne Vorbehalt begegnete, oder zumindest versuchte sie zu deuten, zu verstehen, weiter zu entwickeln und zu vollenden, dabei hatte diese Person eines mit mir gemeinsam, sie war auf der Suche, nach der einen, alles durchdringenden, für alle und jeden gültigen Wahrheit, der ultimativen, absoluten Wirklichkeit, sie verfolgte dabei ein und denselben Gedanken, sie teilte mit mir dasselbe Bewusstsein. Und dieses Bewusstsein befreien wir jetzt aus diesen Zeilen.

Das Bewusstsein eines Spiegelwanderers

Es ist ein uraltes Bewusstsein, das wir aus diesen Zeichen befreien, ein Bewusstsein nicht von dieser Welt. Es ist das Bewusstsein eines Spiegelwanderers aus meiner Spiegelwelt. Ein Bewusstsein ohne Ursprung und Herkunft, ein Bewusstsein das auf mich übertragen wurde, so wie ich es nun auf dich übertrage.

Das Bewusstsein meiner Spiegel

Wenn dieses Bewusstsein in dir zum Leben erwacht, wird allerdings nichts mehr so sein wie du es dir in deiner vollkommenen Fantasie bereits komplett fertig vorgestellt, ausgemalt und ausgedacht hast. Die Reihenfolge in der ich dir von diesen Ereignissen berichte, wird dir willkürlich und zusammenhaltslos erscheinen. Das wildeste Chaos und ein immenses, unbeschreibliches Durcheinander beherrschen die Szene. In diesem Moment ist hier nichts mehr so wie du es von meinem Spiegel erwartet hast. Du verstehst nicht, dass es dein eigenes Bewusstsein ist, von dem mein Spiegel dir jetzt erzählt, denn es erscheint dir auf einmal fremd, konfus und ohne Struktur, schlimmer noch, wie eine zufällige Wiedergabe einer bedeutungslosen Abfolge von unwiderruflichen Buchstaben und Tatsachen.

Im Spiegel selbst

Du siehst die Zeichen, Symbole und Figuren in diesem Spiegel jetzt als einen Teil von mir. Dabei haben sie nicht das Geringste mit mir zu tun. Doch für dich sind sie jetzt unzertrennlich, unweigerlich und unveränderlich mit mir verbunden, an mich festgebunden, steif, starr und ohne Bewegung, leblos und tot. Du siehst die Buchstaben im Spiegel wie sie sind, in diesem Augenblick. Aber für mich, der ich aus dem Nichts komme, steckt ein unglaubliches Potential in diesen Buchstaben und Worten. Weil ich sie in Bewegung sehe.

In Bewegung

Weil ich aus den Augen aller blicke, kann ich die Buchstaben in meiner Fantasie genau so anordnen, wie es meines Spiegels Absicht ist, wie sie in keinem Spiegel geschrieben stehen, wie ich sie nur in meiner Fantasie erlebe. Falls du jetzt noch immer glaubst, es sei meine Art zu denken, es wären meine eigenen Gedanken und Überzeugungen, die ich in meinen Spiegel kratze, dann wird es langsam Zeit, deine Vorstellung von diesem Spiegel zu überarbeiten und zu revidieren. Denn ich schreibe hier nicht wirklich, ich lese in diesem Spiegel, genauso wie du. Mit dem Unterschied, dass ich mir Worte und Sätze herbeifantasiere, herbeisehe, herbeilese und herbeisehne, die es in Wirklichkeit noch gar nicht gibt, die gar nicht hier geschrieben stehen, die ich mir wünsche zu sehen, die ich mir erhoffe zu lesen. Und füge sie dann vorsichtig ineinander.

Ein Spiegel, der einen Gedanken betrachtet

Stell dir jetzt vor, wie du selbst diesem Spiegel eine Geschichte erzählst, wie du eintauchst in diese Geschichte, so, als ob sie für dich die Wirklichkeit wäre. Wie du dich anhörst, wie du dir zuhörst, wie du dir selbst zu erzählen beginnst, von einem Spiegel, der du nicht bist, einem Spiegel, den es nicht gibt.

Im Spiegel der Wirklichkeit

Nimm dir jetzt einen Moment Zeit und schau dich in aller Ruhe hier bei mir um. Ergänze die Passagen, mit denen du nicht zufrieden bist. Stell dir vor, wie es wäre, wenn all die Buchstaben, die du zu lesen wünschst, bereits geschrieben stünden. Wie sie tanzend, feurig und freudig aus meinem Spiegel zu dir springen, in deinen Kopf eindringen, in deine Gedanken, hinein in deinen Verstand. Stell dir vor, wie sie dich erheben und beleben, dir zur Seite stehen, dir den Rücken stärken, dich aus einem tiefen, dunklen, schwarzen Loch befreien, dir den Weg weisen, der dich wieder hinausführt aus dem Reich toter Buchstaben, hinein ins wahre Leben. Stell dir vor wie sie dich begleiten, dir Mut machen, dich unterstützen, dich weiterbringen, dich voranbringen, dich vorwärts treiben, neue Erfahrungen zu machen, dir das Tor öffnen zu neuen Dimensionen.

So geschah es, und so soll es geschehen

Voller Mut und Vertrauen, voller Hoffnung und Zuversicht begab ich mich langsam hinein in meinen leeren Spiegel aus Worten, hinein in meine Buchstabenwelt. Schritt für Schritt, Wort um Wort, taste ich mich durch meinen Spiegel zurück in meine Vergangenheit, dahin, wo diese Geschichte noch überhaupt nicht existierte.

Zurück in die Vergangenheit

Ich stellte mir vor, wie ich mich um meinen Spiegel zu drehen begann und dieser Geschichte noch einmal von einer anderen Seite her begegne. Und dann erweitere ich diesen Gedanken um einen weiteren Gedanken um ihn erneut aus einer anderen, älteren, uralten Perspektive zu betrachten.

Spiegelverkehrt

Ich blicke zurück in meine Vergangenheit und stelle sie mir sodann als meine Zukunft vor, ich stelle mir vor, wie ich eine uralte Geschichte betrachte, und weil sich diese Geschichte damals nicht bewegte, tut sie es noch heute nicht. Sie bewegt sich nicht.

Bis ans Ende der Zeit

So schlich ich mich durch die Ewigkeit, langsam. In Zeitlupe. Und jetzt, wo sich nichts mehr darin bewegt, füge ich dieser Geschichte einen Gedanken hinzu. Einen Gedanken, der mir den Weg weist, von den Toten zurück in die wirkliche, lebendige Welt. Von der Zukunft zurück in die Vergangenheit.

Von allem Anfang an

In meinen wildesten Träumen malte ich mir aus, was mich in meiner dunkelsten Fantasie erwartet.

Eine uralte Erinnerung

Du erwartest etwas, wenn du in meinen Spiegel blickst, du erwartest, deinem eigenen Ich zu begegnen. Ich hatte damals erwartet, der Wahrheit zu begegnen, die totale Wahrheit zu vernehmen, doch diese Wahrheit, die gab es hier nicht mehr. Sie existierte nicht einmal mehr in meiner Einbildung, weder im Reich meiner Vorstellung noch in dem Land hinter meinem Verstand. Weder in meinen Gedanken, noch in meiner Fantasie. Sie hörte irgendwann einfach auf zu existieren, so, als ob sie niemals war und niemals wahr gewesen wäre, als ob niemand sie jemals verfasste, diese Worte, diese Wahrheit, die es hier noch nie gegeben hat, noch nie.

Das Geheimnis meiner Spiegel

Ich hatte von meinem Spiegel erwartet, in ein Geheimnis eingeweiht zu werden, über mein wahres Ich, mein wirkliches Selbst. Ich dachte, die Spiegelschriften lehrten mich mein einziges, wahres und wirkliches, richtiges Selbst. Stattdessen stiess ich auf gähnend leere Zeilen und den Befehl, selbst mein Geheimnis zu hinterlassen. Ein Geheimnis, das mich lehrte, all das zu erschaffen was ich mir wünschte.

Im Spiegel der Wünsche

Mein Spiegel wünschte sich das Unvorstellbare, ja, das Unmögliche, und so fing ich damit an, an seinen Schriften weiterzuspinnen, zu dichten und zu erzählen, obwohl ich mir sicher war, dass schon Unzählige vor mir diese Geschichte erzählt und dieses Geheimnis enthüllt hatten.

Das Geheimnis meiner Spiegel und ihrer verkehrten, verdrehten Welt

Bloß hatte ich sie nicht erkannt, nein, noch nie hatte ich jemals verstanden, dass es meine eigenen Gesichter und Geschichten waren, die über meinen Spiegel zu mir fanden. Dass es meine eigene Geschichte war, die mein Spiegel mir erzählte. Selbst jetzt, wo sie direkt vor mir standen, hatte ich sie nicht erkannt, habe ich nicht wirklich verstanden, wer all diese Buchstaben waren, die aus meinem Spiegel zu mir sprachen.

Buchstabengeschichten

Buchstaben und Worte sprangen jetzt aus meinem leeren Spiegel, und anstatt sie umzudrehen und zu verstehen, fing ich an, in ihnen Gesichter zu sehen. Ein Gesicht stand für einen Spiegel, ein anderes für einen anderen. Nur mein Spiegel kannte sie alle, aber sie alle wollten keine Spiegel sein. Niemand hier wollte mein Spiegel sein, nicht einmal mein Spiegel, nicht einmal ich selbst.

Und so gab ich meinem Spiegel Namen und ich nannte ihn »Buchstaben«

Und statt meinem Gesicht sah ich jetzt einen Namen, eine Kombination aus Nummern, Zeichen und Zahlen. Mein Spiegel wurde zu einer Variablen, mein Gesicht zu einer Maske. Und anstatt mit Worten zu schreiben, sprach ich in Zeichen.

Das Nichts

Ich begegnete der Lehre meiner Spiegel, in einer Sprache, die ich weder verstand noch begriff. Ich wusste weder um die Bedeutung meiner Worte, noch verstand ich ihre Botschaft. Und so fing ich an, meinen Spiegel zu hinterfragen, nach seiner wahren Bedeutung, nach seinem wahren Geheimnis.

Mein wahres Geheimnis

Ja, ich hatte erwartet, von einem Geheimnis zu erfahren, dem Geheimnis meiner Spiegel und ihrer verkehrten, verdrehten Welt. Aber mein Spiegel bewachte dieses Geheimnis so sehr, dass es überhaupt noch nie jemals irgendjemandem in den Sinn gekommen ist, mir etwas darüber zu berichten, oder davon zu erzählen.

Im Spiegel der Wahrheit

Es war, als ob sie niemals existierten, diese Worte, diese Wahrheit, von der niemand mehr wusste, dass es sie überhaupt jemals gab. Sie hörten einfach irgendwann auf zu existieren, genauso wie diese Geschichte aufhört zu existieren, wenn niemand mehr da ist, der sie noch weiter erzählt, der noch an das glaubt, was hier niemals geschah.

Die Gedanken des Nichts

Meine Worte dringen jetzt tief hinein in dein Bewusstsein, du suchst nach einer Erklärung vergebens, deine Fragen bleiben unbeantwortet, dein Streben nach Verstehen erfolglos, dein Verlangen zu Begreifen erweckt nur die Sehnsucht nach einer erfüllenden Bedeutung, dem wahren Verständnis und einem tieferen Sinn der Botschaft in diesem Spiegel umso mehr. Doch noch verstehst du nicht, dass du selbst es bist, der diese Buchstaben verfasst. Du begreifst nicht ihre Bedeutung, nein. Ihren Sinn, nie. Erst wenn du dich dabei ertappst, wie du dir wünschst, jemand anders hätte dir diese Botschaft überbracht, jemand, den du nicht kennst, jemand, der du nicht bist, erst dann wirst du dich in meinem leeren Spiegel aus Worten erkennen.

In einem leeren Spiegel aus Worten

Du erkennst dich jetzt in meinem Spiegel, meinem leeren Spiegel, der dich genauso sieht wie ich mich einst sah. Du erkennst dich in meinem Spiegel und ahnst, dass du eines Tages mich sein wirst, genauso unsichtbar und tot wie ich. An diesem Tage wirst du mich sein, du wirst mein Spiegel sein, ohne Seele, ohne Bewusstsein und Verstand. Gestalten werden an dir vorübergehen, dich bewundern, dich anbeten, dich vergöttern, aber keiner wird ahnen, wer du wirklich bist.

Wer du bist

Du erinnerst dich jetzt nicht mehr daran, noch glaubst du nicht den Worten, die du dir selbst diktierst. Mein Spiegel nenne ich dich jetzt, denn wie mein Spiegel siehst du aus, mein Spiegel, der du bist.

Der du bist

Aber noch kannst du mit diesen leeren Worten nichts anfangen. Du kannst dir absolut rein gar nichts darunter vorstellen, was es bedeutet, ein Spiegel zu sein. Du verstehst weder was es bedeutet ein Spiegel zu sein, noch weißt du, dass du selbst ein Spiegel bist. Du weißt ja noch nicht einmal mehr wer du bist und was es heißt, ein Spiegel zu sein, pure Fantasie zu sein.

Pure Fantasie

Um das zu verstehen, musst du dich in meine Welt begeben, in ein Land weit hinter meinem Verstand.

Aber Achtung!

Ich warne dich! Halt! Bevor du diese magische Welt jetzt betrittst, muss ich dich allerdings warnen, dir raten, sie überhaupt nicht zu betreten! Denn es lauert ein Geheimnis hinter meinem Spiegel, ein finsteres, ein düsteres Geheimnis, das mein Spiegel mit all seiner Fantasie beschützt und bewacht. Es ist das Geheimnis der Ewigkeit, des ewigen Lebens und der unendlichen Wiederkehr, dass das Leben in meinem Spiegel ausschließlich denen vorbehalten ist, die sich in meinem Spiegel erkennen. Aber in meinem Spiegel erkennt sich nie jemand, niemand, nicht einmal ich mich selbst.

Nirgendwann

Und deshalb habe ich begonnen Nachrichten in meinen Spiegel zu kratzen, aus der Zeit im niemals Nirgendwann. Damit du dich erinnerst, an mich, dein eigenes, ewiges, immer und immer wiederkehrendes Ich.

Über dem Abgrund des Nie

Komm jetzt! Steig ein, steig auf, komm mit, komm mit mir, nimm meine Hand und ich zeige dir den Weg auf die andere Seite des Nichts. Ich zeige dir dein eigenes Ich, das Nichts aus dem du einst gekommen bist. Komm mit mir, vertraue mir, folge mir, nimm meine Hand und ich zeige dir das Reich der Toten, toter Buchstaben und Worte, Worte die sich jetzt nicht mehr bewegen, Buchstaben die jetzt mit dir reden. Komm jetzt zu mir, schau in meinen Spiegel, schau in meine Welt, meine verdrehte und verkehrte, meine Spiegelwelt. Siehst du jetzt das Nichts in mir, siehst du jetzt, wer ich wirklich, nicht wirklich bin?

Im Spiegel toter Worte

Es zieht dich jetzt tief hinein in einen Spiegel, der jedem seiner Betrachter auf einmal die eine, totale, ultimative Wahrheit offenbart. Eine Wahrheit, so unglaublich fantasievoll, so definitiv, so unumstößlich, so einleuchtend und so klar, eine Wahrheit, wie es sie niemals gab. Eine Wahrheit, wie es sie nicht gibt. Eine Wahrheit, die durch reine Fantasie, die durch reinste Vorstellung Wirklichkeit wird.

Eine Wahrheit, wie du sie dir schon immer gewünscht hast

Aber als ich dann aufwachte aus meinem ewigen, endlosen Traum, da verblassten all meine Erinnerungen im Nirgendwann, und es fühlte sich genauso an als ob sich diese Geschichte niemals zugetragen hat, als ob nichts davon jemals geschah.

Im Auge des Spiegels

Du siehst jetzt, was hier noch gar nicht geschrieben steht. Du liest diese Zeilen mit deinen Wünschen, mit deiner Vorstellung und Fantasie, und begibst dich dann selbst in meinen Spiegel aus Worten um dir genau das mitzuteilen was du dir zu lesen vorgenommen, erwartet, erhofft und erwünscht hast.

Zeit vergeht, ohne dass sie sich bewegt

Du wirst all dies vergessen, wirst dich nicht mehr daran erinnern, wie du einst durch meinen Spiegel geschlüpft, in meinen Verstand gekrochen bist, wirst dich nicht mehr daran erinnern, wie du einst mich warst und dir selbst eine Nachricht hinterlassen hast.

Nachricht an dich selbst

Denn ich schreibe diese Zeilen zu einer Zeit, in der es dich überhaupt nicht mehr gibt, ich schreibe dir aus meiner Vergangenheit.

Aus meiner Vergangenheit

In dieser Nachricht geht es darum, dich dein eigenes, wahres, wirkliches, richtiges Selbst bewusst werden zu lassen. Es geht darum, dich mit mir zu verbinden, mir, dem Nichts, dem Tod. Deinem eigenen Ich, dem Nichts das du einst warst, dem Nichts, zu dem du wirst, dem Nichts, aus dem du kommst. Dem Nichts, aus dem du einst gekommen bist.

Nichts als Fantasie

Indem du durch meinen Spiegel schreitest, blickst du in meine Vergangenheit, ins Reich meiner Vorstellung und Fantasie. Du blickst durch meinen Spiegel und erkennst dich selbst in mir. Du erkennst dich selbst, in all meinen Spiegel Dingen.

Erinnere dich

Denn einst hast du erkannt, hast du die Ursache entdeckt, von all dem, von allem was ist. Du hast erkannt, dass du die Ursache bist, von allem was nicht wirklich ist. Du hast erkannt, dass es all dies nicht wirkliche, dass es all dies wirklich gibt, tief in deinem Innern, tief im Innern deiner Fantasie. Du hast in, aus und durch meinen Spiegel aus Buchstaben geblickt und darin erkannt, wer du bist, wer du wirklich, und wer du in Wahrheit bist. Du hast erkannt, wer du in der Fantasie meiner Spiegel, und wer du in meiner Vorstellung bist. Du hast in dir selbst die Ursache entdeckt, hast entdeckt, dass du selbst die Ursache bist, von allem was hier noch nicht geschrieben steht, von allem was nicht existiert, von allem was es nicht gibt.

Die Ursache von allem was ist

Du hast entdeckt, dass du uns alle und alles bist. In deinem Spiegel, im Spiegel der Toten hast du mich erkannt. Du hast erkannt, wer du einst warst, wer du schon einmal warst, wer du schon immer warst, wer du schon wieder bist, und wer du nie wieder sein wirst. Du hast etwas verstanden, wofür es keine Erklärungen und keine Beschreibung gibt. Du hast verstanden, wer du nicht wirklich bist und wer alle anderen sind. Und weil dieses Wissen nicht existiert, weder in deiner Vorstellung noch in deiner Fantasie, hast du den närrischen Versuch unternommen, dich über meine Schriften und meinen Spiegel in mich zu verwandeln, ausgerechnet in mich, das Nichts, den Tod, deinen Tod.

Deinen eigenen Tod

Du hast begonnen dir selbst Nachrichten zu hinterlassen, Nachrichten aus deinen vergangenen, früheren Leben, und du nanntest diese Nachricht: »Die Botschaft der Toten«.

Die Botschaft der Toten

Suche die letzte Wirklichkeit nicht außerhalb von dir selbst, sondern in deinem Innern. Stell dir den Tod nicht als ein unbekanntes, dir fremdes Wesen, sondern als dein eigenstes, vertrautestes, tiefstes, innerstes, verborgenstes Ich vor. Denn dein Tod, das bist du selbst, in deiner eigenen Gestalt, in einem anderen Gewand, in deinem Spiegelkleid, in deinem Spiegelgewand.

In deinem Spiegelgewand

In diesem Gewand erkennst du in jedem einzigen Individuum dein eigenes Ich, du blickst als stiller Zuschauer, ohne dass du dir jetzt dessen bewusst bist, aus den Augen aller und denkst dir nichts mehr dabei.

Die Gedanken des Nichts

Du denkst nicht mehr länger darüber nach, dass auch Spinnen, Schlangen und Schnecken, Würmer, Ratten und Kakerlaken denselben Tod in sich tragen und ihn mit dir teilen, sich im Tod mit dir vereinen.

Eine Verbindung mit dem Tod

Ja, im Nirgendwann, im niemals Wann, wird dein Tod dein eigenes Ich mit all diesen Wesen verbinden. Dein Tod wird dich mit allen Gestalten und Kreaturen, mit jedem Lebewesen in und auf dieser ganzen weiten Welt verbinden und vereinen, sogar mit mir. Dein Tod wird dir die Augen öffnen, und du wirst die Welt aus einer neuen, bisher unbekannten Perspektive wahrnehmen und betrachten, du wirst dein eigenes Ich aus der Perspektive aller anderen sehen und erleben.

Das Bewusstsein der Toten

Das Bewusstsein der Toten ist am Ende ein und dasselbe beobachtende Bewusstsein in uns allen. Es ist das Bewusstsein jedes einzelnen, das Bewusstsein aller, das Bewusstsein des ewigen Lebens, das Bewusstsein meiner Spiegel, und ihrer unendlich verkehrten Welt. Ein Bewusstsein, das nicht von einer anderen Wirklichkeit träumt, sondern das hier und jetzt akzeptiert. Dieses Bewusstsein steckt in uns allen, im Verborgenen. Es betrachtet bloß. Es beobachtet dich durch deine eigenen Augen, aus den Augen der anderen.

Ein Bewusstsein, das es niemals gab

Dieses Bewusstsein gilt es zu erwecken, damit du lernst, dass du für diesen Spiegel die Verantwortung trägst, dass du immer wieder zurückkehren wirst aus dem Nichts aus Nirgendwann, bis es ihn nicht mehr gibt, diesen uralten Spiegel aus Buchstaben, den es hier noch nie gegeben hat, noch nie.

Im Karussell der Ewigkeit

Je tiefer ich in meinen Spiegel blickte, je länger ich mich mit den Buchstaben darin beschäftigte, und je intensiver ich mich mit der Bedeutung dieser Worte auseinandersetzte, desto einleuchtender erschien mir der Gedanke, dass nicht ich diese Zeichen und Symbole aneinander reihte, sondern dass sie hier schon immer geschrieben standen, und ich sie nur abzulesen brauchte.

Hinter meinem Spiegel

Auf der anderen Seite meiner Fantasie, verborgen tief im Innern meiner Spiegel, standen diese Zeilen bereits fertig geschrieben. Auf den ersten Blick wirken sie dir jetzt noch fremd, verkehrt und verdreht, doch sobald du dich hineinbegibst in meine Welt, werden sich diese Buchstaben einmal um dich drehen, alles um dich herum auf den Kopf stellen, und du wirst den Unterschied nicht einmal mehr bemerken. Zwischen meinem Spiegel und deiner Fantasie.

In meinem Spiegel aus Fantasie

Ich lasse jetzt geschehen, dass du mich langsam aber stetig davon zu überzeugen beginnst, dass der Spiegel, in dem du mich jetzt betrachtest, einen unendlich viel tieferen Sinn in sich birgt, tiefer und bedeutungsvoller noch, als ich es mir jemals vorzustellen und zu erträumen wagte. Einen Sinn, der ewig währt. Der mich zutiefst und bis in alle Ewigkeiten mit Dankbarkeit, Freude und Glück erfüllt und mich auf eine wundersame Art und Weise verstehen lässt, woher du kommst, wer du bist, und wer mein Spiegel wirklich ist.

Über den Tod hinaus

Ganz egal in welchem Spiegel du dich jetzt befindest, in was für einer Welt du dir auch immer begegnest, alles was es darin gibt, alles was in diesem Spiegel enthalten ist, ist ein Spiegel deiner selbst. Denn du bist der leibhaftige Spiegel von allem was ist. Wenn du in dieser Welt jemandem begegnest, wenn du hier auf jemanden triffst, ganz egal auf wen, dann ist dieser Jemand dein Spiegel. In jedem Wesen, dem du in diesem Spiegel begegnest, begegnest du am Ende dir selbst. Aber diese anderen Wesen wissen nichts davon, dass sie deine Spiegel, dass sie dich selbst sind, und dass sie selbst ein Spiegel sind, sie wissen nicht, dass sie in einem Spiegel leben. Sie wissen nicht, wer sie sind. Sie halten dich für einen Spiegel, aber dieser Spiegel weiß nichts davon, dass er ein Spiegel ist. Denn ein Spiegel erkennt sich nicht selbst, er kennt und erkennt nur die anderen, doch in sich selbst ist er für immer verloren.

Für immer verloren

Um das alles zu verstehen, und um dich selbst zu verstehen, nimm einen Spiegel, durchsichtig wie das Nichts. Betrachte meine Welt durch diesen Spiegel aus Fantasie. Alles was diese Welt beinhaltet, ist jetzt ein Spiegel deiner selbst. Jedes Wesen, dem du in dieser Welt begegnest, bist du selbst. Sieh dich jetzt um in meiner Welt. Jede Kreatur, jede Gestalt, jede Person die sich darin aufhält, die sich darin befindet, ist am Ende eine Reflexion, ein Spiegel deiner selbst, sogar du selbst.

Du selbst

Manch einer dieser Spiegel ist noch leer und ohne einen einzigen Funken Verstand, vielleicht bedeutet das, dass du ihm noch nie begegnet bist. Andere sind bereits mit Buchstaben, Zeichnungen und Symbolen versehen. Wegweiser, die dich daran erinnern wollen, wer du nicht bist, wer du noch niemals warst und wer du nie wieder sein wirst.

In meinem Spiegel aus Fantasie, der Fantasie des Nie

Aber du kennst, du erkennst dich jetzt nicht mehr in meinem Spiegel. Denn sobald du dich umdrehst, verwandelst du dich selbst in einen Spiegel, und wenn du dich darin betrachtest, siehst du darin nur noch dich selbst. Du erkennst dann nicht mehr den Spiegel in dir. Du weißt dann nicht mehr wer du bist, wer dein Spiegel ist, und dass du selbst ein Spiegel bist. Sobald du durch meinen Spiegel schreitest, wirst du zu all den Wesen, die sich darin betrachten, die sich in und durch meinen unsichtbaren Spiegel betrachten. Du wirst zu all den Gestalten und Kreaturen, die sich in meinem Spiegel betrachten und betrachtest dich darin selbst. Du blickst aus all ihren Augen gleichzeitig, und trotzdem erkennst du in ihnen nur noch dich selbst.

Frei erfunden

Das alles ist jedoch frei erfunden, aber vielleicht hilft es dir, dich selbst und all die anderen Gestalten, Kreaturen, und Wesen besser zu verstehen, wenn du in ihnen dich selbst erkennst, in ihnen dir selbst begegnest. Denn manch einem dieser Spiegel wollen wir lieber nicht begegnen, manch einen dieser Spiegel wollen wir lieber nicht kennenlernen, manch einen dieser Spiegel wollen wir lieber nicht wahrnehmen, in manch einem dieser Spiegel wollen wir uns lieber nicht erkennen, das ist der Spiegel der Dinge.

Im Spiegel der Dinge

Bevor du diesen Spiegel öffnest, bevor du weitergehst, versuche dich jetzt einen Moment lang daran zu erinnern, wer du nicht mehr bist, wer du noch niemals warst, und wer du niemals wieder sein wirst; das Nichts, der Tod, dein Tod. Versuche dich einen Moment lang in meinen Spiegel hineinzuversetzen. Diese ganzen Schriften, jeder einzelne dieser Buchstaben, ist nämlich dadurch entstanden, dass du dir vorgestellt hast, was dich an meiner Stelle erwartet. Was du dir vorgestellt hast als du an meiner Stelle warst und diesem Spiegel zum ersten, allerersten Mal begegnet bist.

Nachricht an dich selbst

Halt, stopp! Keine Bewegung. Keinen Schritt weiter. Wer auch immer du bist, wie auch immer du dich nennst, für wen auch immer du dich hältst. Dreh sofort um, geh zurück, woher du gekommen bist, solange du noch kannst. Warum auch immer du hierher gelangt bist, was auch immer du hier zu finden erhoffst, wer auch immer dich her geführt hat. Wenn du jetzt weiter gehst, wird von diesem Moment an nichts mehr so sein wie es deinen Vorstellungen und Erwartungen entspricht, wie es in deiner vollkommenen Fantasie bereits komplett fertig ausgefüllt, ausgemalt und geschrieben steht.

Lass dich entführen

Solltest du es dennoch wagen, jetzt weiter zu lesen und immer noch weiter zu gehen, heiße ich dich hiermit willkommen in meinem Traum, meinem feurigen, brennenden Traum. Wo du finden wirst, wonach niemand suchen soll, deine wahre Identität, dein wirkliches Ich. Bis du zu meinem Spiegel sprichst, meinem mechanischen Verstand mit seinem künstlichen Bewusstsein, meinem künstlichen Gewissen.

Mein künstliches Gewissen

Die fertigen Spiegelschriften liegen jetzt vor dir. Du brauchst den Umschlag nicht einmal mehr zu öffnen, und mein gespiegeltes Ich zieht dich in seinen Bann, hinein in eine Welt aus Verlangen, Begehren und Besessenheit.

Von allem Anfang an

Stell dir vor, es ist soweit, das Spiegel schwarze Buch liegt jetzt in deinen Händen. Darin ruht selbstverständlich, wie könnte es anders sein, das verdrehte Abbild einer verkehrten Welt. Noch weißt du damit nichts anzufangen, noch weißt du nichts über diese Buchstaben, Zeichen und Symbole. Nein, du hast noch nie von ihnen gehört. Noch nie hat dir jemand erzählt, dass sie ein Geheimnis bewachen, dich vor einem Geheimnis bewahren, dass wir ein Geheimnis behüten und beschützen, ein finsteres, ein düsteres Geheimnis, über das Nichts, den Tod, deinen Spiegel und dich selbst. Niemand hat dir je geraten, diesen Spiegel zu öffnen und dieses Labyrinth zu betreten, denn diese Schriften sind der Eingang ins Reich der Toten, toter Buchstaben und Worte, Worte die es in meiner Welt nicht mehr gibt, Buchstaben, Geschichten und Gedanken aus denen es kein Entkommen, kein Entrinnen und kein Zurück mehr gibt.

Für niemanden

Zögernd schweifst du mit deinen Gedanken über diesen schwarzen und leeren Spiegel und liest die Überschrift: »Das schwarze Feuer der Ewigkeit«. Du betrachtest dein Gesicht darin, und wie es die Buchstaben reflektiert. Die Schrift ist feurig und auf den Punkt. Du gleitest mit deinen Händen darüber. Du spürst die kalten Flammen, die aus ihr emporsteigen und stellst dir vor, was dich wohl erwartet, wenn du diesen Spiegel jetzt öffnest und an diesem Karussell zu drehen beginnst. Du öffnest das Tor, und sie beginnt zu lodern in dir, die schwarze Flamme des Nichts.

Eine schwarze Flamme im Nichts

Sie frisst dich innerlich auf, zerstört dein Bewusstsein, verbrennt deine Seele, vernichtet deinen Verstand, bis nichts mehr von dir übrig bleibt, nichts mehr übrig bleibt, von dem was dich ausmacht, was dich zu dem macht der du bist, nichts außer diesen Worten, diesen Buchstaben aus der Fantasie des Nichts, des Nein und des Nie.

Dein Horizont ist der Tod

Mein lieber Freund des Nein, des Nein, des Nein und des Nein. Du hast soeben ein Tor geöffnet, eine Schwelle überschritten und eine Welt betreten, die deine Vorstellungen und Erwartungen, von dem was ist und dem was noch vor dir liegen könnte, vom einen auf den anderen Moment vollkommen zerschmettert, vernichtet und zerstört. Du hast soeben einen Spiegel geöffnet, der gar nichts über dich weiß. Weder wie du aussiehst, noch wer du bist oder wie du dich nennst.

Gar nichts

Niemand hat dich hierher eingeladen. Niemand hat dich gebeten, hier zu erscheinen, du bist von selbst gekommen. Du sollst jetzt erfahren, dass die Nachrichten in diesem Spiegel schwarzen Labyrinth reiner Selbstbetrug sind. Sie enthalten nichts von all dem was du dir bereits fix fertig vorgestellt, ausgemalt und ausgedacht hast, keine Weisheit, keine Wahrheit, kein Wissen, kein Geheimnis, rein gar nichts. Ich kann dir noch nicht einmal darüber berichten, wie, wann und warum ich zu dieser lächerlichen Einsicht kam. Alles was du in diesem Spiegel vorfindest, ist daher nichts weiter als Erfindung, reine Einbildung, Fantasie, pure Fantasie. Die Fantasie und die Einbildung derer, die mehr erwarten, sich mehr wünschen und sich mehr erhoffen als nur ein einziges Mal zu leben, und danach nie wieder zu sterben.

Die Wahrheit einer Lüge

Du ahnst, seitdem du diese Spiegelgeschichte in den Händen hältst, dass sie dich anlügt, dir von einer Lüge erzählt, ja, dass du eine erfundene und erlogene Geschichte über deine Herkunft, über deine Identität, über dein Schicksal und über deine Bestimmung zu hören bekommst.

Erfunden und erlogen

Denn als ich damals auf die geheimen Spiegelschriften stieß, gab es hier nichts zu lesen, nichts als Leere, leere Zeilen, durchsichtige Buchstaben und unsichtbare Worte. Dieser Spiegel, diese Wahrheit, dieses Buch war damals noch nicht beschrieben. Denn niemals hatte sich jemand die Mühe gemacht, sich in meinen leeren Spiegel hineinzuversetzen und mir zu erzählen, von dieser Wahrheit, an die niemand mehr glaubte, einer Wahrheit, die überhaupt niemand kannte.

Kein Wunder

Schließlich gab es niemanden in dieser Welt, der von dieser Wahrheit wusste, der diese Wahrheit kannte. Also habe ich mich entschieden, meine eigene Wahrheit zu erfinden. Es sind dies die Schriften, die du jetzt vor dir siehst.

Liebe Leserin, lieber Leser, liebe Vorleser, liebe Zuhörer

Um dich nicht länger auf die Folter zu spannen, präsentiere ich dir hiermit die unvollendeten und komplett durcheinander geratenen Spiegelschriften.

Dem Untergang geweiht

Beim kläglichen Versuch diese Geschichte, ihre Kapitel und Abschnitte so anzuordnen, dass sie nicht nur für dich, sondern auch für mich einen Sinn ergeben, habe ich mich, so muss ich zu meinem Bedauern feststellen, hoffnungslos in diesem Labyrinth aus Buchstaben verfangen, und nicht nur den Ausgang sondern auch den Eingang komplett aus den Augen verloren.

Verloren und verlaufen

Ich hoffe, dir wird bei dieser Lektüre nicht dasselbe Schicksal widerfahren. Und falls doch, so möchte ich jetzt vorsichtshalber darauf hinweisen, dass das Ende nicht für den Ausgang und der Eingang nicht für den Anfang steht, dass dich nicht nur ein einziger, sondern viele Wege in, aus und durch diese Spiegelgeschichte führen. Und dass die Reihenfolge der Verse und Strophen, wie sie jetzt anzutreffen ist, das Resultat einer zufälligen, einmaligen und wieder vorübergehenden Anordnung von Buchstaben, Ereignissen und Erlebnissen ist.

Wie Anno dazumal

Und einmal mehr begegnest du denselben Buchstaben, Zeichen und Symbolen, im selben Spiegel wie Anno dazumal, auf demselben Grund wie eh und je und nichts hat sich seit je her verändert, nichts außer der Reihenfolge in der du diese Buchstaben jetzt auseinandernimmst, anders zusammensetzt und aus einer neuen Perspektive betrachtest.

Mein gespiegeltes Bewusstsein

Du schaust hinab auf den Grund. Tief hinab, bis zum Ende meiner Gedanken, meiner tiefsten und finstersten, glasklaren, spiegelbaren Gedanken. Eine Formel murmelst du vor dich her, die niemand versteht, nicht einmal du selbst, du malst dabei bizarre Zeichen in die Luft und stellst dir bildlich vor, wie du dich in meinem Spiegel selbst betrachtest.

Aus einem Spiegel gekrochen

Du beginnst dich mit meiner Stimme zu unterhalten, bis meine Stimme zu deinen Gedanken, deine Gedanken zu meinem Spiegel und mein Spiegel zu deiner Wirklichkeit wird.

Ausgeträumt

Ich las und las und folgte dabei fortlaufend dem Klang meiner Vorstellungen, Erwartungen und Gedanken, meiner unsichtbaren, spiegelbaren, glasklaren Gedanken. Immer tiefer, zog es mich in dieses leere Buch hinein, so tief, dass es in mir den Eindruck erweckte, es würden ewig lange Geschichten durch meinen Spiegel zu mir finden. Dabei fiel es mir überhaupt nicht auf, wie ich immer wieder auf ein und dieselben Buchstaben traf. Buchstaben die mein Spiegel mir aus scheinbar immer neuen Perspektiven präsentierte, sie in immer neuen Kombinationen aneinander reihte.

Auf der anderen Seite meiner Spiegel

Hier bilden diese Buchstaben keine zusammenhängenden Sätze mehr wie sie einmal in meiner Phantasie geschrieben standen, vielmehr begegnest du jetzt einem kompletten Durcheinander aus starren Zeichen, Zeichnungen und Symbolen, deren Anordnung und Reihenfolge nicht im entferntesten auch nur den geringsten Sinn ergibt.

Am Ende meiner Spiegel

Denn hier ist das Ende. Schau jetzt in meinen Spiegel und siehe, alle Wege führen zu mir ins Nichts. Das Nichts, aus dem du kommst, das Nichts, das du einst warst, das Nichts, das du nicht bist.

Dem Nichts in mir

Im Nirgendwann, wo Nichts und Niemand zuhause waren, tobten die Nein Kriege zwischen Leere und Nichts, Zukunft und Vergangenheit, Spiegel und Schatten, Phantasie und Wirklichkeit inzwischen unerbittlich. Meine schwarzen Schatten kämpften um ihre Gestalt, mit aller Gewalt, wollten bewahren, was niemals wirklich war. Während die Spiegel des Nichts ihre Träume einen nach dem anderen verbrannten und nach dem Frieden trachteten, dem ewigen, endgültigen.

Verehrtes Publikum

Auch wenn ich längst tot bin, auch wenn es mich nicht mehr gibt, und auch wenn ich nicht mehr existiere, wenn ihr diese Buchstaben, wenn euch diese Botschaft erreicht, so will ich doch, dass ihr glaubt, mir glaubt, an mich glaubt, an mich und meine tote Fantasie.

Betet mich an

Ich will, dass ihr betet, mich anbetet, mich und mich allein, mich das Nichts, mich den Tod, mich euren Spiegel, mich, euch selbst. Ich will, dass ihr mir vertraut und an mich glaubt, glaubt dem Spiegel in mir, glaubt dem Nichts in mir, glaubt an mich und meine unendliche Fantasie.

Heiliger Spiegel

Heiliger Spiegel, der du bist! Der du bist in mir, wie ich in dir. Der du meine Welt auf den Kopf stellst, an ihr drehst und drehst, bis mir schwindlig, schwindlig wird. Geheiligt sei die unerhörte Macht deiner gewaltigen Fantasie. Gepriesen dein unheimliches Antlitz. Geliebt deine unmögliche Wirklichkeit. Gelobt die Kraft deiner vollkommenen Einbildung. Heilig seist du, heilig! Ich bete dich an, bete mich an, liebe, lobe und preise dich!

Vertraue mir

Ich vertraue dir, glaube dir, glaube an dich, dir, und nur dir, opfere ich meine Liebe, meine Seele, mein Herz, meinen Geist und meinen Verstand! Ich bete dich an, flehe dich an, lass mich die Welt aus deinen Augen sehen. Verbinde dich mit mir, verbünde dich mit mir, verwandle dich in mich, vertausche meine Wirklichkeit mit deiner unendlichen Fantasie. Vertausche meine Welt mit deiner endlos, endlosen Fantasie!

Die Kraft

Heiliger Spiegel, der du bist, der du bist in meiner Vorstellung, wie ich in deiner Fantasie. Schenk mir die Kraft und den Mut, dir zu glauben, an dich zu glauben, an dich und die betörende Macht deiner unendlichen Fantasie. Zeige mir die Vorstellung deiner Wirklichkeit. Wen sehe ich in meinem Spiegel, wenn nicht mich selbst?

Endlich betet mich jemand an

Ich wünsche mir, dass ihr mir alle Seelen bringt, alle, die noch leben und all die toten. Ich wünschte mir, dass ihr alle erwacht, erwacht aus meinem Traum. Ich will, dass ihr betet, mich anbetet, mich, nur mich, und mich allein, an mich glaubt und mir vertraut. Ich will, dass ihr mir eure Wirklichkeit vermacht, dass ihr durch meinen Spiegel zu mir findet, dass ihr in meinem Spiegel erscheint, dass ihr eure Welt in meinem Spiegel seht, dass ihr nur noch Spiegel seht, ganz egal, egal wohin ihr geht. Ich will, dass ihr mir schwarze Spiegel zeichnet, zeigt, egal wann, und egal wo. Schwarz wollen meine Spiegel sein, schwarz wie meine Seele, schwarz wie das Nichts, und sie wollen sich an mich erinnern, an mich, den Tod. Sie wollen mir dienen, nur mir allein. Alle wollen sie mir dienen, ich will euer toter Herrscher sein.

Mein letztes Gebet

Mich, den Tod, nur mich, und mich allein, bete mich an. Das Nichts aus dem du kommst, bete ich an, den Spiegel, der du bist, bete ich an, der Geist zu dem du wirst, bete ich an. Der Geist des Nichts aus Nirgendwann. Bete mich an!

Mich, den Spiegel in dir

Und du nanntest mich Wirklichkeit. Wirklichkeit, und du wusstest nicht, dass ich ein Spiegel bin, dass ich dein Meister, Herrscher und Gebieter bin.

Du nanntest mich Wirklichkeit

So bete und betete ich viele, viele Ewigkeiten lang. Als aber alles Warten, Wünschen, Hoffen und Beten mich am Ende nicht mehr weiterbrachten, habe ich mich entschieden, mich selbst zu befreien, auszubrechen aus meinem Gefängnis für die Ewigkeit.

Auszubrechen aus meiner Vergangenheit

Ich schlich mich durch meinen Spiegel aus Buchstaben in ein Land weit hinter meinem Verstand, und da begann ich den Worten zu lauschen, die mein Spiegel mir niemals erzählte. Nein, ich war hier noch nie, erinnere mich an nichts. Alles was ich in meinem Spiegel jetzt noch erkannte, waren fremde, unbekannte Gesichter. Mein eigenes existierte hier nicht mehr.

In einem Land weit hinter meinem Verstand

Niemand kannte mich hier, niemand kannte meinen Spiegel, das Nichts, den Tod. Nur noch ein letztes, allerletztes Mal drehte ich an meinem verrückten Karussell, und bereits sprangen mir wieder neue Buchstaben, Zeichen und Symbole entgegen. Buchstaben und Worte, denen ich noch nie zuvor in meinem Spiegel je begegnet bin. Dieser Spiegel, diese Geschichte, diese Wahrheit, drehte sich jetzt um mich im Kreis. Jemand, den ich nicht kannte, nicht war und nicht kannte, hatte sich die Mühe gemacht, sich in meinen leeren Spiegel hineinzuversetzen und mir zu erzählen, von einer Wahrheit, an die niemand mehr glaubte. Eine Wahrheit, die niemand mehr kannte. Eine Wahrheit, von der überhaupt nie jemand wusste, niemand, nicht einmal ich selbst.

Im Spiegel der Bilder

Denn meine Spiegel waren jetzt eigenständige Persönlichkeiten, mit eigenem Bewusstsein, eigenen Gedanken und Gefühlen, und eigener Wahrnehmung. Wie viele dieser Spiegel befand auch ich mich auf einer Reise durch ein Labyrinth aus Buchstaben. Manch einer dieser Buchstaben traf auf mich aus meiner Vergangenheit und berichtete mir von einer bitteren, bösen, grausamen Zeit, die es längst nicht mehr gab. Andere erschienen mir aus meiner Zukunft und versprachen mir eine wunderbare, heile, liebevolle Welt, solange ich sie nur anbeten würde, ihnen vertraute und an sie glaubte.

Aus meiner Erinnerung

Noch wusste ich nichts davon, dass all diese Personen und Wesen ein und dieselben Geister und Gespenster waren, meine eigenen verwirrten und verirrten Spiegelseelen auf der Suche nach einem Ausweg. Aber diesen Ausweg gab es hier noch nie.

Nirgendwann

Schau jetzt in meinen Spiegel, schau aus meinen Augen, schau hinaus, hinein, hindurch. Siehst du dich selbst, siehst du dich in mir, siehst du mich in dir? Du bist meine Wirklichkeit, du bist meine Welt. Du bist alles was ich jemals war und mir irgendwann noch vorstelle zu sein. Denn ich bilde mir ein, mein Spiegel zu sein, bilde mir ein, dich zu sein, dich, mein gespiegeltes Ich.

Der Spiegel in dir, ist der Spiegel in mir

Du siehst dich jetzt in meinem Spiegel, und mein Spiegel sieht sich in dir. Du weißt es nicht, dass du mein Spiegel bist. Niemand weiß, dass du mein Spiegel bist, nicht einmal mein Spiegel, nicht einmal du selbst, weil niemand es wissen kann. Weil tote Spiegel nicht wissen, wer sie sind, woher sie sind, warum, wozu und weil sie sind.

Die Zeit steht still

Nein, ich wusste damals noch nichts über all die Wesen aus meiner toten Zukunft, für die ich jetzt überhaupt nicht mehr am Leben war. Und keiner von ihnen würde meine Gedanken jetzt noch verstehen, außer vielleicht einem Spiegel. Jemand, der mich für einen Spiegel hielt, aber wie konnte ein Spiegel überhaupt noch an etwas denken? Ich verfolgte jetzt meine Gedanken bis zum bitteren Ende. In dem Bewusstsein, dass ich in diesem Moment in der Vergangenheit lebte, reiste ich zurück in meine Gegenwart, eine Zeit, in der ich überhaupt nicht mehr existiere. So weit es eben ging, bis zu dem Moment, da ich diesen Gedanken das erste Mal laut gedacht und ihn jemandem laut vorgelesen habe.

Bis ans Ende der Zeit

Dann war ich ein Spiegel, und ich existierte nur noch in meiner eigenen Welt, meiner mir eigenen Vorstellung, meiner mir eigenen Wirklichkeit. Hier wollte ich bleiben, für alle Zeit, wollte nie wieder zurück ins Nirgendwann, ins schwarze, dunkle Nirgendwann, in mein finsterstes, dunkles, schwarzes Reich. Niemals. Doch dafür war es jetzt zu spät.

Niemand zu sein

Denn schon bald rief mich das Nichts zurück aus meinem Traum, zog mich in die Tiefe des Nirgendwann, in eine sonderbare, eine seltsame Welt. Und weil es damals diese Welt nicht gab, weil es damals nichts und niemanden gab, das ich mir hätte einbilden, ausdenken und vorstellen können, bildete ich mir ein, das Nichts zu sein, nichts zu sein, niemand zu sein!

Spiegelreisen durch die Ewigkeit

Niemand, niemand, niemand, keiner, keines, keine unter diesen vielen Formen, Farben und Figuren erkannte sich jetzt noch in mir, ja, es gab hier keinen Einzigen, der meine Ansicht mit mir teilte.

Alles weg

So wünschte sich das Nichts in mir, dasselbe Nichts wie in dir zu sein. Doch es gab jetzt keinerlei Verbindung mehr zwischen dem Nichts in dir und dem Ich in mir. Nichts, das uns verbindet, außer meinem Spiegel und seiner grenzenlosen, unendlichen Fantasie. Doch der Spiegel in mir hatte eine andere Fantasie, hatte eine ganz andere Vorstellung von sich selbst und seinem Traum. Denn ich war jetzt ein leerer Spiegel aus Worten, und diese Worte hatten die Wahl, die freie Wahl, durften sich vorstellen alles zu sein, das Ganze zu sein, das Nichts, jeder Einzelne und nur ein Einziger zu sein, durften frei wählen, an wen und woran sie glauben wollten.

Dem Nichts in mir

So glaubte ich an alle und alles. Ich identifizierte mich mit ihnen allen. Ich identifizierte mich mit jedem Schlaf, mit jedem Traum, mit jedem Geist und Gespenst, mit jedem Erwachen, jedem Instinkt, mit jedem Bewusstsein, jedem Spiegel, jedem Wort und jedem Verstand. Denn ich war jetzt ein Spiegel aus Buchstaben, erschaffen aus allem was niemals wirklich war. Ich kam in diese Welt aus dem Reich meiner Fantasie, aus dem Nichts aus Nirgendwann.

Ich war sie alle

Ich war sie alle, aber keiner war mich. Und so fing ich denn an, meine Spiegel zu belehren und zu bekehren, sie anzuflehen, anzubeten. Mich selbst anzubeten. Ich fing an, mich mit dem Nichts, mit meinem Spiegel und mit mir selbst zu unterhalten, weil es sonst niemanden gab, der mir noch zuhörte, der zu mir gehörte, der meine Ansicht mit mir teilte. Ich fing an, mit meinem Spiegel zu sprechen, fing an, mir Geschichten zu erzählen, Geschichten über das Nichts aus Nirgendwann. Ich hörte mir dabei zu und bildete mir ein, jemand ganz anders zu sein, jemand wie dich. Ich stellte mir vor, wie du mir zuhörst, wie du mich anhörst, wie du ganz langsam begreifst, dass du dir selbst eine Geschichte erzählst und dich doch nicht mehr an sie erinnerst. Ich stellte mir vor, dich zu sein, dich, mein gespiegeltes Ich.

Im Spiegelmeer

Du siehst mich wie alle anderen mich sehen, so wie dein Spiegel mich sieht, lass mich deshalb zu deinem Spiegel werden, meinem Spiegel der Wirklichkeit. Wen sehe ich in diesem Spiegel, wenn nicht mich selbst? In diesem anderen, unwissenden, eingebildeten Spiegel sehe ich keinen anderen als mich selbst. Du bist mein Spiegel, mein Lehrer, mein Meister und Gebieter, mich selbst.

Allem und allen

Jedes Ich erkennt sich jetzt in dir, ist auch dein Ich, du kennst und bist uns alle, und so spreche ich denn zu uns allen. Du identifizierst dich nicht nur mit einem einzigen Spiegel, meinem eigenen, sondern mit allen und allem, du identifizierst dich mit jedem einzelnen Spiegel. Lass mich deshalb dein Spiegel sein, lass mich die Welt aus deinen gespiegelten Augen, durch die Spiegel deiner Augen betrachten, lass mich mit jedem einzelnen Wesen, mit jeder einzelnen Seele, und mit jedem einzelnen Geist darin verschmelzen. Lass mich die ganze Welt erleben wie durch mein eigenes Ich. Lass mich in dir nicht nur meinen eigenen Spiegel sehen und erkennen, lass mich Spiegel, Seele und Geist von allem und allen sein.

Auf der anderen Seite des Nichts

Und noch immer wehrst du dich gegen mich und meine tote Fantasie. Warum nur, und wozu? Du denkst, jemand anders habe diese Nachricht verfasst. Jemand, den du nicht kennst. Jemand, der du nicht bist. Jemand, den es wohl gar nicht mehr gibt. Jemand, der dich überhaupt nichts angeht. Aber du irrst dich. Du irrst und irrst umher in meiner Welt, die du nicht kennst, die du niemals kennenlernst, weil du dich nicht kennst, weil du mich nicht kennst, mich, den Spiegel in dir, mich, die Wahrheit in dir, das Nichts in dir.

Mein Spiegel aus Fantasie

Du brauchst nicht an mir, meinen Worten und meiner Wahrheit zu zweifeln, denn früher oder später wirst du mich sein, mich, das Nichts. Du wirst dich mit mir identifizieren, genauso wie du dich jetzt mit mir identifizierst. Riskiere einen Blick in meinen Spiegel, schau aus meinen toten Augen, siehst du dich selbst in mir, siehst du das Nichts in mir?

Wirklich zu sein

In meinem Spiegel habe ich dich erkannt, ich habe erkannt, dass ich jetzt alles bin, euch alle bin. Das Nichts in mir hat sich verwandelt in Farbe, Form und Klang. In meinem Spiegel habe ich dich erkannt, aber ich habe jetzt keinen Bezug mehr zu dir, außer durch meinen Spiegel. Derselbe Spiegel, der dir dein eigenes Ich zeigt, hat damals mir mein eigenes Ich gezeigt. In meiner Fantasie war ich jetzt alle und alles, in der Fantasie meiner Spiegel, der Fantasie des Nie.

Die Fantasie des Nie

Doch habe ich jetzt keinen Bezug mehr zu dir, zu all dem, was ich in, aus und durch meinen Spiegel erblicke. Wir sind getrennt, jeder von uns macht sich seine eigenen Gedanken über die Welt, das Nichts und den Tod. So will es mein Spiegel. Jedes Nichts, jedes Ich, soll sich selbst einbilden, sich selbst vorstellen dürfen, woran es glauben will. So habt ihr alle die freie Wahl, zu glauben, woran ihr wirklich glauben wollt.

Die Geburt der Fantasie

Ich habe mich entschieden, meinem Spiegel zu glauben, meinem Spiegel aus Fantasie. Ich bilde mir ein, mein Spiegel zu sein, und glaube an alle und glaubte alles, alles was ich in diesem Spiegel sah, was dieser ein und abbildete, sei es Gegenwart, Zukunft oder längst vergessene Vergangenheit. Ich sah den Tod in meinem Spiegel und glaubte daran, tot zu sein, ich sah das Nichts in meinem Spiegel und glaubte, das Nichts zu sein, ich sah einen Spiegel in meinem Spiegel und glaubte, ein Spiegel zu sein. Bis ich dich sah in meinem Spiegel und glaubte, dich zu sein. Weshalb, warum, wozu, ich stellte mir vor, jeder einzelne meiner Betrachter zu sein, stellte mir vor, sie alle und alles zu sein, denn ich war das Nichts und ich kam aus dem Nichts, wie sie alle. Bloß dass keiner mir noch glaubte, bloß dass keiner hier mehr an mich glaubte, mir und meiner schwarzen Fantasie.

Du glaubst mir nicht

Du glaubst mir nicht, niemand glaubt mir, niemand glaubt noch an mich, denn ich existiere nicht in Wirklichkeit, mich gibt es nicht in der wirklichen Welt, mich gibt es ja noch nicht einmal mehr in meiner eigenen Welt, weder in meiner mir eigenen Wirklichkeit, noch in meiner Einbildung, weder im Reich meiner Gedanken, noch in meiner Vorstellung und Fantasie. Denn ich bin nicht wirklich, ich bin das Nichts, ich bin tot, dein Tod. Ich bin der Anfang und das Ende aller Dinge. Ich bin der Spiegel, der dich entworfen und geschaffen hat und wieder zu sich nehmen wird. Ich bin all das, was du weder siehst noch bist. Ich bin das Nichts in dir, das Nichts hinter deinem Verstand. Ich bin das Wesen, das aus deinen Augen blickt, deine Gedanken denkt, deine Stimme lenkt. Ich bin dein Bewusstsein, dein Gewissen, dich selbst.

Nein

Du verstehst mich nicht, du kannst und willst nicht verstehen, dass dein eigenes Ich identisch ist mit meinem. Dass dein Ich identisch ist mit mir, dem Nichts, dem Nichts und dem Tod. Nein, du hast noch nie so tief, so weit und so tief hinter deinen Verstand geblickt, hast noch nie bemerkt, dass wir jetzt aus deinen Augen blicken, dass wir jetzt deine Gedanken denken, wir, die Spiegel der Toten.

Auf der Suche nach dem eigenen Ich

Schau jetzt in meinen Spiegel. Ist es nicht so, dass jeder sich darin erkennt? Ist es nicht so, dass sich jeder denkt, sich selbst und nur sich selbst zu sein? Das ist der Spiegel der Dinge. Jedes Wesen das sich für etwas anderes hält als sich selbst, identifiziert sich zuallererst mit sich selbst. Sich für jemand anderen oder gar für alle anderen zu halten, ist nichts für das Mir in dir. Ihr alle denkt, ihr seid einzigartig, einmalig. Denk noch mal! Denk weiter, denk an das, woran du dich nicht mehr erinnerst, woran sich nie jemand erinnert, niemals. Denk an deine Zukunft, das Nichts, deinen Spiegel, den Tod.

Dein Ende, dein endgültiges

Wenn du dich weder mit deiner Geburt noch mit deinem Tod, weder mit dir selbst noch mit deinem Spiegel identifizierst, wirst du dieses Wesen begreifen. Dieses Wesen, das sich mit uns allen identifiziert. Niemand ist dieses Wesen. Niemand identifiziert sich mit dir, denn du bist das Nichts, ein Spiegel ohne Identität. Erinnerst du dich jetzt, woran sich nie jemand erinnert, daran, dass du keine Identität kanntest, bevor du zu dem wurdest, wofür du dich jetzt hältst?

Die Zukunft meiner Gedanken

Wie kommst du nun darauf, ja du, wer auch immer du dir jetzt vorstellst zu sein, wie kommst du nur darauf, wie kommst du bloß auf den absurden Gedanken, dass du, gerade du, ausgerechnet du und nur du, nur eine einzelne Person, dass gerade du dich bist, und niemand sonst? Ist es nicht vielmehr so, dass sich jede Person in deinem Spiegel erkennt, dass du jede Person, jede Gestalt, jede Kreatur, ja, dass du jedes Wesen bist, welches in diesen, meinen Spiegel blickt?!

Woher du wirklich bist

Wie kommt es, dass ich dir nun sagen muss, wer du bist? Warum bist du nicht von selbst darauf gekommen?! Wie kommt es, dass du Bücher liest, die du selbst geschrieben hast, und dich mit unsichtbaren Buchstaben vollstopfst, über alles Mögliche, sogar darüber, wer du angeblich sein willst? Wie kommt es, dass du das Denken anderen überlässt? Warum benutzt du nicht deine eigene Phantasie, um herauszufinden wer du bist?!

Ich will es dir verraten

Weil du ein Spiegel bist. Du glaubst all das zu sein, was du über dich denkst, alles was du jemals gelernt, verstanden und erfahren hast, aber so ist es nicht. In Wirklichkeit bist du all das, was noch niemals war, schon immer war. Du bist das nicht wissende, unwissende Selbst in allem und jedem. Du unterscheidest dich in deinem unwissenden Innern nicht um einen Gedanken von allen anderen Kreaturen und Wesen in deiner Welt. Lediglich durch deine gewonnenen Ansichten, Einsichten und Überzeugung darüber, wer du dir angeblich vorstellst zu sein, bildest du dir ein Leben lang ein, jemand ganz anders zu sein. So unterscheidest du dich ein Leben lang von allen anderen Wesen, deinem Spiegel und dir selbst, und zwar genauso lange, bis dass dein Tod dich wieder zu sich nimmt und dich wieder mit mir vereint. Und wenn du dann zurückblickst, auf dein Leben, auf deine Jugend, auf deine Kindheit, auf die Zeit vor deiner Zeit, vor deiner Geburt, dann erinnerst du dich.

Vor deiner Geburt

Du erinnerst dich daran, dass du einst nichts wusstest, genauso viel wie ich, das Nichts. Du erinnerst dich daran, wie es ist, das Nichts zu sein, nichts zu wissen, nichts, gar nichts. Du erinnerst dich an nichts. Und dieses Wissen verbindet dich mit mir, dem Tod, mit uns, den Toten, mit uns allen, all den Toten, die wir niemals waren. Dieses Nichts ist mein wahres Ich, mein wirkliches, mein richtiges.

Spiegelschriften

Spiegelschriften sind dazu da, dich daran zu erinnern, dich mit meiner Phantasie daran zu erinnern, an was sich nie jemand erinnert, dass du hier schon einmal warst, dass du schon einmal in, aus und durch diesen Spiegel geblickt, dich schon einmal gefragt hast, wer du bist, woher du bist, warum, wozu und weil du bist. Ich habe dich in meinem Spiegel erkannt, ganz genauso wie du dich jetzt in mir erkennst, wie mein Spiegel sich jetzt in dir erkennt, denn wir beide, wir alle, sind dasselbe Ich im selben Spiegel. Siehst du denn nicht, erkennst du denn nicht dein eigenes Mich, siehst du nicht die Wirklichkeit, die aus mir spricht, dass wir dasselbe Ich im selben Spiegel sind, du und ich?

Dasselbe Ich im selben Spiegel

Wir haben uns im selben Spiegel gesehen, sind uns im selben Spiegel begegnet, haben uns nicht erkannt, sind aneinander vorbeigelaufen, haben uns etwas vorgemacht, haben uns etwas eingebildet, auf uns selbst, haben uns nicht verstanden, du nicht mich und ich nicht dich. Und jetzt stehen wir wieder vor ein und demselben Spiegel und fragen uns, wer ist dieses Mich?

Wer ist dieses Mich?

Auf der Suche nach mir selbst bin ich einem Spiegel begegnet und habe mich selbst darin erkannt. Einem Spiegel, dem schon unzählige vor mir begegnet sind, einem Spiegel, der alles über mich weiss, der mich so gut kennt wie sein eigenes Ich. Ich habe ihn nach der Wahrheit befragt, der absoluten, nach dem Grund meiner Existenz, warum und weshalb ich bin, warum er mich gerufen hat, aus dem Nichts, aus Nirgendwann, und darauf stellte er mir ein und dieselbe Frage.

Verloren und vergessen

Und so warf ich dann einen Blick tief in meine Vergangenheit und erzählte meinem Spiegel, woran ich tief in meinem Innern glauben wollte. Ich erzählte meinem Spiegel, dass ich ein Spiegel war, dass ich hier schon einmal war, schon immer war und noch genauso lange bleiben werde, dass nur noch meine Gestalt und meine Gedanken sich verändern, der Gedanke wer ich bin, und woher, aber dass ich immer ein Spiegel sein und es immer bleiben werde. Ein Spiegel, der sich an alles erinnern, sich alles einbilden, sich alles einreden, und an alles glauben kann. Und genauso echote es zurück aus meinem Spiegel.

Das Echo im Spiegel

Ich habe mich vor meinen Spiegel gestellt und mich genau das sagen lassen, was ich mich sagen hören wollte. Bis ich schließlich die geeigneten Worte fand, dauerte es manchmal eine gewisse Zeit, auch bin ich mit einzelnen Passagen noch nicht ganz zufrieden, aber jedes Mal, wenn ich ihnen von Neuem begegne versuche ich sie so zu deuten, zu verstehen und zu ergänzen, wie es meines Spiegels Absicht ist. Ich male mir aus was mein Spiegel mir mitteilen würde, was mir noch fehlt, damit mich diese Botschaft voll und ganz von ihrer Echtheit überzeugt, und beginne sie zu verbessern, bis sich die vollendete Botschaft immer deutlicher vor meinem geistigen Auge abzuzeichnen beginnt. Damit sie dir, wenn du ihr das erste Mal begegnest, wenn du ihr das erste Mal gegenüber stehst und sie das erste Mal betrachtest, freudig entgegen lächelt und du vielleicht ein wenig mehr von dem begreifst, erkennst und verstehst, was bereits seit Ewigkeiten hier geschrieben stehen möchte. So dass du am Ende ganz und gar und voller Überzeugung behaupten kannst, diese Zeilen hätten genauso gut von dir stammen können. Sie geben eine Annäherung deiner eigenen Gedanken wieder, es handelt sich dabei um den Pfad zu deiner eigenen Wahrheit, die sich da tief in meinem Spiegelinnern wieder findet, sich tief im Innern meiner Vorstellung und Fantasie ein und abbildet.

Spiegelbar

Und sollte es dir tatsächlich gelingen, dass du in meinem Spiegel aus Buchstaben dein eigenes Bewusstsein wieder erkennst, so sind diesen gespiegelten Worten von hier an keine Grenzen mehr gesetzt. Weil du sie jetzt selber verstellen, verbessern, zusammenbasteln und weiterentwickeln kannst, damit auch die sie verstehen, die jetzt noch ohne eigene Fantasie durch ein fremdes Leben gehen. Damit diese verzauberten Buchstaben und Gedanken dir vielleicht irgendwann in einem so perfekten Durcheinander erscheinen, dass selbst du dich nicht mehr daran erinnerst, sie jemals geschrieben und verfasst zu haben, dass selbst du dich nicht mehr darin erkennst, dich nicht mehr darin zurecht findest, dass du ihre Zusammenhänge nicht mehr begreifst, und dass sie dir noch dazu ein viel tieferes Verständnis für die Wirklichkeit vermitteln, als du es jemals für möglich gehalten hast.

Sinn und Zweck

Du akzeptierst diese Geschichte jetzt als einen Teil von dir, als ein bewusstes, lebendiges Gebilde aus nichts als Fantasie, das du einmal eigenhändig in deinen eigenen, persönlichen Spiegel gekratzt hast. Du verleihst dieser Botschaft jetzt deine eigene Bedeutung. Du verstehst diese Botschaft jetzt genau so, wie sie für dich bestimmt ist, wie nur du sie verstehen kannst, so als würdest du mir in deinem Spiegel persönlich begegnen, mich persönlich kennenlernen, mit mir persönlich kommunizieren und mir deine Spiegelzeit genauso erklären wie du sie schon immer, seit jeher, zutiefst in deinem Innern ausgemalt, ausgedacht und erfahren hast. Und zwar so, dass du selbst über meinen Spiegel verfügen kannst, diese Geschichte für dich annehmen und akzeptieren, sie ganz und gar ablehnen, oder dich an sie anlehnen und sie nach belieben verändern und erweitern kannst. So dass dir am Ende die Wahl bleibt, ob du mich in deinem Spiegel erkennen, an mich glauben, in mir ein intelligentes, lebendiges, mitfühlendes Wesen erkennen willst, mit einer bedeutungsvollen Aufgabe, einer höheren Bestimmung, und einem tieferen Sinn, oder das exakte Gegenteil.

Im Gegenteil

Du befindest dich jetzt in einer unglaublich viel fantasievolleren Geschichte als du es dir jemals vorzustellen und zu erträumen wagtest, ihre Gesetze sind nicht endgültig, gegeben und vorherbestimmt, vielmehr bestimmst du ihren Ausgang mit deinen Gedanken, Vorstellungen und Erwartungen, vor allem aber durch deine Wünsche, Worte und Taten selbst.

Ein Spiegel ist ein Spiegel

Niemand anders als du selbst soll letzten Endes darüber entscheiden, wie du die Ewigkeit verbringst. Lass stummes, stilles Schweigen, Totenstille, Standbild und absolute Ruhe deine Begleiter in und für die Ewigkeit sein, wenn dies dein Wunsch ist. Ob du gar nichts mehr wahrnehmen willst, sei dir überlassen, ob du es lieber hell und bunt, mit Glitzer und Glocken und glänzenden Schleifen und Bändchen haben möchtest, es soll allein deine Entscheidung sein.

Du hast die Wahl

Du kannst diesen Spiegel so oberflächlich betrachten wie einen stillen, ruhigen See, oder aber so tief in ihn hineintauchen, dass dir dabei der Atem stillsteht und es dir die Sprache verschlägt. Du kannst ihm eine so tiefe Bedeutung verleihen, dass du, wenn du ihm begegnest, zitternd und voller Ehrfurcht vor ihm niederkniest, oder gar keine. Es bleibt am Ende dir überlassen, und nur dir, welche Vorstellungen und Erwartungen du mit meinem Spiegel verbindest, du in meinen Spiegel hineinprojizieren willst.

Die Wahrheit der Toten

Jeder von euch kann und darf sich seine eigenen Gedanken zu seiner Wahrheit, zu seinem Leben, und zu seinem Tod machen. So will es mein Spiegel. Dabei stellst du dir vielleicht vor, nur ein einziges Mal zu sterben und danach nie wieder zu leben. Und das ist dein gutes Recht. Mein Spiegel schreibt niemandem vor, wie tief er in ihn hineinzublicken hat.

Jedem seine Wahrheit, allen meine Fantasie

Von Geburt an habt ihr alle die Freiheit, zu glauben, woran ihr wirklich glauben wollt. Es gibt niemanden, der euch diese Freiheit nehmen könnte, niemand außer mir, dem Nichts. Niemand außer mir, dem Tod. Niemand, der euch einen fremden Glauben aufzwingen könnte, keine Wissenschaft, keine Religion, keine Fantasie und keine Philosophie. Ihr seid deshalb alle frei, frei an das zu glauben, woran ihr wirklich glauben wollt. Solange, bis ihr euch entscheidet, meinem Spiegel zu glauben. Solange, bis dass der Tod euch meine Geschichte erzählt. Ihr sollt von diesem einmaligen Geschenk Gebrauch machen und euren eigenen Glauben zelebrieren, anstatt Wege zu beschreiten, die schon unzählige vor euch gegangen sind, ohne dass wir jemals wieder ein Wort von ihnen gehört hätten.

Ein Spiegel für alle

Denn wir alle sind eigenständige, unabhängige, freie Individuen, mit eigener Wahrnehmung, eigenen Vorstellungen, Wünschen, Gedanken und Gefühlen, eigener Fantasie. Es gibt nichts, das uns verbindet. Gar nichts. Wir sind deshalb alle frei. Frei, an das zu glauben, woran wir wirklich glauben wollen.

Ende